Illustriertes Sonntagsblatt.
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Da» ganze Dorf war erstaunt über Nellys Schönheit, Anmuth, Bildung und Bescheidenheit, denn anstatt da» vornehme Fräulein zu spielen, wie man geglaubt, war fie so zuvorkommend, sanft und freundlich gegen Jedermann, daß man gar nicht daran dachte, die seidenen Bänder ihre» Hute» oder den zu großen Luxus an ihrer sonstigen Kleidung höhnisch zu kritisieren.
Als fie ihr Großvater mit vor Freude und Stolz feuchten Augen in seine Behausung führte, sagte er:
.Nelly, die» Hau», mit allem was darin ist, ge- hört Dir; ich schenke eS Dir und behalte mir nur ein kleines Plätzchen für mich und Meine Netze vor. Du bist unumschränkte Herrin hier; Do kauuft hier ganz nach Deinem Belieben schalte» uud walten, vor. ausgesetzt, daß ich Dich immer hier oben aus dem Damme sehe, wenn ich vom Fischfang zurück komme, und vorausgesetzt, daß Du wir täglich bei meinem Weggange eine glückliche Reise wünschest; mehr verlange ich nicht. Ich will nicht, daß Du im Meere arbeitest, deuu daS Master würde Deine schönen Hände verderben, der Wind Deine» HalS röte» und die Sonne Deine weiße Haut bräunen. So lange ich noch Kraft genug habe, meine Barke zu lenke» und mein Netz anSzuwerfe», soll eS Dir an nichts mangel»... und Gott sei Dank, ich habe noch kräftige Beine und werde Dir auch wohl ein hübsches baareS Sümmchen dereinst hinterlasse», und bann, nun — dann wirst Du wohl auch einen passenden Gatten finden, aber daS hat ja noch lange Zeit.'
Statt aller Antwort warf fich Nelly weinend an de» Hals des guten, alten Großvaters und versprach ihm, alle seine Wünsche zu befolgen.
Wie ein herrlicher Sonnenschein erhellte und erwärmte Nelly den Lebensabend des wackeren Greises.
♦ ♦
Neben dem Dorfe Winda lag ei» Schloßgut, welches einem alten, ehemalige» Major von Rott- man» gehörte. Major von Rottmaun galt für sehr reich, war Wittwer und bewohnte mit seinem einzigen Sohne das alte Schloß, desse» Park bis hinab reichte
ans Meer. Der Major hatte, wie man zu sagen pflegt, nicht gerade das Pulver erfunden, doch hatte er von seinen Feldzügen einige Wunden, mehrere Orden und eine'tiefe Verehrung für seinen König mitgcbracht. Der Major war sonst ein Sonderling. Er lebte nur seine» militärischen Erinnerung n und spielte seine» Sohne und seiner Dienerschaft gegenüber den unumschränkten Herrn.
Sein Sohu Ernst war gegenwärtig neunzehn Jahre alt, aber im Charakter nnd Aussehen das gerade Gegenteil von seinem Vater. Gust war schüchtern uud schweigsam und geriet bei jeder Anrede gleich in Verlegenheit.
Der alte Major hatte schon die größten Anstrengungen gemawt, um diesem .flauen Wesen" seines Sohnes, tote er sich ausdiückte, etwas Energie zu geben; alleiu die etwas zu martialischen Mittel, welche der Major zu diesem Zwecke anwendete, dienten nur dazu, den junge» Man« womöglich noch scheuer zu mache».
Den» als der Major umsonst alle möglichen Er. Mahnungen, Schimpfwörter und selbst Strafe» er. schöpft hotte, ergab er sich darein, seine» Sohn als einen Dummkopf zu bettachten und sich nicht mehr mit ihm zu beschäftigen. Soldat wollte Ernst unter keinen Umständen werden, sondern Künstler oder Ge- lehrter, wozu wieder sein Vater seine Einwilligung versagte. Armer Junge. Warum hatte er doch seine Mutter so früh verliere» muffen? Die Mutter allein hätte ihn verstehen können!
Ernst liebte sehr die Eivsamkett; er ging alle Tage stundenlang am Sttande spazieren, starrte dort stumm die Wellen, den Himmel und die Sonne an oder zählte aus lieber langer Weile die Eindrücke seiner Schuhe im Sande.
Sein Vater ließ ihm jetzt alle Freihett, wenn et nur zur Tisch- und Schlafenszeit pünktlich war; denn als alter Militär war der Major iu diesem Punkte unerbittlich streng.
