besonderes Gebet zu sprechen. Der Papst blickte lange und ernst nach dem Fragenden, dann sagte er: „Seit Monaten erhob ich mich nicht von meinem Lager, begab mich nicht zur Ruhe, ohne für den Sohn meines erlauchten Freundes, des Kaisers Wilhelm, eine Fürbitte zu dem Allerhöchsten zu senden.
— Häufig schon war in den Blättern die Rede davon, daß der berühmte Laryngologe Dr. Capart in Brüssel an das Schmerzenslager des deutschen Kronprinzen nach San Remo berufen worden sei. Obwohl diese Meldung bis heute fich nicht bestätigt zu haben scheint, erscheint es doch nicht uninteresiant, einen Artikel des in Brüssel erscheinenden Blattes „La Resorme" zu reproduzieren, welcher sich mit der erwähnten Berufung, sowie mit der Krankheit des Kronprinzen befaßt und den Eindruck macht, als stünde der gelehrte Fachmann selbst den Auslassungen der „Resorme" nicht fern. In diesem Artikel heißt es: „Es ist wohl nicht unmöglich, daß an Herrn Capart eine Berufung nach San Remo ergehen werde, aber bis heute ist dieselbe noch nicht erfolgt. Dr. Capart ist der Schüler und Freund von Mackenzie und Schröder, mit welchen er wiederholt verschieden'- Operationen gemeinschaftlich ausgeführt hat. Nicht weniger als sechzigmal hat der Brüsieler Arzt Tracheotomien ausgesührt." „Es ist eine schreckliche Krankheit — heißt es im weiteren Verlause des Artikels — an welcher der Kaiserliche Prinz darniederliegt: Die Krankheit der Reichen. Unter allen jenen Personen, an welchen Herr Capart sisher den Lnftröhrenschnitt vorgenommen, befanden btch bloß zwei, welche keine Millionäre gewesen sind. Im Allgemeinen ist es das Rauchen von Zigaretten, dem die Entstehung dieser Krankheit zuzuschrciben ist." Ueber den wahrscheinlichen weiteren Verlauf heißt es dann: „Nach etwa 14 Tagen, um welche Zeit die Wunde — die man künstlich herbeigeführt hüt, um in die Kehle des Kronprinzen die Athmungs- kanüle einzuführen — vollständig geheilt sein wird, dürfte es notwendig werden, einen Teil des Kehlkopfes zu exstirpieren (beseitigen), aber die Kanüle erzeugt nichtsdestoweniger ein unausgesetztes Leiden, einen stets krankhaften Zustand. Denn dieselbe muß andauernd gereinigt werden, der Patient wird den Hustenreiz nicht mehr los, die Tube bewirkt Schleimabsonderungen und macht den ruhigen, gesunden Schlaf sozusagen unmöglich. Die Tracheotomie ist immer, so scheint es, in derartigen Fällen der Anfang einer Agonie, welche anderthalb Jahre oder auch zwei Jahre lang anhalten kann. Und diese böse Kanüle heilt nichts, sie macht nur ein einziges Sympton verschwinden, sie beseitigt nur die Gefahr der Erstickung." — Verschiedene Blätter erwähnen neuerdings wieder Fälle, in welchen nach vorgenommenem Luftröhrenschnitt eine glückliche Heilung des Patienten eingetreten ist. Den Luftröhrenschnitt hat in Gleiwitz, wie dem ..Wanderer" mitqeteilt wird. Dr. Kempa vor etwa vierzehn yagren mit Erfolg an dem heute nocy lebenden etwa 55 Jahre alten Arbeiter Karabinski in Trynek ausgeführt. Karabinski trägt heute noch eine Kanüle im Halse, athmet, ißt und trinkt ohne Beschwerden, geht seiner Arbeit nach und befindet sich wohl. Er spricht zwar etivas heiser, aber doch verständlich. Ferner lebt in Rückershausen an der Aar im Untertaunuskreise, wie dem „Rheinischen Courier" geschrieben wird, ein Herr, welcher bereits in der Mitte der sechsziger Jahre steht und seit etwa vierzig Jahren eine Kanüle trägt, welche durch ein um den Hals gelegtes Band festgehalten wird. Der Betreffende i)i von Beruf Schneider und treibt nebenbei auch Landwirtschaft. Derselbe wurde in seiner Militärzeit wegen eines schweren Kropfleidens operiert und befindet sich seit dieser Zeit vollkommen wohl. Will er sprechen, dann hält er die Oeffnung der Kanüle
»Sie HtrnmelSstürrner/ ries derselbe, .wohin wollens denn?'
