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Wöchmtliche Beilagen: «reis-Blatt für die Kreise Marburg M Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

_____________________________________________________________________ Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2% Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 60 Pfg. (exll. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Sonntag, 8. Januar 1888.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler m Frankfurt a. Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXIII Moste m Frankfurt a.M., Berlin, München «.Köln; <A.L. AA111, Daube u. Co. in Frankfutt a.Berlin, Hannover. Pari».

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Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung mit ihren Beiblättern nehmen alle Post­anstallen, auf dem Lande auch die Postboten, sowie in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) entgegen. Den Bestel­lungen wird noch der mit der Nr. 1 aus­gegebene Wand- und Schreibkalender für das Jahr 1888 beigegebeu.

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A«s dem Wetterwmkel Europas.

Neben Bulgarien ist es besonders Serbien, welches geeignet erscheint, den Stein der Orientalischen Frage . ms Rollen zu bringen. Die Verhältnisse in Belgrad sind sehr schwankende, Oesterreich und Rußland be­mühen sich gleichzeitig, sich dort den maßgebenden Einfluß zu nerschasfein Die Stellung des Königs von Serbien ist außerordentlich schwierig. Klein unter den Fürsten Europas ist König Milan, aber sein Name wird in den Zeitungen last öfter genannt, als der eines großen Monarchen. Nicht gerade wegen seinen außerordentlichen Herrschertugenden, denn Niemand hat bisher versucht, ihn persönlich als das Muster eines Regenten zu schildere König Milan ist auch fern Held, sein Familienleben beschäftigte die Skandalchronik von ganz Europa, und auch sonst soll er durch die Natur mit menschlichen Schwächen ziemlich reich bedacht sein. Von seiner Hochachtung für verfassungsmäßige Reformen sagt man, daß sie die ollermäßigsten Grenzen nicht überschreite und es soll schon vorgekommen sein, daß er einen Oppositions­mann, der gar nicht aufhören wollte, zu reden, kurzer Hand einsperren ließ. Wurde der Mann dann nach Jahr und Tag sreigelassen, so hatte er sich gewöhnlich völlig zu der Ansicht bekehrt, alles, was der König thue, sei wvhlgethan. Ein guter Feind seinen Feinden, war der König vielleicht auch ein zu guter Freund seinen Freunden, denen in finanzieller Beziehung manche Freiheit gestattet wurde, die später traurige Folgen hatte. Bei alledem kommen auch etliche vor­zügliche Eigenschaften auf die Rechnung des serbischen Herrschers. Er ist in erster Reche ein Staatsmann, und Personen, die mit ihm verkehrt und seine Briefe gelesen haben, sind einig in der Meinung, daß er als Minister eines großen Staates die Welt durch kleine Thaten und durch seine geistreichen Worte über­raschen würde. Klug und ehrgeizig, ist er sich zu­gleich bewußt, daß man im Orient nur durch die

Gewalt herrschen kann; würde der König sich aus die genaue Deutung der Verfassung verlegen, hätte er wohl in jedem Jahre ein paar Dutzend Minister­krise» zu überstehen und würde schließlich selbst wieder seinen Weg nach Paris nehmen müssen, wo er er­zogen ist.

König Milan versteht aber aeich, rechtzeitig nach- zugeben, nm später das Verlorene mit Zinse» sich zurückzuholen. Tas hat der gesamte Verlauf der Regierung des Ruffenfreundes Risties bewiesen, die soeben ihr Ende erreichte. Ein weniger besonnener Mann un Stelle des Königs Milan würde im Augen­blicke, da fein Todfeind Risties die Mehrheit in der Volksvertretung erlangte, entweder diese Versamm­lung aufgelöst oder dem Sieger die größten Schwierig­keiten bereitet haben. Die Folge wäre, so wird der Vchs. Zig." in einem Stimmungsbild aus Belgrad geschrieben, gewesen, daß Risties und seine damaligen Bundesgenoffen sich bann noch enger aneinander ge­schlossen hätten, und daß sie jede Regierung unmöglieb gemacht haben würden. Vielleicht hätte Risties in diesem Verfaffunaskampfe sogar seine alte Volks­tümlichkeit wieder gewonnen. König Milan hütete sich wohl einen solchen Fehler zu begehen; er über­trug Risties die Kabinettsbildung und ließ die Herren von der Sobranje-Mehrheit sich unter einander herum- zanken. Erst als die Volksvertretung sich erlaubte, in ihrer Adresie an den König etwas gar zu starke Forderungen aufzunehmen, lud er die Herren zu einem Frühstück ein, und dann folgte eine Abkanzlung, die Niemand dem König zugetraut hätte. Dann nahm er ein zweites Mal Anlaß, den Panslawisten und Russenfreunden unumwunden seine Meinung zu sagen. Er erklärte in wahrhaft staatsmännischer Weise, das Land dürfe nicht im Panslawismus untergehen, sondern müsse seine Nationalität bewahren, auch wenn der Krieg zwischen Germanentum und Slaventum aus­brechen sollte.

