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wissen, Prinz Wilhelm habe förmliche Ordre des Kaisers mitgebracht, in welcher letzterer verlangt, der Kronprinz solle unverzüglich nach Berlin zurück­kehren, um den gegenwärtigen Einflüssen entzogen zu werden. Die Kronprinzessin habe sich diesem Verlangen widersetzt, weil Mackenzie ihr die Gefahren, welche die Ueberfiedelung nach Norddeutschland in sich schließt, überzeugend nachgewiesen. Die Differenzen zwischen Mackenzie und den übrigen Aerzten werden immer schärfer: auch Mackenzie soll jetzt den Zustand verzweifelt ansehcn und sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet haben, den Kronprinzen zu stärken. (Fr. Z.)

San Remo, 5. März, 4 Uhr 25 Min. nachm. Der Kronprinz soll eine gute Nacht und sogar das Verlangen gehabt haben, den Prinzen Wilhelm, welcher heute morgen neun Uhr abgereist ist, nach dem Bahnhof zu begleiten, was seitens der Aerzte jedoch nicht zugelassen worden ist. Bis vier Uhr nachmittags war der Kronprinz noch nicht auf dem Balkon erschienen, er hat bis'dahin also das Zimmer nicht verlassen können. [8- Ztg-j

Nach authentischen neuesten Berichten aus San Remo ist, so traurig auch das definitive Ur­teil über das Leiden des Kronprinzen lautet, von einer unmittelbaren Lebensgefahr zur Zeit nicht die Rede. Gewisse gegenteilige Aeußerungen, welche Bergmann zugeschrieben wurden, beruhen auf Er­findung oder Mißverständnis. Der Gedanke einer Ueberfiedelung des Kronprinzen nach Potsdam wird, wenn der Patient selbst seine Zustimmung nicht noch versagt, ausgeführt, wenn die Witterung es gestattet.

Sehr pessimistisch lauten jetzt auf einmal alle englischen Berichte. Nach den letzten in London eingetroffenen amtlichen Nachrichten giebt der Zustand des deutschen Kronprinzen zu großer Besorgnis Anlaß. Wahrscheinlich werden die für die nächste Woche in Aussicht genommenen Hoffestlichkeiten, eine Levse und ein Damenempfang keine Abänderung erfahren, doch ist das Lordkämmereramt darauf vorbereitet, eventuell binnen kurzer Frist den Geladenen Absagungen zu­stellen zu können. Der Pariser Chirurg Evans soll nach demMatin" nach San Remo gerufen sein. Der Zahnarzt Evans hat schon früher den Kron­prinzen in Toblach besucht, lieber die Veranlassung zu dem Verbot von ärztlichen Privatmitteilungen schreibt man dem Hamburger Korrespondenten aus Berlin: Wir haben Grund zu glauben, daß die Nach­richt, die Anweisung sei von Berlin aus erfolgt, zutrifft und daß neben der Erwägung, das unwahre Spiel mit der im höchsten Grade vorhandenen Teil­nahme des Volkes zu unterbrechen, ganz besondere Anlässe zu dieser Maßnahme vorgelegen haben. Man kann nur immer wieder auf das Schmerzlichste be­dauern, daß sich mit der Krankheit des Kronprinzen, der Quelle großen nationalen Leides, unerfreuliche Nebenumstände verknüpft haben, die sich nur bei der Fernhaltung des Kranken von Deutschland geltend machen konnten. Es wird nun ^ald ein Jahr, daß die Kaiserin ihren Sohn nicht wiedergesehen hat. Am vorigen 2. September hoffte der Kaiser, daß der Kronprinz auf der Reise von England nach Toblach den Weg über Berlin nehmen werde; er hatte ihn telegraphisch darum gebeten und noch au dem Paradefelde geäußert:Ich habe noch keine Nachricht, vielleicht wird er mich nachmittags über­raschen." Aber am Nachmittag brachte der Adjutant des Kronprinzen die Meldung aus Frankfurt, daß die Aerzte (Mackenzie und Hovell, damals allein noch) den Umweg über Berlin nicht gestatten. Heber Professor von Bergmanns Ansicht schreibt ein anderer Berliner Korrespondent dem oben zitierten Hamburger- Blatte:Es ist nicht ganz zutreffend, daß Professor von Bergmann auch heute noch an der Ansicht fest­hält, ein größerer operativer Eingriff im Halse des Kronprinzen sei mit Aussicht auf Erfolg, und sei er auch noch so gering, vorzunehmen. Richtig ist es, daß Herr v. Bergmann an seiner Diagnose betreffs der aligemeineu Natur der Krankheit festhält und daß seine Wahrnehmungen in San Remo ihn in dieser Richtung noch darin bestärkt haben, daß er und die deutschen Aerzte Recht gehabt haben. Ebenso richtig aber ist es auch, daß Profeffor v. Bergmann schon im November nach einer Konferenz mit dem aus San Remo nach Berlin gekommenen Dr. Moritz Schmidt zu der Ansicht gelangt war, daß schon da­mals ein operativer Eingriffzu spät" gewesen wäre. Herr v. Bergmann, der seine Ansichten seit dem November nicht nur nicht verändert, sondern, wie alle glaubwürdigen Berichte aus San Remo bestä­tigen, nur noch befestigt, dürfte heute noch weniger als im Herbste bereit sein, zu einer größeren Opera­tion zu raten, geschweige baut, eine solche selbst aus­zuführen. Das ist auch die Ansicht, die wir stets vertreten haben. Zur Charakteristik der Berichte gewißer Zeitungen bringen dieBert. Polit. Nachr." folgendes:Gewisse englische Zeitungen fahren fort, die deutschen Aerzte, welche sich im Gefolge Sr. Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen in San Remo befinden, zu verdächtigen. Bei den englischen Aerzten, sagen sie, erregt die deutsche Behandlungs­weise des Kronprinzen nach der Tracheotomie Unzu­friedenheit. Die Einmischung des Geheimrats von Bergmann werde von seinen englischen Kollegen als sehr lästig empfunden. An der Spitze dieser englischen Preßkampagne gegen unsere Aerzte steht dieTruth". Wir erklären uns völlig außerstande, dem Labouchöre- schen Blatte und seinen Helfershelfern eine auf die Sache eingehende Antwort zu erteilen und beschränken uns auf die Bemerkung, baß die beutsche Preffe sich der englischen gegenüber bezüglich dieser Frage in einer nachteiligen Lage befindet. DieTruth" trägt

