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TöechM Iälmg.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt str bk Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Auq. Koch.

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betont, die an diese Unterbrechung geknüpften reichenden Mutmaßungen hinfällig erscheinen, dererscits melden die „Petersb. Wjed.", daß im Laufe dieses Monats in Petersburg eine

keinem wie immer gearteten Vorschläge, welcher aus die genannte Frage Bezug hätte, herangetreten ist. Zu Verhandlungen der Mächte war somit kein An­laß vorhanden, und umsoweniger kann selbstverständ­lich von etwaigen Ergebnissen nicht stattgehabter Ver­handlungen die Rede sein. Nach einer Meldung aus Brody hätte die Verwaltung der russischen südwest­lichen Bahnen den durch einige Tage eingestellten Frachtenverkehr jetzt im normalen Umfange wieder ausgenommen, wodurch, was das »Wiener „grbbl."

ummlung der Vorstände der Mobilisierungsämter der einzelnen Militär - Ergänzungsbezirke stattfinden wird.

— Die in Deutschland in den letzten sechs Jahren verwendeten Eisenbahnräder aus Papier haben dem Reichs-Elsenbahnamt Anlaß zu folgender Aeußerung gegeben: Seit längerer Zeit sind auf amerikanischen Eisenbahnen Wagenräder mit Scheiben aus Papier- 'toff m Gebrauch. Diese Scheiben bestehen aus ein­zelnen Lagen kräftigen Papiers, welche mit Reiskleister unter starkem hydraulischen Druck nach und nach bis zu der gewünschten Stärke auseinander geklebt werden. Vermöge der der Papiermasse innewohnenden größeren Elastizität und geringeren Dehnbarkeit bei Wärme- Veränderungen gegenüber dem Metall wurde von der Verwendung der Papierscheiben-Räder im Eisenbahn­betriebe eine Erhöhung der Betriebssicherheit, insbe- ondere eine geringere Abnutzung der Radreifen und ein ruhiger, geräuschloser Lauf der Fahrzeuge erhofft. Diese Annahme veranlaßte seit dem Jahre 1881 einige Eisenbahnverwaltungen Deutschlands, Versuche mit Papierscheibenrädern anzustellen, und zwar wurden solche Räder mit wenigen Ausnahmen nur unter Personen- und Schlafwagen meist in schnell fahrenden Zügen verwendet, wobei zum Teil Bremsen auf die- felben wirkten. Anfänglich schienen die in Amerika erzielten günstigen Wahrnehmungen sich zu bestätigen, insbesondere wurden weder Reifenbrüche noch andere Unfälle bekannt, deren Ursachen auf die Verwendung von Papierscheibenrädern hätten zurückgesührt werden können. Im Monat Dezember 1886 jedoch erhielt das Reichs-Eisenbahnamt Kenntnis von einer anscheinend durch derartige Räder verursachten Entgleisung eines Personenwagens, bei welcher es sich zeigte, daß die Papierscheiben sämtlicher vier Räder völlig ausge­brochen und sowohl die sonst unbeschädigt gebliebenen Reifen, als auch die Achsen mit den an ihnen fest- sitzenden metallenen Naben unter dem Wagen fort­

geschleudert waren. Da nach dem Aussehen des Bruches der Papierscheiben aus eine im Gefüge des Materials eingetretene Veränderung geschlossen werden mußte, so wurden die aus deutschen Eisenbahnen ver­wendeten Papierräder einer eingehenden Untersuchung unterworfen, wobei mehrfache Beschädigungen im Material, namentlich Ausbrüche an der Peripherie der Papierscheiben entdeckt wurden. Die Beschädigungen sanden sich vorwiegend an Rädern, welche der Ein­wirkung einer Bremse ausgesetzt waren.

Posen, 26. Jan. Der vor der zweiten Straf­kammer des hiesigen Landgerichts verhandelte Prozeß geg-n den Sozialisten Slawinski und Genossen wegen Teilnahme an geheimen Verbindungen wurde nach iast vierwöchentlicher Dauer heute zu Ende geführt. Die Verkündung des Urteils wurde auf den 30. d. M. festgesetzt.

Darmstadt, 26. Jan. Der Großherzog und die Prinzessin Irene sind heute zu mehrwöchigem Aufenthalt nach San Remo abgereift.

