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-Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Sxpchition Markt 21. Redaktion, Druck und Vertag vou Joh. Aug. Loch.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- «nd Feiertagen. Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Sxpe» ditton 21/* 3RI, bei den Postämtern 2 Mk- 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 14. Januar 1888.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte-, sowie b. Armoitcrn-Bureaux von Haasenstein unb Bögler in Frankfurt a. M-, Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXHI. Jabraana. Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®.8.*

Daube u. Co. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover- Paris.

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-Buch» [254 r Platz pfg-

Mit der Sozialpolitik

wird sich der Reichstag im kommenden Abschnitt der laufende« Session noch in hervorragendem Maße zu beschäftigen haben. Wir wollen hier ganz von dem großen Alters- und Jnvalidenversorgnngsgesetz absehen, das loztge und eingehende Beratungen bis zur defini­tiven Fertigstellung erfordern wird; cs liegt auch äußerem noch genug sozialpolitisches Material vor, welches der ernstlichsten Erörterung wert ist. Vor allem ist eine Thatsache von gerade nicht erfreulicher Natur hervorzuhcben. In dem amtlichen Jahres­bericht über die Thätigkeit der Berussgenofienschasten im Jahre 1886, welcher dem Reichstage in diesen Tagen zugegangen ist, findet sich die Angabe, daß unter den mit Renten bedachten verletzten Arbeitern sich nicht weniger als 283 jugendliche Personen (unter 16 Jahren) befinden. 283 jugendliche Unfall­rentiers in einem einzige« Jahre, das ist doch eine

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sehr hohe Zahl, und wenn auch für diesmal aus­nahmsweise ungünstige Momente eingetteten fein mögen, der Umstand giebt doch sehr zu denken. Es ist erfreulich, daß die Unfallversicherung die verun­glückten Arbeiter vor Not schützt, aber in dem jugend­lichen Alter bis zu 16 Jahren sollte überhaupt nie­mand Unfällen ausgesetzt sein. Es ist doch traurig, wenn man daran denkt, daß solch' ein armer Junge sein ganzes langes Leben noch an den Folgen eines Betriebsunfalles leiden soll. Was einen Mann bei der

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Ausübung seines Berufes trifft, das muß er tragen; aber von Kindern hält man doch nach Möglichkeit noch jede Gefahr fern. Diese Zahl von 283 Unfall- renlnern unter 16 Jahren in einem einzigen Betrieb­jahre bringt die Frage einer Regelung der Kinder­arbeit und einer verstärkten Unfallverhütung mit neuer Wucht auf die Tagesordnung. Es sind hiermit hin­reichende Beweise für die Notwendigkeit gegeben, die nicht bestritten werden können. Der Reichstag hatte bekanntlich im vorigen Jahre ein Gesetz über die Frauen- und Kinderarbeit fast einstimmig angenommen. Die Arbeit fand indessen die Zustimmung der ver­bündeten Regierungen nicht, und diese stellten die Einbringung eines eigenen Gesetzentwurfes im Reichs­tage in Aussicht. Es wäre wünschenswert, wenn diese Ankündigung baldigst zur Thal würde, damit noch aus dieser Session ein fertiges Gesetz hervorginge.

Hand . in Hand mit der Kinderarbeit geht die Frauenarbeit. Alle Sozialpolitiker ohne jede Ausnahme sind darin einig, daß Frauen überhaupt nicht in Fabriken arbeiten sollten, wenn die Durch- sührung dieses Gedankens im Bereiche der Möglich-

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Eriminal-Roman von Theodor Griesinger.

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(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

