Illustriertes Soimtagsblatt.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach bonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expedition 21/» Ml., vei den Postämtern 2 MI. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Dienst der Breslauer und Berliner Polizei stehen soll- Conrad war es, der anfangs der achtziger Jahre mit dem damaligen Vergolder Ewald und dem Schlosser Görcki die Gewerkschaftsbewegung ins Leben rief, die einen nicht erwarteten Aufschwung nahm. Als Leiter des bedeutendsten Fachvereins, des der Maurer, war Conrad auch zugleich einer der Hauptwortführer während des großen Maurerstrikes. Als die sozialistische Partei zum erstenmale den Versuch machte, eigene Kandidaten für die Stadtverordnetenwahlen aufzustellen, war natürlich Eonrad unter denselben. Es kam zur Stichwahl und Conrad unterlag in derselben seinem freisinnigen Mitbewerber. Auf Grund des Sozialistengesetzes aus Berlin ausgewiesen, wandte sich Conrad nach Breslau, und auch hier gelang es ihm bald, einen solchen Einfluß unter seinen Parteigenossen zu gewinnen, daß dieselben sogar die Absicht hatten, ihn 1887 in Breslau als Kandidaten zum Reichstag aufzustellen. Conrad bewarb sich in Görlitz und unterlag hier. Wie es in der Achterklärung heißt, soll Conrad schon seit Jahr und Tag in nahen Beziehungen zu der Breslauer Polizei stehen; er soll auch den letzten Breslauer Geheimbunds-Prozeß, in dem er bekanntlich selbst angeklagt war, aber freigesprochen wurde, auf dem Gewisien haben. Conrads Rolle in der sozialistischen Partei ist somit ausgespielt. Daß Heine Agitatoren und unbekannte Parteigenoffen aus der Partei ausgeschlosien werden, ist ja ein alltägliches Schauspiel; daß aber ein Mann von der Vergangenheit eines Conrad von diesem Schicksal ereilt wird, ist neu und wirft ein grelles Schlaglicht auf die inneren Parteiverhältnisse der Sozialdemokratie.
— Die Ermöglichung einer hoffnungsreicheren Auffaffung der europäischen Lage hängt u. a. wesentlich auch von der Wiederaufnahme des Gedankenaustausches zwischen den leitenden Mächten ab, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." in ihrer Rundschau aus dem Ausland, und unter diesem Gesichtspunkte können Meldungen, denen zufolge die Verhandlungen in der bulgarischen Frage wieder ausgenommen wären und zu einem günstigen Resultate führen dürften, nur eine günstige symptomatische Deutung erfahren, gleichviel, ob in Wahrheit die Dinge schon soweit gediehen oder nnr mit den einschränkenden Vorbehalten des Brüffeler „Nord" zu registriren sind. Bei dem wohl allseitig vorhandenen ehrlichen Willen sich zu einigen erscheint es von höchster Wichtigkeit, wenn das Eis der Zurückhaltung und Ent- remdung überhaupt nur erst einmal anfängt ins Treiben zu gerathen; dafür, daß keine überschwengliche Hoffnungen sich vor der Zeit hervorwagen, ist immer
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Seine Exzellenz.
(Nachdruck verboten.)
Damit kein verehrter Leser etwa auf den Gedanken kommt, eS sollten hier politische Geheimniffe aus dem Arbeitsgemach einer europäischen Exzellenz auSgeplaudert werden, so sei von vornherein bemerkt, »aß die nachstehende, nicht ganz uninteressante Geschichte nicht in unserem Erdteil spielt, sondern anderwo, nämlich in einer jener Republiken von Amerika, in denen es von Exzellenzen und Generalen wahrhaft wimmelt. Die Zahl dieser hochstehenden Herren würde noch bedeutend größer sein, als sie eS ist, wenn nicht bei den häufigen ProouvciamenteS so ein halbes Dutzend von ihnen oder auch ein ganzes durch eine Heine Bleipille von den irdischen Sorgen befreit würde. DaS ist, tote gesagt, nichts Ungewöhnliches dort zu Lande, und niemand findet etwas darin. Aber nun die Geschichte.