Stuttgart, 26. Jan. Bei der heutigen Er­öffnung der Sitzungen der zweiten Kammer hielt der Präsident Hohl eine Ansprache, worin er der Er­krankung des Kronprinzen gedachte. Auch die Ver­treter des württembergiscken Volkes dränge es, ihren Gesühlen innigster Teilnahme Ausdruck zu geben. Voll Bewunderung blickten sie auf den Kronprinzen, der mit großer Seelenstärke die schwere Heimsuchung ertrage. Voll innigsten Mitgefühls wünschten sie dem ruhmgekrönten Erben der Kaiserwürde baldige Wieder­genesung. Die Zuversicht des hohen Kranken bestärke sie in der Hoffnung, daß sich alles zum Besten wenden werde. Gott wolle den Kronprinzen beschirmen und erhalten.

weit- Au- noch Ver-

Ausland.

Wien, 26. Jan. Dem gestrigen Hofballe wohnte das diplomatische Korps fast vollzählig bei. Das „Fremdenblatt" kann gegenüber den Behauptungen des „Vaterlands" aus das bestimmteste erklären, daß weder das Ministerium, noch ein Teil desselben, somit auch nicht der Unterrichtsminister, von dem Schulantrag des Fürsten Liechtenstein vorher Kenntnis erlangt habe; demnach sei der Unterrichts­minister auch nicht in der Lage gewesen, diesen Schulanträgen zuzustimmen, desgleichen seien auch die Klubs der Rechten von dem Anträge des Fürsten Liechtenstein überrascht gewesen.

Rom, 26. Jan. Aus Massauah wird gemeldet: Heute früh tras der kommandierende General San Marzano mit seinem ganzen Generalstabe auf dem

Für die Monate Februar und März nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande die Landpostboten, sowie in Kirchhain unsere Agentur, Herr Buchbinder Rindt) Bestel­lungen auf die Oberhesfische Zettnug mit deren Beiblätter entgegen.

Bestellungen für hiesige Stadt nehmen unsere Expedition und unsere Zeitungsträger an.

HM- Soweit der Vorrat noch reicht, wird den Neubestellungen unser Wand- und Notiz-Kalender für 1888 gratis beigefügt.

Marburg,

Sonnabend, 28. Januar 1888.

sache auf die 3. und 4. Klasse, doch werden zum Teile auch die Preise der Schnellzüge ermäßigt werden. Der Minister hat in seiner Sonnabendrede den hier­durch entstehenden Ausfall auf 1 600 000 Mk. an­gegeben. Es steht aber nach allen Erfahrungen wohl zu erwarten, daß dieser Ausfall durch die infolge der Ermäßigungen ein tretende Verkehrszunahme, wenn nicht gänzlich, so doch teilweise wieder ausgeglichen wird. — Die durch das neue Wehrgesetz veranlaßte Anleihe wird, wie der Kriegsminister soeben in der Reichstagskommifsion mitteilte, 280 Millionen Mark betragen. Diese Anleihe soll zur Beschaffung von Waffen, Munition, Bekleidung, Feldgeräten, Schanz­zeug, für das Verpflegungs- und Sanitätswesen ver­wendet werden. Weitere dauernden Ausgaben seien in erheblichem Maße nicht zu erwarten. Eine Er­höhung des Osfiziersetats sei nicht in Aussicht ge­nommen. Man werde auf altgediente Feldwebel und Unteroffiziere zurückgreifen. Er (der Kriegsminister) halte persönlich die Organisation nunmehr für abge­schlossen. Eine Erklärung aber, daß in Zukunst weitere Forderungen nicht erhoben werden, könne er grund­sätzlich nicht abgeben. — Im Abgeordnetenhause ist, unterstützt von Mitgliedern aller Parteien, ein Ge­setzentwurf eingebracht worden, durch welchen das Diensteinkommen und die Pensionen der Lehrer in den höheren nichtstaatlichen Lehranstalten mit denen an den staatlichen gleichgestellt werden soll. — Lord Randolph Churchill ist hier Montag früh eingetroffen und hat in der englischen Botschaft Wohnung genommen. Mau bestätigt, daß Churchill wiederholt Aufträge seiner Regierung oder eine von ihm übernommene Sendung in Abrede gestellt habe. Auch hätte er wohl gesprächsweise die friedlichen Ab­sichten der russischen Regierung erwähnt, aber nicht geäußert, Rußland sei friedlicher als seine Nachbarn, wie ihm das Petersburger Briefe englischer Blätter zugeschrieben haben. Voraussichtlich wird Churchill heute abend der Hofkur im königl. Palais beiwohnen. — Die allgemeine politische Situation charakterisiert die eben eingetroffene Wiener „Polit. Korresp." in fol­gender Weise: Nach Mitteilungen, die uns — in der Sache übereinstimmend — gleichzeitig von mehreren Seiten zukommen, hat sich in der allgemeinen Lage auch in den letzten Tagen keine wesentlichere Änderung ergeben. In der bulgarischen Frage hält die Er­scheinung einer starken Bewegung der publizistischen, neben vollständiger Windstille in der diplomatischen Luftschichte an. Es ist anders lautenden Meldungen gegenüber eine verbürgte Thatsache, daß das St. Petersburger Kabinett bisher an die Mächte mit

