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Freitag, 26. Oktober 1888.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg md Kirchham

Expckitiwl Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag vou Joh. Lug. Koch.

Erscheint täglich aus« an Werktage» »ach Sonn» und Feiertage«. - Quartal-AdonuementS-PreiS bei der Sxpe- ditiou 21/. 3RL, bei deu Postämtern 3 SRI 50 Pfg. (exv. Bestellgeld). Jnfertionsgebübr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 35 Pfg.

Anreisen mm*t entgegen die Expedition d Blatte!, sowie d. Annonken-Bureaux von Haaseustei» und Bögler -

in Frankfurt a^M-, Soffel, Magdeburg n. Wien; Rudolf XXTII

Moste in Frankfmta. Berlin,MLnchenu. Kvl«; E. L. -Ou*#läuwy*

Dauben.To.mFrankfurt a.».,Berlin,Hannover.Pari!.

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Bestellungen für die Monate November und Dezember nehmen auf die

Oberheffische Zeitung

nebst Kreioblatt

für die Kreise Marburg und Kirchhain

und

Illustriertes Somttagsblatt

sämtliche Postanstalten, unsere Agentur in Kirchhain, sowie für hiesige Stadt un­sere Expedition noch fortwährend entgegen.

Di- Exped. der Oberh. Zeitung.

Großes Aufsehen

hat es allenthalben erregt, daß Kaiser Wilhelm II. bei seinen Besuchen im Laufe dieses Sommers ge­flissentlich England vermieden hat, obgleich es an und für sich doch sehr nahe lag, daß er seiner Groß­mutter, der Königin Viktoria, einen Besuch abstattete. Es brauchte ja nicht gerade in London zu sein. So selbstverständlich wie die Reisen nach Stockholm und Kopenhagen konnte unter Umständen auch eine Visite in London sein, und da sie nicht erfolgt ist, bleibt nur übrig anzunehmen, daß sie absichtlich vermieden ist. Man kann nun sagen, es habe dem Kaiser an Zeit gefehlt; aber dieser Grund erscheint nicht stich­haltig. Denn hätte er wirklich vorgelegen, würde er auch von Berlin aus kundgegeben worden sein. Aber in allen der Regierung nahestehenden Blättern wurde ein eisiges Schweigen in dieser Angelegenheit beobachtet, oder gerade herausgesagt, der Kaiser beabsichtige nicht, Großbritannien aufzusuchen. Ein Seitenstück zu dieser Thatsache bildete die andere, daß der englische Thronfolger, der Prinz von Wales, der zur Zeit der Reise des Kaisers im Süden in Wien zum Besuche anwesend war, angesichts der be­vorstehenden Ankunft seines kaiserlichen Neffen in 'der österreichischen Hauptstadt plötzlich nach UtHtlrn ab­reiste und jede Begegnung sorgfältig vermied. Wenn der englische Kronprinz keine Neigung hatte, während der ganzen Kaisertage in Wien zu verweilen, so würde sich das gut erklären lasten, denn es handelte sich um einen rein deutsch-österreichischen Freundschasts- austausch, bei welchem er das fünfte Rad am Wagen gespielt haben würde; aber es würde sich doch eine Gelegenheit gefunden haben, den Kaiser kurz zu be­grüßen. Der britische Thronfolger ist als einer der

fNachdruck »erboten.]

Ker Deserteur.

Novelle von StaniSlauS Graf Grabowski.

(Fortsetzung.)

War andererseits der Oberst hin und wieder über die kleinen Ungelegenheiten des Dienstes mißgestimmt und hatte nicht übel Lust, diese Laune seine unschuldige Tochte- fühlen zu lasse», so wußte der Graf, der die meisten Abende mit beiden zubrachte, so viele lustige Geschichten aufzubriugen, daß der Alte doch endlich lachen mußte und das Leben wieder ganz von der heiteren Seite nahm. Kurz, der neue Cornet, der jüngste Offizier seines Regiments, war ihm der Liebste von allen.

.ES ist ein Hauptkerl!* sagte er sich ost.Wenn er auch kein Vermögen Hal, ich möchte ihm doch meine Helene lieber geben, als jedem Andere», und ich sehe es ja mit klaren Auge», daß fie sich beide gut find. Warum er auch nicht endlich einmal das Maul aufmacht?"

