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düng hiesiger Blätter von einem kleinen Reitermiß- I geschick, welches dem Kaiser am Tage der Parade »Wes dritten Armeekorps bei der Rückkehr von dem

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. Sept. Es bildet sich ein Komitee, nd der Anwesenheit des Kaisers

Seite wird bezweifelt, daß diese Entscheidung sich mit den Beschlüsien der theologischen Fakultät der Berliner Universität decken wird, welche bekanntlich die Zustimmung des Staatsministeriums gefunden haben. Damit ist wohl anzunehmen, daß der Pro­fessor Harnack schon vom nächsten Halbjahre an zu den Lehrern der hiesigen theologischen Fakultät ge­hören wird. Ter Handelsminister hat auf die Vorstellung der ältesten der hiesigen Kaufmannschaft über die Verfügung, betreffend die künftige Gestal­tung des Terminhandels für Getreide, eine Antwort ergehen lassen, die den Auffaffungen des kaufmän­nischen Kollegiums im ganzen entzegenkommt. Der Minister hat, derVoss. Ztg." zufolge, zugestanden, daß das Naturalgewicht für Getreide so festgesetzt werde, wie dies in der Vorstellung des Ältesten- Kollegiums beantragt worden ist. Er hat ferner zugestanden, daß zu Sachverständigen, bei welchen die eigentlichen Interessenten (Getreidehändler) nach der früheren Verfügung überhaupt ausgeschloffen bleiben sollten, auch Getreidelokohändler gewählt werden dürfen. Er hat des weiteren für unkon­traktliches Getreide, das nach der früheren Ver­fügung für immer vom Verkehre ausgeschlossen sein sollte, eine siebentägige Sperrzeit eingeführt und endlich hat er zugestande«, daß besondere Schluß- scheine für Rauhweizen eingeführt werden. Freilich ist die letztere Zusage an Bedingungen geknüpft, die, da sie dem Ältcsten-Kollegium nicht durchführbar er­scheinen, noch weitere Verhandlungen notwendig machen. Es wird noch weiterer Vorstellungen sei­tens des Ältesten-Kollegiums bedürfen, um dies Zu­geständnis nutzbar zu machen. Der Zusatz in dem Schreiben des Ministers, daß diese Zugeständuiffe vorläufig nur für ein Jahr Geltung haben solle», eröffnet nämlich dem Geschäftsleben an der Produkten­börse sehr bedenkliche Aussichten. Der Reichs- bankdiskont beträgt 4 Prozent, der Lombardzinsfuß für Schuldverschreibungen des Reichs und der deutschen 4'/», derjenige der sonstigen Effekten und Waren 5 Prozent.

Müncheberg, 17. Sept. Der Kaiser, welcher gestern abend von Berlin hierher zurückkehrte, em­pfing kurz darauf sein engeres Gefolge zum Thee. Heute vormittag begab sich der Kaiser zu Pferde zunächst zum dritten Korps, welches nordwestlich von Müncheberg steht; das Gardekorps steht süd­östlich. Auch die fürstlichen Gäste, welche heute Früh von Berlin eintrafen, begaben sich zu Pferde zum Manöverfeld. Das Manöver begann heute pünkt­lich um 9 Uhr vormittags. Ter Kaiser befand sich

j Paradefeld begegnet sein soll, in allen Einzelheiten j sirr vollständig erfunden. Nach Anordnung des f Herrn Ministers des Innern sollen die Vorberei- ' tungen für die Wahlen zu der 17. Legislaturperiode |be5 Hauses der Abgeordneten, wie Abgrenzung der LUrwahlbezirke, Aufstellung und Offenlegung der Ur- kwähler- und Abteiluugslisten derart beschleunigt Ewerben, daß die Wahl der Wahlmänner in der