kein Bebenken, an dem Krankenbette des Kaiserlichen Prinzen einen gehässigen Streit mit ben deutschen Aerzten vom Zaun zu brechen, weil ihr jebes Gefühl unb Verständnis für eine Situation wie die inrede- stehende abgeht. Ein Blatt, welches wie das 2a- bouchsre'sche lediglich von Skandalgeschichten lebt, bedarf jener Eigenschaften ja auch nicht. Unsere fasste aber besitzt zuviel Anstandsgefühl, um sich mit der Truth" einlassen zu können."

Chemnitz, 5. März. Auf der Strecke Chemnitz- Borna-Leipzig fehlen seit gestern abend alle Eisen­bahnzüge von und nach Leipzig.

Stuttgart, 5. März. Anläßlich seines morgigen Geburtssestes richtete der König ein Schreiben an den Ministerpräsidenten Dr. von Mittnacht, worin der gerührte Dank des Königs baten ausgesprochen wirb, welche dem Könige während seiner Krankheit Beweise treuer Anhänglichkeit gaben. Der König entbietet ferner der teueren Heimat und seinem ge­liebten Volke den landesväterlichen Gruß unb spricht die Hoffnung aus, bald wieder in die Heimat zurück­kehren zu dürfen.

Anstatt).

Wie«, 5. März. DerPolitischen Korrespon­denz" wird aus Belgrad gemeldet: Die Radikalen erhielten 130, die Liberalen 12, die Parteilosen 7 Mandate zur Skupschtina, ausständig sind noch die Resultate von 6 Wahlen.

