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- Illustriertes Sonmagsblatt

Wöchentliche Beilagen: Kreid-Blatt für die Kreise Marburg md

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von J oh.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach tzonn- und Fnertagen. Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 21/» Mk-, bei den Postämtern 2 Ml- 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnfertionSgebühr für jbie gespaltene Zeile 10 Ma. Reklamen für die Jfeile 25 Vfq.

Marburg,

«"jeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenste« und Bögler

Sonnabend, 14. Juli 1888 ni!l- Jayrgang

Daube u. Lo. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover. Pari-.

Die letzten Wochen Kaiser Friedrichs fdjilbcit Professor Dr. Bardeleben in dem amtlichen Krankheits - Bericht folgendermaßen: Montag, den 30. April 1888, sah ich Se., Majestät den Kaiser Friedrich infolge des mir am vorhergehenden Abend ^gegangenen Befehls zum ersten Mal im Schlosse zu Charlottenburg. Das Schild der in die Luftröhre eingelegten Doppelkanüle war im Halbkreise von roten, schwammigen Wucherungen umgeben, welche mir den Eindruck von Krebswucherungen machten. Der untere Rand des Schildes schnitt in diese Wucherungen ein. Als ich Sir Morell Mackenzie darauf aufmersam machte, versprach er mir, daß er für den nächsten Tag eine andere Kanüle, welche meinen Wünschen entsprechen sollte, besorgen werde. Bei der nachsolgenden Konsultation mit den übrigen Ärzten stellte ich die Frage, ob sich unter denselben einer befinde, welcher das Leiden Sr. Majestät nicht für Krebs halte, und bat, daß diejenigen, welche abweichender Meinung seien, sich äußern möchten. Es folgte von keinem der Herren eine Äußerung. Ich konstati.rte hierauf ausdrücklich, daß wir in der Di gnose einig seien.

Dienstag, den 1. Mai, nahm Sir Morell Mackenzie die alte Doppelkanüle heraus, worauf stinkende Ge­websfetzen und etwa fünfzig Gramm übelriechenden Eiters unter Hustenstößen durch die Luftröhrenfistel entleert wurden. An der herausgenommenen Kanüle fand sich ein Änorpelstückchen von etwa einem Cen- timeter Länge. Die neue. Kanüle,.deren Schild die von mir empfohlene Gestalt hatte und mit seinem Rande nicht in die Wucherungen einschnitt, wurde von Sir Morell Mackenzie ohne Schwierigkeit ein« geführt. Ter Fistelkanal ist, soweit man sehen kann, mst glatten r-ten Wucherungen ausgefüllt, welche rin erheblich derberes Gefüge zu haben scheinen, als die, welche die äußere Öffnung umgeben. Woher der Ester stamme, ließ sich nicht ermitteln. Jeden­falls war -die Fistel selbst, in welcher die Kanüle steckte, nicht groß genug, um eine solche Eitermasse zu Produzieren und zu beherbergen.

Mittwoch, den 2. Mai, fand ich die Kanüle in guter Lage, die Wucherungen durch den Rand des Schildes nicht gedrückt. Es war wieder viel Eiter durch die Kanüle ausgehustet worden. Beim Schlucken soll über etwas Schmerz geklagt worden sein. Die unter der Zunge gemessene Temperatur und die Puls- Frequenz stehen nicht recht im Einklang. Erstere wird als normal, oder doch nahezu normal ange-

(Nachdruck verboten.)

Drei Summer.

(Schluß.)

Käthe, die stille Waise, lauschte ihrem Vetter zwar sehr aufmerksam, aber fie wurde wenig beachtet, von Kurt nicht und von Grace nur, wenn sie sonst keine Gesellschaft hatte.

Kurt Stern zerbrach sich, wie weiter oben gesagt, «H einem Sommervachmittage den Kopf über seine Exewpel und über Groces Wesen, während die letztere im Garten herumpromenierte. Endlich mußte ihr die Einsamkeit langweilig werden; sie stellte sich so, daß sie den am Fenster Arbeitenden von unten er. blicken konnte.

,Kint, kommen Sie herab!' itif die junge Dame befehlenden Tones hinaus.

.Ich habe keine Zett, ich muß arbeiten I* lautete du unsichere Antwoit.

