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Illustriertes Sonntagsblatt.
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Gottfried von Kreß verstand und empfahl
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Der siebenundzwauzigste Februar.
Den andern Morgen erhob sich Gottfried
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die rusfischen Truppenkonzentrationen die Aufmerk- samkeit allgemein auf dicfes Gebiet gelenkt haben. Und diese Anschauung dürfte in der Thar zutreffend fein. Seitdem Frankreich erkannt hat, daß das Dreikaiserbündnis unwiderruflich vorüber ist, ist in den Franzosen stärker als früher die Hoffnung erwacht, der Zar-Selbstherrfcher werde aus Seiten der freien Republik stehen, „wenn es einmal an die große Abrechnung gehen sollte." Diese Hoffnung verspricht zwar keineswegs eine sichere Erfüllung, aber man muß zugestehen, daß, wie die Dinge heute liegen, sie bei den geheimen Gedanken der Franzosen natürlich fft. Aus diesem Gefühl erwächst für unsere westlichen Nachbaren aber auch das zweite, nunmehr ruhig zu warten, bis der Krieg als reife Frucht vom Baunec fällt. Wenn die französischen Politiker einen Krieg im Osten nur sür eine Frage der Zeit halten, können sie auch gemütlich seinen Anfang abwarten und haben es nicht nötig, in einem eigenen Kriege sich selbst die Finger von vornherein zu verbrennen. Siegt im Osten der Zar, nun, dann wird jede französische Regierung, mag sie heißen, wie sie will, zum Kriege gezwungen, verliert der Zar, dann warten wir in Paris eben noch ein Bischen. Russisch-Polen kann deshalb, so weit menschliche Voraussicht reicht, als der Schauplatz des nächsten Krieges bezeichnet werden, denn auch dann, wenn Oesterreich - Ungarn und Rußland einmal im Balkan zusammenstoßen sollten, wird die Entscheidung immer in Polen fallen. Dort ist der einzige Punkt, an welchem Oesterreich- Ungarn Rußland mit voller Macht angreisen kann und Rußland muß angegriffen werden, wenn ein Sieg kommen soll.
Der nächste Krieg als solcher ist uns sicher; aber
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Wiederum kleidete er sich sorgfältig an und zog dann seinen Kalender zu Rate. „Ich habe/ murmelte er, „eine doppelte Ausrede für mein frühes Erscheinen; denn heute ist Walpurga, und ich muß ihr doch gratulieren.*
Es war richtig; der Name Walpurga stand heute im Kriender, und in Wien pflegte man damals statt seines Geburtstages seinen Namenstag zu feiern.
Schon um 9 Uhr morgens läutete er an der Korridorthme des HauseS in der Glockengasse; aber eS öffnete ihm nicht, wie er erwartet hatte, Frau von Ampach, sondern deren Dienstmädchen Anna Söllner.
„3ft die Gnädige schon zu sprechen?" fragte Gott, fried von Kreß.
„Fran von Ampach wurde," erwiderte das Mäd- cheu, „heute iu aller früh zu ihrem RechtSauwalt gerufen und ist also schon vor einer Stunde ausge- gangen."
„Und wann wird sie zurückkehren?" wollte Gott- ftied von Kreß weiter wisieu.
„Dies," war die Antwort, „sei unbestimmt, hat die Gnädige gesagt, und ich solle also alle Besuche auf morgen vertrösten."
„Und die kleine Wally?" war die dritte Frage.
„Oh," rief das Mädchen froh, „das Kind ist wieder so gesund wie ein Fisch im Wafler. Es war nur ein vorübergehender Fieberanfall in Folge verdorbenen Magens, und Kinder pflegen sich hiervon schnell wieder zu erholen."
Gottfried von Kretz wandte sich nun der Thüre zu; aber als er diese öffnete, hatte er den Hofrar von Hagautui vor sich. Dieser kam ebenfalls, um der Frau von Ampach zu ihrem Namenstage Glück, wünsche zu Bringen, erhielt jedoch von dem Mädchen dieselbe Antwort, wie so eben Gottfried von Kretz.
