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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchhain.

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Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Auq Koch.

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von den ihn bis

Ko«la«ger^s Wir-eraustreten.

Zwei Monate fast war General Boulanger der Bildfläche so gut wie verschwunden; in verschiedensten Ländern von Europa wollten findige Berichterstatter erschaut haben, aber

Vorplatz, so bietet sich dem Blicke zunächst im Halb, kreise eine Reihe von ganz modernen HotelS; überall grüne Fensterläden, in der Gesamtheit gerade kein ange. nehmer Anblick. Aber znr Rechten stoßen wir bereits auf das Alterthum, dort ragen Ueberbleibfel der großen Bäder, durch welche die römischen Imperatoren die Bevölkerung für sich zu gewinnen trachteten. Ziemlich ruineuhaft präsentiert sich die Anlage, nnd nur die tausend und mehr Jahre, welche über dem alten Steinhaufen dahingezogen, machen sie ehr würdig. Aber wir wolle» nicht spötteln; indessen ist eS schwer, ernst zu bleibeu, wenu mau Touristen, de» Bädeker in der Hand vor einem alten Steinhaufen in Rom stehe» sieht und nun tiefsinnige Gespräche über AltertuwSwiffeuschaft loSlasien hört. Und von zehn solchen Touristen verstehe» sicher neun gar nichts davon; aber sie fürchte», man könne ihnen nach der Heimkehr auf den Zahn über ihre Reise fühle», und ie wurden daun errötend eingestehe» mufft», sie hätte» diese nmgestürzte Sänke und jene geborstene Mauer nicht gesehen. Italien ist wunderschön, wenu mau eS leichte» Herzens durchreist, seine endlosen Schönheiten zwanglos bewundert; aber weun man dem Bädeker auf Schritt und Tritt folge», darnach alle Sehenswürdigkeiten abreuneu will, daun wird die Sache gräßlich.

ES ist nur eine kurze Wegestrecke vom Bahnhof bis zu dem mächtigen Quirinalpalast, der sich auf hohem Felsrückeu über einem Gewimmel vom kleiuen Gäßchen erhebt. Eine mächtige Steinplatte trägt die Inschrift, welche Papst Pins IX. als Bauherrn nennt Man sagt, in der Umgebung des Palastes solle jetzt einmal Ordnung geschaffen werde». Aber «S thut auch not, auf der »ach der elegante» Bia Diagonale zu liegende» Seite sieht er schrecklich ans. Auf dem Balkon des Quiriual stand bekanntlich vor «eh» Jahre» Kaiser Friedrich, auf de« Arme» den leine» Kronprinzen Victor Emanuel. Jetzt wird an euer Stelle sei» Sohn die Hnldiguugen der Römer rntgegeonehme». Gegenüber dem KöuigSpalastr liegt

eine geradezu ekelhafte Ausdehnung gewonnen hat. Wilson trieb es am schlimmsten, und wer er obendrein noch ein Schwiegersohn des Staats­oberhauptes war, wurde er beseitigt. Aber es gab und giebt noch viele Abgeordnete, die Wilson ähneln, und das weiß das Land, das weiß Boulanger, da­her seine immer größeren Erfolge. Der General ist erst recht eine Respektsperson geworden für viele Franzosen durch die neuliche Rede des Ministers des Auswärtigen, Goblet, welcher in unzweideutigster Weise aussprach, daß die Regierung vor Boulanger Furcht hat. Goblet behauptete, Boulanger und seine Leute würden das Land in schwere innere Wirren, jo in einett auswärtigen Krieg stürzen, wenn sie an's Ruder gelangten. Herr Goblet ist aber ge­rade der Minister, welcher den Revanchegedanken, die Freundschaft mit Rußland am meisten protegiert; um dieser Haltung willen wurde er überhaupt nur vom Ministerpräsidenten Floquet, der auch große Worte für Thaten auszugeben liebt, in's Amt be­rufen. Und gehen wir ein Jahr zurück, denken wir an die Monate, in welchen Goblet Ministerpräsident, Boulanger sein Kriegsminister war. Damals waren die Beiden ein Herz und eine Seele und auf dem besten Wege, Schnäbeles Willen einen Krieg mit Deutschland anzufangen. Jetzt sind sie Todfeinde. Warum? Weil Boulanger alle seine ehemaligen Freunde von den fetten Schüsieln der Ministerhotels wegdrängen und allein regieren will. Ter ganze politische Parteistreit in Frankreich dreht sich über­haupt nur um die Machtfrage. Die Programmworte, mit welchen Boulanger und die Parteien groß thu», sind reine Phrasen, die keinen wahren Wert haben. Jeder nur einigermaßen bekannte Abgeordnete glaubt sich zum Minister berufen, und soll er sein Ziel erreichen, muffen natürlich alle fort, die ihm im Wege stehen. Da haben wir das wahre Motiv für so viele französische Ministerkrisen. Es ist ein unwürdiger Schacher, den das Parlament mit den höchsten Staatsämtern treibt, und so lange darin keine Änderung eintritt, in die Volksvertretung keine edle Uneigennützigkeit einzieht, wird Boulangers Rolle nicht ausgespielt sein. Die französische Volks- verttetnng von heute ist ein moderner Pendant zum römischen Senat zur Zeit Jugurthas. Ein Wechsel muß da unbedingt folgen, entweder im Guten oder im Schlimmen. Im letzteren Falle mögen aber die ich vorsehen, welche die Zeche zu bezahlen haben. Boulanger gilt heute als Hanswurst, aber was galt Louis Napoleon in den dreißiger und vierziger Jahren?