»Lassens mich/ entgegnete AloyS KrrmSky noch immer in der höchsten Aufregung. »Aufs Kriminal, amt will ich, um diesem blinden Gerichte den Staar zn stechen, ja, das will ich.'
»Halt, halt/ sagte der Archivar, der die Heftigkeit deS sonst überaus gutmütigen Mannes kannte, »ich werd St« begleiten, um Ihre Identität vor Gericht zu verifizieren, wie die Juristen sagen, oder find Sie dem Herrn Krimiualrat von Lama persönlich bekannt? '
„Nein, Gott sei Dank, versetzte AloyS SremSky schon etwas ruhiger, „ich habe mit dem Wiener Kri. minalamt noch nie etwas zu thuu gehabt uud am allerwenigsten mit diesem Herrn von Lama. Aber ich hoffe, er wird, fich nicht erdreisten, mein Zeugnis anzuzweifeln."
__________________________________(Fortsetzung folgt.)
Ei« Maskenball.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Trotzdem war es am Festabend noch eng in den weiten Räumen; Damen und Herren, die erschienen waren, hatten ihren höchsten Putz angelegt, uud alle Schmuckstücke, die iu Laiuo vorhandeu, wäre» an diesem Abend versammelt. Bartolomeo uud Maria empfingen die Gäste; er aufgeregt vor Freude, wie kaum je iu feinem Leben, sie heiter und froh, wie selten. Die Dinge waren allmälig so weit gediehen, daß, wenn Bartolomeo fest ans die Heirat mit Carlo Spufini bestanden hätte, Maria wohl einige Thränen vergoffen, aber schließlich doch sich dem Willen ihres Vaters gefügt haben würde. Tommasto hatte es in den letzten Tagen zu arg getrieben. Er hatte rundweg gefordert, sie solle kein Wort mehr mit dem Offizier sprechen, und als fie das abgelehm hatte, weil eS eine Unmöglichkeit sei, war er im bittersten Zorue geschieden, «an, ander» hatte Carlo mit ihr
zu. Die Sprache klingt eigentümlich, die Worte sind aber ziemlich leicht zu verstehen. Bei rauher Witterung trägt er ein Halstuch so vor die Oeffnung der Kanüle gebunden, daß die kalte Luft nicht direkt eingeathmet wird.
A«sla«-.
Wie«, 25. Febr. Das „Fremdenblatt" bespricht die diplomatische Aktion in der bulgarischen Frage. Es verdiene besondere Beachtung, daß russischerseits wiederhalt betont werde, der Berliner Traktat sei als Grundlage und einzige internationale Garantie für die auf der Balkanhalbinsel stabllisirte Ordnung der Dinge anzusehen; ohne Zweifel werde diese offene loyale Konstatirung der Grundsätze, woran sesthalten zu wollen Rußland erklärt, nicht ermangeln, bei jenen Kabinetten die vollste Befriedigung Hervorzurusen, welche, seit dem Anbeginne der bulgarischen Wirren immer von den gleichen Prinzipien geleitet, dieselben auch stets offen als alleinige Richtschnur bezeichneten. Ebenso wird es auch kaum eine Macht in Europa geben, die nicht ihre Uebereinstimmung mit Rußland anzuerkennen bereit wäre, daß die gegenwärtige Sachlage in Bulgarien als eine ungesetzliche zu betrachten ist und die Sanirung derselben im Einvernehmen aller Mächte im Jntereffe der Fortentwickelung des jungen Landes und der allgemeinen Ruhe dringend gewünscht werden kann. Die zweideutige Lage Bulgariens kann nicht beseittgt werden, ohne die Frage der Vereinigung mit Ostrumelien durch die Vertragsmächte zu regeln. Zwar sind dem Anscheine nach Pourparlers auf Anregung des russischen Kabinetts noch im Zuge, aber eben deshalb darf jetzt der Wunsch ausgesprochen werden, daß sie zu einer vertrauensvollen Erörterung der Fragen führen, welche für eine endgiltige Regelung der bulgarischen Angelegenheit maßgebend sind und damit zur definitiven Schließung der Quelle, aus der schon so mannigfaltige Schwierigkeiten und Besorgniffe über Europa hervorgebrochen sind.
