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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aua. Koch.

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- Illustriertes Sonntagsblatt.

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Friedenskirche beigesetzt.

Die Trauerfeier im

Schlosse war um 81/« Uhr beendet. Bei derselben waren auch bereits die hier weilenden auswärtigen Fürstlichkeiten zugegen. Die Trauerrede hielt Hof­prediger Persius, die Gesänge wurden vom Domchor ausgeführt. Der Text der Trauerrede des Hof­predigers Persius bei der heute nachmittag am Large Kaiser Friedrichs abgehaltcnen Trauer­feier war der Bibelspruch:Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen." Hier­auf folgte das Vaterunser und die Erteilung des Segens. Der Kaiser und die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Heinriche und das Erbprinzenpaar von Meiningen knieten sodann am Sarge nieder und verrichteten ein stilles Gebet. Tie gesamte Diener­schaft des verstorbenen Kaisers war ebenfalls bei der Trauerfeier anwesend.

Kiel, 16. Juni. Die im Hafen liegenden zehn Kriegsschiffe gaben heute vormittags einen Trauer­salut von je 66 Schuß ab. Mittags fand die

Marburg,

Dienstag, 19. Juni 1888.

des Ruhmes des deutschen Vaterlandes und immer bereit, das Herzblut für die Ehre der deutschen Flagge zu geben. Bei solchem Streben wird Gottes Segen mit uns sein. Schloß Friedrichskron, den 15. Juni 1888. Wilhelm.

DerReichsanzeiger" publizirt eine die Landestrauer betreffende Verordnung des Kaisers Wilhelm. Tie Trauer ist, wie bereits gemeldet, auf 6 Wochen anberaumt, deren Beginn vom gestrigen Tage gerechnet wird. Öffentliche Musiken, Lust­barkeiten und Schauspiel-Vorstellungen sind bis zum zweiten Tage nach der Beisetzung verboten. Der Bundesrat ist noch nicht zusammenberufen. Die Sitzung dürfte erst nach den Beisetzungseierlichkeiten erfolgen.

Tas Telegramm des italienischen Minister­präsidenten Crispi an den Fürsten Bismarck lautet ins Deutsche übertragen:Das Unglück, welches Ihr Land betroffen hat, erfüllt auch Italien mit Trauer. Obgleich unzweifelhaft vorhergesehen seit längerer Zeit, ist dieses tragische und grandiose Ende ein grausamer Schlag für unsere Herrscher, die einen erprobten Freund verlieren, ebenso für das italienische Volk, welches in Friedrich die sym­pathische und verehrungswürdige Verkörperung der glorreichen deutschen Nation erblickte. Treu ver­bunden übermittelt die Regierung des Königs Eurer Durchlaucht und ter kaiserlich-königlichen Regierung die Ausdrücke des tiefsten Schmerzes und die heißesten Wünsche für die Wohlfahrt der neuen Regierung. Genehmigen Eure Durchlaucht persönlich die Versicherung der ernsten und tiefen Teilnahme, die ich an Ihrem Schmerze nehme. Es bedarf der ganzen Kraft der Seele, wovon Ew. Durchlaucht so viele Proben abgelegt haben, um mit Festigkeit die schmerzlichen Verluste und Heimsuchungen zu über­winden. Ter englische Botschafter brachte heute dem Staatssekretär Grafen Herbert Bismarck ein Schreiben, worin er im Auftrage des Premier­ministers Lord Salisbury den tiefen Schmerz aus­drückt, womit die Königin von England die Kunde von dem Tode des ihrem Herzen so nahe stehenden Kaisers vernahm. Die Königin spricht dem deutschen Volke namens der englischen Nation die innigste Teilnahme an dem schweren Verluste durch den frühzeitigen Tod des mit Recht so innig geliebten Kaisers aus. DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht Beileidskundgebungen der Deutschen aus Bahia, Baltimore, Boston, New-Orleans, Hongkong, Kanton, Singapore, Vilmington, Val­paraiso, Kuba, Mazatlan, Genua und Jassy. Ter Oberbürgermeister von Berlin empfing Beileids­kundgebungen der Stadtbehörden von Perugia, Genua, Spezzia, Bologna und Rom. Der Reichstag dürfte, derKreuzzeitung" zufolge, auf den. 25. Juni zur Entgegennahme einer Kaiserlichen Botschaft zu­sammenberufen werden. Einige Tage später wird voraussichtlich der Kaiser dem versammelten Land­tage Preußens das feierliche Gelöbnis auf die Verfasfung ablegen. Eine Proklamation erfolgt nur an das preußische Volk in den allernächsten Tagen.

