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Rechte und Vorteile verkürzen wollten, kurz man

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Kreise ihr Herz für die Arbeiter entdeckt hatten,

gehenden Vorschlag heraus und dcduzirt aus dem­selben, indem man ihn als Ansicht der gesammten deutschen, bei der Arbeiterversicherung beteiligten Arbeitgeber hinstellt, daß die letzteren kein Herz für

bereits im Bundesrate einer eingehenden und gründ­lichen Beratung unterzogen, neben ihm dürsten aber allem Anscheine nach dem Reichstage in seiner nächsten Session auch eine Novelle zum Krankenversicherungs-

nicihett. ius.

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Demgegenüber dürfte es an der Zeit sein, daran zu erinnern, daß unsere gesamten bisherigen sozial politischen Errungenschaften neben unserem hoch- seligen Kaiser Wilhelm und dem gegenwärtig noch leitenden Staatsmanne vornehmlich gerade den In­dustriellen und Gewerbetreibenden selbst zu verdanken

Sachlage ist nichts natürlicher, als daß sich unsere wirtschaftlichen Korporationen, unserer Arbeitgeber, Vereine und Vereinigungen mehr denn je schon jetzt mit den Fragen der Reform auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung beschäftigten und auf Grund der praktischen Ersahrungen ihrer Mitglieder zu Vorschlägen über die ihrer Meinung nach notwen­digen Maßnahmen gelangen.

Praris rmd Mllettlmtismus.

Nach den Ankündigungen, welche seitens der Vertreter der Rcichsrcgierung in der letzten Reichs­lagssession bei den sozialpolitischen Beratungen ge­macht wurden, ist mit Sicherheit anzunehmcn, daß in kurzer Zeit sich unsere gesetzgebenden Körper­schaften mit einer ganzen Reihe von Abänderungen und Ergänzungen derArbeiterversicherungsgesetzgcbung

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an den Grundlagen unserer Arbeitervcrsicherungs- gesetzgebung gearbeitet und sich zu materiellen Opfern für das Wohl ihrer Arbeiter bereit gefunden hatten. Es ist selbstverständlich, daß die Konsequenzen, welche einmal erlassene Gesetze im Gefolge haben, so lange getragen werden, als die Gesetze selbst bestehen; man sollte doch aber nicht zu schnell vergessen, welche Beiträge unsere Arbeitgeber nunmehr schon seit einigen Jahren zur Kranken- und Unfallversicherung zahlen und welche sie wahrscheinlich zur Alters- und Invalidenversicherung zahlen werden. Zieht man in Betracht, daß sie die Kosten der Krankenver­sicherung zu einem großen Teile, diejenigen der Unfallversicherung vollständig tragen, und demnächst die Erfordernisse für die Alters- und Invalidenver­sicherung gleichfalls zu einem großen Teile direkt werden decken müssen, so wird man doch unmöglich von ihnen verlangen dürfen, daß sie einigen sozial- politifchen Dilettanten die Sorge für die Bestimmung derjenigen Modalitäten überlassen sollen, unter denen aus ihrem, aus der Arbeitgeber Geldbeutel die Für­sorge für die Arbeiter entweder ganz oder zum großen Teile bezahlt wird. Die Vorschläge, welche die einzelnen Vereinigungen der Arbeitgeber der öffentlichen Diskussion und dem Urteil der maß­gebenden Stellen unterbreiten, sind, wenn auch einzelne von ihnen nicht angebracht sein mögen, in ihrer Gesamtheit immerhin mehr wert, als die schönsten sozialpolitischen Programme und Systeme, die in der Stube gelehrter Dilettanten zusammen­gestellt sind; denn jene verdanken ihre Entstehung der Praxis, diese aber meist einer wenig nützlichen Liebhaberei. Die Praxis aber hat noch stets den Dilettantismus aus dem Felde geschlagen.

Deutsches Reich.

