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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg uni) Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition Markt 21. — Reaktion, Druck und Brrlag vou Joh. Inp K?ch.
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Berlin, 9» März 1888
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I" der Zeit der ernsten und schweren Sorgen, die schon seit längerer Zeit das Herz des deutschen Volkes erfüllen und bedrücken, war es ein starker Trost, daß der Allmächtige unseren ehrwürdigen Kaiser mit Gesundheit und Kraft ausstattete, so daß Er, obwohl hoch betagt und von den Beschwerden des Alters nicht verschont, dennoch inmitten drohender Gefahren, wie sein ganzes Leben hindurch, als ein leuchtendes Vorbüd der Pflichten seines hohen Amtes waltete.
War unserem Allerhöchsten Herrn die Erfüllung dieser Pflichten durch die in jüngster Zeit so vielfach eintreffenden trüben Botschaften in hohem Maße erschwert, und war das seelische Empfinden Allerhöchst- desselben unter dem Eindruck vielen Kummers in schmerzlichster Weise erregt und beeinflußt, so fft durch das seit einigen Tagen hinzugetretene körperliche Leiden der Zustand Seiner Majestät ein noch betrü- benderer geworden. Ernste Krankheit und schwere Bedrückung des Gemüts haben vereint den geliebten Herrscher, in dem das Vaterland den festen Hort der nationalen Wohlfahrt, die ganze Welt aber den Erhalter des Friedens zu sehen sich gewöhnt hat, und zu deffen geheiligter Person Alles mit unwandelbarer Verehrung und mit unerschütterlichem Vertrauen aufblickt, plötzlich drohender Gefahr ausgesetzt. Das deutsche Volk kann sich auf diese neue Kunde der Trübsal hin nur noch enger und einmütiger schaaren, um in inbrünstigem Gebet die Genesung und die baldige Rückkehr der alten geistigen und körperlichen Frische und Rüstigkeit Seiner Majestät von dem Allmächtigen zu erflehen.
Unser Volk darf bei diesem Gebet wohl dem Bewußtsein vertrauen, daß, was menschliche Einsicht und Kraft vermag, um diesem Wunsch Erfüllung zu gewähren, aufgeboten und der Menschenhand dienstbar gemacht ist.
Durch die Macht des Gebetes gestärkt und im Vertrauen auf die Huld und Gnade, mit welcher die Vorsehung die Geschicke des Vaterlandes bisher 0 gütig gelenkt, ziemt es sich, in diesen schwere» Tagen in Ruhe und Ergebung, aber auch mit Mut und Selbstvertrauen auszuharren und unentwegt an der Hoffnung festzuhalten, daß Gott daS Flehen eines ganzen Volkes erhören und dasselbe vor schwerstem Leide bewahren werde!
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Der Kaiser hatte sich, als er von der Ohnmacht erwacht war, um 7 Uhr so wesentlich erholt, daß er die Großherzogin von Baden fragte, ob und mit wem sie zu Mittag gegessen habe. Diese Erholung überraschte die Aerzte. Der Kaiser aß und trank und sprach mit seiner Umgebung. — Der Nachricht, daß General Winterfeld mit Depeschen zum Kronprinzen reise, wird widersprochen.
Berlttr, 9. März, 1 Uhr 20 Min. nachts. Die relative Besserung im Zustand des Kaisers hält an. Seit 7 Uhr bis jetzt hat er wiederholt Nahrung eingenommen. Die Athmnng ist bester, der Puls etwas kräftiger.
Der Kronprinz dürfte anfangs nächster Woche eintreffen. Die Ärzte begleiten ihn. Im Reichstage erklärte Minister Maybach bezüglich der Reise des Kronprinzen, es seien noch keine Dispositionen darüber getroffen. Der Pulsschlag des Kaisers, gewöhnlich 57 Schläge, stieg gestern auf 108, heute auf 104.
