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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg

Kirchhain

Zllnstriertes^Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Jvh. Lug. Loch.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blatte-,

Feiettagen. Ouartal-AbonnementS-Prels der der Expe- wlUWUVUf sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler

dition LV.Mk., bei den Postämtern 2 Mk. SO Pfg. (exkl. , in Frankfurt a. M-, Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Y¥lH

»efteagelb). ^nfertton«flebft&r für bte gegoltene Zeile Freitag, 6. JllNUav 1888. Moffe in Frankfurta. M' Berlin,Münchenu. Köln; S. L. U" x>"yrgaNg.

10 Pfg., Reklamen für die Zecke 25 Pfg.O Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Pari».

Bestellungen auf die Oberhesfische Zeitung mit ihren Beiblättern nehmen alle Post­anstalten, auf dem Lande auch die Postboten, sowie in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) entgegen. Den Bestel­lungen wird noch der mit der Rr. 1 aus­gegebene Wand- und Schreibkalender für das Jahr 1888 beigegeben.

HM- Die Nr. 1 des Illustrierten Sonntagsblattes kommt diese Woche zur Ausgabe.

Aas Jahr 1887. n.

Tie Beziehungen zu Rußland waren von vorn­herein kühl. Tie russischen Chikanen gegen die Deutschen riesen den Rubclfeldzug hervor, den russischen Werten, die stark gesunken sind, wurde der deutsche Markt mehr und mehr versperrt, und damit war die gegen­seitige Stimmung schon keine freundliche gerade ge­worden. Dann ließ sich der Zar bei seinem monate­langen Aufenthalt am dänischen Hofe durch die eben veröffentlichten gefälfchten Schriftstücke betrügen, und wer weiß, was entstanden wäre, wenn nicht zwischen Alexander 111. und Fürst Bismarck in Berlin unter vier Augen eine gründliche Aussprache stattgefunden hätte. Der Zar persönlich ist allem Kriege abgeneigt, aber die kriegslustigen Elemente in Rußland wissen seine Verstimmung über die Hinschleppung der bulgarischen Angelegenheit trefflich auszunützen, und daraus entstand der jüngste Kriegslärm. Beigelegt ist die Differenz zwischen Rußland und Oesterreich noch keineswegs; wir müssen hoffen, daß cs im neuen Jahre gelingen wird, die Wurzel dieses Nebels, die bulgarische Frage, aus der Welt zu schaffen. Das bedenklichste Symptom der heutigen Zeit sind die auch 1887 in allen Staaten fortgesetzten Rüstungen. Wo will das hinaus? Einmal muß cs doch zur Entscheidung kommen, zur Ein­stellung der Kriegsvorbereitungen oder zum Kriege selbst.

Tie innere deutsche Politik läßt sich in wenigen, aber markanten Zügen in ihren Hauptercignissen kennzeichnen. Ter Anfang des Jahres 1887 brachte die Ablehnung des Militärseptennats, die Rcichstags- auflöjung, die stürmischste Wahlbewegung, die Deutsch­land je gesehen, und die neue Reichstagsmehrheit der Kartellparteien. Tie erste Session des neuen Rcichs-

Die Arophereihung der Zigeunerin.

Criminal-Roman von Theodor Triefing er.

(Rachdruck verboten.) (Fortsetzung)

H.

Mutter und Sohu.

Im Sommer 1837 lag das Infanterie-Regiment Baron Gollnar iu der ungarischen Freistadt Oeden- burg in Garnison, und der Inhaber und Chef des­selben kommandierte es in Person. Er war ein hoher stattlicher Mann von kriegerischem Aussehen, und seinem scharfen Ange entging kein Fehler, der im Regiment, sei eS von Seite» eines Offiziers, sei es von Seiten eines Gemeinen begangen wurde. Jeden Fehler strafte er unnach sichtlich, und ohne daß er sich irgendwie von Rücksichten auf Stand oder Familie hätte leiten lassen. Neben diesem strengen Gerechtig- kettsstnn aber besaß er auch wieder eine gewisse Milde, die wohl zwischen Leichtsinn und Schlechtigkeit, zwischen einem Vergehen und einem Verbrechen zu unterscheiden dnßt-, und diese Milde wurde von einem scharfen «erstände überwacht, so daß fie nie iu Schwäche aus- arten konnte.

