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Illustriertes Sonntagsblatt.

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einer friedlichen Politik sich entschlossen hätte. Tie deutsche Politik hat sich durch die herausfor­dernde und revolutionäre russische Presse revo- ; büionär nicht nur für Deutschland, sondern auch für Rußland niemals in ihrer festen, seit mehr

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;n mitKaisers Wilhelm und bewegen Ihn, Seinem bc- tersehet freundeten Nachbarn in Petersburg den Antritts- : r besuch zu machen, ohne der russischen Politik gegen«

werden, daß auch siegreiche Kriege für die Völker, welche sie führen, an sich kein Äquivalent für die Wohlthaten des Friedens bilden. Tiefe Überzeu­gungen leiten auch die Politik des jetzt regierenden

den Ableugnungen nicht geglückt ist, möchten sie jetzt ihren Anhängern Vorreden, das Lob des Kaisers über die Wahrheitsliebe des Historikers beziehe sich . nicht auf jene abfprechende Charakteristik, die in - die Darstellung der Regierungszeit Kaiser Friedrichs

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den Führern der Theologie, Jurisprudenz, Philo­sophie, Medizin, der Naturwissenschaften, der Land­wirtschaft an; Philologen sind wohl mit Vorbedacht nicht darunter."

Potsdam, 19. Juli. Der .Circolo Bella Vaceia" in Rom, dessen Ehrenpräsident König Humbert ist, übersandte eine künstlerisch gearbeitete Bronzekrone an den italienischen Botschafter Grafen de Launay, um sie am Sarge Kaiser Friedrichs, welcher Ehrenmitglied der Gesellschaft gewesen ist, niederzulegen. Kaiser Wilhelm drückte für die Sendung seine Genugthuung aus, ebenso sprach die Kaiserin Friedrich ihre lebhafte Dankbarkeit für diesen neuen Beweis der Sympathie aus.

Köln, 17. Juli. Heute beriet der Verbandstag der Deutschen Schlosierinnungen zunächst über den Arbeitsnachweis der Gesellen. Es wurde der Nutzen der Herbergen zur Heimat und der Gesellenvereine anerkennend hervorgehoben, aber auch beklagt, daß nicht lediglich den von den Innungen eingerichteten Arbeitsbureaux der Nachweis überlassen sei. Es wurde folgender Antrag angenommen:Der Ver­bandstag fordert den Vorstand auf, binnen kürzester Frist die Frage des Herbergswesens, der Arbeits­vermittelung und der Wanderuntersuchung in Ver­bindung mit dem Ausweis über Person und der Zugehörigkeit zum Gewerbe in ernsteste Erwägung zu ziehen, durch das Verbandsorgan hierher Mit­teilung an die Verbandsinnungen gelangen zu lassen und dem nächsten Verbandstage eine fertige Vorlage zur Beratung und Beschlußfassung zu unterbreiten. Der Vorstand hat ferner von den zugehörigen In­nungen die Adresfen der Arbeitsnachweisebureaux ein­zuziehen und alle Adresien zusammen jeder einzelnen Verbandsinnung zugehen zu lasten." Der Vorschlag, nur alle zwei Jahre einen Berbandstag der Schlosier­innungen abzuhalten, wirb abgelehnt. Herrn Schmidt- Hamburg sprach sich gegen die Prämiierung der Lehrlinge aus, ihm wurde jedoch von anderen Seiten der Nutzen der Prämiierungen vorgehalten.

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Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." schreib!: TieMoskauer Zeitung" behauptet in einem längeren Artikel, dessen großmäulige Fan- faronnaden uns im übrigen gleichgültig lassen, in der deutschen Politik habe eine wesentliche Änderung ftattgefunden, die, abgesehen von dem Kaiserbefuche, schon aus der Aufhebung des Verbotes, Russische Fonds zu beleihen, hervorgienge. Diese Aufhebung hat nicht stattgesunden und dreMosk. Zig." be­findet sich in einem Irrtum, von dem wir dahin­gestellt sein lassen, ob er ein freiwilliger ist oder nicht. Wenn eine Änderung stattgefunden hat, so ist das geschehen in der Haltung derMosk. Ztg.", die heute, anstatt der Fiktion, als ob Deutschland Händel suchte und Krieg wollte, die andere Erfindung

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Marburg,

Sonnabend, 21. Juli 1888.

