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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt fiir die Kreise Marburg und Kirchham. - Zllvstriettes Sonntagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Auo. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach eonn- und Feiertagen — Ouartal-Abonnemekts-PreiS bei der Expe» bition 2*/t Mi., bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 5. Februar 1888.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bur-aux von Saasenstein und Vogler in Frankfurt a. SR.. Eosset Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIII Moffe m Frankfurt a.M., Berlin, München u. Köln; G.L. AA111- Daube u. Co. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover. Paris.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. Febr. Ter Kaiser nahm heute Mmittag den Vortrag des Oberhofmarschalls Grafen
1 Herponcher entgegen und empfing darauf den General 6. Strubberg und später den Grasen Stolberg. Um 2 Uhr machte der Kaiser eine Ausfahrt. Um 3 Uhr VUJIl Hal Minister v. Puttkamer Vortrag. — Ter „Reichs- Sozciger" veröffentlicht den Vertrag betr. das Bünd- «5 zwischen Deutschland und Österreich vom 7. Okt.
ß 879. Die „Wiener Abendpost" bringt die gleiche demselb« hiblikation. Die Veröffentlichung lautet: Die Regierun- zm Deutschlands und Österreich-Ungarns haben sich zur Veröffentlichung ihres am 7. Oktober 1879 abge- > Moffenen Bündnisses cnffchiossen, um den Zweifeln
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tentionen desselben gehegt und verwertet werden. Leide Regierungen sind von dem Bestreben geleitet, Frieden zu erhalten und die Störungen desselben zuwehren. Sie sind überzeugt, daß die Bekannt- be des Inhalts des Vertrags jeden Zweffel hierausschließen wird. Artikel 1 des Bündnisvertrages lautet: Sollte wider Verhoffen und den unsch der Kontrahenten eines der beiden Reiche
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Rußland angegriffen werden, so sind die Kontra- lllg. fe nten verpflichtet, einander mit der gesamten Kriegsmacht beizustehen und den Frieden nur gemeinsam
n sich nach den bei der Begegnung in Alexandrowo esprochenen Gesinnungen des Kaisers Alexander Hoffnung hin, daß sich die Rüstungen Rußlands bedrohlich für sie in Wirklichkeit nicht erweisen haben zur Mitteilung für jetzt keinen Anlaß; r aber diese Hoffnung wider Erwarten sich als lich erweisen, so erkennen beide Kontrahenten als eine Pflicht der Loyalität an, den Kaiser ander zu verständigen, ein Angriff aus einen der ltrahenten werde als ein Angriff gegen beide an- hen werden. — In der gestern unter dem Vorsitz Staatsministers, Staatssekretärs des Innern von
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d übereinstimmend zu schließen. Artikel 2: Würde Teil von einer anderen Macht angegriffen, so ist r andere Kontrahent verpflichtet, dem Angreiser acht beizustehen und eine wohlwollende neutrale Holtz anzunehmen. Wenn jedoch Rußland den An- eiser unterstützt, so treten die Verpflichtungen des rtikel 1 in Kraft. Die Kriegsführung und der icdensschluß erfolgen gemeinsam. Artikel 3: Der trag soll einen friedlichen Charakter tragen und, Mißdeutung auszusckließen, geheim gehalten werden;
■em dritten darf er nur mit der beiderseitigen Über- ' stimmung mitgeteilt werden. Beide Kontrahenten
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Bötticher abgehaltenen Plenarsitznng erteilte der Bundesrat dem Entwurf einer Verordnung, betr. die Militärtransport - Ordnung für Eisenbahnen im Frieden, nnd dem im Haag am 16. Nov. 1887 unterzeichneten internationalen Vertrag zur Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseefischern auf hoher See die Zustimmung. Die Vorlage, betreffend die Bildung einer Berufsgenoffenschaft der Unternehmer land- nnd forstwirtschaftlicher Betriebe für das Gebiet des Fürstentnms Renß j. L., und der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über die Fürsorge für Beamte infolge von Betriebsunfällen wurden den zuständigen Ausschüssen zur Vorberatung überwiesen. Endlich wnrde über die Zu- lassung von Privat - Tranfitlagern ohne zollamtlichen Mitverschlnß für Mineral-Schmieröle Beschloß gefaßt. — In allen politischen Kreisen drehte sich hente das Gespräch nur um die Rede, die Fürst Bismarck bei Beratung der Anleihe und der Wehrvorlage voraussichtlich am nächsten Montag im Reichstage über die politische Lage halten wird. Man erwartet eine große Aktion und die Spannung, mit welcher man ihr entgegensieht, entspricht dem Umfange und der Dauer der Ungewißheit und der Beunruhigungen, unter denen Europa leidet. Durch die Veröffentlichung des Bündnisses ist vielleicht schon die Disposition der vom Reichskanzler zu erwartenden Auslassungen gegeben. Man darf erwarten, daß er die friedlichen Absichten Deutschlands und Oesterreichs stark betonen, andererseits aber auch die Entschlossenheit und die Kraft zu gemeinsamer Abwehr hervorheben wird. Fürst Bismarck hat in den letzten Tagen hervorragende Führer der konservativen Parteien, des Zentrums und der Nationalliberalen nicht in einer gemeinschaftlichen Konferenz, sondern einzeln gesprochen.