Armer Oberst vou Brandt! Die Logik, die tr sich für seinen Lieblingswunsch machte, war nicht ganz richtig! Helene dachte nur an Leutnant von Beelen, der Cornet nur an ihre reizende Koustne.

Noch immer machte er seine Besuche auf Neuen tobe, ohne daß der Oberst eS ahnte; war ein Lall auf Militsch, so fehlte er daselbst gewiß nicht und ritt in einer Nacht aus seinem Rappe« oder seinem königlichem Chargeupferde die fünf oder sechs Meile« hin und zurück. Sagte aber in Militsch Jeder- man«: «Die Sache zwischen der Rose von Neuen­rode und dem Hnsaren-Cornei fei nicht ganz richtig!" so kam die» weder dem Obersten, noch Herrn von Lrandt zu Ohre». So verging der Winter; vaS der Oberst dachte, hab« wir schon gesagt, Herr Georg seinerseits kalkulierte:

,@r ist «ras, Offizier, hat ohne Zweifel Vermögen «ab Kälhchen scheint ihn gM leiden z» können. Warn» «ja nichts ..... ..

liebenswürdigsten Männer bekannt, die es überhaupt giebt, und daß zwischen ihm und dem deutschen Kaiser, dem er beim Begräbnis Kaiser Friedrichs zur Seite schritt, eine persönliche Feindschaft bestehen sollte, glauben wir nicht. Der Prinz von Wales ist, überall gern gesehen, wohin er kommt, und wenn er sich nicht in die Politik und andere Verhältnisse einmischen muß, so thut er es ganz gewiß nicht. Er muß also auf bestimmte Weisung aus London dem Kaiser aus dem Wege gegangen sein.

Welches sind nun die Ursachen der Differenzen zwischen Berlin und London? Man hat einige Zeit gesagt, die Verfeindung sei daraus entstanden, daß die Königin Viktoria die Tagebücher Kaiser Friedrichs mit nach London genommen und erst nach wieder­holter Aufforderung herausgegeben habe. Ist es richtig, so wäre es doch aber nur eine Familien- Angclegenheit, und die Hohenzollern sind bekannt dafür, daß sie ihre persönlichen Neigungen schweigen lassen, wo es das Wohl des Staates gilt. Kaiser Wilhelm L war wohl der beste Freund Kaiser Alexanders II. von Rußland und er schloß doch das Bündnis mit Österreich-Ungarn gegen Rußland ab. Man hat auch gesagt, die Königin Viktoria und Kaiser Wilhelm II. verständen sich nicht recht, wie denn auch der Kaiser von den Engländern über­haupt nicht viel halte. Daß der deutsche Kaiser ein echter Deutscher vor allem ist, ist ganz natür­lich, und darin ändert nichts eine persönliche Hin­neigung oder Abneigung nach dem Auslande zu. Kaiser Wilhelm L war ja ein außerordentlich großer Freund Rußlands, und die eine zeitlang sehr ge­spannten Beziehungen zwischen Berlin und Peters­burg haben niemand mehr Schmerz als ihm bereitet. Aber von eine» Einfluß auf seine Politik ist diese Vorliebe nicht gewesen. Die Königin Viktoria gilt als eine sehr stolze Dame, die von ihren Familien­angehörigen unbedingten Gehorsam fordert; dieser Eharakterzug ist aber erllärlich. Mit sehr jungen Jahren wurde sie Königin, und seit fast 30 Jahren war sie als Witwe auf sich selbst angewiesen. Das erklärt vieles. Daß die Königin aber auch per­sönlich liebenswürdig sein kann, dafür giebt es eben­falls Beweise. Als sie mit dem Fürsten Bismarck im Frühjahr in Charlottenburg eine einstündige Unterredung hatte, tonnte, das Organ des Reichs­kanzlers die Huld der Königin nicht genug rühmen. Und solche Höflichkeiten sind in derNordd. Allg. Ztg." recht selten. Darum meinen wir, mögen auch einzelne Familienendifferenzen zwischen London und Berlin bestanden haben und noch bestehen, Kaiser

Leutnant von Seelen war offenbar am schlimmsten daran. Er liebte Helene jetzt, wo er Widerstand an dem Willen ihres Vaters gefunden hatte, ebenso sehr, vielleicht noch mehr, als früher.