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Nachdruck verboten.

Schattenbilder.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchhain

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Loch.

7» K» als 20 Jahren befolgten Friedenspolitik irre machen lasten. Sie ist durch den französischen Angriff von per 7' 1870 einmal genötigt gewesen, diese Friedenspolitik ! zu verlassen, ohne durch die erfolgreiche Abwehr rena- des französischen Überfalls an dem Satze irre zu

---- >rar gegen 10 Uhr abends. Eisig pfiff der es Stäfrl ölab durch die Straßen der großen Stadt, ein feines y Schneegestöber mit sich führend. Die Passanten senkten die Gesichter, um wenigstens etwas g geu den scharfen . g®8 geschützt zu fein, und die Hande wurden tief

in die Taschen der Ueberröcke gesteckt. Der ««kehr war spärlich. Um so reicher besetzt waren »re Pferdebahnwagen, deren Fensterscheiben mit EiS- dlumen bedeckt waren. Alles drängte sich in das -soaere der Wagen, und wiederholt mußte der Kon­dukteur an den Halteplätzen ein bedauerndes »Besetzt!" Wrusen. Die meisten Fahrgäste zeigten müde ®e« Wer, sie hatten nach des Tages Last und Mühen dohl Sehnsucht nach der Ruhe der Nacht. Hier und d« nickte ein Kopf schon schläfrig auf und nieder.

in einer Ecke des Wagens ging es noch lebhaft zeigten sich muntere Gesichter und glänzende Angen. «w paar junge Mädchen saßen dort, denen die Helle «deusluft aus den von der Kälte geröteten Gesichtern ^hte. Ein weißes Tuch umgab dickt die Köpfe, z?9 herabreichende Mäntel hüllten die Körper ein. Asweilen schlug bei der Einen oder Anderen eine ranteletfe zurück und zeigte seltsame Kleider. Hier rot, dort grünlich, beide Male aber war der mit allerlei Flitterkram und glänzendem Tand

Es waren Maskenanzüge. Hier und da hatte ein Blick der Wagen-Jusasieu die seltsame Tracht ^ureist, aber ein Wort war nickt weiter darüber ver- Warum soll man den Weg zum Maskenballe i« Pferdebahnwagen zurücklegen? In einer kotzen Stadt kann das kein Aufsehen weiter erregen, t einer dunkleren Seitenstraße hielt der Pferde- Wmagen wieder! Die beiden Mädchen zogen sich ^ Tücher dichter um den Kopf und schlüpften in *as$neet0ettei hinaus. Drüben auf dem Trottoir *eaI>to zwei Mäuuergestalteu, die jene offenbar er«

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b Blattes, sowie b. Annoneen-Burecmx von Hänfenstem und Bögler in Frarcktzrt a- M., Eaffel, Magdeburg n. Wien; Rudolf XXIII Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München *. Köln; «. k. AA1U< <5^ l gütig.

