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Illustriertes Somtagsblatt.
« Marburg,
Sonntag, 8. Juli 1888.
Wochenschau.
D-e sommerliche Stille ist mit Macht hereinge- brochen! Es war auch ein B dürfnis, nach der wochenlangen Unruhe endlich wieder einmal frei, ohne drückende Sorgen für das Staatsleben aus- athmen zu können. Wie lange heben diese Sorgen nicht angedauert'? Eigentlich seit Frühjahr 1887, ote die Krankheit des damaligen deutschen Kronprinzen deutlich in die Erscheinung trat. Diese Sorgen haben dem alten guten Kaiser Wilhelm das Herz gebrochen, sie haben Millionen Deutschen die Augen mit Thränen gefüllt. Und nun ist eine Ruhepause eingctreten! Wie von einem Alp befreit hebt sich die Brust, zuversichtlicher wendet sich der Blick wieder in die Zukunst. Von allen Seiten kommen Versicherungen und Zeichen der Friedensliebe, und wenn auch die Versicherungen nicht überall ganz strenge Wahrheit enthalten mögen, es muß befriedigen, daß wenigstens im Augenblick keinerlei ernste Kriegsgefahr droht. Seit langer Zeit ist der politische Himmel nicht so frei von allen Wetterwolken gewesen; die Staatskunst des deutschen Reichskanzlers, der in seiner Friedensliebe, Ruhe und Kaltblütigkeit nicht ermüdete, hat einen bedeutenden Triumph errungen.
Und eine gewichtige Bekräftigung der neu gesicherten Verhältnisse steht unmittelbar bevor. In der nächsten Woche wird Kaiser Wilhelm II. von Siel aus zur See nach Petersburg reisen und dem Zaren Alexander dort einen Besuch abstattcn. Wir wollen dem Ereignis nicht gar zu viel Gewicht beilegen. Daß unser Kaiser sofort nach der Newa reist und nicht erst die mit ihm verbündeten Monarchen m Wien und Rom besucht, hat wohl seinen Grund in den Reisedispositionen des russischen Kaiserpaares, sowie darin, daß em Ausstug nach Petersburg am besten im Sommer gemacht wird. Außerdem brauchen wir auch von der russischen Freundschaft für Deutschland nicht allzuviel zu hoffen, cs ist nicht so fürchterlich weit damit her. Ja, wenn wir alles thun wollten, was die Russen verlangten, auch Oesterreich- Ungarn dazu bewegten, dann würden die Panslawisten jedem in Rußland weilenden Deutschen um den Hals fallen; aber da an eine solche Handlungsweise der deutschen Politik nie und nimmer zu denken ist, so läßt sich auch mit Gewißheit absehen, daß den jetzigen Freundschaftsbeteuerungen der russischen Blätter für das Deutsche Reich bald ganz andere Mclodieen folgen werden. Nach dieser Seite hin braucht man also von der Kaiserreise keine Riesenerfolge zu erwarten. Aber was man erwarten kann, das wird eine sehr bedeutende Vertiefung der
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für dir Kreise Marburg und Kirchhain.
_______________________________________________________________________Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. leg. Koch.
Nachdruck verboten.
Des Verlorene« Heimkehr.
Von Walter Besant und James Rice.
Autorisierte Uebersetzung von H. Henschel.
(Fortsetzung.)
«Spreche» Sie für mich,« sagte Pringle, .sagen ihm, daß ich Loudon augenblicklich verlaffen »mde daß er mich nie wiederseheu soll, wenn er Mch so haßt. Ich will gleich fort, und was braucht «eorg Warueford mehr, da er uicht mehr iw Ge- langnis weilt? Es nützt ihm doch nichts, weuu ich ttugesperrt werde. Uebrigevs," — er wollte ein wenig S1'”' ^7 -übrigens ist er gewiß längst tot. O, gnoigen Sie einen reuigen Sünder nicht, — seien
o? unchristlich. Bedenken Sie auch, wie schwer ew Verbrechen aus einem Menschen lastet, wie es
JebteLS.ff<" vergällt, ohne daß die Kerkermaueru wn umschließen."
ibn Prügle, nun haben wir genug," unterbrach du ^ohu Whbrow, .steheu Sie auf und schreiben «le au diesem Tisch."
Samuel gehorchte und stand auf. Er taumelte fan/lfl Trunkener, seine laugen Beine schwankten, LT* bunneu roten Haare lagen über der Stirn, die "«Seren Arme hingen schlaff zur Seite, seine Augen 7°?° rot und verschwollen. Er warf einen Blick biX. Mautelsack und die Thür; aber zwischen M-r und ihm stand die handfeste Gestalt John
Samuel Pringle war weder kräftig, noch LZ5,' °°ber kam ihm gar nicht der Gedanke, sich freie ^ahu zu erkämpfen.
Hetzen Sie sich", gebot Joh» bestimmt.
«amuel that es.
«Nehmen Sie die Feder."
Ä Sbte 5tb“ M Wt w «echauisch
«3-tzt schreiben Sie.« r tiiiÜSri «Was soll ich schreiben?"