Im äußerlichen kennzeichnet sich die Erkrankung des Kaisers, wie verlautet, in einer Art langwieriger Somnolenz; ein Zeichen und eine Folge der vorhandenen Schwäche und nicht durch Morphiumanwendung veranlaßt. Morphium ist, wie uns bestimmt versichert wird, überhaupt nicht gebraucht worden.
Während der Nacht hatten die Leibärzte Dr. Leuthold und Dr. Timann bei dem Monarchen verweilt; der Generalstabsarzt Dr. v. Lauer hatte das Palais erst in später Abendstunde verlaffen und war heute früh um 8 Uhr wieder im Krankenzimmer, in deffen Nähe der Oberstkämmerer Graf v. Stolberg- Wernigerode, die Obersten Hofchargen, die Chefs des Militär- und Zivilkabinetts, die gesamte Adjutantur, der Reichskanzler, der Generalfeldmarschall Graf von Moltke, die Minister, der Ober-Hofprediger Dr. Kögel und andere hervorragende Persönlichkeiten verweilen. Der Reichskanzler hatte heute nachmittag 2 Uhr auch die Möglichkeit, einige Zeit mit Sr. Majestät zu konferieren. Im Palais und im Hofmarschallamte langen aus allen Kreisen fortgesetzte dringende Fragen nach dem Befinden des Kaisers ein.
Die erlauchten Mitglieder der kaiserlicheu Familie verweilen fortdauernd bei Sr. Majestät, ebenso die heute 4 Uhr 45 Min, mit der Kronprinzessin von Schweden eingettoffenen großherzoglichen Herrschaften von Baden. Der Kronprinz von Schweden traf 'jeute Nachmittag 2 Uhr 12 Min. hier ein; Prinz Heinrich wird zu morgen früh erwartet, dagegen ist das Gerücht unbegründet, daß die kronprinzlichen Herrschaften hier eintreffen sollen.
Nach längerem Aufenthalt Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen im Freien am gestrigen Tage war auch die letzte Nacht befriedigend. Da das bessere Allgemeinbefinden andauernd, so werden von jetzt ab die Bulletins alle zwei Tage erscheinen.
Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell. v. Bergmann. Bramann.
Köln, 8. März. Die „Kölnische Volkszeitung" meldet aus San Remo, daß dieAerzte darein gewilligt haben, den Kronprinzen nach Deutschland übersiedeln zu kaffen, zunächst nach Wiesbaden.
Nach Informationen, die sehr beachtet zu werden, verdienen, wird der deutsche Kronprinz von San Remo nicht nach Wiesbaden, sondern zunächst nach Berlin sich begeben und vielleicht schon in den nächsten Tagen hier eintteffen. Im kronprinzlichen Palais sind seit heute morgen fleißige Hände mit allerlei Einrichttmgs- nnd Dekorattons-Arbeiten be- schäfttgt.
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Vom Kaiser.
Berlin, den 8. März.
Die heutigen offiziellen Bulletins über das Befinden des Kaisers lauten:
Vormittags 9 Uhr: Se. Majestät der Kaiser und König haben eine sehr unruhige Nacht gehabt. Die Kräfte haben noch mehr abgenommen. Etwas Nahrungsaufnahme ist erfolgt, v. Lauer. Leuthold.
Mittags 12 Uhr. Zur Zeit ist etwas mehr Ruhe eiugetreten, indes ohne merkbare Hebung der Kräfte.
v. Lauer. Leuthold.
Um 2 Uhr sollte ein Bulletin herausgegeben werden, dies ist aber nicht geschehen und soll solches erst heute abend von den Ärzten gegeben werden.
Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Nach einer Mitteilung von 1 Uhr ist in dem Befinden des Kaisers
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vom Kronprime«.
Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht in seiner heutigen Nummer folgendes Bulletin aus San Remo:
San Remo, 8. März, 11 Uhr 5 M. vorm.
Deutsches Keich.
