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MchM M«U Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt fiir dir Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt, Expedition Markt 21. Redaktion, Druck vnd Verlag von Joh. Ang. Loch.

Jti. 58.

Erscheint täglich außer an Werktage» nach Sonn» und Feiertagen. Quartal-Abonnemems-PreiS bei der Expe» bitten 21/* Mt-, der den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 8. März 1888.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Franktzrt a. M.. Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf YYHI Masse in Frankfurta.M., Berlin,Münchenu. Köln; S.L.

Daube u. Co. in Frankfurt a.«., Berlin, Hannover. Paris.

Deutsches Keich.

Berlin, 6. März. Der Kaiser setzte zur Schonung seiner Gesundheit heule noch die Entgegennahme von Vorträgen aus. Heber die Beiräte des Prinzen Wilhelm wird gemeldet: Für die militärischen Vorträge soll bekanntlich dem Prinzen Wilhelm ein General beigeordnet werden. Es ist dies, wie die Nat.-Ztg." erfährt, Generalmajor von Wittich, bisher Kommandeur der 12. Infanterie-Brigade zu Branden­burg a. H. Er war vor dem Jahre 1870 als Lehrer der Taktik an der Kriegsakademie thätig. Im Feldzug 1870/71 war er der erste Offizier des Generalstabs des IV. Armeekorps; fpäter erhielt er ein Regiments-Kommando, kam dann als Abteilungs- Direktor in das Kriegsministerium und aus dieser Stellung in seine jetzige als Brigade-Kommandeur. General von Wittich gilt als einer unserer fähigsten Militärs. Was die Wahl Prof. Gneist's für die staatsrechtlichen und politischen Vorträge betrifft, so verlautet, daß die Initiative dazu von dem Fürsten Bismarck ausgegangen, dessen Vorschlag alsbald die Genehmigung des Kaisers, so wie die Zustimmung des Kronprinzen bei welchem in früherer Zeit der jetzige Justizminister Dr. Friedberg eine ähnliche Stellung inne hatte und des Prinzen Wilhelm erhielt. Auch im Staatsministerium ist die Ange­legenheit zum Vortrag gekommen. Wie verlautet, hat Professor Gneist die Stellung übrigens als eine durchaus freie übernommen, auch den Bezug einer Besoldung abgelehnt. Regierungsrat v. Brandenstein, ein noch junger Beamter, ist, wie es heißt, für die ihm zugedachte Kabinetsstellung von dem Prinzen Wilhelm selbst ausgewählt worden. Die Annahme einzelner Blätter, daß irgend einer der drei Herren bei e.ner etwaigen Funktion des Prinzen Wilhelm in Vertretung des Kaisers die Unterschrift des ersteren zubeglaubigen" odergegenzuzeichnen" hätte, ist unbegründet. Der Bundesrat erteilte in der gestern unter dem Vorsitz des Staats-Ministers, Staatssekretärs des Innern von Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung nachstehenden Gesetzentwürfen die Zu­stimmung: wegen Feststellung eines Nachttags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1888/89, über den Reingewinn aus kriegsgeschichtlichen Werken des Großen Generalstabcs, betteffend die Ausführung der zu Bern am 9. September 1886 abgeschlossenen Hebeieintunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst, und über die Auslegung des Artikels II des Gesetzes wegen Einführung des Reichs-Sttafge-

VUla Kirchwald.

Roman von A. Gnevkow.

k' (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

So unmittelbar streifte sein schwarzer Rock die grünen Blätter, die den Knaben deckten, daß Walter eine fast unausbleiblich scheinende Entdeckung fürchtete aber der Spaziergänger mochte mehr zu thun haben, als die reizlose Wildnis seines Gartens zu durchspähe», seine Gedanken mußten auderwettig beschäftigt fein, tt fuhr einige Male mit der Hand über die hohe Sttru und verwischte dadurch doch nicht die tiefen Falten, die von schweren Leiden sprachen, er seufzte, stöhnte, er schien krank zu sein, und wie eine Be­stätigung letzterer Vermutung hörte Walter eine sauste Stimme zu dem ruhelose» Wanderer sagen:Du fühlst Dich wieder leidend, Herbert, willst Du nicht ins Zimmer kommen u»d Deine beruhigende» Tropfen nehmen?"

