Ij isBieShn-fc
fr
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchham. - Illustriertes Sonntagsblatt.
TxpHitio«; Marit 21. — »ebottito, Druck und Berlag »«r 3»tz. Lag. Loch. -
M 243
ein Schreiben, worin er
vor dem Herrenhanse.
a
offen sind. Bramanns Mackenzie, es etwa an
verschlage.
Die Magd, die dem Pole» bald gefolgt teer, fragte ihn, ob er etwas zu genieße« und ei« Bund Stroh zum Schlafe« verlange. Verdrießlich lehnte er beider ab und trat au eines der kleinen unsauberen Fenster. Der Mond war eben im Snfgeheu begriffen und breitete eia mattes Dämmerlicht über die Dorf« gaff« und ihre HLnser. Der Krng lag so, daß man bei dieser schwachen Brlenchtnog die Umriffe der
und Flügel-Adjutanten, der Staatsminister Graf Herbert MZmarck und das gesamte höhere Gefolge. Der Kaiser begab sich zuerst zum Besuche des Papstes in den Vatikan. Prinz Heinrich, welcher später eintraf, wurde erst später vom Papste empfangen. ■ Die Rückfahrt erfolgte in der nämlichen Weise, wie die Herfahrt und ging nach dem preußischen Gesandtschaftspalais. Heute abends 7 Uhr findet, große... Galatafel -im Quirinal statt. — Die Fahrt des Kaisers nach dem Vatikan erfolgte um l1/« Uhr in einem vierspännigen, von Berlin eingetroffenen Hofwagen mit einem Spitzrciter vorauf. Neben dem Kaiser saß der preußische Gesandte beim Vatikan von Schlözer. Prinz Heinrich fuhr in dem Gesandlschaftswagen, das Gefolge benutzte Mietwagen. In den nach dem Vatikan führenden Straßen bis zuch Petersplatze und in dem zum Vatikan führenden Eingänge bildeten italienische Truppen Spalier. Auf dem ganzen Wege bis zum Petersplatze wmLe der Kaiser mit lebhaftestem Enthusiasmus begrüßt. Um 1 Uhr 35 Minuten traf der Kaiser tat Vatikan ein. In dem inneren Hofe wurde der Kaiser von einem Zuge der Palastgarde mit der päpstlichen Fahne begrüßt und von
trübe Ahuuug cm sein Herz. Er fühlte sich unwiderstehlich in die größere Nähe der Geliebte» gezogen, wenn er auch nicht hoffen durste, sie zu sehen; eS war ihm, als würde ihm ein solches Glück nie wieder zu Teil werden.
Er strich sich mit der Hand über die Stirn, als wollte er die traurigen Gedanken vertreiben, dann wandte er sich wieder um und sagte der schläfrige« Magd, die sich auf die Ofenbank gesetzt hatte und et« über daS andere Mal laut gähnte, sie möge fich seinetwegen «st zur Ruhe legen, er werde noch ein wenig spazieren gehen. DaS Mädchen sah ihn etwas ver- wundert au, erwiderte aber kein Wort.
Der Graf ging die Dorfgasse hinaus, langsam dem Schlosse zv; ein besonderer Zweck leitete ihn nicht.
Da« Mondlicht brach immer heller hervor uad i« der ganzen Umgegend regte fich kein Laut als daS leise Rauschen der NachtwiudeS in den alten Linde«
huldvolle Worte. Bei der Vorstellung des Minifter- wäsidenten Crispi soll der Kaiser des letzten Besuchs desselben in FriedrichSruh gedacht und einige Worte über das befriedigende Ergebnis desselben hinzugefügt haben. Wiederholt äußerte der Kaiser, daß er von dem überaus herzlichen Empfang sehr gerührt sei. — Kaiser Wilhelm unternahm heute früh ta Begleitung des Majors ». Engelbrecht und des ihm zum Ehrendienste zugeteilten Generals Drignet einen Spazierritt nach Centocello, wo morgen die Parade stattfindet, kehrte von dort um 10 Uhr hierher zurück, empfing den Besuch des Königs Humbert und begab sich gegen 11 Uhr in Begleitung des Prinzen Heinrich zu dem preußischen Gesandten beim Batikaü Dl. v. Schlözer zu einem Dejeuner, an welchem noch fein nächstes Gefolge uuj) die Kardinäle Staatssekretär Rampolla und v. Hohenlohe, sowie die Monsignores Mocenni und Agliardi teilnahmen. Letztere kehrten gegen 1 Uhr nach dem Vatikan zurück. — Staatsminister Graf v. Bismarck machte dem Ministerpräsidenten Crispi einen einstündigen Besuch. — Heute, mittags, gegen 1 Uhr, fuhr das Gefolge des Kaisers in einem Privatwagen vor dem preußischen Gesandtschaftspalais vor. Von hter erfolgte die Auffahrt zum Vatikan. Der Kaiser saß in einem eigenen, von Berlin gesandten Hofwagen, ta weiteren Wagen folgten die General
letztwillige Bestimmung Meines in Gott ruhenden Großvaters zur Ausführung, indem Ich Ihrem Regimente beifolgend den Uniformsrock, welchen Seine Majestät als Oberst-Inhaber des Regiments getragen, als Andenken übersende." Der Uniformsrock wird im Osfizierkasino aufbewahrt werden.
