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Illustriertes Sonntagsblatt.
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kanzler beim Verlassen der Sitzung das Vertrauensvotum der Berliner, des deutschen Volkes darzubringen. Umsonst waren die Versuche, die Leute zum Aufgeben ihrer Plätze zu bewegen. Man wich und wankte nicht; als aber die hohe Gestalt des eisernen Kanzlers im Portal des Reichstagsgebäudes sichtbar wurde und der Fürst zu Fuß den Weg nach seinem Palais in der Wilhelmstraße einschlug, da zuckte es wie ein elektrischer Funke durch all die Tausende, welche, von dem Ernst der Stunde durchdrungen, dem großen Staatsmann das Geleit gaben, und nicht eher mit ihren jubelnden Zurufen aufhörten, als bis der Gegenstand derselben den Blicken und dem Schallbereich ihrer Stimmen sich entzogen hatte. — Tie Einmütigkeit, welcher der Reichstag gestern nach der Rede des Reichskanzlers bewies, beurteilt die „Nordd. Allg. Ztg.", indem sie schreibt: „Diese Kundgebung, welche unsere nationale Geschichte fortan um eines ihrer schönsten Blätter bereichert, brachte ebenso die ungeteilte Übereinstimmung des ganzen deutschen Volkes mit der durch den Reichskanzler dargelegten Politik zum Ausdruck, wie sie nicht verfehlen kann, vor der ganzen Welt beredtes Zeugnis abzulegen von der Einigkeit und Kraft, mit der das deutsche Volk die ihm von seinem ehrwürdigen Monarchen und dessen Räten als Weihegeschenk in die Wiege seiner Wiedergeburt gelegte Aufgabe, ein Hort des Friedens zu sein, nach jeder Richtung zu erfüllen bereit ist." — Die „Post" schreibt am Schlüsse eines längeren Artikels: „Dies ist also das Ergebnis der gestrigen Rede: Wir machen uns stark, aber wir bleiben ruhig und warten. Damit unsere Ruhe eine vollkommene sei, sagen wir uns und der Welt: Niemand bedroht uns, es giebt keine besondereGefahr, nur eine allgemeine; gegen diese nur wappnen wir uns." — Tie Budgetkoniniission des Reichstags nahm heute die Anleihe von 280 Mill. Mark für militärische Zwecke unverändert an. — In Übereinstimmung mit früheren Ausführungen, in denen betont wurde, daß der Vogelschutz nur Sinn habe, wenn er zwischen den europäischen und afrikanischen Staaten, in welchen der Wanderflug stattfindet, international würde, schreibt man der „Germania" : „Soll aber der Vogelschutz- Antrag wirklichen Erfolg haben, so bleibt nichts anderes übrig, als sich ernst mit der italienischen Regierung zu vereinbaren, daß dem gemeinschädlichen Unfuge der norditalienischen „Ueeelanda" [Wander- vogelfangj Einhalt gethan werde. Das allein ist echter Vogelschutz; alle Sünden, die diesbezüglich auf deutschem Gebiete bis an die Veroneser Klause begangen werden, sind eitel Kinderspiel gegen die süd-
„PapI Der Friseur Hut mit heule abenv beim Krau' sein desselben die Hältte ve bräunt, und so war ich genötigt, des häßlikben Anblicks wegen auch die andere Hälfte zu opfern. Das wrrd genügen, ihre Ski übel zu entfernen.*
Mit raschen Schritten ging er auf das Haus zu. Wir erlauben uns aber, ihm um ein weniges voranzueilen.
Den ganzen Tag hatte Frau Walpurpa von Am pach eine große Aufregung gezeigt, und vollends, als der Abend herankam, fand ste nirgends mehr Ruhe und Rast. Mit eigener Hand breitete fix über ein kleines Tischchen in ihrem Schlaf gemach ein fettres, sckueeweipes Tuch und stellte darauf eine silbern. Terrine mit einem kostbar vergoldeten Punschlöff-l. Auch zwei Gedecke legte sie auf, und neben jedes Gedeck kam ein silberner Pokal zu stehen. Um acht Uhr abends mußte das Tier.stmädck eu aus der Kon- dilorei eine schon vorher bestellte Torte holen, und dann bereitete Frau von Awpach wiederum eigenhändig einen stark duftenden Punsch. „Wie sonderbar!" sprach sie lächelnd vor sich hin. „Heute haben wir den stebeuundzwanzigsten Februar, und auf einer Siebenundzvauzigsten hat mir die schwarze Zigeunerin eine furchtbare Katastrophe propbez.it. Es sind aber seither vohl schon fünfzehn Siebeuundzwanzigste au mir vorüber gegangen, ohne mir das geringste Leid gebracht zu haben, und am heutigen Siedenund- zwanzigsteu,* lächelte sie, „wird jede Minnte der Liebe geweiht sein.*
Der Punsch war fertig, nnd sie sah nach der Uhr, welche drei Mertel nach Acht z tote. „Anna,* befahl sie ihrem Mädchen, „bring jetzt Wally zu Belte, und Du selbst leg Dich auch zur Ruhe; denn ich bedarf Deiner nicht wehr.*
Das Mädchen sah wohl, daß die gnädige Frau einen Besuch erwarte, mit dem sie ungestört sein wolle, und kam ohne ein Wort der Erwiderung dem erhaltenen B fehl »ach. Sie brachte das Kind zur Ruhe und löschte daun, nachdem ste sich ebenfalls uieder-
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-ir Vrophrreihung -er Jigermerin.