Eine Frau trat zu Herrn Buchwald, so zart, mit so durchsichtig klaren, reinen Gesichtszügen, daß sie wie eine verkörperte Lichtgestalt neben dem finstern Gatten erschien und die kleine Hand, die sie leicht auf seinen Arm gelegt, sah wie eine frisch gefallene Schneeflocke aus. So liebevoll und saust aber auch die Berühruug der schmalen Finger gewesen, sie wurden mit fast widerwilliger Geberde von dem Manne ab. geschüttelt, der sich hoch aufrichtete und in anweiseudew Tone sagte:Wie oft ersuchte ich Dich, Mathilde, die mitleidige, bedauernde Rolle mir gegenüber nicht in spielen, Männer haben wehr zu thun, mehr zu bedenken, als Ihr eS Euch ahnen laßt und ein ge­senkter Kopf bedeutet noch nicht immer Schwäche und Unwohlsein."

Frau Buchwald wich scheu zurück und glitt nun wie ein Schatten neben ihrem Manne her, der in diesem Augevblicke wie verjüngt, kraftvoll und energisch erschien.Wenn Du Dich wohl genug fühlst, Her­bert, oh, so habe Erbarmen und vergönne mir endlich

setzbuchs in Elsaß - Lothringen. Außerdem wurden Ersatzwahlen sür die erledigte Präsidenten- und für eine Mitgliedstelle bei der Disziplinarkammer für elfaß - lothringische Beamte und Lehrer zu Kolmar vorgenommen.

Die wirklich erfolgte Notifikation der Pforte nach Sofia wird auch von derNordd. Allg. Ztg." ausdrücklich bestätigt. Ob dies die Folge eines zweiten vom russischen Botschafter überreichten Memo­randums ist, scheint noch nicht ausgemacht. Das offiziöse Blatt referiert diese Meldung lediglich nach derAgence Havas." Besondere Folgen des nun doch schneller als erwartet erfolgten Schrittes wird man wohl sobald nicht erwarten dürfen. DieNat.- Ztg." meint:Mit der erfolgten Notifikation nach Sofia ist die diplomatische Aktion, welche durch den russischenRegierungs - Anzeiger" eingeleitet wurde, formell erschöpft und die Zusicherung, welche Fürst Bismarck in seiner Rede gab, ist prompt eingelöst. Welche materielle Konsequenzen Rußland aus diesem Ersolge zu ziehen gedenkt, ist abzuwarten, ebenso wie Bulgarien sich dieser Thatsache gegenüber stellen wird. Eine Folge ergiebt sich ohne Weiteres. Hnterneh- mungen, welche sich gegen den ferneren Aufenthalt des Prinzen Ferdinand auf bulgarischem Boden richten, sind an sich nicht mehr illegal. Man darf indessen wohl annehmen, daß die Mächte die Heberzeugung gewonnen haben, der von der Pforte gethane Schritt werde nicht zu einer weiteren Verwirrung, sondern zur Klärung der Lage in Bulgarien führen." Die Post" registriert die aufgeregten Auslassungen russischer Blätter über den Sturz des Rubelkourses, und sagt dann:Was beabsichtigt die russische Presse mit derartigen Drohungen? Wir in Deutschland sind uns völlig darüber klar, daß die Rubel-Entwertung mit inneren Verhältnissen Rußlands, insbesondere nut der Steuerüberlastung und der verschwenderischen Wirtschaft zusammenhängt. Die Sprache der Preffe ist nur geeignet, ein weiteres Moment für das Mißtrauen des deutfchen Publikums zu schaffen; wenn der deutsche Kapitalist mit Krieg und Staatsbankerott bedroht wttd, so vergeht ihm die Lust, sein Geld in russischen Werten anzulegen, noch gründlicher. Entweder sind die Aus­lassungen der vorerwähnten russischen Blätter die Eingebung völliger Verständnislosigkeit für die Si­tuation, oder es liegt ihnen eine gefährliche Bös­willigkeit zu Grunde. Die letzte Möglichkeit scheint uns die wahrscheinliipere. Es gibt in Rußland eben eine Presse, welche systematisch auf einen gewaltsamen Hmsturz der Verhältnisse hinarbeitet. Die Vernich­tung des russische» Kredits scheint diesen Blättern

einmal ein Wort in einer Angelegenheit, die mich so lebhaft beschäftigt, die ich für so unumgänglich notwendig eracht:."

