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Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Brrlag von Joh. Luq. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach vonn- und Feiertagen. - Quarral-AdonnementS-PreiS bei der Expedition 2‘/t Mk-, bei den Postämtern 2 Ml. 50 Pfg. iexkl. Bestellgelds. JnsertmnSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 19. April 1888.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von Saasenstein und Bögler in Frankfurt a.M.. Toffel, Magoeburgu. Wien; Rudolf XXIII Moffe in Frankfurta. M., Berlin, München u. Köln; ®. L. 9UU»‘
Daube u. So. in Frankfurt a.Berlin, Hannover. Pari».
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gegeben hätte und Julia eigenartig in die Seele drang — „wie soll ich Ihnen danken, Sie haben Ihr Versprechen erfüllt, Ihrer sanften Hand, Ihrem milden Vlick ist eS gelungen, jenen glücklichen Einfluß ans weine Mutter auSzuüben — eS ist überhaupt, als wenn mit Jhueu ein guter Geist in unser Haus gekommen ist, der überall seinen ftenvdltchen Zauber hiuseudet. EtetS bleibe ich Ihr Schuldner!'' —
Die schönsten Stunden gewährte e8 Felix, wenn Fräulein Marwitz sich auf Frau von Hartensteins Wunsch an den Flügel setzte und er ihr meisterhaftes Spiel mit seinem klangvollen Bariton begleitete. ES kostete ihn dann ost wohl Mühe bei der Sache zu
Publikum enthusiastisch begrüßt. Ter Kronprinz und Prinz Heinrich, welche in Charlottenburg übernachteten, kehren heute abend nach Berlin zurück. — Der Kaiser zeigte sich heute nachmittag nochmals am Fenster, vom Publikum stürmisch begrüßt. Unter den heute vom Kaiser Empfangenen befindet sich der russische Militärbevollmächtigte von Kutusoff. — Die „Nat.-Ztg." meldet: Es handelt sich beim Kaiser nicht um eine einfache Entzündung der Bronchien (Luftröhrenäste), sondern um eine Ausdehnung des Kehlkopfleidens aus die Bronchien und damit auf die Lungen selbst. Diese neue Komplikation steht Mit dem Vorfälle in der vorigen Woche in ursächlichem Zusammenhänge, sie ist eine Folge des Umstandes, daß die Kanüle nicht richtig gelegen hat und sich dadurch verstopft hatte. Es war eine Absonderung aus dem Kehlkopfe, anstatt durch die Kanüle den Weg nach außen zu nehmen, an der Kanüle entlang in die Bronchien hinabgeflossen und har dort als Entzündungserreger gewirkt. Anzeichen von Lungenentzündung sind bis jetzt glücklicherweise
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Bexlin, 17. April. Zwischen 10 und 11 Uhr fand eine ärztliche Beratung statt, an welcher außer dem Prosesfor Senator, Geh. Rat Professor Leyden teilnahm. Der Krästezustand des Kaisers hat sich nicht verschlechtert. Das Befinden war in den Vormittagsstunden relativ etwas besriedigender. — Der „Reichs - Anz." veröffentlicht folgendes Bulletin von heule: Bei dem Kaiser haben sich die bronchitischen Erscheinungen seit gestern erheblich vermindert, auch das Fieber ist geringer geworden, die Nacht war besser. Tas Allgemeinbefinden ist befriedigend. Mackenzie. Wegner. Krause. Howell, v. Bergmann. Leyden. Senator. — Der Kaiser nahm heute vormittag einen dreiviertelstündigen Vortrag des Generals von Albedyll entgegen. Mittags erschien der Kaiser am Fenster seines Arbeitszimmers
orbnnngen zu unterwerfen, als wäre» es ihre eigenen. Am glücklichsten in all diesen Wahrnehmungen und Aenderungen fühlte sich wohl Herr von Hartenstein. Er liebte seine Mutter abgöttisch, und wenn er sie Hefter sah, vermochte wohl nichts leicht den Sonnen, schein von seiner Stirn zu bannen. Sein Auge ruhte oft mit der ihm eigenen sinnenden Freundlichkeit auf Sülia und blitzschnell zuckte es über seine gebräunten edlen Züge, wenn er von seinen kleinen Reisen kommend, ••t juuyc x-uuic wicuci ,uy. „Wie soll ich Ihnen danken, Fräulein Marwitz," sagte er eines Tages in warmem Tone zu ihr mit einem so langen, tiefen Blicke, der jedem unbefangenen Zuschauer zu denken
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rechtwinkligen Kanüle und wiederholten erfolglosen °PPVf Versuchen der englischen Ärzte, ihr die richtige Lage wiederzugeben, eingetreten war. Nachdem es
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(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Frau von Hartenstein ließ Julia in allen Teilen