Zum Germanentum wird hier unausgesprochen Oesterreich-Unganl mitgerechnet, daher die tiefe Wir­kung der Rede. Gleich darauf gerieten auch Risties und seine radikalen Bundesgenossen sich in die Haare, weil der erstere den letzteren nicht alle Wünsche erfüllen wollte. Risties verlor die Sobranje-Mehrheit und trat zurück. Gerade bei dieser Gelegenheit zeigte Milan einen Beweis höchster diplomatischer Feinheit. Er hätte, da keine Partei in der Volksvertretung die unbedingte Mehrheit hat, einfach ein strammes, ihm ganz ergebenes Ministerium ernennen können; er that es nicht, denn das blieb ihm immer noch sicher, er berief vielmehr ein Ministerium aus den Reihen der

ihm sonst wenig günstig gesinnten Radikalen, die schon lange nach der Regierung trachteten. Durch die Er­füllung dieses Wunsches machte König Milan seine früheren Gegner zu feinen Freunden, hielt den zu- rückgetretenen Risties im Zaum und machte vor allem seinen Willen in allen wichtigen Fragen zum maß­gebenden. Damit ist auch für jetzt tzie russische Jn- trigue in Belgrad fehlgeschlagen, die österrc ich freund­liche Politik bleibt unverändert. Darin liegt die Bedeutung dieser Ereigniffe.

Äkulschrs Reich.

Berlin, 6. Jan. Der Kaiser empfing gestern, Nachmittag drei Uhr, den Prinzen Wilhelm, welcher sich später nach dem Finanzministerium begab, um sechs Uhr wiederkehrte und auch der Kaiserin einen Besuch abftattete. Um acht Uhr fand Theegesellschaft statt, wozu Prinz und Prinzessin Wilhelm, General v. See und Graf Waldersee geladen war. Der Kaiser empfing heute den Oberhvfmarschall Grafen Perponcher und hierauf den Obersten Brix vom Kriegs- ministerium, welcher die neue Armeerangliste über­reichte. Nachmittags vier Uhr erscheint Staatssekretär Graf Herbert Bismarck zum Vortrage. Der Kaiser hat auf die anläßlich des Jahreswechsels dargebrachte Glückwunsch Adresse des hiesigen Magistrats "folgende Antwort erlassen:In der Adresie, mit welcher Mich der Magistrat zum neuen Jahr begrüßt hat, begegne Ich zu meiner Freude wiederum den Gesinnungen aufrichtiger Treue und Anhänglichkeit, von denen Ich chon so manche Beweise empfangen habe. Aus sol­cher Grundlage ruhend, sind Mir die Glückwünsche nm so wertvoller. Ich spreche Ihnen Meinen herz­lichen Dank barür aus. Wenn der Magistrat bei dem Rückblicke auf das vergangene Jahr noch einmal des seltenen Tages gedenkt, an welchem die Fürsten und Böller sich vereinigten, um Mir ihre erhebende Teilnahme an der Vollendung Meines neunten Lebens- Jahrzehntes zu betätigen, so ist Mir das eine wohl- lhuende, unvergeßliche Erinnerung. Nicht oft genug aber kann Ich Gottes Gnade dankend rühmen, welche Mir in der Erhaltung meiner Kräfte zugleich den Willen der Vorsehung kundgiebt, auch noch in Meinem hohen Alter Meines fürstlichen Amtes zu walten. In der Erfüllung dieser Mir obliegenden Pflicht liegt die höchste Befriedigung Meines Lebens. Gestützt auf festes Gottvertrauen, gehört Mein ganzes (Streben, Meine unablässige Sorge allein dem Wohle Meines geliebten Volkes. Ich gebe Mich vertrauensvoll der Hoffnung hin, daß unter dem Schutze eines dauern­den Friedens, welchen Gott unserem Vaterlande er­