ES konnte nicht fehle», daß et» solches Bekenntnis Helenens ganze Teilnahme erweckte, denn, abgesehen davon, daß sie nnn nicht mehr die mindeste Furcht i» h-gen brauchte, der Graf trage ihr wärmere 6e» Shle zu, als sie wünsche» konnte, fand sie seine Desertion jetzt sehr romanttsch, und überdies liebte ie ihre Koufine Katharina, obgleich sie dieselbe nicht rersönlich kannte, denn ihrem sanften Herzen war der Streit der Bätcr immer fern geblieben und sie hatte cho» sehnlich gewünscht, dar schöne Kithchen, von deren liebenswürdigen Eigenschaften der Ruf schon ange sprach, in ihre Arme schließe» zu dürfe» und ich a» ihr eine Freundin und Vertraute de» eigene» HerzerSkumwerk zu gewinne».

Ehe sie aber »och de« Jünglinge ihre herzliche Teilnahme versichern konnte, trat der Oberst rasch nnd mtt ganz verstörtem Gesicht wieder ein. Der alte Herr kam nicht oft an» der Fassung, eS mußte dnher etwas ganz Besonderes vorgefalle» fein.

»Lieber Graf', sagte er, oh»e sicht» sei»e»Seffel

»ttepnied« j»Äffen, .der Teufel ist lost das heißt;

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Bmtfchtt «eich,

Berlin, 9. Oktbr. Der Kaiser hat, -laut Reichs-Anzeiger, folgende hohe Auszeichnungen ver­liehen: dem Prinzen Waldemar von Dänemark den Schwarzen Adler-Orden, dem Kaiserlich russischen Minister des Aeußern, von Giers, den Schwarzen Adler-Orden in Brillanten, und dem Präsidenten des Königlich schwedischen Ministeriums, Staats- Minister Baron Bildt, den Schwarzen Adler- Orden. Das im Auftrage der Kaiserin und Königin provisorisch mit der Leitung des Berliner Lokalvereins des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins betraute, aus den Herren General­superintendenten Brückner, Dr. Braun, Geheimrat Aegidi, Generalmajor von Bülow, Reichsbankpräsi­denten v. Dechend, Konsistorialrat Dryander, Kom­merzienrat Gilka, Kaufmann Hardt, Fabrikdirektor Holtz, Bankdirektor Koch und Rechtsanwalt Stein bestehende Komitee erließ einen Aufruf zu Samm­lungen behufs Beseitigung der religiös-sittlichen Not­stände in Berlin. In diesem Aufrufe heißt es: Es gilt, dem geistlichen Notstände im Anschluffe an die bestehende kirchliche Organisation durch Hilfs­kräfte und so weit als möglich durch Beschaffung von gottesdienstlichen Sammelpunkten einigermaßen abzuhelfen, ferner die Armen und Kranken, soweit es geschehen kann, ohne sie ihren Familienkreisen zu entziehen, zu pflegen, die Verkommenen ihrem leib­lichen und geistigen Elend thunlichst zu entreißen, und die Verbitterten an die Liebe glauben zu lehren und so den Klaffenhaß zu mildern." Wie es heißt, begiebt sich Graf Douglas während der An­wesenheit des Kaisers nach Rom. Das Oktober- Heft derDeutschen Rundschau", welches das an­gebliche Tagebuch des Kaisers Friedrich enthält, wurde in der Expedition derselben mit Beschlag be­legt. Dadurch ist konstatiert, daß in der Ver­öffentlichung eine strafbare Handlung erblickt wird. Bon welcher Behörde die. Beschlagnahme ausge­gangen, ist »och unbekannt. Die Staatsregierung beabsichtigt, im Interesse der älteren Volksschullehrer eine dritte Klaffe von Alterszulagen zu schaffen, d. h. den Lehrern nach Zurücklegung des 36. Dienst­jahres eine noch höhere Alterszulage zu bewilligen, als die bisher nach Zurücklegung des 22. Dienst­jahres gewährte. Es soll hierzu der durch das neue Volksschullastengesetz frei werdende Fonds zur Unterstützung ärmerer Schulverbände Verwendung finden. Diese höhere Zulage soll, wie verlautet, nicht allein Lehrern und Lehrerinnen, welche im

