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Illustriertes Soiintagsblatt.

M Das ^Halter von

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg M Kirchhain

Expedition Markt 21. Rckaktion, Druck und «erlag von Jotz. Auq. Koch. >

"4 sehr gut gestellt sind, einzelne sogar ein kolossa­les Vermögen haben. Der Grundbesitz des öster­reichischen Kaisers ist weit größer, als Her des deutschen; er hat allein in Böhmen einen Grund­besitz von faft. 36 000 Hektar, der unbedingt auf 4 Millionen rein geschätzt werden kann. Dazu kommen große Kohlenbergwerke in Buschtehrabe, welche vor mehreren Jahren um 5 Mill. Gulden verkauft wurden. In Nieder- Österreich besitzt der Kaiser vier Herrfchasten, in Über »Österreich eine, in Ungarn drei, in Mähren eine, wozu noch die Privat- und Fideikommißgüter treten. Das Gesamt­einkommen des Kaisers ton Österreich bleibt nach den Mitteilungen von gut unterriPete» Personen sicher nicht unter der Summe von dreißig Millionen Mark. Der Kaiser Napoleon Hl. hatte eine Zivil­liste von 26 500 000 Franken ----- 21200 000 Mk. .Für das kaiserliche Haus in Rußland sind im Budget 40 560 000 Rubel angesetzt, also über 33 Millionen Mark. Die Zivilliste nebst Abanagen im Königreich Italien beträgt 15 350 000 Franken, also noch 3 200 000 Mark mehr, als der deutsche Kaiser und König von Preußen überhaupt bezieht.

Das Reich gtu>i "v fr'J'A' nni? Repräsentation nichts als dem Reichskanzler 18 0^ , ,m Staats-

lekretar int AuSu^ ist eine Bagatelle. ... .

i Jbueiaa nrat entgeg« die Expedition d Blatte».

sowie >.Jfamoncen.gmemq; von Haasenftetn und »ogler

Mittwoch, 24. Oktober 1888. «JÄÄÄS-J? Jahrgang.

-----------------------------____ tomibt u. So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Vari».

5 Uhr, auf einige Tage nach Friedrichsruh. Am 17. Oktober ist die Unteroffizier-Vorschule" in Neu- b«isach mit der vollen Zahl von. 360 Schülern eröffnet worden. Dabei gedenkt man allenthalb« «Mr der berühmtesten Richmesthaten -der deutsch- freisinnig - ultramontan - sozialdemokratischen Mehr­heit im frühem Reichstag. Jahr für Jahr wurde im Etat die Forderung für diese im militärischen anb nationalen Interesse gleich wertvolle Anstalt von den Herren Windthorst-Richter-Grillenbergcr ver­weigert, weil diese Herren demMilitarismus", wie sie den Patriotismus zu nennen pflegen, kein Opfer bringen wollten. Die Militärverwaltung mochte die triftigsten Gründe für die Notwendigkeit der Anstalt anführen und die nationalen Gesichts­punkte mochten noch so eindringlich hervorgehoben werden: es half nichts, solange jene Mehrheit im Reichstage bestand. Erst die neue nationale Mehrheit hat auch diese Forderung im jüngsten Etat bewilligt.

Prof. Tobold veröffmtlicht in denBerliner Polit. Nachr." eine Erklärung gegen Mackenzie, der wir die folgenden Hauptstellm entnehmen: Was zu­nächst meine Person betrifft,M bin ich stolz darauf, daß ein Mann von dem Charakter der Gesinnungs­weise und den mangelnden Kenntnissen Mackenzies seinem Grolle gegen mich dadurch Lust macht, daß er mich als einen nicht ebenbürtigen Laryngologeu und meine Leistungen für vergessen erklärt; eine Anerkennung seinerseits hätte mich nur herabgesetzt. Vor der Welt glaube ich durch meine strikte Dia- gnofe, welche ich bei unserem zu früh Heimgegangenen Kaiser Friedrich am 18. Mai v. Js. leider zu stellen mich genötigt sah, in meinem Können und Wissen hinlänglich gerechtfertigt zu fein, während Mackenzie 13 Monate hindurch schwankte und selbst ober mit Hülfe seiner zahlreichen Helfershelfer immer, yur nungen bes fortschreitenden Krebses, zu schreiben und die Welt zu" täuschen suchte, bis das unerbittliche Ergebnis der von ihm nicht gewünschten Sektion seinem Gebühren ein Ende bereitete. Daß ich mich bei der Konsultation am 20. Mai v. Js. geweigert haben soll, die intralaryngeale Operation behufs Entfernung eines zur mikroskopischen Untersuchung von ihm gewünschten Probestückchens vorzunehmen, weil ich es nicht gekonnt hätte ober daß ich gar erklärt haben soll,ich operierte nicht mehr", beruht auf einer offenbaren Lüge und wird einfach durch das von Herrn Generalarzt Dr. v. Wegner geführte Protokoll widerlegt; ich habe, wie auch Professor Gerhardt, die Operation nur aus dem Grunde ab»