Criminal-Roman von Tfteodor Griesinger.
(Aachdruck verboten.) Kortsetzung.)
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Febr. Ter Kaiser empfing heute vormittag den Polizeipräsidenten Frhrn. von Richt- hoscu, nahm eine Reihe militärischer Meldungen entgegen und konferierte sodann mit dem Chef des Militärkabinetts General von Albedyll und dem Che: der Admiralität Generalleutnant von Caprivi. Nachmittags machte der Kaiser eine Ausfahrt und empfing darauf den Fürsten Bismarck. — Über die gestrige Rede des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck schreiben die „Berl. Polit. Nachr.": Ter Reichskanzler Fürst von Bismarck erinnerte in seiner epochemachenden polittschen Rede an die bewegten Tage des Julimonats 1870, an die jubelnde Begeisterung, welche das deutsche Volk damals den Entschließungen des Königs von Preußen, jetzigen Kaisers Wilhelm, entgegenbrachte, um sie alsbald in die glorreichen Thaten des nationalen Krieges umzusetzen. Wie der Hauch eines herzerhebenden Geistes ging es heute durch die Reihen der deuischen Volksverttetung, als der leitende Staatsmann seine Stellung zu der bewegenden Tagessrage nahm und in jener überlegenen Weise entwickelte, welche seiner Politik den maßgebenden Platz in dem Kreise der Mächte verschafft hat. Tie Wehrordnung und ihre Motivierung; die Kreditvorlage, die Gesichtspuntte allgemeiner Natur, in deren Beleuchtung Fürst Bismarck die Situation
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(85Megenheit der deutschen Wehrkraft Zeugnis oblegte. Mir Helle Begeisterung, welche das rednerische Aus-
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg md Kirchhain
Expedition: Mar» 21. — Redaktion, Druck nnd »erlag von Joh. lag. f e
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Untei wn dem unerschüttlichen Vertrauen des Redners zu r Rider Gerechtigkeit der deutschen Sache und der Über-
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'chwarzen Schlapphut trug und ein rotes Tuck überlsm„ » ber Stellwagen ab, und der
dem Mantelkragen um den Hals gesckluuaen hatte I [etne.n Sack neben fick, saß im
„Was?* rief jetzt der Hausmeister gähnend Si' I !u$rmel ntdst bI°8 bis nach Gloggnitz,
sinds, Herr Kuppitfch? So lange sind Sie noch n e K?m ^aben Iöfie er eine weitere bei dem Fräulein R.sy geblieben, nnd mich ounbeitP W ®ta6*
nur, daß die Fiau Mama es geduldet hat • I ----------—•
So sprechend, öffnete er die Thür, und der Mann I XL
“* r,rM®?nb'm°bne tin Wort zu erwidern, I Die Katastrophe.
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nhirflfen4«mn@nnUfnmbOa °b, gegen d-n daß es zum Reinigen der Hände benutzt 01^ war'
ahrt des Stellwagens, welcher Passagiere nach Gratz, I (Fortsetzung folgt.)