Illustriertes Somitagsblatt.

Machdruck verboten.^

Uoma.

Kaiser Wilhelm IL hält in diese» Tage» feinen : Einzug in die ewige Stadt. Roma rüstet sich zu seinem würdigen Empfange, liebet Rom hat jeder Z gelesen und Mancher sprechen höre»; eS sei uns aber gestattet, »»seren Leser» die Stätten deS heuttgen Rom zu zeichnen, welche unser Kaiser während seiner An­wesenheit berühre» wird, damit zugleich ein Bild der italienischen Hauptstadt zu geben, wie eS sich dem , Nüchterne» Beschauer präsentiert.

, Denn nicht alle Besucher von Rom find ruhiger Seele, wenn sie den Boden betreten, ans welchem so diele berühmte Männer gewandelt, die Kuppel dtS wunderherrlichen PeterSdomeS erschauen, neben welchem dar Oberhaupt der katholischen Kirche seinen Sitz hat Wer so eMhufiaSmiert Rom betritt, der wird Mancher unbeachtet laffe», was kritischen Gemüter» v»r ,n sehr i» die Auge» springt. Wer unsere großen, sorgsam gepflegten deutsche» Städte durch- 4 wandelt hat, eS braucht gar nicht Berlin zu sein, das, war Reinlichkeit der Straßen und saubere ' Präsentierung anbettifft, alle anderen Weltstädte ' übertrifft, der wird beim Promeniere» in den Straßen do» Rom ein schnurriges Gesicht machen und sagen: »Das habe ich mir auch anders gedacht l" Es gibt «fetzltch schmutzige Verkehrswege b Rom, deren sich tute deutsche Kleinstadt schämen würde, und daß aw *benb der Kehricht aus den Häuser« aus die Straße geworfen wird, ist eine heute noch nicht ganz über.

- *x»bene Sitte. Rom, die Stadt der Kunstschätze und Heiligthümer, steht als Großstadt »och nicht auf der J Ntbiente» Höheh unb wird in dieser Beziehung bei.

Meisweise von Mailand weit übertroffe». Neapel ist nun allerdings »och viel schmutziger als Rom.

Der Zentralbahuhof, huf welchem Kaiser Wilhelm Atteste» wirb, ist ei» verräuchertes, schwarzes Ding, 4 S von unsere» prächtige« deutsche« Bahuhof«a»lagen

V »ch sehr wesentlich unterscheidet. Betritt «an den

öffentlichen Schuldienste angeftellt sind, gewährt werden, sondern auch solchen, die an den öffentlichen niederen Schulen, beispielsweise an Mittelschulen, sogenannten Rektoratsschulen u. s. w. angestellt sind, sofern im übrigen die Voraussetzungen zutreffen, unter denen nach den betreffenden normattven Vor­schriften überhaupt Dienstalterszulagen gewährt werden dürfen. DiePol. Nachr." melden, daß Lega­tionsrat Kiderlen-Wächter, bisher in Konstantinopel, zum wirklichen Legationsrat und Vortragenden Rat und der wirkliche Legationsrat Raschdau zum Vor­tragenden Rat, beide in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, ernannt worden seien. An Stelle Raschdaus ist Konsul Aichberger (Galatz) in die handelspolitische Abteilung getreten. Nachdem der Kaiser den Durchbruch der Zimmerstraße geneh­migt, hat der Kriegsminister dem Magistrat die Bedingungen wegen Abtretung eines Gartenteiles des Kriegsministeriums behufs Verhandlungen zwischen beiden Behörde» mitgeteilt. Nach denPolit. Nachr." wäre Geffken in das Moabiter Gefängnis abgeliefert.

