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Marburg, Donnerstag, 12. Januar 1888.

»nzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler

Frankfurt o. St., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIII

Stoffe m Frankfurta.M.,Berlin,Münchenu. Köln; <S. L. ^sU^tgaNg.

Daube u. Co. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover. Paris.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Wonnements-PreiS bei der Expe­dition 2*/t Ml-, bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserttonsgedühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für dir Zeile 25 Pfg.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Matt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Somtagsblatt.

Expedition Martt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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kechnrrrrgsergebrrilse -er -er«fs- genosten schäften.

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Soeben ist die dem Reichstage zugcgangene, vom Reichsversicherungsamt aufgestellte Nachweisung über die Rechnungsergebnisse der Berussgenossenschaften auf das Jahr 1886 publiziert worden, und zum ersten male wird uns damit eine Uebersicht über ein volles Jahr der bcrufsgenossenschaftllchen Thätigkeit gegeben. Man hört häufig die Ansicht äußern, daß unserem realistischen Zeitalter nichts anderes imponiere als Zahlen, und diese auch nur dann, wenn sie

möglichst hoch sind, lieber die Berechtigung einer rößtei solchen Anschauung wollen wir hier in keine Unter»

742 Mitgliedern der Genossenschaftsvorstände, 2356 Mitgliedern der Sektionsvorstände, 6501 Vertrauens-

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fuchung eintreten, wenn dieselbe aber Anspruch au: Richtigkeit hat, so dürften die m der erwähnten Nach­weisung enthaltenen Angaben einen tiefen und nach­

haltigen Eindruck hervorzurufen, nicht verfehlen. 62 Berufsgenossenschaften mit 366 Sektionen,

[ßf. ai männern, 39 angestellten besoldeten Beauftragten (Revisionsingenieuren), 404 Schiedsgerichten und

445 Arbeitvertretern sind im Jahre 1886 in Aktion r wesen, und die Unfallversicherung für 269174 Be­liebe und 3 473 435 versicherte Personen, deren für

die Umlage anrechnngsfähigen Löhne die Summe 1 von 2 228 338 865 59 Mark betrugen, durchzuführen. [665 Dazu kommen 47 Ausführungsbehörden der Reichs- und Staatsbehörden mit 48 Schiedsgerichten und

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432 Arbeitervertretern, welche ihre Thätigkeit der Versicherung von 251878 im Staatsdienst angestellter Arbeiter widmeten. Welche Fülle von geistiger Kraft, «velche Zeit ist hier seitens der Betriebsunternehmer «zum Wohle der arbeitenden blassen ohne Entgeld Iwsgewendet worden!

j-. Noch bedeutender aber waren die materiellen Leistungen. Von den Berufsgenosienschasten allein nd im Lause des Jahres 1886 gezahlt worden: u Entfchädigungsbeträgen 1 711 699 98 Mark, an mfenben Verwaltungskosten 2 324 294 32 Mark, an osten der Unfalluntersuchungen, der Feststellung der

trigen , Jnter- . r Zeit ' Sweck \ istand i hoch-^ welche

»tfchädigungen, an Schiedsgerichts- und Unfallver- utungskosten 277 247 60 Mark. Mit dem Reserve- onds in Höhe von 5 40187806 Mark und den losten aus der Uebernahme von mit Privatgesell- chastcn abgeschlosienen Versicherungsverträgen betrug ie effektive Ausgabe der 62 Berufsgenoflenschaften 0 305 253 20 Mark. Für 9723 Unsälle wurden iulschädigungen gezahlt, 5935 Angehörige von Ge- öteten wurden versorgt.

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DaS ganze Raffinement, welches feine langjährige

-i raxis ihm zu eigen gemacht hatte, nahm er zusammen, . p» einen Weg zu finden, der fie ans diesem Pfuhl

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[er gesunken war.

Endlich war eS gethau, der letzte der Männer

bürg, 10.

Mario«.

Originalroman von Marie Romany.

(Rachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

77 den obersten Stufen der ersten Treppe gelegen; üfl Mu daß der Jnde, der ihrer Meinung nach tot war, 79 'U, einem der Hinteren Zimmer des oberen, Stockwerks 93 Minden wurde, dessen Thüre gesprengt werde» mußte, 2S4« fie verschlossen und anch der Schlüssel nicht au Kinem Platz giweseu war.