Die Tochter des Obersten, mit der er noch kaum ein Wort zu sprechen wagte, zeigte ihm auch offenbar durch manchen sentimentalen Blick, daß sie dem alten Ver­hältnis noch mit voller Seele anhänge; er selbst war aber zu sehr Soldat, um gegen den ausdrücklich aus- gesprochenen Willen seines Kommandeurs offen eine Bewerbung fortzusetzen, die er für ganz erfolglos uud subordinatiouswidiig halten mußte. Der Adjutant war ein ganz vortrefflicher Mensch voll Gefühl und Herz, aber ein zu eingefleischter Soldat der guten alten Zeit, um auch außer Dienst seine militärische Stellnng vergessen zu können.

Der arme von Seelen war nun ungemein eifer­süchtig auf den Cornet, aber er wagte dies keinem Menschen zu zeigen, am allerwenigsten dem jungen Offizier, den der Rangunterschied so weit von ihm trennte; höchstens verstand Helene seinen melancholischen Blick und beeilte sich dann jedesmal, ihm eines be­ruhigenden zu teil werden zu lasten. Der Adjutant glaubte ihr auch gern; da e8 aber seit langer Zeit nicht zu einem vertraulichen Zwiegespräche zwischen ihnen gekommen war, so erriet er auch nicht, daß des jungen Grafen Herz bereits versagt sei, uud fürchtete immer noch dessen Bewerbung um die Hand der Oberstentochter und ein Machtgebot deS Vaters.

Der Cornet erriet die Gefühle seines Premier - leutnants nicht, den» weder der Oberst noch Helene neben ihm darüber Aufschluß; allmählich stellte fich jedoch eine gewisse Kälte zwischen b« beiden Offizieren her, obgleich fie dem äußeren Anscheine »ach die beste» Kamerade» blieben.

Lentuaut von Seele» war gewiß rin herzensguter Mensch und braver Kamerad, aber die Eifersucht ist auch eine böse Leidenschaft, die deu klar« Blick trübt uud leicht zu groß» Unbesonnenheiten hiureißt; bei von Seel« konnte die» »m so eher der Fall fein,

Wilhelm würde dadurch nicht abgehalten sein, nach London zu gehen, wo man ihn gewiß mit offenen Armen ausgenommen hätte. Wenn der Kaiser die Reise unterließ, so muffen für ihn höhere und ge­wichtigere Gründe maßgebend gewesen sein, und diese sind in der kalten und engherzigen Politik der britischen Regierung zu suchen. -. ||f|

England ist ein Handelsstaat und nicht mit Un­recht hat man seiner Regierung den Namen einer Krämerregierung" gegeben. Doch soll bo8 nicht nur ein Spottname, sondern auch ein Ehrenname sein. Es weiß ja alle Welt, daß die englische Re­gierung, wo ergiebige Geld-Jnteressett» des Landes in Frage kommen, gor keine Mittel scheut und ihren Schutz solchen Unternehmungen in vollstem Maße angedeihen läßt. Wir Deutsche können gewiß enf unser Vaterland stolz fein, aber ob es bei uns wohl möglich wäre, im Handumdrehen eine Kolonialgesell- schaft mit haaren 50 Millionen Mark auszustatten, wie es eben bei der englischen ostafrikanischen Gesell­schaft der Fall gewesen? Den scharfen kaufmännischen Blick und eine rücksichtslose kaufmännische Energie können wir den Briten nicht abstreiten, sie haben den Staat auf den Stand gebracht, welchen er jetzt entnimmt Aber die Kehrseite ist weniger erfreulich: Die englische Regierung steht nun auch allem, was das Land nicht direkt interessiert, äußerst gleichgültig gegenüber, und diese Gleichgültigkest kann bis zum krastesten Egoismus gehen. Wer brach während des amerikanischen Bürgerkrieges und des deutsch- franzöfischen Krieges die Neutralität durch Waffen­lieferungen? England. Wer ließ General Gordon in Khartum trotz aller zugesagten Hülfe kläglich stecken? Wieder England. Wer stellte dem Batten­berger alle mögliche Hülfe in Aussicht und ließ ihn zum Schluß kläglich fallen? Abermals England. Und neben diesen großen Beispielen finden sich noch zahlreiche kleine, die einer unwürdigen Eifersucht entspringen und davon kann namentlich Deutschland ein Lied fingen. Wiederholt sind ja in London wärmere Töne angeschlagen, aber sie sind nur gar zu schnell verstummt. Für die deutsche Politik ist es unbedingt erforderlich, mit Rücksicht auf das Ver­hältnis zu Frankreich unsere sicheren Freunde in Europa kennen zu lernen. Wenngleich Rußland unser Freund nicht ist, wissen wir doch so viel, daß es auch an einen Krieg mit uns nicht denkt. Aber von England wissen wir gar nichts. Bekriegen wird es uns nicht; aber wer garantiert uns, daß in einem neuen deutsch - französischen Kriege nicht abermals ein solcher Neutralitätsbruch erfolgt, wie