halten wolle, infolge der auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete getroffenen gesetzlichen Maßnahmen die Wohlfahrt der Nation sich ferner kräftig entwickeln und daß durch eine billige und angemessene Vermitte­lung der in den gesellschaftlichen Klaffen bestehenden Verschiedenheiten eine ausgleichende Zufriedenheit ge» fördert werde. Wenn Ich mit einem solchen Bewußt­sein die Schwelle des neuen Jahres beruhigt über­schreiten durste, so ist doch Mein Gemüt von ernster Sorge erfüllt und Mein Vaterherz schwer bedrückt durch die betrübende Heimsuchung Meines Herrn Sohnes. In der allgemeinen Teilnahme, welche sich für den Erkrankten aller Orten zu erkenen giebt und welche auch der Magistrat zum Ausdrucke bringt, finde Ich Trost für die Mir und Meiner Gemahlin auferlegte harte Prüfung. Möge Gott bald Wandel schaffen!" DerNational-Zeitung" zufolge ist der frühere Staats- minifter in Straßburg, v. Hofmann, in den Vorstand der südwestafrikanischen Kolonialgesellschaft eingetreten. Professor Robert Koch, der Ordinarius der Hygiene an der hiesigen Universität, ist zum Generalarzt st la suite des preußischen Sanitätskorps ernannt worden. Mit Pros. Koch zählt das preußische Sanitätskorps jetzt fünf Generalärzte ä la suite: die beiden Chirurgen Prof. Bardeleben in Berlin und Pros, von Volkmann in Halle, ferner Dr. Mehlhaufen, den ärztlichen Leiter der Charite, und Dr. Struck, den vormaligen Leiter des Reichsgesundheitsamtes. Diesen ist noch Prof, von Bergmann beizugesellen, der Generalarzt ä, la suite des bayerischen Sanitätskorps ist. Von den Dozenten der Berliner Universität haben jetzt sechs den Rang eines Generalarztes: die beiden Chirurgen Prof. Bardeleben und Prof, von Bergmann, Prof, von Lauer, der Leibarzt des Kaisers, Prof. Koch, der Augenarzt Prof. Dr. Schweigger, welcher der Land- ivehr zugehört, und der Ohrenarzt Dr. Trautmann. Pros. Koch steht seit 1883 ä la suite des Sanitäts- !orps. Seit feiner Rückkehr von der Reise nach Egypten und Indien zum Studium der Cholora, seit Mai 1884, war er Oberstabsarzt 1. Klasse. Bereits früher sind un dieser Stelle die Bedingungen mitgeteilt worden, unter welchen Volksschullehrer nach beendeter Militärdienstzeit als Lazarett-Inspektoren zugelassen werden können. Dieselben Bedingungen haben sie auch zu erfüllen, wenn sie nach beendeter Militärdienstzeit zu Feldlazarett-Rendanteii ausgebildet ein möchten. Daneben haben die Lehrer jedoch die Erklärung abzugeben, daß sie imstande sind, eine Bürgschaft von 4200 Mark bar oder in sicheren Hypotheken zu stellen. Die Gesuche sind durchweg an den Bezirks > Feldwebel zu richten, worauf die

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Eriminal'Roman von Theodor Griesinger.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

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fuhr die Dame fort, als Anna Wegner Mem Befehl gemäß sich neben sie gesetzt hatte, »jetzt kk-ihle, wie es Dir ergangen ist, seit dem wir uns ivn letzten Male gesehen haben.'

- »Aber Du wirst doch eine Pension bekommen wen?" warf die Dame ein.

