Illustriertes Sonntagsblatt.
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schöne Einklang in aller Zukunft erhalten bleibe. Das preußische und das deutsche Volk werde dem Herrscher bei der Erfüllung seiner Aufgabe treu zur Seite stehen. Tie Blätter erwarten eine weitere politische Kundgebung bei der Eröffnung des Reichstages und des preußischen Landtages. — Dem Vernehmen nach ist Dr. Leuthold zum Leibarzt des Kaisers Wilhelm ernannt worden.
— (Der Ursprung der Krankheit Kaiser Friedrichs.) Mr. Stead, der Herausgeber der „Pall Mall Gazette", der in Berlin sich mehrere Stunden mit Dr. Mackenzie über die Krankheit Kaiser Friedrichs unterhalten hat, schreibt in seinem Blatte: „Man glaubt, daß die verhängnisvolle Krankhell des Kaisers Friedrich auf die Masern zurückzusühren ist, an denen er er vor etwa einem und einem halben Jahre litt. Obwohl es sehr bekannt ist, daß eine bleibende Empfindlichkeit und sogar eine ausgesprochene Krankheit der Luftwege infolge dieser Krankheit sich herausbilden kann, so ist, wie wir glauben, in diesem Falle kein direkter Zusammenhang zwischen dem akuten Fieber und der darauf folgenden lokal begrenzten Krankheit, welche nach einem beträchtlichen Zeiträume folgte, konstatiert worden. Seine Umgebung jedoch machte die Bemerkung, daß er nach seiner Gesundung von den Masern niemals wieder die Lebhastigkcit des Geistes und die innige Freude am Leben, welche ihn vorher auszeichnete, voll erreicht hatte. Im Herbste des Jahres 1886 in Tyrol auf einer Spazierfahrt mit dem Könige von Italien wurde er vom Regen überrascht und, da er keinen Ueberrock bei sich hatte, durchnäßt. Eine heftige Erkältung, welche er niemals vollkommen abschüttelte, war die Folge davon Im Januar 1887 wurde seine Stimme sehr heiser und man glaubte, daß er sich wieder erkältet habe." Die folgende Geschichte der Krankheit ist bekannt. Daß Kaiser Fridrich immer noch mit großer Zuversicht in die Zukunst schaute, geht aus einem Briefe hervor, den er acht Tage vor seinem Tode geschrieben hat und der, wie die Münchener „Allg Zig." mitteilt, die Unterschrift trägt: „I h r l a n g s a m Genesender."
— Aus Bologna wird leider etwas verspätet bekannt, daß der Kaiser Friedrich der feiernden Universität einen Festgruß gesandt hat. Selbst bei der Verlesung ist derselbe nicht genügend beachtet worden, da der Vorleser zu leise sprach. Der Wortlaut desselben ist der folgende: Mit lebhafter Teilnahme begrüße Ich die Feier der Universität Bologna und die erhebenden Erinnerungen, welche sich an deren 800jährige Geschichte für Deutschland wie für Italien knüpfen. Ich gedenke gern der uralten Beziehungen der Deutschen zu Ihrer Hochschule, die mit dem Privilegium des Kaisers Friedrich Bar- baroffa vor mehr als 700 Jahren begonnen und fortgesetzt wurden durch zahllose von Deutschlands besten Söhnen, welche über die Alpen zogen, um sich an den Lehren der neu erstandenen Rechts- wissenfchast z« erwärmen und dem Vaterlande die Schöpfungen antiker Geistesarbeit Heimzubringen. In Bologna sind die Keime gelegt worden, aus welchen die deutsche Rechtskultur bis auf heutige Zeit Nahrung gewonnen hat, und die dortigen Einrichtungen wurden zum Vorbikde für die Gestaltung der akademischen Freiheit auf deuffchen Universitäten. Eingedenk dessen, was Deutschland ihr verdankt, entbiete Ich der berühmten Hochschule von Bologna zu ihrer denkwürdigen Feier Heil und Gruß: möge sie im geeinten Italien immerdar bleiben, was auf alten Münzen ihr Ehrenname sagt: in Wissenschaft und Gesitfting Bononia docens! Schloß Friedrichskron, den 6. Juni 1888. gez. Friedrich, Imp. Rex. An den Rektor der Universität Bologna.
Potsdam, 19. Juni. Die Kaiserin Vietoria Augusta mit ihren zwei ältesten Söhnen, die Kaiserin Victoria mit ihren Töchtern, sowie das großherzogliche Paar von Baden besuchten heute Morgen die Friedenskirche. — Bei ben Majestäten fand im Marmorpalais ein Frühstück statt, woran die in Berlin und Potsdam anwesenden höchsten Herrschaften teilnahmen.