Potsdam, 7. Juni. Der Kaiser machte gestern eine Spazierfahrt und nahm heute die Vor­träge des Generals von Albedyll und des Kriegs­ministers entgegen. Zum Diner sind keine Ein­ladungen ergangen. Zum Thee ist Fürst Anton Radziwill geladen. DiePost" schreibt über den Zustand des Kaisers: Der Hustenreiz ist wieder stärker geworden und der vermehrte Eiterabfuß be­einträchtigt das Allgemeinbefinden und auch die Ge­mütsstimmung des hohen Patienten die sich jetzt häufiger wiederholende Kanülenreinigung verursacht trotz der äußerst gewandten Handhabung der behan­delnden Aerzte mancherlei Unbequemlichkeiten, welche auf die Stimmung des Kaisers einwirken. Ter erste Teil der Nächte läßt viel zu wünschen übrig, während

gegeben. Die Eingabe verlangt die Einrichtung von Lehrstühlen an den technischen Hochschulen für chemische Technologie der Textilgewcrbe und Farbentechnik. Zu der Konferenz sind vom Kultusminister zahl­reiche Einladungen an beteiligte Industrielle und sonstige Sachverständige ergangen; auch werden sich selbstverständlich die Leiter des technischen Unter­richts in den Ministerien beteiligen.

Eisenach, 5. Juni. Gestern gelangten die Verhandlungen der Kirchenkonferenz über das Ver­fahren bei Taufen nicht mehr völlig unmündiger Kinder zum Abschluß. Nach den den Kirchcn- regierungen empfohlenen Grundsätzen soll die Taufe solcher Kinder, sofern sie nicht widerstreben, in der Regel ohne Aufschub erfolgen und in der Form der Kindertaufe, unter Zuziehung von Pathen vollzogen werden. In dem Maß, als der Täufling bereits zu entwickelterem Bewußtsein gelangt ist, kann eine angemessene aktive Beteiligung desselben stattfinden. Ist derselbe schon fähig, am Konfirmandenunterricht teilzunehmen, so ist die Taufe möglichst in den An­fang der Unterrichtszeit zu legen und die Konfirmation nachher in gewöhnlicher Art zu vollziehen. Hieran schloß sich nach Erledigung einiger geschäftlicher Fragen, betreffend das allgemeine Kirchenblatt und die Kassenverwaltung, die Verhandlung über die kirchlichen Perikopen, welche von einer aus hervor­ragenden Theologen zusammengesetzten Kommission vorbereitet war. Es handelt sich hier teils um eine Verständigung in Auswahl und Abgrenzung der altkirchlichen Perikopen, wie sie von der Reformation aus der älteren Ueberlieferung übernommen sind, teils um Vereinbarung über geeignete Ergänzung der alten Perikopen durch ähnliche Stücke aus dem neuen und dem alten Testament, welche zum ab­wechselnden Gebrauch, sei es als Predigttexte, sei es als biblische Lektionen, darzubieten sind. Endlich steht auch eine Normalform für die Zusammen­stellung der Leidensgeschichte nach den vier Evangelien zum Gebrauch namentlich in der Passionszeit in Frage. Die Konferenz entschied sich dafür, daß eine Verständigung unter den Kirchenregierungen über diese Frage wünschenswert sei, und versah die mit dieser Arbeit beauftragte Kommission mit einigen grundlegenden Anweisungen. Schließlich wurde über den Ertrag der von der Eisenacher Konferenz im Jahre 1884 angeregten und in mehreren Landes­kirchen eingeführten Kirchenkollekte für deutsch- evangelische Gemeinden im Auslande, sowie über die Verwendung dieser Sammlung in den einzelnen Landeskirchen Bericht erstattet. Die weitere Aus-

gegen Morgen erquickender, ruhiger Schlummer ein­tritt. Die Körpertemperatur erfährt zeitweise eine bis jetzt glücklicherweise nicht bedenkliche Steigerung. Tie schon so oft bewunderte kräftige Konstitution des Kaisers wird, wie die Aerzte hoffen, bald auch diese durch die Lustveränderung und Uebersiedelung her­vorgerufenen Störungen überwinden. Seit einigen Tagen begleitet die Aerzte nach Friearichskron der Hofbandagist und chirurgische Instrumentenmacher Windler, welcher Bei der Kanülenreinigung und bei etwaigen Erneuerungen des Verbandes, der ver­wendeten Gaze u. s. w. hilfreiche Hand leistet.