«Schreibe» Sie die Wahrheit," fegte Heleae.
Anzeigen nimmt entgegen die «xpeditiou d Blatte« sowie b.jaimoncen-auteauf von Haasentzeiu und Vogler önl- Jahrgang
Taube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
Erscheint täglich außer en Werktagen nach beim- und az» j pii Feiertagen. — Linartal-Abonnemeuk«.Preis bei der Erve- Jli dition2‘/. SRI, bei den Postämtern 2 3Rt 50 Pfg. (erv.
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«Erst schreiben Sie; ich räume nichts ein, ehe ich I Ich erkläre ferner hnfe i* f rsft «»k « : lobet feine Worte verhallten ungehört.
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*2BoHcnSieibmaütioft’fifier tt. «mr. I , b^e ?ra^ Eines Riesen zu besitzen, wie Shakespeare I «Wenn ich Worte fände, wen» die Sprache über-
Ke"»"'^ v«ige»°^ FülE" fClbft ”Db fete “te“ ber ÖObre »“"“S«;,
Ich »2 Ä® . . "Schreiben Sie diese Worte," befahl sie. die geringste Gnade, - dann «fiffen Sie S ben
Lause voll Bathrick un^Balbmi»^ 3 1000 im . kann uicht, ich kau» nicht. Es ist aller so, ganze» Hergang ohne Ausflucht oder V-rheimlichnna
6 Ltteri? ,.„h «AihLn « ‘ Le Sie sagen, Mr. Whbrow; aber ich ka»u die erzählen. Heraus damit." * W
^«Erkläre und bekenne, daß Georg Warueford die mich In^GefäuaVbrächte'n W °b pe L -Dan» wollen Sie Barmherzigkeit üben?" ftagte Fälschung, wegen welcher er vor acht Jahren verhaftetI Das werden sie auch toQhrf6einH.fi- «b,, st le* at8.er Watt in ^ohuS Notizbuch Der- rärÄÄ?a"a8"‘d‘Km“,Bort'’ *’
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.Daß er ganz unschuldig war, daß er nicht eiu- ich AriebA" ®°tiI 28(18 zehn Jahre wäre», bm
«al um das Verbrechen wußte, daß er unrechtmäßiger , Nmr unterieiAnen ei«« I w°üle ich mich noch zufriede» geben; aber ei» Lebe»!
Weise verurteilt wurde, und daß der wirkliche Ver-I Mtt !Widerstrebe» uMerreichuete er da» «s-ee ! "i/«als wieber ans dem Kerker zu kommen, niemals
brecher noch frei umhergeht." I Sn MiL .rzrichnete er das Blatt. I wieder frei zu sein, niemals thun zu können, was
.Noch frei umhergeht. — Ach, Fräulein! helfen I Zeugen unterzeichnen.^' ”” 61815^“ Ae Sträflingskleidung abzulegen.
Sie mir, daß ich cS ferner kann/—helfen Sie einem Jetzt fina Men.^n ... »t. a « - >3ch habe Nacht für Nacht davon geträumt, bis ich all
»L das Elend auswendig wußte. O, Mr. Whbrow, haben (°
persönlichen Freundschaft des deutschen Kaisers mit I traurige Schauspiel einen neuen Landesverrats-1
bem russischen Selbstherrscher sein, und diese wird Prozesses, der zugleich abermals das Treiben der aus ^als bMer"^T ^ TüÄi ^ ettvas unruhiger unzweifelhaft wesentliche Rückwirkungen auf das amtlichen französischen Spionage im Reichslande klar- Lfim'eren (Mbit' ®} 2ut fierfttn einer fo Gebiet der Auswärtigen Politik haben, vor allem stellte Zu venound rn ^t e-- untr h. J h r ^1bnOt' lü,e faum le 3uOor- Die Soldaten, dazu beitragen, baAtie^e. aus ber £ Zen Ameise auf ihren Sold habe^
zu schaffen. Die wichtigste Thatsache, die sich aus Beseitigung des Paßzwanges aMeX{Z LTÄrÄ 9'"S werden, und
ber Kaiserbegegnung von selbst ergiebt, ist die zösischen Grenze sei ga/ nicht zu denken Zm Refcks- nickt Widersetzlichkeit
Isolierung Frankreichs, die auch in Pa/is bereits lande klagen zwar^Ue Äta Ä t T mi Sultans-Palast zu
mit ziemlichem Grimme empfunden wird. Denn der dienstausfall, aber wenn die Lo al-Znterenen mk f? 6 Bedrängnis, ^n Sosta
deutsche Kaiser würde dem russischen Zaren sicherlich den Staa s-^ntereffen in SNih-rf^u " mit wäre es dem Ministerium Stambulow um ein Haar tamcn Befuch -bstattm, »J' S bta 5«n „Ä 8««» mu« Rlgm. $a8 bdamtt B-L-n