Weimar, 19. Juni. Bei dem heute stattgehabten Trauergottcsdicnsie für den hochseligen Kaiser Friedrich waren anwesend: die Großherzogin, die Erbgroßherzogin, die Prinzen, der preußische Gesandte von Dcrenthall, sowie die Spitzen der Zivilund Militärbehörden.
Die Vrolrlamaiiou unseres Kaisers an sein prenkilches Volk beginnt mit einem warmen und aus schmerzbewegtem Herzen quillenden Nachruf an „den beißgcliebten Vater und Königlichen Dulder, dessen Herz für alles Große und Schöne schlug" und den Gottes unerforschli^er Ratschluß jetzt von uns genommen hat. „Der Tugenden," so kann unser Kaiser seine und unsere Trauer trösten, „die Kaiser Friedrich schmückten, der Siege, die er auf den Schlachtfeldern einst errungen hat, wird dankbar gedacht werden, so lange deutsche Herzen schlagen, und unvergänglicher Ruhm wird seine ritterliche Gestalt in der Geschichte des Vaterlandes verklären". Dann geht die Proklamation zu der Feststellung der Grundsätze über, nach denen Kaiser Wilhelm seine Regierung führen will, und erklärt schlicht und fest, mit frommem Sinn und mit der überzeugenden und gewinncneen Kraft der Worte, die von einer in Gott innerlich gefesteten und von redlichem Willen beseelten Persönlichkeit ausströmt: „Auf den Thron Meiner Väter berufen, habe Ich die Regierung im Aufblick zu dem Könige aller Könige übernommen und Gott gelobt, nach dem Beispiel Meiner Väter Meinem Volke ein gerechter und milder Fürst zu sein, Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen, den Frieden zu schirmen, die Wohlfahrt des Landes zu fördern, den Armen und Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter zu sein." Für die Erfüllung dieser Königlichen Pflichten, so sagt die Proklamation weiter, hat unser Kaiser Gott um Kraft gebeten und rechnet zu ihrer Durchführung auf die Treue seines Volkes, das stets, in guten wie in bösen Tagen ohne Wanken zu feinem Könige gestanden hat, auf die Treue seiner Unterthanen, die Kaiser Wilhelm aus vollem Herzen erwidern will, „als treuer Fürst eiies treuen Volkes, beide gleich stark in der Hingebung für das gemeinsame Vaterland". Und diesem Bewußtsein der Gegenseitigkeit der Liebe, welche ihn mit seinem Volke verbindet, entnimmt unser Kaiser die Zuversicht, daß Gott ihm Kraft und Weisheit verleihen wird, seines Königlichen Amtes zum Heile des Vaterlandes zu walten.
Tic Proklamation trägt im Vergleich mit anderen eigenartige Züge, und wenn vielleicht jedermann in einzelnen Beziehungen einen anderen Inhalt, breit, ausgesührte Grundsätze für die verschiedenen Gebiete unseres Staats- und wirtschaftlichen - Lebens oder ähnliches erwartet hat, so wird es jetzt, wo wir die Worte unseres Königlichen Herrn vor Uns haben, anderen wie uns selbst wie Schuppen von den Augen fallen und das Bewußtsein Gestalt gewinnen, daß wir mit unserem politischen Denken noch immer in für ipiS beschämender Weise in einer Zeit, die von nun an hinter uns liegen muß, wurzeln und daß der König, der sich jetzt anschickt, die von seinem Kaiserlichen Großvater ausgeftreute und mit saurer Mühe gepflegte Saat zu voller Fruchtentfaltung zu fördern, und unter dessen Führung wir
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fi Donnerstag, 21. Jnni 1888. ™ Jahrgang
10 Pig.. Reklamen für die Bette 25 Pfg._____________________________________________________Daube u. Co. in Frankfurt a.Berlin, Hannover Varis.
