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KSchcntiiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt.
Expeditton Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Iah. Ang. Loch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen naa, feonn- und QVa'mImwa Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes,
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Bestellgeld). JnserttvnSgebühr für die gespaltene Zeile ©Ültttttbeilu, 21. SiQttUttt 1888. Messe in Frankfurta. M.,Berlin,Münchenu. Köln; G. L.
10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
XXIII. Jahrgang.
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Im Reichstage
herrscht wieder einmal der Zustand der Ungewißheit gegenüber einer großen, von der Reichsregierung eingebrachten Gesetzesvorlage. Dem ganz ruhigen Verlaus der Reichslagssession ist durch die von den verbündeten Regierungen beantragte Verschärfung des Sozialistengesetzes ein Stein in den Weg geworfen worden. Beim Beginn der Reichstagsverhandlungen im November ist an diese Schwierigkeit kaum gedacht; man erwartete eine einfache Verlängerung des Aus-
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einer abcn
gute ' Exp. (335
ncchmegefetzes, und die wäre auch zweifellos sang- unb klanglos durchgegangen. Schon vor zwei Jahren vollzog sich ja die Weiterverlängerung ruhig und ohne ernste Schwierigkeiten. Nun kommt die Verschärfung, die Zulassung der Aberkennung der Staatsangehörigkeit und die Reichsverweisung für sozialdemokratische Agitatoren; allerdings soll diese sehr schwerwiegende Beyimmnng nicht eigenmächtig von den Regierungen oder Polizeibehörden in Anwendung gebracht werden können, qj» hat nur der Richter
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darüber zu entscheiden. Nach dem Wortlaut des Gesetzes kann das der Richter thun und wird es chun, so daß man also die Reichsverweisung ziemlich aller sozialdemokratischer Abgeordneter erwarten könnte, wenn die Vorlage definitiv und unverändert ange- nommen würde. Wird sie das? Das ist eben die
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Frage. Im Reichstage sagt man augenblicklich „nein", die Kartellmehrheit bestehl hier ebensowenig, wie bei der Kornzollvorlage, ein starker Teil der National- liberalen erklärt sich zur Stunde noch gegen die Reichs
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Verweisung, ein kleiner Teil will sogar nichts mehr [ von einer Verlängerung des Sozialistengesetzes über« f Haupt wissen. Die Konservativen dürften ziemlich geschlossen für die Verschärfung stimmen, die Frei-
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sinnigen sind dagegen, von der Zentrumspartei zum mindesten ein starker Tell. Zur Stunde liegt eine feste Mehrheit für das Gesetz noch nicht vor, und daraus erklärt sich auch wohl die vom Berliner Hofbericht bereits angekündigte Rückkehr Fürst Bismarcks zu den Reichstagsverhandlungen nach Berlin. Der Reichskanzler wird mit vollem Gewicht für uuver-
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änderte Annahme des Gesetzentwurfes eintreten, und, obgleich die Dinge gegenwärtig nicht so scheinen, wird doch die Annahme des Gesetzes, wenn auch nicht auf Ms Jahre, so doch auf zwei oder drei, schließlich «folgen. Von den Nationalliberalen und der Zeutrums-
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Partei dürften so viele Mitglieder für die Vorlage stimmen, daß eine Mehrheit zu Stande kommt. Nicht unmöglich ist auch eine Milderung der strengen Bestimmungen, obgleich sie in keinem Falle eine sehr weitgehende sein würde.
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Die Nrophereihttttg -er Iigeuneri«.
Criminal-Roman von Theodor Griesinger.
(Rachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Allein wie erschrak sie, als sie hier einen Polizei, diener vorfand, und ihr zugleich die alte Frau Mar- Methe Hölzel, ihre HauLwirtiu mit lautem Wehklagen atgegeukaml
. In der Vorstadt Wiedeu, ganz in nächster Nähe 2® Wienflusses, lag vor etlichen und dreißig Jahren Mühle, welche den Namen „Bärenmühle" führt, M die Befitzeriu dieser Mühle war die Frau Witwe Burger. Dieselbe galt tu der ganzen Nachbar, für sehr wohlhabend, und da fie auch noch A>in starken Mehlhavdel trieb, so fehlte eS bei ihr am bauten (Selbe. Sie hielt es aber sorgfältig
neu« rthen- (352 laufe, , ist itung uf 1. nst so.
