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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Lerlag von Jotz. 3ap. Koch.

Erscheint täglich außer en Werktage» nach feoim- nnd Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte»,

_ ft,w. Feiertagen. Onortal-AdonnementS-PreiS bei der Sxpe- sowie d. »nnoneen-vureanr von HaasensteiR mch »ogler

M 209» «tion S^Rk, bei de» Postämter» 2 Slk- 50 Pfg. (exll. . " in Srankf»rt a. »t., Lasses Magdeburg «. Wien; Äibolf

vestellgelds^Jnsertion-gebtihr für die gespaltene Zeile MlttWvch, 5. SCtitClttbCt 1888. Moste in FröcksNck «.«..^rlin, Mtwchen n. JtH»; P. L

10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. r Daube u. ko. in Frankfurt a.Berlin, Hannover. Paris.

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von den Wahlversammlungen ausdrücklich befreit

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oder 3 Monat Gefängnis für die Leiter, Vorsteher rc. solcher verbotenen Unternehmungen, für diejenigen, welche die Lokale zu denselben gewähren, für diejenigen, die den auferlegtcn Aufenthaltsbeschränkungen entgegen handeln, Gcsängnis von 1 Monat bis zu 1 Jahr für diejenigen, welche den Vertrieb verbotener Druckschriften fort-etzen oder den Vorschriften des § 28 (sogenannter kleiner Belagerungs-

s währte Befugnis, über einzelne Bezirke und Ort- 1 asten Ausnahmezustände (den sog. kleinen Belage- ,1 ngszustand) zu verhängen, ist an die Genehmigung . . $ Bundesrates geknüpft, auf die jedesmalige Frist n 1 Jahr beschränkt und an die Voraussetzung Kunden, daß diese Ortschaften u. s. w. durch galdemokratische, den Umsturz der bestehenden Haats- und Gesellschafts-Ordnung bezweckende Ve­rdungen mit Gefahr für die öffentliche Sicherheit droht sind. Bei der Beurteilung dieser nur den

r Praxis nur äußerst selten von dem Maximum r zulässigen Strafe Gebrauch gemacht wird.

Die im Sozialistengesetz den Bundes-Regierungen

-re Verlängerung des Sozialisten- «efetzes

ii.

Betrachten wir nun die Höhe der nach dem Kyzjalisten-Gesetz zulässigen Strasen:

für die Teilnahme an verbotenen Vereinen oder Versammlungen Geldstrafe bis zu 500 Mk.

reift chsten Regierungsstellen erteilten Befugnis über- ht man, daß unter Voraussetzung einer Gefahr t die öffentliche Sicherheit die Erklärung des 'i-y irklichen Belagerungszustandes zulässig, ja unter ? . j «ständen geboten ist, die denn doch mit ganz | deren, dem Publikum fühlbaren, den gewöhnlichen 1 uhtsgang und die Befugnisse der ordentlichen Be­rben durchbrechenden Folgerungen verbunden ist, ----- I dieser sogen, kleinere Belagerungszustand. Die >lgen des letzteren erstrecken sich bekanntlich darauf, daß Versammlungen der vorgängigen Er­laubnis der Polizei bedürfen, eine Beschränkung,

Ohet Zustand) entgegen handeln, Geldstrafe bis zu 1000 Mk. oder 6 Monat Gefängnis,

4 müssen wir behaupten, daß in ihrer Bemeffung

Wohl im Vergleich zu verwandten Vergehen des ie uni!trafgeletzbuchs, wie in Erwägung der Gefahren, titunxjj denen der Staat und die Gesellschaft durch Be- mnkei^ jungen der Art bedroht wird, eine große Milde Unbe- jj ausspricht, welche noch mehr hervor tritt, da in

find, daß die Kolportage von Druckschriften auf öffentlichen Wegen, das Tragen, sowie der Verkehr mit Waffen beschränkt ist und endlich, daß die Befugnis gewährt ist,Personen, von denen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu befürchten ist", auszuweisen.

