Illustriertes Sonntagsblatt.
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Potsdam, 15, Juni.
i.
Kaiser Friedrich ist heute vormittag 11 Uhr 15 Minute«
sanft entschlafen
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einzuflößen, die aber abgelehnt wurden. Der apathische Zustand hielt auch heute an, der Kaiser konnte keine Nahrung nehmen und wurde stetig schwächer. Die Hofphotographen Reichard und Lindner waren heute früh 9 Uhr auf Allerhöchsten Befehl zur photographischen Aufnahme des Kaisers in seinem Arbeitszimmer, sowie auf der Terrasse in Friedrichs- kron erschienen. Der Kaiser blieb aber im Bette. Die DDr. Leyden, Krause, Senator kehrten sofort nach der Konsultation nach Berlin zurück." - Die »Voss. Ztg." berichtet: .Am Morgen noch konnte der hohe Kranke seine Tochter, die Prinzessin Sophie, die ihren Geburtstag begeht, mit seinen Glückwünschen erfreuen, den letzten wohl, welche die Tochter von dem geliebten Vater empfing. Die künstliche Ernährung hat noch stattgesunden. Die geistigen Kräfte sind klar, wenn auch nicht so rege, wie bisher." — Der .Berl. Börs.-Cour." schreibt: Das bedenklichste Zeichen ist das amtlich konstatierte Sinken der Kräfte. Die Fassung der ärztlichen Kundmachung erinnert an die Fasiung der Bulletins, welche über das Befinden Kaiser Wilhelms am Tage vor seinem Hinscheiden ausgegeben wurden. Ter Puls setzte in der Mittagszeit wiederholt längere Zeit aus, zeit- weilig war auch das Bewußtsein geschwunden." Vom Abend: Es ist klar, daß Lungenentzündung vorliegt, ein Wunder fast nur kann den Kaiser retten. Schmerzen empfindet er in keiner Weise, die starke Entkräftung hat zu einer gewissen Apathie geführt, die nur zeitweise unterbrochen wird. Es sind Versuche zu weiterer Ernährung gemacht, indesien ist der Erfolg gering. Die Kaiserin ist heftig bewegt, und behauptet nur mit Aufwand aller Kräfte ihre Fassung. Ausgeschlosien ist übrigens nicht, daß noch ein stärkeres Aufflackern der Lebensgeister stattfinden kann, wie es auch bei Kaiser Wilhelm noch am Abend vor seinem Tode eintrat. Die Besserung im Fieber wird kaum für die Nacht vorhalten.
Die „C. C." schreibt: Seit der abgelaufrnen Nacht ist in dem Befinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs die mit banger Sorge befürchte Wendung zum Schlimmsten eingetreten, nachdem es gestern im Lause des Tages schien, als solle es der Sorge und^ der Kunst der Aerzte unter Gottes gnädigem Beistand noch einmal gelingen, die äußerste Gefahr von dem teuren Haupte des Monarchen abzuwenden. Zu dem lokalen Leiden ist eine einseitige Lungenentzündung mit hochgradigem Fieber hinzugetreten. Die Kräfte des erlauchten Patienten nehmen in erschreckender Weise ab. Um das Sckmerzenslager Seiner Majestät find sämmlliche Mitglieder des
Teilnahme und die Aufregung im Publikum sind groß. Vor dem Schlosse Friedrichskron sind zahlreiche Menschenmassen versammelt. Prinz und Prinzessin Heinrich sind soeben vorgefahren.
Berlin, 14. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt zu dem heutigen Bulletin: Aus demselben geht hervor, daß, so tief und schmerzlich der Gedanke auch ist, man mit der bevorstehenden Katastrophe rechnen muß. Wie die »Nordd. Allg. Ztg." erfährt, haben sich bei dem Kaiser sehr bedrohliche Erscheinungen eingestellt; die Atmung ist schwierig und mühsam, die Ärzte glauben an em Übergreifen des Krankheitsprozesses auf die Lunge. Die Kräfte nehmen sichtlich ab, auch die Teilnahme des hohen Patienten an den Vorgängen um ihn her ist geringer geworden.