Rom, 12. Okt. Unter den dem Kaiser gestern im Quirinal vorgestellten Persönlichkeiten befanden sich die Ritter des Anunziatenordeus, hie Präsidenten des Senats und der Kammer und »die Minister, ausgenommen den Ministerpräsidenten, den Kriegsminister und den Marineminister, welche dem Kaiser bereits auf dem Bahnhofe vorgcstellt waren. Der Kaiser drückte allen die Hand und richtete an jeden
Er ging unter ihnen sott und an der Mauer der Obstgartens entlang; ehe er er selbst wußte, stand er a« der Stelle, von der er durch einen gewandte«
durch schädigen, daß man die Exstirpation als einen gelungenen Theaterkoup erklärte. Es sei absurd, alle' Schuld auf ihn zu wälzen. Wenn, trotz dem Berichte von Profeffor Virchow, Gerhardt und Bergmann bei der Ansicht beharrten, daß die Krankheit der Krebs sei, so war es ihre zwingende Pflicht, offen danach zu handeln. Wenn Bergmann und Gerhardt zu jener Zeit überzeugt waren, daß die Krankheit Krebs war, und zu derselben Zeit kein Vertrauen zu mir besaßen, so lag, sagt Mackenzie, für jene Aerzte der einzig ehrenhafte Weg vor, ihrem Patienten gegenüber das zu erklären, sich offen von mir loszusagen und separate Berichte zu erstatten. In dem Kapitel über künstliche Erzeugung von Krebs erzählt Mackenzie, Gerhardt habe bei der galvanokaustischen Behandlung die glühende Spitze eines Drahtes vierzehn Tage lang täglich in das Innere des Kehlkopfes appliziert. In dieser Weise dürfe man den Kehlkopf nicht ungestraft brutalisieren. Diese Behandlung war unwissenschaftlich und unverständlich. Widerholtes Brennen sei barbarisch. Gerhardt müffe für die nachfolgende Umwandlung des ursprünglichen gutartigen Gewächses verantwortlich gemacht werden. Ueber Gerhardts Assistenten Landgraf beklagte sich der Kranke widerholt. Er war, sagt Mackenzie, rauh und ungeschickt. Die bekannte Szene in San Remo schildert Mackenzie folgendermaßen: Ohne vom Stuhle aufzustehen, teilte ich Sr. Hoheit mit, daß eine sehr ungünstige Veränderung im Halse stattgefunden habe. Er fragte: „Ist es Krebs?" Ich antwortete: „Ich bedauere, sagen zu müffen, es sieht danach aus; doch ist es unmöglich, darüber sicher zu sein." Der Kronprinz nahm meine Mitteilung mit vollständiger Ruhe entgegen. Nach einigen Augenblicken des Stillschweigens ergriff er meine Hand und sagte mit jenem eigentümlich sanften Lächeln, welches so gut die Milde
„Ich bringe eine
Ausland. i
Kascha«, 12. Okt. Kaiser Wilhelm richtete an den Oberst des 3^Unggr, ZAfaptkrie-Regiments
Mißerfolg der Bramannschm Kanülen. Mackenzie erklärte Bramann, daß seine Kanülen antiquiert feien, worauf dieser beleidigt das Zimmer verließ. Bergmann verhinderte, eine kurze Kanüle einzusetzen, wodurch eine unaufhörliche Irritation des Kehlkopfes entstand. Siebzehnmal mußte die Kanüle in einer Nacht gereinigt werden. Als die Notwendigkeit der Rückkehr nach Berlin eintrat, sagte der Kranke: „Es giebt Gelegenheiten, wo es die Pflicht des Mannes ist, fich der Gefahr auszusetzen, und -eine solche Gelegenheit steht jetzt vor mir. Ich werde zurück- k-hren. Treffe» Sie alle Arrangements für die Abreise." Mackenzie glaubt, daß selbst in Charlotten- burg eine Operation noch möglich gewesen wäre, ohne jene unglückliche Behandlung des Falles durch Bramann und Bergnyum. 