Daube u. So. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover. Pari

über die freisinnige Partei emgcsprengt ist. Nament­lich hat dieVoss. Ztg.", die in der jüngsten Zeit große Fortschritte in Selbsttäuschungen gemacht hat, dieses Fechterkunstftnckchen mit Energie abgebraucht. Um so erfreulicher ist es, daß es noch ein demo­kratisches Organ giebt, was diesen blauen Dunst verschmäht. DieFranks. Ztg." ist es, welche schreibt:Wir müssen uns, so unerfreulich das ist, mit dem Gedanken vertraut machen, daß Wilhelm II. diese von Herrn von Treitschke ausgesprochenen An­sichten über die Frechheit der freisinnigen Partei, über den §turz des Ministers von Puttkamer und über die Macht des internationalen Judentums für richtig hält und sogar in seinen Dank mit einschließt." Im übrigen entspräche es nicht unserem Gefühl, wenn die nationalgesinnten Blätter diese private Meinungsäußerung des Herrschers mehr als nötig in die Debatte ziehen und jenen abstoßenden Sport erneuern wollten, den die freisinnige Partei mit Einzel-Äußerungen Kaiser Friedrichs getrieben hat.. Man schreibt derNat.-Ztg".:Der Ansturm gegen die vorwiegende Herrschaft des Klassizismus in unserem h ö h er en Unterr'ichts w eseu, der eben jetzt einen wuchtigen Ausdruck in einer an den preußischen und die anderen deutschen Unterrichts- mmister zu richtenden, dem Vernehmen nach bereits mit vielen Tausenden von Unterschriften, und sehr gewichtigen bedeckten Petition zu Gunsten der mehr realistischen Richtungen findet, ruft natürlich auch Gegenmaßregeln von Seiten der Vertheidiger dieser klassischen Studien hervor. Als eine solche ist eine Erklärung anzusehen, die von einer Anzahl von Professoren an der Heidelberger Universität ausgeht und für welche Zustimmungserklärungen seitens der anderen Universitäten gesucht werden. In derselben ist zuzugeben, daß die Organisation der geistigen und körperlichen Ausbildung der Gymnasiasten, daß auch das Verfahren auf dem Gebiete des klassischen Unterrichtsvielfacher Verbesserung bedürfen möge"; es wird jedoch andererseits als durch reiche Er­fahrungen begründet die Forderung aufrecht erhalten, daß an den Grundzügen des Lehrplans der Gym­nasien, insbesondere auch an der ihnen eigenthüm- lichen Beschaftignng der griechischen Sprache u d Litteratur festgehalten werde. Nur solche Änderungen seien wünschenswert, welche das Bestehende weiter entwickelten, nicht aber einen Bruch mit demselben bedeuteten, bei einer Einrichtung, auf der zum guten Teil die Blute deutscher Wissenschaft und die Tüch­tigkeit enter ganzen Reihe wichtiger Berufsklassen beruhten. Die Unterzeichner der Erklärung gehören

wartet. ES gab Gelächter imb Gekicher, muntere Worte wurde» laut, obgleich die scharfe Luft wahrlich uicht zu langen Wechselredeu auf offener Straße ein- lud. Dann bewegte sich die kleine Gesellschaft einem langgestreckten Gebäude zu, aus dessen Innern Helles Licht heroorbrach und laute Musik erschallte. Im Hausflur befestigten die Bier Masken vor ihre Gesichter und wenige Minuten später drehten sie sich im rasenden Wirbel des Balles. Der Saal war schon stark ge­füllt, Gelächter und Gekreisch wurden laut und mitten hindurch erschallte die gellende Musik. Es kam hier weniger auf wohlige Harmoniken au, hier sollte nur die Lust zum offenen Ausdruck gebracht werden, und über dem Ganzen stand mit unsichtbaren Schriftzügen geschrieben: Je toller, desto besser!

In einer Tanzpause hatte das eine der Mädchen aus der Pferdebahn mit ihrem Ballherru in einer entfernteren, ruhigeren Ecke Platz genommen, um sich etwas zu erfrischen. Die verhüllende Maske war von dem glühenden Gesicht gefallen, es zeigte heitere, vergnüguugslustige Züge, die wohl den Namen hübsch verdienten. Stolz und aufrecht trug das Mädchen seine Gestalt, und das rote, mit Goldflitteru besetzte Kleid stand ihr nicht übel. Sie plauderte leicht und ebhast, nur zuweilen ging ein eigenes Zucken um reu Mund und aus der weißen Stirn zeigte sich eine Falle. An den schlanken Fingern blitzten mehrere Ringe, Dutzeudwaare von geringem Wert, aber sie blitzten, und das war hier genügend. Auch auf dem Theater wild ja so viel unechte Waare zur Schau getragen, und doch erglänzt eS tm Lampenschimmer, wie Gold und Edelstein. Reicher schien die Kette, welche sich um den Hal» des Mädchens schlang. Der Herr tippte auch neugierig mit dem Finger auf deu Schmuck. DaS Mädchen sagte ein paar Worte, wo­rauf jener ein Gelächter aufschlug und sagte:Natür- !ich, das hast Du Recht gemacht!* Dabei glitt ein häßlicher Zug über sein glattes, lauerndes Gesicht. Wenn dir Ringe au den Fingern seinerDame* Talmi sei» mochte», hier Ma der ganze Mensch Talmi,

Wendung des Prinzips der verhältnismäßigen Ver­tretung der Minoritäten bei den administrativen Wahlen mit 173 gegen 136 Stimmen an, nachdem Ministerpräsident Crispi erklärt hatte, daß sich die Regierung dieser Frage gegenüber vollständig neutral verhalte.

