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Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. tkoch.
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«reicht, deren Verlaus in der ganzen Welt mit ersichtlicher Spannung verfolgt worden ist. Wir waren darauf vorbereitet, daß das Leiden des Kaisers über
Kaiser Wilhelms Proklamation „An Mein Volk!" ist kein politisches Programm, es ist wegen seines herzlichen, offenen Tones überall im deutschen Reiche freudig ausgenommen und begrüßt worden und das Gleiche gilt von den meisten Staaten des Auslandes. Daß Frankreich oder richtiger der revanchelustig gesinnte Teil der Franzosen ein Mißtrauen gegen den jungen Kaiser zeigen werde, ließ sich voraussehen, argwöhnt man doch in jedem harmlosen deutschen Touristen einen Spion. Kaiser Wilhelm hat indeflcn auf die hämischen Angriffe der Pariser Presse in der edelsten Weise geantwortet, indem er auf das Beileidstelegramm des Präsidenten Carnot den herzlichen Wunsch aussprach, die Beziehungen zwischen beiden Ländern möchten unverändert gute bleiben. Überzeugen werden diese Worte die deutschfeindliche Partei in Paris nun freilich auch nicht, aber der deutsche Kaiser kann wenigstens sagen, daß er bereitwillig die Hand zum ferneren Völkersrieden geboten habe. In England und Österreich-Ungarn war die Teilnahme an Deutschlands erneuter Trauer die allerhrrzlichfte; dem Präsidenten der österreichischen Delegation in Pest, Dr. Smolka, sind in seiner Trauerrede allerdings ein paar zweifelhafte Worte mit untcrgelaufen, aber in Tagen so großer und erhabener Trauer geziemt es sich nicht, mit kleinen Seelen zu rechten. Die hier und da in Österreich- Ungarn aufgetauchten Zweifel, die bisherige Allianz könne unter dem neuen Kaiser eine Schwächung erfahren, sind durch eine ausfühAiche Darlegung des Ministers des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, gründlich beseitigt worden. Der Graf führte in; entschiedener Weise aus, die Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn seien so fest, hätten bereits solche Gefahren überstanden, daß sie überhaupt nicht mehr erschüttert werden könnten. Sehr eilig hat es Kaiser Alexander von Rußland gehabt, dem neuen deutschen Kaiser eine Höflichkeit zu erweisen. Er hat ihn zum Chef des Petersburger Grenadierregimentes ernannt. Es wäre verfehlt, wenn man dieses Vorkommnis überschätzen wollte; man braucht es aber auch nicht zu unterschätzen, um so weniger, als ziemlich sicher bereits die Nachricht auftritt, der Czar werde auch in diesem Sommer nach Kopenhagen reisen und bei dieser Gelegenheit unserem Kaiser eine Visite abstatten. Von Rußland her ist also eine Verschlechterung der Beziehungen bis zur Kriegsgefahr sobald nicht zu erwarten, wenn auch an eine wirkliche Besserung der internationalen politischen Verhältnisse gleichfalls nicht so schnell zu denken ist.
Vor der Trauernachricht von Kaiser Friedrichs Hinscheiden ist natürlich alles Andere in den Hintergrund getreten; außer diesem einen großen Ereignis war die Woche ercignisarm. Kaiser Wilhelm II. hat gleich nach der Beisetzung seines kaiserlichen Vaters eine bemerkenswerte Rangerhöhung vollzogen, indem er den Prinz-Regenten Albrecht von Braunschweig, den Vetter Kaiser Friedrichs, zum General- Feldmarschall ernannte. Kaiser Wilhelm wird noch einige Wochen im Marmorpalais verweilen, dann aber für den Sommer in Fricdrichskron, in welchem sein Vater starb, Wohnung nehmen. Die Kaiserin- Mutter Victoria, die unsäglich gebeugt erscheint, bcgiebt sich für den Sommer wahrscheinlich nach Homburg; als Witwcnsitz sind ihr das sogenannte Kronprinzen-Palais in Berlin und das Charlottenburger Schloß durch Verfügung des hochseligen Kaisers angewiesen worden.