„Dann," weinte der Hofrat zu Letzterem gewandt, „bleibt uns beiden nichts übrig, als unsere Glückwünsche bis morgen aufzuheben. Im übrige», Herr von Kreß, ist es mir sehr angenehm, Sie hier ge-
möglich, so muß sie entweder diverse Milliarden für Militärbahnen im Innern ausgeben, ober, was sie thut, die Korps so konzentrieren, daß sie ohne größere Schwierigkeit«» auf dem Kriegsschauplätze verwendet werden können. Nun steht auf diesem Gebiete aber auch bei Weitem nicht Alles, wie es soll, und dazu denke man sich dann eine mobilisierte Armee! Es würde einen ziemlich argen Wirrwarr geben. Wenn es weiter nichts ist, so müssen die Gebote der Klugheit den russischen Generalen die alte Kriegsweisheit einschärfen, daß man erst kriegsfertig in Wahrheit sein muß, um erfolgreich einen Krieg zu führen. Heute ist Rußland noch nicht so weit; wie schnell es dahin kommt, das wollen wir abwarten. Die deutsche Militärverwaltung beobachtet jedenfalls gespannt die Vorgänge in Polen.
wäre es aber ein ziemlich kräftiger Grund, der nicht so leichtherzig beseitigt wird. Die größte Resorm in der russischen Armee seit dem letzten Türtrukriege ist die neue nationale Uniformierung. In allem anderen
Die Prophkreih irrig -er Iigerrrrerin.
Criminal-Roman von Theodor Griesinger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Wie kannst Du Dich erdreisteu?* rief Frau von Ampach zornig. „Du hast ja deu strengste» Befehl, »ei» Zimmer nicht zu betteten, außer weuu ich Dich
Kreß schon zu früher Stunde, und eine unendliche Seldstzufriedenhett lag in seinem Gesichte. Er besah fich in dem kleinen Spiegel, der an der Wand hing, vom Kopf bis zu deu Füße», und immer sieges- ttunkeuer wurden seine Blicke. „Das Spiel ist gewonnen,* jubelte er fast laut auf, „und noch heute bringe ich es zu Ende.*
Sie, Ihre Wally ist plötzlich, wie mir scheint, schwer erkrankt, und ich möchte Sie bitten, selbst nachzusehen, »b ich nicht den Arzt rufen soll.*
„Wally erkrankt?* wiederholte Fran von Ampach. „Das ist ja kaum glaublich; denn ich verließ sie heute ittag kerngesund.*
„Noch vor zwei Stunden war sie ganz wohlauf,* versicherte das Mädchen; „aber bann klagte sie über Kopfweh, und jetzt glüht sie über und über.*
Fran von Ampach sprach einige entschuldigende Worte und eilte hinaus, kehrte aber schon nach einer Minute zurück. „Das Kind,* sagte sie, „liegt im heftigsten Fieber, und ich muß daher den Arzt holen lassen. DaS ist ein leidiger Zwischenfall,* seufzte sie tief auf, „allein eS läßt sich nicht ändern.*
will man zwar viel gethan haben, aber die Beweise dafür fehlen noch. Alexander III. ist kein Militärorganisator, und die russischen Generale geben ihren französischen Kameraden auch heute noch a« Eigenmächtigkeit verzweiselt wenig nach. Schon im letzten Türkenkriege hat diese Erscheinung der russischen Armee unendlich geschadet. Die Militärgouverneure des heutigen Rußland haben wiederholt mit großer Reorganisationen begonnen, sind auch wohl ein tüchtiges Stück darin vorwärts gekommen, aber niemals zum Ende gut, alles gut. Man wirtschaftete zum Beginn in den Tag hinein, verwirtschaftete viel Geld, bis schließlich diefes notwendigste aller Kriegsmittel zu Ende war. Darum ist in Rußland auf militärischem Gebiete nichts Ganzes entstanden; man hat begonnen, eine großartige Militärmaschinerie für das breite Reich aufzustellen, aber diese Maschine funktioniert nicht, worauf es vor allem ankommt, tadellos. Bei den enormen Raumverhältnissen Rußlands muß in der Militärverwaltung eine Schneidigkeit und Akkuratesse herrschen, die der deutschen mindestens gleichzuerachten ist. Aber die ist nicht vorhanden. Militärische Kreise haben wohl ihr scharfes Augenmerk auf die drohende Truppenaufstellung an der Grenze, aber sie wissen auch, mit welchen unsäglichen Schwierigkeiten die neue Konzentrierung durchgcsührt ist, wie wenig einheitlich alles von Statten ging.