Besagtes Regiment nun erhielt iu der ersten Woche «s Monats August einen starken Zuwachs, und unter diesen Neueingereihteu machte sich ein adliger Name «merklich, der Name Gottfried von Kreß, Gefreiter. Meich den Tag nach seinem Eintritt ins Regiment >ber wurde der Gefreite zum Obrist - Kommandeur kAbotev, und wie er nun über den Kaserneuhof hin- Dritt, mußte man zugebeu, daß ihm der militärische Rock ungeureiu gut stand.

»Gefreiter Kreß/ redete ihn der Obrist, als er defien Amtszimmer betreten hatte, mit ernster, fast strenger Miene au, »treten Sie näher, und sehen Sie «r ins Gesicht.»

»Zu Befehl, Herr Obrist,» sagte Gottfried von Artz und stellte sich kerzengrade, die Hand an die "Ütze gelegt, vor dem Obristen auf.

tages verlief sehr ruhig; das Seplennat wurde ohne weiteres, die Reform der Zuckersteuer und die Brannt­weinsteuer verhältnismäßig schnell angenommen. Im preußischen Landtage kam das neue Kirchengcsetz zu Stande, welches als Friedcnsgesetz mit Rom gilt. Auch iu Hessen und Baden fanden Aendernngcn der Kirchengesetzgebung statt. Sämtliche deutsche Bischofs­stühle sind wieder besetzt, den des Fürstbistums Breslau erhielt der bisherige Bischof Dr. Kopp von Fulda. Ter Papst machte besonders viel in Deutsch­land von sich reden durch die vatikanischen Noten zur Septennatstrage, und soeben wieder durch die neuste Encyclica über die Lage der katholischen Kirche in Bayern. Beendet wurde im Frühjahr die Einführung des Repctiergewehrcs in die deutsche Armee, 68000 Mann Reservisten wurden damit ausgebildet. Ein Pferdeausfuhrverbot, tvelches bestanden hatte, wurde bald wieder aufgehoben. Der Sommer gehörte meist der Auswärtigen Politik. In B yern, Sachsen und Baden fanden Landtagswahlen statt, welche nur in Bayern eine Aenderung in den bestandenen Verhält­nissen hervorriefcn. Tie bisherige Zentrumsmehrheit nahm ein Ende, aber auch die Liberalen vermochten nicht die absolute Majorität zu erringen. Die Herbst­session des Reichstages hat bereits die Annahme der Kornzollerhöhungen gebracht. In Aussicht stehen noch die Altersversorgung und das neue Wehrgesetz. Einen roten Faden durch den Lauf des Jahres bildeten die am Reichsgericht stattgehabten Landes­verratsprozesse, welche den deutlichen Beweis von der französischen Spionagesucht liefern, zu deren Leitung sich die Pariser Regierung selbst hergiebt. Aus unseren Kolonicen lag nicht viel von Belang vor. Im südwestafrikanischen Schutzgebiet sind Gold­funde gemacht, in Kamerun und Neu-Guinea sanden Strasexpeditionen statt, doch wurde die Ruhe nie ernstlich gestört. Größere Bedeutung hatte die Expe­dition gegen den deutsch-feindlichen König Malietoa von Samoa, der aber ohne Widerstand entfernt wurde. Sein Nachfolger ist der deutsch-freundliche Tamasese.

An Nationalitätenstreiten war in Oesterreich- Ungarn auch in diesem Jahre kein Mangel, besonders thaten sich die Czechen darin wieder hervor. Schließ­lich aber überwog doch die auswärtige Lage die inneren Skandale. Die Delegationen bewilligten bereitwillig große Militärvorlagen, beschlossen wurde auch die Einführung des Repetiergewehres. An ihrem Wider­stand gegen eine thätliche russische Einmischung in Bulgarien hielt die Wiener Regierung fest, bewahrte aber sonst eine sehr versöhnliche Haltung, die sich

»Wie alt find Sie?» fragte der Obrist.