schalten und walten, sie fühlte, wie die junge Dann einen glücklichen Einfluß auf sie ausübte, und dies. Wahrnehmung hatte ja fast lediglich den Umschlag ihres ganzen Seins herbeigeführt. Sie behandelte Julia wie eine Tochter, nicht wie eine in dienstlicher Beziehung zu ihr stehende Person, und der Dienerschaft hatte sie anbefohlen, all den Befehlen der jungen Dame zu gehorchen, sich ihren sämtlichen Au
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zu den ernstesten Besorgniffen Anlaß giebt. Wie unsere Leser wissen, schreibt die „K.Z.". hatte der Kaiser n meuir in der Nacht vom letzten Mittwoch zum Donnerstag und an el am Donnerstag selbst heftig zu leiden durch Atemnot,
a die infolge von einer Veränderung der Lage der
am Donnerstag Nachmittag den deutschen Aerzten Dr. von Bergmann und Dr. Bramann gelungen war, durch Einschieben einer neuen geeigneten Kanüle die Atmung wieder frei zu machen, fühlte sich der Kaiser wieder wohler und machte sogar eine Ausfahrt. Allein die Nacht zum Sonntag war schon schlecht; man befürchtete, daß die starken Ergüsse von eitrigen Bestandteilen, welche bei dem Vorkommnis mit der ungeeigneten Kanüle stattgehabt hatten, die Bronchien und die Lunge angreifm würden. Und diese Besorgnis war leider nur zu begründet. Daß bei der Natur der Krankheit des Kaisers die Gefahr an sich schon bestand, daß Luftröhren- oder Lungenentzündung eintrete, sei ausdrücklich betont. Die Möglichkeit, ja, fast die Wahrscheinlichkeit, daß die Krankheit einmal den Verlauf nehmen werde, den sie jetzt thatsächlich genommen hat, lag an sich vor. Aber so schnell, wie sie jetzt eingetreten ist, hatte man diese Wendung nicht befürchtet. Am Sonntag Abend war bereits starkes Fieber vorhanden und heute abend lauten die Nachrichten so, daß man aufs schlimmste vorbereitet ist. Wie schmählich schlecht auch diesmal wieder die oppositionelle und die von den englischen Aerzten gefpeiste Presse unterrichtet war, zeigt sich in dem Umstande, dcß man die eingetretene Verschlimmerung noch leugnete, als sie von unterrichteter Sexte mit Angabe aller Einzelheiten gemeldet war. So hat noch am 13 , Freitag, abends ein Berichterstatter an die Magdeburgische Zeitung, wie wir aus der Konservativen Korrespondenz ersehen, folgendes gemeldet: „Auf eingehende Fragen nach Einzelheiten im Befinden des Monarchen wurde uns der Bescheid, es wäre nicht ein Wort von dem wahr, was in hiesigen Morgenzeitungen von Atemnot zu lesen gewesen wäre, die den Kaiser gestern nachmittag befallen hätte. Dr. v. Bergmanns Besuch im Charlottenburger Schloß erfolgte laut Abkommens mit Dr. Mackenzie vom Mittwoch abend, er wurde also gestern nicht gerufen, sondern er war erwartet worden. Alles, was sonst noch an Phantasiebildern in einzelnen Blättern umgeht, ist wertlos. . . . Dr. Mackenzie gab sich auch heute wieder Urlaub; denn er kehrte mit dem Kaiser, der etwa eine Stunde in Berlin blieb, nach Charlottenburg nicht zurück. Er darf eben seinen Patienten allein lassen, und das muß schlechterdings günstig gedeutet werden." Es ist gut, sich diese Mitteilung einzuprägen. Sie redet Bände über die — Besorgtheit des Herrn Mackenzie um seinen hohen Kranken und über tie Quellen, aus denen ein Teil des deutschen Volkes über seinen Kaiser unterrichtet wird. Wofür bei nationalen
dl iben, wenn er die Noten umwendete und er ihr auf ihr braunes, welliges Haar blickte und das schöne, regelmäßige Profil so dicht vor sich sah. Oder, wenn er sie in ihren Mußestunden in dem Bibliothckzimmer überraschte, wo er sie oft, vertieft in den alten, wertvollen Schriften fand. Leicht errötete sie bann, wenn sie auf blickend, ihn erkannte. Von dem Zimmer aus hatte mau einen prachtvollen Blick auf den im schönsten Frühjahrsschmuck prangenden Park nnd Garten, das Poetische des Gemaches noch erhöhend; leise zog die weiche Luft in dasselbe; dann arbeiteten sie zusammen, ordneten die Pergamentrollen und Urkunden, oder lasen die herrlichen Stellen der Classiker, und wenn er ihr in das durch die Lektüre von warmer Begeisterung strahlende Antlitz sah oder bei der gemeinschaftlichen Arbeit zufällig ihre weiße Hand streifte, so fühlte er sich glücklich.
