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grobe Verletzung der Rechte seiner Glieder cintrcten kann. Zu deren Verteidigung wird er allezeit bereit stehen. Großes ist Kaiser Wilhelm II. bereits in der auswärtigen Politik gelungen, ruhig, ohne Gedanken an einen nahen Friedensbruch können wir der Zukunft entgegensehen. Mag es dem jugendlichen Herrscher nun auch beschieden sein, im Innern des Reiches Großes zu erringen, zur Versöhnung und Einigung aller Bürger!
am Abend ein großes Fest in den Räumen des Stadt-Theaters. Die Mitglieder des Bundesrats, die Spitzen der obersten Reichsbehörden und das Präsidium des Reichstages werden zur Feier eingeladen. .— Die „Nordd. Allgem Zig." schreibt: Nach telegraphischen Nachrichten aus Sansibar sind jetzt auch inj Mombassa, dem Haupthafen im Gebiete Britisch-ostafrikamschen Gesellschaft, Unruhen ausgebrochen, welche auf Umtriebe und Aufreizungen seitens der Sklavenhändler und ihrer arabischen Verbündeten zurückgesührt werden. Die Gesellschaft verlor bei dem Zusammenstoß mit den Aufständischen zwei Tote und acht Verwundete. Man ist in London äußerst besorgt für die Sicherheit der dort befindlichen englischen Missionare und befürchtet eine Ausdehnung des Aufstandes auf weitere Häfen und Landschaften, die in der englischen Jnteressenphäre liegen. Ein englisches Geschwader ist nach Mombassa abgegangen und wird begleitet von einem Dampfer mit Truppen des Sultans von Sansibar. — In einer Zuschrift, welche die „Pol. Korr." aus Rom erhalten hat, wird es als ein politisch wichtiges Moment bezeichnet, daß die beiden bei der ersten Galatafel im Ouirinal ausgetauschten Trinksprüche des Kaisers Wilhelm und des Königs von Italien nicht in französischer Sprache ausgebracht worden sind, wie dies sonst der Fall sei, wenn zwei Monarchen nicht dieselbe Sprache redeten. König Humbert sprach italienisch, Kaiser Wilhelm deutsch, unh nur den letzten Satz, der das Hoch auf den König und die Königin von Italien, sowie auf daS italienische Heer enthält, in italienischer Sprache. Es bedeutet dies gleichsam die Absetzung der französischen Sprache von ihrer Eigenschaft als Hof- und diplomatische Sprache.
— Die Erklärung der Herren Virchow und Waldeyer gegen die Annahme Mackenzies, daß durch -die Hantierung Bergmanns mit der Kanüle am 12. April ei» falscher Weg durch die Luftröhre gebildet worden sei, hat folgenden Wortlaut: Die Unterzeichneten erklären: 1. daß in dem Sektionsprotokoll, welches zu Schloß Friedrichskron am 16. Juli 1888 ausgenommen wurde, von einer Absceßhöhle gar keine Rede ist. 2. Daß die Seite 101 des Berichts der deutschen Ärzte erwähnte große, mit mortifizierten Fetzen bedeckte Fläche von 9 Ctm. Länge derselben einzigen vorgefundenen Höhle angehört, von welcher auch zu Anfang des Protokolls die Rede ist, nämlich der durch die bei der Einbalsamierung eingeführte Watte ausgedehnten Höhle des Kehlkopfes und oberen Trachealabschnittes,
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gegenwärtige Freimaurerloge*). Dieses Gebäude soll nach dem kompetenten Urteile eines Sachverständigen, des vorhtnnigeu Universitäts-Baumeisters Schäfer, jetzt Professor in Berlin, das mittelalter» liche Marburger HochzeitShauS gewesen fein. Im Sonterain befand sich die Küche, das Parterre war ohne Zweifel der Sammelplatz der Hochzeitsgäste, der Mittelstock umfaßte den Speisesaal und der Oberstock den Tanzsaal. Die drei Stockwerke sind durch eine steinerne Wendeltreppe in einem besonderen Turme mit einander verbunden. In der Mitte der west ltchen Außenseite des Gebäudes ragt zwischen den beiden Fenstern ei» Gossenstein hervor, der zu dem Zwecke angebracht war, das Spülwasser der Gläser, Krüge und anderer Gefäße im Speisesaal abzu- führen. Die älteren unb ältesten Besitzer dieses steinernen Hauses find unbekannt, weil dasselbe nicht im städtischen Steuerstocke stand, sondern zu den sogenannten Freihäuseru gehörte. Welche Verwendung dieses Haus gefunden hat, nachdem die Hochzeits- feierltchkeiten gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts in das neue Rathaus verlegt worden waren, kann wegen Mangels au Nachrichten nicht mitgeteilt werden. Die Modernisierung des Hochzeitshauses an seinen Außenseiten fällt in die 40er Jahre deS 18. Jahrhunderts; die innere Einteilung in Stuben, Kammern und Küche gehört ohne Zweifel einer viel früheren Zeit an. Au Stelle der Kreuzstockfeuster traten in jener Zeit die gegenwärtigen rautenförmigen und an Stelle des gothifchen Portals mit seiner Steinbank das gegenwärtige im Zopfstil. Das gleichzeitig daran angebrachte Wappen gehört der Familie von Hagen au.