als er der Subordination 'wegen vor dem Obersten seinen Aerger in sich verschließe» mußte; desto höher schoß dieser t» seinem geheimste» Inner» empor und suchte einen gewaltsame» Ausbruch.

Es war schon gegen Ende des Winters, als wieder ein Ball in Militsch stattfand, zu dem der Cornet natürlich hinüberritt und flott mit Käthchen von Neuen, rode tanzte; am andere» Morgen war er wieder in feiner Garnison.

Inzwischen hatte aber ein Offizier zu irgend einem s hleuuigen Dienste kommandiert werden müssen, uud Leutnant von Seelen als Regiments-Adjutant hatte, zweifellos nicht ohne eine kleine Malice, den Grafe» Zarnicki gewählt. Letzterer war nicht zu find« gewesen und ein anderer Kamerad hatte ihn Der. treten müsse». Der Adjutant meldete die» allerdings nicht dem Obersten, dem Grafen mußte die Sache aber doch immerhin unangenehm fein; bei feinem heftigen Temperamente, und nachdem er bereits be­merkt hatte, daß der Adjutant ihm nicht wohl gewogen fei, waS er fich freilich nicht zu erkläre» vermochte, hielt er sich für überzeugt, jener habe ihm absichtlich einen Streich spielen wolle». Darum fühlte er eine gewisse Erbitterung gegen diesen Manu, der ihm ohne allen Grund feindlich gegenübertrat

Die Schwadronen ritten vom Exerzieren »ach der Stadt zurück; die Offiziere verließen meistenteils ihre Züge und plauderten miteinander. Der Adjutant ritt mit seinem gewöhnliche» melancholische» Geficht für fich allein.

Plötzlich sprengte der Cornet an seine Sette und begrüßte ihn mit förmlicher Höflichkeit

Der Gruß wurde ebenso kalt uud förmlich erwidert »Ich wollte Ihne», mein Kamerad, nur meinen verbindlichsten Dank bafür fegen", begann der Cornet, nicht ohne einen Anflug vou spöttischer Ironie, »daß Sie deS beste» Willens gewes« find, mir et» dienstliche Unannehmlichkeit zu bereiten.*

3» d« Worten und dem To«, in dem fie ge.

1870. Außerdem ist die Sage Großbritanniens für den Seekriegsschauplatz derartig, daß seine Haltung von allergrößter Bedeutung ist. Was wir aus Lon­don hörten, find allgemeine Redensarten, das Ver­hältnis der Regierungen ist nicht unfreundlich, aber kühl. Wir laufen John Bull nicht nach, haben auch gar keinen Anlaß dazu und weshalb soll Kaiser Wilhelm ein Land aufsuchrn, welches unseren In­teressen gegenüber absolute Gleichgültigkeit bewahrt? In London hat das verstimmt, aber die Schuld an dem Fernbleiben des Kaisers hat niemand anders als Großbritannien selbst.

Deutsches Reich.