Loudon, 25. Febr. Das Unterhaus nahm bei der Beratung einer Reform der Geschäftsordnung nach mehrstündiger Debatte den ersten Antrag der Regierung mit einigen von der Regierung aceeptirten Abänderungen an. Der Antrag bestimmt, daß die Sitzungen am Montag, Dienstag und Donnerstag um drei Uhr nachmittags beginnen und spätestens, gewiffe Fälle ausgenommen, um ein Uhr morgens schließen sollen.
Kopenhagen, 25. Febr. Der Kronprinz von Schweden und seine Gemahlin sind heute auf der Reise nach Karlsruhe aus Malmö hier eingetroffen, müssen jedoch vorläufig hier verbleiben, da der Bahnverkehr wegen des Schneegestöbers eingestellt ist.
Petersburg, 26. Februar. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt anläßlich der Interpretationen und alarmirenden Gerüchte über den Gesetzentwurf betr. Einführung des Metallumlauses: Es sei nie- miU9 VUUUH VIC «yiCVc yviwft.il, UCU XHUUl uVtV Vic Eisenbahnen zu ermächtigen, in Kreditrubeln zu bezahlen. Im letzten Juli, als der Feldzug der auswärtigen Presse gegen die russischen Fonds begonnen habe, hätte das Journal die Gesichtspunkte des Finanzmiuisters Wyschnegradski über die gewiffenhafte Beobachtung der Verpflichtungen Rußlands gegen die auswärtigen Gläubiger und gegen die direkten oder indirekten Inhaber der Eisenbahnobligationen auseinandergesetzt. Nichts sei geschehen, was die Art der Beziehungen der russischen Finanzverwaltung zu den Gläubigern des Reiches entkräften könnte. Man habe sogar guten Grund, zu glauben, daß die Art der Verwaltung nicht gewechselt habe und daß die Interpretationen der Zeitungen, welche auf unrichtigen ober ungenügenden Informationen beruhten, jeder Begründung entbehrten.
gesprochen; seine sreuudlichen Worte hatten ihre Mißstimmung völlig verschwinden gemacht und nun stand sie erwartungsvoll im Streife der Gäste und schaute nach ihm aus, der sich seltsamerweise noch immer nicht sehen ließ. Auch Bartolomeo begann sich über die Abwesenheit des schmucken Offiziers zu wundern, und wnßte nicht mehr, wie er die vielseitigen Fragen beantworten sollte, die deshalb an ihn gerichtet wurden. Er hatte ja gerade die Mttteilvng in ganz Laino verbreitet, man werde, Dank dem Grafen Carlo Spn. sini, an dtesemAbend etwas noch nieDageweseneSerleben.
Endlich erschien der Vermißte! Weit öffneten fich die Saatthüreu, alle Anwesenden wichen schleunigst an die Wände zurück und gaben die Mitte des Saales frei. Der Gras erschien »nmaSkiert, in der malerischen Tracht der Landbewohner CalabrienS, mit dem spitzen Hut und Sandalen, eine leichte Jacke über die Schulter geworfen, in der Hand ein leichtes Gewehr. Hinter ihm kamen ein paar Dudelsackpfeifer, dann ein bunter Hanfe Männer und Weiber, alle im Festputz, die Minner gekleidet und bewaffnet wie der Graf. Carlo Spufini trat an Bartolomeo mit einer tiefen Verbeugung heran und bat um die Erlaubnis, einige interessante Szenen aus dem Riuderleben vorführen zu dürfen. Der Sindaco nickte lachend, die Gäste nahmen auf Sesseln Platz und alle harrten neugierig der kommenden Dinge. Die Begleiter deS Grasen, etwa dreißig kräftige Männer und zwanzig Frauen, nahmen Aufstellung, die Dudelsackpfeifen gellten und ein phantastischer Tanz begann, welchem lauter Beifall folgte; mehrere originelle Lieder wurden borge, tragen, noch stürmischeres Händeklatschen, nnd so ging -S weiter, Szene für Szene. Allmälig hatte fich der Hanfe durch den ganzen Saal verteilt, einige der Männer standen, ihre Gewehre am Fuß, au allen Thören, gleichsam als Ehrenwache. Jetzt trat Graf Carlo abermals in die Mitte des Saales, verneigte fich und sagte mtt heller, klarer Stimme: »Und nun, meine Damen und Herren, der Schlußeffektl'
Ein ganz wunderbare» Bild folgte! Ehe die er.