nm 6 Uhr hier ein, um an dem Diner, welches in -er Bildergalerie des hiesigen König!. Schlosses stattfindet, teilzunehmen. Zu dem Diner sind 96 Einladungen ergangen und befinden sich unter den Hkladenen Gästen die zur Zeit hier anwesenden Königlichen Prinzen, die zu den Herbstmanövern eingetroffenen fremden Fürstlichkeiten nebst Gefolge und den zum Ehrenoienst kommandierten Personen. Rach dem Diner bezieht sich die Kaiserin nach -Potsdam zurück, während der Kaiser hier übernachtet Md sich heute früh mit feinen Gästen, welche geftern mittag der Kaiserin Friedrich und der Prinzeß Friedrich Karl in Potsdam Besuche abstatteten, zu dem Manöver-Terrain nach Müncheberg begiebt. Der Kaiser empfing gestern im Marmorpalais zu Potsdam den Oberpräsidenten von Bennigsen. Zu Hhren der an den Manöver» teilnehmenden Fürst- luhkeiten findet heute nachmittag ein größeres Diner N Pfeilersaale des Königlichen Schlosses statt. Kestern wohnte der -Slaatsminister Graf Bismarck fern Diner bei dem Kaiser bei, nachdem er kurz vorher aus Friedrichsruh eingetroffen. Heute früh reiste derselbe nach Rußland zum Grusen Schuwa- : loto. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die Mel-

Deutsches Reich

Berlin, 17. Sept. Ter Kaiser und die Kaiserin trafen von Potsdam kommend gestern

anfänglich bei dem 3. Armeekorps. Dasselbe rückt von Nordwesten her gegen das durch die Garde gebildete Ostkorps vor, welches von Küstrin und Frankfurt a. O. kommend, sich Berlins bemächtigen sollte. Die erste Division stand mit der Avantgarde bei Müncheberg, das Gros 5 Kilometer östlich bei Jahnsfelde; die zweite Gardedivision stand weit zurück bei Petershagen, 18 Kilometer südöstlich von Münche­berg, die Gardekavalleriedivision südlich von Münche­berg bei Tempelberg. Die Kavalleriedwision des dritten Armeekorps bildete deffen weit umgreifenden linken Flügel und rückte von Petershagen nördlich Müncheberg in südöstlicher Richtung vor. Die fünfte Division, bei der sich das Eisenbahnregiment befand, rückte über Dahmsdorf gegen Müncheberg, die sechste Division von Lichtenau - Kagel - Kienbaum her nach Osten zu gegen Tempelberg. Die Avantgarde und später die 1. Division des Gardekorps mußten, toetm sie nicht vollständig umfaßt sein wollten, zurück auf Heinersdorf. Zu ihrer Degagierung machte die Gardekavallerie-Division gegen die Kavallerie-Division des 3. Korps eine Attacke. Die 6. Division ver­suchte einen vergeblichen Angriff auf Heinersdorf, das von der ersten Gardedivision hartnäckig vertei­digt wurde. Mittlerweile war die zweite Garde- Jnfanlerie-Division herangekommen und unternahm die zweite Garde - Infanterie - Brigade einen erfolg­reichen Vorstoß gegen den Feind, durch welchen dieser auf die Höhe nördlich von Heinersdorf zurückgedrängt wurde. Hiernach erfolgte um 1 Uhr der Schluß des Gefechts und sodann der Abmarsch der Truppen in die Biwaks. Das Wetter war sehr schön und nicht zu heiß, die Haltung der Truppen vorzüglich. Um 3 Uhr kehrte der Kaiser zu Pferde nach Münche­berg zurück, nachdem Allerhöchstderselbe noch das ge­fechtsmäßige Abbrechen des Manövers, die Aufstellung von Vorposten u. s. w. inspiziert hatte. Die anderen Fürstlichkeiten waren schon früher zu Wagen nach dem Bahnhof und von da nach Berlin zurückgekehrt. Aus gut unterrichteter Quelle verlautet, daß dem kommandierenden General des Gardekorps, General der Infanterie von Pape, für die bisherige vorzüg­liche Führung des genannten Korps eine ganz be­sondere Auszeichnung Allerhöchst zugedacht sein soll, indem dessen Beförderung zum General-Oberst unter gleichzeitiger Ernennung zum Höchstkommandierenden in den Marken unmittelbar bevorstehen dürfte.

Stuttgart, 17. Sept. Das Königspaar wird am 25. September zurückkehren, um in den darauf folgende» Tagen ben erwarteten Besuch des Kaisers Wilhelm zu empfangen.

Straßen, welche der Kaiser passiert. Das Fest­komitee in Neapel beschloß gestern, den Plebiscit- platz mit 18 000 Gasbrennern verschiedener Farben

Anzeigen nnrant entgegen die Expedition d. Blatte-,

sowie d. Ainumcen-Bureaux von Laafenstein und Logier

in Frankfurt o. Löffel, Magdeburg tu Wien; Rudolf XXIII QttbttKIttfl

Moffe in Frankfurt <u M., Berlin, München tu Köln; «. L

Daube u. Co. in Frankfurt <u et, Berlin, Hannover. Paris.