Wir wiffen, daß dieser Zustand in Berlin, Leipzig, Hamburg, seit Jahren besteht, und es wird niemand be­haupten können, in diesen Orten die Bevölkerung be­lästigende Ausnahmezustände, eine fühlbare Beschränkung des öffentlichen, selbst des politischen Lebens empfunden zu haben. Von wirklich einschneidender Bedeutung, aber auch nur für die davon Betroffenen, ist die Ausweisungsbefugnis, und diese muß gegen­über solchen, von denen eine Gefährdung der öffent­lichen Sicherheit und Ordnung zu befürchten ist, an sich als gerechtfertigt anerkannt werden. Über ihre Übung und über die Folgen ihrer Übung wollen wir uns noch weiterhin aussprechen. In Wirklich­keit waren die Befugnisse des § 28 nötig, wenn man an den Orten, wo die Sozialdemokratie den Hauptherd der Bewegung hatte, in denen sie über Tausende zur Aktion bereiter und fanatisierter An­hänger gebot, die zeitweise Verhängung des wirk­lichen Belagerungszustandes verhüten wollte.

Es erscheint notwendig, wenn man über die Frage des Fortbestandes des Sozialistengesetzes, über die etwa gebotenen Abänderungen desselben jetzt nachdem eine zehnjährige Erfahrung über seine Übung und Wirkung vorliegt ein Urteil gewinnen will, diese Grundgedanken des Gesetzes und den Hauptinhalt desselben in Kürze klar zu stellen.

BÄei-eHHSSSB88SS8^^^=^^^ Deutsches Reich.

Berlin, 3. Sept. Der Kaiser empfing gestern int Marmorpalais den Botschafter Grafen Solms in Audienz, konferierte heute mit dem Unterstaats­sekretär Berchem, arbeitete mit dem Chef des Zivil­kabinetts und erteilte dem deutschen Gesandten in Athen le Maistre Audienz. Den Besuch des Kaisers an den süddeutschen Höfen begrüßt ein Brief derPol. Korr." aus Süddeutschland mit be­sonderer Freude. ES heißt darin:Der Ferner­stehende vermag sich nur schwer einen Begriff davon zu machen, wie sehr dieses für Deuffchland so ernste Jahr dazu beigetragen hat, hier im Süden die Reichsgesinnung zu festigen. Bei verschiedenen An­läßen in der jüngsten Zeit hat sich beobachten lassen, wie weit dieselbe z. B. in Württemberg jetzt auch in die Reihen der demokratischen Partei hineinreicht,

ebenso wie dort die erfreuliche Thatsache verzeichnet werden kann, daß auch ehemals ultramontane Kreise mit ihren Gesinnungen und deren Verlautbarung mehr und mehr auf den Boden des gemeinsamen Vaterlandes treten. Kaiser und Reich gehen auch hier immer mehr in Fleisch und Blut, namentlich der jüngeren Generation, über. Im höchsten Grade erfteut war man hier darüber, daß die deutschen Fürsten zur ersten Reichstags-Eröffnung durch Kaiser Wilhelm II. nach Berlin eilten und dadurch die feste Ewigkeit des Deutschen Reiches dokumentierten. Einen erhebenden freudigen Eindruck machte die Reise Kaiser Wilhelms mit der Flotte an die nordischen Höfe und seine Versicherung in seiner Frankfurter Rede, daß Deutfchland seine Errungen­schaften mit allen Mitteln sesthalten werde." Die Kaiserin Augusta besuchte heute das Augusta-Hospital und kehrte darauf nach Babelsberg zurück, wohin Graf Berchem, Lucanus, der Gesandte v. Bülow und General Werder zum Diner geladen waren. Der Kronprinz von Griechenland begab sich mittags zum Besuche des kaiserlichen Paares nach dem Marmorpalais. Schlözer ist vormittags nach Dresden abgereist. Frau Fürstin Bismarck ist hier eingetroffen. Staatsminister Graf Bismarck- Schönhausen hat sich nach Beendigung seiner Kur in Königstein im Taunus wie alljährlich nach England begeben, wo er bis zu Ende dieses Monats bleiben wird. Er wird alsdann den Kaiser auf seiner Reise zu den Verbündeten HöferO nach Wien und Rom begleiten. Zur Probe werden von einigen Offizieren und Feldwebeln der preußischen Garde- Infanterie diejenigen Säbelmodelle getragen, welche möglicherweise für das gesamte preußische Jnfanterie- OsfizierkorpS eingeführt werden. Der Säbelgriff rc. entspricht genau demjenigen der jetzigen Degen, die Klinge hingegen ist etwa 10 cm länger, wie diejenige der letzteren, und befindet sich in einer blanken, stählernen Scheide. Diese hat oberhalb zwei gegen­überliegende, feste Ringe, welche keinerlei Drehung gestatten. An diese ist je ein Riemenband befestigt, welches sich nach unten schräge von dem unter der Uniform getragenen Leibriemen abzweigt. Beim Waffen­rock ist der Säbel so eingehängt, daß sich deffen Ringe einige Zentimeter unterhalb des Rockendes befinden. Ueber die Einstellung der Rekruten hat das Kriegs­ministerium folgendes angeordnet: Die Einstellung der Rekruten zum Dienst mit der Waffe hat nach näherer Anordnung der Generalkommandos bei der Kavallerie in der Zeit vom 1. bis 6. Oktober, bei den übrigen Truppenteilen in der Zeit vom 5. bis