Potsdam, 16. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute mittags die verwittwrte Kaiserin Vikioria und begaben sich sodann mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich und den - meiningen'schen Herrschaften in das Sterbezimmer des Kaisers Friedrich. Das kaiserliche Paar weilte gestern bis zum Abende mit den übrigen nächsten Familienmitgliedern bei der Kaiserin-Wittwe in Friedrichskron. Nach 6 Uhr begaben sich die Majestäten mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich nach dem Marmorpalais, woselbst letztere zum Abendessen blieben. Heute vormittag nahm der Kaiser Vorträge entgegen, empfing den Hausminister Grafen Stolberg und den Oberzeremonienmeister Grasen Eulenburg. Zu den Beisetzungsfeier­lich leiten sind noch angemeldet der König von Sachsen, der Großherzog von Hessen, der Groß­herzog und der Erbgroßherzog von Weimar, Prinz Christian von Schleswig - Holstein, der Marquis of Lorne, ferner die Senatoren Burckard und Oswald, sowie Bürgermeister Versmann aus Hamburg. Graf Zedlitz - Trützschler ist hier cingetroffen. Gegen abend wird die Leiche des Kaisers eingesargt und nach der Jaspis-Gallerie gebracht, woselbst die Aufbahrung und Parade-Ausstellung stattfindet. Ter Sarg ist genau so, wie der Kaiser Wilhelms.

Deutsches Brich.

Berlin, 16. Juni. DasArmee-Verordnungs­blatt" veröffentlicht folgenden (im Auszug telegraphisch mitgeteilten) Armee-Befehl:Während die Armee soeben erst die äußeren Trauerzeichen für ihren auf alle Zeiten in den Herzen fortlebenden Kaiser und König Wilhelm I., Meinen hochve.ehrten Großvater, ablegte, erleidet sie durch den heute vormittag um 11 Uhr 5 Minuten erfolgten Tod Meines teueren, innig geliebten Vaters, des Kaisers und Königs Friedrichs III. Majestät, einen neuen schweren Schlag. Es sind wahrlich ernste Trauertage, in denen Mich Gottes Fügung an die Spitze der Armee stellt, und es ist in der That ein tief bewegtes "Herz, aus welchem Ich das erste Wort an Meine Armee richte. Tie Zuversicht aber, mit welcher Ich an die Stelle trete, in die Mich Gottes Wille beruft, ist uner­schütterlich fest, denn Ich weiß, welchen Sinn für Ehre und Pflicht Meine glorreichen Vorfahren in die Armee gepflanzt haben, und Ich weiß, in wie hohem Maße sich dieser Sinn immer und zu allen Zeiten bewährt hat. In der Armee ist die feste, unverbrüchliche Zugehörigkeit zum Kriegsherrn das Erbe, welches vom Vater auf den Sohn, von Gene­ration zu Generation geht, und ebenso verweise Ich auf Meinen Euch allen vor Augen stehenden Groß­vater, das Bild des glorreichen und ehrwürdigen Kriegsherrn, wie es schönerund zum Herzen sprechender nicht gedacht werden kann, auf Meinen teuren Vater, der sich schon als Kronprinz eine Ehrenstel.e in den Annalen der Armee erwarb, und auf eine lange Reihe ruhmvoller Vorfahren, deren Namen hell in der Geschichte leuchten und deren Herzen warm für die Armee schlugen. So gehören wir zusammen. Ich und die Armee, so sind wir für einander ge­boren und so wollen wir unauflöslich fest zusammen- halten, möge nach Gottes Willen Friede oder Stu: m sein. Ihr werdet Mir jetzt den Eid der Treue und des Gehorsams schwören und Ich gelobe, stets dessen eingedenk zu sein, daß die Augen Meiner Vorfahren aus jener Welt auf Mich herniedersehen und daß Ich Ihnen dermaleinst Rechenschaft über den Ruhm und die Ehre der Armee abzulegen haben werde! Schloß Friedrichskron, den 15. Juni 1888. W i l h e l m."

Das Marine-Verordnungsblatt bringt folgende (auszüglich telegraphisch bereits gemeldet) kaiserliche Proklamation:An die Marine! Ich mache der Marine mit tiefbewegtem Herzen bekannt, daß Mein geliebter Vater, Seine Majestät der deutsche Kaiser und König von Preußen, Friedrich III., heute vormittags 11 Uhr 15 Minuten sanft in dem Herrn entschlafen ist und daß Ich, an die Mir durch Gottes Willen bestimmte Stelle tretend, die Regierung der Mir angestammten Lande und somit auch den Ober­befehl über die Marine übernommen habe. Es ist wahrlich eine tiefernste Zeit, in der Ich das erste Wort an die Marine richte. Soeben erst sind die äußeren Trauerzeichen für Meinen unvergeßlichen teuren Großvater, den Kaiser Wilhelm I. abgelegt worden, der noch im vorigen Jahre bei seiner An­wesenheit in Kiel seine lebhafte Befriedigung und Anerkennung über die Entwicklung der Marine unter seiner glorreichen Regierung in den wärmsten Worten aussprach und schon senken sich die Flaggen wieder für Meinen vielgeliebten Vater, welcher so große Freude und so lebhaftes Interesse an dem Wachsen und den Fortschritten der Marine hatte. Die Zeit ernster und wahrhafter Trauer stärkt und festigt aber den Sinn und die Herzen der Menschen und so wollen wir das Bid meines Großvaters und meines Vaters treu im Herzen haltend getrost in die Zukunft sehen. Die Marine weiß, daß es Mich nicht nur mit großer Freude erfüllt hat, ihr furch ein äußeres Band anzugehören, sondern daß Mich seit siühester Jugend in voller Übereinstimmung mit meinem lieben Bruder, dem Prinzen Heinrich von Preußen, ein lebhaftes und warmes Interesse mit ihr verbindet. Ich habe den hohen Sinn für Ehre und sür treue Pflichterfüllung kennen gelernt, der in der Marine lebt. Ich weiß, daß jeder bereit ist/ mit seinem Leben für die Ehre der deutschen Flagge einzustehen, wo immer es sei. Und so kann Ich cs in dieser ernsten Stunde mit voller Zuversicht aussprechen, daß wir fest und sicher zusammenstehen werden in guten und in bösen Tagen, im Sturme, wie im Sonnenscheine, immer einged.nk