DemF. I." schreibt man: Anstelle der Garnisondienst-Jnstruktion vom 22. November 1883 ist nunmehr durch allerhöchste Verfügung eine neue Garnisondienst-Vorschrift getreten. Dos erfreuliche Bestreben der höchsten militärischen Behörden, im Schriftgebrauche alle entbehrlichen Fremdwörter zu entfernen, hat aber bei den in Rede stehenden Vor­schriften nicht nur bei dem Titel derselben Ausdruck gefunden, sondern auch im Texte finden wir alt­eingewurzelte militärische Fremdwörter beseitigt, wie es beispielsweise nicht mehrOffizier du pur", sondern Offizier vomOrtsdienste", nicht mehr Honneurs", sondernEhrenbezeugungen", nicht mehrrangieren", sondernauffiellen" u. s. w. heißt. Eine neue Garnisoudienft - Vorschrift war allein schon nötig geworden, weil durch Fortfall des Gewehr-Anfassens auch die seither von den Schild- wachen erwiesenen Ehrenbezeugungen eine Aenderung erfahren mußten. Während früher nur vor den Stabsoffizieren und Generälen präsentiert wurde, bestimmt der § 22 der neuen Vorschrift: die Schild­wachen präsentieren in allen Fällen, m denen die Wachen zu präsentieren haben, außerdem vor allen Offizieren der Armee und Marine, vor den Sanitäts­offizieren und vor den Rittern des Großkreuzes des Roten Adler-Ordens, den Gittern der ersten Klasse dieses Ordens und deS Kronenordens, sowie des Ordens pour le mSrite. Die Schildwachen stehen mit Gewehr über still: vor den Inhabern des

^Nachdruck verboten.)

Der Deserteur.

Novelle von EtaniSlau« Graf Grabowski.

(Fortsetzung.)

Mädchen unb Frauen sind immer neugierig; sie »erden «ie abschlage», Vertraute eine» Geheimnisses zu werden, welcher Art eS auch sein möge.

Helene meinte also, sie werbe ben Grafen auhöre», wenn ihre Teilnahme ihm von einigem Nutzen sei» könne.

Der Coruet erzählte unbefangen, aber nicht ohne Gefühl, baS ein weibliches Wesen immer rührt, wie er Käthchen von Brandt, des Fräuleins Koufine, kennen gelernt Habe, unb daß er hauptsächlich ihret­wegen nach Preuße» gekommen sei; er verschwieg indeffe», daß er Käthchen jetzt ost heimlich ans Neue», tobe sehe.

das Auswärtige Ministerium, ein ehemals geistlichen Zwecken dienendes Gebäude und über da» Häuser, meer hinüber schweift der Blick bis z» einer mächtige» Sirchenkuppel: St. Peter. Dicht beim Onirinal liegt auch die berühmte Via venti settembra, äußerlich eine schmucklose Straße, ans welcher am 20. September 1870 die italienischen Truppe», nachdem sie bei« PinS-Thore Bresche geschoffen hatte», in Rom ei», drangen. An jenem Tage.erreichte die weltliche Herrschaft deS Papstes ein Ende.