Paris, 5. März. General Soulanger sandte dem Kriegsminister ein Schreiben aus Clermont- Ferrand, in welchem er anzeigt, ihm seien bezüglich der im Laufe des Monats März stattfindenden Wahlen dringende Aufforderungen zugegangen. Da nun aber seine Stellung insbesondere jetzt es mit sich bringe, daß er sich gänzlich seinen militärischen Pflichten widme, bitte er den Kriegsminister, entweder dies Schreiben zu veröffentlichen oder ihn zu ermächtigen, seinerseits ein Schreiben zu veröffentlichen, worin er seine Freunde ersuchen werde, keine Wahlstimmen auf ihn abzugeben, da er eine Wahl nicht annehmen könne. In der Deputiertenkammer fragte heute bei der Beratung des Budgets des Kriegsministeriums Laferronays, ob der Minister dieses Jahr die ganze Altersklasse einzuberusen beabsichtige und ob die Munizipalräte für das gesamte Kontingent oder nur für den cinzuberufenden Teil für die Ernährer der Familien Ausnahmen verlangen könnten. Der Kriegs­minister bedauerte, keine bestimmte Antwort so lange vorher geben zu können.

London, 5. März. Der Herzog von Rutland ist gestern abend in Belvoir - Castle gestorben. Den Herzogstitel erbt Lord John Manners, Kanzler des Herzogtums Lancaster und Mitglied d s Kabinetts. Eme Neuwahl ist für Ost - Leicestershire erforderlich.

Bukarest, 5. März. Dem Vernehmen nach hat der Präsident des Senats, Fürst Ghika, die Bildung des Kabinetts übernommen und den Ministerpräsidenten Bratiano um seine Mitwirkung ersucht. Bratiano hat zugesagt.

Kairo, 4. März. Die Staatsschuldenkasse be­schloß die Genehmigung einer Anleihe von 21/* Mill, egyptischer Pfund (effektiv.)

Suaki«, 4. März. Gestern abend besetzte eine größere Abteilung Derwische das außerhalb der Stadt gelegene Fort und griff heute die Stadt an, mußte sich jedoch nach einem vierstündigen Kampfe unter Zurücklassung von mehreren Hundert Toten und Ver­wundeten zurückziehen. Der britische Oberst Tapp, welcher in egyptischen Diensten steht, sowie 5 Soldaten sind tot, 14 Soldaten sind verwundet. Die Kanonen­booteDelphin" und Albacora" nahmen an dem Kampfe teil.

HkILtn- HölTtiu.

Marburg 6. März. An Stelle des nach Straß- burg abgehenden Herrn Prof. Dr. Sickel wurde der ordentliche Profeffor in der juristischen Fakultät der Universität Basel Dr. Eugen Huber zum ordent­lichen Professor in der juristischen Fakultät hiesiger Universität ernannt.

Marburg, 6. März. Gegenwärtig findet unter der Leitung des Stabsarztes Herrn Dr. N i e b e r g a l l Hierselbst wieder ein Operationskursus für Militärärzte statt, zu welchem gestern 11 Assistenzärzte der Reserve, Landwehr und Seewehr eingezogen wuroen. Derselbe dauert vom 5. bis 25. März.

lieber die Krankenversicherung der Arbeiter im Deutschen Reiche bringt die soeben erschienene amt­liche Statistik folgende neue Daten. Es bestanden im Jahre 1886 19 238 Krankenkassen, gegen 18 776 im Vorjahr. Darunter waren 1886 1843 eingeschriebene Hilfskassen, 479 landesrechtliche Hilfskassen, 288 Jnnungskassen, 105 Baukassen, 5615 Betriebskassen, 3738 Ortskrankenkaffen, 7170 Gemeinde-Kranken­verbände. Die Mitgliederzahl betrug 4570 087 gegen 4 2v4 173 im Vorjahr; davon entfielen 731943 au eingeschriebene Hilfskassen (730 722), 148 644 au: landesrechtliche Kaffen (143 785), 32013 auf Jnnungs­kassen (24 879), 12 897 auf Baukassen (12115), 1314216 auf Betriebskosten (1 261 200), 1701305 auf Ortskrankenkassen (1 538 888), 629 069 auf Ge- meindeverficherungen (586 584). Die Ausgaben sämt­licher Kasten betrugen Mk. 58 745 488 gegen Mk. 52 646 826 im Vorjahr. Die Steigerung der Aus­gaben beträgt somit 11,58 Prozent, während die Erhöhung der Mitgliederzahl 6,43 Prozent beträgt. Au» die freien Hilfskassen entfielen Mk. 10 249 309 gegen Mk. 10 037 429 im Vorjahr. Unter den Aus­gaben entfielen auf Ausgaben für Krankheitskosten Mk. 52 452 343. oder 90,36 Prozent.