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»ll Schande und Erniedrigung leite; mit verzweifelter »irr liefe er seine Gedanken umhergehen nach einem huldigen, damit jeder Flecken von dem Namen von Lildena» ausgelöscht sei.

Jetzt führte man de» Kapitän der Löschmannschaft, venu Marly, herein.

Es war nur eine Thatsache, die der Kapitän kurz > bestätigte: der Umstand nämlich, dafe der Brand eine ' «uz außergewöhnliche Widerstandskraft gezeigt habe Z wodurch als wahrscheinlich anzunehmen wäre, daß 10} Mehrere Phosphor- unv Schweselvorräte im Hanse

. Aai*. Der Polizeirat schrieb, al» wäre es sein eigenes Lj ^«deSutteil, welches man diMerte; wohl vnterliefe E nicht, mit gewohnter Strenge die Leute zur Aus.

"t der Wahrheit jzu mahnen, doch fühlte er, wie jedem Wort, welches berichtet wnrde, sei» Verttaue»

nufgespeichert gewesen seien.

?Ö6 Die Hand des Polizeirats krampfte fich, als er 101 diese Worte notierte. Er liefe Herr» Marly unter. iOM^nen, worauf die kurze Vernehmung zu Ende war. war der fünfte Zeuge, der abgefragt war.

. Lhne einen Moment vorübergehen zu laste», be- Äderte Herr Martine! jetzt die Fenerwehrlente herein.

61 ^7 Laben an, dafe Fräulein Delorme befinuungsloS

Als das Unfallversicherungsgefetz vom 6. Juli 1884 am 1. Oktober 1885 in Kraft trat und mit diesem Termine die Berufsgenossenschaften ihre Thätigkeit ausnahmen, konnte man eine gewisse Sorge darüber nicht unterdrücken, ob Industrie und Gewerbe bereits so stark seien, daß sie eine so ausgedehnte Selbstver­waltung ohne weiteres würden durchführen können, heute zeigt es sich, daß jene Sorge unbegründet war. Wenn aber der berufsgenostenschaftliche Organismus von seiner Thätigkeit ein so glänzendes Zeugnis ab­legen kann, so wird man doch nicht vergessen dürfen, daß ein hohes Verdienst daran diejenigen Männer haben, welche sich in größter Uneigennützigkeit zum Wohle der arbeitenden Klassen nicht nur, sondern auch zur finanziellen Entlastung ihrer Erwerbsgenosten den mannigfachen ehrenamtlichen Pflichten unterziehen, welche dieser Zweig der Selbstverwaltung mit sich bringt und man wird nicht übersehen dürfen, daß die ihnen schon jetzt zugemutete Arbeit eine große ist. Für diese Männer ist die Nachweisung über die Rechnungsergebnisse ein ehrendes Monument, noch ehrender indesten für diejenigen, welche den Anstoß zu unserer sozialpolittschen Gesetzgebung gegeben haben, und nun mit Befriedigung ersehen können, daß die einmal mit unserer modernen Art und Weise des maschinellen und sonstigen industriellen wie gewerb­lichen Betriebes verbundene Gefahr, soweit es in menschlicher Kraft steht, beschränkt und, soweit sie nicht zu beseitigen ist, in ihren materiellen Folgen wenigstens ausgeglichen wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Jan. Ter Kaiser verblieb gestern im Bette, hatte jedoch weniger Schmerzen. Sem Befinden war in der vergangenen Nacht leidlich. Die Berechnung der nach dem Reichshaushalts - Etat für 1888/89 zur Deckung der Gesamtausgabe auf­zubringenden Mattikularbeittäge ist dem Reichstage soeben zugegangen. Die Gesamt - Ausgabe beträgt 921 689 140 Mk., davon ab die Ueberweisungen an die Bundesstaaten aus dem Erttage der Zölle und Tabaksteuer, der Verbrauchsabgaben für Branntwein und des Zuschlags dazu, sowie der Reichsstempelab­gaben, welche nebst den entsprechenden Einnahmen auf die Matrikularbeiträge keinen Einfluß üben, mit 266 355 000 Mk., bleiben 655 334140. Mk. Ferner wird hier adgesetzt der Fehlbettag pro 1886/87 mit 22 157 246 Mk., da die Beträge, mit denen die ein­zelnen Staaten an diesem Fehlbetrag beteiligt sind, bei der Schlußzusammenstellung den Matrikularbei- trägen hinzugerechnet werden. Bleiben 633 176 894