Hamburg, 5. Febr. Das hiesige Oberlandes gericht bestätigte das Urteil erster Instanz in Sachen, betreffend den Zusammenstoß der Kreuzerkorvette „Sophie" mit dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hohenstaufen", welches den Reichsfiskus mit seiner Klage gegen den Norddeutschen Lloyd unter Verurteilung des Klägers in die Kosten abgewiesen hat.
Ausland.
Wien, 3. Febr. Das Abgeordnetenhaus erledigte die Zuckersteuervorlage bis zum Paragraphen 24. Dasselbe lehnte die zu den Paragraghen 1 bis 3 gestellten Anträge betreffend die Einführung einer gleitenden Zuckersteuerskala mit 164 gegen 82 Stimmen ab.
Bern, 3. Febr. Ein heule von den Zeitungen veröffentlichtes Kommunique des Bundesrats besagt: Die Untersuchung über die anarchistischen und sozialistischen Umtriebe habe im letzten Jahre begonnen. Veranlaßt durch das Erscheinen der Flugschrift: „Rote Teufel" habe sich dieselbe später auch auf die Organisation der deutschen Sozialisten in der Schweiz, sowie auf verschiedene sozialistische und anarchistische Versammlungen ausgedehnt. Alsdann sei die Verhaftung Ehrenbergs, Schröders und Haupts gefolgt, so daß der Bundesrat erst am 27. Januar in der Lage gewesen sei, Entschließungen zu fassen. Schon im Verlaufe der ersten Untersuchung habe das Justiz- Polizeidepartement die Offizin des Sozialdemokraten, aus welcher die Flugschrift „Rote Teufel" hervorgegangen sei, zur Mäßigung des Tones in ihren Veröffentlichungen angehalten. Der Bundesrat habe die Warnungen bestätigt und verschärft.
San Remo, 3. Februar. Mackenzie reiste heute nach Barcelona ab und kehrt nächsten Dienstag hierher zurück. Alle Anzeichen, der klinische wie der mikroskopische Befund, werden als ein Beweis für den günstigen Charakter des Leidens angesehen. Trotzdem werde eine Tracheotomie früher oder später vielleicht notwendig werden; bei Perichondritis (Knorpelhaut- Entzündung) würde die Operation eine heilende Wirkung haben. — Gestern ist der Kronprinz nicht ausgegangen, da sich Kopfschmerzen und Neuralgie wieder eingestellt haben. Die Witterung ist ungünstig.
London, 3. Febr. Thomas Callan und Michael Harkins, welche angeklagt sind, sich behufs Herbeiführung von Dynamitexplosionen verschworen zu haben, sind heute zu je 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden.
Edinbnrg, 3. Febr. Die argrarischen Meuterer auf der Insel Lewis (Schottland) sind Zu Gefängnis- prafen von 6 bis 15 Monaten verurteilt worden.
