Mchentiichc Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Koch.
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Marburg, Mittwoch, 4. April 1888.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. Cassel, Magoeburg u. Men; Rudolf XXIII rtTTrt
Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. £. AAUL x) UlJ1 Daube tu Co. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover. Paris.
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KreisbLatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und
MaKriertes Soaatagsblatt
Men wir bei der Post baldigst erneuen zu wollen.
Für Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt, sowie für hier unsere Expedition Bestellungen entgegen.
Neu zugehenden Abonnenten liefern wir auf Verlangen gern den Wand- nnd Schreib- kalcnder für 1888, sowie das Bild des hoch- seligen Kasers in seinem 91. Lebensjahre gratis und postfrei nach, doch müssen wir bitten, sich dieserhalb dierekt an uns zu wenden.'
Gnade«- Erlaß.
Kaiser Friedrich hat das heilige Osterfest durch einen Akt der Gnade eingeleitet, der weithin Trost und Freude bringen wird. Derselbe lautet:
Allerhöchster Gnadenerlaß vom 31. März 188 8.
Wir Friedrich, von Gottes Gnaden König von Preußen ic. wollen, um Unseren Regierungsantritt durch einen Akt umfassender Gnade zu bezeichnen, I. allen denjenigen Personen, welche bis zum heutigen Tage wegen Beleidigung der Majestät oder eines Mitgliedes des Königlichen Hauses (§§ 95, 97 des Strafgesetzbuchs), wegen Verbrechen oder Vergehen in Bezug auf die Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte §§ 105—109 des Strafgesetzbuchs), wegen der in den §§ 110, 112, 113, 114, 115, 116 und in den §§ 123, 130, 130 a, 131 des Strafgesetzbuchs als Widerstand gegen die Staatsgewalt oder als Verletzung der öffentlichen Ordnung bezeichneten Verbrechen und Vergehen, wegen der in den §§ 196, 197 des Strafgesetzbuchs gedachten Beleidigungen, wegen der mittelst der Presse begangenen oder in dem Reichsgesetz über die Presse vom 7. Mai 1874 (Reichs- Gesetzblatt Seite 65)
Villa Kirchwald.
Roman von A. Gnevkow.
(Nachdruck verboten).
(Fortsetzung)
.Sie liebten ihn sehr*, sagte Walter deshalb anch gedankenvoll nud stand nun neben dem Mädchen, wie dessen älterer Binder oder treuer Freund, .Sie liebten ihn sehr und gewiß kehrt er auch dereinst zurück, alles au Ihnen gut zu machen, was er jetzt, durch feine plötzliche Abreise au Ihnen ver- schnldet hat.*
Engel erhob die Arme, als wolle ste den Worten des jungen Mannes Einhalt gebieten, und ließ sie dann wieder schlaff herniederstnkeu. .Ich liebe ihn noch*, sagte sie mtt seltsamer Energie nnd blickte ihn zornig an, dann rief ste schmeichelnd nach ihrem Hunde, faßte in den Ring seines Halsbandes und ging, ohne Walter weiter zu beachten, mtt langsamen, nu- graziöseu Schritten von ihm fort.
.Sie ist doch häßlich", grollte es in der Brust des Mannes und die Hand über die Augen deckend, folgte er mit den Blicken dem ffinbe, das dereinst so viel versprochen nud das nach seiner Ansicht nur s» wenig gehalten hatte.
.Recht so, mein Junge", schreckte ihn die Stimme des Majors aus feinen Grübeleien, der nnbcmerkt zu ihm Betreten war, .hast die Fährte des Wildes gefunben nnd stehst nun ans Anstand, bis die Zeit kommt, wo Dn ihm piff paff eine Kugel mitten ins Herz senden kannst."