Wirklich?" Der Manu lachte fast gellend hinaus hast Du auch Sorge», die Dich quälen, wo ich glaubte, »ur allein heimgesucht zu sein? Nun, so plauderte immerhin, fehlt Dir ein neues Kleid, Herbsttoilette, irgend ein WirtschastSgerät oder kommst Du wieder mit der vergeblichen Bitte, unser Haus znm Sammel- platz allerhand fremden Gesindels zu machen?"

Die Fran senfzte, der den Spott, der in den Worten ihres Gatten lag, mußte ihr wehe thun, einen Augenblick lang schien eS, als solle die Unter- reduug enden, bann raffte sie sich gewaltsam zusammen und sagte zögernd:

Nichts von Alledem, Herbert, Umgang, den ich uns erwünschte, nm Dich heiterer zu stimmen, magst Du nicht, prunkende Gewänder wären mir in unserer Einsamkeit unnütz, was mich quält, liegt tiefer viel tiefer, meine Sorge wurzelt in der Liebe zu unseren Kindern."

Ein Sonnenstrahl fiel hell auf das leicht erhobene Haupt der jungen Frau und spiegelte sich in deu,Thränen die ihre Äugen füllten. Grollend wandte sich der Mann halb ab und rief rauh und gepreßt:

Spare die Vorrede, Du weißt, was mich das Zuhören kostet."

Leni und Ella bedürfen der Erziehung, der geistigen Pflege," fuhr die Frau deshalb rasch fort, »sie find in dem Alter, wo Lernen zum Häupter» orderuis wird, wo sie schon manches wissen müßten, und fie haben, Gott seis geklagt, noch keine Ahnung von den allergeringsten Vorkommnissen."

Ein trüber, auklagender Blick glitt zu Herrn Buch. Wald hinüber und fenfte sich eben so schnell wieder, als er de» zornigen Ausdruck seiner Züge gewahrte.

Immer das alte Geleier," brauste der Mann ans, ein ewiges Einerlei von Vorwürfen, die mich zu Boden schmettern sollen mit ihrem Gewichte an Redens­arten. Meinst Du, ich durchschaue den Plau nicht,

ein zweckdienliches Mittel zu sein, und sie bemühen sich daher durch Krieg und Bankerott-Androhungen die russischen Finanzen in der Meinung Europas immer weiter zu untergraben."

DerReichsanzeiger" veröffentlicht folgendes Bulletin aus San Remo von Dienstag, vormittags 11 Uhr: Gegenüber den in der Presse verbreiteten Gerüchten von Meinungsverschiedenheiten unter den behandelnden Aerzten des Kronprinzen erklären die Unterzeichneten, daß hinsichtlich der Natur und Beurteilung der Krankheit eine solche unter ihnen nicht besteht. Eben so wenig ist von ihnen die Nähe einer gefährlichen Wendung des Leidens behauptet worden. Die einheitliche verantwortliche Leitung der Behandlung befindet sich, wie vor der Operation, in den Händen des Dr. Mackenzie. An die Zeitungen des Inlandes und des Auslandes richten die Aerzte noch einmal im Interesse des hohen Kranken und der Völker, die ihn hochachten, lieben und verehren, die Bitte, sich jeder Diskussion über die Krankheit desselben oder über die bei der Behandlung ange­wandten Methoden und Instrumente zu enthalten. Die örtlichen Störungen in und am Kehlkopfe des Kronprinzen haben sich im wesentlichen nicht ver­ändert; die Wunde ist geheilt, die Kanülen liegen gut, die Lungen sind gesund, der Husten und der Auswurf wurden geringer. Der Kräftezustand ist ein befriebigenger, ber Appetit ist int Zunehmen, Verbauungsstörungen sinb nicht vorhanden, ebenso­wenig Schmerzen beim Schlucken oder Kopfweh. Der Schlaf hält ununterbrochen stundenlang an. Da die Mission des Prof. v. Bergmann beendet ist, wird er demnächst abreisen. Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell. von Bergmann. Bramann. Fernere Nachrichten lauten:

San Remo, 5. März, 10V» Uhr abends. Der Kronprinz verwellte im Laufe des Tages mehrmals einige Zeit auf dem Balkon. Der Husten hat nachgelassen. Das Allgemeinbefinden und der Appetit ist gut.