Petersburg, 3. Febr. Die „Neue Zeit" (Nowoje Wremja) hält in Erwiderung des jüngsten Artikels des „Militärwochenblattes" ihre Ansicht aufrecht, daß das einzige Mittel, Rußland vor einem Angriffe Oesterreich-Ungarns und Deutschlands zu schützen, in der Erhöhung der Wehrhaftigkeit der Festungen und in der Verstärkung der Grenztruppen bestehe; das Eisenbahnnetz müsse militärisch, nicht in dem engen Raume des Kriegstheaters an der Grenze, sondern auf dem ganzen Kriegsschauplätze in Betracht gezogen gezogen werden. Der Artikel versucht alsdann, aus- ührlich den entschieden defensiven Charakter der militärischen Maßnahmen Rußlands an der Grenze nachzuweisen, und bemerkt, Rußland brauche nicht einen
ixuß breit deutschen Landes, werde aber auch nicht einen Fuß breit seines Landes abtreten. „Bon dieser Friedensliebe erfüllt, verhehlen wir nicht, daß wir uns nur zur Defensive vorbereiten; so lange Deutschland ruhig bleibt, droht ihm von keiner Seite ein Angriff."
Hessen- Nassau.
Marburg, 4. Febr. Nunmehr zum dritten und hoffentlich letzten male scheint heute nach dem gestrigen sehr zahlreich besuchten Eis-Vergnügen mit vortrefflicher Bahn auf der Lahn und Jäger-Konzert, die Eissaison für diesen Winter zu Ende gehen zu wollen. So schön es auch war — etwas mildere Temperatur ohne Eis und Schnee ist doch noch schöner.
Marburg, 4. Februar. In dem am nächsten Dienstag im Saalbau stattfindenden Konzert wirkt als Pianistin, wie bereits mitgeteilt. Miß Mary Wurm mit. lieber dieselbe wird aus Berlin mitgeteilt: In der Singakademie gab am Sonnabend eine aus England kommende Pianistin und Komponistin, Miß Mary Wurm ein Konzert unter Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters und des Liedersängers Raimund von Zur Mühlen. Es kamen eine Konzert- Ouverture, ein Klavierkonzert, Solostücke für Klavier und Lieder der Konzertgeberin zum Vortrag, an denen melodische Erfindung und sichere Formbeherrschung zu rühmen sind. Die Komponistin zeigte sich in der Ouvertüre stark von Mendelssohn beeinflußt und ihre Lieder entsprechen mehr der englischen als deutschen Geschmacksrichtung, aber immerhin ist eine reiche Begebung der jungen Dame für die harmonische und melodische Gestaltung unverkennbar. Miß Wurm aber trägt ihre Klavierstücke ungemein reizvoll vor und ein Wiegenlied, sowie eine Gavotte, die sie spielte, fanden stürmischen Beifall. Herr Zur Mühlen sang einige Lieder der Konzertgeberin mit klangvoller Tenorstimme und gefälliger Nuancierung. Das Konzert war gut besucht und die musikalischen Gaben des Mädchens aus der Fremde wurden dankbar aufgenommen. — Am Sonntag Abend wurde im Salon der kunstsinnigen Frau Sch. L. eine Kindersymphonie der Miß Wurm zum erstenmale aufgeführt, welche den stürmischen Beifall einer glänzenden Versammlung fand. Von bestrickender Anmut war namentlich das Scherzo des originellen Tonwerks. Deutsche nnd spanische Künstler beteiligten sich an der Ausführung, welche von der Komponistin persönlich geleitet wurde.
Marburg, 4. Febr. Zwei von dem vorgestrigen Lichtmeßmarkt heimkehrende Burschen aus Goßfelden mißhandelten im Dorfe angelangt einen dritten Burschen
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«Ha, ha, ha. Ein besterfundeneS Märchen!« Gottfried von Kreß abermals laut auf; aber
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,n meinet Yes Lachen klang erzwungen, und man sah ihm an einet «bittere Enttäuschung ox.
tz, ab§ v»D«s Testament,' sprach der Hoftat sehr erust, ««!de vom erbte» Notar KalrbnraS abaebabt. tnth
vom ersten Notar Salzburgs abgefaßt, uud den übrigen Freunden des ProfeflorS habe» Zeugen unterschrieben.«
^.«Iso wäre Frau von Awpach eine Bettlerin, ru Cast' hSJ“ nieder heiraten würde?« preßte Gottfried , uä) *«nß aus seinen zusammeugebiffeueuZähueu heraus. ’r„ . „ ^?Ait fünfhundert Gulden jährlich,' war die äu- ton*9' . kaltblütige Antwort, »braucht mau nicht zu ne Lor» etin, und überdem wird Frau von Awpach sich " ®it einem Manne vermählen, der für die staudes.