Ach, arbeiten, immer arbeiten,' klang es zurück, »nur ein halbes Stündchen! Bitte, Kurt, kommen Eie doch!' Ihrer Bitte zu widerstehen war ihm un- »ögl'ch. Adieu Mathematik! In einer Minute war " im Garten und ging mit dem kleinen Dämchen Unter den jungen Bäumen aus und ab.

»Sie arbeiten viel zu viel, Kurt!' sagte Grace U>ohln ollend. .Bei uns zu Hause ist das lange nicht so arg. Sie seheu ganz blaß aus und müffen sich schonen,' setzte sie altklug hinzu. Kurt hatte keine «hnnug, daß und ob er .bleich anssehe. Aber er sreute sich über ihre Teilnahme. Sie plauderten und Mitten weiter bis zu einem kleinen Bache, welcher den Garte» adschloß. Beim Hiuschlendern am Ufer Distel Grace ihr Taschentuch und in das Wasser Mei». Sie stieß einen Ausbruch des Bedauerns M aber mit Hellen Augen sah fie es, wie Kurt vor- Wtg in daS seichte Userwaffer trat and den Aus- retßer wieder erwischte. Das war doch auch einmal

Ritterdienst von ihm. Als er das Tuch zurück- Machte, reichte fie ihm dankend die Hand. Als er

geben; letztere aber beträgt immer über hundert, was für einen Mann von so stattlicher Größe, wie Sebie Majestät, zumal in ruhiger Lage, doch weit über die Norm hinausgeht.

Freitag, den 4. ^D?ai wurden wir bei der Konsultation benachrichtigt, daß die Nacht gut ge­wesen sei. Auch war in der That das Aussehen Se. Maj. besser; der eitrige Auswurf war aber noch immer reichlich. Tags darauf fand sich wieder viel übelriechender eiteriger Auswurf vor. Das bisher angewandte Condurangodeeoct hat keinen merklichen Erfolg gehabt; dasselbe wird durch ein Chmadecoct ersetzt. Am Montag dauerten dieEiier- entleerungen fort. »

Mittwoch, den 9. Mai. Bei dem ohne alle. Schwierigkeit ausgeführten Wechsel der Kanüle zeigte sich, daß die Wucherungen im Umkreise der Fistel ganz verschwunden waren und daß die Fistelöffnung jetzt einen glatten scharfen Rand hatte. Die äußere Haut in der Umgegend war nicht einmal gerötet. 11. Mai. Der eitrige Auswurf hat sich vermindert, ist aber übelriechend.

Montag, den 14. Mai. Das Allgemeinbefinden hat sich offenbar gebessert. Der Puls ist etwas weniger frequent, aber Seine Majestät hat unange­nehme Empfindungen im Schlunde, auch ist das Zäpfchen geschwollen. Für die von Sir Morell Mackenzie ausgesprochene Befürchtung eines Durchbruches nach der Speiseröhre scheint mir kein Grund vorzuliegen. 16. Mai. Das Allgemeinbefinden bessert sich. 18. Mai. Keine wesentliche Veränderung; der übelriechende Auswurf dauert fort.

Sonnaberch, den 19. Mai. Kanülenwechsel ohne Schwierigkeit. Die Wucherungen am Halse beginnen von neuem und zwar in großer Ueppigkeit aufzu­wachsen. Nach meiner Empfehlung soll salpetersaures Wismut aufgestreut werden. 21. Mai. Allgemein­befinden weniger gut. Die mit Wismut bestreuten Wucherungen sind geschwärzt, was deutlich zeigt, daß faulige Flüssigkeiten oder Gase mit ihnen in Berührung kommen. 23. Mai. Im wesentlichen derselbe Zustand.

Freitag, den 25. Mai. Die Wucherungen um die Fistelöffnung herum, namentlich im unteren Um- ange, erheben sich stärker auf einer deutlich erkennbaren derben Anschwellung. Sonnabend, 26. Mai. Behufs Kanülenwechsel wurde ich nach Charlottenburg be­rufen. Dieselbe ging leicht von statten; aber es erfolgte dabei sehr reichlicher eitriger Auswurf mit auligem Geruch. Montag, den 28. Mai. Die Wucherungen schreiten fort, scheinen sich aber unter

ne lest drückte vlld ihr dabei offen in das kluge @;= ichtch- n schaute, stieg eine feine Röte in den Wangen auf.Sie find ein guter Mensch, Kurt, ein herzens­guter Mensch,' sagte fie,und, und---*

Was denn, Grace?' fragte er die Stockende.