dem Kaiser und der Kaiserin nur Prinz und Prinzess« nadj Kar
Wilhelm und die Adjutanten vom Dienst und zwei
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Hofdamen beiwohnten. Um 2 Uhr machte der Kaiser Petersbu:
Kaiserin stattgehabten kleinen Theegesellschaft wohnte« Ä|"। außer dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm unt *1-
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eine Ausfahrt, um 4 Uhr erscheint Fürst Bismarck zum Vortrag. Um 5 Uhr ist Familiendiner, oi welchem Prinz und Prinzessin Wilhelm, die Prinzess« Friedrich Karl, Prinz Leopold, die Prinzen tio«
Hohenzollern und der Erbprinz von Meiningen teil- za unter nehmen. Der gestern abend bei dem Kaiser und da i
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begrenzte rechtliche Stellung ber Werkmeister durch Einschaltung einer gesetzlichen Bestimmung zu regeln. Montag: Bogelschutzgesetz und Ausschluß der Oeffent- lichkeit bei Gerichtsverhandlungen. ,
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staunten Gäste wußten, wie ihnen geschah, waren Männer und Frauen mit gehobenen Gewehren und gezückten Messern auf sie loSgestürzi; im Nu waren Uhren, Ketten, Ringe, Bracelets von Brust und Armen, die Börsen aus den Taschen verschwunden. Das alles dauerte kaum fünf Minuten, und keiner der Gäste wagte sich zu rühren, teile aus Furcht vor den Waffen, vor allem aber in der Annahme, eS handle fich um die große Ueberrafchung des Abends, welcher die Zurückgabe der Wertstücke und Schmucksachen auf dem Fuße folgen würde. Der Bürgermeister, der völlig anSgeplündert war, lachte zuerst laut auf und sagte zu seinem, immer noch in ber Mitte bes Saales stehenden und dos Treiben scharf beobachtenden Gaste: »Diese Uebeirafding war eine recht gelungene, lieber Graf, so etwas haben wir allerdings noch nicht erlebt/ Carlo Spusini lächelte, stieß einen scharfen Pfiff aus, worauf alle feine Begleiter mit ihrer Beute sich hinter ihm aufstellt'N, und sagte bann: »Verzeihung, Herr Sindaco, aber bte größte Ueberrafchung kommt jetzt erst. Sie waren vor einem halben Jahre so frei, zwölf meiner besten Leute gefangen zu nehmen, bafür habe ich mir jetzt die Pretiosen von ganz Laino geholt. Nicht wahr, der Brigantenchef Carlo hat seine Rolle ganz leidlich gespielt? Leben Sie alle recht wohl, meine Herrschaften; nicht wahr, einen solchen Abend erlebte Laino noch nicht. Einen guten Rat zum Schluß: Sie tragen so kostbare Gewänder und es sollte mir leid thuu, wenn Sie rufen ober Wider- staud leisten sollten. Unten vor dem Rathause stehen unsere Pferde und Wagen, die Coute Carlo Spufini unangefochten in die Stadt brachten. Wer fich also vor unterer Abfahrt am Fenster oder vor dem Hause zeigt, wird uiedergeschosseu. Addis!' Laino erlebte allerdings einen fürchterlichen Abend, der Maskenball war zu Ende, Sindaco Bartolomeo halb vernichtet.
Am nächsten Tage fand die Verlobung Marias mit Tommasto statt. Herr Bartolomeo mußte fürchterlich tief in feine Geldkiste greifen. E» war bitter, ober half nichts.----------
Reichstag.
Berlin, 25. Febr.
Die heutige Sitzung des Reichstags war nur von kurzer Dauer. Es wurde der Meistbegünstigungsvertrag mit Paraguay definittv genehmigt. Ebenso der Gesetzentwurf, betreffend den Erlaß der Witwen- und Waisengeldbeittäge für die Reichsbeamten und Angehörige des Reichsheeres und der Marine. I« übrigen kamen Petitionen meist ohne Debatte nach dem Anträge der betreffenden Kommmission zur Erledigung. Hervorzuheben ist nur, daß die von de« Zentralvorstande des deutschen Werkmeisterverbandes zu Düsseldorf eingegangenen Petitionen dem Hern Reichskanzler dahin zur Berücksichtigung überwiesen wurden, die in der Reichsgewerbeordnung noch nicht
Telegraphische Depesche«.
Berlin, 26. Febr. In dem kaiscr'ichen Palas fand heute vormittag ein vom Oberhofprediger Dr Kögel abgehaltener Gottesdienst statt, welchem außer
Hesse«- Nassau.
