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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg M Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Koch.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Ouartal-LbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/t Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 5. Januar 1888.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Caffel, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXIII Moffe in Frankfurt a. M.. Berlin, München u. Köln; ®. g. AA11L Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

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Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung mit ihren Beiblättern nehmen alle Post­anstalten, auf dem Lande auch die Postboten, sowie in Kirchhain unsere Llgentur (Herr Buchbinder Rindt) entgegen. Den Bestel- kmgen wird noch der mit der Nr. 1 aus­gegebene Wand- und Schreibkalender für das Jahr 1888 betgegeben.

.WM" Die Nr. 1 Les Illustrierten Sonntagsblattes kommt diese Woche zur Ausgabe.

Aas Jahr 1887. i.

Lach dem Begräbnis eines berühmten und be­liebten Toten liest man in den Zeitungen nicht selten den Satz:Sie haben einen guten Mann begraben." Das kennzeichnet schlicht die tiefe Trauer des Dahin- geschieLenen. Wir haben jetzt das Jahr 1887 ins Grab gesenkt, aber in allen Lachrufen wird sich schiverlich auch nur einmal das Wort finden, das Jahr mar gut! Von müder Güte nnd froher Heiter­keit war herzlich wenig für die Allgemeinheit zu ver­spüren, -wir können am Schlüsse nur dem einen freu­digen Gedanken Ausdruck geben.: Gin Glück, daß 1887 nicht noch schlimme war, als es schon gewesenr ist, daß nicht wirklich eintrat, wovon oft genug, nur zu oft, die Rede war, der Krieg ! Unter diesen Um­ständen wollte es mit der bereits merkbaren Besserung im wirtschaftlichen Leben, üu Hmidel und Verkehr auch nur wenig vorwärts. Wir sind indeß nicht zurückgekommen, es war nur vielfach ein äußerst unbe­haglicher Stillstand. Bemerkenswert ist die That- sache indessen, daß eine allgemeine Konsolidation ein­zutreten begonnen hat, daß wir in ruhigen Zeiten auch auf bessere Zeiten rechnen können. Dazu ge­hört vor allem, daß nicht nur der Krieg fernbleibt, sondern auch die.Kriegsgerüchte.

Unser Kaiser hat viel Freude im verstossenen Jahre erfahren, aber auch manches Leid. Der erste Tag des Jahres brachte sein 80jähriges Dienstjubi- läum und mit diesem die letzte bedeutsame Kund­gebung des bald nachher erkrankten Kronprinzen. Der Kronprinz hielt als Vertreter der Armee eine hochlvichtige und ernste Friedensrede an seinen kaiser­lichen Vater, welche bei Letzterem und im ganzen

Volke freudigen Widerhall fand. Im Monat Januar wurde dem Kaiser auch der vierte Urenkel geboren. Beispiellose Ovationen brachte dem greisen Monarchen die Feier seines 90. Geburtstages, an welchem auch die Verlobung des Prinzen Heinrich von Preußen mit der Prinzessin Irene von Hessen ftattfanb. Alle Staaten der Erde hatten Vertreter zur Huldigung des Kaisers nach Berlin gesandt, es war in Wahrheit ein großer Tag und das Deutsche Volk freute sich desien von Herzen. Von wiederholten Unpäßlich- Äiten blieb der Kaiser auch in diesem Jahre nicht verschont und die Sorge des Volkes gab ihnen einen gefährlicheren Charakter, als sie ursprünglich trugen. Der Kaiser hat sich aber stets wieder erholt, und wenn er sich bei feinem Alter auch erklärlicherweise Schonung auserlegen muß, so tritt er doch körperlich und geistig gesund und rüstig in das neue Jahr. Wie gewöhnlich, wenn auch nur für kürzere Zeit, besuchte Er Ems, traf in Bregenz mit dem Prinz- Kegenten Luitpold von Bayern zusammen und hatte in Gastein die gewohnte Begrüßung mit dem Kaiser Franz Joseph, nachdem er vor Antritt dieser Sommer- Reise noch der Grundsteinlegung zum Nordostseekanal boigewohnt, sich bei derselben aber eine empfindliche Evkültung zugezogen hatte. Krankheit verhinderte auch die Reise zu den Kaisermanövern nach Königs­berg, wohin der Regent von Braunschweig, Prinz Albvecht, im Austrage des Kaisers ging; dagegen wohnte der Letztere dem Kaisermanöver in Stettin mit der Kaiserin bei. Der damals erwartete Besuch des Zaren fand erst nach der Rückkehr Kaiser Wilhelms aus Baden-Baden in Berlin statt. Der Kaiser hat sich über die verschiedenen Krankheitsfälle, die ihn betrafen, wohl leicht hinweggesetzt; ein schwerer Schlag für ihn war aber das Leiden des Kronprinzen, der nun schon so lange von der Heimat ferngehalten ist. Es war das ttübste im alten Jahre und vor allem mag auch darin 1888 eine Besserung bringen. An den deutschen Fürstenhöfen trat in diesem Jahre kein besonderes Ereignis ein. Bestärkt ist nur die An­nahme, daß die Krankheit des unglücklichen Königs Otto von Bayern unheilbar ist. Fürst Bismarck hat in diesem Jahre, in welchem er sein 25jähriges Jubiläum als preußischer Minister und Minister­präsident feierte, hin und wieder eine Mahnung des Alters verspürt, ist aber doch im großen Ganzen wohlauf geblieben. Und der Reichskanzler hatte in diesem Jahre redlich zu thun.