.Nein, Onkel Gerhard, nimmermehr.* Walter schlang seinen Arm in den seines OheimS, in der festen Abficht, ihn seine Luftschlösser nicht weiter bauen zu laffen, ihn vou seinen Plänen zurückzuführen Uno auf fein Ziel loszustenern, von dem sein Herz noch ganz erfüllt war, und das ihn neuerdings wieder, »och den Entschuldigungen GrorgS und seines Oheims erreichbar erschien, »komm, setze Dich mit mir unter diesen Schlehdorn, er bildet eine so natürliche Laube,
vorgesehenen Vergehen und Uedertrelungen, wegen der nach der Verordnung vom 11. März 1850, betreffend das Versammlungs- und Vereinigungsrechl (Gesetz-Sammlung Seite 277), strafbaren Handlungen, durch Erkenntnis ober Strafbefehl eines preußischen Civilgerichts zu Freiheits- oder Geldstrafen rechtskräftig verurteilt sind, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, unter Niederschlagung der noch rückständigen Kosten in Gnaden erlassen, ihnen auch die etwa aberkannten bürgerlichen Ehrenrechte wiedervcrleihen und die etwa ausgesprochene Zulässigkeit der Stellung unter Polizei- aussicht ausheben. Ist wegen einer unter die vorstehende Bestimmung fallenden und wegen einer anderen strafbaren Handlung auf eine Gefammtstrafe erkannt, so ist der wegen der ersteren Handlung verhängte Teil dieser Strafe als erlasfen anzufeheu, gleichviel, ob derselbe int Sinne des § 74 des Strafgesetzbuchs die erkannte schwerste Strafe oder deren Erhöhung barpcHt. Im Zweifelssalle ist durch den Justiz-Minister Unsere Entschließung einzuholen. Auch wollen Wir die von Amtswegen zu stellenden Anttäge des Justiz-Ministers bezüglich solcher Verurteilungen erwarten, welche erst nach dem heutigen Tage wegen einer vor demselben begangenen, unter die vorstehende Bestimmung fallenden strafbaren Handlung erfolgen oder welche erst nach diesem Tage rechtskräftig werden. II. Ferner wollen Wir denjenigen Personen, gegen welche bis zum heutigen Tage wegen Uebertretungen Haft- oder Geldstrafen oder wegen anderer als der unter I bezeichneten Vergehen Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Wochen oder Geldstrafen von nicht mehr als Einhundert- fünfoig Mark oder beide Strafen vereinigt von einem preußischen Civilgericht rechtskräftig verhängt worden sind, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, und die noch rückständigen Kosten in Gnaden erlassen. Auf vorsätzliche Körperverletzungen und auf Beleidigungen findet dies nur dann Anwendung, wenn der Verurteilte die Verzichtleistung des Verletzten auf die Bestrafung beibringt. Haftstrafen bleiben von dieser Gnadenerweisung ausgeschlossen, sofern zugleich auf Ueberweisung an die Landes- Polizeibehörde erkannt ist. Ist in einer Entscheidung die Verurteilung wegen mehrerer strafbaren Handlungen ausgesprochen, so greift diese Gnadenerweisung nur Platz sofern die Strafe insgesammt das oben bezeichnete Maß nicht übersteigt. III. Soweit dritten Personen ans einer Entscheidung gesetzlich ein Anspruch erwachsen ist, wie bei Forstdiebstählen an Gemeinde- oder Privateigenthum (§ 34 des Gesetzes
die Rasenbank itz auch noch nicht ganz zerfallen und ich will mein Zukunftsbild vor Dir entrollen, mein schönes, glänzendes Zukunftsbild, in dem allerdings der Engel von Bnchwald nicht verzeichnet steht.* Der Major seufzte tief auf, seine Brauen zogen sich ein wenig zusammen, aber er folgte dem N ffen gefällig in das lauschige Versteck, daS die Herren nach ihrer Anficht völlig von der Außenwelt schied.