Berlin, 8. März. Das Reichsgesetzblatt und die Gesetzsammlung publizieren folgenden Allerhöchsten Erlaß: In Betracht der Wechselfälle Meiner Gesundheit, welche Mich vorübergehend zur Enthaltung von Geschäften nötigen, und in Betracht der Krankheit und verlängerten Abwesenheit Meines Sohnes, des Kronprinzen, beauftrage Ich Euere Königliche Hoheit, in allen Fällen, wo Ich einer Vertretung in den laufenden Regierungsgeschästen und namenüich in der Unterzeichnung von Ordres zu bedürfen glauben werde, mit dieser Vertretung, ohne daß es für die einzelnen Fälle einer jedesmaligen besonderen Ordre -edarf. Berlin, den 17. November 1887. Wilhelm. (Kontrasigniert): v. Bismarck. An des Prinzen Wilhelm Königliche Hoheit.
»erlitt, 8. März. Die Budgetkommission des Reichstags hat den Nachtragsetat (stiategische Bahnen) mit allen gegen 1 Stimme genehmigt. — Dem Reichstage ist der Bericht der Reichsschuldeu - Kommission zugegangen. Demselben ist folgendes zu entnehmen: „Die Schuldverschreibungen der 4prozentigen Reichsanleihe von 1884 im Betrage von 40 Millionen sind veräußert mit einem Gesamterlöse von 41907 948 Mk. Ferner find an Schuldverschreibungen einer 3»/,pro- zentige» Reichsanleihe von 1885 im Rechnungsjahre 1886/87 36 Millionen ausgefertigt und mit einem Erlöse von 36 010 441 Mark veräußert worden. Endlich hat die Ausfertigung von Schuldverschreibungen einer 3'/,prozentigen Reichsanleihe von 1886 im
um 12 Uhr erschienen, derselbe konferierte längere Zeit mit dem Prinzen Wilhelm. Der Kronprinz von Schweden trifft um 2*/* Uhr hier ein. Die hier anwesenden Prinzen des königlichen Hauses waren ebenfalls im Palais.
Nachmittags 4 Uhr 30 Min. Kurz nach 2 Uhr waren die Kaiserin und die Großherzogin von Baden beim Kaiser; um 2 Uhr empfing der Kaiser den Fürsten Bismarck und sprach mit demselben. Das Befinden des Kaisers ist unverändert. Fürst Bismarck berließ um 2*/* Uhr das kaiserliche Palais. Laut Eäulenanschlag sind die Königlichen Theater heute schlossen.
Berlin, 8. März, abends 7 Uhr. Der Schwäche- sustand Seiner Majestät des Kaisers dauert fort. 6e. Majestät nehmen ab und zu etwas Wein und Müssige Nahrung zu sich. Im Ganzen ist der Zu- ftaud ruhiger. v. Lauer. Leuthold.
Berlin, 8. März, 9 Uhr30 Min. abends. Die schwere Ohnmacht, in welche der Kaiser 5 Uhr 10 Min. fiel, war die Veranlassung, daß das Gerücht bon seinem Ableben entstand und daß zeitweise auch «ri den beteiligten Personen die Katastrophe als unmittelbar bevorstehend angesehen wurde. Als der Kaiser nach anderthalb Stunden erwachte, soll er Einiges gesprochen haben. Es besteht jetzt starke Athemnot. Trotz strömenden Regens wächst in der 'whe des Palais die versammelte Menschenmenge Unaufhörlich an.
Berlin, 8. März, 10 Uhr 56 Min., abends.
Anzeigen nimmt entgegen die Srpedition d. Blattes, sowie d. Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Stantfnrt e. 3t. Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIII Moste m Frankfurt a.M., Berlin, München u. Köln; B.L. AAU1" Vorgang Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
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zwar etwas mehr Ruhe eingetreten, indeffeu ohne merkbare Hebung der Kräfte. In der Zeit von 12V> bis 1 Uhr war der Oberhofprediger Kögel bei ____ bem Kaiser. Der Prinz und die Prinzessin Wilhelm sind seit 8 Uhr im Palais; Fürst Bismarck war