Aus fremden Staaten ist in dieser Woche nichts zu berichten, was nicht mit dem Heimgang Kaiser Friedrichs im Zusammenhang stände. Es wird nun in der Politik voraussichtlich die sommerliche Ruhezeit eintreten, nachdem in Berlin die feierliche Kundgebung des erfolgten Thronwechsels stattgefunden hat. Kaiser Wilhelm wird zur Berttetung des Reiches und Preußens sprechen, um vor diesen-zu beteuern, daß auch die Ziele seiner Politik keine andere sein werden, als, den Frieden zu wahren zum Heile und Segen des ganzen deutschen Vaterlandes.
3. Kapitel.
St. Peters Insel.
AIS wir aufschaute«, war es heller Tag geworden' uud die eben aufgegangene Sonne strahlte uus glühend ins Gesicht. Die See wurde nur leicht von einem Hauche des Passat gekräuselt, und das Schiff war gänzlich von unserem Horizont verschwunden.
„Weder Segel noch Küste in Sicht," sagte Beu, auf einen Tascheukompaß blickend. „Kopf hoch, liebes Kind," — das fagt er nämlich immer. — „Wir haben Waffer und Lebensrnittel an Bord, wenn ich es für Sie auch beffer wünschen möchte; auf der Luvseite ist Land, eine Insel, die wir mit Gottes Hilfe erreiche» werden; find wir erst auf St. Peter» Insel, dann wird uuS schon ein Schiff aufuehme«. Mr. Warneford, Helsen Sie mir das Segel aufziehen."
Wir hatten einen Mast und ein kleines Segel. Beu beaufsichtigte die Taue, uud ich steuerte nach seiner Angabe. Erst errichteten wir mit Hilfe eines Reserveruders ein primitives Schutzdach für unseren Paffagier, dauu segelten wir schweigend weiter, jeder hing seinen Gedanken nach, während unser Boot auf den Welle» tanzte und eine leichte Spur weißen Schaumes hinter sich liefe. Es war ein stiller, friedlicher, glücklicher Tag. Helene sagte mir später, dafe sie die ganze Zeit über nicht ängstlich gewesen wäre; auch ich war es nicht, uud doch befanden wir uns in einem kleinen Boote ans offener See. Unsere ganze Sicherheit war von der Däner deS ruhigen Wetters abhängig; um irgendwo zu landen, mufeteu wir uns daraus verlaflen, daß der alte Be» das Meer kannte und sich der Karte erinnerte. Unsere augenblickliche, geographische Lage berechnete er nach der Zett, die wir vom Schiffe entfernt waren, außer- dem wußte er die Lauge uud die Brette der nächste» Küste. So skizzierte ich denn nach feinen Angaben auf der Rückseite eines Briefes, den Helene in der Tasche hatte, eine ungefähre Karte. Zwei feste Punkte gab es darauf: die Lage der Lucy Derrick am Nach.
Nachdruck verbaten.
-es Uerlsrrrrerr Heimkehr.
Bau Walter Besaut und JameS Rice.
Autorifiette Ueberfetzung von H. Henschel.
(Fortsetzung.)
»Was bedeuteten die Worte, die Ihnen Bostom Tom zurief, Mr. Warueford?"
,Er nauute wich Sttäflirg und Dieb und sagte — Nein I* Da, als mir zum ersten mal die ganze Kraft «ffen klar wurde, waS er enthüllt hatte, wirbelteu »ir die Gedanken durch den Kopf, so dafe ich nicht *titcr sprechen konnte.
»Sträfling! Dich! und dabei habe» Sie sich von «s allen am tapfersten gehalten, haben wie ein Monn 3hre Pflicht erfüllt. Hiernach — mnfe —•
Miß Elwood blickte auf, sie erkannte iu der graueu Dämmerung, wie ich den Kopf in die Hände gedrückt hatte. Ern Sttäfling, ein Dieb!