Berlin, 7. Juni. Von einer Reise des K a i s e r s nach Reinhardsbrunn ist keine Rede. Der Reichs - Anz." publiziert heute das Gesetz, betreffend die Ab­änderung des Artikels 73 der preußischen Verfassung (Einführung der fünfjährigen Legislaturperioden.) Das Gesetz trägt das Datum vom 25. Mai c. Der Finanzminister hat sich nach einem Erlaß an die Steuerbehörden zur Herbeiführung eines gleichmäßigen Verfahrens, der von der Mehrzahl der Steuerbehörden bisher geübten Praxis ent­sprechend, damit einverstanden erklärt, daß von land­wirtschaftlichen, nicht mehr' als 3000 Liter Bottich- raum durchschnittlich an einem Tage bemaischenden Brennereien, auch wenn dieselben während der Zeit vorn 1.6. Juni bis 30. September v. Js. nicht dauernd geruht haben, nur die ermäßigten Maisch- bottlchsteuersätze des § 41 2 Absatz 2 des Brannt­weinsteuergesetzes vom 21. Juni v. Js. erhoben werden, sofern diese Brennereien tm laufenden Be­triebsjahre während der Zeit vom 16. Juni bis 30. September außer Betrieb bleiben. Tie gleiche Vergünstigung ist den in Rede stehenden Brennereien auch für die Folge einzuräumen, wenn die Inhaber derselben jedesmal zu Beginn eines neuen Betriebs­jahres die Verpflichtung übernehmen, über den 15. Juni des betreffenden Jahres hinaus entweder gar nicht oder nur gegen Nachentrichtung des Unter­schiedes zwischen den ermäßigten und dem vollen Maischbottichsteuersatze für alle seit dem vorange­gangenen 1. Oktober vorgenommenen Einmaischungen weiterzubrennen. Im Kultusministerium findet Sonnabend, den 9. Juni, unter Vorsitz des Ministerial-Direktors Wirkt. Geh. Rats Greiff eine Konferenz von Sachverständigen statt, welche sich mit der Frage des Unterrichts in der organischen Tech­nologie, speziell der Farbentechnik, beschäftigen soll. Die Veranlassung zu dieser Konferenz wurde der N. Pr. Ztg." zufolge durch eine Eingabe des Vereins der chemischen Industriellen Deutschlands

zu beschäftigen haben werden. Ter Entwurf eines Alters- und Jnvalidenversicherunggesetzes wird ja

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Marburg,

Sonnabend, 9. Juni 1888

ihre Arbeiter hatten, daß sie die den Arbeitern durch e nwS $te neuere sozialpolitische Gesetzgebung gewährten

| bemüht sich, mit solchen und ähnlichen aus sozial­demokratischem Arsenal übernommenen Verdächtigungen L die Reformvorschläge, die aus der Praxis hervor- ; gehen, herunterzufetzen, dagegen die Gedanken, welche J in der Stube dilettantischer Gelehrten zu Papier I gebracht wurden, in ein umso helleres Licht zu rücken.

ohnunz. . ..

[3631t" bud und daß diese schon lange vorher, ehe die jetzt Bgl in sozialpolitischen Dingen das große Wort führenden

. , gesetz und ein weiterer Entwurf zum Ausbau unserer lnzelnm llnfallbersicherungsgesetzgebung zugehen. Bei dieser

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Zimmer r Bah», (3616 ilgcnt.

besteh^ immern Wasser.

Erscheint täglich außer an Werktage« nach Sonn» und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Erpe- dition 2'/. Mk., bei den Postämtern 2 Ml. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler

XX11L Jahrgang

Daube u. Eo. in Frankfurt a. W., Berlin, Hannover. Bari«

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Expedition Martt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Koch.

___ Die Bemühungen der industriellen und gewerb-

Woh- r lichen Kreise nach dieser Richtung werden nun er mit i neuerdings von gewissen Stellen aus zu diskreditiren versucht, man greift einen vielleicht an sich zu weil

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Feindliche Gewalten.

Roman von E. Mace.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung)

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Sie hatte absichtlich auf dem Verdecke einen ein­samen Platz ausgesucht, sie naren deshalb für den Augenblick vor jeder Störung sicher. Auf dem Ge­sichte des MaumS zeigte sich mitleidsloser Triumph; seine Augen glichen deu:n eines Tigts, welcher eben auf seine Beute losstürzeu will.