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10. November zu erfolgen; die für das Pommersche Fuß - Artillerie - Regiment Nr. 2, die Unteroffizier­schulen, ferner die als Oekonomie - Handwerker aus- gehobenen Rekruten find am 1. Oktober und die Trainsoldaten für den Frühjahrstrain am 1. Mai 1889 einzustellen. Zur Herbeiführung eines vereinfachten Verfahrens bei der Beaufsichtigung der kleinern Wafferläufe ist folgendes bestimmt worden: Die kleinern Waffetckäuse sind behufs der Kontrolle über rechtzeitige Reinigung u. s. w. fortan regel*: mäßig nur einmal im Jahre, und zwar bis zum? 1. Juli durch die Echauungsmänner zu besichtigen. Zur Ausführung dieser Besichtigungen haben die- Schauungsmänner jedes Schaubezirks die kleinern: Wafferläufe unter sich einzuteilen und genügt es/.i daß für jeden Wasserlauf ine regelmäßige Besichtigung nur durch Einen Schauungsmann geschieht. Die: Schauungsmänner genießen dafür die festgesetzten: Vergütungen: 3 SRI., wenn die Besichtigung einen? halben Tag dauert, 4.50 Mk. für einen ganzen Tag. Die von den Gerichten zur Zwangserziehung überwiesenen Kinder werden iken betreffenden Avangs- erziehungs - Ärfftalten zugeführt. Als ein Mangel ist es empfunden worden, daß den zur Mitwirkung bei Ausführung des Gesetzes berufenen Ortsbehörden die Beschlüße der Vormundschaftsgerichte gerichtlich nicht zugefertigt werden. Die Amtsgerichte sind demzufolge angewiesen worden, den Ortsbehörden in solchen Fällen, in denen die Vertreter derselben der Beschlußfassung über die Unterbringung verwahr­loster Kinder in Zwangserziehungs-Anstalten nicht beigewohnt haben, eine Ausfertigung des. Beschlusses zukommen zu laßen.

DasArmee-Verordnungsblatt" vom 1. Sep­tember 1880 brachte zum damaligen 10jährigen Gedenktage der Schlacht von Sedan nachstehenden Armeebefehl, welcher heute nach dem Dahinscheiden Kaiser Wilhelm I. auch ein Stück seines Vermächt­nisses an sein Volk bildet. Dieses Aktenstück lautet: Soldaten des deutschen Heeres! Es ist Mir heute ein tief empfundenes Bedürfnis, Mich mit Euch in der Feier des Tages zu vereinigen, an welchem vor 10 Jahren des allmächtigen Gottes Gnade den deutschen Waffen einen der glorreichsten Siege der Weltgeschichte verliehen hat. Ich rufe denen, welche in jener Zeit schon der Armee angehörten, die ernsten Empfindungen in die Erinnerung zurück, mit denen wir in diesen Krieg gegen eine uns in ihren ausgezeichneten Eigenschaften bekannte Armee gingen, ebenso aber auch die allgemeine Begeisterung und das erhebende Gefühl, daß die deutschen Fürsten

(Nachdruck verboten.)

Prinzessin Sol-Haar.

Roma» vo» I. Steinmann. (Fortsetzung.)

>' ibenan hätte sich diese« erspart.

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Der Förster hatte sich den Moment, wo er ihr tfe glänzende Aussicht für die Zukunft enthüllen ibe, ein wenig anders gedacht. Von Freude aber

»Das soll doch nicht etwa heißen, Aennchen, daß i den Antrag ablehnen willst?" fragte der Förster b seine Stimme klang nngewöhnlich ernst.