Jrn Jahre 1886 besuchte Prinz Wilhelm von Preußen im Austrage Kaiser Wilhelms den Czaren zu dessen Geburtstag in der Festung Brest-Litewsk. Bei der Gelegenheit wurde von den amtlichen russischen Organen mit unumwundener Klarheit ausgesprochen, die Befestigungen in Polen, überhaupt die ganze Reorganisation der russischen Armee sei beendet, Rußland sei jeder Militärmacht in Europa gewachsen und brauche nicht mehr auf gute Freunde zu achten. Es sei sich selbst genug. Alles das sind Thatsachen. Nunmehr, nach noch nicht zwei Jahren, wo mit der neuen L onzentration eine gewisse Probe auf die damals gerühmte Schlagfertigkeit gemacht wird, klappt die Sache nicht. Verbindungen, Festungen und Ka- sernemenls, sowie die Truppenvcrpflegung in Russisch- Polen, wie sie heute find, garantieren nicht die Möglichkeit für erfolgreiche Bewegungen einer großen russischen Armee. Es muß noch sehr viel gethan werden, damit Rußland einen kräftigen Krieg von Polen aus zu führen im Stande ist. Die Lage in den Grenzbezirken übt eine Rückwirkung auf das Innere des Landes. Tort sind aber die Verbindungen noch schlechter, und hält die russische Militärverwaltung einen Feldzug über lang oder kurz für
\7ui, rufen werde.*
L I „Ich wußte nicht, daß Sie Besuch haben,* ent- p 1t »schuldigte sich das Mädchen, „und .... und .... v "k^Nnn diesmal müssen Sie Nachsicht haben; denn sehen
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aug. Koch.
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der Fall sein, und in fünfundzwanzig ebensogut. it”da ■ Frankreich wartet seit 1871 auf den nächsten Krieg, k : auf den es nach Aussage seiner Kriegsminister doch ■r Enj Völlig vorbereitet ist. Rußland aber ist, daran lassen e grat eße die Nachrichten, die langsam ihren Weg über die
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Bögler w Frankfurt a. Eofsel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIII Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. £ AAUL vsUlftljUillj. Daube u. Co. in Frankfurt a.Berlin, Hannover. Paris.
Furgergliedes besaß, nichts llngünstiges. Wäre Krebs vorhanden, so hätte er Spuren davon finden müffen. Mackenzie glaubt jetzt jede bei Lebzeiten eines Patienten überhaupt erreichbare Gewißheit zu besitzen, daß nur Perichondritis und nicht Krebs 0erliegt. Trotzdem dürfte die Angabe des Bulletins, wonach cne Operation unnöthig sei, nur auf die augenblickliche Gegenwart Bezug haben. Mackenzie glaubt, bie Tracheotomie werde m relativ kurzer Zeit nötig werden, weil mit Perichondritis stets eine Entzündung der Knorpel verbunden ist, welche die Nekrose desselben herbeisührt, worauf die sich ablösenden abgestorbenen Stückchen Erstickungsgefahr erzeugen können. Man werde nun sagen: wenn die Tracheotomie nötig würde, so fei durch die Aufhebung der Krebs- diagnose nichts gewonnen. Dies ist falsch. Während Krebs unheilbar ist und durch Blutvergiftung zum Untergang führt, kann Perichondritis geheilt werden. Es ist ganz gut möglich, daß die Athmungscananle wieder entfernt werden kann. Stach der Tracheotomie besteht die Gefahr nur noch darin, daß eine Kehlkopfschwindsucht oder ein allgemeiner Kräfteversall eintrittt, was jedoch keineswegs unvermeidlich ist und jedenfalls Jahre erfordert, wenn nicht ein besonders ungünstiger Verlauf sich zeigt.