meine Erzählung allein Ihr Mitgefühl so sehr hl Anspruch, daß sie sich jetzt noch sehr unwohl fühlt.*

Herr Georg erkannte den Mann, der damals auf dem Balle in Militsch getanzt hatte, nicht wieder, denn er hatte, da er sein Parttechen Whist zu machen liebte, auf jenen und den Tanz überhaupt nicht ge­achtet; auch der Name des Grafen war ihm bamalS nicht zu Ohren gekommen. 4» j - rC

Das Ange des Grafen blitzte heller ans, aber Herr Georg bemerkte dies nicht.

»Wie sehr bedanre ich", sagte ersterer, »ohne meinen Willen das gnädige Fräulein beunruhigt zu haben! Wollen Sie mir nicht erlauben, Ihr Fräulein Tochter persönlich um Verzeihung zu bitten?"

»Das wird nicht nötig sein, denn Käthcheu wird sich überaus freuen, wenn Sie Ihre Rettung vernimmt. Wenn Sie noch einige Minuten entschuldigen wollen, Herr Gras, so will ich sie selbst darauf vorbeietteu und hierher führen; sie wird mit demselben Interesse, wie ich Ihrer Erzählung zuhören.

,O, ich hege keinen größeren Wunsch, als auch Ihrem Fräulein Tochter meinen Bericht abzustatten."

Herr Georg erhob sich und verließ mit einer Ver­beugung das 3immer. Der Coruet fühlte sein Herz lauter schlagen. Die ganze Sache kam ihm ein bischen abentekerlich, aber doch sehr ernst vor.

Inzwischen trat Herr Georg in da» Zimmer seiner Tochter. Diese saß aus dem Sopha imb hielt ein Taschentuch vor deu vom Weinen geröteten Augen.

»Käthchen, mein Käthcheu, weinst Du noch um den Deserteur?" fragte Herr Georg, zu ihr tretend und sie liebkosend.

»Nein, mein Vater. Ach, ich weiß es selbst nicht, ih bin so aufgeregt, so schwach."

»Beruhige Dich, mein Kind; er ist wohlbehalten Mb frei wieder da. Er fitzt im EmpfangSsalon."

»Wer?" rief das Mädchen in großer Erregung.

»Mein Gott, wer anders als der Deserteur, dieser Aras Zarnicki, an» dem ich noch immer nicht Ity