I zweiten Hälfte des Monats Oktober stattfinden Dann. Ter Kultusminister Dr. von Goßler ist ^nach Berlin zurückgekehrt und es werden nun in nächster Zeit eine Reihe wichtiger Entscheidungen, welche die Verwaltung der geistlichen und Unter­richts - Angelegenheiten betreffen, zu erwarten fein. Es gehört dahin vor allem der vielfach erwähnte Fall Harnack. Es ist daran zu erinnern, daß der Kaiser den Vortrag des Ministers darüber nach dessen Rückkehr befohlen hat, und es ist damit an­zunehmen, daß die Angelegenheit noch vor der Ab- . reife des Kaisers entschieden sein wird. Von keiner

v . Rom , welches Wilhelm Ai ffen Ehren Privatfestlichkeiten zu ver­anstalten beaAichtigt, namentlich eine Illumination und die Anbringung venetianischer Laternen in den

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von Clamarfts möglichst viel Kapital zu schlagen und der Deutschenhetze einen neuen Aufschwung zu geben." Sie arbeiten leider nicht ohne Erfolg, denn der Spionenschwindel ist wieder so lebhaft wie je, und auch Blätter, iie sich sonst offenbarem Unsinn fernhielten, ftijen überall Spione und denuncieren dielichtscheuen Umtriebe der Deutschen" der Ver­folgung ihrer Mitbürger. Bewußte Unwahrheit und Lüge geht dgbei Hand in Hand mit einer über­reizten Phantasie, und wo diese zwei Faktoren zu­sammenwirken, da ist es nicht erstaunlich, daß schließlich auch ganz ruhige und harmlose Philister angesteckt werden und zur Rettung des Vaterlandes aus die Spioarnsuche ausziehen. Leider treten auch die verständige Presse und die Regierung dem Un­fug nicht entgegen, obwohl sie wissen, daß das ganze Gerede heller Unsinn ist! Es ist wirklich albern, immer wieder tzu behaupten, daß die deutschen Spione hinter jedem armseligen Fort herlaufen und Aufnahmen von der Umgebung von Paris machen, die im Buchhandel mit aller wünschenswerten Ge­nauigkeit und mit weniger Mühe und Kosten zu haben sind. Und die Forts! Die Franzosen sind so genau und seit langer Zeit über unsere deutschen Befestigungen unterrichtet, daß sie sich eigentlich sagen sollten, daß auch wir Wohl einigermaßen mit der Anlage der Pariser Forts vertraut sein werden und nicht nötig haben, zu ihrer Entdeckung ein Heer von Spionen in Bewegung zu setzen. Eine solche sehr nützliche Belehrung wird aber nirgends

»Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.-'^ENstriertes -Sonntagsblatt.

Expedition; Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch. 's , (D

zu erleuchten und große Raketengarben vom Fort Sanct Elmo Uufsteigen zu lassen, um den Ausbruch deS Vesuvs darzustellen. General Driquet, Kommandeur des Armeekorps in Florenz, wird, be­gleitet von einem Adjutanten des Königs, im Auf­trage des Königs den Kaiser Wilhelm an der Grenze des Königreiches begrüben»;.1*- Der Po bei Ferrara fälL langsam. .

Paris, ''Dre 'ftatizofischr Presst

urtb an ihrer Spitze einige nichtsnutzige Sous-Mütter Siebt sich bie . größte Mühe, aus dem »Spion

Erscheint täglich außer au Werktagen nach Sonn- und

Feiertagen. vnartal-Abonnements-PreiS bei der Expe- V-UiiVII*

bition21/.9Jtt, bei den Postämtern 2Stt 50 Pfg. lex«. ,

^^geld). tznstrtionsgebühr für die gespaltene Zelle MlttWock, 19. September 1888.

10 Pfg.. Reklamen für bte Zelle 25 Pfg. T

(Nachdruck verboten.)

| Prinzessin Goldhaar.

Roman von I. Steinmann.

(Fortsetzung.)

.Wie könnte ich Ihnen zürnen, weil Sie mich nicht lieben?' fuhr Leo fort.Sie haben niemals einen Hehl daraus gewacht, aber ich war thöricht genug, mich an trügerische Hoffnungen zu klammern. Leben Sie wohl Aennchen I Erklären Sie Frau vou Groningen alles au meiner Statt. Gottes Segen begleite Siel'

Er reichte ihr mit abgewendetem Gesicht die Hand Mm Abschied. Sie nahm dieselbe und hielt sie fest ta der ihren.