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Inzwischen nämlich hatte sich in dem Hanse ein rnverhoffter Vorfall ereignet. Etwa eine Viertelstunde, Nachdem Dtaria fframer fortgegangen war, stürzte d« angebliche Baron von Retteier die Treppe hinauf (247 tob rief der Frau Hölzel, die ihm mit einem Licht . | Mgegenkam, zu, er habe seine» Schirm in dem Zimmer «r Weißnähterin stehen geloffen. Zu gleicher Zeit «6 er die Thüre in deren Zimmer auf uud war mit «>em Satze an der offenen Lade. Dann ein Griff, er hielt die Schatulle, von der ich oben gesprochen, * feinen Händen. Frau Hölzel schrie laut auf; aber ® stieß fie mtt der Faust vor die Brust, daß sie «ttiertaumelte, uud war natürlich, bis fie sich wieder Mraffte, längst über alle Berge.
Das warS, waS Maria Kramer bei ihrer Zurück. M erfuhr, und der iuzwischeu herbeigerufene Poll- «diener nahm sofort den Thatbestand auf. Er ließ M sagen, welches der Inhalt der Schatulle gewesen 13 und tote der freche Mensch, der den Raub ver- Me, ausgeseheu habe. Eiu Resultat aber hatte die w&ann folgende polizeiliche Untersuchung nicht, und arme Weißnähterin blieb ihrer sauren Ersparnisse
In der Begründung zu der neuen Vorlage wird ausaeführt, daß die sozialdemokratische Partei unter der bisherigen Herrschaft des Sozialistengesetzes von ihrem revolutionären Charakter nichts eingebüßt habe; daraus wird die fernere Notwendigkeit der Vorlage gefordert. Das Sozialistengesetz hat nach zwei Seiten hin gewirkt: Es hat offene Gewalttaten verhindern helfen, während unter ihm die geheime Organisation der revolutionären Partei zugenommen hat. Das sind Taffachen, und man kann fragen, ob nicht mit einem verschärften Strafgesetz ebensoweit zu kommen wäre, als mit dem Ausnahmegesetz. Auf der anderen Seite aber ist es auch fraglich, ob sich nicht auch ohne Sozialistengesetz die Geheimorganisation breit gemacht. In extremen Parteierr liegt einmal der Zug zu Geheirnbündeleien, und die wird auch niemals ausgerottet werden, jetzt nicht und, wenn der Reichstag die Verschärfung des Gesetzes beschließt, ebenfalls nicht, es kann nur eine größere äußere Ruhe eintreten. Der Vernichcer der Sozialdemokratie ist n«r der, welcher sie geschaffen hat, die Zeit. Nicht Lassalle, Bebel, Liebknecht und Genoffen sind die wahren Urheber der Sozialdemokratie, sondern ganz einfach die Zeitverhältnisse. Seit fünfundzwanzig Jahren haben die Jndustrieverhältnisse einen Charakter angenommen, der sich vor fünfzig Jahren noch nicht ahnen ließ. Aus der geringeren Arbeiterzahl ist eine Armee geworden, die Masse hat neue Wünsche und Gedanken hervorgerusen. Das ist stets so gewesen und wird immer so bleiben, von Zeit zu Zeit kommen neue, wuchtige Schläge, welche das Alte stürzen und bahnbrechend wirken. Diese Erscheinungen sind aber meist extremer Natur gewesen, und deshalb erlosch die Erinnerung an sie regelmäßig im Laufe einer Reihe von Jahren. Die revolutionäre Bewegung in der ersten Halile unseres Jahrhunderts ist vergessen, nachdem aus den extremen Anschauungen sich das heutige Bersassungssystem entwickelt, und so ist es früher stets gewesen. Wir wollen nur noch eine Tatsache erwähnen, die größte soziale Bewegung in Deutschland, die es in den letzten Jahrhunderten gegeben, die Bauernkriege im sechszehnten Jahrhundert. Aus diesen blutigen Zeiten mit ihren fürchterlichen Gräueln sind auch segensreiche Früchte erwachsen. Die Sozialdemokratie wird und muß deshalb einst dasselbe Schicksal erleiden, wie alle ihre Vorgänger. Sie ist ein Product unserer modernen Zeit, und die Zeit, die immer Neues schafft, wird auch über sie Hinwegschreiten. Wenn die Jahre ausgedehnter Frie- dcnsarbeit, sicherer Ruhe und genügenden Einkommens, die doch einmal kommen müssen, erst angebrochen
hinter Schloß und Riegel, und man wollte von ihr wissen, daß fie das Eiuuehmen mehr liebe als das Ausgeben. Nicht minder behauptete man, daß fie ihren einzigen Sohu Adam viel zu streng halte, uud insbesondere tadelte man, daß sie denselben zu einer reiche» Heirat zwiagen wollte, während er eine andere Liebe im Herzen trage.