Unsere Repnblik, in welcher die nachstehende Historie pielt, hatte zwei bedeutsame Ereignisse in ihren Jahrbüchern für Politik und Kunst zu verzeichnen. General Blauco, der strenge Präfident, der eS so gut verstanden halte, aus den Staatskassen seine Taschen zu füllen, war fortgejagt worden; vor etwas Schlimmeren hatte ihn die Eilfertigkeit seiner Beine bewahrt. Die nene Regierung bot alles auf, sich populär zu machen, und Ernennungen und Auszeichnungen waren n zahlloser Menge erfolgt. So jeder fünfte oder echste Mensch aus der Straße war mindestens zum Kapilän befördert, und brachte der Posten auch weiter nichts ein, denn es gab schon längst mehr Offiziere als Soldaten, so hatte der Name doch seinen Klang. Alle diese neugebackenen Würdenträger umschwärmten nur einen Stern und das war ba8 zweite Ereignis des Tages: Sennora Eloira, eine berückend schöne ionische Tänzerin, war gerade in der Hauptstadt des Landes auf einer überseeischen Tonrns- angekommen und feierte unerhörte Triumphe. Es fehlte gar nicht viel daran, so hätte ihr der nene Kriegsminister der
von heute, vormittags 11 Uhr 35 Min.: Der Schlaf des Kronprinzen war durch auffallsweise heftiges Husten unterbrochen. Es ist kein Fieber vorhanden ; der Auswurf ist so reichlich wie früher und bräunlich gefärbt. Das Allgemeinbefinden ist ziemlich gut. — Das Gutachten Virchows ist nicht geeignet, neue Hoffnungen zu erwecken. Nach der Interpretation von Fachmännern schließt das Gutachten das Vorhandensein von Krebszellen nicht aus. Die überaus vorsichtige Fassung des Schriftstückes läßt jeden Ausdruck einer günstigen Erwartung vermissen. Der vertrauensvolle Kommentar, welchen an Stelle Virchows der Herausgeber der „Klinischen Wochenschrift" dem Gutachten beigefügt hat, wird von Sachverständigen keineswegs in allen Punkten unterschrieben. Leider ist die Lage eine derartige, daß die Frage, ob der Kronprinz an Krebs leidet oder nicht, hinter die unmittelbar drohende Gefahr weit zurücktritt. Woran auch immer der Kronprinz leiden mag, fein Zustand erregt die äußerste Besorgnis. Die letzten Nachrichten lasten durchblicken, daß die befürchtete Lungenaffektion, auf welche die Beschaffenheit des Auswurfes schon hingedeutet hatte, nicht mehr blos als Möglichkeit angesehen wird. Die Berichte in den Blättern geben, so zuverlässig auch die einzelnen Angaben fein mögen, doch kein vollkommenes Bild der Situation. Wenn aber einer der Korrespondenten telegraphiert, daß Dr. Krause vor Optimismus warne, und wenn ein anderer hinzufügt, daß die Ärzte den nächsten Tagen mit Sorge entgegensehen, so enthüllen diese vorsichtigen Andeutungen mehr als durch sie verborgen werden soll. Dr. Krause hat bisher immer aus der Seite Mackenzies gestanden, dessen Vertrauen bis zuletzt unerschüttert zu sein schien. Beide gesellen sich jetzt denjenigen zu, welche die Sachlage düster beurteilen. Auch das Mackenziesche Gutachten enthält nach der Ansicht der Fachmänner zwischen den Zeilen Andeutungen und Vorbehalte, die im schlimmen Sinne ausgelegt werden muffen. Der Übergang zu einer anderen Auffaffung würde dem englischen Spezialisten durch sein Separatvotum jedenfalls nicht erschwert werden, woraus ihm indessen kein Verständiger einen Vorwurf wird machen wollen. Die Angriffe gewißer deutscher Blätter gegen Mackenzie richten sich durch ihre Thorheit selber.
— Allgemeines Aufsehen erregt hier die Nachricht, daß die sozialdemokratische Partei den vielgenannten Agitator R. Conrad in Berlin, der hier an der Spitze der Gewerkschaftsbewegung gestanden und eine außerordentlich hervorragende Rolle in der Partei gespielt, in den Bann gethan, weil Conrad als Agent in dem
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Worte
»Für jetzt, ja," erwiderte er. .Ich werde aber vielleicht mit noch Mehrerem wiederkommen, wenn Sie mir einen angemessenen Preis machen. Was können Sie geben?"