Oh nichts,' lachte sie hell auf,es war ein dummer Gedanke, ein ganz dummer Gedanke.'

* * *

Drei Jahre sind vorüber. Kurt Stern besuchte )ie Universität, Grace Warreu ist eine wirkliche Dame geworden, deren Auftreten und Eleganz der ganzen Damenwelt bet Stadt imponiert und dieselbe zugleich erbittert. Master Warren war gerade kein Krösus, aber er beeilte sich jeden Wunsch seines einzigen Töchterchens zu erfüllen und konnte es um so eher, als verschiedene Spekulationen ihm vortrefflich geglückt waren. Grace brauchte also ihrer Neigung zu mo- »erneu Toiletd n keine» Zwang aufzulegen, und es Tente sie königlich, wenn sie die neidischen Bllcke be- merkte, die ihr folgten. Käthe Freund allein zeigte niemals Neid, sie bewunderte die Freundin aufrichtig, die im Laufe der Zeit die stille und sanfte Genossin aufrichtig schätzen gelernt. Zwischen den beiden be» and jetzt das beste Verhältnis.

Kurt war zum ersteumale von der Universität in den Ferien nach Hause gekommen. Er hatte sich außerordentlich zu seinem Vorteil verändert. Die rühere etwas zu große Schlankheit war vermindert, ast ganz verschwunden, ein kecker Schnurrbart zierte das offene und freundliche Gesicht. Als Kurt bei der Nachhausekunft die beiden Mädchen im Garten über- raschte, küßte er zuerst Miß Grace mit drolliger Feier­lichkeit die Hand, daun aber Käthe herzhaft auf den Mund. Grace betrachtete das Schauspiel mit aufge­worfener Lippe und gerunzelten Brauen. So etwas »ar nicht schicklich, voch dazu in ihrer Gegenwart. Er wußte eS ja von früher her, daß fie eS nicht leiden mochte. Allerdings, wenn er nun doch einmal Käthe küßte, hätte er fie auch küssen können. Das wäre bedeutend weniger auffallend gewesen.

dem Einfluß des Wismut an der Oberfläche avstoßen zu wollen.

Mittwoch den 30. Mai. Im Umfang der Fiste' fast genau derselbe Zustand. Erscheinungen eines Durchbruches nach der Speiseröhre sind durchaus nicht vorhanden. Der übelriechende Ausfluß nach wie vor reichlich. Der Appetit ift noch immer gering. Die Abendtentperaturen waren m den letzten Tagen stets nahezu um ein Grad höher als normal. Freitag den 1. Juni. Letzte Konsultation in Cbar- lottenbnrg. Keine wesentliche Veränderung. Das Allgemeinbefinden jedenfalls nicht schlechter. Die Wucherung an der Fistelöffnung stärker. Die Fistel selbst scheint weiter geworben zu fein.

Sonntag den 3. Juni. Erste Konsultation im Schlosse Friebrichskron. Die von der Überfiebelung befürchtete Verschlimmerung ist in feiner Weise ein» getreten; jeboch haben sich bie Wucherungen an ber Fistelöffnung vermehrt und verstärkt, sind aber in­folge der Wismutbehandlung weniger empfindlich geworben. Das Aufftreuen soll energisch fortgesetzt werden. Mittwoch den 6. Juni. Ter reiche Aus­wurf mit fauligem Geruch und die siebermäßige Abendtemveratur dauern fort.

