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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aup. K»ch.
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Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile D0NNkrstag, 19. IllNUar 1888. Moffe in Frankfurt a. D-., Berlin, München u. Köln; <S. 8. AAUL ^UyrgaNg.
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Ans -er Südsee.
Die Neu - Guinea. Kompagnie, welcher Kaiser Wilhelmslaud und der Bismarck-Archipel gehören, hat ihren ersten Geschäfsbcricht erstattet; wir entnehmen demselben die folgenden thatsächlichen Mitteilungen: Die Gesamtfläche des Gesellschafts - Gebietes beträgt 4464 Quadrat-Meilen, das ist nicht ganz halb so groß, als das Deutsche Reich. Als wesentliche Aufgabe der Geschäftsleitung wurde die Ordnung der inneren Rechtsverhältnisje, die nähere Erforschung des bisher unbekannten Gebietes zur Nutzbarmachung durch Aufiedlung oder Anbau, die Einrichtung einer Verwaltung und die Herstellung einer regelmäßigen Verbindung mit dem Festlande hingestellt. Als feste Niederlassungen sind bisher vorhanden die Zentralstation Finschhafen, hauptsächlich als Handelsplatz und Sitz der Verwaltung, mit der benachbarten landwirtschaftlichen Nebenstation am Baburi, ferner die Station Hatzfeldhafen mit dem Tabaksverfuchsfelde und die Station Konstantinhafen mit einer größeren Pflanzung. In der Einrichtung begriffen ist eine Station am Augustafluß und auf dem Bismarck-Archipel. Die besondere wissenschaftliche Expedition unter Dr. Schrader, die im April 1886 in Finschhafen eintraf, hat ihr eigentliches Ziel, in das Innere des Kaiser Wilhelm- landes bis zur Grenze einzudringen, hauptsächlich wegen Mangel an Trägern aufgeben muffen, sie hat sich mehr auf die Küstengebiete beschränkt und hier sowohl in botanischer, wie geologischer Beziehung teilweise sehr bemerkenswerte Erfolge erzielt. Die Gesellschaft besitzt jetzt drei in Deutschland gebaute Dampfer, die zur Zeit den Verkehr mit Australien, den Stationen unter einander und mit den Nieder- lasiungen im Bismarck-Archipel vermitteln, und zwar derart, daß einer von ihnen regelmäßig an die in Cooktown ankommenden und ausgehenden Dampfer der Britisch-Jndia-Lmie anschließt, so daß die Be- sörderung von Frachten von Berlin nach Finschhafen günstigenfalls 66 Tage, von Personen 56, von Briefen 45 Tage beansprucht. Außerdem besitzt die Gesellschaft zwei Tampsbarkasfen und drei größere hölzerne Segelschiffe. Bei der Verwaltung sind zur Zeit angestellt 33 Beamte und 19 Handwerker; außerdem hat die Gesellschaft zur Bildung einer betvaffneten Schutzmannschast einen Offizier und einige Unteroffiziere angenommen, die eine Mannschaft von etwa 50 Eingeborenen aus Neu-Mecklenburg und von den Salomoes-Jnseln ausbilden sollen.
Die Evangelisch-lutherische Missionsgesellschaft von Neuendattelsau und die Rheinische Missionsgesellschaft jn Barmen habe jede bereits eine Niederlassung im
Air Vrophereihrrng -er Iigermerirr.
Criminal-Roman von Theodor Griesinger.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Sie entschuldigen, meine Herrschaften," sagte der junge Mann, — er mochte höchstens fünfundzwanzig Jahre zählen, — sich artig verbeugend, „der Saal ist fast übervoll, und hier stehen noch drei Stühle leer. Würden Sie es nun wohl gestatten, daß wir Drei,' und dabei deutete er mit den Augen nach der Matrone und der jungen Dame hin, — »uns an Ihrem Tische ntederließen?'