Die Händlerin nannte den Preis von fünfhundert Gulden, und da ihm das nach einigem Zögern genehm war, zahlte sie ihn mit fünf Hundert-Gulden, noten ans. »Wann werden Sie mit wieder die Ehre schenken?" fragte sie ihn lächend.
„Arn nächsten DienSstag/ versetzte er. „Zvr selben Stunde wie heute, und sorgen Sie dafür, daß wir wieder allein sind.
„Er hat offenbar nicht den geringsten Argwohn gefaßt," dachte sie und begleitete ihn, als er nun Abschied nahm, bis zur Treppe.
Langsam stieg er hinab, und, unten im Hausflur angekommen, besann er sich, ob er nicht seinen Ausgang durch den Hof nehmen solle. Der Grashof hatte nämlich zwei Eingänge, den einen vorn von der Kölluerhofgaste her, den andern hinten vom Hofe ans, von welchem mau übrigens durch eine breite Einfahrt ebenfalls auf dieselbe Gaste gelangte. Da er aber an der hinteren Hansthüre zwei Männer jemeiHe, die sich dort dem Anschein nach sehr eifrig »esprachen, wählte er den vorderen Ausgang und tand sofort in der Kölluerhofgaste. Da, als er eben die ersten Schritte in der Richtung nach dem Heiligkreuzhofe machte, stieß er auf eine Fran, die ihn anbrete.
»Wahr nnb wahrhaftig Sie finds, Herr von Kreß," rief bte Frau, indem fte sich hart vor ihm postierte. Ich habe Sie ja seit dem schrecklichen Ende unserer armen Freundin mit keinem Ange mehr gesehen. Wo ind Sie denn diese ganze Zeit über . . . ."
,Zch kann mich jetzt nicht aufhalten, Fran Wegner," unterbrach er sie barsch und schob sie unsanft auf die Sette, nm rasch weiterzugehen.
(Fortsetzung folgt.)
Marburg,
Mittwoch, 22. Februar 1888,
rzlicher >de und Gatte,
die Bestellung überhaupt zurückgezogen, wenn sie nicht sofort effectuiert werden kann. Dem Wortlaut des Gesetzes ist nun fteilich Genüge geschehen, aber den Schaden hat der Geschäftsmann, von denen so Viele nicht auf Rosen gebettet sind, und jeden Verdienst mitnehmen müssen. Das Verbot jeder Sonntagsarbeit ist keine beruhigende Wohltat in vielen Fällen, denn wer an Sonntagen nicht zu arbeiten braucht, läßt es schon von selbst bleiben; wer aber auf den kleinen Verdienst mit angewiesen ist, wer einem Kunden gefällig fein muß, wenn er ihn nicht verlieren soll, der empfindet solche gesetzlichen Vorschriften bitter und dadurch wird wahrhaftig keine gute Stimmung geschaffen. Wir haben ja die Gelegenheit gehabt, zu sehen, daß für einzelne deutsche Bezirke durch Verordnung der Verwaltungsbehörden die Arbeitsfreiheit an Sonntagen ganz bedeutend eingeschränkt wurde.