Cassel, 5. März. Am 4. und 5. April findet: ijter die zweite Hauptversammlung des Deutschen Einheitsschulvereins statt. Das Programm ist fol­gendes r Dienstag, 3. April: Empfang der Gifte. Abends 8 Uhr: Zwanglose Bereirnynng und Be­grüßung im Hotel Royal. Mittwoch, 4. April,, morgens 9 Uhr: Erste öffentliche Sitzung im Palcris- Restaurant: t. Geschäftliche Mitteilungen. 2. Vor­trag des Gymnasiallehrers F. Horneniann aus Hsn- nover: Der gegenwärtige Stand der Einheitsschul­bewegung- 3. Vortrag des Professors an der tech­nischen Hochschule zu Hannover G. Barkyausen: Betrachtungen über das Verhältnis der höheren Ein­heitsschule zur technischen Hochschule.. Nachmittags 21/« Uhr: Gemeinsames Mittagessen im Palais- Restaurant. Spaziergang durch die Aue. Abends: Gesellige Vereinigung im Stadtpark,, ebent. Besuch des Theaters. Donnerstag, 5. April, morgens 9 Uhr: Zweite öffentliche Sitzung. 1. Geschäftliche Mitteilungen. 2. Vortrag des Gymnasial - Direktors Dr. Heußner aus Cassel: Das Lateinische in der Einheitsschule. Nach der Pause: Nicht öffentliche Sitzung der Mtt- glieder des Deutschen Einheitsschulvereins sRechnungs- ablage u. s. w.) Nachmittags 21/* Uhr: Gemeinsames Mittagesten im Palais-Restaurant. Spaziergang durch die Stadt, Besichtigung des neuen Wilhelmsgym- nasiums u. s. w. Abends: Gesellige Vereinigung im Stadtpark, ev. Besuch des Theaters. Freitag, 6. April, Morgens 9 Uhr: ev. Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Cassels (Bildergallerie, Museen, Residenzschloß, Marmorbads. Nachmittags: ev. Fahrt nach Wilhelmshöhe. Auch Nichtmitglieder können an den Verhandlungen der öffentlichen Sitzungen teil- nehmen. Anfragen, betreffend die Versammlung, sind zu richten an Gymnasiallehrer F. Horneinann in Hannover, Anmeldungen an denselben oder an Gymnasialdirektor Dr. Heußner in Cassel.

Treysa, 5. März. Heute wurde die älteste Person hiesiger Stadt zu Grabe getragen. Es war dies die Wittwe des schon lange verstorbenen Kauf­manns Heinrich Stephan, Philippine Stephan, geb. Trieschmann. Sie erreichte bei körperlicher und geistiger Frische das seltene Alter von 94 Jahren 7 Monaten. Ein Beinbruch, den sich die hochbetagte Person vor 23 Jahren zugezogen, heilte ganz normal, jedoch war sie durch denselben lange ans Vett gefesselt. Mit ihrem Heimgänge ist der Familien­nameStephan" in hiesiger Stadt erloschen, da der langjährige Bürgermeister Stephan und sein Bruder, der s. Z. allbekannte HotelbesitzerVater Stephan" vor einigen Jahren ebenfalls in hohem Alter ver­storben sind.

Hana«, 5. März. Dem Akademieschüler und Goldarbeiter Wilhelm Schmidt dahier ist nach Ab­legung des sog. Künstlerexamens die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst zuerkannt worden. (H. Z.s

Telegraphische Depesche«.

Berlin, 6. März. Der Kaiser ast gestern mit gutem Appetit. Tie Aerzte wünsche«, dast er sich «och im Bett hält; der Schlaf war i« letzter Nacht zwar mehrmals unter» brachen, der Instand jedoch durchaus ««be­denklich. Für heute sind Borträge angesetzt.

Wien, 5. März. TerNeuen Freien Presse" zufolge ernannte der Kaiser den Prinzen von Wales zum Oberstinhaber des zwölften Husaren - Regiments.