Das Jahr 1887 war für die deutsche Auswärtige Politik ein ungemein bewegtes, es spiegeln sich darin auch die Hauptereignifse von ganz Europa. Zu

allererst wurde aus dem Zweikaiserbündnis ein fest­gefügter Friedens-Dreibund, infolge des Hinzutretens von Italien, zur gemeinsamen Wahrung des gegen­wärtigen Besitzstandes und zur Abwehr feindlicher Angriffe. Der österreichische Minister Graf Kalnoky, der italienische Ministerpräsident Crispi waren beim Reichskanzler in Friedrichsruhe, und aus den da­maligen Konferenzen ergab sich die volle Ueberein- stimmung der drei Staatsmänner. Dieser Friedens­dreibund trug über alle Kricgsgerüchie und Kriegs­gelüste bisher erfolgreich den Sieg davon. Im Anfang des Jahres betraf der Kriegslärm Frankreich, Boulanger, damals noch Kriegsminister, dürstete nachGloire", der inzwischen vo.n Schauplatze abgetretene Revanche- Apostel Deroulede reiste in Europa umher und wie­gelte alle Deutschfeinde nach Kräften auf. Dazu kamen die verschiedenen Zwischenfälle an der Grenze, die Schnädele-Affaire rc., um die Dinge in heiklem Lichte erscheinen zu lassen. Die deutsche Reichs­regierung blieb indessen von der Schnäbele - Affaire dis zu dem traurigen Fall Kauffmann ruhig und trug der französischen Empfindlichkeit in weitgehender Weise Rechnung. In Paris that der besonnene Minister des Auswärttgen, Flourens, ebenfalls das ©einige, den europäischen Geistern ein Gegengewicht zu bieten, und so sind wir denn mit Ach und Krach durch das Jahr hindurchgekommen.

Aeatsckes Heidi.

Berlin, 3. Jan. Der Kaiser nahm heute vormittag militärische Meldungen, sowie die Verträge des Kriegsministers Bronsart von Schellendorff und des Generals von Albedyll entgegen. Heute nach­mittag empfängt der Kaiser den gestern von San Remo zurückgekehrten Major von Rabe. Der Kaiser machte um zwei Uhr, die Kaiserin um ein Uhr eine Spazierfahrt. Nachmittags um 5 Uhr findet ein Diner bei den Majestäten statt, wozu der Divisions­kommandeur Prinz Reuß, der Gras von Stolberg- Wernigerode, der Fürst von Salm-Reifferscheidt-Dyck, der Prinz von Windischgrätz, der badische Oberst Kammerherr von Gemmingen, der Generaladjutant von Loö, der Graf von Brandenburg, der General- lieutenant von Derenthall, der Hofmarschall Gras Radolinski, der Flügeladjutant von Seckendorfs, der General von Henduck, sowie die Kommandeure der Leibregimenter geladen sind. Die Kaiserin empfing gestern nachmittag den Botschafter Grafen Launay. Aus dem diesmaligen Neujahrsempfang hat der Kaiser, wie wir bereits berichtet, sich jedes näheren Eingehens auf die diplomatische Lage enthalten. Nur