'Der rasche Verlauf nach der Tracheotomie rührte davon her, daß ein fortwährendes Schütteln des Kehlkopfes stattfand, was nur auf den Hustenreiz infolge der schlechten Kanülen zurückzuführen sei. Ueber den bekannten Vorgang in Charlottenburg, als Bergmann zur Einsetzung der Kanüle geholt wurde, erzählt Mackenzie: „Zu meinem Entsetzen Meß Bergmann den Finger tief in die Wunde. Rach widerholten vergeblichen Versuchen Bergmanns, die Kanüle einzusetzen, wurde Bramann geholt. Der Kaiser hustete fortwährend und verlor viel Wut. Der Kaiser sagte mir, ich solle Bergmann nicht mehr an ihm Operationen vornehmen lasien. Der Kaiser sprach auch widerholt über Bergmann und schrieb mir hierüber sehr bezeichnende Worte, die zu publizieren mir nicht gestattet wurden.
Thätigkeit. „Bramann", so erklärt „untersuchte mit dem Spiegel, wie er einem Papiermachü-Modell gemacht hätte. Bemerkung: ,„Jch kann sehen, daß
4. Kapitel.
J DieFlucht.
Graf Zarniki war auf dem Brauneu, einem willig« und schnellen Pferde, anfangs dte Militscher Straße fortgesprengt, dir er den rechts von derselben abgehende« Landweg «ach Neuenrode erreichte. Er hatte fich feiet Sekunde Aufenthalt gegönnt, den» er wußte recht gut, vou welcher Bedemuug jeder Bor» sprnug bet einer Verfolgung sei.
Unterwegs überlegte er, daß er am beste« thuu würde, fich nach Neueurode zu begebe», denn abgesehen davon, daß ihn-sein Herz dahin zog und er die Umgegend diese» Orte» einigermaßen kannte, sagte er fich auch, seine Dersalger würde» fich vorzüglich tut die Hauptstraße halte», wr ti ihnen unmöglich erscheine« müßte, jede» eiuzelue Dors abzupattouilliere».
Ein weiche», träumerische« Gefühl bchchlH ««• willkürlich deu Grase»; er klckug beinahe wie eine
Aus meine
Bramann nicht gewohnt ist das Laryngoskop zu ge*
hatte seine ganze hellere «ad sorglose Laune wieder- bekommen. £:. - - X
Er ritt in das totenstille Dorf ei», klopfte an die geschloffenen Fe»sterladen des Kruges nnd begehrte Einlaß. Nach einer ganzen Weile öffnete eine schläfrige häßliche Magd die Thür, fie fragte in ihrer Schläfrig» leit nicht einmal, wer der Reisende fei und woher er komme, souderu deutete nur stumm a»f die Thür des HauseS und nahm das Pferd, vou dem der Graf abgestiegeu war, au den Zügel, um eS i» deu Stall» schuppen, der neben dem Wohngebäude lag, zu führen.
Aber der Coruet machte eS fich als guter Kavallerist doch nicht so bequem; er begleitete sein Pferd und sorgte zunächst für deffe« Unterbringung und Abfütterung. Er löste die Sattelgurte nur ein wenig, denn eine Ahnung sagte ihm, er Itane das Tier int Saufe der Nacht doch noch schnell gebrauchen. Daun erst ging er in das Wirtshaus.