Ml”'"«'" --»-bkn n>änn, b«6 in P.i.,°bu<q <m Im fr-nMch- minifierium Woqutt war inm Snisfrofe^M« "ffl”bnl’h, Sba fr ?? em Zusammengehen mit Frankreich nicht gedacht wird I Ausgang der Vorwoche etwas ins Kwmnnk-» *1 n l,t' Jat tn Osfizierkrelsen sehr
Der Besuch der Herrscher Don /UngQm rutrn 2).? UrfZ bilbden Mr XaZhe^ ߣma4t; wh b°s Offizierkorps
und Italien durch Kaiser Wilhelm II. wird im Wahlbeeinflussungen, welche vom. Fustizminister als GefaZ^'"'^ ^ant^ nichts geringeres, liegt nur wenig vor. Her7AZ°L°b^ aÄsa^mit ?eTZt’’ ™
ar.?, "'^s0ehorig zu informieren, seine Erholung Abstimmung enthielten. Hätten letztere mit den SfitlfdlFfl »»teft
besteht m langen Spazierritten und Wasserfahrten. Monarchisten gegen das Kabinet gestimmt so wäre » <S! .S f ,» f
Der Kaper zeigt sich nach Außen hin noch ganz dasselbe verloren gewesen So hat es w^d r emen Lnrh ^Zs , Reffe des Kaisers
wie als Kronprinz. Nach ber Besichtigung seines I etwas festeren finit 65 toie,r ^'nen nach Rußland werden denselben, dem Vernehmen
Leib-Husaren-Regimentes zog er an der Spitze des-1 nehmen dasi es den Nest her sn ,_an’ I "uch, begleiten: die dienstthuenden Generaladjutanten,
selben^ geradeso "in Pot/da°m"em, wie^^Kh^knlZÄrbeLeKehZ^^^^ und der Leibarzt vr. Leuthvld^
der Spitze seiner Brigade in Berlin. Im Berliner I Sonnabend nach Rennes unh I f£yner. der Staatsmmrster Graf Herbert Bismarck
Schlöffe^hielt b,r Staifer -mm "= * °d» r»-i «l-it-m. D-- B-f-ch wirb
tatjem B-fuch- trafen ber König nnb bie Königin Mn-nzen des Senerale fielt es wind« ",,d ‘.r 6," t 'mferlnhen
von Sachsen in Berlin .in nnb re« taiL k-sh-lb nenem X «nnäSn ” »iM
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besetzt worden: Herrn v. Puttkamers Nachfolger, ist sehen etwas im Lan e^verloren weil ^es ifim nn nnÄZ Unb?ic *
sein früherer Unterstaatssekretär, Herr Herrfurth, einem Mann fehlt toetoer bie Wenn, fnt, C 1 ftnb, ^eute mor9cn§ 8 Uhr 25 Min. geworden, welcher die Amtsgeschäfte bereits über- versteht. Gladstone macht ^Fehler ^in Lülle und °^eA — In der gestern unter
nommen hat. Der neue Minister ist konservativ, I Fülle, aber er versteht"zum Volke ru"wecken Vorsitz des Staatsmmffters, Staatssekretärs
aber kein Parteimann, sondern ein sehr ruhiger, qe- deshalb wird manche feiner Knnftnfiat^»* ^ ^ und des Jnnern von Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung mäßigler Im wirb b--h-lb Uh L Dtai-nftwa.ta-7 h°Ü"i2b'^«- LL nnj "1 ?"** *
Ernennung mit Befriedigung begrüßt Viel be- aeaenstellen fiinnfen9 «nrb 1 1 ? ent- Zoll- und Steuerwesen und ur Handel und Verkehr proch-n iß bi, in .LXfLX L XndSSSr SXann L m'vX *“*2* *
liberalen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses zu sehr Hofmann als daü er ben Z°klanschluß Hamburgs entgegen, erklärte sich
hervorgetreten- Ansicht, ein lemmmter £ X $ @inbr«cfmZen tonnte 6 1 H ben tion Hamburg und Bremen für den Zoll-
noch nicht gefaßt, für bie kommenden preußffchen eine starke britische ExpedÄn gffchZum^ der ZZ Z'^^ ^nD™T Durchschnittsgehalts- Landtagswahlen kein allgemeines Wahlkartell mit Unabhängigkeit der dortigen Stämme definitll) e n Hänbtnn? ^mhmigte die
den konservativen Parteien zu vereinbaren Es ist Ende zu macken Die ktnlns mehr™ ka? I? Abänderung des Etats der Zollverwaltungskosten viel für und wider diese Ansicht ^£0 S nnTtoeZ/ "uZo.3 ben ' Mecklenburg-Schwerin und Elsaß-
schnnt aber, als sollte sie die maßgebende bleiben rückweichen müsset so haben £Ot^n0en nQ^be« gestellten Anträgen, sowie die
Vor dem Reichsgericht in Leipzig bot sich, das beträchtliche Verluste & ebenfalls Emsuhrung eu'hettlicher Zoll- und Steuerformulare.
-----_ r bezüglich der Zollbehandlung mehrerer