.Oho,' erwiderte Frau Wegner, .das ist nicht *>tl. Daß mein Mann hierher versetzt wurde, weißt »a, und wir waren darüber zufrieden^ denn die stelle hier in Wien trug mehr ein. Aber kaum hatte £ sie ein Jahr lang bekleidet, so starb er und hinter. mich alS arme Wittwe. Ja wohl, als sehr arme «ittwe, da weder er noch ich Vermögen gehabt, und Ain Vater, der gleich darauf ebenfalls von dieser abgeruseu wurde, mir auch nichts hinter ließ.

«as nun beginnen?"

»Ja, ich bin die Wally aus dem Kupferhammer,' dickte die Dame, .so gewiß Du die Anna vom St. Peter bist. Aber nun nimm einen Stuhl und setze Dich zu mir her, daß wir bequemer plaudern können.' Die jetzige Wittwe Wegner war die Tochter des «üsterS von St. Peter in Salzburg und hatte sich tor etwa zwölf Jahren an einen dortigen niederen eteuerbeamten verheiratet, welcher bald nach Wien Ersetzt wurde. Die Wally oder Walpurga aber hatte

__ °eu Kupferschmied Zehnter zum Vater, und man i Amte fix in Salzburg gewöhnlich nur die schöne Tally vom Kupferhammer. Beide, die Wally wie ie Anna, obwohl Letztere ein paar Jahre mehr zählte, Wien also ihre Jugend mit einander verlebt und toten bis vor zwölf Jahren tagtägliche Gefährtinnen toefer. Bon da an jedoch gingen ihre Wege aus- onanber, und so ist es kein Wunder, wenn die Anna Ate Jugendfreundin, die jetzt plötzlich in so verän­derter Gestalt vor sie trat, nicht mehr erkannte.

Pension?" entgegnete Anna Wegner,daß Gott erbarm! eine Gratifikation von fünfzig Gulden gab man mir, und um diese muß ich alle Jahre erneuert eiukomrnen. Tas reichte kaum zum Logis; wovon aber sollte ich mich kleiden und mich nähren? Ich versuchte eS mit Stricken und Nähen; aber wenn ich auch bis tief in die Nacht hinein arbeitete, ich wußte stets am Hungertuch nagen. Da kam ich auf den Gedanken, ein LogiSvermittelungSgeschäft anzufangen, und siehe da es glückte, denn ich brachte eS bald so weit, daß man in den verschiedenen Gasthöfen der Altstadt alle Fremden, die sich hier auf kürzere oder längere Zeit einmieten wollen, an mich wies; und die Hausbesitzer fanden eS ohnehin in ihrem Vorteil, mit anzuzeigeu, welche Logis bei ihnen leer ständen."

DaS hast Du klug angefangen, Anna," meinte die Dame,und nur Deiner Klugheit verdanke ich eS, daß ich Dich aufgefunden habe. Ich bin gestern Abend bd meiner Ankunft im Wiener Hof abgestiegen, und als ich dort davon sprach, daß ich ein Logis nche, weil ich mich ganz hier niederlassen wolle, wieS man mich an Dich als die beste Logisvermittlerin. Das Geschäft trägt Dir also ein Ordentliches'ein?" etzte sie fragend hinzu.

Nun ja, eS geht," uickte Anna Wegner;das heißt, ich könnte zur Not davon leben. Weil ich eben ern besser gelebt hätte, habe ich noch ein anderes Seschäft damit verbunden, und ich bin auch Vermitt­lerin in Geldangelegenheiten geworden."

WaS?" rief die Dame.3n Geldangelegen­heiten ? Kannst Du denn jetzt über Kapitalien ver- ügen?"

Das nicht," erklärte Anna Wegner mit einem isti-en Blicke;aber stehst Du, eS giebt in der großen Stadt gor viele Leute, welche in momentanen Geld­verlegenheiten sich nicht ander» zu helfen wiffeu, als daß sie ihre Pretiosen versetzen: von diesen vielen chämen sich aber nicht wenige, selbst in das Versatz- Ms zn gehen, und da kommen sie denn zn mir und bitten mich, g-gen ein kleines Entgelt» dies Geschäft

auf meinen Namen abzumachen. Auch brauche ich etzt nicht einmal mehr ins Leihhaus zu gehen, da ich einige reiche Damen und Herren an der Hand habe, welche gern bereit find, auf gute Faustpfänder Selb vorzustrecken; selbst Wechsel mit soliden Bürgen weiden angenommen. Doch jetzt kennst Dn meine ganze LebenSgeschichte, und hoffentlich bist Du nun eben so offenherzig gegen mich. Vor allem, wie nennt «an Dich nunmehr: denn die Wally Zehnter vom Kupferhammer hast Du offenbar hinter Dir."