erscheinen ließ, alles das vereinigte sich zu dem Ge- famteindruck einer eminenten Kundgebung, deren Wirkung auf die Zuhörerschaft in der einmütigen en irloc - Annahme der Wehrvorlage in zweiter Lesung, der nicht minder einmütigen Überweisung der »ller -Kreditvorlage an die Budgetkommission sich wider- uerni spiegelte. Um denj Inhalt der Rede des Fürsten 0elV* Bismarck in aller Kürze zu rekapitulieren, darf man ‘ str als eine Kundgebung bezeichnen, welche in An-
tlf < sihung Rußlands bis an die äußerste Grenze des iechist Entgegenkommens geht, übrigens aber Wort für Wort
Sh? “T : TT, ,®e- lT-b^1te ^"greß der Bismarck den Kr.eg nicht wolle, aber er sei zu allem nnm^ ? [urCh irurgre findet fähig; Frankreichs erste Pflicht sei daher, sich bereit
X A bt§ 7: April d. ^s .n Berlin statt. — zu halten; die französische Armee werde hoffentlich HniFnrmUfh-,rf6 °"^bs^ b^b zu den historischen noch schlagfertig sein, wie unter Boulanger aber Zehoretn Wie es Frankreich habe keine Regierung und die erste Antwort ÄrSS P ,?e‘6t' bie unter Frankreichs auf die Veröffentlichung des Vertrages
niederaesttzte KomnMion"^«"^"^ ^hndorff müsse die Bildung eines ernstlichen Ministeriums sein, medergesetzte Kommtsiwn mit der Frage semer weiteren das fähig sei, die Verteidiauna des traninfifrfipn mit b Ä9,"' nur nach bei Paraden zu glauben, daß der Friede nicht mehr als vor vttr-
mtt diesen letzten Überbleibseln mittelalterlicher Be- zehn Tagen gefährdet sei, obgleich kein logischer Grund affnung erscheinen werden. für diese ruhige Stimmung vorhanden sei; aber in
kam- ^'"uthentische Beleuchtung, welche der Genesis diesen Zeiten wisse kein Mensch, ob ein Knall eine des Bündnisvertrages und diesem selbst m der gestrigen Alarmkanone bedeute, die rede, oder eine Petarde Reichstages von berufenster die platze. Der „National" meint: „Frankreich darf ©teile zu Teil geworden ist, laßt die springenden I Vertrauen hegen, es zieht Nutzen aus den Fehlern Punkte der internationalen Konstellation in so durch- seiner Gegner: Das Deutsche Reich kann durch die sichtiger Klarheit hervortreten, daß, wer fortan noch kleinste Niederlage zerstört werden, Oesterreich ist Zeisel über das, was die Friedensmächte wollen lohne Einheit, England hat Irland Italien hat bei und was sie nicht wollen, mit sich herumträgt, dadurch Masiauah Ehre und Geld verloren- Frantteich »nd 6e?rt tntrTtbC' bk°6 S JT Augen beharrlich allein verdient durch seine Weisheit die Zukunft der und geflissentlich gegen die Wahrheit verschlossen hält. Gerechtigkeit. Was Bismarck gegen Frankreichs oder Von diesem Argwohn suhlt man sich unwillkürlich I Rußland reden mag, Frankreich darf Vertrauen zu SCr\ Hbcr S8?In$munl- die Wfdi«M«n;8ta^ÄSrtS8Sn£ rt?ten' bCI .Besprechung der Bündnis- sckaften an, aber fein Vertrauen beruht in ihm selber
Publikation ihrer vorurtellsvollen Befangenheit freienIFrankreich wartet zu ohne Furcht" Das Blatt Lauf zu laffen. Beispielsweise findet der „Soleil", „Paris" glaubt, Deutschland werde zurückweichen dap Bismarck einen Druck auf Europa ausübe, wie weil es außer Stande setz die Verantwortlichkeit für di-W°,.° d-s di- Eröffnung d-s K-i-g,; zu L-Hm-N SS 2 e. Reichskanzlers, um zu erfahren, ob der land werde die Feindseligkeiten nicht eröffnen sondern Zustand Europas, der nun schon 17 Jahre dauere, zurückschrecken, weil Frankreich und Rußland keinen ^ ^tz-en Kr.,,s gelange. Casiagnacs „Autorite" Vorwand zu einem Kriege an der Weichsel und an äußert, mittels ihrer Kundgebungen brächten Oester- den Vogesen geben werden; man w7rde sich ber^t 2 und Deutschland ihre Gegner selbst in eine Lage, halten und von dieser Haltung den Vorteil habm tbrünSri$U5mmen t0B n-«tocnbt9 ,Crf0l9en muB: b'e daß die verderblichen Folgen der deutschen Politik französische Regierung muffe handeln, denn der Krieg sich klar und deutlich abspieaeln Der Temvs" saat onne chne Vorsp e jeden Augenblick ausbrechen: die die Veröffentlichung desVertrageshabe »L bfe diepublck bekenne friedliche Gesinnungen; Bedeutung einer Drohung gegen Rußland Indern stärkke L' ane^Ttate" u"d Kanzleien hätten bezwecke, Rußland daran** S?1 fiT 6 Qbei unermeßliche Friedens- reich nicht angreifen könne, ohne Deutschland an dessen