Es war ein schöner sonniger Nachmittag im Jmti. Julia promenierte langsam mit Frau von Hartenstein in den gewundenen Gängen des Gartens, da kam der junge Gutsherr in den Schloßhof gesprengt. Er sprang vom Pferde und schritt auf die «Damen zu. „Ein trauriger Fall, liebe Mama, sagte er. Soeben erfuhr ich, unser früherer Gärtner, der alte Braud, habe bei einem unglücklichen Sturze das Bein gebrochen. Vielleicht erinnerst Du Dich, daß er tot zwei Jahren, durch einen Schlaganfall, der ihm seifte ganze linke Seite lähmte, gezwungen war, seinen Dienst hier aufzngeben. Ich habe den tüchtig«, biederen Alten immer gern gehabt. Er zog darauf ganz in seine Heimat, nach Rodenthal und ich fibar« mtttelte ihm eine Summe gleichsam als Pension, die ihm und seiner Frau dienlich fein sollte; zufMg erfahre ich, daß er sich von dem Selbe keinen Pfenchg hat zu Gute kommen lasten, fonbern alles seinem leichtsinnigen Sohne, ber bald darauf nach Amerika auswanderte, mttgegeben hat. Ich glaubte die alten Leute ohne Not, und nun hat sich Brand die ganze Zeit kümmerlich durch die Weberei ernährt. Das Unglück, was ihn betroffen, thut mir sehr leid, der
deutschen Blättern schlechterdings keine Entschuldigung vorhanden ist, das begreift man vollkommen in englischen, und wir waren darauf vorbereitet, daß der Standard sofort zur größern Ehre des Herrn Mackenzie und der englischen Wiffenschaft die Vorfälle von Mittwoch nacht und Donnerstag morgen, über welche die Kölnische Zeitung ausführlich berichtet hat, bestreiten werde. Das hat Grund und Zweck. Die Angaben des Standard stimmen fast wörtlich mit denen der Magdeburgischen Zeitung und der deutschfreifinnigen Blätter überein. Nur ist der Standard zu vorsichtig, um der Welt zu verraten, daß Herr Mackenzie sich am Freitag Abend noch glaubte Urlaub geben zu können, weil sein Patient ihn nicht nötig habe. Vielleicht wird es doch einmal unerläßlich sein, eine amtliche Krankheitsgeschichte zu veröffentlichen; denn das Mackenziesche Preßbureau beginnt nachgerade den Thatsachen allzusehr Gewalt anzuthun. — Die „Nordd. Allg. Ztg." nimmt heute lwenigstens Notiz davon, daß freisinnige Blätter die Darstellung der „Köln. Ztg." vor und bei der Einsetzung der m ucn Kanüle beim Kaiser bestreiten. Die „Kreuzzeitung" dagegen bestätigt diese Darstellung, und zwar von einer Seite, welche über jede Verdächtigung hoch erhaben sei. Wir haben Niemanden verdächtigt, sondern nur konstatiert und konstatieren von Neuem, daß diese Darstellung in den wesentlichsten Punkten unwahr ist, unwahr sogar in der Hauptsache, daß die Kanüle von Professor Bergmann eingesetzt worden sei. Selbst die „Nat.-Ztg." gestehe übrigens heute zu, daß es sich gar nicht um eine neue Kanüle, auch nicht um eine längere, sondern um dieselbe handelte, welche schon in San Remo eingesetzt war, sie wird wahrscheinlich morgen oder übermogen wieder ausgetauscht werden.