Ohne einen Namen zu nennen, schilderte Walter nun Gabriele, sprach von dunklen Haaren, duuklen Augen, die seinem Geschmacke entsprächen, hob es besonders hervor, daß cs Grazie sei, die er bei den Frauen nicht vermissen dürfte, und schloß endlich, nachdem er wohl zehn Minuten hindurch in immer gesteigerterer Extase gesprochen hatte, mit den Worten: .Nachdem Du so meine Meinung gehört, lieber Onkel, wirst auch Du ermeffeu, daß ich ein so linkisches, ungelenkes W:seu wie den kleinen Engel nie zu meiner Gattin machen könnte.*
Ein goldhelles Lachen übertönte die Antwort des alten Herrn, ein so neckisches, fröhliches Laten, daß Walter enttüstet aufsprang, und der, unberufenen Lauscherin seine ganze Empörung kundgeben wollte, in diesem Augenblick aber fiel ein Etwas auf seine Hand, daS ihm einen empfindlichen Schmerz vermachte und als er sich darnach bückte, es von der $rbe, wo es hiugesnuken, aufzuheben und zu be- ichttgteu, sprang der Kobold mit schnellen Schritten davon und nur aus der Ferne hörte er noch einmal ein munteres, kurzes Auflachen. Der kleine Gegenstand, den er halb geärgert halb belustigt, aber von prachtvollem Gerüche und dicht daran, entschieden in Eile abgerissen, in Eile herumgewickelt ein Paar charfspitzige Disteln, die ihn mit ihren Stacheln ver. mundet hatten.
Der Major war durch den eben abgespielten Vorfall in die heiterste Laune versetzt worden, ihm schien es undenkbar, daß sein Liebling nicht doch endlich den Preis über alle dunkeläugigen, dunkelhaarigen Konkurrentinnen davontragen müsse, um seine Lippen
vom 15. April 1878, Gesetz - Samml. Seite 222), behält es dabei sein Bewenden. IV. Auf die von einem der gemeinschaftlichen Landgerichte zu Meiningen und Rudolstadt oder von einem der gemeinschaftlichen Schwurgerichte zu Meiningen und Gera erkannten Strafen findet dieser Erlaß Anwendung, sofern nach den mit den beteiligten Regierungen getroffenen Vereinbarungen die Ausübung des Begnadigungsrechts in dem betreffenden Falle Uns zusteht. Unser Staats-Ministerium hat für die schleunige Bekanntmachung und Ausführung dieses Erlasses Sorge zu tragen. Gegeben Charlottenburg, den 31. März 1888.
Friedrich
v. Bismarck, v. Maybach. Lucius, v. Friedberg, v. Boetticher. v. Goßler. v. Scholz. Bronsart von Schellendorff.
Deutsches Reich.
Berlin, 31. März. Der gestrige Besuch des Kaisers in Berlin wird als ein freudiges Ereignis von allen Blättern gefeiert. Die begeisterte Begrüßung durch das Publikum, das sich namentlich bei der Rückfahrt in dichter Menge angesammelt hatte, nahm ganz ungewöhnliche Dimensionen an. Die Schutzmannsketten wurden durchbrochen und die Menge umjubelte den Wagen, der nur in langsamem Schritt sich vorwärts bewegen konnte. Das Befinden des Kaistrs, der auch heute eine Spazierfahrt gemacht und zahlreiche Borträge, darunter auch einen des Reichskanzlers, entgegengenommen hat, ist andauernd recht befriedigend. Der Einfluß der frischen Luft macht sich in erfreulicher Weise in dem Allgemeinbefinden geltend. — Der Kaiser hörte vormittags die Lgxträge des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabinctts an. Mittags machten die Majestäten eine Spaziersahrt durch Charlottenburg und den Tiergarten. Nachmittags empfing der Kaiser den von Rom zurückgekehrten General Hohenlohe- Ingelfingen, welcher ein eigenhändiges Schreiben des Königs Humbert überbrachte. — Der Kronprinz besuchte gestern vormittag den Reichskanzler und em- fing den Oberpräsidenten Achenbach. — Ein Erlaß des Kaisers an den Kultusminister vom 29. März tautet: Ich will, daß sofort die Frage erörtert werde, wie durch den Umbau des gegenwärtigen Doms für Berlin ein würdiges der bedeutend angewachsenen Zahl seiner Gemeindeglieder entsprechendes Gotteshaus, welches der Haupt- und Residenzstadt zur Zierde gereicht, geschaffen werden kann." — Ferner soll auf Befehl des Kaisers das neue Palais bei Potsdam zur Erinnerung an seinen erhabenen Er-
zuckte in hundert Falten und Fältchen daS Vergnügen und endlich brach er in die Worte aus: .Ein Wetter- mädel, eine verflixte kleine Hexe, ernsthaft und scherzend gerade wie eS der Augenblick erfordert, immer aber goldtteu und das beste Herz, daS ich ans der Welt kenne.*
Walter rieb den Rücken seiner Hand, den die Disteln berührt, und folgte dann feinem Onkel, welcher ging, um fich von Frau Buchwald zu verabschieden.