»Gewiß, natürlich,' rief Frau von Ampach, deren Augen noch immer au dem jungen Mann hingen. »Das heißt, wir haben gar nichts zu erlauben, weil hier ja ein öffentliches Wirtshaus ist; aber wir werden uns glücklich schätzen, wenn .... wenn . . . .' Hier stockte sie in tiefster Verlegenheit; da kam ihr jedoch die kleine Wally zu Hilfe; denn sie sprang au dem schönen, jungen Mädchen empor und ruhte nicht eher, als bis sich dieselbe zu ihr herabbeugte, um ihr einen Kuß auf die Lippen zn drücken. »Wally, Wally,' rief Frau vou Ampach sofort entrüstet. »Was erlaubst Du Dir? Augenblicklich komme zu *tr her.'
»Aber, Mama,' entgegnete die Kleine weinerlich, «das ist ja Fräulein Resy, und ich habe sie so gar sehr lieb."
»Ja wohl,' bestätigte der blonde Löckenkopf, das Kind liebkosend, »wir find alte Bekannte, die kleine Wally und ich, und haben einander recht lieb. Un- f«e Bekanntschaft aber machte sich ganz natürlich, da wir, meine Mutter und ich, im selben House mit Ihnen wohnen, und die Kleine mir oft auf der Treppe begegnete. Die gnädige Frau,' wandte sie sich zu- Sleich lächelnd au Frau von Ampach, »wird also schon entschuldigen, daß dies, so zn sagen, hinter Ihrem Rücken geschah.'
Schutzgebiet errichtet, von denen die erste mit drei, die zweite mit vier Missionaren ausgerüstet ist. Gutes Kulturland mit ausreichender Bewässerung ist vielfach aufaefunden worden; vor Allem ist neben der Gewinnung von Knpra der Anbau von Tabak, fowie zahlreicher Arznei-, Nähr-, Gespinnst- und Zierpflanzen in Aussicht genommen. Zur Gewinnung von Perlmutter in größerer Meerestiefe ist ein Taucher an- genonimen und sind Tauchergerätschasten hinausgeschickt worden. Wertvolle Mineralien sind noch nicht ausgeschlossen ; dagegen scheint der Korallenboden der Inseln reichhaltige Phosphate zu enthalten. Rindvieh und Pferde halten sich gut und vermehren sich, ebenso Schweine, Ziegen und Geflügel. Dagegen lasten sich Schafe nur im Stalle halten. Das Klima ist im großen Ganzen dem Menschen günstig, so daß die Nordeuropäer den Tag über im Freien arbeiten können, wenn sie angemessen wohnen, sich gehörig nähren und während der Zeit des höchsten Sonnenstandes sich schützen. Die Malariafieber, deren Ursachen nach Ansicht des Arztes nicht so sehr das Klima, als die natürlichen Zersetzungsprozesse, der Mangel an ausreichender Lüftung, die Enge und Unsauberkeit der Wohnungen sind, sind in der Regel nicht bösartig, andere Erkrankungen kommen nur »eiten vor. Was die Arbeiterfrage betrifft, so ist die Einführung farbiger Arbeiter von außerhalb in das Schutzgebiet umständlich und kostspielig, aus Nieder- ländisch-Jndien jetzt verboten, aus China unratsam. Es ist darnach in erster Linie das Augenmerk auf die freilich nicht sehr zahlreichen Eingeborenen des Schutzgebietes zu richten. Keinesfalls fehlt es den Eingeborenen, namentlich denen aus denk Bismarck- Archipel, an Geschick und Kraft zur Arbeit, aber sie haben noch keine Bedürfnisse und deshalb auch keinen Antrieb, sich mehr, als ihren unbedingt notwendigen Lebensunterhalt zu erwerben. Immerhin ist ein Fortschritt zum Fleiß, zu Ausdauer und Regelmäßigkeit bei den angenommenen Arbeitern schon jetzt zu verzeichnen. Mit Rücksicht auf diese Fortschritte hat der Landeshauptmann in Australien schon bekannt gegeben, daß Kolonisten mit hinlänglichen Mitteln Land im Schutzgebiet zur Pacht erhalten können. Die Aufforderung ist dorthin zunächst gerichtet, weil in Austtalien zahlreiche deutsche Ackerbauer und Landwirte leben, welche den Wunsch hegen, auf deutschem Boden sich anzusiedeln, und weil diese, kraft ihrer Erfahrung und der Gewöhnung an verwandtes Klima die brauchbarsten Kolonisten zu werden versprechen. Die Gesellschaft hat bisher etwa 2*/i Millionen Mark in ihrem Besitztum angelegt.