ganz allgemein soll er der Hoffnung auf Erhaltung des Friedens Ausdruck gegeben haben, lieber den Empfang der Generalität berichtet dieNat.-Zeit. noch: Generalfeldmarschall Graf Moltke erschien an der Spitze der Generalität. Der Kaiser, der an seinem Arbeitstisch mit Schreiben beschäftigt, gesessen hatte, stand auf, trat den Eintretenden entgegen, und ohne den Grafen Moltke zu Worte kommen zu lassen, ries er ihm zu:Wie sind Sie in das neue Jahr hinübergekommen, lieber Moltke, schlafend oder wachend?"Geschlafen habe ich", war die Antwort Moltkes. Der Kaiser Hörle das mit Lächeln an. »Ich hoffe", fuhr er zu Moltke gewendet fort:ich hoffe, daß Sie mit dem, was in diesem Jahre dienstlich an Sie herantreten wird, zufrieden sein werden." Die Generale nahmen dann Aufstellung, es reihten sich an einander die Generale v. Blumen­thal, v. Stiehle, v. Pape, v. Waldersee, v. Henduck, dann die Divisions-Generale, deren Reihe General- Lieutenant Gras Wartensleben schloß. Der Kaiser ging die Reihe der Generale entlang, reichte jedem die Hand und richtete an ihn einige freundliche Worte. Etwas ausführlicher gestaltete sich die 'An­sprache, die der Kaiser an den General v. Henduck richtete. Derselbe war, wie jetzt verlautet, um seinen Abschied eingekommen und zur Betreibung des Ge­suches nach Berlin gekommen. Am Schluß des Ge­sprächs, das der Kaiser mit General von Henduck führte, sagte der Kaiser:Sie sind noch viel zu jung zum Abschied, ich kann Sie noch nicht entbehren." Der General von Henduck verbeugte sich schweigend. Nachdem der Kaiser die Reihe abgegangen war, stellte er sich derselben gegenüber und sagte mit er­hobener Stimme:Ich bemerke Ihnen, meine Herren, daß Ihre Hauptaufmerksamkeit in diesem Jahre die Kaiser-Manöver, welche das dritte Korps und Garde- Korps abhalten, in Anspruch nehmen werden." Diese Bemerkung wiederholte der Kaiser noch zweimal in ähnlichen Wendungen. Diese Worte machten, wie berichtet wird, auf die Versammelten den Eindruck, als wolle der Kaiser ernstliche Eventualitäten damit anweisen. Die Haltung und Stimmung, die der Kaiser bei den Empfängen zur Schau trug, wird als eine vortreffliche gerühmt. Der preußische Landtag ist durch königliche Ver­ordnung auf den 14. Januar einberufen worden. DieNordd. Allg. Zig." kann die Berliner Mitteilung eines süddeutschen Blattes, daß in gewissen Kreisen die Absicht bestanden habe, für den Fall des plötz­lichen Ablebens des Kaisers und der Verhinderung des in San Remo weilenden Kronprinzen eine Regent-

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Are prophereihuug -er Jigeunerin.

Cruninal-Roman von Theodor Griesinger.

(Rachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

.Bitte," fragte die schöne Dame, .wer ist denn die alte Fron in dem abgeschabten, schwarzen Habit?"

.Das ist," erklärte die Wirttn,trotz des abge­schabten Habits, wie Sies nennen, eine sehr hoch- achtbare Dame von b.fter, altadeliger Familie, die gnädige Frau Kricgskowmissar von Kreß, welche aber schon s it zehn Jahren int Wittwenstande lebt."

Hier?" fragte die schöne Frau.

Ja, biS jetzt Heer," verfitzte die Wirtin; .sie wird jedoch morgen nach Wien übersiedeln; denn thr Sohn, der zugleich ihr einziges Kind ist, kommt in rin Regiment nach Ungarisch - Oedenburg nahe bei Wien, und überdies hat sie auch in letzterer Stadt noch Verwandt.'