— Der Herr Kultusminister hat folgende Verfügung erlassen: Ich habe beschlossen, evangelischen Kandidaten der Theologie, welche die erste theologische Prüfung mit Erfolg bestanden und Neigung haben, sich für die Aufgaben des geistlichen Amts auf dem Gebiet der Tiakonik eingehender vorzubereiten, Gelegenheit zu einer umfassenden und systematischen Ausbildung in diesem Thätigkeitszweige zu geben und zu diesem Zweck den vier in den Anstalten der inneren Mission bei Bielefeld thätigen Geistlichen je einen Kandidaten der Theologie behufs ihrer Ausbildung als Vikar beizuordnen. Tie Kandidaten müssen sich verpflichten, mindestens ein Jahr in der Vikariatsstellung zu verbleiben und während dieser fZeit nach Anweisung des Leiters der Anstalt bezw. des betreffenden Geistlichen an armen Fran wird es wohl am Notwendigsten mangeln. Ich habe sofort einen meiner Arbeiter zum Arzt geschickt und ich denke, wir tijnn so viel wie möglich, damit der Kranke durch geeignete Pflege baldige Heilung zu erwarten hat. Ich werde gleich selbst hiuüberreiten, um mich von dem Stand der Sache zu Überzeugen."
»Der arme gute Brand," rief Frau von Hartenstein mitleidig aus. .Sorge btite, dafür, Felix, daß sofort Lebensmittel, Wein und andere stärkende Gegenstände hiuübergeschafft werden!"
.Wenn Sie erlauben, Frau von Hartenstein," warf Julia bittend ein, .so werde ich gehen, um der armen Frau helfend und ratend beizustehen."
.Ja thu das liebes Kind," entgegnete die alte Dame freundlich. .Deine fauste Hand, Deine milden Worte werden, wie immer auch die arme Frau trösten und die Schmerzen des Kranken lindern. Es soll ein Wagen angespannt werden, der Dich hinüberträgt, — und sorgt dafür, daß Ihr nicht mit leeren Händen kommt!"
Felix warf der jungen Gesellschafterin einen warmen, dankbaren Blick zu.
Das Dorf Rodeuthal lag fast eine Wegsstunde noch hinter dcm Dorfe Hartenstein. Julia glaubte in eine Stätte ber Armut zu gelangen, als sie das Dorf und das Häuschen der alten Leute erreichten. Aber es war eine angenehme Täuschung, wie ste mit Herrn von Hartenstein in das niedrige Stübchen trat Eine fast peinliche Sauberkeft herrschte darin, das sah man an den kleinen hellen Fenstern, den blank- gescheuerten Tischen und Stühlen, aber der drückende traurige Mangel war merkbar überall. Eine reinlich gekleidete Fran mit ergrauendem Haar saß da vor dem Lager des Kranken und die Thränen rannen ihr über die gefurchten Wangen. Ihr wackerer Manu hatte noch immer unermüdlich für ihren kargen Unter- halt gesorgt und nun hatten sie ihn heute herein- getragen mit abgebrochenem Bein, unglücklich war er ans der Dorsstraße gestürzt. Warum mußte ihr daS |
den vorfallenden geistlichen Geschäften sPredigt, Seelsorge, Unterrichts fleißig Teil zu nehmen. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Kandidaten während ihrer Vikarialsstellung mit allen Thätigkeitszweigen des geistlichen Amts auf dem Gebiet ber inneren Mission, soweit bezügliche Einrichtungen in ben Bielefelder Anstalten sich befinden, bekannt werden. Die Kandidaten erhalten während ihrer Vikariatsstellung freie Wohnung und Beköstigung in den Anstaltsgebäuden und daneben zur Bestreitung ihrer sonstigen Bedürfnisse ein Stipendium von 500 Mk. pro Jahr in monatlichen Vorauszahlungen. Anträge sind an den Herrn Pastor D. von Bodelschwingh in Bielefeld unter Beifügung des Zeugnisses über die erste theologische Prüfung [in diesem Jahre bis zum 15. Maij zu richten.