Start _ Darunter sind enthalten an Ausgaben, welche nicht für Rechnung der Gesamtheit zu bestreiten find, 19799813 Mk. Nach Abzug dieser Summe ver­bleiben von der Gesamtausgabe 613377 081 Mark. An ordentlichen eigenen Einnahmen, welche für Rech­nung der Gesamtheit zur Reichskaffe fließen, weist der Etat noch 260 630 000 Mk. Zölle und Tabak­steuer nebst den entsprechenden Aversen und Zoll­ausschlüffe auf, davon ab 130 630 000 Mk. Über­weisungen an die Bundesstaaten, bleiben für die Reichshauptkasse 130 000 000 Mk. Die Einnahmen beziffern sich überhaupt auf 380 994 076 Mk. Von der Ausgabe bleiben somit 232 383 005 Mk. noch anderweit aufzubringen. Als Mattikularbeittag Bayerns bleiben, abgesehen vom bayerischen Anteil an dem Fehl- bettage pro 1886/87 26 776 738 Mk., mit dem An­teil des Fehlbettages 29 201103 Mk. Im Etat Pro 1887/88 sind 31 423 821 Mk. angesetzt. Die Matti­kularbeittäge Sachsens belaufen sich mit dem Anteil des Fehlbettages auf 14 026160 Mk., im Etat pro 1887/88 sind 11263 341 Mk. angesetzt. Württem­berg hat zu zahlen an Mattikularbeiträgen 10 627817 Mark, im Etat für 1887/88 sind 11471096 Mk. angesetzt. Für Preußen sind, abgesehen vom Fehl­bettage 109 278 432 Mk. berechnet, mit dem Fehl­beträge 122 783 262 Mk. Im Etat pro 1887/88 sind 100 580169 Mk. angesetzt. Im Anschluß an den seitens des Landwirtschaftsrates gefaßten Be­schluß, den demnächst der Öffentlichkeit zugänglich zu machenden Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches durch geeignete Sachverständige daraufhin einer Prüfung unterziehen zu lassen, ob und in wie weit das neue Gesetzwerk den Interessen der Landwirtschaft ent­spräche, oder welche etwaige Änderungen sich von diesem Gesichtspunkte ans empfehlen möchten, bemerkt dieWeser-Zeitung":Sehr zweckmäßig würde es jedenfalls sein, wenn auch andere Interessengruppen eine ähnliche Prüfung veranlaffen wollten. Der Handelstag oder die einzelnen Handelskammern hätten zweifellos auch Anlaß zu solcher Prüfung. Greift doch das neue bürgerliche Recht so tief in die ge­samten Verhältnisse des bürgerlichen und geschäft­lichen Lebens ein, daß eine unbefangene und gründ­liche Prüfung feiner Wirkungen auf das Leben durch Nichtjuristen dringend geboten erscheint.' Diesem Wunsche derWeser-Zeitung" kann man nur zu- timmen. Bei dieser Gelegenheit mag darauf hin­gewiesen werden, daß auch bei Emanation des preußischen Landrechts in ähnlicher Weise vorgegangen worden ist. DieNationalzeitung" meldet: Gutem Vernehmen nach dürften demnächst Seitens der Mächte Schritte

