Einzelbild herunterladen
 

MchWe MW

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt ftr die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Reaktion, Druck uud Berlag von Joh. Luq. Koch.

M 101.

Erscheint täglich außer an Werktage» «ach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2«/. Mk., bei den Postämter« 2 äRL 50 Pfg. (exkl Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marbirrg,

Sonntag, 29. April 1888.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M-. Coffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Most« in Frankfurt a. W-, Berlin, München u. Köln; El. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

XXIII. Jahrgang.

Für die Monate Mai und Juni nehmen alle Postanstalten, aus dem Lande die Landpostboten, sowie in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen auf die

Overheffsche Zeitung

mit ihren Gratis-Beiblättern Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und

Illustriertes Soaatagsblatt entgegen.

Bestellungen für hiesige Stadt nehmen unsere Expedition und unsere Zeitungsträger an.

Neuzugehenden Postobouncnten für die Monate Mai und Juni werden die Nummern dieser Woche gratis nachgeliesert.

Wochenschau.

Wenn die Not am größten, ist die Hilfe am nächsten! Mit welcher furchtbaren Seelenangst wurden zum Ende der vorigen Woche die Bulletins vom Krankenlager unseres Kaisers erwartet, wie groß war die Sorge für sein Leben! Mochten auch wohl nicht wenige stark übertriebene Nachrichten mit unterlaufen, es bestand doch kein Zweifel darüber, daß die Gefahr für das Leben des teuern Herrn außerordentlich angewachscn war. Dos Fieber hatte einen sehr hohen Stand erreicht und verzehrte die Kräfte des Kranken, der Appetit war gesunken, die Nächte wurden schlaflos zm» großen Teil verbracht. Es waren Tage bitterer Besorgnis und Mancher mag sich wohl auf das Aeußerste vorbereitet haben. Aber der alte, treue Gott hielt feine schützende Hand m Wahrheit über den Kaiser. Mit dem Beginn der gegenwärtigen Woche ließ das Fieber nach, der Schlaf wurde erquickender. Noch war es zweifelhaft ob diefe Besierung anhalten werde, es konnte nur ein zufälliges Auftauchen günstigerer Erfcheinungen sein. Aber auch die nächsten Tage vergingen, und das Wohlbefinden des Kaisers nahm, wenn auch nicht viel, so doch stetig zu. Und so ist es bisher

Feindliche Gewalten.

Roman von E. Ma er.

(Rachdruck verböte«.) (Fortsetzung.)

Als ich mich wieder zu Mr. Barclay wandte, lächelte ich; die Welt wenigstens brauchte cs nicht zu wissen, wenn wir das Herz brach, das gelobte ich mir im Stillen.

.Darf ich wieder kommen?" fragte er.

Und trotzdem ich ihn des Kummers wegen, den ei über mich gebracht, haßte, antwortete ich: ja, er dürfe kommen. Nun, die Tage gingen vorüber uud jeder Tag, glaubte ich, müsse Dich bringen, und jeden Tag vermindelte sich der Stolz, der mich aufrecht erhielt, uud der Schmerz in meinem Herzen wurde immer stärker, bis meine Schwäche mich hierher führte, nm zu erfahren, daß meine Wunde tätlich ist, daß daß _ eine erudere meinen Platz eingenommen!"

Die letzten Worte verloren sich in stöhnendem Schluchzen; sie wandte sich, um ihn zu verlassen, doch mit einem Schritte war er an ihrer Seite. Die Gleichgültigkeit war aus seinem Gesichte verschwnudeu, die Strenge gewichen, die eisige Verachtung war fort. Die Bläffe war vielleicht noch mehr hervorgetretev, doch seine Augen glühten und seine Lippen bebten.