Erscheint täglich außer an Werktagen nach teomt- und Feiertagen. — Ouartal-WonnementS-Preis bei der Expe­dition 2*/. Mk., bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exll. Bestellgeld). JnsertionsgebÜhr für die gespaltene Zeile 10 Pkg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler , in Frankfurt a. SB.. Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXHI. Jabraana. Moste in Frankfurt a. SB., Berlin, München u. Köln; ®. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. SB., Berlin, Hannover. Paris.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Jan. Der Kaiser hörte vor­mittags militärische Meldungen, alsdann den Vortrag Wedylls und machte nachmittags zwei Uhr eine Ausfahrt. Abends findet eine Soiree statt, wozu 350 Personen geladen sind. Morgen Familiendiner. Fürstbischof Dr. Kopp von Breslau ist ausFriedrrchsruh nach Berlin zurückgekehrt. Anlaß seines Besuches bei dem Fürsten Bismarck war ein Auftrag des Papstes. Fürstbischof Dr. Kopp hatte im Namen des Papstes Leo XIII. eine zur Feier seines fünfzigjähriger, Priesterjubiläums geschlagene Medaille dem deutschen Reichskanzler zu überreichen. — Wie der Minister Maybach am Sonnabend im Landtage bereits ange- änbigt hat, sind die Königl. Eisenbahn - Direktionen angewiesen, die sämtlichen Personen-Tarise der preu­ßischen Staatsbahnen nach einheitlichen Grundtaxen W zum 1. April 1889 umzurechnen. Als Grund­taxen sind die bisherigen sogenannten preußischen Nor­maltaxen angenommen: für Schnellzüge 1. Klasse - 9 Pfg., 2. Klasse 6s/s Pfg-, 3. Klasse 4»/j Pfg-, für Personenzüge 1. Klasse 8 Pfg-, 2. Klaffe 6 Pfg., f 3. Klasse 4 Pfg., 4. Klaffe 2 Pfg. für das Kilorn. I Für Retourbillets werden die um 50 Prozent er« r höhten einfachen Fahrpreise berechnet, auf Schnellzug- 7 strecken die um 50 Prozent erhöhten Schnellzugpreise, ■ mir Personenzugstrecken die um 50 Prozent erhöhten - Personenzugpreise. Tie auf vielen Strecken cmgekün- | bigten Ermäßigungen beschränken sich in der Haupt-

-re Prophereihrmg -er Zigeunerin.

Criminal»Roman von Theodor Griesinger.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

„Ich wünsche e» nicht,' war die sanfte Antwort; .aber sag selbst, welche Hoffnung bletbt wird Mit Deiner Anstellung an der Glogguitzcr Lahn ist nichs, tob bange Ahnungen beschleichen wich oft, wenn ich drüber nachdenke, von welchen Mitteln Du . . . ."

„Rein Mensch kann mir etwas Schlechtes be- fctifen," unterbrach er sie rauh, „und im übrigen, denn auch meine erste Hoffnung ans Anstellung fehl- geschlagen, so find wir dagegen fitzt andere Aus­sichten eröffnet. Ich spreche aber nicht gerne davon, ehe ich das Dienst »Dekret in Händen habe."