Ich fühlte ihre liebe Hand in der meinigen, als fe flüsterte:
»Die Nacht ist fast vergangen nnb der Tag bricht «t; wir wollen Gott danken, dafe er unser Leben erhalten hat, und dafe er den Menschen so viel Mut tob Treue geschenkt hat; er wöge n»S stets dieser Nacht eingedenk sein lassen und nus unsere Schuld Ergebe», sowie uns beistehen, denen zu verzeihen, «r gegen nns gesündigt haben."
So strahlte die Sonne, als sie über den rosigen «Bogen ewportauchte, im einsamen Süden des In. «scheu Ozeans auf eine Gruppe von drei Mensche», die In einem kleinen Boot zusammen knieten und Gott torch den Mund ettreS unschuldigen Mädchens priesen, toter diesen dreien war wenigstens-einer, dessen Herz «ich uud dewutSvoll war.
,Auren," rief Beu Eroil, „nun wolle» wir vor. tostts schauen."
kurz oder lang zu einer Katastrophe werde führen | müssen, daß aber das gefürchtete Ereignis mit so - rasender Schnelligkeit eintreten werde, daran hatte niemand gedacht. Der Herrgott im Himmel be« ; lohnte aber den ungebrochenen Mut des Dulders, welcher seine letzte Krafi für sein Land daran setzte, er schenkte ihm den sanftesten Tod. Ohne Schmerzen, ohne Ahnung fast von dem nahenden Tode, ist der teuere Kaiser unmerklich hinübergeschlummert in das bessere Jenseits, welches ihm die Erlösung von seinen Schmerzen bietet. Allgemein, wie bei dem Hin-
nicht sollen sein. Kaiser Friedrich, der heldenmütige Dulder, ist seinem großen Baier in das Grab gefolgt, eine fürstliche Tragödie hat damit ihr Ende
Wochenschau.
Nach dem unruhigen Frühling dieses Jahres glaubten wir fast auf einen ruhigen Sommer bauen zu können, Erholung zu finden nach den Aufregungen, die ganz Deutschland heimgesucht haben: Es hat
Marburg,
Sonntag, 24. Juni 1888.
, Für Kirchhain nimmt unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen an, — für hiesige Stadt die unterzeichnete Expedition. AW" Neuzugehende Abonnenten in Kirchhain und Marburg erhalten vom Tage der Bestellung an bis zum 1. Juli die „Oberh. Zeitung" mit ihren Beiblättern gratis.
Die Exped. der Oberh. Zeitung.
Zum bevorstehenden
Quartalwechsel
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Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Illustriertes Sonntagsblatt baldigst machen zu wollen. Auf dem Lande nehmen die Postboten Bestellungen entgegen.
Mittage des 15. Septembers 1851 nnb bit St. Peters Insel.
Es war allerdings edle sehr ungenaue Schätzung; aber ich hatte wich bemüht, die Lage des Schiffes, als wir es verließen, so genau wie möglich zu bezeichne», und Bev begann die Karte zu studieren.
„Ob wir »ach Nordnordwest oder direkt nach Nord steuern, das wird sich ziemlich gleich bleiben. Da gibt <8 Strömungen und Winde, die wir in unserer Vergnügungsbarke nicht durchwachen können; St. Peters Insel liegt dort hinüber. Kopf hoch, Kind, mit Gottes Hilfe werde» wir morge» lande»."
Ben verteilte die Mahlzeiten u»d das Wasser. Von letzterem befaßen wir ein Fäßchen, außerdem eine Flasche Rum und drei Flaschen Wei», die in Bens Vorrat gewandert waren.