Man sehe »och heute die Dorfherbergeu in der Provinz Posen und den angrenzend« LandeStellen, um fich eine Vorstellung vou ihrer abstoßeudeu Un- bequemlichkeit und Unreiulichkett mache» zu köuueu. Der Graf war iu eine der schlechtesten dieser Art geraten. Der faule Wirt onb seine Familie waren schon vor einer Stunde schlafen gegangen und ließen fich nicht sehen, man hörte in der Gaststube nur ein vielstimmiger Schnarchkonzert hinter einem Bretter.
und gleichzeitig die Stärke seines Charakters ausdrückte: „Ich fürchtete seit einiger Zeit etwas derartiges. Ich danke Ihnen, daß Sie mit mir so Vernichtend beurteilt Mackenzie auch
brauchen", erwiderte der Kronprinz: „Sie sehen es und ich fühle es." Bei der Operation in San Remo wäre infolge der Anwendung von Chloroform durch Bramann beinahe eine Katastrophe entstanden. In den folgenden Kapiteln schildert Mackenzie den
Er schlug also ohne Zögern deu Landweg nach Neuenrode ein, und noch war nicht viel mehr als eine Stunde vergangen, als er das drei Meilen vou der Stadt entfernte Dorf vor sich hatte. Es war zehn Uhr abends und die Nacht ziemlich finster.
„Gott fei gedankt", flüsterte der flüchtige Reiter vor fich hin, als er soweit gekommen war und ließ den Braunen im Schritt gehen, nachdem er ihm dankbar deu schlanke« Hals geklopft hatte. Bis hierher kann der Kanonendonner nicht gedrungen fein, und alles scheint tat tiefsten Schlafe zu liegen. Wo bleibe th aber nun oder vielmehr, wo taffe ich das Pferd?'
DaS Pferd konnte ihm ei» böser Verräter werden; wie der Eornet aber bei allen Dinge» seine Leicht- fertigte# durchblicken ließ, wo eS fich nur um seine eigene Person handelte, so legte er darauf auch hier kein besonderes Gewicht. Er hielt fich bereits für fo sicher, daß er nicht mehr an Warteuberg und seine Verfolger, sondern nur an Neuenrode und KSthcheu dachte.
„Wenn ich Sie heute uoch sprechen könnte!* sagte er für fich. „Aber «ein, eS geht nicht, eS ist berellS zu spät dazu."
Und doch seufzte er leise bei diesem Gedanken, denn mit seiner Liebe wenigstens war eS ihm Ernst.
„Hierher komme« die Husaren nicht", überlegte er wetter, wenn fie auch' der Russe» Wege», drei Meile» weit relleu! Und überdies, wenn fie kämen, so find Offiziere und Soldaten mir zugethan und »erben ein Auge zudrücke», um mich nicht zu finden. Gut, bleiben wir ta Neuenrode und suchen wir morgeu Säthche» auf. Ich will das arme Mädche» nicht erschrecken, fie soll kein Wort davon erfahre», daß mau mich verfolgt, fie »Erde fich darüber ja zu Tode ängstige». Morgen früh werden die Patrouillen unverrichteter Sache wieder eiurücke», und die Teufel vou Staffelt werde» mit langer Nase abziehe«."
Der ehemalige Coruet ergötzte fich über diese» Gedanke» so sehr, baß er laut auflachen mußte. Er
«rscheiM ttalich außer an Werttag« nach Sonn- und 6113 Änjeig« nmmt entgegen die Expedition d Blattes, .
Aetertageu7-dnattal.»onnementS.PreiS bei der lxpe. sowie d. Annoncen-Kureank von Haasenstein und Vogler .
6Uion2V*SRL bei den Postämtern 2 All- 50 Pfg. (exll. ** „„ in Scanlfntt a.LaffeH Magdeburgu. Men; Rudolf XXM. AllÜlMUL.
vestellgews-Zstts«tion^chLhr für die gespaltene Zeile SvNNtag, 14. Oktober 1888. Masse ta Fraukftta «.«. seMn,München u. RMn;«• 8. Y B **