.Helene, ist diese Geschichte, die Du mir hier er. zählt hast, wahr?"-

,3a, sie ist wahr," antwortete sie fest.Uud jetzt, wo der Kelch meiner Demütigung durch dieses Geständnis bis zum letzten Tropfen geleert ist, burt) dieses Geständnis, das ich dem Geliebten einer an­deren wachte, will ich Dich verlassen. Ich brauche Dich nicht zu bitten, mich zu vergessen, das hast Du ohnehin schon gelernt, ich kann nur Gott bitten, daß er auch wir Vergessenheit sckeuke!"

Wieder wachte sie eine Bewegvng, uw zu gehen, doch seine Hand faßte ihren Arm und hielt sie zurück.

»Helene," flüsterte er nnb sein Gesicht glühte vor

geblieben. Die Gefahr ist ja bei Weitem nicht völlig gehoben, aber die Hoffnung kommt doch auch wieder zu ihrem Recht, und wir können aunehmen, der Kaiser wird uns noch längere Zeit erhalten bleiben, das Pfingstfest wenigstens frei von Trauer ein. Die Kunst der Aerzte bietet das Aeußerste auf, die Gewalt des tückischen Leidens zu mindern, und der Kaiser unterstützt sie kräftig mit seinem guten Mut. Zu dem Schlosse in Charlottenburg aber, in welchem der kranke Kaiser liegt, pilgern Tag für Tag Tausende hinaus und schicken ihre heißen Gebete zum Himmel empor. Mit voller "legender Gewalt zieht der Frühling ins Land, er wird, so hoffen wir, auch Kaiser Friedrich die nötige Kraft bringen, der Krankheit zu widerstehen.

Das Ereignis der Woche war der Besuch der Königin Viktoria von England in Charlottenburg, um der Tochter Trost zuzusprechen, ihren schwer­leidenden Schwiegersohn noch einmal von Angesicht zu Angesicht zu begiüßen. Denn daß der Kaiser, selbst im günstigen Falle, wieder über die See nach London wird reisen können, ist doch mehr als fraglich. Manche nicht eben angenehmen Erörterungen waren der Reise der Königin vorausgegangcn. Es ist erfreulich, daß sie alle vor der Thatsache verstummten, daß der Mutter der deutschen Kaiserin in der Reichs­hauptstadt ein freundlicher Empfang zu Teil wurde. Die hohe Frau kam mit ihrer kaiserlichen Tochter wiederholt nach Berlin und bei jeder neuen Fahrt wurde sie herzlicher begrüßt. Königin Viktoria wird von dieser Reise, so traurig auch der Beweggrund dazu war, doch tröstende Erinnerungen mit nach England heimnehmen. Auf der Reise aus Florenz nach Berlin hatte sie in Innsbruck eine Begegnung mit dem Kaiser Franz Joseph von Oesterreich. Natürlich hat diese Begegnung ebenso wenig einen politischen Hintergrund, wie der Besuch in Berlin und Charlottenburg und in gerechter Würdigung dieser Thatsache sind auch alle politischen Kombi­nationen vermieden worden.

Die Politik hat während der Krankheit des Kaisers Ferien. Es herrscht absolut kein Interesse dafür, und zudem wird noch weniger Material ge­boten, welches überhaupt der Erörterung wert ist. Das preußische Abgeordnetenhaus tagte allerdings, aber seine Verhandlungen fanden sehr spärliche Teil­nahme. Selbst die Debatte über die Vorlage, be­treffend die Erleichterung der Volksschullasten, ließ weitere Kreise kalt. Der Gesetzentwurf ist in einer Form angenommen worden, welche die Zustimmung der Regierung gefunden hat, wenn auch mit der Auf-

Lcidenschast, als er auf sie herabblickte »Helene' vergieb mir!"

»Niemals," antwortete sieniemals! Ich hätte Dir alles vergeben können, doch Du hast aufgehört, mich zu lieb'». Aufgehört, sage ich? Du hast mich nie geliebt. Du hast mir nur Liebe geheuchelt. Die, jenigen, die wirklich lieben, können nicht vergeffen."

»Und Du glaubst, ich habe vergeffen?"

»WaS könnte ich anders glauben? O Harty!" Uud sie wandte sich zu ihm, edler Steiger und Trotz war entflohen, und schlang ihre Aime um seinen Hals.