Basel, 5. März. In einer Beantwortung des gestrigen Artikels derNordd. Allg. Ztg." bezüglich des von demLörracher Boten" abgedruckten Fast­nachtsgedichtes, verwahren sich dieBasler Nachrichten" dagegen, daß das Machwerk als öffentliche Bekundung der in der Schweiz gegenüber Deutschland herrschenden Gesinnung betrachtet werde. Jenes Gedicht sei der Baseler Presse erst durch den LörracherOberländer Boten" bekannt geworden; selbst die Baseler Polizei habe das Gedicht erst auf diesem Wege kennen ge­lernt. Dies beweise genügend, daß es nur in wenigen Exemplaren verbreitet worden, da ein Baseler Bürger fast die ganze Auflage verbrannt habe. Solange feine Klage eingereicht, könne die Staatsmacht nicht gegen die Drucker vorschreiten, ebensowenig könne der Bundes­rat eine Untersuchung einleiten, so lange von auswärts kein Kläger auftrete. Was die freundnachbarlichen Beziehungen der Schweiz zu Deutschland betreffe, so beruhten dieselben auf Verhältnissen zu ernster und entscheidender Natur, als daß sie durch frivole Mittel jemals gestört nn-ben könnten.

Bukarest, 5. März. Dem Vernehmen nach würde Ghika mit dem früheren Gesandten in Wien, Carp, ein neues Kabinett bilden, in welchem letzterer voraussichtlich das Portefeuille des Äußeren über­nehmen dürfte, falls Sturdza dasselbe ablehnen sollte.

Reichstag.

Berlin, 5. März.

Der Reichstag beendigte die Beratung des An- trageS des Abg. Ampach (Beseitigung des Jdentitäts- nachweises). Zunächst begründete Abg. v. Wedell- Malchow (deutschkons.) ein von ihm zu den Kommissionsbeschlüsten gestelltes Amendement, an Stelle derAusfuhrvollmachten" eine Vergnügung von 90 Prozent des für die Einfuhr gleichartiger Waaren tarifmäßig zu zahlenden Zolles zu gewähren. Abg. Woermann (nat.-lib.) trat für die Annahme der Kommissionsbeschlüsse ein. Die Beseitigung des Jden- tttätsnachweises liege nicht allein im Jntereffe des Großhandels, sondern im Jntereffe der Allgemeinheit; einem großen Teile Deuffchlands würde ein außer­ordentlicher Nutzen geschaffen werden, während die Behauptung, daß Süddeutschland dadurch geschädigt

'jDürbe, »och unerwiesen fei Abg. Frhr. v. Pfetten (,3entr.} erklärte sich vom speziell bayrischen Stand- pmnkte gegen die Anträge. Abg. Brömel (deutschfreif.) sprach für die Kommisfionsbeschlüsse, indem er aus- füchrte, daß die durch die Zollerhöhungen herbeige- führten Schädigungen, soweit dies möglich, innerhalb des bestehenden SAems gemitbert werden müßten. Inzwischen war von den Abgeordneten v. Bennigsen, Dr. Miquel (nat.-lib.), Gras v. Behr-Behrenhoff, v>. Äardors (Reichsp.), Graf zu Stolberg - Werni­gerode und Wichmann (deutschkons.) em Antrag ««gegangen;, in welchem mit Rücksicht auf die Schwierigkeit des Gegenstandes in Bezug auf die Wirkungen für Landwirtschaft und Handel und in ßhcroägmig,. daß für die erforderliche sorgfältige Prüfung aller einzelnen Fragen es in gegenroärtiget Session an Zeit mangelt, sowie in der Erwartung und mit dem Wunfihe, daß die Regierungen Er­hebungen anstellen und dem Reichstage in der nächsten Session das Ergebnis Mitteilen werden, Hebergang zur Tagesordnung empfohlen wird. Abg. Singer (Saz.-Dem.) erklärt sich gegen sämnttliche Anträge. Abg. v. Putlkamer-Plauth (dentschkvns.) be­tonte, daß die Wirkungen des Antrages den nötigen Ausgleich zwischen dem Osten, und Westen herbei- ühren würden. Abz. Richter sdettschfreis.j erklärte ich gegen sämtliche Anträge, während Abg. Robbe Reichsp.) sS als eine Ehrenpflicht bezeichnet, für den Osten voll und ganz, einzutreten. Er seinerseits halte die Frage Hon heute für spruchreif, um eine Einigung über den Antrag Ampach herbeizuführen. Abg. Frhr. von Hneue (Zentrum) erKärt sich ebenfalls gegen sämtliche Anträge, er will auch nicht durch Annahme einer motivierten Tagesordnung einen Wechsel auf die Zukunft ausstellen. Abg. Gebhard [natilib.j er­klärt sich für motivierte Tagesordnung, ebenso Abg. Rickert sdeutschfreis.s, der bemerkte, für die motivierte Tagesordnung stimmen zu wollen, da für den Augen­blick nicht mehr zu erreichen fei. Daraus wurde in namentlicher Abstimmung der Antrag auf motivierte Tagesordnung mit 278 gegen 101 Stimmen [1 Mit­glied enthielt fick der Abstimmung) angenommen. Morgen: Kleinere Vorlagen; Rechnungsachen; Wahl­prüfungen.