°ßeu Bedürsniffe der Gattin zu sorgen in der
am- Criminal-Roman von Theodor Griesinger.
, . , -jfe (Nachdruck verboten.)
litt is™. (Fortsetzung.)
Ferner heißt es t» dem Testament des Herrn p Awpach.
■ Frau Walpurga von Awpach werden die
!<irDD»3Qftn aus de» Kapitalien jährlich verabfolgt, so :. 10, sie lebt, und nicht minder erhält sie den jähr. Ertrag des Gutes, doch unr so lange, als der , gg,- minderjährig ist. Viertens, der Schmuck, das AI^uWerzeug und die Hauseinrichtung verbleiben der "•» von Awpach als ihr Eigeutuw, und sie kann 'er uach Gutdünken verfügen. Fünfteus und s, sobald Frau Walpurga von Awpach zu einer n Ehe schreitet, übernimmt die waiseugerichtliche issiou die Erziehung der beiden Sinder uud der Fra» von Awpach eia Gehalt von füuf- ert Gulden jährlich bis zu ihrem Tode; den Er- deS Gutes ober so wie die Zinsen aus den Ka- ien kapitalisiert die Kommisfiou zu Gunsten der »er, soweit sie nicht zur Erziehung verwandt werden
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Lage ist. Dies, Herr von Kreß,' setzte der alte Herr mit einer spöttischen Verbeugung hinzu, „ist die kurze Geschichte, welche ich Jhuen zu erzählen wir vornahm, weil dieselbe, wie ich schon einmal bemerkte, für Sie einiges Jutereffe haben dürste, und nun empfehle ich mich Ihrem Wohlwollen.'
Mit diesen Worte» ging er über die Straße hinüber auf das andere Trottoir nnd verschwand gleich nachher in einer Settengaffe. Gottfried von Kreß dagegen blieb wie angewurzelt stehen uud ergoß sich in einen Strom vou Verwünschungen.
»Welch ein boshafter Einfall, ein solches Testament zn machen!' murmelte er und stampfte dazu mit dem Fuße. »Und wie dieser Giftmeusch vou einem Hofrat noch extra jedes seiner Worte in Galle tauchte! Er weidet sich ordentlich daran, mir Stück für Stück alle meine Hoffnungen zu zertrümmern! Aber was nun? Vor einer Stunde noch schwelgte ich in der Gewißheit, durch meine Heirat mit dieser Walpurga einem Leben voll Genuß entgegenzugehen, uud jetzt die Hölle verschlinge dieses Testament mit samt dem Testator! Doch haft! Habe ich denn Gewißheit, daß alles sich so verhütt, wie dieser Giftmensch .... Nein, nein," rief er, und von neuem belebten* sich seine Hoffnungen, „alles kann noch nicht verloren fein, und sie selbst .... ja wohl, ans ihrem eigenen stunde will ich erfahren, ob der Rat die Wahrheit prach oder nicht.«
So suchte er sich selbst Mut zu mache»; ober eS vollte nickt recht gelingen, und er verbrachte den Tag in einer Stimmung, die aufgeregter und zorniger nicht hätte sein können.
Den anderen Morgen mit dem Schlag neun Uhr and er fchou wieder vor der Korridorthür des zweiten Stockwerks in dem Hause der Glockengaffe, uud wiederum öffnete das Dienstmädchen. Seine Frage ober, ob Frau von Ampach zu Hause sei, beantwortete es diesmal bejahend, und eine Minute nachher be- and er sich im Salon, der gnädigen Frau gegenüber. Sie kam ihm strahlenden Anges und mtt dem süßeste»
Lächeln, das ihr zn Gebote stand, entgegen und reichte ihm beide Hände. Als er sie jedoch an sich ziehen wollte, machte sie eine abwehrende Bewegung uud deutete auf die kleine Wally, welche mit einem großen Bilderbuche vor sich an einem Tischchen saß.
