Einzelbild herunterladen
 

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von 3oh. le«. Koch.

Erscheint täglich außer au Werktage» »ach Son», und

--Z» AAA Feiertage». Quartal-rlbonnemeut-.PrriS bei derSxpe.

.116 dition 2*/t ÄL bei den Postämtern 3 SRI 60 Pfg. (exkl.

Bestellst»). JnscrtiouSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Vq., Reklamen für die Zelle 85 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 2. Oktober 1888.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blatte«, sowie d. Annouren-Bureaux von Haaseufteiu und Logier SÄMAMÄÄ.Ti! Ml Jahrgang. Daube u. io. i» Frankfurt a. VL, Berlin, Hannover. Bari«.

Die Veröffentlichttng -erlleutsche« R«n-fcha«."

(Bergl. Nr. 225, 226 «nd 230.)

DerReichsanzeiger" veröffentlicht einen von dem Reichskanzler an Se. Majestät auf Aufforderung des letzteren erstatteten Bericht über die bekannte, angeblich aus dem Tagebuch Kaiser Friedrichs ge­schöpfte Publikation derDeutschen Rundschau", und 5". ar mit einem Schreiben des Fürsten Bismarck an den Justizminister als Einleitung, aus dem hervorgeht, daß Se. Majestät die Veröffentlichung dieses Berichtes des Reichskanzlers selbst befohlen und weiter den Antrag des Fürsten Bismarck,die Staatsanwaltschaft zur Einleitung des Strafver­fahrens gegen die Publckation derDeutschen Rundschau" und .deren Urheber anzuweisen", ge­nehmigt hat.

Letzterer Antrag gründet sich auf die Thatsache, daß die genannte Publikation, falls und soweit ihr Inhalt echt sei, Staatsgeheimnisse bekannt giebt, deren Veröffentlichungden Bestand und die Zuku»ft des deutschen Reiches, die auf der Einigkeit seiner Fürsten wesentlich beruhen, gefährdet", also unter Artikel 92 des Strafgesetzbuchs fällt. Falls und soweit der Inhalt gefälscht sei, würden der Artikel 92II., daneben Artikel 189 wegen Beschimpfung des An­denkens Verstorbener und wohl auch noch andere Paragraphen des Sttafgesetzes Platz greifen. In jedem der beiden Fälle liege eine Herabsetzung des Andenkens des Lasters Friedrich und eine Ver­leumdung des Kaisers Wilhelm und Anderer vor. Daß die Entstehung und der Zweck dieser strafbaren Handlung ans Licht gezogen werde,liege im Jntereffe der beiden hochseligen Vorgänger Sr. Majestät, deren Andenken ein wertvolles Besitztum des Volkes stnd der Dynastie bildet und vor der Entstellung bewahrt werden sollte, mit welcher diese anonyme, im Interesse des Umsturzes und des inneren Un- riedens erfolgte Veröffentlichung in erster Linie sich ;egen den Kaiser Friedrich richtet."

Der Hauptteil der Darlegungen des Fürsten Bismarck ist dem Nachweis gewidmet, daß die Mitteilungen derDeutschen Rundschau" zahlreiche chronologische und thatsächliche Irrtümer enthalten, mithin vermutlich den Inhalt des Tagebuchs des Kaisers Friedrich in gefälschter Gestalt wiedergäben. So behauptet die Publikation, der Reichskanzler habe am 13. Juli 1870 den Frieden für gesichert gehalten und deshalb nach Varzin zurückkehren wollen, während aktenmäßig feststehe, daß der

Line Geschichte ohne Liebe.

^Nachdruck verboten^ (Schluß.) x

Mr. Balfour empfing Hemy auch sehr freund­lich; fein Plan, wie der unwillkommene Bewerber znrückzuschrecken sei, war mit Blitzesschnelle gemacht. »Sie find ein hochachtbarer Manu, Mr. Webster, aus bester Familie, und gerade deshalb kann ich sie in die Vermählung meiner Nichte mit Ihne« Eigen. Ja Ihrem eigenen Jntereffe darf ich es nicht.' Der erstaunte Hemy forschte uach der Ursache und endlich nach langem, scheinbarem Wider, streben ließ sich der würdige Mann daS Geheimnis eutteißcn:Maud hat vor allen Leuten auf der Bühne getanzt. Ich habe sie in meine Familie,auf- Kuommeu, um fie diesem L-beu zu entreißen. Aber gen Sie selbst, wie würde eS Ihnen gefallen, wenn später die Leute sich in die Ohren flüsterten, MrS. Webster sei eine Tänzerin gewesen?' Webster war wie vom Donner gerührt »ad schlich fort. Maud, die ihm aufrichttg zugethan gewesen, sah ihm betrübt »ach. DaS war das einzige Mal gewesen, wo Aussicht auf eine Wendung ihres Geschickes, auf eine Befreiung aus der schrecklichen Sklaverei gewesen war, seitdem war ihr Leben ein trostloser.