»Ich wurde/ war die Antwort, »am 23. August 1809 geboren und zähle also jetzt achtundzwanzig Jahre/

»Sie haben, wie ich aus Hefen Papieren ersehe/ fuhr der Obrist fort und blätterte dabet tu einigen Scripturen, die neben ihm auf dem Pulte lagen, »eine gute Erziehung genossen und waren wohl ur. sprünglich zu etwas Anderem als zum Militär be­stimmt ?'

»Ich besuchte/ versetzte der Gefreite, »als Knabe >as Gymnasium in Ofen, wo mein Vater damals bei der Militäradministration angestellt war, und brachte es bis zur dritten Ghmuafialklaffe. Weil ich aber zu nichts Neigung hatte, als zum Militärstand, brachten mich meine Eltern im Jahre 1821 in das Militär» erziehungshaus nach Stuhlweißenburg, nnd drei Jahre päter, im Jahre 1824, kam ich iu die Kadettenschule nach Gratz. Daun im Jahre 1827 trat ich als Ka­dett beim Infanterie-Regiment Hessen-Homburg ein und garnisonierte mit diesem Regiment drei Jahre lang teils in Wien, teils in Mailand, teils in Vor­arlberg.» ,

»Es stimmt/ sagte der Obrist, der inzwischen wieder in die Papiere gesehen hatte, »nud dieser erste Anfang Ihrer militärischen Laufbahn ließ Ihre Eltern hoffen, daß Sie in wenigen Jahren Offizier sein würden. Warum ist dies anders gekommen?»

»Ich hatte Unglück, Herr Obrist/ erwiderte der Gefreite mit etwas unsicherer Stimme.

»Unglück?» sprach der Obrist noch strenger als zuvor. »Ihr Unglück bestand in Ihrer schlechten Aufführung. Hier in diesem Schriftstück/ fuhr er fort, mtt dem Finger auf eins der Papiere hin­weisend, »sind die verschiedenen Verweise und Sttafeu verzeichnet, welche Sie nach einander erhielten, und das Ende war, daß Sie Ihrer Kadetten-Charge ent. setzt und zum Gemeinen degradiert wurden. Wann geschah dies?»

,3m Jahre 1831/ versetzte Gottfried von Kreß.

auch bei den starken russischen Triippenvorfchüben gegen die galizische Grenze nicht änderte. Es wurden unter dem Vorsitz des Kaisers Franz Joseph nur die ganz unbedingt nötigen Vorsichtsmaßregeln beschlossen. In Ungarn fanden Neuwahlen statt, die dem Minister­präsidenten Tisza eine starke Mehrheit brachten. Bet unserem zweiten Bundesfreunde Italien vollzog sich eine durchgreifende Aenderung nach dem Tode des greisen Ministerpräsidenten Depretis. Crispi, der heutige Premier, brachte einen neuen, strammen Zug in die Regierung, die sich größeren Ansehens als je im Lande erfreut. Etwas peinlich wirkte im Frühjahr die völlige Vernichtung einer italienischen Militär­kolonne bei Massauah durch die abessynischen Truppen. Infolge davon ttat Crispi in das wankende Kabinett Depretis ein und ein großer Rachezug wurde be­schlossen. Em italienisches Korps von 20000 Mann ist auch nach der Küste des Roten Meeres gesandt; der Königs von Abtssynien weigerte sich, abzubitten, und nun stehen sich beide Armeen einander gegenüber. Zu harten Zusammenstößen wird es trotzdem kaum kommen. In Rom feierte zum Schluß des Jahres unter Teilnahme der ganzen Welt der Papst sein 50jähriges Priesterjilbiläum. Die verschiedentlich auf­getauchten Hoffnungen aber, es werde eine Einigung mit der italienischen Regierung über den Besitz von Rom zustande kommen, haben sich als aussichtslos erwiesen.

Aentsches Reich.