— Wie bereits gemeldet, ist der bisherige Kommandeur des 4. Armee-Korps, General-Feldmarschall Graf v. Blumenthal von Seiner Majestät dem Kaiser und König zum General-Inspekteur der vierten Armee-Inspektion ernannt worden. Dieselbe bestand seither aus dem 3., 11. und 13. [Königl. Württembergischenj Armee-Korps, während ihr das 1. und 2. bayerische Armee - Korps zugeteilt sind. Als Akt einer ganz besonderen Kaiserlichen Huld und Gnade muß es betrachtet werden, daß Seine Majestät gleichzeitig mit der Ernennung des Grafen von Blumenthal zum General-Inspekteur der vierten Armee-Inspektion das von demselben bisher kommandierte 4. Armee Korps in den Verband dieser Armee- Inspektion hat übertreten lassen. Dieses Armee- Korps gehörte bis dahin bekanntlich zur 1. Armee- Inspektion , und ist an dessen Stelle zu letzterer das bisher zur 4. Armee - Inspektion gehörende 11. Armee-Korps übergetreten. Nach der Thronbesteigung hatte von den fünf bestehenden Armee- Inspektionen nur noch die fünfte einen General- Inspekteur, nämlich Friedrich, Großherzog von Baden. Die dritte Armee - Inspektion hatte ihren General- Inspekteur mit dem Tode des General-Feldmarschalls Prinz Friedrich Karl von Preußen, die zweite Armee-Inspektion den Ihrigen mit dem Tode des General-Obersten Friedrich Franz II. Großherzog von Mecklenburg - Schwerin verloren. Die erste Armee-Inspektion ist mit einem General-Inspekteur nicht besetzt. — Das Befinden des Präsidenten des Abgeordnetenhauses, v. Köller, bat sich, wie verlautet, erheblich gebessert, doch ist es ftaglich, ob es Herr v. Köller ermöglichen wird, noch vor Ablauf der Tagung hierher zurückzukehren und sein Amt als Präsident wieder zu übernehmen.
roteberfabren! — unb rote sollte sie theu amen Mann pflegen, wie ben teuren Arzt bezahlen! — bazu hatte sein karger Verbienft nicht ausgereicht. — Sie staunte, als sie ben vornehmen Herrn unb bie vornehme Dame etntnten sah, boch ber alte Brand hatte seinen ehemaligen Herrn sofort erkannt, ein freudiges Lächeln zog übe* sein verwittertes, schmerzlich verzogenes Gesicht: „Gnädiger Herr!" war allcs, was er hervorbringen konnte. „Ich habe von Ihrem Unglück gehört, lieber Brand," sagte Felix, „der Arzt muß gleich hier sein. — Und Sie, gute Frau, beruhigen Sie sich, es wird alles wieder gut werden!" Die Alte hatte fitzt auch Herrn von Hartenstein er» kannt, ihre Thränen flössen vor freudiger Rührung reichlicher und abwechselnd suchte sie ihm unb ber jungen Dame bie Hand zu küssen. Letztere war ihr unbekannt. „Gnädige Frau —" stammelte ste er» staunt, ste glaubte nichts anderes, als die junge Frau des gnädigen Herrn vor sich zu sehen, doch Felix winkte flüchtig mit der Hand ab.
„Warum haben Sie uns nicht gesagt," fragte Felix mit Vorwurf, „daß Sie, seit Ihr Mann aus meinen Diensten ist, Mangel litten? Gern hätte ich Ihnen geholfen, denn es ist mir peinlich, wenn sich ein Arbeiter, der mir Jahre lang treu gedient, plötzlich in traurigen Verhältnissen befindet."
„Aber wie konnten wir daS!" schluchzte die Frau, „gnädiger Herr find ja zu gütig! Wir haben uns die Jahre schlicht und recht durchgeschlagen, ging» auch knapp, so verdiente mein Mann mit seiner We» berei immer noch genug zum Sattwerden — aber auf ein solches Unglück bin ich nicht vorbereitet gewesen."
Der Diener brachte auS dem Wagen die Körbe mit Wein, ftärteuben Eßwaaren und andere für Kranke nützliche Gegenstände in das Zimmer und in dankbarer Rührung konnte die arme Frau nur unverständliche Worte murmeln.
(Fortsetzmg folgt)
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