,3m selben Hause mit mir?' rief Fran von Ampach, im höchsten Grade erstaunt.
.Gewiß,' versicherte das junge Mädchen,' »nur viel bescheidener und zwei Treppen höher.'
»Und Sie auch?' fragte Frau von Ampach den jungen Mann, welcher die Angekommenen begleitete, mit einem neuen, glühenden Blicke.
„Nein, ich nicht,' erwiderte dieser; »aber ich iomme fast jeden Tag dorthin, um meine Braut und deren Mutter zu besuchen.'
,,Na," meinte jetzt der Hoftat, „ich dächte, es wäre Zeit, daß sich die Herrschaften setzten, bitte also, bemächtigen Sie sich der drei vakanten Stühle."
„Aber die Resy will ich neben mir haben," der, äugte die kleine Wally, „und auf meiner anderen Seite die Großmama. Nicht wahr, Großmama," etzte sie, zu der alten Mattone gewandt, hinzu. „Du thust mir den Gefallen?"
„Recht gern, liebe Wally," lächelte diese und ließ ich neben dem Hoftat Haganini nieder. Dann tarn Wally und darauf der blonde Lockenkopf, so daß nun ganz naturgemäß der junge, schöne Mann zwischen )cn Lockenkcpf und Frau vou Ampach zu sitzen kam.
„Gut, das wäre in Ordnung," nickte der Hofrat befriedigt, „und nun meine ich, nennen wir uns gegeu- eitig unsere Namen, damit wir nicht genötigt sind, oriwährend geistreich mtt einander zu reden. Diese Dame hier," fuhr er fort, auf seine Nachbarin zur Linken deutend, „Fran von Ampach auf Grünfelden, ist Ihnen allen, wie es scheint, bereits bekannt, und ich selbst nenne mich Hofrat Haganini, langjährigen Freund der Frau von Ampach. So, und nun kommt die Reihe an Sie, mein junger Herr," wandte er sich an fein Gegenüber.
„Frau Dollinger, meine künftige Schwiegermutter," teilte sofort der junge Manu mtt einer tiefen Verbeugung die filtere Frau vor; „ihre Tochter aber, meine Braut, heißt Rosalie, wie Sie schon von der kleinen Wally gehört haben, und ich selbst heiße
Kfüfa.
Berlin, 17. Jan. Der Kaiser hat in der vergangenen Nacht gut geschlafen; derselbe nahm heute vormittag Vorträge des Polizeipräsidenten von Richthofen, des Oberhosmarschalls Perponcher und des Chefs des Militärkabinetts, General v. Albedyll, sowie militärische Meldungen entgegen. Der Kronprinz von Griechenland ttifft am 21. Januar mittags in Berlin ein. — Jn dem Dankschreiben des Kaisers auf die Neujahrswünsche der Vereine vom Roten Kreuz heißt es: „Ich gebe Mich, auf Gottes Allweisheit verttauend, der Hoffnung hin, daß die Zeit, wo den Vereinen vom Roten Kreuz eine ernste Aufgabe zufällt, zum Segen des ganzen Vaterlandes noch lange fernbleiben werde." — Das „ Militär-Wochenblatt" bringt auf Grund zuverlässigen Materials eine sachliche Besprechung des bekannten Artikels des „Russischen Invaliden". Dasselbe leitet diese Erörterung mit der Bemerkung ein, daß, obwohl die Angaben des „Invaliden" in deutschen und österreichisch-ungarischen Zeitungen entschiedenem Widerspruche begegnet seien, die russische Presse doch an den Behauptungen des „Invaliden" festgehalten habe. Zunächst werden die Friedensstärken der in den Grenz- Militärbezirken, beziehungsweise Grenzprovinzen der drei Mächte befindlichen Armeekorps zusammengestellt, welche für die russischen Provinzen 315 500 Mann und 689 Feldgeschütze, für die österreichische Provinz Galizien 38 000 Mann mit 160 Feldgeschützen, für die deutschen Provinzen 98 200 Mann mit 338 Feldgeschützen ergeben. Bei dem Vergleiche der mili- lärischen Lage in dem deutsch-russischen Grenzgebiete wttd zunächst ein Gebiet von annähernd gleichem Flächenraume und gleicher Tiefe für Deutschland in der Größe von 119 456, für Rußland in der Größe von 119 311 Quadratkilometer zu beiden Seiten der Grenze feftgelcgt und durch eine Skizze veranschaulicht ; auf Grund der Friedensdislokation und des amllichen Friedensetats wird sodann ermittelt, wieviel Truppen sich auf diesem Raume befinden. Danach sind in dem größeren deutschen Raume 71 714 Mann mit 14 520 Pferden und 238 Geschützen, m dem russischen Raume mit 123 275 Mann mit 24198 Pferden und 274 Geschützen untergebracht. Sodann wird die Garnison Warschau (20 000 Mann, 3600 Pferde und 54 Feldgeschütze), derjenigen von Königsberg mit 7700 Mann, 1400 Pferden und 50 Feldgeschützen und Breslau mit 5000 Mann, 1100 Pferden und 32 Feldgeschützen gegenübergestellt. Bezüglich der Behauptung des „Invaliden", daß in Ostdeutschland seit 1878 4850
Richard Kuppitsch, derzett Geschäftsführer bei der Fran Wittwe Schradin auf dem Holzmarkt."