Paris, 19. Juli. Präsident Carnot ist gestern in Chamböry angekommen, hier und unterwegs sympathisch begrüßt. Die Königin Natalie von Serbien ist gestern abend hier angekommen und bei der Fürstin Ghika abgestiegen. Wie verlautet, wird sie am Sonnabend nach Scheveningcn reisen. Nach seiner Ankunft in Chamböry wohnte Präsident Carnot gestern einem Empfang im dortigen Stadt- Hause bei. Ein Zwischenfall ereignete sich auf dem Bahnho'e in Dijon. Als nach der Abfahrt des präsidcnischafllichen Zuges Cuniffet- Carnotx der Schwiegersohn des Präsidenten, seinen Wagen be­steigen wollte, um nach Hause zurückzufahren, trat ein gewiffer Chretiennet an ihn heran und fchlug ihn zweimal ins Gesicht. Chretiennet wurde ver­haftet; derselbe soll aus persönlicher Rache gehandelt haben. Felix Pyat, der durch seine gestrige Hetzrede in der Kammer wieder einmal bewiesen hat, daß das vielgepriesene französische Weltbürgertum über den beschränktesten Chauvinismus nicht hinaus­kommt, gibt dem orleanistischen Soleil heute Anlaß zu folgender Bemerkung:Die Kammer fft gestern unter sich selbst gesunken. Der Führer der Mehr­heit ist jetzt Pyat, denn fein Ausfall gegen die Prinzen von Orleans fand allgemeine Zustimmung von den Bänken des gemäßigten Zentrums bis zur äußersten Linken, und die Minister billigten seine Auffassung. Pyat ist es jetzt, der regiert, denn er leitet die Kammer und das Ministerium. Unsere Parteifreunde erniedrigten sich nicht so in diese Erörterung einzugreifen und auf solche Dinge zu antworten. Ihr untersagtet, wie Ihr behauptet, Den Prinzen jede politische Thätigkeit, wir antworten darauf heute mit der Veröffentlichung einer Rede des Grafen von Paris. Unterdrückt dieselbe, wenn Ihr es wagt und es könnt! Versuchet es!" Es folgt der Wortlaut einer Adresse, die eine Ab­ordnung von dreißig Arbeitern dem Grafen von Paris vorgestern in England überreicht hat, und dann eine lange Rede des Grafen von Paris, in der er nachzuweifen sucht, daß die Republik nichts gethan habe und nichts thun könne und daß die nationale Monarchie allein fähig sei, die Lage der Arbeiter zu bessern. Seit heute morgen rufen die Zeitungsverkäufer in allen Straßen diese Nummer

ging, uud der Kellner folgte ihm mit einem Bräunt- weinglase auf dem Fuße. Der Alte griff mit zit­ternden Fingern darnach und stürzte einen Teil des Inhaltes hinab. Als er das Glas auf den Tisch zurücksetzte, verschüttete er deu Rest.DaS kommt von dem schlechten Lebe»/ schrie er,alle Kraft ist zum Teufel gegangen. Aber nun muß eS anders Äcid n! Du hast G.ld, Anna, Du mußr für Mich sorgen, damit ich wieder zu Kräften komme!"

Woher kommst. Du heute Abend?» fragte das Mädchen statt aller Antwort.

Der Graukopf lehnte sich auf seinem Stuhl zurück uud lachte laut auf:Woher ich komme, Töchterchen, darnach fragst Du? Aus dem Gefängnis, m-in Schatz, wohin sie mich auf fünf Jahre geschickt hatte» I«

Schweige davon, fuhr die Tochter auf, wtt sind hier nicht allein!"

Ihr Vater blickte denHerrn" höhnisch an.Wir habe» uns gegenfeUig nichts »orzuwerfen, Mädchen, Dein Bräutigam ist ein alter Bekannter von mir. Wir haben uns schon gesehen, wo ich war!"

Anna blickte ihren Bräutigam, so nannte er sich in der That, mit großen Auge» an:Ist das wahr, Franz?"

Der Angeredete lachte frech ans:Davon geht mir nichts ab. Stelle Dich doch nickt so au, uud denke an Deine Halskette."

,J H habe sie mir für heute Abend geliehen. Du hast eS mir ja selbst gesagt, ich sollte sie aus dem Schrnuckkasteu meiner Herrin nehmen und morgen früh wieder hineinlegen!"

Ah bah, genommen ist genommen," antwortete jener achselzuckend.