Maud war zweiuudzwauzig Jahre alt geworden. Eie hatte Balfour zum reichen Manne gemacht, der von seinen Geldern sehr behaglich leben konnte, für stch hatte ste nichts errungen. Da erwachte endlich i» ihr der Trotz, sie war rS müde, seinen herrischen Befehlen Gehorsam z« leisten nud rund heraus hatte sie eS ihm erklärt. Sie -verlangte die HerauSzehlung riueS angemeffeaen Telles ihrer Gage von ihm, st« wollte sich von ihm trenn«. Der wackere Oheim Slaubtr seinen Ohren nicht trauen zu sollen und dersuchte eS erst in freundlichem Tone, fie von ihre» Bor haben aßzubringe». Vergebens, Maud blieb fest, ste »ar dieses Lebens überdrüssig. MS alle Vorstellungen Balfour» sich al» unnütz erwies« hatte«, kehrte er «d-

damalige Kronprinz wußte, daß Fürst Bismarck den Krieg für notwendig hielt und nur unter Rücktritt aus dem Amt nach Varzin zurückkrhren wollte, wenn der Krieg umgangen werden sollte. Ebenso sei die Darstellung betreffs der Mobilmachung falsch. Der König, dessen menschenfreundliche Empfindungsweise uns hier, wie in dem auch in demTagebuche" erwähnten Kummer über die schweren Verluste seiner Garden auch ohne seitenlange Gefühlsausdrücke leuchtend entgegentritt, wollte, wenn irgend möglich, seinem Volke den Krieg ersparen;aber sofort nach Vorlesung der Ollivierschen Rede aus dem Berliner Bahnhofe und nachdem Seine Majestät dem Kanzler die wiederholte Vorlesung der Rede befohlen hatte und dieselbe als gleichbe­deutend mit französischer Kriegserklärung ansah, entschloß der König sich aus eigenem Antriebe und ohne weiteres Zureden zur Mobilmachung." In gleicher Weise entspreche es nicht den Thatsachen, daß der Kronprinz von dem französischen Kriege den Anfang einer Ruhepause im Schlachtenschlagen und Blut­vergießen erwartet haben soll. Fm Gegenteil habe Se. Königliche Hoheit die allgemeine Überzeugung geteilt und auch zum Ausdruck gebracht, daß der genannte Ktieg, wie er auch ausfallen möge,die Eröffnung einer Reihe von Kriegen", eineskriege­rischen Jahrhunderts" sein werde, dennoch aber unvermeidlich sei. Auch die Behauptung, daß das Tagebuch die Angabe enthalte, der Kronprinz setze die Verleihung des Eisernen Kreuzes an Nicht- Preußen nur mit Mühe durch, sei nicht glaublich; denn thatsächlich habe der Reichskanzler noch in Versailles, also Monate später, im Auftrage des Königs den Kronprinzen wiederholt zu bitten gehabt, mit der Verleihung des Eisernen Kreuzes auch an Nicht-Preußen vorzugehen, und es habe, da Se. Königliche Hoheit hierzu nicht sofort geneigt war, erst wiederholter Anregung Sr. Majestät bedurft, um die befohlene Maßregel in Fluß zu bringen. Ebenso entsprächen Zeit- und Inhaltsangaben der Gespräche, welche der damalige Kronprinz mit dem Fürsten Bismarck über die deutsche Frage geführt hat, nicht den Thatsachcn. Der Reichskanzler glaube vielmehr annehmen zu dürfen,daß Se. Königliche Hoheit sich von der Richtigkeit der von dem Fürsten Bismarck für das Erreichbare gezogenen Grenze überzeugt hatte", zumal da er in den gemeinsamen Besprechungen beider mit dem Könige über die Zu­kunft Deutschlands und die Kaiserfragesich immer des Einverständniffes Sr. Königl. Hoheit den Be­denken Sr. Majestät gegenüber zu erfreuen hatte."