Die Bekanntschaft war also gemacht, und man brauchte nicht mehr „geistreich" mit einander zu verkehren. Auch wurde die Unterhaltung zeitweis, wenn die rauschende Musik eine Panse machte, eine sehr lebhafte; meist aber beschränkte sich das Gespräch auf kürzere Bemerkungen zwischen Denen, welche sich zunächst saßen, und insbesondere nahm Frau vou Ampach den jungen Richard Kuppitsch fast ganz allein für sich in Anspruch, während Fräulein Resy oder Rosalie genug zu thun hatte, nm die tausenderlei Anliegen der kleinen Wally zu beantworten.
„Sie sind gewiß früher Militär gewesen?" fragte Frau von Ampach ihren Nachbar nach einer längeren, durch die Musik notwendig gewordenen Panse.
„Woraus schließen Sie das?" war die lächelnde Gegenftage des Herrn Kuppitsch.
„O," meinte Frau von Ampach, ihm einen Blick der Bewunderung zuwerfend, „man sieht das gleich am Gang, an der Haftung, am ganzen Auftreten, und Sie um allerwenigsten können den früheren Offizier verleugnen."
„Den Offizier?" versetzte der junge Manu mit einem noch heiteren Lächeln. „Ich hüte mich sonst stets, den Damen zu widersprechen. Aber gegen diese Zumutung muß ich denn doch Protest einlegeu. Ich war nicht einmal Unteroffizier, sondern nur gewöhnlicher Dragoner, und auch das bloß anderthalb Jahre lang."
„Sie haben Ihren Abschied genommen?" wollte jetzt Frau von Ampach wissen. „Aber warum denn? Bei Ihrer imposanten Erscheinung und bei . . . ."
,Lch wurde," unterbrach der junge Mann ihren Red« fluß, „in einem der kleinen Treffen, die wir den Aufständischen bei Bologna in Italien lieferten, au der Hand verwundet, und da hat man mich, wett man glaubt-, ich werde den Säbel nicht mehr führen können, sofort entlassen."
„Sie wurden verwundet?" rief Frau vou Ampach.