ES schlug die Richtung nach dem Hauptsteuerge- bände dB, und nachdem es fich schelmisch noch ein­mal nach ihm umgeseheu, verschwand eS in dem Parterre deS ZollhanseS. »Wer wohnt hier 9 fragte der Cadett einen der vorübergehenden Zollwächter. »Wie mögens so fragen?" erwiederte derselbe. »Natürlich der AmtSdiener Hartl mit seinem Töchterchen Nina, welches ihm den Haushalt besorgt, weil seine Frau schon seit zwei Jahren verstorbeu ist." Jetzt wußte der Cadett wenigstens, wie das schöne Kind heiße, und natürlich versäumte er eS nicht, am nächsten Sonntag abermals die PeterSkirche zu besuchen. Auch die schöne Nina stellte fich ein, und nun präsentirte ihr der Cadett das Weihwasser. So wurde die Be­kanntschaft eiugeleitet, und aus der Bekanntschaft entspann fich bald ein LiebeSverhältuiß. Nina und Gottfried verabredeten Zusawmeukünste, und endlich durfte Letzterer auch in die Wohnung deS BaterS kommen, weuu derselbe Abeud» seine» Schoppen in de» sieben Kurfürsten trank. Doch war soll ich die die Sache weiter ausspinneu? Genug, nachdem Gott­fried vou Kreß ein Jahr später mit seine» Regiment! »ach Italien abgezogen war, geuaS Nina eines Knabe», und jetzt erst kam der alte Hartl hinter die ganze Geschichte. Er wurde wüthend: aber Nina beificherte unter einem Strom von Thräneu, daß ihr Geliebter sie heiraten werde, sobald die Verhältnisse ihm dies gestatteten, und so fand fich der gute Mau» endlich in das Unvermeidliche. Von da au sah Nina Gottfried vou Kreß mit keinem Auge mehr, da der­selbe stets außerhalb Wien garuisouierte; dagegen führte sie wenigstens in den ersten Jahren eine sehr lebhafte Correspondeoz mit ihm, und er ei kannte auch de» Knabe» in seinen Briefen «18 de» (einigen au. Tara» aber, für ihn zu sorgen, dachte er uie und

kett läge. Mögen die Verhältnisse in der Fabrik noch so gut, noch so trefflich geordnet sein, ein Segen ist die Fabrikarbeit für das weibliche Geschlecht im Allgemeinen nicht, und sie wird es auch nie werden. Die Beseitigung der Frauenarbeit erscheint vor der Hand aber unmöglich. Die Industrie gebraucht sie, und mehr noch gebrauchen die Familien die Ein­nahmen aus der Frauenarbeit. Sie aufgeben hieße, nicht ganz reines Master fortgießen, bevor man tadelloses hat. Auch im Hmblick auf die Frauen­arbeit kann die deustche Industrie sich rühmen, schon jetzt viel zu thun. Solche entsetzlichen Zustände, wie sie in Belgien bestanden haben und zum Teil noch bestehen, sind bei uns ausgefchlosten. Aber einige Erleichterung der Frauenarbeit ist doch erwünscht, und das Reichstagsvotum vom vorigen Jahre hat bewiesen, daß hierüber im deutschen Parlament volle Einmüttgkeit herrscht.

Etwas anders steht es mit der Frage der Sonntags­arbeit, über welche in dieser Session wohl ebenfalls das letzte Wort gesprochen werden wird. Es kommen Ausschreitungen hierin auch bei uns vor, es wird hier und da an Sonntagen gearbeitet, ohne daß ein wirklicher Beweggrund dafür vorliegt; aber in der Hauptsache, das können wir getroft sagen, hat weder der deutsche Arbeitgeber noch der Arbeiter Lust und Neigung zur Sonntagsarbeit, und wird gearbeitet, dann liegt eben eine aus wirtschaftlichen und geschäft­lichen Verhältniffen begründete Notwendigkeit vor. Das Wirtschafts- und Geschästsleben aber in gesetzliche Paragraphen zu zwängen, das hat noch Niemand fertig gebracht, und wird auch Niemand fertig bringen, mag er fo mächtig fein, wie er will. Bei uns herrscht im Allgemeinen Sonntagsruhe, an der Niemand etwas Anstößiges finden kann. Die englische Sonntagsruhe ist mehr als zweifelhaft, und kann sich trotz allen Lobes der unfrigen nicht an die Seite stellen. Dort kommen ganz andere Ausschreitungen vor, als im Deutschen Reiche. Wenn, wie wir schon gesagt, auch bei uns hier und da des Guten etwas zu viel gethan wird, so kann dagegen von den lokalen Stellen in ruhiger, besonnener Weise eingeschritten werden, dazu bedarf es keines Zwangsgesetzes, das nicht zu halten ist. Die deutsche Natur ist nicht für solche Bestim­mungen zugeschnitten, und man würde interessante Geschichten erleben, wenn drakonische Sonntags­paragraphen erlassen würden: man würde nur den Trunk fördern. Wer in England gereift, kennt die dortigen widerlichen Sonntagsbilder, an denen ganz besonders im letzten Jahre ein bedauerlicher Ueber- fluß vorhanden war.

ebenso wenig erhielt die Mutter je eine Liebesgabe. Noch mehr, nachdem fünf Jahre vergangen waren, wurde» seine Briefe immer spärlicher, uud fett drei Jahren hatte er gar kein Lebenszeichen mehr von fich gegeben.