Von all Dem konnte natürlich ei» Fremder nichts wissen; allen wenn einem solchen daran gelegen war, NährerrS über die BäreumüllerS-Wttwe zu erfahre», so durfte er nur in das nahe gelegene Fuhrmanns. Wirtshaus zu deu zweiunddreißig Windeu geheu; denn da verkehrten gewöhnlich alle die Personen, welche in der Bärenmühle Frucht abzuladen oder Mehl von dort zu holen hatten, und diese kannten natürlich die Verhältnisse ziemlich genau. Eines Abends nun, zu Ende deS Monats November, fand sich in dem Wirtshaus zu den zweiunddreißig Winden ein großgewach» feuer, noch ziemlich junger Manu ein, der einen wetten Mantel trug, und ließ sich ein Glas Wein uebst etwas kalter Küche geben.
„Können Sie mir nicht sage»/ fragte er das Schänkmädchen, das ihm die Erfrischungen brachte, „ob die Bärenmüllert» dort drüben ihr Verkaufslokal noch offen hat?'
„Wollens denn Mehl laufen ?• fragte das Mädchen unter Lache». „Bei Ihrem dicke« Schnurrbart hätte ich Sie eher für einen Militär gehalten als für einen, der in Mehl macht."
„Ich mache nicht i» Mehl," erwiderte der Mann im Mantel barsch; „ober ich Hobe mit der Müllerin anderweitig zu thun. Also, — ist ihr Laden um diese Zeit noch offen?'
.Nein,' sagte das Mädchen. „Sie schließt regel, mäßig um Sieben, und wir hoben nun bereits ein Viertel darüber.'
„Versteht fie den Baben ganz allein,' fragte nun >er Mann im Mantel Wetter, „oder hat fie eine Bei. Hilfe? Ich meine eine Ladenmamsell ober einen Gehilfen?'
sind, bann wirb sich auch die Sage der Arbeiter von selbst so gestalten, baß die sozialbemokratischen Pläne als bas erscheinen, was sie wirklich sinb, Phantasie- gebilbe und Seifenblasen.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Jan. Der Kaiser empfing heute vormittag beu Prinzen Eduard von Anhalt und konferierte daraus mit dem Chef des Militärkabinetts General v. Albedyll und dem Kriegsminister Bronsart v. Schellenborff. Heute abenb finbet eine kleine Theegesellschaft statt, wozu auch bie Minister '.von Boetticher unb von Maybach geladen sinb. Morgen mittag werben der Kaiser unb bie Kaiserin die Präsidien der beiden Landtagshäuser empfangen. — Bei dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Grasen v. Bismarck, fand gestern ein diplomatisches Diner von achtzehn Gedecken statt, an welchem n. a. teil« nahmen der österreichisch-ungarische und der türkische Botschafter, der russische Geschäftsträger, sowie bie Gesandten von Brasilien, Chile, Dänemark, Japan, Mexiko, Siam, der österreichisch-ungarische Militär- attachv Baron Steininger und der General-Konsul v. Rechenberg. — Die „Berl. Börsenz." äußert über bie Darlegung bes Finanzministers: Auf eine Reihe trüber Silber ist einmal ein erfreuliches gefolgt, bie Gestaltung der preußischen Finanzen kann als eine glänzende bezeichnet werden, mit Neid unb Sorge wirb bas von Natur viel reichere Frankreich einen Vergleich zwischen unserer Lage — die ja im Wesentlichen mit der des Reichs