erfolgen, um die Entfernung des Prinzen Ferdinand aus Bulgarien zu veranlassens DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: An den s. Z. im WienerFrdbl." bei Charakterisirung der internationalen Gesammtlage entwickelten Unterschied zwischen dem politischen und dem militärischen Moment wird man neuerdings er­innert, wenn glaubwürdig verlautet, das Rußland für die nächste Zeit die Dislocirnng noch weiterer zweier ober dreier Jnfantericttuppen-Divisionen aus dem Innern des Reichs an die Westgrenze in Aussicht genommen habe. Seitdem derInvalid" in seinem Artckel vom 15. Dezember angekündigt hat, daß Rußland seine mckitärischen Maßregeln allmälig werde zur Ausführung bringen, mußte man meint der.Pester Lloyd auf solch eine Ankündigung gefaßt sein, umsomehr, als die russische Regierung niemals eine Erklärung abgegeben hat, daß sie die Truppenbewegungen an der Grenze als abgeschlossen betrachte. Die augenblicklich vorwaltende friedliche Stimmung bringe es mit sich, daß die neueste russische Ankündigung relativ ruhig ausgenommen wurde. Uebrigens sind die in Rede stehenden Truppenver­schiebungen, wie derKöln. Ztg." gemeldet wird, von den russischen Militärattaches bei den verschie­denen Regierungen, unter gleichzeitiger Abgabe be­ruhigender Erklärungen über die friedlichen Gesin­nungen des Kaisers Alexander, im Voraus angekündigt und als notwendige Konsequenz der bisherigen Maß­nahmen gleicher Art bezeichnet worden. Hiermit vergleiche man noch die in Ergänzung der Nachricht, daß der älteste Mannschaftsjahrgang der russischen Garde entlasten wird, der WienerPresse" aus Bukarest zugesandte Meldung, daß ein ähnlicher Befehl für die Truppen im Odessaer Militär- gouvernement erlösten wurde. Nach der russischen Heeresorganisation beginnt nämlich die Einberufung des alljährlichen, an 235 000 Mann betragenden Rekrutenkontingents am 13. November und endet am 13. Januar (n. St.), wo dann die Beurlaubung derjenigen Mannschaft, welche ihrer Präsenzdienstpflicht genügt hat, erfolgt. Die Tatsache, daß die Beur­laubung des ältesten Jahrganges in diesem Augen­blicke erfolgt, kann, nach derPresse", als Anzeichen dafür genommen werden, daß in Petersburg eine Verschärfung der militärischen Situation vermieden wird. Es bleibe abzuwarten, ob ähnliche, in Frie­denszeiten durchaus normale Anordnungen für die Truppen in den Miütärgouvernements von Warschau, Kiew und Charkow ergehen werden. DasBert. Tagbl." schreibt:Ende der vorigen Woche wurde, wie uns von zuverlässiger Seite aus Warschau ge-

hatte be» Rücke» gekehrt. Der Polizeirat stöhnte, bau» zog er feine Uhr hervor, »nt nach ber Stunde z» sehen. Um präzise halb elf Uyr hatte er die Baronin geladen! fie konnte nicht weit sein; eS war mehr als ei» Viertel nach zehn.

Herr Marttnel zog die Glocke und gab de» ein- tretenden Beamten Ordre, dafe man die Baronin von Wildenau melde, sobald fie angekommen sein werde; dann blätterte er in den Scriptnren, stöhnte wieder, prang auf nnb trat ans Fenster, nm sich, während >ie Gedanken eine ganz andere Richtung nahmen, mit den Vorgängen auf der Strafee, wie er fich einbilbete, za beschäftigen. Plätschernd triefte ber Regen herab. Hi» und wieder sah man einen Fußgänger über die Trottoirseilen, sonst war die Stadt wie ausgestorben, da ein jeder, den nicht da» harte Mufe trieb, sich bei solcher Ungemütlichkeit be» Wetters unter dem Schutz seines Daches verborgen hiett.

Seufzend trat ber Polizeirat zurück i» fein Bureau. Vie unermeßlich viel hätte er darum gegeben, wenn ihm eine solche Begegnung mit der Baronin erspart worben wäre! Mtt seinem Willen, seiner THÄkraft, mit seinem halben Vermöge» würbe er ihr beige» tauben haben, wenn ihr bie unselige Jbee, tiefer verzweifelte Entschluß nicht in be» Kopf gestiegen wäre! Sein Herz bes sonst so nüchterne» Staatsdieners, chlug heftig. Er erinnerte fich beS Baron», für de» er bie innigste, bie aufrichtigste Freunbschast empfunden, er dachte zurück an die Jahre, bie er wie ein Stuber wie ein verhätscheltes Kind im Hause von Wildenau verkehrte, nnb nun zwang ihn das unselige Geschick te, bie er wie eine Schwester verehrte, für beten Vohlfahrt et fich mit Freuden jede Sorge aufgebütbet haben würbe, als Beschuldigte eines Verbrechens feiner Inquisition unterworfen, hier in be» Räumen ber Präfektur vor fich zu sehe»!

Stöhueub, selbst halb ber Verzweiflung ergeben, stützte er baS Haupt in bie flachen Hände und sandte ein inbrünstiges Gebet zu Gott. Die Reinigung deS Namens vou Wflbeua» war e», für die et flehte;

er beschwor ben Himmel, ber Sache eine Wendung U geben, durch bie jeder Schein von Verbreche» von diesem Name» genommen fei.