Im Abendsonncnglanze lag Bomstätt vor den Herren, als sie heimkehrten, und auf die Arbeiter deutend, die mit ihren Geräten vom Felde zogen, prach der Major den Wunsch aus, den Neffen bald statt seiner auf heimischer Erde regieren zu sehen. »Nach meinem Wunsch wärs, Du gingst jetzt aus dem Staatsdienste ab," sagte er eifrig, .und suchtest Dir bei mir, oder als Volontär auf anderen Gütern, die röligen Kenntnisse für die Landwirtschaft zu erwerben."
Walter erhob keinen Einwand, schweigend legten die Herren den Rest deS Weges zurück und begrüßten zu Hause angekowmen, Frau Christine, die ihnen mit wehenden Haubenbändern entgegentrat.
Am andern Morgen erhielt Walter einen Brief mit den Schriftzügen Georgs, der ihn in Erstaunen versetzte, da er unmittelbar nach seiner Verabschiedung von dem Freunde geschrieben sein mußte.
In dem instinktiven Gefühle, ihn allein lesen zu müssen, verließ er seinen Oheim, der mit seiner Zeitung beschäftigt noch am Kaffeetische saß, und begab fich zurück in sein Zimmer.
.Lieber Freund*, las er, nachdem er das Couvert erbrochen hatte, .die Thür hat sich kaum hinter Dir geschlossen und Du bist aus meinem Zimmer herauS- gegangen, dessen vier Wände uns, die guten Kameraden, früher so oft umfaßt, da sitze ich auch schon hier, eine Schuld abzutrageu, die mich häufig gedrückt und die es wohl gemacht hat, daß wir uns seit Monden fremder geworden find, wie ich je gedacht, daß eS kommen könnte. Du hattest Recht, Walter,
bauer fortan dcn Namen „Schloß Friedrichskron" führen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet über das Befinden des Kaisers, daß die Spaziergänge und Ausfahrten dem Kaiser sehr gut bekommen, sein Aussehen wieder frischer, auch die Stimmung gehoben sei. Die letzte Nacht war gut; auch d:r Kräftezustand ist befriedigend. — Der „Reichs-Anz." publiziert das preußische Etatsgesetz. — Zum Sturz des Kabinetts in Paris bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg." in ihrer Rundschau: „Alles, was dem poli- tischen Status quo in Frankreich abhold ist, und die Wahrheit zu gestehen, ist der Umkreis dieses Sammelbegriffs ein wett größerer als den Freunden stabiler Verhältnisse angenehm fein kann, und hat 'überdies die Tendenz, sich noch immerfort auszudchnen — vereinigte sich in der Forderung einer Verfassungs- Revision. Es ist nun zwar sicher, daß die Einigkeit der Regierungsgegner über die Grenzen dieses Schlagwortes nicht hinausreicht, vielmehr jeder der Verbündeten mit dem Verlangen nach Verfassungs- Revision einen anderen Begriff verknüpft; der that- sächliche Effekt des Ausbruchs einer Ministerkrise unter den denkbar erschwerendsten Umständen wird dadurch nicht im mindesten beeinträchtigt, und die Schürer der allgemeinen Volksunzufriedenheit haben dadurch eine Chance erlangt, deren Ausbeutung sie, frei von jeglichen Skrupeln eines feinfühligen politischen Gewissens, unverweilt sich angelegen sein lassen werden. Allem Anschein nach geht daher Frankreich in der nächsten Zeit einer Periode schweren inneren Meinungszwiespalt' entgegen, den in thun- lichst engen Schranken zu halten Präsident Carnot und seine von ihm neu zu berufenden ministeriellen Mitarbeiter aller ihnen zu Gebote stehenden Energie, Charakterfestigkeit und Autorität bedürfen werden."