Marburg, 27. Febr. Die von hiesigen Dilletanten zu Gunsten des Spiegelslustturms veranstaltete Theater- Borstellung hat einen Reinertrag von 384 Mark ergeben, welche dem Turmbau-Komitee übergeben wurden. Letzteres sagt hiermit allen Denen, durch deren freundliche Mitwirkung dieses günstige Resultat erzielt wurde seinen verbindlichsten Dank. — Eine Wiederholung derartiger Aufführungen dürfte wohl sehr erwünscht erscheinen, da von den für den Bau veranschlagten 19 000 Mk. noch 8000 Mk. aufzubringen sind.
Marburg, 27. Febr. Gestern wurde in der Nähe der Hainmühle bei Betziesdorf die Leiche des seit dem 12. Dezember vorigen Jahres vermißten Schäsers Konrad Nau aus Kleinseelheim aus der Ohm geländet. Der Verunglückte war, wie s. Zt. mitgeteilt, an dem erwähnten Tage in Kirchhain gewesen und, wie damals schon vermutet, auf dem Heimweg in die Ohm geraten.
Marburg, 25. Febr. (Schwurgericht. Schluß.) Die am Sonnabend Mittag um 1V« Uhr begonnenen Verhandlungen gegen den Weber und Dienstknecht Joh. Gg. Reiß aus Breitenbach wegen Verbrechens wider die Sittlichkei fanden mit Ausschluß der Oeffent- lichkeit statt und endeten mit der Verurteilung des Angeklagten zu 1 Jahr Zuchthaus, sowie zu Zjährigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. — Hiermit ging gleichzeitig die diesjährige erste Schwurgerichtssession zu Ende und wurden die Herren Geschworenen von dem Vorsitzenden des Gerichtshofes ihrer Pflichten entbunden. Im ganzen wurden in 6 Sitzungen acht Anklagen verhandelt, darunter je 1 wegen zweifachen Meineids, Unterschlagung, versuchten Mordes, versuchten Toffchlages in zwei Fällen, und versuchten Raubes, sowie drei Anklagen wegen Sittfichkeitsver- brechen. In fünf Fällen erfolgte die Verurteilung der Angeklagten, meist jedoch in sehr milder Form, in den drei übrigen Freisprechung. Die Gesamtsumme der erkannten Strafen beträgt 1 Jahr Zuchthaus, 3 Jahre und 5 Monate Gefängnis, sowie 3 Jahre Ehrverlust. Von den hiesigen Zeitungen war nur die „Oberhessische" durch einen Berichterstatter vertreten.
— (Pers. - Chron.j Der Referendar im Bezirk des Oberlandesgerichts zu Caffel Fr. Eckhardt ist zum Gerichtsaffesfor ernannt. — Dem bisherigen ersten lutherischen Pfarrer zu Frankenberg, Friedrich Heermann, ist auf erfolgte Denominatton die vierte lutherische Psarr- (Subdiakonus-) Stelle zu Marburg verliehen. — Dem Lehrer und Kirchendiener Georg Hesie zu Weidenhausen, Kirchspiels Niddawitzhausen, ist der Kantortitel verliehen.
Hersfeld, 24. Febr. Der hiesige Bienenzucht- Verein beschloß in der letzten Sitzung, dem neuge- gründeten „Hessischen Bienenzüchterverein", dessen Vorort für das Jahr 1888Marburg ist, beizutreten, uhV ivuibui juylvid; Q delegierte für btc Ulli 26. dieses Monats in Marburg stattfindende Hauptversammlung gewählt.
Eschwege, 26. Febr. Ein schönes Zeichen huldvollen Gedenkens ist unserer Friedrich-Wilhelms-Real- schule von ihrem hohen Protektor, dem Kronprinzen, zu Teil geworden. Bon San Remo ans hat er ihr „die Schätze des Göthe-Museums", eine Sammlung von Photographieen mit erläuterndem Texte, als Geschenk übermitteln lassen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist dieses Geschenk doppelt wertvoll. Es beweist, daß der hohe Patient trotz seiner hartnäckigen Krankheit auch in der Ferne seiner Heimat gedenkt. — Die Wahl des Stadtrates Bocke in Nordhausen als Bürgermeister hiesiger Stadt ist, wie man hört, von König!. Regierung zu Cassel bestätigt worden.