San Remo, 6. März, lOUhr 50 Min. vorm. Der Kronprinz verbrachte eine recht gute Nacht und fühlt sich heute morgen sehr erfrischt. Husten und Auswurf sind geringer. Das Wetter ist prächtig.

San Remo, 6. März, l1/* Hhr nachm. Der Kronprinz ging den ganzen Vormittag int Garten spazieren, wo er auch frühstückte. Sein Befinden ist viel besser.

Dte in dem heutigen offiziellen Bulletin aus San Remo über die Krankheit des Kronprinzen konstatierte Einigkeit der Aerzte hinsichtlich der Natur fei» augezettelt unb schlau erbacht, um mir mein Leben zur Hölle zu mache»? Fran Buchwalb fühlt sich' einsam, Frau Buchwalb will Gesellschaft haben und ba wirb eine Gouvernante verschrieben, vielleicht auch ein Hauslehrer, aber ich sage Dir, baraus wirb nichts, schicke bie Mäbcheu in Pension und quäle mich nicht mit allerlei unnütze» Bedenken."

Die ThrSnen, bie den Blick ber armen Frau ge- ttübt, rollten heiß uub schwer über bie Wange»: sie wischte fie fort, als sei eS strafbar, sie überhaupt ge­weint zu habe».Herbert," sagte sie flüsterub, unb das Flüstern auch würbe Walter verstänblich, weil die Sprechenden dicht vor seinem Gebüsch Posto ge. aßt,Du bist ruhelos, weil der Mahner in Deiner Brust nicht aufhört, Dich anzuklagen, und ein neues Unrecht wäre es, wolltest Du mir mein einziges Glück bie Freube meiner Tage, meine Kinder rauben."

So unterrichte Du sie," sagte er mit vollkommener Gleichgültigkeit.

Ich bin zu leidend und will in ber Erziehung der Mädchen nichts halbes, Unvollkommes sehen."

Willst Du, willst Du wirklich?" spottete der Mann mit grausamer Kälte.Nun so setzte ich Deiner Energie meine unumstößliche Erklärung entgegen, keine fremden Menschen um mich sehen und nun selbst ver­anlasse» zu wolle», daß die Kinder außer dem Hause lernen, was ihnen hier nicht gewährt werben kann."

Er toanbte sich ab, um weiterzugehen, aber bie zitternden Finger seiner Gattin legten sich fest aus einen Arm und zwangen ihn, noch auf feinem Platze zn bleiben.Nicht Krankheit ists, nicht Sorge, die Dich menschenscheu machen," sagte sie hastig, abge­brochen. augenscheinlich ein Raub der höchsten Auf­regung,was Dn mir auch davon etuzureben gesucht, ich Habs nie geglaubt, nie, seit jener einen, einen un­glückseligen Stunde, bereuAndeuken ich heraufbeschwören muß, um mir meine Kinder zu erhalten. Hell wars, hell und licht, Wie um jetzige Zeit, Sonnenschein überall, nur nicht in dem Herzen des Mannes, der fern von hier in seinem Zimmer stand und mit einem

unb Beurteilung der Krankheit ist wahrscheinlich als eine Folge des Resultats der Waldeyerschen Unter» suchungen anzusehen und der Gedanke liegt nahe, daß diese Kundgebung auch auf die Einwirkung des Prinzen Wilhelm zurückzuführen ist. Im Uebrigen spricht das Bulletin unb auch bie sonst vorliegenden Privat­nachrichten, daß eine momentane Gefahr nicht vorliegt, und daß wieder eine Zeit verhältnismäßig besseren Allgemeinbefindens zu erwarten ist.

Mönche», 6. März. Die Abgeordnetenkammer bewilligte einstimmig die zur Aufbesserung der Ge­hälter der nicht pragmatischen Beamten geforderten 1 583 000 Mk., ebenso 850 000 Mk. für den Bau eines Handelshafens nebst Verbindungstzeleisen in Aschaffenburg. Minister v. Crailsheim erklärte, wenn es sich um bie Einrichtung der Kettenschiffahrt auf dem Mam handle, so sei zu erwägen, ob nicht der Staat die Anlage herpellen solle.