Anna war erschreckt.

»Onkel, ich weiß nicht, wie Herr von Rabenan __i» kommt, um mich anzuhalten", stammelte fie, im chsten Krade verwirrt. »ES giebt so viele andere

< > *ge Mädchen*

»Eben weil dir» der Fall ist, muß Dich der An. » höher ehren", versetzte der Onkel erregt. Nr von Rabenan ist ein vornehmer, reicher Mann, ^angenehme Persönlichkeit und manche junge Dame ^e e» sich zur besonderen Ehre anrechnen, von ihm 1 Sattln erwählt zu werden. Er ist überdies ein Knhaster Charakter, de» Niemand ein Unrecht nach, kann. Meiner Ansicht nach wird Dir ein

**8 Glück nie wieder geboten werden."

Arunche» hatte ihren Onkel noch nie mit solche« N sprechen hören. Aber el war nicht ihre Absicht, -Thingen zu erwecken, die fie nicht erfüllen konnte. .-Onkel, ich bin so glücklich bet Dir, warn« willst * »ich diese. Glück nicht länger genießen laßen?" sie schmeichelnd. Aber wa, sonst im Stande

r in ihrem Antlitz keine Spur zu sehen, eher ie Art von Enttäuschung.

»Das thut mir sehr, sehr leid", sprach fie end» leise.

Der Onkel starrte fie an, al» habe fie soeben .5087 MS ganz Ungeheuerliches ausgesprochen.

, »Das thut Dir leid?"

»Allerdings, ich wünsche von Herzen, Herr von

gewesen wäre, den Onkel zu jeglichem Nachgebeu zu bestimmen, in diesem Falle blieb es völlig wirkungslos.

Ich bringe dabei gewiß das größte Opfer", der. setzte er rnhig,aber ich bringe e,, weil eS gebracht werden muß, um Deiue Zukunft zu ficheru. Ich will Dich utcht drängen. Du magst eiueS Tages frei au. Dir selber entscheiden, aber ich will, daß Du Dtch nicht von Herrn von Rabenau, der in einigen Tagen hierher zurückkehrt, fernhältst, sondern ihm und Dir selber Gelegenheit giebst, Euch gegenseitig zn prüfen."

Aennchen wagte eS nicht «ehr, zu widersprechen; fie fühtte fich furchtbar beklommen. Sie hätte eS am liebsten dem Onkel gesagt, daß fie Leo von Rabenan zwar als einen Frennd betrachten, aber ihn niemals liebe» könne. Der Onkel zeigte aber ein solch ernstes Geficht, daß fie nicht den Mut zn einer Entgeg. nnng fand.

Erst spät kam fie an diesem Abend zur Rnhe und mancher bange Seufzer entschlüpfte ihren Lippen, als fie am Fenster ihres Schlafzimmers stand und in die sturmbewegte Nacht hinausschaute. Der Himmel war «it zerrißenen, dunklen Wolken bedeckt nnd nur hier und da funkelte momentan ein Stern hervor, nm so. fort wieder zu verschwinden. Der Wind brauste durch die Wipfel der Bäume und fuhr heulend um da. Schloß, bann und wann schwere Regentropfen gegen die Fenster klatschend. .

Aennchen ließ sich in den hohen Lehustnhl nieder und versank in ernste, Nachfiuuen. Tiefe, feierliche Stille herrschte in ihre« traulichen Gemache. Sie zwang fich zu ruhige« Betrachtungen. Sie durste die Forderung des Datei, nicht verurteilen. Herrn von Rabenau» Antrag mußte fie ehren und e» war nicht befremdlich, daß der Onkel denselben nicht unbedingt abgelehut sehen wollte.

Aennchen hatte Leo von Rabenau inzwischen «it anderen Gefühlen betrachten gelernt. Anfang, »er. letzte sein Benehmen fie, aber er httte es dnrch ver. doppelte Höffichkett anSzngleichen »ersucht mrd eS war ihm vollständig gelnngen. Nachdem er fie dann aber

au jenem Tage aus den Händen de» Schmiedes befreit hatte, war auch noch ein warmes Gefühl der Dankbar, teil htnzugekommen und cS hatte fich ein überaus freundschaftliches, aber von Aennchen» Seite durchaus unbefangenes Verhältnis zwischen Beiden entwickelt. Herr von Rabenau zeigte fich von seiner liebens, würdigsten Seite und war stets eifrig bemüht, alle» zu thuu, um fich dem juugeu Mädchen angenehm zn machen. E, plauderte sich sehr hübsch mit ihm, be. sonder» in Gegenwart deS Onkel», wann fie ihm noch einmal so gern zuhörte, weil fie nicht befürchten durste, daß er ihr eine jener Schmeicheleien sagte, die ihm stet» auf der Zunge schwebten nnd die ihr von Grund ihre» Herzens aus zuwider mären.