Preußen. Wie steht die Sache nun in Preußen? Ter König bezieht vom Staate: 1) die dem Kron- fideikommiß durch Gesetz vom 17. Januar 1820 angewiesene Rente von 7 719296 Mk.; 2) auf Grund der Gesetze vom 30. Avril 1859 und 27. Januar 1868 den Zuschuß zur Rente von 4 500 000 Mark, also zusammen 12 219 296 Mk. Außerdem giebt der Staat das Geheime Zivilkabinett 122 260 Mark, zu Gnadenbewilligungen aller Art 1 500 000 Mark. Auf das Einkommen aus dem Kronfideikommiß ist angewiesen der ganze Haushalt der Familie des Kaisers und Königs (der Kaiserin, der Kaiserin- Mutter, Geschwister, der Kaiserin-Großmutter), sowie die feste stehenden Renten der Königlichen Prinzen. Aber dem Könige fallen auch zur Last die durch die Einnahmen nicht gedeckten Ausgaben für die König­lichen Schauspiele in Berlin (Schauspielhaus, Oper), Hannover, Cassel u. s. w-, von denen ans Staats­mitteln nur Cassel einen Zuschuß von 108 000 Mk. bezieht, für die Hofmusik, die Gärten, die Königlichen Schlösser und dergl. Das Vermögen des Königlichen Hauses besteht aus dem selbstverwalteten Gute Erd­mannsdorf in Schlesien, 48 Pachtvorwerken (9 in Brandenburg, 5 in Pommern, 10 in Posen, 20 in Schlesien, 4 in Sachsen), wozu noch drei Güter im Kreise Osthavelland kommen, welche früher der Kronprinz hatte, aus einem Forstbesitze, welcher 14 Oberförstereien umfaßt. Das Königlich Prinzliche Familicnfideikommiß hat die Herrschaften Frauen­berg in Brandenburg, Flatow und Krojanke in West­preußen; das Einkommen der beiden letzteren be­zieht aber Prinz Friedrich Leopold. Seit dem Tode des Herzogs von Braunschweig ist dazu das Thron­lehen Oels getreten, dessen Nießbrauch der Kronprinz hat. Es ist nicht bekannt, wie hoch das Einkommen aus dem Grundbesitze übq&autit ist. Keinesfalls genügt es, oa jeiufaeocKv ine AuSimrittUv zessinuen auch dem Kaiser obliegt. In anderen Ländern, z. B. England, stattet der Staat die Prinzen und Prinzessinnen aus, in Preußen aber nicht.

Wir wollen gegenüber der Stellung des deutschen Kaisers und Königs von Preußen den Vergleich mit dem Kaiser von Österreich und anberen großen Staaten ziehen. Der Kaiser von Österreich bezieht aus Österreich und Ungarn 9 300 000 Gulden, das macht bei dem jetzigen Kurse 15 531 000 Mark, also schon 3 311704 Mark mehr, als der deutsche Kaiser bezieht. Hierzu kommt, daß der Kaiser von Österreich für die Erzherzöge (von seinen Kindern abgesehen) nichts herzugeben braucht, da diese särnt-

Dann öffnete er, während jener gehorchte, die Hausthür und stieg ganz ungeniert die Treppe zu dem oberen Stockwerk hinauf. Hier begegnete ihm ein Diener, den feine Kleidung als einen herrschaft­lichen bezeichnete.

»Ist der Herr zu Hause?" fragte der Coruet in einem Tone, als besuche er täglich dies Haus.

»Ja wohl. Sie wünschen ?"

Daß Ihr ihm den Besuch des Grafen Zarnicki, Coruet in Seiner Majestät Husarenregiment Prinz Eugen von Würtemberg, anmeldet.'

Der Diener verbeugte sich achtungsvoll und führte ihn in ein Vorzimmer, dann ging er in die Ge­mächer seines Herrn.

Herr Georg war nicht viel weniger erstaunt als sein Vetter, der Oberst, sobald er die Meldung 8er- nommeu hatte; er glaubte indessen, obgleich er sich des Namens noch recht wohl erinnerte, nicht im mindesten, daß er den Deserteur, der in vergangener Nacht arretiert worden, sehen werde, sondern meinte, e» werde wohl ein in der preußischen Armee dienen­der Verwandter desselben fein, der Erkundigungen über ihn einziehen wolle.

Er befahl, den Grafen in das Empfangszimmer zu führen, und machte schnell Bifiten-Toilette.

Selbst, als die beiden Herren sich im Salon gegeuüberstauden, merkte Herr Georg noch nicht, daß er den Deserteur vor sich habe,, dessen Gesicht er in der Finsternis natürlich nicht genau hatte sehen können. Er begrüßte ihn mit ausgezeichneter Höf­lichkeit.

»Sie waren in vergangener Nacht so überaus freundlich, mein Herr, mich in Ihr Schloß einzu- ladeu", begann der Graf in vollkommenem Ernste; »ich halte es darum für meine Schuldigkett, Ihnen heute eine förmliche Visite abzustatten."