W. Bücking.
Das Marburger HochMshaus jur Zeit des Mittelalters.
Im Mittelalter befanden sich in größeren Städten sogenannte Hochzeitshäuser, in welchen die mehrere Tage dauernden in Essen, Trinken nnd Tanzen bestehenden Hochzeitsfeierlichkeiten abgehalten wurden. Nachdem das Brautpaar begleitet von Hochzeitsgästen und Musikanten seinen Kirchgang gehalten nud die priesterliche Einsegnung empfangen hatte, bewegte sich der Zug von der Kirche durch die Straßen der Stadt in das Hochzeitshaus. Auch in Marburg befand sich ein derartiges Hochzeitshaus im Mittelalter. Die Stadt-Pfarrkirche war der Ort, wohin das Brautpaar in „Schoppe! und Gebende* zur Einsegnung ging. Voran schritten die Musikanten, Trommler und Pfeifer, und dem Brau, paar folgten die Hochzeitsgäste. Hier wurde von dem Stadtpfarrer oder von einem seiner 4 Kapläue an dem der heiligen Elisabeth geweihten Hochaltar die Trauung vollzogen. Vor demselben lag ein kostbarer gewirkter Teppich ansge- spreitet; die Rückwand desselben bildete eine geschnitzte, bemalte und vergoldete Tafel von Holz, € eenen aus dem Leben deS Erlösers darstellend, welche mit einem zum Auf- unb Zuschieben eingerichteten Vorhang versehen war. Bet vornehmen Trauungen nach der Reformation war eS dem Opfer- mann gestattet, „zum Ornat* den Vorhang zur Seite zu ziehen, wofür er dann eine Vergütung erhielt. Der Hochaltar nebst der Tafel wurde bei Einführung der Verbefleruugspuukte durch Landgraf Moritz von Hessen im Jahre 1605 zerstört. Den dermaligen Hochaltar mit seinem ans Marmor nud Alabaster verfertigten Aufsatze ließ Landgraf Georg IL von Hessen-Darmstadt nach vorhergegangener Beseittgung l der Berbeflernngspunkte im Jahre 1630 errichten. | In der vom Markte -ans znr lutherischen Pfarr- kirche führenden Nikolaistraße steht links ein aus dem 15. Jahrhundert stammender, einfach gothifcher, «afstver dreistöckiger Steinban mit 5 Thürwen, die
[Nachdruck »erboten.] Der Deserteur.
Novelle von Stanislaus Graf Grabowski.
(Fortsetzung.)
™ »?$ bin es wirklich, zu Ihren Befehlen, mein Oberst", erwiderte der junge Mann, der sich an der Ueberrafchuug des Obersten weidete.
„Und woher kommt Er?*
■ »Aus Wiersnezow, Herr Oberst. Bin nm drei Uhr morgens von dort abgeritten.*
„Er ist den Ruffen glücklich auSgerissen?*
„Sie haben es mir gerade nicht zu schwer gemacht."