Die Römer find ein sonderbares Völkchen; eS ist nicht ganz leicht, über gewisse politische Verhältnisse mit ihnen ,» rede». Der eine schwört zur Fahne König HumbertS, der andere hält an dem Papst fest und sieht tu ihm den eigentlichen Beherrscher von Rom. Aber auf ihre Geburt als Römer find sie Alle stolz, und eS komme» darüber maachmal drollige Phrase« z« Tage. Die Römer glauben auch heute noch steif und fest, daß sie als Römer höher stehen, wie die übrigen Italiener, das alte Roma übt auch jeute noch feine wundersame Macht. Die Gemeinde- behörben'bringe» auch, wo sie irgend können, und wäre eS »nr an einem städtisch?» Wasserwaa-u, bar be- rühmte eS. P, Av. (Senatus Populusque Romanns) an hue daß er fteilich praktische« Wert hätte. Den» der der Gemeindeverwaltung von Rom steht die talieuische Regierung, unb die macht nicht viel Umstäube, wen» die Herren vom Munizipiu« ihre» eigene« Weg gehe». Aber ei» Rathaus hat baffir der Gemeinderat von Rom wie keine andere Stadt 'S besitzt: das Capitol, diesen prächttae», herrlich ge» chmückten Bau, den man immer wieder bewundern kann.

Aus dem allberShmteu Eapitolfelse» erhebt sich da» San» der Stadt, zu welchem breite, mit Statuen be. etzte Freitreppen hinanführe». Hier werden die Ge. «eiudebehörden ben deutschen Kaiser empfange», ihm eine Abendgesellschaft geben unb eine Marmortafel mtt lateinischer Inschrift wird auch tommcnbitx fe Western von diesem »atserbefuche erzählem «ein Adjutant brii,'gt'L''f°ebL"z»ei"OfsttLl ntotbunOE (Fortsetzung Lallfifchen Regiment Wladdntt, ftennbril bd giöitinwpiJuiiGiitl £|gn»zu|R A|if' Jg

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£.* «!'»-- M. Donnerstag, 11. Oktober 1888. «-KÄtiSi S.2 E Jahrgang.

10 w. Reklamen für bte Zeile 25 Mg. Daube «.»«.« Frankfurt a.Berlin, Hannover. Parä^

heute weiß noch niemand genau, wo der General eigentlich gesteckt hat. Wahrscheinlich hat er Frank­reich überhaupt nicht verlassen gehabt, sondern in einem kleinen Orte bei Paris ruhig seiner Erholung gelebt. Nunmehr ist er wieder aufgetaucht und zeigt sich täglich hoch zu Roß im Boulonger-Hölzchen bei Paris. Tausende laufen herbei, um den Ge­neral zu sehen und herablassend ' nimmt Boulanger ihre Grüße entgegen. Er betrachtet sich momentan als Sieger und hat auch ein Recht dazu infolge feines bekannten großen Wahlerfolges aus dem Sommer; die ungeheure Stimmenmehrheit, welcbe sich auf seinen Namen vereinigte, zeigte, daß weder der Degenstoß des Ministerpräsidenten Floquet, noch Boulangcrs klägliches Auftreten in der Kammer sein ; Renommee wesentlich haben schädigen können; die Abneigung gegen die Pariser Kammerwirtschaft war bei der Bevölkerung viel zu groß, als daß sie die Schwächen des Generals richtig und nach Gebühr gewürdigt hätten. Gleich nach seinem Wahlsiege im Sommer verschwand Boulanger; der Plan war nicht übel. Der volle Sieg war in der Wahlschlacht errungen, der General konnte ihn weder durch nach­ttägliche lange Reden erhöhen, noch konnten seine Gegner seine Bedeutung durch ihre Angriffe ver- Mindern. Jedes persönliche Eingreifen war von Leberfluß und deshalb trat er ab und überließ es Ritten Anhängern, den Feldzug gegen die Kammer I und das Ministerium weiter zu führen. Boulanger Werfügt auch über Kreaturen, die vor gar nichts Murückschreckcn, die für Geld alles thun. Unerhört Ät der Parlamentsgeschichte aller Länder ist das MAuftreten des Abgeordneten Gilly, der von feinen Wollegen im Budget-AnSschusse der Teputtrtenkammer Wtzehauptet, es seien notorische Schwindler und ^Gauner. Also die Personen, welche über alle Staats- Hnusgaben Frankreichs ein wichtiges Wort mitzu- Istwechen haben, sollen Gefängniskandidaten sein. Es Wt nun ganz in der Ordnung, daß die Regierung k beschlossen hat, gegen den Abgeordneten Gilly die Werleumdungsklage anzustrengen, aber ohne Wirkung leiben solche Lügen im Lande nicht. Viele Pro- Minzialen glauben doch, daß ein Teil dieser Aussüh- f tun gen auf Wahrheit beruht, weil sie wissen, »daß das Protektionswesen in der Republik