und der meisten Einzelstaaten übereinstimmt — und der {einigen anstellen, unb wir dürfen heute bie Franzosen an das von ihnen vor Jahren oft gesprochene Wort erinnern: Deutschland soll ausgehungert werden. Ohne daß bie neuen Reichssteuern, welche für 1887/88 nur einen kleinen Betrag ergeben, in Rechnung gezogen werben, weist das laufende Jahr einen Ueberschuß von mehr als 50 Millionen Mark auf, unb der Ueberschuß des nächsten Jahres wird, der Ertrag der neuen Reichssteuern für Preußen mit 47 Millionen berechnet, 66 Millionen Mark betragen. Der Finanzminister hat bie Hoffnung ausgesprochen, baß bie Zukunft an ben Verhältnissen, welche dieses günstige Ergebnis herbeigeführt haben, wesentliche Aenberungen nicht herdeisühren würde. Begründen laßt sich srellich, soweit bie inbireften Stenern des Reichs in Betracht kommen, diese Hoffnung nicht zuverlässig, indeß etwaige Schwankungen werben boch nicht so einschneidend sein, baß sie bas Finanzbild vollkommen umgestalten. In Preußen ist der Hauptfaftor der Verbesserung der
„3, ja wohl eine Beihilfe!' lochte das Mädchen. „Da müßte fie ja Salair bezahle», imb dazu habe sie keiu Geld, sagt die Müllerin. Es ist aber nicht wahr, versichere ich Sie; den» fie hat deS Geldes übergenug, uud nur ihr Geiz . . . .'
Hier mußte sie abbrechen, weil einige Gäste »ach ihr riefen, und auch später faud fie nicht Zeit, dem Mau» im Mantel »och wettere Rede zu stehe», obwohl er mehrere Versuche machte, noch wettere Fragen an fie zn stellen. Doch wurde er bald hinlänglich entschädigt; denn gleich darauf ließen sich an einem Tische vor ihm zwei Männer nieder, welche fich so. fort in ein Gespräch einließen, das für ihn das höchste Interesse habe» mochte, weil er gespannt lauschte.
„Nun, wie stehts mit Eurem Adam?' fragte der Eine von ihnen, offenbar ein Fuhrmann, der von der Mühle kam. „Wird er bald Hochzeit machen?"
„Mtt der reiche» GerberSwitwe?" meinte der Andere, in welchem man den Oberknecht der Mühle nicht verkenne» konnte. „Na, da hats noch gute Wege. Die Alte, seine Mutter, wills zwar partout erzwingen, aber er macht den Halsstarrigen mehr als je, und an den Ohren kann sie ihn doch nicht zum Altäre ziehe».'
„So steckt ihm also die Lenerl »och immer im Kopse?' versetzte der Fuhrmann. „Ich habe mir doch sagen lassen, deren Mutter, die Obstfrau am Franzen- thor, hätte ihm das HauS verboten, weil fie ihre Tochter nicht länger im Gerede der Leute habe» wolle.'
„ES ist etwas daran,' nickte der Lberkuecht. „Die Obstfrau hat ihm gesagt, er soll entweder Ernst machen und die Lenerl heiraten, oder aber ihr HauS für immer weiden."
„Nun? Und Er?" wollte der Fährmann wissen. „WaS hat er darauf gelt)an?"
„Es gab einen furchtbaren Auftritt zwischen ihm und seiner Mutter," fuhr der Oberknecht leise fort, alS fürchtete er, vo« jemanden gehört zu werden, „und der Adam drohte, sich und seine Lenerl eher zu erschieße», als daß er die dicke GerberSwitwe nehme."