Diese erschütternde Nachricht findet in folgender Privatmitteilung eine traurige Bestätigung und Erklärung: Der Kaiser ist in der verflossenen Nacht von einer linksseitigen Lungenentzündung befallen worden. Tas Fieber ist zwar heute gegen vormittag mäßiger geworden, Puls und Atmung sind aber beschleunigt. Es soll bereits Agonie eingetreten sein, so daß die Katastrophe zu beftuchlen steht. Tas deutsche Volk Hal sich also zum zweiten Male in diesem unglückvollen Jahre auf einen schweren Schlag gefaßt zu machen, den schwersten, der seine monarchische Seele treffen kann. Das furchtbare Leiden, das seit länger als Jahresftist an der Gesundheit unseres geliebten Kaisers genagt hat, hat anscheinend sein Zerstörungswelk vollbracht und die letzten Bollwerke, welche dies teure Leben schützten, überwunden. Keine der Leidensstationen, welche der typische Kehlkopfkrebs zeigt, ist dem hohen Patienten erspart geblieben: aus der Keinen Geschwulst ist allmählig ein Übel erwachsen, das nacheinander den Kehlkop', die Luftröhre, die Speiseröhre vernichtet hat und jetzt sich anscheinend anschickt, auch noch in die Lungen vorzudringen. Gewaltig war der Widerstand, den die krafwolle Statur des Monarchen den Leiden entgegensetzte, gewaltiger noch der Heroismus und der Duldermut, den sein Geist ihm entgegentrug.
Die „Post" schreibt: »Der Kaiser ist gcflein Nachmittag von seinem bisherigen Krankenbett nach dem Arbeitszimmer umgebettet worden. Tie hohen Fenster-und Thürflügel waren bis spät in die Nacht weit geöffnet und Lakaien wehten mit Fächerwedeln die Mücken von dem in apathischen Zustand gesunkenen Monarchen ob. Um 3 Ühr Nachts wurde Mackenzie geweckt und versuchte dem im Zustande großer Schwäche befindlichen Kaiser Nahrungsmittel
Vom Kaiser.
Potsdam, 14. Juni, 1 Uhr 40 Minuten. Der Kronprinz und die Kronprinzessin verweilen augenblicklich im Schlosse Friedrichskron. Tie Kaiserin befindet sich seit 4 Ühr morgens am Bette des Kaisers, dessen Befinden seit 10*/i Uhr vormittags ein klein wenig besser ist. Prinz Heinrich ist von Erdmannsdorf eingetroffen und im Stadtschlosse abgestiegen. Die Erbprinzessin von Meiningen wird in Fried- richskron erwartet. Der Justizminister Dr. Friedberg ist soeben dort eingetroffen.
Potsdam, 14. Juni, nachmittags 2‘/» Uhr. Die seit heute vormittag eingetretene leichte Besserung im Befinden des Kaisers hält an. Der Reichskanzler und der russische Botschafter trafen um 1 Uhr - 40 Minuten in Friedrichskron ein.
Potsdam, 14. Juni, 5.15 M. nachm. Der besorgniserregende Zu st and des Kai.sers ist im Ganzen unverändert; das Abhusten ist erschwert. Ter Kronprinz hat bis auf Weiteres Aufenthalt im Schloß Friedrichkron genommen. Der Reichskanzler und der Kriegsminister sind nach Berlin zurückgekehrt, der Justizminister weilt noch hier. Nicht der russische Botschafter, sondern der russische Militärbevollmächtigte Kutusoff war heute Nachmittag gegen 2 Uhr hier eingetroffen.
Potsdam, 14. Juni, 8.30 M. abds. Tas Bulletin von Abends halb 7 Uhr lautet: Im Zustande des Kaisers ist im Laufe des Tages keine wesentliche Veränderung eingetreten. Die große Schwäche dauert an und erregt ernstliche Besorgnisse.
Potsdam, 14. Juni, 9.15 abds. Der Zustand des Kaisers ist unverändert, v. Caprivi, Leyden und Krause sind nach 8 Uhr nach Berlin zurückgekehrt.
Berlin, 14. Juni, 10 Uhr 40 M. nachts. Der Zustand des Kaisers ist bis jetzt unverändert. Er liegt in einer Art Halbschlummer, ist aber, wenn er erwacht, bei vollem Bewußtsein. Er erkennt daun seine Umgebung und lächelt Einzelnen freundlich zu. Am Nachmittag hat der Kaiser sogar noch einige, Staatsangelegenheiten betreffend? Notizen geschrieben. Das Fieber ist £;'tn der großen Schwäche nicht yoch. Die Aerzte flößen dem Leidenden Stimulantien ein und machen Kampferinjektionev. Alle Mitglieder des kaiserlichen Hauses bleiben die Nacht hindurch im Schlosse. Tie Kaiserin-Mutter Augusta wird aus Baden-Baden erwartet. (Fr. Ztg.)
Potsdam, 14 Juni, 11 Uhr 34 Min. nachts. Der Zustand des K a i s e r s sst unverändert. Dte
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