Die Geschäftsleute jener Gebiete hatten nun die fast völlige Sonntagsruhe. Waren sie mit diesen Zuständen einverstanden? Jrn Gegenteil! Man hörte fast nichts von einer Befriedigung über die Sonntagsruhe, aber um so mehr Klagen über den mangelnden Verdienst. Es feiert sich auch schlecht Sonntag, wenn ein Geschäftsmann darüber sorgen muß, wie er Miete, Abgaben und den Unterhalt für feine Familie zu- fammenbrtngen soll. Ein englisches Sonntagsgesetz ist für Deutschland nicht mehr durchführbar, denn' ein alter Baum biegt sich nicht mehr. Hätten wir seit Jahren die Sonntagsruhe, sie aus der „guten alten" Zeit mit in die neue, moderne Zeit hinüber- genommen, alles läge anders; aber heute kann nicht mehr eingeführt werden, was alle unsere Verhältnisie zum guten Teil wesentlich umgestalten würde. Wer entschädigt denn die Leute für den Verdienstausfall. Die Sozialisten sagen kurz und bündig: -Der Arbeitgeber muß den Arbeiter für etwaigen Verdienstausfall entschädigen. Wer entschädigt aber den Prinzipal? Man beseitige das Unkraut, welches hier emporgewuchert sein sollte, aber man verschone das gesunde gewerbliche Leben. Denn mit dem letzteren steht es bei uns noch viel, viel besser, als in Ländern, welche gegenwärtig die volle Sonntagsruhe--dem Namen
nach haben. ,
Die Zoimtagsrnhe
hat abermals den Gegenstand einer Reichstagsberatung gebildet, nachdem ein Antrag auf Verbot der Sonn- tagSarbeit im Deutschen Parlament zum vierten oder fünften Male eingebracht worden ist. Diesmal spielte das Refiiltat der vorjährigen Erhebungen über die Sonntagsarbeit ein gewichtiges Moment in der Debatte, denn es haben thatsächlich eine große Zahl der be- fragten Arbeitgeber und Arbeiter sich dahin ausgesprochen, daß ein Verbot in ihrem Fache jeder Sonu- tagsarbeit möglich ist. Das beweist indeffeu vor allem, daß die Sonntagsarbeit, so weit sie gegenwärtig im Deutschen Reiche besteht, nur geringen Umfang hat und keineswegs eine solhe Bedeutung besitzt, als hier und da ihr beigelegt wird. Von einer Sonntagsavbeit, welche die Sonntagsruhe direkt beeinträchtigt, kann nicht die Rede sein und es tritt hier das merkwürdige Moment auf, daß in großen Städten im Verhältnis an Sonntagen viel weniger gearbeitet wird, als in Mittel- und Kleinstädten. In der Hauptsache ist diese Erscheinung daraus wohl zurückzuführen, daß in Großstädten der Fabrikbetrieb vorherrscht, der eher auf die Minute mit der Arbeit abschließen kann, wie der Kleinbetrieb, der von wer weiß wie viel Zufälligkeiten und Launen seiner Kundschaft abhängig ist, der vor allem auch den kleinen Verdienst mitnehmen muß, der in der Fabrik keinen Wert hat. Es liegt aber auch der großen Mehrzahl der Heinen Gewerbetreibenden wenig daran, ihre Leute zur Arbeit antreten zu lassen; zum reinen Vergnügen arbeitet in Deutschland an Sonntagen niemand, und wenn es der Fall, ist der Vortell der Arbeiter habet größer, als der der Arbeitgeber, denn Sonn- tagäarbeit wird doch saß durchgängig höher bezahlt. Der Geschäftsmann läßt am Sonntage arbeiten, wenn er muß. Es ist leicht gesagt, die Arbeit ist unnötig, am folgenden Tage ist zu ihrer Ausführung auch noch Zeit genug. So sprechen auch jetzt schon die Gewerbetreibenden, nur leider das kaufende Publikum nicht, und das giebt am Ende doch den Ausschlag.
Oder will es Jemand übernehmen, das Publikum M überzeugen, es thue Unrecht, einen Geschäftsmann zu drängen, eine Bestellung am Sonntag Vormittag herMstellen, weil jenem Manne dadurch die Sonntags- u>he geraubt wird? Wenn das möglich wäre, brauchte Manches nicht zu geschehen. Wenn nun aber das Verbot der Sonntagsarbeit besteht, so muß doch die Herstellung unterbleiben! so wird eingewendet. Das ist richtig; ober von hundert Fällen, in welchen eine schleunige Herstellung erfolgen muß, wird in neunzig
Dir Proph^rihttng der
Cnminal'Roman von Tsheodor Griesinger.
(Nachdruck verboten.)
■ L (Fortsetzung.)
Eilends warf sich jetzt Frau Amanda Blumertfeld ” ein besseres Gewand, schob die Perlenschnur und »fi goldene Kette in die Tasche und suchte die Polizei- huektion auf dem Petersplatze ans. Dort fiel fie Nllcklicher Weise dem Obelkommiffär Nischen in die yande, und dieser brachte fie persönlich zu dem Krimi» *«rat von Lama. Der Letztere aber, als er hörte S? was es sich handle und die zwei Schmu ckgegen- mbe, die unzweifelhaft zu den im Hause Nr. 330 Leopoldsvorstadt geraubten Pretiosen gehörten, Astch liegen sah, geriet fast außer sich vor Entzücken konnte gar nicht aufhören, die Perlenschnnr nebst «ette mit dem uns bekannten Verzeichnis, das er so» l°tt zur Hand genommen hatte, zu vergleichen.