Berlin, 4. Jan. Der Kaiser empfing heute vormittag den Prinzen Georg von Oldenburg, welcher sich als dieustthuender Premicrleutnant des ersten Gardedragonerregiments meldete, arbeitete darauf mit dem Geh. Kabinettsrate v. Wilmowski und machte nachmittags eine Spazierfahrt. Die Kaiserin empfängt heute nachmittag die Gemahlinnen der Botschafter. Am Freitag findet ein größeres Diner statt, woran die Botschafter mit ihren Gemahlinnen und Attaches ieilnehmen. Nach dem Beispiel der zahlreichen Kundgebungen und Zustimmungen an Sc. König!. Hoheit den Prinzen Wilhelm ans den Rheinlanden zirkuliert auch in Berlin augenblicklich eine Dank- und Ergebenheits-Adresse an den hohen Herrn, die, wie wir hören, sich in wenigen Tagen mit zahlreichen Unterschriften bedeckt hat. Wir teilen ihren Wortlaut im folgenden mit: Ew. Königlichen Hoheit nahen sich in tiefster Ehrerbietung die treu gehorsamst unter­zeichneten Bürger Berlins mit der allerunterthänigsten Bitte, Ew. Königliche Hoheit wolle den Ausdruck unseres größten Dankes und unserer höchsten Freude

»Und warum?» fragte der Obrist.

Der Gefreite schwieg uud sah toteubleich zu Bodeu. »Warum?» wiederholte der Obrist mit funkelnden Augen.

»Ich stahl einem Kameraden die goldene Uhr/ preßte endlich Gottfried von Kreß kaum hörbar her­vor. »Aber als Entschuldigung . . . ."

»Für solche gemeine Handlung gibt eS keine Ent» schnldigung/ unterbrach ihn der Obrist mit einem vernichtenden Blick.Hunderte von Ihren Kameraden erhielten von Hause eine weit geringere Unterstützung als Sie und betrugen sich dennoch ehrenwert. Sie stahlen, weil Sie lüderliche Gewohnheiten angenommen hatten, und also mehr Geld brauchten, als sie ein­nahmen. Blieben Sie nun noch länger im Regiment Hessen-Homburg, nachdem Sie zum Gemeinen degradiert waren?»

»Nein/ erwiderte der Gefreite tief anfatmenb, »ich konnte eS dort nicht mehr aushalten, weil alles mit Fingern ans mich deutete, und erhielt die Er­laubnis, mich ins Infanterieregiment Großherzog von Baden, Obrist Graf von Lairisch, versetzen zu lassen. Dort trat ich als Gemeiner ein, brachte es aber später bis zum Korporal und wäre wohl noch weiter vor­gerückt, wenn nicht der Hauptmann meiner Kom. pagnie, der mir von Anfang an gehässig war . . .»

»Der Hauptmann/ unterbrach ihn der Obrist znm zweiten Male mit einer äußerst unwilligen Hand- beweguvg,von dem Sie sprechen, der j-tzige Major v. Kaldern, ist einer der gerechtesten und zugleich humansten Offiziere der Armee, und er sowohl als Ihr unmittelbar vorgesetzter Leutnant haben eS auf alle Weise versucht, Sie auf der richtigen Bahn zu erhalten; aber eS war alles vergeblich; denn Sie suchten stets schlechten Umgang nnd fühlten sich nur da wohl, wo eS recht lüderlich zuging. Nicht weniger als sechzehn Kompagniestrafen find in der km zen Zeit, daß Sie beim Regiment Großherzog von Baden standen, über Sie ergangen, und zuletzt, vor noch nicht sechs Wochen, mußten Sie vom Korporal zum