— Die „Begründung" des Anleihcgesetzes lautet int Wesentlichen folgendermaßen: „Ter dem Reichstag unterm 9. Dezember 1887 zur verfasfungs- mäßigen Beschlußnahme voraelegte Entwurf eines Gesetzes, betreffend Aenderungen der Wehrpflicht, bezweckt, die Zahl der Streiter unserer Kriegsmacht beträchtlich zu vermehren. Durch das Gesetz soll ermöglicht werden, die älteren Mcmuschasten — als künftiges zweites Aufgebot der Landwehr — schneller zusammenzuziehen, um von Anbeginn des Krieges alle jüngeren Kräste zur Verteidigung der Grenzen verwenden zu können. Damit aber diese Steigerung der persönlichen Kräfte wirksam werde, müssen dieselben kriegsmäßig organisiert und ausgerüstet werden. Dies erheischen eben sowohl die militärischen Interessen, wie volkswirtschaftliche und Menschlichkeitsrücksichten. Truppen, welchen es an dem zur Kriegführung Notwendigen mangelt, leisten wenig und leiden viel. Je tiefer das Kriegsausgebot in alle bürgerlichen Verhältnisse eingreift, je mehr Familienväter von demselben betroffen werden, um so dringender ist es Pflicht, sie mit Wehr und Waffen, mit Kleidung und Feldausrüstung aufs Beste zu versorgen. Die Zeit für die Vorbereitungen zur Abwehr einttetender Kriegsgefahr ist uns unter heutigen Verhältnissen knapp zugemessen. Sie reicht nicht aus, um Kriegs-
„Eiu weiterer Gruud, um ein Testament z» machen?" rief Gottfried von Kreß, de» die Geschichte, welche der Hofrat erzählte, sehr zu intesstereu anfing.
„So ist es," nickte der Hofrat, ohne eine Miene zu verziehen. „Der Ehe meines FrenndeS mtt feiner Gattin entsprossen zwei Kinder, ein Knabe und ei» Mädchen . ."
„Zwei?" fiel ihm Gottfried von von Kreß wieder iu die Rede. ,Zch weiß nur von der kleinen Wally."
„Der Knabe," versetzte der Hoftat, „welcher jetzt etwa zehn Jahre zählt, ist in dem Weidnerschen Jn- ütut untergebracht. Also es waren zwei Kinder vor» Händen, und dieseu wollte mein Freund natürlich ihr Erbtett ficheru; weil er aber seine Fran allzugut kannte, als daß er nicht hätte befürchten müsse», sie werde bei ihrer Schönheit u»d ihrem verhältnismäßig noch junge» Aller nach feinem Tote irgend einem Schwindler und Abenteurer in die Hände falle», der nur ihres Vermögens wegen ihre Hand zu zwetter Ehe begehre . . . ."
„Ha, ha, ha," lachte Gottfried von Kreß laut auf, „Sie wollen mir weismachen, der Professor von Ampach habe feine Frau enterbt?"
„Sie uuterbrechen mich jetzt schon zum dritteu- male," wies ihu der Hofrat zurecht, „hören Sie mich ruhig an. Aus deu oben genannten zwei Gründen," uhr er dann i» der früheren, trockenen Art fort, „beschloß mein Freund ein Testament zu machen, und dieses Testament besagt Nachfolgendes: Erstens, die beide» Kinder Wally und Adolph erben die htttter- laffeneu Kapitalien z» zwei ganz gleiche» Teilen, und wenn der Sohn Adolph nach seiner Volljährigkeit das Gut Grünfeldeu übernimmt, hat er seiner Schwester Wally fünfnndzwanzigtausend Gulden herauSzube- zahlen. Zweitens, die Verwaltung sowohl des Gutes als auch der Kapitalien wird einer waisengerichtlichen Kommisfion anverttaut, welche dem Waifengericht alle Jahre Rechnung abzulegeu hat.
(Fortsetznug folgt)
Grenze finden, keinen Zweifel und nicht so vorbe- iisck« wie ein Krieg es erfordert Vielleicht ist das Nruno, der die Kriegspartei hindert, über die Friedensliebe des oblegen; immerhin
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Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und LHAH . .
Feiertagen. — Quartal-AbonnernentS-Preis bei der Expe»
bitten 2% Mk., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl.
^bllgeld). Jnserti"nsgebühr für die gespaltene Zeile SUMMbend, 4. FeblUar 1888.