Vermischtes.

London, 3. März. Nach einer Meldung des Bureau Reuter" aus Tamatave (Madagaskar) vom 22. Februar legte ein heftiger Orkan einen großen Thetl der Stadt in Trümmer. Elf Schiffe sind an der Küste verloren gegangen, darunter der deutsche SchoonerIrene", 20 Personen sind um­gekommen.

(Der falsche Napoleon.) Im Jahre 1882 wurde im Hause des Herrn Anatole Henri Dubois in Paris das erste Kind, ein Knabe, geboren. Dubois ist der Sohn des ehemaligen Leibkammerdieners des Herzogs von Chartres und selbstverständlich im höchsten Grade orleanistisch gesinnt. Als das Kind getauft werden sollte, übergab man es der Hebeamme Susanne Deroulede, die es in die Kirche trug und den Auf­trag hatte, es auf die Namen Louis Philipp Anatole taufen zu lasten. In der Wohnung war alles für einen köstlichen Schmaus vorbereitet, unb die Wöchnerin sagte der Hebeamme, als diese sich entfernte, um mit dem Täufling den Wagen zu besteigen:Ich reiche Ihnen gleich jetzt Ihr Honorar, liebe Frau. Bei ihrer Rückkehr übergeben Sie den Kleinen einfach der Amme, ich kann Sie an der Tafel nicht teilnehmen lasten, unsere Gäste sind zu vornehm." Zornerfüllt fuhr die Hebeamme fort; nach kaum einer halben Stunde war das Kind als neues Mitglied der Ehristen- heit wieder daheim angelangt, und alles schien in bester Ordnung. Der kleine Louis Philipp, der jetzt das sechste Lebensjahr vollendet hatte, sollte nun in eine Schule gebracht werden. Zn diesem Behuse holte der Vater einen Taufschein und fand zu feinem Entsetzen, daß die um die Mahlzeil gebrachte Hebeamme das Kind auf den Namen Napoleon Bonaparte hatte taufen lasten. Herr und Frau Dubois erklärten mit Thronen in den Augen, daß mit dem Namen die ganze Zukunft ihres Kindes vernichtet sei. Die Prinzen von Orleans, die ihren Sohn versorgen wollten, würden sich um einen Napoleon sicher nicht kümmern. Die vor Gericht zitierte Hebeamme erklärte voll Heuchelei, der Jrrthum sei möglich und bedauerlich. Allein sie habe die Eigenheit, daß sie, wenn man sie mit nüchternem Magen umherschicke, eine kleine Sinnesverwirrung verspüre. Trotz des Schmerzes der Familie Dubois erklärt sich der Richter außer Stande, der Hebeamme mehr .als eine scharfe Rüge zukommen zu lasten, und für ohnmächtig, Aenderungen in einem öffentlichen Register vornehmen zu lasten. Vernichtet sagt Ma­dame Dubois:Was soll ich also mit meinem unglücklichen Kinde beginnen ?" Achselzuckend meint der Richter:Warten Sie die Zeit ab, bis Ihr Sohn zur Firmung gelangt und geben Sie ihm dann ein halbes Dutzend orleanistifcher Namen".

Gottesdienst. Mittwoch, den 7. März. (Passionsgottesdienst.)

Lutherische Pfarrkirche:

Abends */,8 Uhr: Herr Pfarrer Heermann. Reformirte Kirche:

Abends '/>8 Uhr: Herr Pfarrer Scheffer.

Württembergische 4 pCt. StaatS-Anleihe doh 1875. Die nächste Ziehung findet am 18. März statt Segen den KurSverlust von zirka 41/, pCt. bei der Auslosung übernimmt das Bankhaus Karl Reuburger, Berlin, Französische Sttaße 13, die Versicherung für eine Prämie von 8 Pfg. pro 100 Mark. ,

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