in eine neue Periode eintreten, so und nicht anders zu seinem Volke sprechen mußte. Die Proklamation enthält keinen „Programmpunkt" von der Art, wie sie Parteiführer der Menge vortragen, um sich ihrer Gunst zu empfehlen, nichts, woran die silbensiebende Kritik Herumstochern und wovon die Parteitendenz einen Fetzen in ehrlicher oder unehrlicher Weise zur Auffrischung ihres Lagers von Schlagwörtern auf ihre Seite zerren könnte. Die Proklamation gibt uns nicht ein Programm von Arbeitsaufgaben, nicht kalie kluge Worte, sondern den warmen Pulsschlag des Herzens und die lebendige Persönlichkeit des Königs, der vor sein Volk hintritt, um ihm zu sagen, daß olles, worauf er seine Hoffnung einer gesegneten Regierung gründet, die von ihm erflehte Gnade Gottes und die von ihm erwartete treue Liebe seines Volkes ist und daß jede Weisheit, die einen anderen Baugrund für die gemeinsame Arbeit von Fürst und Volk im Dienste des Vaterlandes legen will, trügerisch sein würde. Der Proklamation werd-n andere Kundgebungen unseres Kaisers und Königs folgen, in denen die Einzelausgaben seiner Regierung, unsere Beziehungen zum Auslande und ähnliche wichtige Dinge berührt werden; aber an der Schwelle aller dieser Erklärungen und die Regierungszeit Kaisers Wilhelm einleitenden Einzelakte steht die That dieser Proklamation. die das Band der persönlichen Beziehung zwischen König und Volk fest knüpft und dem Inland und Ausland vor Augen hält, und den Grundakkord angibt, ,bcr alle Handlungen dieses Regiments durchklingen soll: das Herrschertum von Gottes Gnaden des Königs, der seines Amtes im Aufblick zu Gott walten und seinem Volk ein treuer Vater fein will.
Deutsches Reich.
Berti«, 19. Juni. Ein kaiserlicher Erlaß vom 18. Juni ordnet für weiland Kaiser Friedrich eine am 30. Juni in allen Lehranstalten und Schulen der Monarchie abzuhaltende Gedächtnisfeier an. — Die Thronbesteigung desKaisersWilhelm werden dem Vernehmen nach verkündigen: General von Pape in Petersburg, General Graf Waldersee in Wien, General v. Schlotheim in Rom, Generalleutnant Fürst Lichnowsky beim Papst, Generalleutnant v. Derenthall in Athen und Generalmajor Graf Schlieffen I. in Bukarest und Belgrad. — Ter Kaiser machte heute ftüh einen längeren Spazierritt, empfing sodann den Generalleutnant v. Hahnke, nahm ferner Vorträge und Meldungen entgegen, arbeitete hierauf mit dem Chef des Militärkabinetts General v. Albedyll und empfing sodann verschiedene fürstliche Personen. — Dem „Berl. Tageblatt" zufolge zeigte die Kafferin-Mutter Victoria das Hinscheiden ihres Gemahls der Kaiserin-Witwe Augusta in Baden-Baden in folgender Depesche an: „Um Deinen einzigen Sohn weint diejenige, die so stolz und glücklich war, seine Frau zu sein, mit Dir, arme Mutter! Keine Mutter besaß einen solchen Sohn! Sei stark und stolz im Kummer! Er ließ Dich noch heute grüßen. Vietoria." — Prosessor Demburg betonte heute bei der Wiederaufnahme der Vorlesungen über das preußische Civilrecht, dem Kaiser Friedrich habe die Entwickelung unseres Rechtes und unserer Rechtswissenschaft gleich seinem großen Vorsahren Friedrich II. am Herzen gelegen. Wie dieser, wollte er durch einen neuen großen Codex Friedericianus der Rechtsentwickelung unv der Rechtswissenschaft einen festen Boden schaffen. Es war ihm nicht vergönnt, diesen edlen Gedanken zur Ausführung gelangen zu sehen. Kaiser Friedrich hinterließ als Herrscher einen Sohn, der die berechtigten Ideale seines Vaters verwirklichen könne. Das jugendliche, aufstrebende Deutschland habe einen jugendlichen Herrscher erhalten. Seine tiefergreifenden Worte an dos Volk, besonders die Stelle: „Ich L will meinem Volke ein gerechter und milder Herrscher M sein", müffen besondere Freude erwecken. Gerecht und mild, das sei auch unser Wahlspruch für immer. — Die Morgenblätier besprechen die Proklamation des Kaisers in Überaus sympathischer Weise, indem sie mit besonderer Genugthuung die von dem jungen Herrscher ausgestellten herrlichen Ziele hervoiheben, sowie die Betonung des Vertrauens und der Zusammengehörigkeit des Fürsten und des Volkes. Das Gelöbnis dieser Treue werde überall mit der« selben Herzlichkeit erwidert werden, mit welcher es ausgesprochen worden. Es sei zu hoffen, daß dieser