Der Oberst konnte sich kaum noch halten; hätte er den Grafen nicht schon als seinen Cornet vom Regiment Prinz Eugen von Würtemberg betrachtet, erwürbe aufgesprungen sein und ihn in seine Arme geschloffen haben, jetzt hatte die Disciplin aber bereits ihre Schranke zwischen ihnen anfgebaut. Dennoch sah man dem alten Manne an, wie die Frende ans seinen Augen strahlte, und der Graf fühlte fich dadurch tief gerührt.
Er ging gerade auf den Obersten zu; dieser streckte ihm die Hand entgegen, und der Gras drückte fie herzlich.
Wie glücklich mich Ihre Teilnahme macht, Herr Oberst*, sagte er mit Gefühl.
„Laß Er das, nud erzähle Er mir lieber, was Er wieder für ein Husarenstückchen anSgeheckt hat.
Der Graf wandte sich zu dem Leutnant von Seelen um, von dessen Gesicht der unerschütterliche Ernst nicht gewichen war, sobald er sich von der ersten Ueberraschung erholt hatte, nud reichte ihm ebenfalls die Hand. Der Adjutant drückte fie nnd meinte dabei, wirklich befriedigt über die Rettung des Polen:
„Ich gratnliere Ihne», Herr Gras.* Der Oberst Zielte ein wenig die Stirn darüber, daß zwei seiner Offiziere fich in seiner Gegenwart „ein bischen geben* ließen, aber er schwieg.
Der «ras erzählte mm in gedrängter Kürze, was » . ssfei .Mh* nmsU •„■..-ah
nichts zu wünschen übrig, aber er ist doch gar nicht zu vergleichen mit der Begrüßung in Wien, Rom und Neapel. Wir glauben recht wohl, daß der russische Zar dem deutschen Kaiser große persönliche Smipathieen entgegenbringt, aber von einer Freundschaft der russischen Regierung, der russischen Polittk und des russischen Volkes für dos deutsche Reich werden wir nur gewaltig wenig bemerken. Was die russischen Regierungsorgane manchmal über das Verhältnis zu Deutschland schreiben, sind gedrechselte Phrasen, auf Bestellung angefertigte Artikel, die wenig ober keine Beachtung verdienen. Da wir indessen nicht darauf rechnen können, daß in absehbarer Zeit hier ein wirklicher Umschwung eintritt, so müssen wir schon mit der persönlichen Freundschaft der beiden Monarchen zufrieden sein. Wie ganz anders aber war es doch in den Haupsstädten von Oesterreich-Ungarn und Italien; da quoll warme Freude aus dem Herzen des Volkes über den hohen Besuch und ließ ihm den enthusiastischsten Willkommen barbringen. Die persönliche Freunbschaft der Monarchen wurde verstärkt durch die Intimität ihrer Regierungen, und die Toaste der Fürsten bewiesen, daß die Verträge, welche die Staaten verbinden, auch die äußersten Konsequenzen ins Auge fassen, daß auch in dieser Beziehung die weitgehendste Fürsorge getroffen ist. Die Kaiserreise war so recht die höchste Weihe des Friedensbundes. Kaiser Wilhelm I. war durch sein Alter, Kaiser Friedrich durch seine Krankheit verhindert, in den Hauptstädten der verbündeten Reiche zu erscheinen und die Treue zu bekräftigen, auf welcher die Bundes- Verträge beruhen. Kaiser Wilhelm II. hat nicht gesäumt, diese Fahrt zu unternehmen, er hat sich den Dank aller beteiligten Völker, aller Friedensfreunde in ganz Europa erworben. Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König Humbert von Italien werden in nicht zu langer Zeit in Deutschland und in der Reichshauptstadt erscheinen, um Kaiser Wilhelm II. ihren Gegenbesuch abzustatten. Sie können gewiß fein, daß sie von allen Deutschen so begrüßt werden, wie unser Kaiser in ihren Ländern. Rechts und links von unseren Grenzen ist man wohl etwas gespannt gewesen, wie sich die Verhältnisse nach dem Tode der beiden ersten deutschen Kaiser gestalten würden. Kaum ist wohl diese kraftvolle und- doch friedliche Entfaltung erwartet worden, die jetzt Thatsache geworden ist. Der Friedensbund und seine Macht ist felsenfest; mit allen will er Frieden halten, aber er hält auch sorgsam Wache darüber, daß nicht plötzlich eine
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Deutsches Reich.