Er umfing sie und drückte sie fest ans Herz und senkte den Kopf, bis seine Lippen in stummem Ent­zücken die ihren berührten. So hielt er sie einige Minuten, während der Mond sich diskret hinter einer vorüberziehendeu Wolke versteckte, Herz an Herz, Lippe an Lippe und ihre Arme fest seinen Hals um­schlingend.

Plötzlich ließ fie ihn los, und die Arme fielen herab. ,O Hany!" rief sie, »ich hätte nicht kommen sollen. Wie spät eS ist! Wie kann ich zurückkehren?"

»Du wirst mit mir zurückkehren!* sagte er,und morgen, Helene, morgen wirst Du mein Weib. Das wird alle Bemerkungen znm Schweigen bringen und alle Fragen beantworten, wenn solche gestellt werben."

Morgen! C mein Geliebter, wirst Du eS nicht für unweiblich halten, baß ich so zu Dir kam, um meine Sache selbst vor Dir zu führen? Bist Du sicher, ganz sicher, baß bie Zukunft Dir keine Reue bringen wird, daß eS nicht Dein Edelmut ist, der mich nur schonen will?"

Hat mein Edelmut Dich beim Willkommen ge­schont?" antwortete er.Wie kann ich mir eS je vergeben, Dich so empfangen zu haben! Armes Sind. Du verdientest"

Er stockte. Seine Wiederholung dieser Phrase zärtlicher, bemitleidender Liebe erinnerte ihn an sie, an die er gedacht hatte, als er dort an den Baum gelehnt stand uud er fühlte, wie wenig Liebe er dem Kinde zu bieten hatte, welches seinen Namen wohl

Hebung des Schulgeldes in den Volksschulen nicht ;Dfort in umfassendem Maßstabe vorgegangen wird. Im übrigen wurden nur kleine Sachen erledigt. Dem Reichskanzler Fürsten Bisinirck ist eine in­direkte Auszeichnung dadurch zu Teil geworden, daß Kaiser Friedrich seinen Sohn, den Staatssekretär Herbert Bismarck, zum preußischen Staatsminister ernannt hat. Damit ist nun wohl zur Genüge be­wiese.', daß die Kanzlerkrisis völlig aus der Welt geräumt ist uud daß so leicht an eine Wiederkehr nicht zu denken ist. Die Stellvertretungsvollmachten des Kronprinzen Wilhelm sind durch Kaiser Friedrich bedeutend erweitert worden. Der Kaiser, der bei seinem leidenden Zustand sich unbedingt schonen muß, hat sich nur die Entscheidung über die eigentlichen prinzipiellen Sachen Vorbehalten. Der Reichskanzler ist häufig in Charlottenburg vom Kaiser empfangen worden, auch bei der Königin von England hatte Fürst Bismarck eine einstündige Audienz.

In Paris ist im Laufe dieser Woche etwas größere Beruhigung eingetreten. Die Boulangisten, welche Abend für Abend Skandale auf den Straßen veranstalteten, haben sich nachgerade heiser geschrieen und schweigen deshalb und ihre Gegner machen es ebenso. Boulanger selbst ist scheinbar ruhig; er will offenbar zunächst abwarten, welchen Gang die Dinge in der Kammer nehmen und darnach seinen Plan einrichten. Vor der Hand halten die republikanischen Ab­geordneten ziemlich fest zusammen und das Ministerium Floquet hat bereitwilligst mehrere Vertrauensvoten er­halten ; es dämmert in den streitlustigen Köpfen, doch die Erkenntnis, daß man jetzt für einen Augenblick Ruhe holten muß, damit Boulanger nicht die Gelegenheit benutzt und sich an die Spitze des Staates schwingt. Wie lange der Friede dauern wird, ist eine andere Frage, und bei den verworrenen französischen Ver- höltnissen ist leider abzusehen, daß man sich bald genug wieder in die Haare geraten wird. Präsident Carnot ist nach Südfrankreich gereist und hat in Bordeaux eine Rede zum Schutze des gegenwärtigen Regierungssystems gehalten. Natürlich großer Empfang, aber wem haben die Franzosen nicht schon zugejubelt und wem werden sie nicht noch zujubeln? Ziemlich komisch präsentierte sich der Graf von Paris, das Haupt der Familie Orleans, mit einem Manifest an Frankreich. Der Graf fordert wie Boulanger eine Revision der Verfassung, aber, und das ist die Hauptsache, dann sagt er, nicht ein Dictator, nur die Monorchie könne Frankreich glücklich machen. Von der Orleans-Monarchie mit dem Regenschirm werden die Franzosen nun freilich wenig erbaut sein.