All' dies fuhr Gottfried von Kreß durch den Kopf, als er mit langen Schritten in seinem Zimmer anf- uad abging, und dann eilte er an feinen Schreibtisch, um in vergilbten Papieren zu krameu. Endlich fand er, was er suchte, einen Brief von sehr altem Datum «ud eifrig studierte er denselben.Sie macht mir darin die bittersten Vorwürfe," flüsterte er halblaut, wett ich ihre drei Schreibe» unbeantwortet ließ, und seither bekam ich keine Zeile mehr vou ihr. Aber sie ist ja die Gntmüthigkett selbst, unb da ihr überdies die Liede immer noch tief im Herzen fitzt, wird eL mir nicht schwer werden, fie zn versöhnen."

Sofott ließ er fich an seinem Schreibtisch nieder »ud begann einen langen Brief zn entwerfen; die Arbeit wurde ihm aber nicht allzuldcht, und oft uud viel strich er wieder durch, was er eben erst nieberge» schrieben hatte. Trotzdem kam er nach ein paar Stunden zu Ende, und nun kopierte er die Epistel sorgfältig.Ich glaube, ich habe mich selbst Aber« troffen," murmelte er mit häßlichem Lächeln, als er den fertigen Brief nochmals fiberla»,unb besonders der Schluß, worin ich ihr sage, baß jetzt endlich der Zeitpnutt nahe gerückt sei, wo ich ihr die Hand am Altar reichen könne, wird sie widerstandslos in meine Anne zurückführe». Auch kann sie kdue Ahnung davon habe», daß ich von ihrer Erbschaft unterrichtet bin, und somit muß fie überzeugt sein, daß nur die Liebe »ud da» Pflichtgefühl mir diesen Brief diktiert haben." Höchst zufrieden mit fich selbst, legte er fich darauf zu Bette, ,inb den andern Tag ward der Brief zur Post gegeben. Seine Adresse lautete: An die hochachtbare Jungfrau Nina Hartl auf der Hauptmauth in Wien."

I Nachdem ein paar Tage vergangen waren, fragte s Gottfried von ftrefc bei feigem Wirth jeden Abend

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Jan. Der Kaiser, dessen Befinden gestern recht befriedigend und schmerzfrei war, ver­brachte einige Zeit außer dem Bett. In der letzten Nacht schlief der Kaiser gut mit einmaliger kurzer Unterbrechung. Der Kaiser nahm heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, General v. Albedyll, nachmittags den Vorttag des Geheimen Kabinettsrates von Wilmowskr entgegen. Die Kaiserin besuchte vormittags das Kaiserin - Augustastift und machte um l1/? Uhr eine Spazierfahrt auf der Promenade im Schloßparke zu Bellevue. Abends findet eine kleine Theegesellschaft bei den Majestäten statt. Es ist ein amtliches Bulletin über das Befinden des Kronprinzen zu erwarten. Die Nach­richten lauten: San Remo. Das bereits angekündigte Bulletin wird morgen Abend imReichsanzeiger* erscheine». Das Gerücht, Dr. Bramann werde dem­nächst nach Berlin zurückkehren, bestätigt sich nicht; es ist wenigstens bisher von seiner Abreise noch nicht die Rede gewesen. Das Befinden des Kronprinzen ist andauernd gut. Der Kronprinz, der gestern Nachmittag beim Spaziergang von einem Unbehagen befallen wurde, trennte sich von seiner Familie und kehrte im Wagen allein zurück, machte aber im besten Wohlsein schon heute Morgen um 10 Uhr eine Ausfahrt. Die Ausgabe eines Bulletins wurde auf morgen verschoben. Aus London wird gemeldet: Die Königin forderte Mackenzie auf, morgen nach Osborne zur Berichterstattung über seine während des letzten Besuches in San Remo gemachten Beobachtungen zu kommen. Die Aerztekammer von Berlin und der Provinz Brandenburg trat heute Mittag zusammen. Oberpräsident Dr. v. Achenbach eröffnete die Sitzung, gedachte des in der Ferne weilenden Kronprinzen und sprach den Wunsch ans, daß Gottes Gnade und die ärztliche Kunst denselben gehellt zurückführen möchten und daß dem Kaiser vergönnt fei, den heiß­geliebten Sohn frisch und gesund wieder in feine Arme schließen zu können. Geheimrat Dr. Körte wurde hieraus zum Vorsitzenden gewählt. Derselbe dankte dem Oberpräsidenteu für das der Aerzte­kammer bekundete Interesse und die ihr angekündigte Unterstützung. Iw Reichsschatzamte ist die Vor­lage, betreffenb einen Nachtragsetat von ungefähr 100 Millionen Mark an einmaligen Ausgaben für die Ausrüstung, Bekleidung und Bewaffnung der Mann­schaften (infolge des neuen Wehrgezetzes) fertig aus­gearbeitet. Dieselbe wird jetzt unverzüglich an den Bundesrat gelangen. Sie dürfte obwohl das