Berlin, 19. Qkt. Der,,Rcichsanzeiger" bringt eine Mitteilung über die gestern wegen der geplanten Errichtung eines Nattonaldenkmals 'für Kaiser Wilhelm hier stattgehabten Vertrauensmänner- Versammlung, wonach sich das erzielte, allseittg befriedigende Ergebnis zunächst noch der Veröffentlichung entzieht. Zweifellos tyerbe bent Reichstage bereits in der nächsten Session eine darausbezügliche Vorlage zugehen. Durch die von warmen Empfindungen getragenen und in allen Hauptfragen von Meinungsverschiedenheiten freigebliebenen Beratungen der Versammlung sei die ganze Angelegenheit wirksam gefördert worden. — Der Kaiser hat die Vervielfältigung seines vom Professor v. Angeli (Wien) gemalten Bildes dem letzteren unter der Bedingung gestattet, daß die Herstellung, welche von ihm zu überwachen ist, zwei Berliner Firmen übertragen wird; die Ausführumg in Photographie den königlichen Hofphotographen Reichard und Lindner und die Vervielfältigung in Farbenfaksimilie und Kupferdruck dem bekannten Wilhelm Greveschen Kunstinstitut. Bereits zum bevorstehenden Weihnachtsfest wird eine unter besonderer Anleitung des Proftssors v. Angeli hergestellte Radierung dieses Kaiserbildes zur Ausgabe gelangen. — Die Beteiligung des Kaisers bei der Grundsteinlegung zum neuen Reichsgerichtsgebäude in Leipzig war ursprünglich nicht vorgesehen, obschon mit Rücksicht auf deren Ermöglichung der Termin auf einen Zeitpunkt nach Abwickelung des gesamten kaiserlichen Reiseprogramms ang^setzt war. )Bie nachträglich bekannt wird, hat der König von Sachsen bei seiner Anwesenheit in Wien dem Kaiser persönlich eine Einladung zur Teilnahme an der Grundsteinlegungsfeier überbracht und der Kaiser diese angenommen. Soweit bis jetzt geplant ist, kehrt der Kaiser noch am Tage der Grundsteinlegung, dem 31. d. M., noch Berlin zurück. Der König von Sachsen gibt in seinem Prunksaale des neuen Gewandhauses nach der Feierlichkeit ein großes Frühstück, die Stadt Leipzig
Marburg,
Sonntag, 21. Oktober 1888.
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*) AIS Kurfürst Wilhelm II. im Jahre 1824 den Orden der Freimaurer in Hessen aufhob. befand sich in einem ehemaligen DrutschordenS»Gebinde im deutschen Hause die Marburger Freimaurerloge. Schreiber dieses ist im Besitze einer Reliquie auS jener Loge, nämlich eine» eigentümlich geformte» Weinglases mit de« Buchstabens.
Wöchentliche Beilügen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchham
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und »erlag von Zoh. Suq. K,<h.
Zur Heimkehr -es Kaisers.