heute Nacht in seinem Schlafe flüsterte, wie sie ihn vorher schon in ihrem Gebete geflüstert hatte.

Armes Kind in der That! Doch sie war ja nur ein Kind nnb kannte die Liebe in Wirklichkeit nicht. Gott fei Dank dafür!

In Wochen vielleicht schon in Tagen würde fie ihn vergessen; feine erste Pflicht war nicht gegen sie, sondern gegen Diejenige, bei der er ein schweres Unrecht zu sühnen hatte.

Er drückte noch einmal deren Gestalt fest ans Herz und beugte den Kopf nnb schwelgte in süßen Küssen.

»Meine Geliebte! Mein Weib!" flüsterte er leise. Doch während er das sagte, raschelte etwas zu ihren Füßen und der Mondschein beleuchtete eine kleine, schön gefärbte Schlange, bie sich über ben Pfad schlängelte.

Helene schrie auf nnb würbe bleich vor Schrecken. Er brückte fie fester an sich, bie Schlange verschwand im Grase nnb er beruhigte sie mit liebevollen zärtlichen Worten.

Doch nientanb sagte ihm, daß er das giftigste Reptil von den beiden an ben Busen brücke, um so giftiger, da eS die verführerische Gestalt eines schönen Weibe« trug.

»Bis morgen," fegte er eine halbe Stunde später, als er fie an ihrer Thür verließ nnb in ber Unge» bulb nnb Glut feiner brennenben Liebe konnte er ben Tagesanbruch kaum erwarten, ba, wie er hoffte, biefer Tag sein Leben mit vollkommenem Glücke krönen sollte. Auch war in feinen Gebunkert kein Raum für das arme Kind, dem der Morgen die erste bittere Lebens, erfahrung bringen sollte, die um so bttterer war, ba sie von seiner Seite kam.

4. Kapitel.

Bekenntnisse.

Heber Mary Horns Geist lag ber Duft ber Rück­erinnerung, als fie beim Morgengrauen des neuen Tages ben Schlaf abschüttelte nnb langsam die dicht

Das Manifest des Grasen hat denn auch so gut wie gar keine Wirkung ausgeübt und war einfach ein Schlag ins Wasfer.