Also Du erwartetest mir zu entschlüpfen?' sagte er endlich, daS entsetzliche Schweigen brechend.Nun ich bin hier, Mylady, wir wollen die Reise zusammen machen; ich habe schon lange daran gedacht, ob eine Seereise nicht gut für meine Gesundtheit wäre.'

Woher erfuhrst Du?*

Als sie diese Frage aussprach, klang ihre Stimme wie eine sonst schön klingende Glocke, welche gesprungen ist und jetzt hohl und mißtönend klingt. Er zog einen Bries aus der Tasche und hielt ihr ihn hin; es machte seinen Triumph um so größer, ihr zu beweise», daß etu treu geglaubter Freund sie ver­raten habe.

Ein Teil seines Rachedurstes wurde auch gelöscht, als er den Ausdruck sah, den ihr Gesicht annahm, als sie einen Biick auf das Blatt geworfen hatte. Trotzdem die Handschrift verstellt war, erkannte sie doch sofort den Schreiber und halte nun den Beweis seines Verrates. Jetzt sah sie alle»; sie hatte Harvey Barclay iu die Hand gespielt. Jetzt gab eS nichts wehr, seine Heirat mit Mary Horu zu hindern. Dieser Gedanke belebte daS schon erstarrte Blut aufs Reue und jagte eS tobend durch ihre Adern; er erweckte sie aus der dumpfen Apathie deS Entsetzens, welche jedes Gefühl betäubt hatte.

Nun wohl," sagte sie, ihre bleichen Lippen zu einem geisterhaften Lächeln zwingend,nun wohl, Tom Wiudom, Du hast gewonnen und ich habe verloren. Dein Spielerglück ist zurückg kehrt.'

Und ich will es festhalten, daß es mir nie wieder entschlüpfen soll.'

Weißt Du, wer Dich benachrichtigte?'

Nein, doch ick werde meine Verpflichtung gegen ihn niemals vergessen.'

Das glaube ich gern, daß Du ihn nicht ver­gessen wirst, denn Du hast ihm noch eine andere Schuld zu bezahlen. Soll ich Dir sagen welche? Als ich Dich vor sechs Jahren verließ, Tom, glaubtest Du, es wäre Henry George gewesen, der mich dazu ver­leitete. Henry George hat sich niemals so sehr für mich interessilt; ich war ihm Nichts. Willst Du wissen, wer es war? Es war der Schreiber dieses Briefes, den Du mir soeben gezeigt hast. Er wollte Dich und mich aus dem Wege schaffen und hat uns beide zu seinen Werkzeugen gemacht.'

Sein Name?'

Seine Stimme war stickt und heiser, doche jede Silbe vibrttte von unauslöschlichem Haffe.Sein Name?' . .

Sie hielt inne und lächelte unheimlich.Harvey Barclay ist sein Name.'

Am anderen Ende des Schiffes wurde es unruhig, der Pilot war im Begriffe, zurückzugehen. Ehe sie feine Absicht erraten hatte, erfaßte Windom mit stählernem Griffe ihren Arm. ,

Komm', sagte er,wir kehren mit ihm zurück. Ich habe geschworen, daß meine Schuld nicht un­bezahlt bleiben feil. Ehe die Sonne finkt, soll fie bezahlt fein!'

Sie wollte sich losringen, doch et zog sie an die andere Seite des Schiffes.

Wir wollen mit zurückkehren!' rief er laut.

Es «folgten einige Fragen, einige Worte der Erklärung und der Pilot zeigte sich geneigt, seine unerwarteten Passagiere mitzunehmen. Der Mann stieg znnst ins Boot; Helene folgte, doch als fie auf die Uebergangsplauke trat, riß sie plötzlich ihre Hand aus der Tom Windows und diejenigen, welche zusahen, konnten nicht unterscheiden, ob es Zufall oder

Absicht war, daß ihr Fuß ausglitt, allein fie fiel ohne einen Schrei auszustoßen, in das Meer und die Wellen schlossen sich über ihrem Kopfe.

Ein Matrose, welcher unweit davon stand, sprang ihr sogleich nach, doch er erzählte später, daß, als er sie retten wollte, sie sich von ihm losrtß und er, um fein eigenes Leben zn retten, genötigt war, an die Oberfläche zu schwinnen.