10 Mg.. Reklamen für bte Zeile 25 Pfg. ' J
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* r? I ist das Land des nächsten Krieges genannt, seitdem
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Deutsches Reich.
Berlin, 2. Februar. Der Kaiser nahm heute Vormittag militärische Meldungen und die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts General v. Albedyll und des Kriegsminifters Bronfart v. Schellendorff entgegen und machte um 1 Uhr eine Ausfahrt. Um 4 Uhr erscheint Staatssekretär Graf Herbert Bismarck zum Vortrage. Prinzessin Wilhelm siedelt heute Nachmittag mit ihren Kindern nach Berlin über und nimmt im Schlosse Wohnung. Heute findet bei den Majestäten eine Soiree statt, wozu 400 Personen geladen sind. — Einem Privattelegramm der „Vosi. Ztg." aus San Remo zufolge erklärt Professor Virchow in seinem Dr. Mackenzie übersandten Gutachten, er habe trotz genauester Untersuchung und trotz der Bemühung, ungünstige Zeichen sich nicht entgehen zu lassen, nichts Schlimmes entdeckt. In einem Telegramm des „Berliner Tageblatt" wird dem Glauben Ausdruck gegeben, daß Virchow in dem untersuchten großen kranken Stücke aus dem Halse des Kronprinzen nichts von irgendwie bösartigem Charakter gefunden habe; diese Mitteilung 'ei erfreulicher, als irgend eine seit Beginn der ttaurigen Krankheit. — Die Veröffentlichung Virchow's aus seinem Gutachten von San Remo aus scheint in den maßgebenden Kreisen verstimmt zu haben. Virchow selbst verweigert auch heute noch hier jede Auskunft, doch ist an der Richtigkeit dessen, was über das günstige Resultat mitgetheilt worden ist, nicht zu zweifeln. Der „Vosf. Ztg." wird vom heutigen Tage aus San Remo depeschirt: Der günstige Inhalt des Gutachtens wird durchaus beftätigt. Virchow fand, obwohl das untersuchte Stück aus der Mitte der erkrankten Stelle stammte und die Größe eines halben
troffen zu habe». Darf ich mir wohl die Freiheit nehme», Sie ein Stück Wegs zu begleiten?"
Gottfried von Kreß hätte die Gesellschaft des Herrn von Haganini am liebsten vermieden; aber er konnte natürlich nicht mit einem Nein antworten, und so gingen sie mit einander die Treppe hinab.
„Welche Richtung wünschen Sie einzuschlagen?" fragte der Hofrat, als sie ans der Straße standen. „Nach links oder nach rechts?"
„Mr ists ganz gleichgiltig," versetzte Gottfried von Kreß.
„Gut," meinte der Hoftat, „so gehe» wir nach links. Man kommt dort gleich anf einen breiten Settenweg, wo wir bequem nebeneinander gehen können."
Sie wanderten also schweigend weiter, und der Seitenweg war bald erreicht. „Bitte," sprach nun Gottfried von Kreß, ein wenig stehen bleibend, „waS haben Sie mir zu sagen?"
-Zch will Ihnen," war die sehr trockene Antwort, „eine kurze Geschichte erzähle», welche Sie ohne Zweifel interessieren wird. Der Profeflor und Medizinä- Doktor Johann Georg von Ampach auf Grünfelden war mein spezieller Freund und . . . ."
„Ah," unterbrach ihn Gottfried von Kreß, „Sie prechen von dem verstorbenen Gemahl der Frau von Ampach?"
„3a, und nun höre» Sie," fuhr Herr von Haganini noch trockener fort. „Mein Freund heiratete seine Gattin bloß ihrer Schönheit wegen; denn Vermögen besaß sie keines, und ihre Familienverhällniffe konnten ihn auch nicht verlocke». Weil er ober ihre Schönheit heiratete, wollte er diese auch nach seinem Tote keinem ander» gönne», »vd als es also aus Sterben ging, beschloß er, ein Testament zu machen."
„§err von Ampach war demnach sehr eifersüchtig?" fragte Gottfried von Kreß, als der Hofrat hier ein wenig inne hielt.
»Das nicht," meinte der Hoftat; „aber er hatte einmal die Marotte, und überdies lag auch ein anderer Grund vor."