»Wie man mich jetzt nennt?" fragte die Dame, 4 vornehm in ihren Sessel zurückwerfend.Hast Du denn nie etwas von meiner Verheiratung gehört?"

-Feine Silbe," versicherte Anna Wegner.Seit >em Tode meines Vaters stand ich in gar keiner Verbindung mehr mit Salzburg."

m "Aber," versetzte die Dame,des Doktors und i kofeffors Johanu Georg von Ampach erinnerst Du Dich noch? Nun der wurde mein Mann."

Was?" rief Anna Wegner.Der reiche Pro- essor von Ampach, der das Rittergut Grünfelden be- saß? Er stand zwar, glaube ich, in den Vierzigen, °ls ich Salzburg verließ, und hätte Dein Vater fein lonnen; aber, ober.... Ha, den hast Du geangelt? Da bist Du ja jetzt von Adel und kannst jährlich über Tausende gebieten. Jesus, Maria und Joseph, wer hatte da» gedacht I Und Ihr wollt also jetzt nach Wien übersiedeln?" w

3^?" fragte die Same.Wen verstehst Du unter den Ihr?"

. ..Nun natürlich Dich und Deinen Mann," er­widerte Anna.

Mein Mann ist in Salzburg zurückgeblieben; denn er liegt schon seit einem Jahr unter der Erde," war die äußerst kühle Antwort der Dame.Ich da­gegen, ich will nach Wien übersiedeln, und Gott sei s )ank, ich kannS thun, ohne daß ein Mensch das Siecht hätte, mir ein Wort dreinzusprechen. Nein, kein Mensch, und oh," setzte sie im heftigsten Tone und mit zornsplühenden Augen hinzu,wie froh bin ich,

diesem erbärmlichen Provinzueste, diesem Salzburg den Rücken zu bieten!" *

Anna Wegner horchte hoch auf, als sie diese zor­nigen Worte hörte, und natürlich hätte sie umS Leden gern gewußt, warum die schöne Stadt Salzburg auf einmal zu einem erbärmlichen Provinzneste degradiert wurde.Ja, ja," sagte fie daher, indem fie nickte, ein Provinznest war Salzburg immer."

Nicht wahr?" rief Frau Walpurga von Ampach, Yoch erfreut, daß ihre frühere Jugendfreundin ihr yeipflichtete.Ein elendes Landstädtchen istS; ein Klatschnest, wieS kein zweites gibt, wo man einem die Ehre abfchneidet, sobald man nur die Augen auf» chlägt; ein ... ein ... O ich werde giftig, wenn ich an die letzten zwei Monate zurückdenke, die ich dort verlebt habe."

Jetzt ging Frau Wegner ein Licht auf, nnd fie zwinkerte listig mit den Augen.Habs auch immer o gefunden," sagte sie,und ich wundere mich nur, daß Du es so lange dort aushalten konntest."

Und Frau Walpurga fuhr in vertraulichem Tone ott:So lange mein Mann lebte, konnten mir die dlalschschwestern nicht viel anhaben; denn er ließ nichts auf mich kommen, sie mochten ihm auch noch so viel von meinem freien Benehmen, wie fieS nannten, vor- chwatzen. Kaum aber hatte er die Augen geschloffen, o ging der Spektakel los; alles, was ich that oder unterließ, wurde bekrittelt; denn fie waren wütend, daß mir mein Mann fein ganzes Vermögen ver­wachte, das heißt die Nutznießung deffelben, da natür» ich meine beiden Kinder miterbeu und später alle» bekommen."

Dann mußt Du reich sein, meinte Anna Wegner mit einem gierigen Blicke,und jetzt begreife id>, warum Du einen Schmuck trägst, wie ihn keine Fürstin ich reicher und herrlicher wünschen kann."

(Fortsetzung folgt)