10 Pfg., ReHanten ftr die Sette 36 Pfg. Daube u. Co. ta Frankfurt a Berlin, Hannover- Pari».
Sprung zu der Weiulaube zu gelangen pflegte. Er wußte selbst nicht, warum er eS that, aber er sprang tu den Garte» hinein und setzte fich aus die Bau! iu der Laube. Mit verschräukteu Armen träumte er hier lange, ohue auf die Kühle der Nacht zu achte»; er dachte au seine Desertion, au die freundliche Aufnahme im Hause bei dttn Obersten, dar Allem a« KSthcheu. 11 j ?. f I i g I 8 tz |
Dem jung« Manne ßah heute aller so trübe aus wie uoch nie; er bereute fast, daß er die Fahne verlassen hatte, die freilich nicht die seines BaterlaudeS gewesen war, «8 die er nicht allein nicht geliebt, sondern gehaßt hatte, er machte sich Vorwürfe darüber, , . . ... _____ . daß et den wackeren Oberste« ta den Zwiespalt zwischen
kaum zweihnndert Schritte entfernte» herrschaWche» seiner stets treu bewährte» Pflicht «d seinem Her»« Schlöffe! erkennen konnte. „ gebracht habe, ek fragte sich sogar, M er recht le»
‘ ‘ «ha», KäthchenSganzes Lebe-sglück ansb«ffelbe trogt»
shalfige Spiel wie sei« eigenes zu setze«. (Forts, felgt)
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Okt. In der gestern unter dem Vorsitz des Staats-Ministers, Staatssekretärs des Innern von Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung erteilte der Bundesrat den Beschlüffen der Ausschüffe für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr, betreffend vorläufige Bestimmungen über die Statistik des Warenverkehrs aus Anlaß des bevorstehenden Zollanschluffes von Hamburg, Bremen und einiger preußischer und oldenburgischer Gebietsteile und die Zulaffung gemischter Privat - Transitlager ohne amtlichen Mitverschluß für Getreide in Altona, sowie einem von denselben Ausschüffen gestellten Anträge wegen der Zollabfertigung harter Kammgarne die Genehmigung. Sodann wurde über die Inkraftsetzung des Unfall- und Krankenversicherungsgesetzes für die in land- u. forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen in Meckleuburg- Strelitz und in Coburg - Gotha, über die Wieder- besetzung mehrerer erledigter Stellen bei Disziplinarbehörden, über den Sr. Majestät dem Kaiser wegen Besetzung einer Ratsstelle beim Reichsgericht zu unterbreitenden Vorschlag, endlich über die geschäftliche Behandlung von Eingaben Beschluß gefaßt. — Die „Post" meldet: Angesichts des ablehnenden Verhaltens derjenigen Konservativen, welche Stöcker auf den Schild heben und gegen jede den Mittel- Parteien annehmbare Verständigung über die Wahl im 1. Berliner Wahlkreise sind, haben die Vertrauensmänner der gemäßigt Konservativen, der Freikonservativen und Nationalliberalen den Beschluß ' fassen müssen, sich ihrerseits gemeinsam zu organisieren und gemeinsam in die Wahlbewegung einzu- i treten. Die Aktion dürfte demnächst in die Oeffent- lichkeit treten.
— (Aus Dr. Mackenzies Broschüre.) Das „Neue Wiener Tagblatt" bringt aus London Mitteilungen über die am Montag erscheinende, 126 ; Seiten starke Broschüre Mackenzies. Das Motto derselben ist aus Shakespeares Heinrich IV. und lautet: „Nun merkt auf, wie die ganz simple Geschichte Euch zu nichte macht." Mackenzie wälzt den ■ größten Teil der Schuld auf den Professor Gerhardt. In den ersten Kapiteln setzt Mackenzie auseinander, daß Gerhardt ihn fälschlich beschuldigte, in Berlin dem Kronprinzen das Stimmband verletzt zu haben, ! welche Beschuldigung nur erhoben worden sei, well ihn (Gerhardt) Mackenzies Erfolge ärgerten. Als 1 es ihm gelungen war, ein Stück zu exstirpieren, wollte man ihn in den Augen seines Patienten da-
sNachdruck »erboten.]
Der Deserteur.
Novelle von Stan iSlauS Graf Grabowski.
(Fortsetzung.)
„Faselt Er auch nicht?" fragte er mtt schwacher Stimme. „Hat Er auch den Richtige« bekommen?"
„Zu Befehlen, Herr Oberst, ich kenne den Grafen Zarniki persönlich."
Der Oberst wantte mehr als er ging auf seinen Sessel zu, aber er nahm alle Kräfte zusammen, um vor dem ihm untergebenen Offizier nicht schwach zu erscheine» und fich zu verraten, stützte nur die eine Hand auf die Lehne des Sessels und sagte so barsch und nusreuudlich wie er seinen Offiziere» »och nie erschienen war:
„Berichte Er mir umständlicher."
„Zu Befehl, Herr Oberst.',
Wir ziehen eS vor, den kurze» dienstlichen Bericht des Offiziers etwa» ausführlicher zu geben, da jener »icht alles wußte, was fich mit dem Deserteur seit deffe» Abreise a»S Warteuberg zugettage» hatte.