Freitag den 8. Juni. Es wurde berichtet, daß in der letzten Nacht beim Trinken Milch ans der Fistelöffnung ausgeflossen sei, und daraus geschlossen, daß ein Durchbruch in die Speiseröhre erfolgt sei. Ich machte darauf aufmerksam, daß bei einem Durch­bruch in die Speiseröhre höchst wahrscheinlich doch sofort größere Mafien des Getränkes in die Luft­wege geraten sein müßten, und daß es wohl wahr­scheinlicher fei, wenn überhaupt ein Durchbruch bestehe, diesen im Bereiche des Kehlkopfes ober an der Grenze zwischen Kehlkopf und Luftröhre zu suchen. Die Kanüle liege jedenfalls so lose, daß sie einen Druck auf die Hintere Wand der Luftröhre nicht ausüben könne. Es wurde bann auch allge­mein anerkannt, daß die Durchbruchsstelle, wenn eine solche überhaupt vorhanden sei, im Bereich des Kehlkopfes liegen rnüfie, daß aber das Ausfließen von Milch durch die Tracheofistel auch recht wohl durch Einfließen ber Milch in bie durch ben vor- hergegangenen Krankheitsprozeß in- ihrer Gestalt unb Funktion jedenfalls schon veränderte obere Öffnung des Kehlkopfes sich erklären lasse. Es wurde sofort eine modifizierte Trendelnbnrg'sche Tamponkanüle einzusühren beschloffen.

Sonnabend, den 9. Juni. Abends nach Friedrichs- ron berufen, fand ich bei dem Einfuhren und Auf­blasen der Tamponkanüle keine Schwierigkeit. Die

Nun, tote gehts, Ihr Mädchen?' fragte Kuit, sich am Tische zu ben beiden niederfetzend. Grace runzelte die Stirn. Diese Anrede war doch gar zu wenig geutlemaumäßig. So hatte er auch früher nie zu ihr gesprochen, alle Achtung vor einer Dame, wie fie eS unstreitig war, war aus seinem Wesen geschwunden. Er erriet offenbar ihre Gedanken, und agte daher lachend:Bist Du bös auf mich, Grace?» Das war nun aber Oel ins Feuer gegossen. Grace prang heftig auf:Mein Herr, es ist in meiner Heimat nicht Sitte, daß eine Dame von einem Herrn ohne weiteres mit Du angeredet wird!' Sie setzte ich zornrot wieder nieder.

Kurt schlug gleichmütig ein Bein übers andere. Kannst Recht haben, Schatz; aber wir sind in Deutsch - land und da ist es durchaus wohlanständig, wenn Cousin und Cousine sich duzen!'

Aber ich wills nicht!' fuhr Grace auf. In diesem Moment toutbe Käthe abgerufcv, und die beiden waren ganz allein in der schattigen Laube. Kurt erhob sich und trat hinter den Stuhl Graces- Bist Du mir wirklich so böse, Grace!' sagte er mit völlig veränderter Stimme, sich über sie hinabbeugeud. Grace wurde purpurrot, sagte aber nichts.Sieh mich doch wenigstens einmal an, Grace?' bat er leise Sie erhob unschlüssig den Kopf. Im selben Augen­blick hatte er aber auch schon seinen Arm um sie ge­schlungen und ihr einen Kuß auf die Lippen gebrückt. Ich wußte cS ja, Grace,' sagte er leise,etwas lieb vast Du mich doch gehabt, seit Du wußtest, daß tch Dich von ganzem Herzen liebe. Und nicht wahr, nun darf ich anch Dn zu meiner Braut sagen?' Grace antwortete noch nicht, aber ein halbes Lächeln um hreu Mund war ihm Antwort genug.

Vier Wochen verstrichen den Liebenden im vollsten Glück. Am Abend vor seiner Abreise saßen Kurt und Grace am Rande des Baches. Es handelte sich um eine längere Trennung, denn Grace sollte zunächst zu ihrem Vater zurückkehreu.Vergiß mich nicht mein Herz,' sagte Kurt liebevoll,eS handelt sich nur

Wucherungen in der Umgebung der Fistel, zu schwärz­lichen, trockenen, aber doch stmkenden Mafien nmge- wandelt, haben sich zum größten Teil und zwar ohne alle Blutung abgelost.

Sonntag, den 10. Juni. Das Schlucken wird durch die eingelegte Kanüle erschwert, das Ausfließen von Milch und auch von Eigelb aus der Fistel nicht verhindert. Es kann somit kein Zweifel sein, daß der Durchbruch, wenn überhaupt, oberhalb der Kanüle erfolgt sein muß. Wie Kräfte sinken, das Fieber steigt. g " ' U

Montag, den 11. Funsi Obwohl flüssige Nah­rungsmittel noch reichlich genvfien unb nur zum kleinen Teil durch die Fistel entleert werden, sinken die Kräfte doch stetig, die Frequenz der Pulse uud namentlich der Athemzüge steigt, ff