angelegentlich nach einem Briefe, der für ihn aus Men an gekommen sei» müßte, »nd jedes Mal zeigte er eine höchst üble Laune, wenn wieder kein solcher vorhanden war. Doch endlich, endlich kam das er» sehnte Schreiben nud der Assistent verschlang eS förmlich. Sein Inhalt maßte sehr erfreulicher Natur sein; denn sein Gang wurde nur »och um so strammer als zuvor, und ei» triumphierendes Lächeln stand auf feinen Lippen.Herr Wirth," herrschte er diesem zu,morgen Abeud wird meine Braut mit dem Stell- wage» «»kommen. Halten Sie also das beste Zimmer für sie bereit, und richten Sie etu Abendessen her, das Ihnen und mir Ehre macht. Der Kostenpunkt ist dabei Nebensache. Er sprach in einem Tone, als ob er Über Huuderttausende zn gebieten hätte und der Wirth versprach natürlich, sei» Möglichstes zu thnn.

Den andern Morgen kam richtig Nina Hartl mit dem Stellwagen an, und Gottfried vou Kreß empfing sie mit einer solch stürmischen Umarmung, daß sie über feine Liebe nicht mehr im Zweifel sein konnte. Freilich die Nina Hartl von damals, wo er fie i» der PeterSkirche in Wien erstmals gesehen hatte, war sie nicht mehr; denn die zehn Jahre, welche zwischen jetzt und damals lagen, sowie der Kummer und die Sorgen dieser zehn Jahre hatten die Rose» der Jugend gebleicht »nd ließen das Mädchen sogar älter erscheinen, als fie in Wirklichkeit sein mochte. Aber ihre unendliche Herzensgüte war dieselbe geblieben, und mit eben so unveränderter Hinneigung hing fie an ihm, ihrem Jugeudgeliebten.

Acht Tage laug blieb Nina Hartl in Neider», »nd diese ganze Zeit über erwies sich Gottfried von Kreß verschwenderisch in seinen Liebesbeweise». Sie sprachen auch viel von der Gründung ihrer Haus­standes, firnd wie fie bann ihren Buben, den jungen Gottfried, der bisher bei Verwandten auf dem Lande nutergebracht war, zu fich nehmen wollten.3n einem Jahre längstens," sagte Gottfried von Kreß, bin ich nicht mehr Ingenieur-Assistent, sondern wirk­licher Ingenieur, und dann habe ich ei» Einkommen,