Kilometer neuer Eisenbahnlinien angelegt worden seien, wird bemerkt, daß seit dieser Zeit in Ostpreußen, Westpreußen, Posen und Schlesien rechts der Oder nur 1865 Kilometer Eisenbahnen gebaut worden sind. — Im Etat der Justizverwaltung pro 1888/89 sind im Kapitel 74, Tit. 14: Remunerationen und Unterstützungen der Amtsanwaltschaft zc.: von den bisherigen 1000 000 abgesetzt 87 400 Mk. Betreffs dieser Änderung wird in den Erläuterungen ausgeführt: „Der große Umfang und die erheblichere Bedeutung der Geschäfte bei den Amtsanwaltschaften des Amtsgerichts I Berlin nnd des Amtsgerichts Breslau machen es im dienstlichen Interesse notwendig, diesen Behörden durch Kreierung etatsmäßiger Stellen und durch Anschluß an die Staatsanwalffchaft des be- tteffenden Landgerichts eine festere Organifation zn geben. Die dafür erforderlichen Mittel find durch Absetzung des obigen Betrages genommen, so daß durch die neue Organifation eine Mehrbelastung des Etats vermieden wird. Sämtliche Beamte bei jenen beiden Amtsanwaltschaften waren bisher nicht etatsmäßig angestellt; sie bezogen vielmehr nur Remunerationen. Jn Zukunft soll das Personal gebildet werden: 1. aus einem etatsmäßigen Staatsanwalt des Landgerichts I Berlin bezw. des Landgerichts I Breslau, welcher mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines ersten Amtsanwalts beauftragt wird und neben dem Gehalt der Staatsanwalte mit Rücksicht auf seine Stellung als Vorsteher größerer Behörden eine nicht pensionsfähige widerrufliche Zulage von je 600 Mk. enthält; 2. aus einer der gegenwärtigen Zahl entsprechenden Anzahl von Amtsanwälten, welche etatsmäßig, jedoch auf Widerruf, zu ernennen sind und das Gehalt der Gerichtsschreiber und Settetäre erhalten, außerdem aber mit Rücksicht darauf, daß ihre Stellung von größerer Bedeutung ist, als die der Gerichtsschreiber, noch eine nicht pensionsfähige widerrufliche Zulage von je 300 Mk. beziehen; 3. aus einer den bestehenden Verhältnissen entsprechenden Zahl von Bureau- und Unterbeamten."
— Fürst Bismarck, dessen Ankunft hier bereits in der Mitte dieser Woche erwartet wurde, soll, wie nunmehr verlautet, am Sonnabend aus Friedrichsruh hier eintreffen. Man vermutet, daß der Reichskanzler Gelegenheit nehmen wird, sich im Reichstage ausführlicher über die gegenwärtige Lage zu äußern. — Im Gegensatz zu der nervösen Spannung, mit der man seit Wochen die politische Lage beobachtet, haben neuere Meldungen zuverlässigen Ursprungs einer» unverkennbaren Umschwung der Stimmung hervorgebracht. Vor allem hat das Peters-
„Gefährlich au der Hand verwundet? Schnell, lassen Sie sehen; denn die Wunde Hut gewiß eine tiefe Narbe zurückgi lassen."
„Nur eine sehr unbedeutende," entgegnete er, ihr die rechte Hand gebend, „und die einzige schlimme Folge war, daß der kleine Finger etwas steif blieb.'
Fran von Ampach nahm die Hand und besah sie sich viel länger, als erforderlich gewesen wäre. Auch verspürte er einen warmen Druck, als sie dieselbe endlich fahren ließ, und zugleich ttaf ihn ein neuer bewundernder Blick. Die Unterhaltung wurde aber sitzt unterbrochen, weil die Musik eine rauschende Weise ertönen ließ, und diese Unterbrechung schien Herrn Kuppitsch keineswegs unangenehm zu sein.
Während nun übrigens Fräulein Resy sich mit »er kleinen Wally abgab, und Frau von Ampach für niemanden sonst Augen hatte als für den jungen Mann nebenan, versäumte der Hofrat die Pflichten »er Höflichkeit keineswegs, sondern knüpfte sofort mit der Frau Wittwe Dollinger eine Untcrhallmig an.
.Logieren Sie schon lange in dem Hause Nr. 330 der Leopoldvorstadt?" fragte er sie.
„Ja, schon Über drei Jahr," war die Antwort.
„Also," fuhr der Hoftat fort, „wohnten Sie schon >a, als Fran von Ampach dort einzog, und find doch die ganze Zeit nie mit ihr in Berührung gekommen?"
„Wir leben still und zurückgezogen," erwiderte die Wittwe Dollinger, „wie es sich für unsere bescheidenen Verhältniffe geziemt; die gnädige Frau von Ampach aber ist eine sehr reiche Dame, und da wäre es wohl eine Anmaßung unserersetts gewesen, wenn wir uns ihr vorgestellt hätten. Sie selbst dagegen, ch meine Frau von Ampach, wußte wahrscheinlich gar nicht, daß solch ein Menschenpaar wie wir zw:i, meine Tochter und ich, weiter oben unter dem Dache sein Dasein stifte."
(Fortsetzung folgt.)