Dienstag, den 12. Juni. Morgens entleerte sich viel übelriechender Eiter aus der Fistel. Da ein großer Teil der getrunkenen Milch durch die Fistel abläuft, wurde beschloffen, durch ein in die Speiseröhre eingcführtes biegsames Rohr die künst­liche Ernährung eiuzuleiten. Ich erhielt den Befehl, zu diesem' Behufe am Abend nach Friedrichskon zurückzukehren und die Nacht dort zu bleiben. Mittags wurde ein halbes Liter, Abends ein Liter Milch mit Sahne eingepumpt. Puls Abends 116, Tempe­ratur 39,5, Respiration nur 24.

Mittwoch, den 13. Juni. Früh wurde wieder ein Liter Milch mit Sahne eingepumpt. Die Tempe­ratur war Morgens 38, die Respiration 24; aber Abends stieg die Zahl der Athemzüge auf 60, der Puls auf 130 und die Hautfarbe erschien cyanotisch. Auch trat nach dem Einpumpen von Milch am Abend Erbrechen ein. Die Kräfte sanken stetig. Ich blieb die Nacht wieder in Friebrichskron.

Donnerstag, ben 14. Juni. Der faulige Geruch der aus der Fistel ausfließenden Massen hat stetig zugenommen. Der Verfall der Kräfte schreitet, trotz der wiederholten Einflößung von Milch weiter fort. Morgens Puls 140, Athemzüge 78, Mittags sogar 80, Abends bis zu 140. Schon im Laufe des Vor­mittags mußte ich dem Herrn Juftizminifter auf feine Frage, wenn der Tod wahrscheinlich zu erwarten sei, antworten, daß das Leben Sr. Majestät nur noch etwa 24 Stunden dauern werde. Die gleiche Auskunft gab ich später Sr. K. K. Hoheit dem Kronprinzen unb Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck auf deren Anfrage. Die Nacht blieb ich wieder in Friebrichskron.

Freitag, den 15. Juni. Nachdem wiederholt schon zeitweise Bewußllosigkeit eingetreten war, erfolgte noch um wenige Jahre, daun bin ich im Amt als selbständiger Manu und führe meine Grace als Haus­frau in meine Wohnung ein, wo sie als Herrscherin walte» und regieren soll. Es soll ein Leben werden, tote im Paradiese.'

Gewiß wirb eS bas werden,' antwortete Grace mit leuchtenden Augkn;wir werden in einer großen Stadt wohnen, Gesellschaften geben uud besuchen, eine Equipage haben--'.

Kurt schloß ihr den Mund mit einem Kusse. Nur nicht zu geschwind mit Deinen Lustschlöffer- banten, mein Lieb. Fürs erste werden wir ruhig und still uns selbst und unserer Liebe leben, das ist mir bas Höchste und Beglückendste. Und auch später werden wir uns nach der Decke strecken. Mein G - halt wird zunächst schwerlich mehr als 3000 Mark betragen, und damit können wir noch keine Equipage halten oder alle Monate Gesellschaft geben!'

»Von dreitausend Mark, also siebenhundertsünfzig Dollars, werden wir beide das ganze Jahr leben,' rief Grace in komischem Erstaunen die Hände über dem Kopfe zuschlagend.So viel Einkommen hat bei uns ja schon ein ganz gewöhnlicher Handwerker."

Das ist wohl richtig, Schatz," war seine Ant­wort,aber wir haben in Deutschland ganz andere Verhältniffe. Du wirst seheu, wir leben wie im Paradiese."

Aber ein paar tausend Dollars wird Papa im Jahre doch uns zugebeu müssen. Ich habe zu Hanse tets sagen hören, daß man mindestens 3000 Dollars im Jahre gebraucht, nm anständig leben zn können."

Du wirst Dich von dem Gegenteil überzeugen, mein Lieb," erwiderte er sanft; ,aber wenn auch Dein Vater uns einen jährlichen Zuschuß geben wollte, ich würbe das Gelb doch nicht annehmen. Ich setze meinen Stolz darin, unabhängig von aller Wett da» znstehen. Aber nun laß uns von diesem Thema ab- brechen." Leise strich der Sommerwind durch die Zweige und unter ihnen klang das Geflüster der Lie­bend en.