Herr Georg begriff und prallte ein wenig zurück; er dachte daran, daß Desertion ein schwer zu be­strafendes Verbrechen sei, und den Hehler eine» D^ertkurS die MttsitzrSb trefftL ° L -

Erscheint täglich außer an Werktagen nach dann- und Feiertagen. Quartal-NbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2/» Mk., bei den Postämtern 3 SRI 60 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnffrtionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 36 Pfg.

Deutsches Deich.

Berlin, 22. Okt. Der Kaiserin Augusta Viktoria gingen zu ihrem heutigen Geburtstage viele Glückwunsch- Schreiben, Telegramme und prachtvolle Blumen- spenden zu. In der Frühe brachte die Musikkapelle des ersten Garde-Regiments zu Fuß eine Morgen- musik bar. Vormittags um 11 Uhr statteten ber königliche Hof, sowie das Hauptquartier des Kaisers die Kommandeure des ersten Garde-Regiments und des Leib-Garde-Husaren-Regiments ihre Glückwünsche ab. Später erschienen alle Mitglieder der könig- Gra^ulatign^...Iach.mittggs fand Musikkapelle bes Leib - Garbe - Husaren - Regiments pielte. In bie im Potsdamer Stadtschlofse, wie im hiesigen königlichen Schlosse aufliegenben Bücher hatten zahlreiche Personen aller Stänbe ihre Namen ein- gezeichnet. Alle Staats- unb zahlreiche Privat- gebäube tragen festlichen Flaggenschmuck. Die Kaiserin Friedrich ist infolge einer Erkältung, welche te sich auf ber gestrigen Fahrt nach Potsbam unb Bornstedt zuzog, genötigt, das Zimmer zu hüten. Die Prinzessinnen-Töchter Sophie unb Margarete begaben sich vormittags nach Potsbam, um der Kaiserin Augusta Viktoria zum Geburtstage zu gratulieren. Staatsminister Graf Bismarck, ber gestern hier eingetroffen, begab sich nachmittags

»Sie sind derselbe", stammelte er erbleichend, »der in der letzten Nacht das Urglück hatte, vor meinem Hanse*

»Ich bin Graf Zarniki, königlicher preußischer Husaren-Coruet."

»Ah, also blos ein Mißverständnis I" sagte Herr Georg aus offenbar erleichterter Brust.

»Das ließe sich kaum behaupten", erwiderte der Graf, so heiter lächelnd, daß dem alten Herrn alle Gedanken an einen Verbrecher vergingen. »Ich bin ganz derselbe, den man in der vergangenen Nacht unter Ihren Linden arretierte, und zwar mit vollem Rechte."

»Ich vermag Sie nicht zn verstehen", stammelte Herr Georg, Bitte ergebenst, erklären Sie sich deutlicher."

»Mit Vergnügen, wenn Sie mir, der ich gestern russischer Deserteur war, unb jetzt preußischer Offizier bin, die Gastfreundschaft Ihres verehrten Hansis gern gewähren", antwortete der Graf mit der liebens­würdigsten, offensten Miene.

»Sie werden daran doch nicht zweifeln, mein Herr Graf?* fragte Herr Georg verbindlich. »Jeder Offizier meines Allerhöchsten Königs hat stets freien Zutritt in dieses Haus, unb überdies bin ich glücklich, Ihre Bekanntschast machen zn dürfen."

Der Graf verbeugte sich ein wenig.

»Wenn meine Geschichte Sie interessieren kann, bin ich gern bereti, sie Ihnen zu erzähleu", sagte er, »verdanke ich doch dem Zufalle, der mir anfangs als ein Mißgeschick erschien, das Glück, Zutritt in Ihr Schloß gefunden zn haben."

Jetzt verbeugte sich Herr von Brandt seinerseits.

»Seien Sie überzeugt, daß wir den aufrichtigsten Anteil an dem Schicksal genommen haben, das wir für unabwendbar von Ihnen hielten."

»Ah, Sie haben Familie, Herr von Brandt?" fragte ber Coruet unbefangen.