Feldmarschall Graf Moltke war heute nachmittag im Sterbezimmer und wurde später von den aller­höchsten Herrschaften empfangen. Die Professoren Virchow und v. Bergmann befinden sich gegenwärtig im Schlosse Friedrichskron. Abends 7 Uhr wird Oberhofprediger Dr. Kögel für die Mitglieder der kaiserlichen Familie und deren Gefolge einen Trauer- gottesdienst halten. Die feierliche Ueberführung nach der Friedenskirche, wo alsdann die Beisetzung erfolgt, dürfte am Montag, 10 Uhr vormittags, ftatifinben. Die Truppen der hiesigen Garnison find heute vormittags vereidigt worden. lieber die letzten Augenblicke desKaisers Frieorich wird gemeldet, daß nur die Kaiserin und sämtliche Kinder, ferner der Erbprinz von Meiningen und Prinz Friedrich Leopold zugegen waren. Es fand kein Todeskampf, sondern nur allmähliges Äusatmen statt. Dr. Mackenzie konstatierte den eingetretenen Tod. Die Kaiserin brach schmerz­überwältigt an der Leiche zusammen. Kaiser Wilhelm sührte seine Mutter aus dem Sterbezimmer. Dr. Mackenzie und Dr. Hovell reisen am Mittwoch Abend im Gefolge des Prinzen von Wales zurück; elfterer erwartet in Vlissingen seine Familie, mit der er auf einige Wochen nach Norwegen geht. Der , Kaiser und Fürst Bismarck sprachen mit Mackenzie. Derselbe wird einen medizinischen Bericht über die Krankheit des Kaisers erstatten. Unter zahllosen Blnmen'penden am Todenlager Kaiser Friedrichs fällt ein Kranz der Großherzogin von Mecklenburg von buschigen Lorberzweigen ohne jeden Blumen­schmuck auf. Prinzessin Maria von Sachsen-Meiningen sandte einen Kranz aus Rosen und den Lieblings­blumen des Entschlafenen; die Fürstin Bismarck sandte einen Kranz aus Marschall - Mel - Rosen und Rhododendren. Ferner fallen auf die Kränze der Garde-du-Korps und der Garde-Dragoner. In der Friedenskirche wird an der gärtnerischen Dekoration gearbeitet. Die Säulen und Brüstungen werden mit schwarzem Flor umgeben. In der Jaspis-Gallerie find die Vorbereitungen für die Auf­bahrung vollendet. Die Querfeite ist mit einem schwarzen Baldachin drapiert. Neben dem Katafalk stehen schwarze Taburetts. Prinz Heinrich und seine Gemahlin sorgten persönlich für die Arrange­ments. Heute vormittag waren die Kaiserin-Witwe und General Mischke, der Freund und Vertraute des Kaisers, wiederholt bei der Leiche in weihevoller Betrachtung. Die Obduktion der Leiche Kaiser Friedrichs fand in den späten Nachmittagsstunden statt. Außer den behandelnden Ärzten waren die Prosefforen Virchow und Waldeyer sowie Haus- mirifter Graf Stolberg zugegen. Das Ergebnis war, daß Krebs konstatiert wurde. Im Laufe des Nachmittags waren unter den den sterblichen Über­resten des Kaisers die Ehrfurcht Bezeigenden die Vertreter der Berliner Universität, Akademie und technischen Hochschule. Zur Teilnahme an der dar­aus beginnenden Trauerfeier im Jaspissaal waren versammelt: das Kaiserpaar, die Kaiserin--Witwe, Prinz Heinrich und Gemahlin, die gesamte königliche Familie, der Erbgroßherzog von Sachsen, der mili­tärische und engere Hofstaat. Der Weg von Friedrichskron bis zur Friedenskirche ist in eine Trauerftraße umgewandelt. An der Friedenskirche wird ein Anbau für das Mausoleum errichtet, in welchem Kaiser Friedrich die letzte Ruhe findet. Einstweilen werden die sterblichen Überreste in der

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b Blatte-, sowie b. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. SR.. Cassel, Magdeburg u. Ären; Dtuboli XXIII. Jaüraana. Moste in Frankfurt°. M-, Berlin, München u. Köln; A- L

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Vari-

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