genehmigen, daß Ew. Königliche Hoheit und Höchstihre erlauchte Gemahlin in so hochherziger Weise die Gnade hatten, einem Werke, das sich die Mitarbeit an der sittlich-religiösen Erneuerung unseres Volkes zur Auf­gabe gemacht hat, Höchstihre Teilnahme durch Wort und That geneigtest zu bekunden. Es verbindet uns von neuem mit unauflöslichen Bauden der Treue und Anhänglichkeit mit Thron und Krone, daß das hohe Haus der Hoheuzollern in schwerer Zeit den im letzten Grunde einzigen Weg, der Thron und Altar schützen kann, in freudiger Selbftbethätigung betritt: die Kräfte des Glaubens und der Gottesfurcht wieder in die Herzen unfers teuren Volkes hineinzutragen. Es durchdringt den christlich-monarchisch gesinnten Teil des Volkes mit freudiger Begeisterung, die Einigkeit des Geistes zu bewundern, mit welcher der erlauchte Enkel gewiß im Einklang mit dem ganzen König­lichen Haufe den Wunsch des Kaiserlichen Großvaters: »Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben" zu erfüllen sucht. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß immer weitere Kreise unseres Volkes, die durch ihre Feindschaft oder Gleichgiltigkeit gegen Glaube und Kirche den segensreichen Schritt Ew. Königlichen Hoheit jetzt noch immer nicht zu würdigen vermögen, allmählich zur rechten Erkenntnis gelangen werden, daß gegenüber den Mächten des Umsturzes allein die Mächte des Glaubens siegreich das Feld behaupten können. Es ist unsere Zuversicht und unser Gebet, daß der treue Gott Ew. Königliche Hoheit und Höchstihre hochherzige Gemahlin und Ihr ganzes Königliches Haus segne und sich mit seiner Gnade zu dem Werke, zu dem Ew. Königliche Hoheit einen neuen Anstoß gegeben haben, bekenne: Zu seiner Ehre, zu unsers Herrscherhauses Heil, zu unsers Volkes Bestem! In tiefster Ehrfurcht verharren Ew. Königlichen Hoheit allerunterthänigsten rc. Sehr hochstehende Personen haben bei Audienzen in den letzten Tagen ausgesprochen, daß nach den neue­sten Berichten das Leiden des Kronprinzen doch nicht Krebs zu sein scheine. Damit stimmt eine Meldung desB. Tagebl." aus San Remo überein, wonach die Aerzte auf Grund von Untersuchungen in den letzten Tagen es für sehr wahrscheinlich halten, daß das Leiden nicht krebsartiger Natur, sondern ein seltener Fall von Knorpelhautentzüudnng sei. Graf Peter Schuwalow hat, wie nunmehr zuverlässig feststeht, hier eine politische Mission erfüllt, deren Resultat in der Veröffentlichung der gefälschten Briefe vorliegt. Die Zustimmung zur Veröffentlichung wurde russischer­seits unter der Bedingung gegeben, daß damit die Angelegenheit abgeschloffen sein solle. Weitere Mit-

©efreiten degradiert werden, weil Sie einen Geld­verleiher in empörender Weise mißhandelten. Ja, Sie hätten damals die Ströflingsjacke anziehen müssen, wenn der Mann nicht, nachdem ihn Ihre Verwandten mit Geld beschwichtigth bewogen worden wäre, seine Klage znrückzunehmen.

Der Geldverleiher/ sagte der Gefreite, als der Obrist hier einen Augenblick schwieg, um wieder in den Papieren zu blättern,hatte mich schmählich be­trogen, und im ernsten Zorn darüber . . .»

Nein," unterbrach ihn der Obrist mit verächt» lichem Blicke,sondern gerade umgekehrt, Sie wollten den Mann betrügen, und weil er sich hiergegen stemmte, gingen Sie mit dem Messer auf ihn los. Doch genug. Damals erhielten Sie den Abschied als Gefreiter, und in Ihrer Konduite heißt es wörtlich:Dem Trünke, dem Spiel, dem Faullenzen und Exceffen aller Art ergeben. Dazu händelsüchttg, jähzornig und vor keiner Handlung zurückschreckend, selbst nickt der gewaltthätigster', so daß er beständig unter ge­heimer Aufsicht gehalten werden mußte." Ein solches Zeugnis haben Sie sich während Ihrer militärischen Laufbahn verdient, und nun frage ich Sie, kann es einem Regiments Inhaber zugemutet werden, einen solchen Menschen unter feine Soldaten einzureihen?"

Herr Obrist," keuchte Gottfried von Kreß, der unter der Last der auf ihn geschleuderten Anllagerr fast zusammenbrach,ich sehe ein, daß ich schwer ge­fehlt habe; aber ich werde mir alle Mühe geben, den schlimmen Ruf, der auf mir lastet, zu veebessern und ..."

Versprechen Sie nichts," unterbrach ihn der Obrist zum dritten Male;denn es ist nur allzu wahr­scheinlich, daß Sie Ihr Versprechen nicht halten werden. Aber wissen Sie, warum ich Sie trotz allem und allem, was gegen Sie vorliegt, in mein Regiment aufnahm? Ich that eS Ihrer armen, gebeugten Mutter zur Liebe und nicht minder des Namens wegen, den Sie führen.

(Fortsetzung folgt.)