Kioiste« ist burd
Wi t» Hu-t rer.Rh anb wie!
den Hohenzollernschen Herrschaften Staatsminists vm v. Bötticher und die Generäle Graf von der Gels cmberaun und von Winterfeld bei. J Wirch
Berlin, 26. Febr. Der „Reichsanzeiger" Vev ftzal so! öffentlicht folgende Depesche aus San Remo, 26. Febr,verkauf < 2 Uhr 1 Minute nachmittags: Das Allgemeinbefind» dsch,N! und der Schlaf Sr. kais. und kgl. Hoheit des Krow relSlöi Prinzen waren gut, Husten und Auswurf etwÄ >erg: ( weniger, die Untersuchung der Brust ergab feint in Rollei Zeichen einer Lungenaffektton. Mackenzie. Schrader krdstöcke. Krause. Hovell. von Bergmann. Bramann. Kußmaick. Scheite,
Berlin, 26. Febr. Der „National-Ztg." zufotzi 85 rm i steht der Erlaß einer königlichen Kabinettsordre, bevor sticke, k durch welche den: Prinzen Wilhelm ein Vortragender Dieken
«sich bi E" atn Ant Pforte, wenig n Pforte e Mde dmplizic «chtferch Mä Int! derZust! che entfs so roeitr nommen olle Folc
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Par ous Kon in Damo Vorgang die türkst eme Ber Botschaft
Ein Blitzstrahl fuhr von Deutschland her Und schlug hier ein weit fibetm Meer; Er bracht uns Bismarcks stolzes Wort, DaS riß jed' deutsches Herz mtt fort; Wie Donner hallt'S: Franzos und Ruff', Ein» ist'S, das stets man fürchten muß:
Furor teutonicas, teutonicus! Furor teutonicus, teutonicus!
Mr Deutschen fürchten Gott, sprach Er, Sonst niemanden zu Laud und Meer; Den Teufel selbst nicht unser Heer, Wir laufen hinter Euch nicht her;
Drum wohl bedeukt's Franzo» nnd Raff', Eins ist'S, das stets man fürchten muß:
Furor teutonicus, teutonicus!
Furor teutonicus, teutonicus t
Und wirst Dn einst mti Pein und Not, Lieb Vaterland vom Feind bedroht, Dann zähl auf uns, Du Kaiserreich; Dn Feind auf unfern TodeSstreich;
Drum wohl bedenkt'», Franzos nnd Ross', Eins ist'S, das stets man fürchten muß:
Furor teutonicus, teutonicus! Furor teutonicus, teutonicus!
Lang träumt oft, wie vom Kampfe mfib; Von Lieb und Lust ein deutsch Gemüt; Doch weh dem, der'» zu lange neckt, Urplötzlich da empor sich'» reckt;
Daun wälzt fich wie ein Feuerguß Zum Feind hinein, wie Lavafluß Furor teutonicus, teutonicus!
Furor teutonicus, teutonicus l
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I Fulda, 24. Febr. Gestern hat im Walde Idem in einständiger Entfernung von hier gelegenen Dorfe Engelhelms ein blutiges Rencontre zwischy einem Holzfrevler und einem Königlichen Forstschutz, beamten stattgefunden. Der bereits bejahrte löhner K. von Engelhelms, Bater von 6 Kinder,, welcher schon mehrfach die öffentliche Mildthätigketz in Anspruch itehmen mußte, wurde von dem Förster H. überrascht, während er Äste mittelst einer Axt von den Bäumen schlug. K. hatte die Annäherung bet Försters nicht bemerkt, da er diesem den Rücken zukehrte. Auf den Anruf des Beamten wandte er pH alsbald nach demselben um und zog mit der Axt zu« Schlage gegen ihn aus. Förster H., welchem « dieser Situation keine Zeit zum Schießen blieb, schmetterte den Angreifer mit einem wuchtigen Kolbenhieb zu Boden, durch welchen jener so schwere Verletzungen an der Schädeldecke erlitt, daß er nun hoffnungslos im hiesigen Landkrankenhause darniederliegt.
Limburg, 25. Febr. Herr Landgerichtspräsident Koppen hier ist an das Landgericht in Hanau versetzt worden.
Rat für die Einführung in staatsrechttiche und ähnlich« Stammkr Angelegenheiten beigegeben wird. Die Meldung, dc-lKieferr 3,81 fm, — Bon den Deutschen in Chicago wurde in echt Etammfr patriotischer Stimmung nach dem Bekanntwerden vc» 23 rm Fürst BiSrnarckS Rede im Reichstage das folgend« $e;jer 3 von Emil Dietzsch gedichtete Lied vom Furor teutonicti nach der Melodie ber „Wacht am Rhein gesungen: '