noch nicht ganz feststeht schon morgen auf der Tagesordnung des Bundesrates stehen. Die bettef- fende Summe wird natürlich im Wege einer Anleihe aufgebracht werden. In einer Besprechung der internationalen Lage meint die WienerPresse", auf jeden Fall könne Oesterreich-Ungarn den kommen­den Verhandlungen und Ereignissen in größter Ruhe entgegensehen. Die Position der Monarchie entspringe nicht nur ans den defensiven und friedenerhaltenden Grundbedingungen der Tripelallianz, fie stehe auch sonst auf der breitesten und stärksten Grundlage, die unter den heutigen Verhältnissen möglich sei. Ob es sich nun um große kontinentale Fragen oder blos um die Balkanhalbnssel handele, in jedem Falle sei der größte Teil der Interessen Oesterreich-Ungarns mit denen Europas identisch. Die felbftgenügfame, aber auch selbstbewußte Stellung der österreichischen Monarchie sei so stark, daß sie im Falle einer be­drohenden Haltung Rußlands gute und aufrichtige Allürte auf dem Kontinente finden müßte, auch wenn sie sie nicht schon hätte. Oesterreich-Ungarn verthei- bige nicht nur die eigenen, fonbem auch die Interessen des nichtrussischen Kontinents, indem es an dem Berliner Vertrage sesthalte und für denselben sich einsetze. Die Meldung derTimes', daß ~ Pforte sich bereit erklärt habe, den Prinzen Ferdi­nand zum Rückttitt aufzufordern, ist, wenn sie auch vielleicht wirklich den Tatfachen vorauseilt, doch ein deutliches Symptom dafür, daß die von mancher Seite geleugneten diplomatischen Verhandlungen wirk­lich im Gange sind, und deutet auch zutreffend die Richtung an, in welcher fie sich zunächst bewegen. Auch daß das .Journal de St. Petersbourg' sich für Überleitung der bulgarischen Frage in gesetzliche Bahnen ausspricht und sich sogar zu einer Verur­teilung des Putsches von Burgas aufschwingt, scheint daraus hinzudeuten, daß Rußland an dem Versuch einer diplomatischen Losung beteiligt ist. DieNat.- Ztg." meint, es werde nicht erwartet, daß Prinz Ferdinand der Aufforderung Europas Widerstand entgegensetzen werde. Sollte es zu Zwangsmitteln kommen müssen, so würde eine allseitige Blocktrung Bulgariens wohl in erster Reihe in Bettacht kommen. Dasselbe Blatt äußert sich über die Angriffe eines Teiles der ungarischen Presse gegen Deutschland und das deuffche Bündnis, indem es sagt:In Deusschland ist man billig genug, einzusehen, daß die beiden Mächte, die über den Kopf Deutschlands hin­weg in Reichsstadt eine neue türkische Teilung ver­einbart hatten, fich über den beiderseitigen Anteil verständigen müssen; die Magyaren, von denen jüngst

das nnS über alle Sorge» hinwegsetzt. Freilich btt Kosten nuferer Einrichtung," fetzte er bebenklich hin­zu ; aber fie ließ ihn nicht anSreben.Wegen der Kosten unserer Einrichtung," lächelte sie,brauchst Du Dir keine Sorge zu machen; denn biefe vermag ich an« meinen Mitteln zu bestreiten. Ja, sich mich nut so groß an; mir ist inzwischen ei» Erbe von zweitausend Gulden zngeflossen, unb diese werben wohl zureichen."

Gottfried von Kretz machte in der Thal große Angen, als er das Wortzweitausend" hörte; den» er hatte mit Sicherheit ans zwanzig« wenn nicht dreißigtansend Gulden gerechnet. Doch wußte er ben Zorn über biefe Enttäuschung zu unterdrücken, unb als Nina Hartl endlich Abschied nahm, um »ach Wie» zurückzukehren, überschüttete er fie wieder mit feinen Liebkosungen.

Nach der Abreise Nina Hartl's »ahm Gottfried von Kreß wieder seine alten Gewohuheittu auf, und eS schien, «IS ob er i» der Gunst der Gebrüder Klein fester stände als je. Aber die schlimme» Gerüchte über ihn mehrten fich in fast greifbarer Weise »nd veranlaßten die beiden Banunteruehmer, nicht blos ihren Assistenten im Geheime» sorgfältig überwachen zn lasse», sonder» aach auswärts übet sei» bergan» genes Leben die genaueste» Erkundigungen eiuzn- ziehe». Noch mehr, im Dezember 1838 reiste Franz Klei» in aller ©ttCe nach Dresden rmd al» er von da nach acht Tagen znrückkam, schloß er fich sogleich mit seinem Bruder ein. Dan» »ahme» sie die Bücher deS Ingenieur-Assistenten zur Hand »nd unterwarfen sie einer genauen Prüfung. Endlich besprachen sie fich »och mit mehrere» Unteraufseher und ließe» vo» diese» daS vorhandene Baumaterial bi» i» daS Sechste Detail aufuehme».

(Fortsetzung folgt)