lich fein wahres Gesicht heraus. Ja spöttischem Tone sagte er zu ihr: «Nun, bann versuche Dein Glück, Du wirst ja sehen, wie weit Du kommst ohne Deinen Oheim. Vielleicht nimmst Du jetzt Deinen Vater als Beschützer, der eben eine zwanzigjährige Zucht­hausstrafe wegen Raubes verbüßt hat. Die Welt wird sich freuen, wenn sie hört, wer der Vater der schönen Maud Herward ist. Du kannst Staat machen mit diesem Vater in der Thatl' Du lügst', hatte Maud ihm mit gellender Stimme ins Angesicht geschleudert; aber diesmal hatte Herr Balfour nicht gelogen. Er öffnete die Thür, ein ergrauter Mann erschien, dem das Zuchthausleben seinen unvertilgbaren Stempel aufgedrückt, es war Mauds Vater. Balfour war der Sache durch eine Zeitungsnotiz auf die Spur gekommen und hatte alles aufgebot«, sich Gewißheit zu verschaffen, um Mauds Kraft zu brechen nud fie wieder unter seinen Willen zu zwingen.

DaS junge Mädchen war in der That zerschmettert, aber ihr Haß gegen den unerbittlichen Unterdrücker wuchs riesengroß und erst recht htell sie an dem bisherigen Eutschluffe fest, sich von ihm zu trennen. Zunächst wandte sie sich an den Mann, der ihr als ihr Vater bezeichnet war.Sind Sie wirklich mein Later?', fragte fie mit gttterber Stimme. Gewiß, mein Täubchen', war bte Antwort.Ich will« Dir auch beweisen. Als ich bamalr wegen des dummen Streiche« verhaftet wurde, wurde Deine Mutter ohnmächttg und brach zusammen. Du schlugst damals an eine Tisch kaute, und ich sah, wie Blnts- tropfeu von der Stirn heruuterliefeu. An der rechten Stirnsette muß sich noch eine Narbe befinden. Streiche Dein Haar zurück und sieh einmal nach.' Maud hatte nicht nötig, seinen SBnrten Folge zu geben, sie wnßte, er sagte die Wahrheit.Und wo ist meine Mutter?', fragte fie dann, ,3a, Du lieber Gott, Lind, da fragst Dn mich zn viel. Seitdem ich t« Zuchthanse war, habe ich nicht« mehr gehört von ihr. Wahrscheinlich ist fie gestorben nud fremde

Namentlich aberdie Behauptung des Tagebuches, daß Se. Königliche Hoheit beabsichtigt haben könne, Gewalt gegen unsere Bundesgenoffen anzuwenden und denselben eventuell die von ihnen treu ge­haltenen und mit ihrem Blute besiegelten Verträge zu brechen, sei eine Verleumdung des Hochseligen Herrn. Derartige, vom Standpunkte des Ehrge­fühls, wie von dem der Politik gleich verwerfliche Gedanken mögen in der Umgebung S. Königl. Hoheit Vertteter gefunden haben, aber sie waren zu unehrlich, um in seinem Herzen, und zu ungeschickt, um bei seinem politischen Verstände Anklang zu finden." Endlich aber auch sei nicht mit den That- sachen vereinbar, was dasTagebuch" bezüglich der Stellung, welche Fürst Bismarck 1866 zur Kaiser- ftage einnahm, bezüglich seiner Beurteilung der Jn- fallibilität, die ihm stets politisch gleichgiltig gewesen wäre, und betreffs seiner Haltung gegenüber der Oberhaus-Jdee und der Frage der Reichsministerien behaupte. Zu allen diesen Abweichungen von dem wirklichen Verlauf der Dinge und den thatsächlichen Ansichten anderer in wesentlichen Fragen, über welche in der Publikation derDeutschen Rundschau" be­richtet wird, kommen noch Irrtümer im einzelnen, die bei einer in Wahrheit täglich vorgenommenen (Eintragung in ein Tagebuch undenkbar wären, mit­hin ebenfalls zu der Überzeugung führten, daß es sich hier um nachträgliche Ergänzungen und Fäl­schungen handele.