Annas Vater hatte Bei diesem Streit hoch auf, gehorcht und bann die Kette lauernd beschaut. I be- wahre, die giebst Du nicht wieder zurück. Ich weiß schon, wo ich das Ding unterbringe. Zwanzig Thaler bekommen mir mindestens dafür, wir könne» sie gnt gebrauchen und andere Leute haben »och mehr als genug. Wer soll auf Dich »erdacht haben?" Gewaltsam

Erscheint täglich außer an Werktage» nach Sonn» und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe- bition 21/. Mk., bei den Postämtern 2 Mk. 50 Psg. (exkl. Bestellgeld). Jnfertionsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Psg.. Reklamen für die Zeile 25 Psg.

Anstand.

Wien, 19. Juli. DosArmee - Verordnungs­blatt" publiziert ein sehr huldvolles Handschreiben des Kaisers an den Feldzeugmeister v. Kuhn an­läßlich dessen fünfzigjährigen Jubiläums. Da die vollständige Bereitstellung der Armee eine anderweite Besetzung erfordere, enthebt der Kaiser Kuhn von seinem Posten unter dem Vorbehalte anderweiter Verivendung.

Rom, 19. Juli. Die Kammer nahm die An- vom Scheitel bis zur Zehe ohne das echte, lautere Gold von Wahrhett und Ehre.

Die Musik schmetterte wieder los und bald war das Fest von neuem im vollen Gang. In deu ver­hältnismäßig engen Räumen war es drückend heiß g-worden, vielfach wurdeu schon die Masken von den Gesichtern entfernt, immer lärmender gestaltete sich das Treib n. Wüste Worte erklangen und hatten schon mehrfach ein Einschreiten nötig gemacht. Jetzt gab es wieder Lärm, so laut, daß die Musik stockte. Alles drängte sich auf einen Knäuel zusammen, dessen Mittelpunkt das Mädchen im roten Kleide mit den Goldflitteru, ihr Begleiter und ein äußerst einfach ge­kleideter, nicht maskierter Mann mit grauem Haar bildete. Der letztere hatte zuviel getrunken, feine Stimme war lallend. Er hatte das Mädchen am Arme gepackt und hielt sie fest, ttvtzdem jene und ihr Herr aus allen Kräften bemüht waren, den Arm zu befreien. Mehrere Ballbesucher wollten dem äuge- griffenen Paare zu Hilfe kommen, aber der Alte schrie trotzig:Platz da, Ihr habt Euch gar nichts einzu- unschen. Ich werde doch wohl meine Tochter be­grüßen können, die ich fünf Jahre nicht gesehen habe? Komme hier ganz zufällig hinein und treffe sie ganz zufällig. Stein, diese Freude!" Das Mädchen war bluttot geworden, dann faßte sie einen raschen Eut- chluß, flüsterte dem Alten ein paar Worte ins Ohr und eilte mit ihm in ein Nebenzimmer. DerBall- Herr" folgte. Die Zuröckdleibenden sahen deu drei »och einen Augenblick nach, bann aber setzte bie Musik lieber ein und im nächsten Moment war das frühere Treiben wieder in vollem Gange. Was ging die lebrigen an, was jene drei mit einander abzumachen hatten. Kehre jeder vor seiner eigenen Thür!

Die drei Personen saßen allein in einem kleinen Gemach. Ein Kellner hatte drei Gläser Bier auf >en Tisch gestellt.Ach »al", brummte der Manu mit den grauen Haare»,geht mir mit dem Zeug, Branntwein her!" Das Mädchen kniff die Lippen fest zusammen, da»» aber nickte ste. Ihr Begleiter

über irgendwelche Wünsche und Forderungen damit mUerstützen zu wollen. Wir wüßten nichts, ivas Rußland uns gewähren könnte, und was wir nicht hätte«, und uns sind keine, wie dieMosk. Ztg." , sagt,streng legalen und zweifellos gerechten" For- fftlüft derungen Rußlands bekannt, denen Teutschland nicht analy- derzeit entsprochen hätte, ungeachtet der unver- drt und schämten Großsprechereien einiger russischer Zeitungen, rein be-f _ Das Telegramm des Kaisers an Professor von Treiffchke ist der dritte Schrecken, der den Freisinnigen Dr. Ml in die Glieder gefahren ist. Nachdem es ihnen mit