Aus ben übrigen Staaten liegt sehr wenig vor. Die Parlamentsverhandlungen in London bieten ebenso wenig Jntereffe für weitere Kreise, wie die in Wien und Rom. Rußland baut neue Ver- chanzungen und Bcfestigungswerke in Polen und weiß dabei nicht, woher es das Geld für die Aus­gaben nehmen soll. Auch der neuste Versuch, in Brüssel und Paris eine Anleihe aufzunehmen, ist kläglich gescheitert und dabei ist keine Aussicht vor­handen, daß anderswo ein Pumpversuch besser ge­lingen wird. Aus der Balkanhalbinsel ist Alles still; in Bulgarien haben zwar mehrere kleine Putsche stattgefundkn, aber es muß den Regierungstruppen doch sehr schnell gelungen sein, die Ruhe wiederher­zustellen, denn man hört nichts mehr von der Sache.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. April. (Bulletin von heute, 9 Uhr morgens.) Der Kaiser fühlt sich nach gutem Schlaf recht gestärkt. Das Fieber ist in den Morgenstunden verschwunden, abends steigt es noch mäßig an. Das Allgemeinbefinden macht langsam Fortschritte. Der Kaiser verließ heute im Lause des Tages für einige Zeit das Bett und empfing den Besuch der Erbprinzlich Meiningenschcn Herrschaften und den Vortrag des Geheimen Kabinettsrats o. Wilmowski. Das Aussehen des Monarchen ist gut, die Stimmung gehoben. Der Kaiser kann wieder feste Speisen genießen. Das Verlassen des Bettes soll auf den Rat der Ärzte indessen noch möglichst beschränkt werden. Der Kronprinz empfing gestern den Prof, von Bergmann, wohnte heute vormittag der Besich­tigung des ersten Garderegiments in Potsdam bei und kehrte mittags nach Berlin zurück. Tie Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Da die forschreitende Besserung im Befinden des Kaisers andauert, so kann man die Gefahr der Situation, welche der letzte Anfall bedingte^ als überwunden ansehen, die Morgentemperattiren nähern sich täglich mehr der Norm, das Abendfieber fällt ebenfalls täglich, in dem Fortbestehen des letzteren liegt allerdings noch Grund genug zu zurückhaltender Beurteilung des gesamten Zustandes, wenn auch die übrigen Körper­funktionen, namentlich der Schlaf und der Appetit, eine erfreuliche Rückkehr zur Norm zeigen. Das Fortschreiten des Grundübels ist jedenfalls ein außer­ordentlich langsames, man kann auch heute noch von einer sehr erheblichen Ausbreitung des Leidens und

bewimperten Augerlider von den vom Schlafe ge­röteten Wangen aufschlug. Ein Lächeln verbarg sich in ihren Mundwinkeln, bas aus ihren Träumen ent« stauben war uud in den violetteü Augen glänzte etn Freudcnschein. Sie war kaum erwacht, doch allcs stand klar vor ihr: die Welt hatte jetzt für fie eine neue Bedeutung; fie hatte das Geheimnis vetstchen gelernt, welches dem Gesänge der Löge! ihre Melodien, den Blumen ihren Dust uud ihre Schönheit und dem Herzen die schnellen Schläge gibt. Gestern hatte sie nur existiert, heute hatte sie zu leben begonnen.

Sie stand auf und zog sich an; die Diener wann noch nicht sichtbar, als fie die Treppen herabstffg und bie Riegel ber Thür zurückschiebcub, in ben Garten ging.

Doch so früh sie auch kam, bie Blumen unb bie Vögel waren noch früher wach, obwohl von bin Ersteren bie Sonnenstrahlen noch nicht bie blitzenbcn Thautiopfen weggeküßt hatten, und bie Letzteren nock mit gedampfter Stimme fangen, wie um die Schlaff r nicht zu erwecken.

»Wißt Ihr eS?" flüsterte das Kind den Blumen zu. Und es «ar ihr, als ob das leise Rauschen der feinen Blättchen ihr eine bejahende Antwort gäbe, denn sie war wirklich noch wie ein Kind. Die Siebe war in ihren Bcsitz gelangt, doch es war bie Hand eines Kindes, die fie hielt. Wenn diese Hand sich öffnete und leer war, waS bann ? Sollte es das Kind ober daS Weib fein, bas mit erschreckten Blicken dieses Nichts anftarrte ? Dieser Tag mußte eS entscheiden. Mit neuer Zürtlichkett brückte ihr ber Vormunb seinen Kuß auf bie Stirn, als sie ihn, zwei Stunden spät :, im Frühstückszimmer begrüßte unb ben gewohnten Platz einnahm.

»Ich konnte Dir gestern Abenb kaum sagen, Math," begann er, »wie glücklich mich Harrys Wahl macht, glücklicher, al» ich geglaubt, eS je mehr in diese in Leben fein zu können. Ich hoffe, Kind, daß ich in den nächsten Tagen, ehe Du noch Hartys Frau sein