(Schluß folgt.)

1. Warum singt mau in -er Kirche die beiden LiederKomm heiliger

Geist" «udHerr, sei gelobet" ohue Orgelbegleituug?

(Schluß.)

Im 15. Jahrhundert war die Orgel noch ein sehr unvollkommenes Instrument und dem entsprechend war auch das Orgelspiel, da noch nicht aus allen Tonarten auf derselben gespielt werden konnte. Die Ocgelstücke selbst waren sehr primitiver Natur und höchstens dreistimmig. Beispiele finden sich in Chry fanbei 3 Jahrbuch für Musikwissenschaft im 2. Band. Iu jener Zeit begleitete die Orgel weder den Priester, noch den Lhorgesaug, sondern füllte nur, wie bereits bemerkt, einen Teil der Pausen im KnltuS aus. Das Orgelspiel selbst wird in Urkunden .orgeln' genannt. Als z. B. im Jahre 1458 ein gewisser geistlicher Herr, namens Johann Ouinckus, dem Marburger Domini­kanerkloster 100 Gulden testamentarisch schenkte, be­stimmte er, daß in der Domioikanerkirche jeden Donnerstag eine Messe de corpore Christi mit orgeln und der Sequenz lauda sion salvatorem celebriert werde. Nachdem die Generalsynode zu Homberg im Oktober des Jahres 1526 die Einführung der Reformation in Hessen beschlossen hatte, fing man in Marburg damit an, den Hymnus auf die Jungfrau Maria salve reglna nicht wehr beim Kultus zu singen, und die Vigilien, Seelenmessen und Jahresgedächtuifle

für Verstorbene abzustellen, und der Stadtmagistrat ließ dem Organisten an der Pfarrkirche, Johannes Dorst, ansagen,man würde ihm nichts mehr geben, wenn er orgelte, so sollten ihm die Baumeister ge­nannter Kirche jedesmal 1 Albus geben.' Später, nachdem die Orgel sich vervollkommnet hatte, spielte der Organist die einzelnen Sätze eines Hymnus vor, und der Chor sang alsdann dieselbe nach. Der im Jahre 1530 den 6. Dezember zu Herzbrnck in Franken geborene und am 24. Mai 1592 zu Leipzig verstör, bene berühmte Theologe Dr. Nikolaus Selwccer, Komponist der MelodieNun laßt uns Gott den Herren,' spielte schon in feinem 12. Jahre die C.gel in der Kapelle zu Nürnberg und verdiente damit seinem Vater jährlich 12 Thal« und 2 Fuder Holz. Einst mußte er König Ferdinand, der sich öfters in Nürnberg aufhielt und mit dem jungen Künstler be- fannt geworden war, an einem Sonntagedas ganze Magnificat (Ev. LncaS 1, 4658) in der Vesper spielen und mit den königlichen Säugern abwechseln.' Der Knabe gefiel dem Könige wegen seiner Geschicklichkeit so sehr, daß er seinen Leuten befahl, ihn heimlich zu entführen, welches auch ohne Zweifel geschehen wäre, wenn fein Vater nicht von dem Gastwirt, bei welchem der König logierte, gewarnt worden wäre, feinen Sohn zu Hause zu behalten und nicht wieder zu des Königs Musikanten zu schicken, die würden ihn sonst entführen.

Die für den Chorgesang geschriebenen 4 stimmigen deutsch. evangelischen Gesangbücher des 16. Jahr. hnndertS überweisen zum größten Teil die Melodie des betreffenden Liedes dem Tenor. Solche 4 Stimmen Baß, Tenor, Alt, Diskant in 4 Liniensystemen über einander gestellt auf der Orgel zu spieleo, er. fordern nicht nur große Fertigkeit im Orgelspieler!, sondern auch Gewandtheit tm llebersehen der ohne Taktstriche gesetzten Noten, da nebenbei eS noch sehr häufig vor kommt, daß nicht nur der Tenor über den Alt, sondern auch der Diskant unter letzteren unb bet Baß über den Tenor zu stehen kommt. Gesangbücher deS 17. Jahrhunderts, welche zugleich als Choral-