„Es wird wohl wieder eine Fehlhoffnung sein," i stnszte fie tief auf. „Doch noch eine Frage, wo vei- bttneft Du Deine Abende? Im Anfang Deines Hierseins kamst Du uicht bloß mittags, sondern ich sah Dich and) jedesmal vor Schlafengehen auf ein Paar Stunden. J'tzt fehlst Du oft mittags, und am Äeud zeigst Du Dich nur auSnahwSweis."

„Bist Du vielleicht gar noch eifersüchtig?" lachte tt höhnisch auf. „Ich räume Dir das Recht nicht i ein, mich Stunde für Stunde zu kontroltereu, und ; wünsche für alle Zukunft, von solchen Fragen nnbe- Mifit zu bleiben."

Kaum grüßend, schritt er rasch weiter; doch schon »ach einigen Dutzend Schritten kehrte er ebenso rasch lieber um und reichte ihr seine Hand. „Nimm meine herben Worte nicht übel," entschuldigte er sich; „aber t! geht mir gegenwärtig so viel durch den Kopf, daß $ kein Wunder ist, wenn ich manchmal unwirsch *«be. Nicht wahr, Du bist wir wieder gut."

Traurig lächelte fie ihn an; aber sie lächelte doch, »Bb nun erst machte er sich wieder auf den Weg. •Sie ist mein letzter Rettungsanker," murmelte er sich hin, „und ich darf sie also nicht ganz auf ’* Seite werfen. Nun aber rasch nach der Karme.

liteikirche, damit ich den Zeitpunkt der Trauung nicht verabsäume."

Der Sohn des Schriftsetzers Stander, bei dem er wohnte, hatte nämlich Hochzeit, und die Trauung wurde in der Karmeliterkirche der Leopoldsvorstadt vollzogen. Bei diesem Sitte aber wollte Kreß schon deswegen nicht fehlen, weil er wußte, daß man ihn dann zum Adeudschwause einladen würde, und somit stellte er sich, als er die Kirche erreicht hatte, an einer Stelle auf, an der man ihn weithin sehen konnte. Plötzlick, als er nun seine Augen ringsum laufen ließ, um seinerseits ebenfalls die Anwesenden zu mustern, bemerkte er eine Dame, die ihn starr ansah. Dieselbe stand ziemlich entfernt von ihm an einem Pfeiler und hatte den Schleier herabgelassen. Ihre Gefichtszüge konnte der junge Mann also nicht genau unterscheiden. Dagegen überzeugte er sich, daß fie sehr reich gekleidet war und einen Üppigen Wuchs hatte; natürlich wandte er ihr nun ebenfalls unver­wandt feinen Blick zu. Jetzt ging die Trauungs­feierlichkeit zu Ende, und alles wandte sich nqch der Kirchthür. Auch die Dame that so, und so rasch, als es das Gedränge zuließ, folgte ihr Gottfried von Kreß. Doch der Menschen, die im Wege standen, waren zu viele, und so erreichte die Dame lange vor ihm die Thür. Da sah fie sich, den Schleier zurück- schlagend, nochmals nach ihm uw, und ein recht heraus, fprnber Blick war es, den fie ihm znwarf. Daun aber verschwand fie unter den Vielen, und alle Be­mühungen Gottfrieds von Kreß, noch in ihre Nähe zu gelangen, teuren vergeblich.

„Sonderbar 1" flüsterte er sich zu, als er langsam und tiefnachdenklich nach der inneren Stadt hinschritt. ,.Diese Dame muß ich schon gesehen, ich muß schon Blicke mtt ihr gewechselt haben, und doch will es mir nicht einfallen wo. Doch was geht mich die Fran an?" fuhr er bann mit einem bitterbösen Blick fort. „Geld muß ich haben um jeden Preis; denn in meiner Börse klingt kein einziger Gulden mehr."

Mit langen Schritten griff er aus, eilte der Bastei

zu und zog dann an der Klingel eines Hauses, welches in der Nähe des Curtischen Casss lag.

„Ist die Frau von »ertönt zu Hause?" fragte er den öffnenden Hausmeister.