- - Berlin, 24. Okt. Die städtische Deputation zur Begrüßung des Kaisers bei der Rückkehr von feiner Reise wird am Sonntag Mittag vorn Kaiser im hiesigen Schlöffe empfangen werden. Der Kaiser nahm heute Vorträge des Geh. Kabi­nettsrats Lueanus und des Staatsminifters Grafen Herbert Bismarck entgegen. Zum Diner sind die Professoren von Bergmann und Gerhardt geladen. Graf Herbert Bismarck hat, wie wir zuverlässig er­fahren, am Tage vor seiner Abreise in Rom an seinen Vater, den Fürsten - Reichskanzler, folgendes Telegramm in französischer Sprache gerichtet, besten deutsche Übersetzung wie folgt lautet: .Die wohl­wollende Neugier, deren Gegenstand ich hier bin, überzeugt mich, daß Sie in Italien noch mehr ge­liebt werden, als in Deutschland. Das italienische Volk ist von einer wunderbaren Ernsthaftigkeit und geht einer großen Zukunft entgegen." Wie wir ferner aus sicherer Quelle erfahren, hat Kaiser Wilhelm in Rom zu dem Grafen Solms und einigen Herren des dortigen archäologischen Instituts erklärt, er beabsichtige, die von seinem Vater als Kronprinz wiederholt angeregte Idee eines deutschen Künstler- Institutes, das nach Muster der französischen Aka­demie des Medicis, zur weiteren Ausbildung der Künstler errichtet werden soll, zu verwirklichen. Da­gegen darf die in italienischen Blättern ausgetauchte Meldung, der Kaiser habe König Humbert vorge­schlagen, Italien möchte sich mit Österreich dem deut­schen Zollverein anschließen, ganz entschieden dementiert werden. Dasselbe gilt von einer Standard-Notiz, wonach der Kaiser unter Anspielung auf den Papst geäußert haben soll: Je troare que Lette prison ist gar nicht übel." Diese Erfindung hat in hiesigen Regierungs- und Hofkreisen unangenehm berührt und entstammt, wie angenommen wird, einer trüben Quelle. Mehr als 3 00 Depeschen hat, wie

spräche» wurde», lag offenbar eine Herausforderimg. Der Adjutant fühlte das auch uud fuhr auf:

SB«« Sie, junger Kamerad, Ihren Dienst stets thun, wie ich den meinigen, so kann davon nicht die Rede sei».*

Der Graf biß fich ärgerlich auf die Lippen und antwortete:

.Ich habe mir weinen Dienst immer angeleg« sein lassen; nur der Oberst hat das Recht, darüber zu urteilen.*

»Verlassen Sie sich barenf", erwiderte der Ad­jutant, von seiner Bitterkeit hingerissen, .daß er Ihne» den Ritt nach Militsch ohne Urlaub am aller­wenigsten verzeihen würbe.*

»Wie?* fragte der Cornet, nicht ohne Erstaunen. .WaS wollen Sie damit sage», mein Herr Kamerad?"

-Daß Sie eine doppelte Pflicht gegen den alte» Herr» verletze»*, antwortete der Adjutant ohne Be­denken, den» auch er war nicht mehr Herr seiner Heftigkeit.

.Herr von Seele»!*

.Herr Coiuet! Ich meine, wenn man zu einer Dame, wie Fräulein von Brandt, in irgend welche Beziehung getreten ist

Der Adjutant unterbrach fich, benn er fühlte, daß er zu wett gegangen sei, deu Namen auszuspreche». Er hatte etwa sagen wollen: .bann schickt eS fich nicht, heimlich Bälle zu besuche»*, natürlich dachte er nur an Helene von Brandt, den» das Verhältnis des Grafen zu Käthcheu von Brandt auf Neuenrode war ihm ja ganz unbekannt.

Der Cornet mißverstanb ihn iudeffm und erschrak nicht toentg, als er sei» theureS Geheimnis verrat« glaubte; dieses Mißverständnis mußte thu auch über die Taktlosigkett des Leutnants erbittern.

.Was kümmern Sie diese Beziehnn-«?* fragte er mit funkelnde» Augen. . \ p£#

Der Sdjnrant erwiderte feinen Blick ntv einen Sim, ähnliche». ia;..

j '««»(Fortsetznn, fM) 511