.Warum sieht sie denn aber so schrecklich herab­gekommen aus?" fragte die schöne Frau weiter.

.Warum?" meinte die Wirtin. .Mein Gott, das kann man nicht so im Handumdrehen mit ein paar Worten sagen. Vor dreißig Jahren, zur Zeit, i da der Großvater, der Feldzeugmeister von Kreß, doch am Leben war, sahs ganz anders aus; allein die Herren Söhne wirtschafteten nicht zum besten, Und den letzten Treffer, sagt man, gab dem Vermögen der Enkel, der junge Herr hier, denn Sie ja selbst Aschen haben. Kein Wunder also, wenn auf dem Teficht der alten Dame, so viel Kummer liegt und .... doch iutschuldigeu Sie, man klopft dort unten am utztcn Tis», und ich muß nachsehen, wo es fehlt."

Sie entfernte sich mit einer Verbeugung, und zu- l Weid) sah man, daß die Zetraffe sich schon stark ge- uchtet hatte, denn eS war inzwischen ziemlich spät geworden.

.Nun", fragte der Major, .wollen wir uns auch lv unser Zimmer zurückkehren, oder brechen wir roch t«er Flasche den Hals?"

Tas kommt auf Sie an, meine Gnädigste," wandte sich der alte Hofrat an die Tischgenossin neben ihm. .Ich erinnere mi» eben daran, daß wir morgen ganz früh auf den Seinen fein müssen, da die Parrie an den Wolfgangssee viel Zeit in Anspruch nimmt."

.Gut, so brechen wir auf," entschied die Dame und erhob sich von ihrem Sitze.

Eine Viertelstunde später stand die Terraffe ganz leer, und auch in den Wirtschafisröumen unten int Hotel war es ziemlich still geworden. Da erschi n noch zu später Stunde der Mann mit dem mar­tialischen Schnuribart und fetzte sich ganz allein in eine Ecke. Gleich daraus, nachdem ihm ein Kellner das verlangte Glas Wein gebracht hatte, gesellte sich die Wirtin zu ihm und fragte ihn nach dem Befinden seiner Mutter.

Danke," erwiderte der junge Manu;sie hat sich gänzlich erholt und liegt bereits in gesundem Scklafe. Aber können Sie mir nicht sagen, wohin die Zigeuner gekommen sind, welche auf der Terrasse Musik machten? Ich habe sie bereits überall gesucht; aber kein Mensch vermochte mir Auskunft zu geben. Und doch liegt mir viel daran, sie ausfindig zu machen; denn diese braune Dirne, welibe die Wahrsagerin spielte, muß notwendiger Weise Konnexionen höherer Art haben, sonst könnte sie nicht in Dinge eingeweiht fein, die weit über ihrem Horizont liegen."

.GlaubS nichts, Herr von Kreß," erwiderte die Mrtin.In meinem Hause wenigstens find die zwei Burschen, welche die Violine so meisterlich handhabten, noch nie gewesen, und auch das Mädchen, ihre Schwester, ah ich heute znm erstenmal."

Ich sage Ihnen aber," verficherte der junge Mann I wchst ärgerlich,die braune Hexe hat mir aus meiner Vergangenheit.... und und," verdefferte er sich biir selbst,auch der schönen Dame am nächsten Tische, wissen Sie der Dame, die mit drei älteren Her en zusammensaß, scheint fie unter dem Titel der Wahrsagerei Eröffnungen gemacht zu haben, welche dieselbe höchst unangenehm berührten. Die Worte

konnte ich freilich nicht verstehen, aber den Eindruck sah ich. Doch weil ich gerade bei diesem Kapitel angekommen bin, wer ist denn diese Same? Sie lo­giert, wie es scheint, mit ihren drei Begleitern bei Ihnen, und es wird wohl kein Staatsgeheimnis ...."

Staatsgeheimnis?" unterbrach ihn die Wirtin lachend.Wo denken Sie hin, Herr von Kreß. Die Dame, nach der Sie fragen, ist die gnädige Frau von Ampach auf Gcünfelden und hat ihreu Wohnsitz in der Stadt Salzburg."