Berlin, 1. April. Unter den hervorragenden Männern unseres Vaterlandes, denen der heutige Tag das Dasein gegeben, ist es vor Allen der große, von der Liebe und Verehrung der gesamten Nation getragene Staatsmann, dem alle Herzen entgegenschlagen. Ein treuer Diener und bewährter Ratgeber unseres unvergeßlichen Heldenkaisers, dem er sein ganzes Leben geweiht, blickt Fürst Otto von Bismarck heute auf ein ganz besonders ereignißreiches, folgenschweres Lebensjahr zurück, in welchem die Fülle und Macht seines Genius neue Erfolge den bisher gewonnenen angereiht, und in dem er die Geschicke der Nation in ernsten und schweren Stunden der Trübsal mit kräftiger Hand gehalten und zum Besten geleitet. In den Beginn desselben fiel die Durchführung des Septennats und damit die sieg- als Du meintest, eS gäbe ein Geheimnis, einen verschwiegenen Punkt in dem Leben der Gerster, nur, daß Du mich eben nicht zu warnen brandteft, bie guten Menschen deshalb zu fliehen, denn ich selbst bin ja eng damit verknüpft, bin der Dritte im Bunde deS Dir Rätselhaften. Sprach ich Dir nicht davon wie ich Gabriele zuerst gesehen, daS Kind mit dem innklen, sinnenden Blick, den graziösen Bewegungen den schweren Haarmassen, in kleinen Händen gewichtige, alte Klassiker bergend? Damals schon nistete sich bi: Kleine in mein Herz, nahm ein Plätzchen barin ein, ein Plätzchen, bas ihm verblieb, wenn es auch später - hin unter ben Raufereien und Trinkereien bet Studenten von Untraut überwuchert wurde. Ein Sonnenstrahl, Du weißt, daß ich das Fest bei Klars darunter verstehe, genügte, das volle Andenken wieder wachzurufen, und von jenem Tage an liebten wir uns.
Daß diese Liebe zunächst unausgesprochen blieb, wirst Du erklärlich finden, wenn Du Dich erinnerst, baß ich kurz vor dem Examen stand, noch nichts war. nichts mein eigen nannte, als ich dann aber mein Studium beendet hatte und hier so glücklich war, gleich einige Praxis zu finden, erklärte ich mich Gabriele sowohl wie ihrem Vater. Vou beiden erhielt ick 'eine abschlägige, Antwort, wohl aber waren die Briefe, die ich von meinen Eltern bekam, sehr nnfreunblldjer Natur, da sie durchaus von keiner Schwiegertochter ohne Vermögen hören wollten.
Was ich gelitten, vermag ich Dir nicht zu be« chreiben, umso mehr, als Gabriele meinen Kummer ahnte und mich beschwor, so lange nicht alles geebnet und klar sei, von keiner Verbindung mit ihr zu sprechen. Ihre flehenden Bitten banden mir die Zunge, ich mußte schweigen, auch Dir gegenüber, dem ich am iebsten vertrauensvoll gebeichtet und mit dem ich o gern Rats geflogen hätte.
(Fortsetzung folgt)