«3ch war gestern schon hier," begann Gottfried von Kreß, „nm Ihnen meine innigsten Glückwünsche zu Ihrem Namenstage darzubriugeu, hatte aber nicht das Glück, Sie zu treffen.«
»Was mir unendlich leid that,' versicherte ihm Frau von Ampach; »allein ein sehr dringendes und noch dazu ein äußerst unangenehmes Geschäft nahm mich fast den ganzen Tag in Anspruch.«
»Sie waren, wie mir ihr Mädchen berichtete, bet Ihrem Advokaten?« fragte Gottfried von Kreß, der unter allen Umständen sich vergewissern wollte, ob die merkwürdige Geschichte, die ihm Herr von Hagauini erzähll hatte, auf Wahrheit beruhe ober nicht.
«Ja," nickte Frau von Ampach, und über ihr Gesicht flog eine Zornröte. »Es handelte sich um eine Entscheidung dritter Instanz in einem Prozeß, de» fett mehr als einem Jahr gegen ein dummes Testament führe.«
»Die Entscheidung fiel ober hoffentlich zu Ihre» Gunsten aus?' war die wettere Frage Gottfrieds vou Kreß, uud in seinem Gesichte lag eine unendliche Spannung.
.Nein," erwiderte Frau vou Awpach noch zorniger, »uud das ists eben, was mir den gestrigen Tag zu einem so höchst widrigen gemacht hat. Aber »och i t nicht aller Tage Abend, und da in der Entscheidung ein Formfehler .... Doch laffen wir diese häßliche Angelegenheit ruhen," unterbrach sie sich hier selbst, „und gehen wir auf ein anderes Thema über."
„Gottftied vou Kreß wußte genug, und eine eisige ‘ölte blickte jetzt ans seinen Ange». »Ich sehe," prach er, »Sie find schon wieder zum Ausgehen ge> rüstet, und so will ich Sie nicht länger aufhatten."
Höchst befremdet, fast erschrocken, sah sie zu ihm auf, als er jetzt uach seinem Hute griff. Aber mtt
einer schnellen Bewegung legte sie ihre Hand auf den Hut. »Was haben Sie?" rief sie ihm zu. »Ich muß allerdings ausgehen; aber berechttgt Sie dies mir zu zürnen ? Nein, ich laffe Sie nicht ohne Wetteres ort, sondern im Gegenteil, Sie müssen mir in der Auswahl des Schmucks, den ich heute tragen werde, Wissen Sie, »setzte sie mit einem schelmisch fußen Blicke hinzu, »ich will Ihren Ge. chmack prüfen. Wally, wandte sie sich zu ihrem Töchterchen, „geh zu der Anna hinüber und laß Dich vollends entleiben. In einer Viertelstunde hol ich Dich und daun gehen wir zum Bruder Adolph.'
Die Kleine hüpfte hinaus, und Gottftied von Kreß befanb sich mit Frau Ampach allein. »Ists nun rech*?« flüsterte die Letztere zärtlich. »Doch chuell," fügte sie hinzu, »ich habe nicht lange Zett; leisen Sie mir meine Wahl treffen. Welche Kette soll ich tragen? Welche Armringe, welchen Gürtel nnb welche Broche?'
Mtt diesen Worten öffnete sie ein Spiegelspinde, das, tote wir wissen, im Schlafkabinet stand, und ha! tote glitzerte und flimmerte es ihm da heraus entaeaen! Ein Stück »ach dem andern legte sie ihm vor, und )as zwette war immer reicher als das erste. Er aber taub lange sprachlos, nnb nur seine größer uud größer toerbenben Augen zeugten von bem außer» rbeutlicheu Eindruck, welchen dieser Anblick auf ihn machte.
«Sie sagen ja gar nichts?" flüsterte sie, nnb ein unenbltcher Triumph über fein Erstaumeu spiegelte ich in ihrem Gesichte.
Sprachlos starrte er noch immer; aber seine Angen schossen Blitze, nnb seine Nüstern erweiterten sich. »Eine Pracht, tote ich keine gesehen; sie muß eine orreube Summe verschlungen haben," keuchte er endlich mühsam hervor.
«Fortsetzung folgt)