Die freisinnige Presse wird gegenüber dieser er­schöpfenden Liste von irrig« Angaben in den an­geblichen Tagebuch-Auszügen die Kinderei, mit der sie solche Irrtümer nur für einen oder zwei sachlich ganz gleichgiltige Punkte, im Besonderen für die Erwähnung der näheren Umstände eines Dieners zugestehen wollte, wohl aufgeben. Wenn sie sonst den Spieß der Anklage jetzt umzudrehen versucht und, wozu sich dieGermania" berechtigt hält, diesen Inhalt des Bismarckschen Berichts fürver­letzend" gegenüber dem Kaiser Friedrich erklärt, so ist die Thatsache, daß ein peinlicher Eindruck vorliegt, nicht in Abrede zu stellen, aber ebenso unbestteitbar, daß die Schuld an allem, was wir jetzt beklagen, lediglich bei der grenzenlosen Leichtfertigkeit der Ur­heber der Veröffentlichung derDeutschen Rundschau" liegt. Es gehörte ein Unverstand sondergleichen dazu, um anzunehmen, daß so starke Provokationen, wie sitz Toten und Lebenden in den Veröffentlichungen au8 dem angeblichen Tagebuch des verewigten Kaisers ins Gesicht geschleudert wurden, ohne aufklärende Erwiderung hingenommen werden würden; die jetzt Lerte haben Dich als Pflegekind behalten, bis der Herr hier, Dein Onkel', setzte er mit verschmitztem Lächeln hinzu,Dich fand. Und nun sei vernünftig, Kind. Bleibe bei dem Onkel, hier geht eS Dir ja doch am besten, und thue hübsch, was Dir gesagt wiü>. Der Onkel wirb bann auch mich bis zu meinem Totze erhalten.'

Maud ging langsam im Zimmer auf und ab. DaS Gesicht, welches sie endlich den beiden Ehren­männern ,»wendete, war wie aus Stein gemeißelt. .Nein', sagte fiedaS thue ich um kein Preis der West, nie und nimmer. Wenn Du Geld brauchst, Vater, so verkaufe dies« Schmuck, aber lasse Dich nicht mit diesem ein. Gehen Sie, mein Herr', sagte sie bann stolz zu Mr. Belfonr,ich habe nichts mehr mit Ihnen zu schaff«!'Du wirst noch von mir hören', schrie Balfour wütend, stieß den alten Mann zur Seite und stürmte hinaus. Maud hieß ihres! Vater ihm folgen und war allein. Sie versuchte Pläne für ihre Zukunft zu machen, aber die Erregung war zu groß, ste konnte keine klaren Gedanken faffen. Siebeschloß einen Spaziergang zu machen, um ruhiger zu werden. Unterwegs kam sie au einem Waffeuladen vorbei, in dessen Schaufenster zierlich gearbeitete Damen- Pistolen lagen.Da« wäre eine Waffe, um Balfour zu vertreiben, wenn er mich wieder belästigen sollte', murmelte ste vor sich hin. Rasch trat fie in den Laden und kaufte ein mit Elfenbein aufgelegte« Pistol.

Beim Nachhaufekommen fand fie einen Brief auf ihrem Tische. Mr. Balfour schrieb darin mit dürren Worten, wenn fie ihm nicht binnen drei Stunden mitgeteilt, daß fie sich zn einervernünftigen Ansicht' dekchrt, würden die nächst« Zettungen ihre wahrheitS. getreue Leb«Sgeschichte veröffentlichen. Dann werde sie ja sehen, wie wett und wohin fie komme, fie, die Tochter eine« ZuLthiurlerS! Mand« feine Lippen preßten stch fest zusammen. Eo stand fie lange Zeit, da« Blatt unbeweglich in der Hand. Dann sagte fie laut vor fich Hw:68 ist auch wohl am besten so für mich, endlich Ruhe, Ruhe!' Mtt seltsamem