Daß er fie wirklich liebte, daran dnrfte fie, nach dieser Werbung zu schließen, nicht mehr zweifeln und fie mußte unwillkürlich daran denken, daß diese Liebe doch einen ganz besonderen Einfluß auf ihn ausgeübt habe. Aenucheu dachte wefter und weiter. Sie liebte Leo von Rabenau nicht, aber vielleicht mft der Zeit lernte fie wärmere Gefühle für ihn empfinden. Sie wollte eS wenigsten» mit redlichem Willen versuchen und hetste fich dadurch von einer Neigung, die schon so manche Stunde bitteren Leide» über fie gebracht und herbes Weh in ihr geweckt hatte.

Früh am folgenden Morgen, nicht lange, nachdem der Ta» voll hereiugebrochen war, rief das Geraffel eines Wagens, der eben in den Schloßhof fuhr, den Schloßherrn aus Fenster. Er fuhr zusammen, als er Leo von Rabenau au» dem Wagen steige» sah. Der erste Blich welchen derselbe um fich warf, galt dem Settenflügel, wo der Förster wohnte. Dann trat er unter da» Portal uud verschwand in der Borhalle.

Herr von der Zeche wandte fich von de« Fenster ab und durchschritt einige Male unrnhig da» Gemach. Daun blieb er vor de« Spiegel stehen nnd «tt prüfende« Mick mnsterte er die eigene Person. Nicht an» Eitelleit. Er wollte fich gletchsa« überzeugen, daß die Gedanken, welche eben dnrch seinen Kopf zogen, ihre verechttgnn- hatten.

Es war so selbstverständlich. Er war nicht mehr jung; er dnrfte keinen Anspruch darauf mache», ein liebenswürdiger, angenehmer Manu zu fein. Wie hätte er das Herz eines Mädchen» wie Aennchen Lei». Hard gewinnen können? Dnrfte er fich überhaupt wundern, daß fie ihm auswich?

Hingegen Leo von Rabenau war ein junger, schöner, liebenswürdiger Mann, heiter uud sorglos, geschaffen, ein junges Weib, das er liebte, zu be» glücken. Nie war e» dem Schloßherrn mehr aufge. fallen, als in dem Moment, wo derselbe aus de« Wagen sprang und einen Blick zu AeuucheuS Fenster hiuaufsandte. Welche Leidenschaft lag in diesem Blick!

Ja, eS war ganz natürlich, daß Aennchen ihn vorgezogen und zu ihrem künftigen Gatten erwthll hatte. Er selbst that nichts, sie zu gewinnen. Konnte er e» denn, ohne fich selbst ttenlo» zu werden? Nun war es zu spät.

Der Graf war entschloßen, seine Gefühle zu be­herrschen und Herrn von Rabenau fteuudlich ent. gegenzugehen, aber er konnte e» nicht. Er sagte fich, daß e» seine Pflicht sei, die eigene Leidenschaft z» verbergen, nachdem fie eine« Anderen ihr Herz ge­schenkt, and daß e» seiner unwürdig {ein würde, diese» Anderen den inneren Groll zu zei»eu. Dennoch ver. mochte er eS für die ersten Stunden nicht, seinen Gast zu bewillkommnen. SS war ihm, als müße er feinen Nebenbuhler glühend haßen uud wäre nicht im Stande, dewselbea solche» zu verbergen.

DaS war ein harter Kampf, aber er wurde zu Ende geführt wie so viele andere. SIS Herr von Rabenan in der Mittagsstunde erschien, nm seine« Wttt seine Aufwartung zu machen, fand er diesen ziemlich aufgeräumt und sogar zn eine« Scherz geneigt.

Man darf also gratuliren?" fragte der Schloß. Herr «tt lächelnder Miene. h

Herr »m Rabenau errötete wie ein junge» Mädchen.