Ein Klopfen an der Thüre erschreckte ihn.

Er richtete den Kopf auf nnb griff nach einem Papier, in beste» Lektüre er sich scheinbar vertiefte; eS bauerte ein paar Sekunden, bis er fein gewohntes .Herein!" ertönen ließ.

Die Thür würbe geöffnet, ber Beamte melbete, worauf bie Baronin von Wildenau, von dem Polizei, rat Marttnel mit dienstlicher Ordre zum Verhör gerufen, über bie Schwelle trat.

Ei» qualvoller Augenblick kam. Der Polizeitat stutzte, bie Baronin, wie Marmor bleich, ihn mit einem Blick fixierend, ans welchem die volle Glut verletzten Stolze» und geschmähter, beleidigter Freund, chast sprach.

.Sie haben mich zu '/»II Uhr auf Ihr Bureau befohlen, Herr Rat," sagte sie mtt einer Stimme, die, obgleich bebend, gewaltsam in ihre Schranken gewiesen war.

Der Polizkirat sah sie au. Ein Gefühl unans. sptechlichen Mitleid» ergriff ihn. Et wußte seine ganze Faffnug zusammeunehmeu, um seinen Standpunkt als Dienet ber Gerechtigkeit nicht zu verlieren; bie Erregung, bie et zu bemeistern suchte, machte seine Stimme herbe, als er sprach.

.Ich Haubelte im Auftrag meines Dienstes, Frau Baronin," entgegnete er mit so ruhiger Gelaffenhett, tote ihm möglich wat.

Frau von Wildenau nickte stumm.

.Wenn meine Pflicht nicht in erster Linie meinem Amt gehörte, wurde ich mich ber Ehre nicht beraubt tzad», Sie i» Ihrem Hotel aufznsuchen," fügte Herr Marttnel hinzu. .Ich würbe Ihnen meinen Schutz angeboten, bie Beweise meiner Freundschaft zu Füße» gelegt haben. Leiber vereitelte bas Geschick meine Absicht indem eS mich Ihnen als - BerusSmeusch entgegenfuhrt."

Ein Flammeublick auS den Angen ber Baronin traf ben Sptecheuben.

Unb worin besteht mein Verbrechen?" fragte sie i» einem Ton, ber keineswegs ihre Erregung verhehlte.

Herr Marttnel zögerte.

Wir werden sehen, gnädige Frau," entgegnete er bann langsam.Erlauben Sie mir, ba meine Pflicht gebietet, bie Sache von dienstlicher Seite zu nehmen; ohne Zweifel ist in ein paar Tagen baS Dunkel aufgeklärt und ich stehe Ihnen wieber als Freunb gegenüber, wie eS fett Jahren ber Fall war."

Er schob einen Sessel in die Nähe seines Arbeit», tisches und lud durch eine Haudbewegnug bie Baronin zum Sitzen ein.

Frau von Wilbenau biß bie Lippen anfeinanber, währenb sie stillschweigend Platz »ahm. Ihr Blick ruhte glühend auf ber Miene be» Staatsdieners, ber ihr nun gegenübersaß.

»ES bebarf wohl kaum ber Erwähnung, dafe meine dienstliche Aufnahme die näheren Umstände deS Brandes angeht," begann ber Polizeirat.Sie waren nicht zu Hause, als baS Feuer ausbrach."

Die Baronin schwieg.

Sie waren im Bonlogner Wäldchen," fuhr Herr Marttnel fort.Ihre Tochter Elly war mit Ihnen. Jean nnb Charles begleitete» Sie."

Sehr richtig."

Such Ihr Sohu Raoul war feit bem Dejeuner nicht zu Hanfe gewesen. Wo war er?"

Fran von Wildenau sprach in einem To», ber deutlich genug zeigte, baß sie bem gewesenen Freund« nur deshalb auf solche Fragen Antwort gab, weil te, durch die Behörde vorgeladeu, bem StaatSdieuer Rechenschaft schuldete.

So viel ich weiß, hielt sich Raoul währenb ber Mittagsstunbeu im Fechtklub auf," ertoieberte fie; »später kam er ins Gehölz, wo er bei ber Cascade mit uns zufammeutraf."

(Fortsetzung folgt.)