Leo, wollen wir so scheiden?' fragte sie mit bebender Stimme.Was habe ich gethan, daß Sie wir den einzigen Mensche» rauben, der mir ein treuer Freund gewesen ist? Wer bleibt mir, wenn Sie von wir gehen?"

Der Freund bleibt Ihnen, Aennchen", versetzte et mit fester Stimme und ihr jetzt voll ins Angesicht sehend. Wenn Sie eines Beistandes bedürfen, fei es, zu welcher Zeit eS wolle, so weiden Sie mich be­reit finden. Jetzt kann ich nicht bleiben. Fordern Sie es nicht von mir. Vielleicht kehre ich bald zurück and kann Ihnen frei gegenüberstehen. Bis dahin leben Sie wohl und vergeffeu Sie meine Worte nicht.'

Sie stand noch regungslos, als er längst fortge- gangen und schaute in das sommerliche Grün hinein, hinter dem er ihren Blicke» entschwunden war. Hatte sie Recht gethan? Sie hatte die Hand auSgeschlagen, die sich ihr entgegenstreckte. Welcher Ersatz blieb ihr? Sie mußte sich antworten, daß sie nun einsam und allein bleiben würde für immerdar. Und doch, sie hatte nur gethan, was fie thun mußte. ES wäre ein VoßeS Unrecht gewesen, ihn zu täuschen. Sie hätte ihm nicht daS werden könne», was eine Gattin ihm werden mußte. !i

L Aber dennoch fühlte fie einen leisen SchMM Sie hatte ihm sehr wehe gethan; dar war ihr Dank

für alle Unruhe, die sie ihm bereitet hatte. Wenn sie ihm anders entgegengekommen wäre, es würde nicht zu dieser Auseinandersetzung gekommen sein und sie hätte ihn doch lieb haben können.

ES waren die wider streitendsten Gedanken, die sie bewegten, und fie fühlte eine Zentnerlast aus ihrem Herzen, von welcher sie sich vergebens zu befreien suchte. Als fie endlich in das Hans zurückkehrte, ver­mochte sie es kaum, Frau von Groningen Leos Gründe zu überbriugen. Dann brach sie in ein krampfhaftes Schluchzen aus und zog fich auf ihr Zimmer zurück, nachdem fie Frau von Groningen gebeten, fie heute ungestört zu lassen.

Dieser wilde Ausbruch vou Schmerz bei Aennchen beunruhigte die Dame ernstlich, aber fie konnte nicht anders, als Hoffnungen für ihren jungen Verwandten daran knüpfen. Wenn Leo Aennchen gleichgültig war, wie fie fich gedacht, warum dann dieser aufrichtige Schmerz, den fie über fein Scheiden empfand? Sie war nur zu geneigt, Leo die Schuld beizumeffen, daß er das junge Mädchen nicht verstanden und ihr ein schweres Unrecht zugefügt hatte.

Am folgenden Morgen war der Sturm vorbei. Aennchen erschien zur gewohnten Stunde mit ihrer Arbeit auf der Veranda und Frau vou Groningen war der Meinung, daß fie leidlich wohl aussehe. Dieses war nun auch in der Thai der Fall. Nachdem Aennchen den ersten Schmerz um den Verlust des FreuudeS bekämpft, denn daS alte VerhättuiS konnte nie mehr hergestellt werden, hatte fie doch erkannt, daß sie daS Rechte gethan. Sie legte sich dann früh zur Ruhe nieder und war wie ein Kind, daS sich mflbe gemeint, eingeschlafen. Aw Morgen, als fie erwachte, sandte die Sonne ihr goldiges Licht dvrch eine Spalte des Vorhanges. Aennchen fühlte fick frischer und doch auch ruhiger; fie hatte nicht anders handeln können, als wie sie ei gethan.

Eine Nachricht von Leo von Rabenau kam nicht. Nach längerer Zett schrieb er an Fr«Mn Groningen, um fich nach dem Befinden der Damen zn erkundigen.

Ihm gebe eS wohl. Er fei in Baden-Baden gewesen und beabsichtige nun, noch eine der Nordsee-Insel» zu besuchen, ehe er sich zur Winterrast nach der Residenz aufmache. Als Nachschrift hatte er noch beigefügt, daß er soeben von einem Bekannten gehört habe, daß Graf Ernst von der Zeche wieder auf Schloß Freiburg angelangt fei, keineswegs leidend, sondern vollkommen gesund. ES habe den Anschein, als fei ihm die Reise ganz vorzüglich bekommen.