Nach einmonatlicher Abwesenheit von dem stillen Potsdam kehrt Kaiser Wilhelm II. dorthin jetzt aus Italien zurück, um nach den gewaltigen Strapazen der Reisefeste für eine kurze Zeit der Ruhe zu pflegen, bis die Uebersiedlung zum Winteraufenthalt in das alte Berliner Königsschloß erfolgt. Ganz Deutschland hat die Fahrt des Kaisers nach Süden mit seiner höchsten Teilnahme begleitet, Glück- und Segenswünsche sind ihm auf der weiten Reise gefolgt, und Glück- und Segenswünsche begrüßen ihn bei der Heimkehr. Kaiser Wilhelm wird von dieser Fahrt etwas verändert, aber zu seinem Vorteil verändert, heimkehren. Von Hause aus mit ernstem Charakter begabt, hatten die schweren K atasttophen in der Hohen- zollernfamilie, die Last der ihm überkommenen verantwortungsreichen Thätigkeit diesen Zug noch verschärft. Selten hat man den Kaiser bei seinen Ritten durch Berlin lachen sehen. Und man kann es ihm nachfühlen, wie wenig wohl seine Stimmung eine freudenvolle sein konnte! Aber Zeit und Menschen ändern doch manches; besonders der Aufenthalt in Italien hat in dem jungen Monarchen auch wieder den Frohsinn geweckt. Das herrliche Land, die Werke der Kunst und vor allem die fortreißende südliche Begeisterung, von der wir Nordländer, die wir doch wahrlich an dem Kaiser hängen, uns nur schwer einen Begriff machen können, haben auch den Kaiser überwältigt. Der ungebändigte, von Herzen kommende Jubelsturm der Bolksmoffen hat in dem jungen Monarchen eine herzliche Freude geweckt, und gern ist er dem Volke, das ihn so warm begrüßt, in gleicher Weise entgegen gekommen. Die italienischen Blätter sind entzückt von der bescheidenen Liebenswürdigkeit des deutschen Herrschers, und wie er sich die Neapolitaner erobert, das zeigt die Bezeichnung „il bello imperatore“, der hübsche Kaiser, die am Vesuv gang und gäbe ist. Solche Kundgebungen des Volkes sind sehr wertvoll, besonders da von gewisser Seite alles aufgeboten war, Kaiser Wilhelm den Italienern als einen strammen und finsteren Offizier hinzustellen. Nach allem, was wir aus Rom und Neapel vernommen, können wir hoffen, daß der Kaiser für die traurigen Erinnerungen - einen Trost gefunden hat, daß auch in seiner Brust die ruhige Freude eingekehrt ist.
Zweifellos und hochgewaltig ist die politische Bedeutung der Kaiserreise, unendlich viel höher, als die Bedeutung der Nordlandsfahrt. Der Empfang in Petersburg, Stockholm und Kopenhagen ließ ja
gescheheu war; der Oderst unterbrach ihn mehreremale dadurch, daß er fich mit der flachen Hand auf bal Knie schlug, worauf er jedesmal heftig zusammen« zuckte, ben» eine alte Wunde am Bein schmerzte dabei, und fein Erstaunen oder seine Freude durch einen unartikulierten Ausruf zu erlernten gab.
Wir können der Erzählung von der Flucht deS Grafen nach seinen eigenen Worten noch hiuzufügen, daß er die verfolgenden Kosaken nicht mehr gesehen nnd gehört hatte, sobald er außerhalb der Stadt war; man kann sich darüber nicht wundern, denn sein Pferd war ihren kleinen Katzen an Geschwindigkeit bei Weitem überlegen, wahrscheinlich hatten die Russen sich auch gar nicht ober mindestens nicht weit über die Grenze gewagt. Der Flüchtling war auch so scharf geritten, ohne fich einen Augenblick Ruhe zu gönnen, daß seine Kleider, wie Johann schon bemerkt hatte, von herunterhängeude» Baumzweigen und anderen Hindernissen au mehreren Stellen zerrissen waren.
Es fragte fich nur noch, ob die rnsfischen Offiziere ihn abermals in Wartenberg vermuten und behufs einer neuen Reklamation dahin zurückkehren würden: dies schien schon deshalb unwahrscheinlich, weil fie fich dadurch eine arge Blöße gegeben hatten, daß fie ihren Gefangenen entwischen ließen, aber möglich war es doch, und unnötigerweise hätte fie der Oberst nicht gern mit der Antwort abgewieseu, der Flüchtling stehe Ltztnnter prenßischem Schutze und fei sogar preußischer Offizier.
Als der Graf daher feine Erzählung beendet hatte, teilte er ihm das königliche Schreiben mit.
„Liebster, bester von Seelen*, sagte er in heiterer Laune, „zerreiße Er nur sogleich Sein Antwortschreiben. Wer hätte gedacht, daß eS so kommen würde?'
Der Adjutant that wie ihm befohlen worden.
Der neue Eornet stand eine Weile stumm vor Ueberrafchuug da; mau sah eS ihm an, daß er fich glücklich fühlte.
t i «s, (Fortsetzung folgt.)
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Qnartal-AbmmemeMS-Preis bei der Expedition 2*/. SJtL bei den Postämtern 2 SRI 60 Pfg. (exll- Bestellgeld j. JnfertionSgebÜhr für die gespaltene Seile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 85 Pfg.