Eisenbahn-Etat. Während aber für 1886/87 ein Ueberschuß hier erzielt ist, obwohl bie Einnahme ein Minus von fast fünf Millionen aufwies, nämlich burch eine Minberausgabe von mehr als 17 Millionen, ist für bas laufenbe Jahr ein Ueberschuß von 37 Millionen berechnet, nicht durch Minberausgabe, sondern burch Mehreinnahmen. Eine Enttäuschung kann hier kaum in erheblichem Maße ein treten, ba bas Resultat von neun Monaten bereits vorliegt und ber Finanzminister erklärt hat, baß von Monat zu Monat sich eine Zunahme ergeben habe. Diese Mitteilung beseitigt auch bie Besorgnis, baß bie Mehreinnahme bet Eisenbahnen deshalb als eine bauernde nicht betrachtet werden dürfe, weil in ber hinter uns liegenben Zeit mit Rücksicht auf bevorstehende Zollerhöhungen eine wesentlich vermehrte Einfuhr statt- gefunben habe. Aus bie letzten Monate von 1887 trifft bies nicht zu, trotzbem sinb bie Eisenbahn-Einnahmen nach der Versicherung bes Ministers bis heute im Steigen begriffen, so baß, „wenn bie letzten Monate bes Jahres (Januar bis März) nicht unvorhergesehene Abweichungen brächten, eher auf mehr, benn auf weniger als 37 Millionen gerechnet werben könnte." — Die Kommission für bas Wehrpflicht- gesetz erledigte in ihrer heutigen Vormittagssitzung bie von ber Ersatzreserve ber Seewehr unb ber Marine handelnden Paragraphen 8—22, welche unverändert angenommen wurden; bie Kommission behielt sich vor, einzelne, namentlich betreffs ber Uebungs- zeit ber Ersatzreserve geäußerte Wünsche als Anträge bei ber zweiten Lesung einzubringen. — In ber heute nachmittag stattgehabten Sitzung genehmigte bie Kommission bie den Landsturm betreffenden Paragraphen 23, 26 bis 34 unverändert, § 24 mit dem Anträge des Abg. Richter, wonach ber Landsturm zweiten Aufgebots in der Regel in besonderen Abteilungen formiert wird, ferner Paragraph 25 mit dem Anträge des Abg. Windthorst, wonach der Aufruf des Landsturms ersten Aufgebots durch Kaiserliche Verordnung bei unmittelbarer Kriegsgefahr, im Bedarfsfälle durch bie tommanbierenbe Generale, Gouverneure unb Festungskommandanten erfolgt. Die Schlußbestimmungen des Gesetzes würben unter dem Vorbehalte der Entschließung darüber angenommen, ob die durch bie jetzige Vorlage bebingte Aenderung des Artikels 59 ber Verfassung im vorliegenden Gesetze ober durch ein besonderes Gesetz anszuspreche» sei. — In ber heutigen Plenarsitzung des Bundesrats wurden bie Vorlagen betreffend das Verbot des Umlaufs fremder Scheidemünzen die Ergänzung des Entwurfs zum Reichshanshaltsetat für 1888/89
„Und auf bas hi» gab die geizige Müllerin nach?' fragte der andere.
«Nein, fie gab nicht nach," erklärte der Oberknecht, „und .... und .... bei der Mutter Gottes, Du wirst sehe», es kommt noch so weit, daß er feine Drohung wahr macht. Aber jetzt muß ich wahrhaftig aufbrecheu. Du weißt ja, der Adam ist gestern nach Preßburg hinab, um Weizen zn kaufen und wird erst morgen Nacht zurückkehre». So liegt das ganze Mühleugeschäft aus mir, und eine längere Abweseuhett wäre vom Uebel."
Mit diesen Worten ttank er sei» GlaS aus und giug, nachdem er dem Fuhrmann die Hand geschüttell, seines Weges. Anch der Mann im Mantel erhob sich gleich nachher uud verschwand fofort im Dunkel der Nacht.
Den andern Abend, zehn Minuten vor sieben Uhr, erschien in dem Verkaufs-Lokale der Bärenmüllerin ein hochgewachseuer, in einen stahlgrauen Mantel gehüllter Manu uud fragte die hinter dem Ladentisch fitzende, ältere Frau iu fast befehlendem Toue, ob fie die Frau Anna Burger fei.
„Ja," erwiderte dieselbe. „WaS wünsche« Sie von mir?"
Der Mao« im Mantel trat nun »och näher Hinz« und durchbohrte sie fast mtt feinen stechenden Angen. „Sie haben einen Sohu, mit Namen Adam," sprach er hastig und rauh, „welcher mit einer gewissen Lenerl, der Tochter . . Doch halt, Sie kennen mich nicht. Ich bin von der Polizei, von der geheime» natürlich, und was ich Ihnen mitzuteilen habe, ist der Art, daß Sie Ihren ganzen Mut zusammeunehmen müssen."
Die Frau war bei der Anrede des Fremde» auf* gestände», sank aber jetzt, vor Schreck an allen Gliedern »ttterd, auf ihren Stuhl zurück. „Hettige Mutter Gottes," stöhute fie, ,MlS werde ich zu hören bekommen!"
(Fortsetzung folgt.)