„Gewiß," erwiderte dieser, „tote immer zu dieser Stunde."

Eileichtert sprang Gottfried von Kreß die Treppe hinauf. ES war ihm nämlich gelungen, die Frau von Bertoni, eine Oberstleutnants - Witwe von vor- geschrittenem Alter, für sich zn gewinnen, und diese unendlich gutmütige Dame hatte seine Bitte nm ein Heims Darlehn, oder bester gesagt Geschenk, noch nie abgeschlagen.

Vor der Wohnlhüre der Fran von Bertoni machte er einen kleinen Halt nnb legte, bevor er anklopfte, sein Gesicht in sehr ernste, fast wehmütige Falten.

„Ah, Sie hier," rief ihm Fran von Bertoni ent­gegen, als er eingetreten war; „ich fürchtete schon, Sie würden ganz ausbleiben und mir so das Ver­gnügen rauben, mich mit Ihnen ein wenig zu unter- halten," setzte fie mit einem eigentümlichen Mund- verziehen hinzu.

„Die gnädige Frau," erwiderte Gottfried von Kreß sehr demütig, „war immer die Güte selbst gegen mich, und meine Dankbarkeit kennt deshalb keine Grenzen. Wie konnten Sie voraussetzen---"

„Sie find sicher wieder in Geldverlegenheit," unter* druck ihn die Oberstleutnants - Witwe, „und denken, die Frau Bertoni werde Ihnen, wie nun fast jede Woche fest zwei Monaten, mtt zwanzig oder dreißig Gulden uuShelfen?"

„Die Lektionen," versetzte Gottfried von Kreß noch bemfitiger, „welche ich erteile, werden sehr schlecht be­zahlt, und selbst dieses geringe Honorar geht nicht regelmäßig ein."

„Ja wohl," sprach Fran von Bertoni, und ihr Mundwinkel zitterte nun förmlich; „das alte Lied, das Sie mir nun schon seit sechs Wochen Vorsingen. Kathy," rief sie bann laut ihrem Dienstmädchen zur

Thür hinaus. „Sitte doch Herrn Zehnter, sich einen Augenblick zu mir herüber zu bemühen."

liefet Herr stund feit kurzem in Diensten des Generuluuditoriats in Wien und butte früher eine ähnliche Stelle im Subitoriat bes Regiments Baron Gollnur bekleidet. Seit seiner Ueberfiedelung nach Wien aber wohnte er bei der Fran Witwe von Ber­toni, welche ihm einige Zimmer in Aftermiete gab.

„Nicht wahr," wandte sich nach dem sofort er­folgten Eintritt des Herrn Zehnter die Fran Oberst­leutnant an Gottfried von Kreß, „Sie sahen mich vor jetzt etwa acht Wochen zum erstenmal, als ich auf der Bastei Spaziergang machte?"

„3a," sagte Gottfried von Kreß, d.sten Gesicht nach einem kurzen Blicke auf Herrn Zehnter eine erd­fahle Farbe unnahm.

„Sie erfuhren bann," fuhr Frau von Bertoni fort, „von einer Fran, bie mir Wäsche ins Haus trug, wer ich fei, nnb wie ich heiße?"

„3a," versetzte Gottfried von Kreß mit kaum hör­barer Stimme.

„Einige Tuge später," spruch Fruu von Bertoni weiter, „stellten Sie sich hier in meiner Wohnung selbst vor, nicht wuhr? Sie nunnten sich Georg von Komarowsky und behaupteten, aus einem guten pol­nischen Haufe in Galizien zu stammen? Nicht minder behaupteten Sie, daß 3hr Vater und mein verstor­bener Gemahl in ihrer Jugend sehr befreundet ge­wesen seien, und erzählten mir bann eine lange Leibens- ge schichte von unverschulbetem Unglück, das Sie be­troffen. 3st das so?"

Gottfrieb von Kreß machte eine Bewegung der Thür zu; als er aber sub, daß ihm Herr Zehnter den Weg vertrat, blieb er mit zu Boden geschlagenen Augen stehen. „3ch that Unrecht," flüsterte er bann, » Ihnen nur bie halbe, uicht bie ganze Wahrheit zu sagen."

(Fortsetzung folgt)