Ausland.

Wie«, 8. März. DasFremdenblatt" meldet: Die nächste ordentliche Session ber Delegationen dürfte in der zweiten Hälfte des Monats Mai eröffnet werden.

Rom, 5. März. (Deputiertenkammer.) Der Deputierte Sonnino Sidney gedachte der Krankheit Sr. feifert und königl. Hoheit des Kronprinzen und erklärte, bie italienische Nation verfolge mit inniger Teilnahme die von dem Kronprinzen, dem Gaste Italiens und dessen aufrichtigem Freunde, mit solcher Ergebenheit ertragenen Leiden. Er sei über­zeugt, daß die Kammer damit einverstanden sein werde, dem Kronprinzen, der Kronprinzessin und den kaiser­lichen Majestäten, sowie dem ganzen Deusschen Reich im Namen der ganzen italienischen Nation ihre innigste Teilnahme unb herzlichsten Wünsche für bie Wieder- genefung des Kronprinzen auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Der Ministerpräsibent Crispi schloß sich den Ausführungen des Redners an und erklärte, Italien entbiete seinem erlauchten Gaste, dem Freunde seines Königs, die b:sten Grüße und wünsche, daß er seine volle Gesundheit wiedererlange und dereinst das mächtige Deutsche Reich regieren möge. Die Kammer spreche dem erhabenen Kranken ihre innigste Sympathie und tiefe Ergebenheit aus. (Lebhafte, allseitige Zu­stimmung.) Der Präsident der Kammer erklärte hierauf, obwohl bie Kammer einstimmig für den An­trag Sonnino zu sein scheine, müsse er doch darüber abstimmen lassen. Die Kammer nahm den Anttag einstimmig an. Nach ber Abstimmung über ben Antrag Sonnino Sidney erBärte der Präsident, er

Fremden sprach, bet, oh, so vertraueub, so liebevoll zu ihm gekommen; blicke mich nicht so gleichgültig au, Herbert, wie eine Löwin um ihr Junges, will ich um bas einzige Glück meines Lebens kämpfen uub barum sage ich Dir, baß ich alles gehört, alles, benn webet Du, bet Du ber Sprechet gewesen, noch bet frembe Mann, Ihr konntet wissen, baß ich in ber Fensternische verborgen burch die schweren, faltigen Vorhänge, saß."

Nun, uub?" Die Stimme Herrn Buchwalbs klang eisig, nur ein leises Beben verriet, baß ihn bie Worte seiner Frau nicht gleichgültig ließen.

Als ich hiuanSging, lange, lange, nachdem Ihr baS Zimmer verlassen, benn ich mußte mich erst sammeln, mußte klar butchbeukeu, was zu thun sei, wußte ich, baß, baß"---sie beugte sich ganz

bicht zu ihrem Gatten hinüber unb flüsterte ihm einige Worte zu, bie ber Knabe nicht verstand, die aber von äußerster Wirkung sein mußten, benn Herr Buchwalb schleuberte bie zarte Gestalt jäh von fick erhob bie geballte Faust uub, wer weiß, was gt« cheheu wäre, wenn ber knabenhafte Eifer Walters hn jetzt nicht alle Vorficht hätte bei Seite setzen lasse», unb ihn aus seinem Versteck hervorgettieben hätte.

Wie ber Gugel mit bet» flammenden Schwerte erschien er auf dem Platze, aber, bie Rolle, die er hielte, war feine dankbare, benn Herr Buchwald, ber ben Jungen mit den glühenben Wangen, zerzausten Locken unb ber gespannten Armbrust kaum eines Blickes würbigte, toanbte sich mit spöttischem Lachen ab nnb ging bem Hause zu, während Frau Buchwald ihm ängstlich znwiutte, sie zu verlassen, und ih» chließlich, als er ihre Aufforderung nicht gleich ber» taub, sanft bei ber Schulter faßte unb vorwärts schob.

Niedergeschlagen, gesenkten Kopfes, bie Helle Röte ber Scham auf ben Wangen entfernte sich Waller ber neben allem Kummer, ben ihr bei schlechte Aus­gang seines Abenteuers bereitete, doch einige Freude empfand, ans der Nähe des unheimlichen Mannes forizukommeu. (Fortsetzung folgt)