»Eine Tochter. Das arme Kinb hat Sie und Ihre Verfolger nicht einmal gesehen, Mb doch nahm L----. ... MW 'äfc-.Y'.-.v L.-.T v*

Bestellungen für die Monate November und Dezember nehmen auf die

Oberhesfische Zeitung nebst Kreisblatt

Dr die Kreise Marburg nnd Kirchhain und

Mnstriertes Somttagsblatt

sämtliche Postanstalten, unsere Agentur in -Kirchhain, sowie für hiesige Stadt un- i sere Expedition noch fortwährend entgegen. I; Die Exped. der Oberh. Zeitung.

Die Einsührnng einer Reichsrivillistr Mr -en Kaiser­

in Form eines Beitrages zu den Repräsentations- kosten des kaiserlichen Hofes scheint nun doch vorbe­reitet zu werden. DieNordd. Allg. Ztg." publiziert folgenden Artikel: Von dem Reiche erhält der Kaiser für seine Person bekanntlich nichts; das einzige, was indirekt geleistet wird, ist die Ausgabe für dieAdjutanten Sr. Majestät des Kaisers" l mit 88 500 Mk. (dazu der Wohnungsgeldzuschuß, ; Servis unb Pferderationen). Außerdem hat der

Kaiser einenDispositionsfonds zu Gnadenbe­willigungen aller Art" von 3 Millionen Mk. Es ist aber genau bestimmt, wofür diese Gelder ausge­geben werben sollen. Man wird leicht begreifen, daß die Reisen, welche der Kaiser im Interesse des -Reiches macht, wozu sicher die diesjährigen nach -Petersburg, Stockholm, Kopenhagen, Dresden, München, Stuttgart, Wien, Rom gehören, riesige -Summen fordern, daß die bloße Reprasentanön gegenüber dem gesandtschaftlichen Personale, dem B indesrat unb Reichstage ungeheure Auslagen macht.

Elsaß - Lothringen, der kein Gehali bezieht, für ^Repräsentation und sein Bureau 315 800 Mk. hat, sder Reichskanzler an Gehalt und Repräsentations- Kosten nur 54 000 Mk. hat, der Etat für den Reichs­kanzler und bie Reichskanzlei nur 142 560 Mk. beträgt, so ist dadurch allein ber Beweis geliefert, daß hier eine klaffenbe Lücke vorliegt.

Der beutsche Kaiser ist Kaiser als König von

(Nachdruck verboten.)

Der Deserteur.

Novelle von Stanislaus Graf Grabowski.

(Fortsetzung.)

Und in der That fühlte der Coruet sein Herz schwer bewegt, wenn er daran dachte, daß Käthchen erfahren haben könne und wahrscheinlich erfahren habe, daß der vor ihrem väterlichen Hause Arretierte fein anderer gewesen sei, als ber Graf Zarniki; dieser Name war ja laut genannt worden.

In welcher Verzweiflung mochte das arme Mädchen schweben? Wie viel heiße Thräneu mochte sie schon i seinethalben vergossen haben? Der Coruet konnte dies ohne Übergroße Eitelkeit denken.

Wie er sich immer leicht dem Abenteuerlichen zu» leigte, so dauerte eS auch nicht lange, bis er sich vorgenommen hatte, diesmal nicht im Kruge abzu. steigen, sondern im Schlosse deS Herrn von Brandt selbst.

Um die Mittagszeit war er in Neuenrode, und hätte er nicht an KäthchenS Schmerz gedacht, so würde er über seine unvermutet schnelle Wiederkehr herzlich gelacht haben.

Als er an dem Kruge vorüberritt, starrte ihn die schläfrige Magd, die mit dem Wirte in ber Thür stand, blöden AngeS an; sie wurde feuerrot und teilte dem Wirte jedenfalls mit, daß sie den Deserteur von der vergangenen Nacht erkannt habe, denn dieser «achte große Augen und zog feine Mütze vor dem leicht lächelnden Retter.

Der Coruet ritt die Dorfgasse vollends hinauf und lenkte seinen Rappen gerade auf daS Schloß zu.

Einer der Knechte, die ihn am vergangenen Abende «Begriffen hatten, war gerade zur Hand, unb starrte ihn noch viel ungläubiger, als eS der Wirt und dessen «agd gethau hatten, au. Per Graf schien nicht daraus in achten, sprang vom Pferde und warf ihm bie Agel desselben zu.

»Führe Er mein Pferd in den Stall", sagte er Vbieterisch.