versuchte Beschwerde würde mithin selbst.dann nicht gerechtfertigt sein, wenn der Bericht des Fürsten Bismarck fich nicht,, wie ihm jeder loyale Beurteiler zugestehen wird, der äußersten Mäßigung und Schonung befleißigte. Man behalte namentlich immer den fundamentalen Unterschied im Auge, daß die herabsetzenden Urteile derTagebuch'-Mitteilungen sich mit rücksichtsloser Offenheit gegen den Kaiser Wilhelm, den Fürsten Bismarck und andere hoch­stehende und dem deutschen Volke ans Herz ge­wachsene Männer wandten, während der Bericht des Kanzlers niemanden angreift, als einen anonynzxn Fälscher und Verunglimpfer, der sein Schicksal selbst herausgefordert hat. Aber selbst der einzige Satz des Berichts, der hart klingen mag, enthält nichts, was nicht jeder unbefangene und deutsch fühlende Leser aus den Veröffentlichungen selbst herausge­lesen hat, ja was ihm nicht von dieser Publikation mit unbegreiflicher Blindheit als Urteil geradezu aufgenötigt ist. Der Bericht erklärt;.... Der damalige Kronprinz stand 1870 allerdings außer­halb der politisch« Verhandlungen und konnte des­halb über manche Vorgänge unvollständig oder un­richtig berichtet sein. Ich besaß nicht die Erlaubnis des Königs, über intimere Fragen unserer Politik mit Sr. Königlichen Hohett zu sprechen, weil Se. Majestät einerseits Indiskretionen an den von fran­zösischen Sympatieen erfüllten englisch« Hof fürch­teten, andererseits Schädigungen unserer Beziehung« zu den deutschen Bundesgenoffen, wegen der zu weit gesteckten Ziele und der Gewaltsamkeit der Mittel, die Sr. Königlichen Hoheit von politischen Ratgebern zweifelhafter Befähigung empfohlen waren. Der Kronprinz stand also außerhalb aller geschäft­lichen Verhandlungen." Damit ist uns doch in der That nichts Nmes, nichts, was dieTagebuch"- Mitteilungcn nicht selbst bereits enthüllt hätten, ge­sagt; denn eine andere ernsthafte Erklärung war nach der geradezu wunderbar« Eüizeichnung unter dem 11. November 1870:Der Großherzog von Baden hat von Bismarck den Eindruck, daß er es mit der Kaiserfrage ernst meint", doch nicht mög­lich. Und was die befürchtetenIndiskretionen an den von französischen Sympathieen erfüllt« «g- lischm Hof" betrifft, so wollen wir ebenfalls einfach die angeblich« Tagebuch-Aufzeichnungen selbst sprechen lassen:23. August. Benedettts Projekt schadet uns in England" ; .18. Oktober. Ich entdecke, daß man Uebles gegen England im Schilde führte; das ist vorüber, aber ob die Vorliebe für Rußland und Amerika nicht doch einmal dem Haß gegen England

Lächeln ergriff fie da« kleine Pistol und schritt in ihr Schlafgemach.---------

Am nächsten Tage brachten die Londoner Blätter die Sensationsnachricht, die schöne Tänzerin Maud Herward habe sich erschaffen. Die That müsse in momentaner Geistesstörung erfolgt fein, denn da» Leben Mauds sei ja das ungetrübteste gewesen.

(Heiratsgeschichten.) In Friedrichsberg bet Beritt» war die Tochter eine« EigenthümerS am Vormittag standesamtlich getraut worden, Nach­mittags sollte die Einsegnung der Ehe in der Kirche stattfinden. Die Gäste waren znm Teil schon erschienen. Die Brant befand fich unter den Händen der Friseuse, die ihr eben den Brautkranz ius Haar flechten wollte, da bekam die Brant eindicke» G. sicht.' Von Minute zu Minute schwoll die eine Wange an, alle Symmetrie in dem holden Antlitze störend. Vergeben» verfichert« die Brautjungfern, daß ihr daS dicke Gesicht gar nicht schlecht stehe, vergebens versicherte die Mutter, fie fei auch mit einem dicken Gesicht zum Traualtar gegangen, die Tochter bli-.b dabei, so gehe sie nicht in die Kirche. Schließlich mußte die ganze Feier abbestellt werden. Ein Pendant dazu wird aus Newyork berichtet. ES sollte die Vermählung der siebzehnjährig« Gertrud Jaffe mtt dem Geldwechsler Löwenberg stattfinden. Eine große Gesellschaft versammelte fich im Hause der Brant; diese selbst stand im schönsten Schmuch ihre» Gästen die Honneurs machend. Plötzlich wurde der Later abbernfen und bald darauf holte man auch bte Braut in ein Nebengemach. Nach einer Pause von fünf Minuten kehrte Gertrud in den Empfang«, falon zurück Mb sagte den versammelten:Stein Bräutigam hat fich an« bisher unbekannten Gründen erschossen. Somit fällt die Trauung, zu der wir Sie gft* laben, »eg. Diner und Ball aber, Zn welchem bereit« die umfassendsten Vorbereitung« getroffen worden, werden stattfiud«, und bitten »ft Sie, sich durch die Heine Störung nicht an dem Vergnüg« hindern zu Uffen/