Sie Sonne hatte culminttt nnb begann schon tnieber »ach Westen zu finken, unb doch war aufeer uns keine Spur von Leben auf dem Wasser zu entdecke»; kein Vogel ton Fisch belebte die Nnsamkeit. Etwas »ach fieben Uhr ging die Sonne unter, und eine halbe Stunde später war die Nacht hereinge- brocheu. Eine frische Brise wehte, aber Beu blieb beim Segel, bis ich ihm sagte, daß mir vor Ermattung die Ange» zufallen. Da »ahm er meinen Platz am Steuer ein. Todmüde streckte ich wich iw Boote nieder unb wäre nach fünf Minute» eingeschlase» gewesen, wenn nicht unser Passagier bie Mannschaft zum Gebet gerufen hätte.
Sie war unser Kaplan unb unser Schutzengel; ihre süfee Stimme erflehte für uns alle den Segen des Höchsten, als sie das Abendlieb saug. Da kam in be» ersten fünf Jahre» zum erste» Mal bie lleber- zrugung über wich, daß tB noch endlich gut werden müsse, ob im Leben oder iw Tode, und mit diesem Gefühl iw Herzen streckte ich mich auf die Bretter nieder unb war im Augenblick eingeschlase».
Erst tief in ber Nacht erwachte ich, nm Be» abzulösen. Er saß iu Hemdsärmeln da; denn er hatte seine» Rock auSgezogeu und das schlafende Mädchen
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(206 reine analy- eirt und rein befunden v. Prof- Dr. M. Freitag, Bonn. Direct von der Ungar, wein- Export- GeeeU- schäft LBadeo i Aerzte lranke ■eh de» es Stär- rein zo iginaP [1131 barg,
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juni. Ter Kaiser empfing gestern abend den Justizminister Dr. v. Friedberg in längerer Audienz. Dem Vernehmen nach ist Fürst Radolin beauftragt worden, dem Sultan das Ableben des Kaisers Friedrichs und die Thronbesteigung des Kaisers Wilhelm anzuzeigen. Derselbe reist Mittwoch nach Konstantinopel. Auf allerhöchsten Befehl sind alle Gesuche um Empfang und Meldung beim Kaiser von Nichtmilitärs an das Hofmarfchallamt in Potsdam zu richten. — Die „Nationalzeitung" hört, die Krönung des kaiserlichen Paares als König und Königin von Preußen werde im Herbste in Königsberg erfolgen. — Für das Ministerium des Innern ist augenblicklich keine bestimmte Persönlichkeit in Aussicht genommen, Unterstaatssekretär Herrsurth wird die laufenden Geschäfte weiter leiten. Zum Chef des Zivil-Kabinetts ist der Unterstaatssekrctär im Kultus-Ministerium Dr. Lucanus aus ersehen. Die Nachricht von der Er-
bamit bedeckt. Als ich behutsam über fie fortschriü um ihm bie Taue abzunehmen, flüsterte er:
»Ist das wahr, was Ihne» Bostom Tom vom Boot aus zurief, Steuermann?
»Ich war im Gefängnis.'
»Wie konnte er baS wissen?"
»Darauf habe ich keine Antwort; ich wünschte, ich könnte es Ihnen sagen."
»Was meinte er bamtt, als er sagte, er würde Ihnen denjenigen nennen, der es wirklich gethan hal? Was denn gethan hat?"
»Der die Fälschung begangen hat, für die ich ge- büfet habe; denn ich bin unschuldig, Bl n Eroil; Gott weife eS, ich bin unschuldig."
Er schwieg eine Weile.
»Ich sehe darin klar; aber eins mnfe ich Ihnen sagen, wir mögen nun ans bemjpeean nwheitreiben, bis unser Wasservorrat verbraucht ist; wir mögen verschlagen werden oder Schiffbruch leide»: ich bin »och nicht zu alt, als dafe ich nicht de» Kampf »ms Dasein bestehen könnte; aber ich bin auch nicht zu jung, um nicht einmal schnell abberufen werden zu können. Sie wögen unschuldig sein oder schuldig, das geht mich nichts an. Unschuldig oder schuldig, hier kommt es nicht in Bettacht. Aber wen» Sie diesem lieben, jungen Mädchen niedrig begegneten, wäre eS ein viel, viel größeres Verbreche», als wenn Sie tausendmal be» Namen eines anderen unter ein Stück Papier gesetzt hätten.