liebe könne halb Europa m den Krieg stürzen. Sette zu finden; sie sei auch eine E?mür.auna ür »Rappel (mit rlfloquet befreundet) hält die Ver- Oesterreich, das zu glauben scheine es würd^e ae- offentlichung M em Ultimatum gegen Rußland und gebenenfalls nicht genügend von seinem Bundesae- Ä x6 ^^utsckland und Oesterreich unter dem nassen unterstützt werden. Auch findet der Temps" Vorwande hen Degen ziehen werden, um den Frieden daß die Veröffentlichung nicht vollständig sei" da man ! m < L ® “ ^orrt ^er, sie wurden ferner besage sie nichts über den Stand der Dinae der eines Krieges zurückbeben, am Mittelmeer, in Bosnien, der Herzegowina und
beE“lSbab etn europäischer werden müßte. Frank- über die Lage am Balkan, man wiffe daher nickt fertta o' ?b'9. zu halten aber schlag- für welchen Jnteressenumfang Deutschland miteintrettn fertig. Die „Lanterne" memt, es sei möglich, daß, müsse. Wenn man auch diese Verschwendung von
Meten des leitenden Staatsmannes in Aug und Herz Miner unmittelbaren Zuhörer entzündete, beschränkte "iich aber nicht auf den Umkreis des Sitzungssaales, simidern verpflanzte sich weit hinaus in das flutende Etraßenleben der Großstadt. Nach vielen Tausenden Mlte die Menge, die vor dem Reichstagsgebäude und taW ® dessen nächster Umgebung Posto gefaßt und gleichauf« Iain vorahnenden Geistes beschlossen hatten, dem Reichste» — __
Marbura, >■ -M» --------
dition2'/.Mk.. bei den Postämtern 2 3J1L 60 Pfg. (extl. m ^afenfte^.unb „„„„
Donnerstag, 9. Februar 1888. Z-Yrgang
uaupe u. ao. in grankfurt a. W., Berlin, Hannover. Paris.
■ ~L »Schon jetzt?* fragte Nina Hartl, „wMst Du .„Zch Hause gehe».*
, ceI »Ich will wich bald zur Ruhe legen,* entgegnete S »weil ich um zwei Uhr worgeus wieder auf den 11 skiu muß. Aber wir könnten noch eine Viertel, —mabe bei einander bleiben, wenn Du so lieb wärest N I bis zu meiner Wohnung zu begleiten.* Fren-
iuS * W fprang sie auf, denn so herzlich hatte er, wie ituitz ®Dn einmal gesagt, seit vielen Wochen nickt mit ihi Aviv ^brocken, und nachdem sie ein Umschlageluch ge- *>rmen, hing sic sich an seinen Arm. Also in zirt- ^fter Cinigkeit wanderten sie der Leopoldsvoistadl und erst vor dem Haufe Nr. 17 in der kleinen «rgaffe trennten sie sich.
Eine halbe Stunde später öffnete sich die Thür Hanfes Nr. 17 abermals, und ein hochgewachsener Eianker, in einen stahlgrauen Mantel gehüllter, ] Ffltt Mann trat heraus. War es Gottfried von ^-kß oder war er es nicht? Er war es; aber als t. * die nächste Straßenlaterne beschien, sah man, daß : El» ?? «roße Veräudernng mit ihm vorgegangen war. (858 r»tr den Mantel trng er nm den oals ein roies !u<b' baS er vorn in einen Knoten geflochten • _ 55?’ und seinen Kopf bedeckte ein breitkäwpiger Intel* ^Llapphut, so daß man von feinem Gesicht nur t sah. Mit dem letzteren selbst ober war eine ffcha» e^uiei kwürdigere Veränderung vorgenomwen worden; Mhait ^6 es fehlte der schwarze Schnurrbart, der ihm bitte! ™ martialisches Aussehen gegeben hatte. Inte? ig^tramm und aufrecht wie ein Mann, der einen (82® ^deiruflichev Entschluß gefaßt hat, bog Gottfried ’ », Kreß in die Glockengaffe ein; dann aber, als
KwOc8 Hauses 330 ansichtig wurde, stand er plötzlich W? »Wird sie nicht stntzig werden, wenn sie mich Schnurrbart sieht?* murmelte er vor sich hin.
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