Frau von Groningen hatte den Bries vorgelesen und Aennchen saß schweigend daneben. AlS des Grafen Name ihr Ohr berührte, ging es ihr wie ein Stich durchs Herz und ihr Gesicht nahm anfangs eine» trotzigen, dann kall ruhigen Ausdruck an. Sie war zornig auf sich selbst, daß die Erimrerung an ihn noch immer nicht die Gewalt über sie verloren hatte.

Nachdem Frau von Grouingeu den Brief zu Ende gelesen hatte, fragte sie:

-Der Graf.istIhnen persönlich bekannt, Aennchen?' Allerdings, mein Onkel war Förster im Dienste des Grafen und bewohnte ein Seitengebäude des alten Schlosses.'

Er ist ein seltsamer Mann, wie ich gehött habe', fuhr Frau von Groningen fort.Nach der einen Seite hart, jähzornig, nach anderer Seite gütig, nach­sichtig und von peinlichster Rechtschaffenheit. Ist das richtig?'

So genau habe ich ihn nicht gelaunt', erwiderte Aennchen ruhig,ich sah ihn nur gelegentlich. Die Eigenschaften inbeffen, welche Sie da aufgezählt, mögen ihm eigen feto.' , t

Damit legte sie ihre Arbeit zusammen und verließ nach einigen gleichgültigen Worten die Veranda, um ihren gewohnten Spaziergang zu unternehmen. Es war Frau vyu Groningen anfgefallen, daß AeunchenS Hände (röitkrt hatten, aber ihre Gedanken »erirtten sich oM bis MM wahren Grunde dieser Wahruehmstug. Sie stellte aufs Nene Betrachtungen darüber au, ob Aennchen Leo vielleicht dennoch liche. :iTO

Diese war inzwischen in den Satten gegangen,

nicht mehr besonders aufgeregt. Der erste Moment war überwunden und der Zorn über sich selbst hatte dann schnell genug die Unruhe gedämpft. Sie war entschlofle», schon seit langer, langer Zeit in Graf Ernst nur einen Fremden zu sehen, wie er sie als eine Fremde betrachtet hatte. Sie waren jetzt ge­trennt. Alles, was sie noch an einander geknüpft, war erledigt; was etwa noch zu thun übrig geblieben, führten die Vormünder zu Ende. Warum hatte der Klang seines Namens noch den alten Zauber auf sie ausgeübt?

Aenuheu preßte die Lippen zornig ans einander und ihre Wangen röteten sich. Sie gedachte des Augenblicks, wo sie ihn zuletzt gesehen, als er aus der Vorhalle trat, um seine Reise zu unternehmen. Am Tage vordem war er bei ihr gewesen unb hatte es nicht einmal für nötig gehalten, ihr ein einziges Wort vou seiner beabsichtigten Reffe zu sagen. Nicht einen Blick hatte er mehr auf das Seitengebäude ge­worfen. Sie war ihm uichts gewesen, wie hätte er sonst das thun können?

Unb doch! Fiebernde Röte stieg ihr in die Wangen.

Wieder kamen ihr die unseligen Gedanken an eine Stunde, die all ihre Vernunft zu Schanden machttn. Sie sah ihn wieder vor fich stehe» mit einem Aus­druck von Liebe unb Zärtlichkeit in den dunklen Augen, der fie vollstäMg verwirrte. Sie lag in feinen Arme» unb fühlte, während er fie fest an sich zog, fein Herz an dern ihren schlage».

Und dann! Ihr schwindelte bei der bloße» Er­innerung daran, bann hatte er fie plötzlich geküßt unb ihr war es gewesen wie ein seliger, süßer Traum.

Sie stöhnte auf in endloser Qual. Sollte fie denn nie, nie Ruhe haben vor diesen Schattenbilder» einer Vergangenheit, die längst entschwunden war? Mußten fie immer wieder die Ruhe von ihr nehmen ittch ihr den MUt rauben- deffen fie so sehr bedurfte? I - Ja, fie raubten ihr den Mut, sie machte» Aennchen schwach unb hülfloS wie ein Kind und ließen fie auch in dieser Stunde wieder mtt Kummer «nd Bangen in die Zukunft blicken.