»Gott strafe mich mit seinem Zorn, wenn ich ihr ein Leid zufüge, — er lasse mich bie Strafe für jene That, bie ich nie begangen habe noch einmal erbnlben, wenn unferm Schützling von meiner Sette eine Unbill widerfährt."
»So, nun istS gut; jetzt verstehen wir uns, ba will ich ei» wenig hiueingehe». Halte» Sie sich tapfer." —
AH 'rtdüfruff (Fortsetzung folgt.)
Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. — Qnartal-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 21/. Ml, bei den Postämtern 3 Ml 50 Pfg. (exll. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zette 10 Pfg., Reklamen für die Zette 25 Pfg.
scheiden Kaiser Wilhelms I, war die Trauer der Fürsten und Völker, aus fernen, übersecischeu Landen trug der Telegraph die herzlichsten Teilnahmebe- zcugungen zu uns. Ist es auch Kaiser Friedrich nach des Himmels Fügung nicht beschieden gewesen, während seiner Regierung das Große auszuführen, das in stillen Stunden er geplant, er hat gezeigt, daß er der edle und vollkommene Sohn seines Vaters war. Nun ruht seine sterbliche Hülle in der Friedcnskirche zu Potsdam, in welche sie zum Beginn dieser Woche im feierlichen Zuge übcrgeführt ist, dort ruht der müde Held im ewigen Schlummer. Aber eben so wenig wie Wilhelm I. wird der Name Friedrichs III. in Vergessenheit sinken; hellleuchtend werden beider Bttder glänzen für alle Zeiten im Ruhmestempel der deutschen Einheit, den kommenden Geschlechtern und uns Vorbilder treuer Pflichtersüllung und rastlosen Strebens nach allem Guten und Schönen.
Mit festem Schritte hat Wilhelm II., der neunundzwanzigjährige Sohn Kaiser Friedrichs, den Thron bestiegen. Der junge Monarch hat mit der energischen Kraft und der festen Selbständigkeit, welche den Enk?l des Wiederbegründers des Deutschen Reiches auszeichnet, die Zügel der Regierung in Preußen und im Reiche ergriffen. Tie ersten Re- gicrungserlaffe charakterisieren sofort den neuen Herrscher, wenn dieser auch mit Rücksicht auf seine Jugend vermieden hat, sofort mit einem ausführlichen Regierungsprogramm hervorzutretcn. Kaiser Wilhelm II. ist, wie sein Großvater, ein offener, gerader und tiefreligiöser Regent, ein schneibiger Soldat, ohne daß er nur für das Militär eine Vorliebe hätte. Im Auslande bemüht man sich, den jungen Kaiser zum Soldatenkaiser umzustempeln und denkt gar nicht daran, daß bei unseren deutschen Verhältnissen das Rcichsoberhaupt sich dem bürgerlichen Leben gerade eben so gut widmen muß, wie der Armee.' Dieselbe Neigung für das Militär wie Wilhelm II. hatten auch Wilhelm I. und Friedrich III., aber Beide betrachteten die wehrhafte, schlagfertige Armee nur als Mitttl zur Erhaltung des Friedens, nicht als Werkzeug für einen nahen Krieg. Und nicht anders wird es unter dem neuen Kaiser sein. Wilhelm II. war bisher nur Militär, weil er nicht daran denken konnte, so außerordentlich schnell auf den Thron zu kommen. Wir können für die Zukunft mit fester Zuversicht von ihm erhoffen, daß er die Wege seines Vaters und Großvaters einschlagen wird, deren Leitstern das oft gemißbrauchte, hier aber streng und wahr durchgesührtc Wort war: „Das Kaiserreich ist der Friede."
(AechM Munn
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain
Anreigen nimmt entgegen bie Expedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler MÄÄ’SSS’H ™I. Jayrg-llg. Daube u. 6o. in Frankfurt a. Ä, Berlin, Hannover. Paris.