»Wie sah der Mensch ans," wandte er sich end- M an Frau Amanda, der Ihnen die Sachen verdufte? Sie haben mir eS zwar schon gesagt, aber H möchte eS noch einmal hören. Es muß," fuhr ® dann fort, als seinem Wunsche entsprochen worden »derselbe sein, der es in Gratz versuchte, ein •®Uier zu verkaufen. Aber . . . aber, Herr Ober. Amissär," rief er diesem zu, »finden Sie eS nicht Wst sonderbar, daß diese Persönlichkeit der Be. Meldung nach eine sehr große Aehnlichkelt mtt dem “togenen Kuppttsch hat?"
, 3a," nickte der Obercommissär, »auch mir ist dies M aufgefallen, schon gestern, als ich den Bericht A Gratzer Polizeibehörde laS. Allein die Sacke M sich genügend aufHären, wenn wir des Menschen Mast geworden find, und ich hoffe, das wird morgen ^ichehen können."
,n Leise Worte wurden jetzt zwischen dem Ober Emissär und dem Krimminalrat gewechselt; aber 11 Unterhaltung nahm nur kurze Zett in Anspruch.
»Nicht wahr," redete sofort der Oberkommissär
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Iah. Ano Koch.
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Berlin, 20. Febr. Der Kaiser ließ sich heute vormittag von dem Geheimen Kabinettsrate von Wilmowski einen Vortrag halten und machte nachmittags eine Spazierfahrt. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht folgendes Bulletin aus Sau Remo
Frau Amanda an »morgen Nachmittag um fünf Uhr kommt der Mensch wieder, um ihnen neue Maare anzubleten?"
„Ja," versetzte fie, „auf fünf Uhr habe ich ihn be. teilt, und da es ihm sehr darum zu thun scheint, seine Pretiosen in Baargeld zu verwandeln, so wird er sich zweifellos auf die Minute eiustelleu. Aber.... aber," fragte fie stockend, »was habe ich alsdann zu thlln?"
»Morgen," belehrte fie der OberkommissSr, »machen Sie eS gerade wieder wie hente. MU anderen Worten Sie kaufen dem Menschen ab, was er Ihnen anbietet, und zahlen ihn baat aus. Daun, eine halbe Stunde päter bringen Sie alles dem Herrn Krlmlnalrat, und übermorgen wird Ihnen der ausgelegte Betrag von der Polizeikaffe zurückerstattet werden. Im Uebitgen," setzte er mit aufgehobenen Fingern hinzu, »reinen Mund gegen Jedermann, und einstweilen seien Sie bestens bedankt für Ihre Redlichkeit."
Den andern Tag, — es war der Charfrettag 1839 — erschien der Fremde mit dem Schlag fünf Uhr in >er ersten Etage des GrashofeS, trat aber nicht früher in das Geschäftslokal der Fran Amanda Blumenfeld, als bis er vom Dienstmädchen in der Küche die be» timmteste Versicherung erhalten hatte, daß ihre Herrin ganz allein sei.
»Schön," lief ihm diese unbefangen entgegen, .daß Sie Wort halten, gnädiger Herr. Bitte machen Sie sichS bequem, und daun wollen wir ans Se- chäst gehen."
Der Fremde legte seinen Mantel ab und stellte eine leist tasche, die er unter demselben getragen hatte, auf den Tisch; bann entnahm er der Tasche eine Menge von Wertgegenständen, worunter gar viele reite Kostbarkeiten, und bereitete sie vor de» erstaunten Augen der Frau Amanda aus. Diese aber prüfte jedes Stück genau und holte sogar eine Goldwaage herbei, um bei der Schätzung genau und sicher zu gehen.
»Ist das alles?" fragte fie, nachdem fie zu Ende gekommen war.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureanx von Haastnstein und Vogler in Frankfurt a. GoffeL Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIII Qtttiritattfl
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