Auf Grünfelden," wiederholte der junge Mann; dieser Beiname deutet wohl auf adligen Besitz hin?"

Gewiß," erwiderte die Wirtin.Es ist ein Gut, das schon lange in den B-sitz derer von Ampach über­ging, und der Gemahl der Dame hat es noch be­deutend vergrößert."

Ah," sagte der junge Mann, etwas enttäuscht, wie es schien,die Dame tat einen Gemahl?"

Sagen Sie lieber, sie hatte einen solchen," ver- bessert- die Wirtin;er segnete vor etwa sechs Wochen das Zeitliche. Es war der Toklor von Ampach, der zugleich ein Professorat an der Schule für Landärzt- vekleidete, ein sehr geschickter Herr und grundbrav, >en ich besonders hochschätzte. Auch besaß er außer feinem großen Gute noch sonst bedeutende Reichtümer, und seine ärmeren Patienten hatten hiervon den Hauptgenuß."

Wie karns denn," wollte der junge Mann weiter wiffen,daß der Herr Doklor so frühe wegstarb?"

So frühe?" sagte die Wirtin, indem sie den jungen Mann verwundert ansah.Ja so, Sie wissen es nicht, daß der Doktor den Sechzigen nahe war, als er von dieser Welt abberufen wurde."

Ab, ah l" erwiderte der junge Mann,j tzt ist mir alles klar. Er uar dovpelt so alt, als sein Frau, und deshalb scheint sie ihn auch nicht besonders heftig zu betrauern. Hat sie seine Reichtümer geerbt ?"

3* denke wohl," meinte die Wirtin.Das beißt mit den beid n Kindern, welche der Ehe ent- prossen find. Aber Sie fragen mich in der That

allzu genau aus, Herr von Kreß, und so denke ich, wollen wir hier abbrechen."

Nur eins," versetzte der junge Manu, den die Zurechtweisung der Wirtin keineswegs zu verletzen chien.Wie kommts denn, daß die junge, schöne Fran sich in Begleitung jener drei Herren befindet; ollte sie vielleicht einen derselben zum Nachfolger ihres verstorbenen. . ."

Ho, ha, ha," lachte die Wirtin laut auf, nehmen Sie mirs nicht übel, aber da muß ich lachen. Doch will ich Ihnen auch noch diese Frage beantworten. Sehen Sie, der verstorbene Herr Professor von Am« Vach hat mein Haus in den letzten zvanzig Jahren jeden Sommer mit seinem Besuche beehrt, um sich von seinen anstrengenden Geschäften einige Wochen Erholung zu gönnen, und jedesmal kamen seine drei besten Freunde mit ihm, nämlich der Herr Hofrat von Haganini, der Herr Syndicus Breitmann und der pensionierte Herr 3J?ajo von Hillern. Das sind die drei Herren, die Sie heute Abend gesehen haben, und sie bildeten, so zu sagen, ein vierblätteriges Kleeblatt. Auch wurde das nicht anders, als der Herr Professor vor etwa zehn Jahren heiratete, sondern im Gegenteil, feine unge Frau kam jetzt ebenfalls mit und trug nicht wenig zur Erheittrug der Gesellschaft bei. Sollten nun die drei Herren nach dem Tode ihres Freundes ihre alte G-- wolmheil aufgebeu? Das wäre doch eine allzustai ke Zu­mutung gewesen, und tben so wenig wird man es nach meiner Ansicht der Fran von Ampach, der Wistwe des verstorbeneu Professors, verübeln können, wenn sie inGe- cllschaft der drei väterlichen Freunde ein wenigErholung uckt. So, Herr von Kreß. jetzt wissen Sie alles, was ich elbst weiß; aber nun muß ich gehen. Bleiben Sie," setzte e dann noch, ausstehend, hinzu,mit Ihrer Frau Mutter morgen noch hier, oder ist die Abreise...."

Fest und unabänderlich bischlossen," fiel ihr der junge Mann in die Rede.Ich muß in den nächsten Tagen schon in mein neues Regiment eintreten rind Hube also bereits heute Mittag zwei Plätze nach Wien auf dem Eilwagen belegt." (Forts, folgt.)