Auf seinen täglichen Spaziergängen begegnete Ernst
sei ein Band mehr zwischen meinen Landsleuten und mir entstanden, welches mir beweist, daß ein größeres Vertrauen, als ich für möglich hielt, auf mich gesetzt wird. Gebe Gott, daß mir noch Gelegenheit geboten wird, mich dessen würdig zu erweisen!" — Nach dem rauhen Wetter der vorigen Woche herrscht jetzt wieder milde Luft, der Kronprinz hat deshalb seine schmerzlich entbehrten Spaziergänge und Ausfahrten wieder ausgenommen. Die Kronprinzessin ist ganz wohlauf. Sonnabend abend war die kronprinzeßliche Familie mit ihrer ganzen Umgebung um den brennenden Christbaum versammelt. Der Kronprinz war die gute Laune und Munterkeit selbst. Das Befinden ist fortwährend befriedigend, die örtlichen Erscheinungen sind verhältnismäßig günstig, die Wucherung geht zurück und scheint zu vernarben. Mitte der Woche trifft Mackenzie aus Algier wieder in San Remo ein. Ueber die Abreise des Kronprinzen aus San Remo ist selbstverständlich noch gar nichts bestimmt und kann auch noch nichts bestimmt werden. — Die Kron Prinzessin fand in San Remo Gelegenheit zu einer humanen That, welche besonders in der italienischen Bevölkerung viel von sich reden macht. Zwei Knaben waren beim Klettern von einer Gartenmauer an der Landstraße herabgestü^t und hatten sich die Köpfe blutig geschlagen. Die hohe Fran, welche gerade des Weges kam, ließ dieselben, denen zuerst der Polizeiwachtmeister Weinert bei- sprang, in die nahe Villa Zirio bringen und rief persönlich den Dr. Horell zur ärztlichen Hilfeleistung herbei. Ein paar den unfreiwilligen Kletterern verabreichte Silbermünzen stillten zwar rasch Thränen und Klagen, veranlaßte aber lebhafte Vorstellungen des italienischen Schutzmannes, welcher voraussah, daß ähnliche Unfälle wie Pilze aus der Erde hervor- schießen würden.
— Ueber den russischen Mobilisierungsaufmarsch schreibt die „Kreuz-Ztg.": Von der Linie St. Petersburg-Moskau-Charkow nach Osten ist das russische Reich fast entblößt von Garnisonen, während im Westen die Truppen das Land förmlich überschwemmen. Fern davon, die Leser mit Zahlen ermüden zu wollen, mögen nur in kurzer Skizze die Bezirke der russischen General-Kommandos aufgezählt werden, welche je eine Truppenkraft von 44 450 Mann erster Kriegsbereitschaft darstellen. Solche Korps - Kommandos existieren: in erster Linie in den Bezirken: Riga, Kowno, Plozk-Lomsha, Petrokow-Warschan, Iwangorod- Lublin, Rowno-Shiomir, Kiew-Meskibushje, Kischinew (8 Korps); in zweiter Linie Bjakostock - Minsk, Tschernigow-Orel, Charkow-Pollawa (3 Korps); in
Nelly.
Erzählung von Th. von Aschenberg.
(Nachdruck verboten.)
Winda war eins der zahlreiche» Dörschen au der Nordsee, die fast nur von armen Fischern vnd zuweilen von reichen Leuten, die fich hier am Strande deS MeereS Erholung suchen, bewohnt werden.
Am Ende dieses Dörfchens nun, am Fuße eines hohen Dammes, gegen den brausend die Wogen des Meeres schlugen, und weit von jeder andern Wohnung, stand eins jener niedlichen, weißen Häuschen, welche avßer dem Fahrzeug und den Netzen gewöhnlich die ganze Habe einer Fischerfamilie bilden.
r Dieses Händchen war von dem alten Mathias dewohut, dem ältesten Fischer des Dorfe», der in der ganzen Umgegend wegen seines rauhen und sonderbaren Wesens bekannt war.
Der alte Mathias hatte in diesen Tagen fein Häuschen neu Herrichten und die wenigen Zimmer deffrlben neu mödliren lasten und dabei fast alles ; ausgegeben, was er seit dreißig Jahren mühsam zu- sammengespart hatte. Wenn ihn dann einige Vettern ^oder Basen über diesen übertriebenen LnxuS zur Rede stellten, so antwortete er gleichmütig:
»Ihr wißt wohl, daß man einen Engel nicht in einem Stalle einlogirt, und mein guter Engel wird in wenigen Tagen zurückkommen."
Der Engel deS alten Mathis war ei» blondes, reizende» Mädchen vou fiebzehu Jahre», Namen» N-llv. Nelly hatte bereits im achten Jahre ihre Elter» durch de» Tod verloren, und ihr Großvater, der alte Mathias hatte ihre Erziehung übernommen, und sie später ht ein Institut nach Hamburg geschickt. Denn der alte Mathias wollte die schöne nnb begabte EokeUn zu etwa» Besonderem erziehen. Er selbst legte sich die härteste» Cutbehrungen auf, um mehrere Jahre ben Pensionspreis für Nelly zahlen zu könne».
Einige Tage später kam wirklich Nelly aus ber Pension nach einer breijährige» Abwesenheit zurück.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Dez. Der Kaiser nahm heute mittag ben Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, Generals vou Albedyll entgegen und machte um 2 Uhr eine Spazierfahrt. Um 4 Uhr findet Diner für die Hofstaaten und die Adjutanten statt, woran sich bie Bescheerung für dieselben anreiht. Um 8 Uhr ist Theegesellschaft und Bescheerung für die hier anwesenden Mitglieder der königlichen Familie. — Wie der „Reichs-Anz." meldet Hal ber Kaiser ben Staatssekretär Grafen Herbert Bismarck zum wirklichen Geheimen Rat mit bem Prädikat „Exzellenz" ernannt. — Die Wiederausfrischung der vorjährigen Erklärung Kalnokys (f. unten Artikel Wien) über Oesterreichs Haltung in der bulgarischen Frage, wird hier zwar als ein Beweis aufgefaßt, daß Oesterreich an der Autonomie Bulgariens sesthalte, sich aber für die durch die Thronbesteigung des Koburgers geschaffene Situation nicht engagiert erachte. Die
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Marburg,
Mittwoch, 28. Dezember 1887,
Äbomtement-Eiitladung.
Zum bevorstehenden Quartalswechsel ersuchen wir um rechtzeitige Erneuerung der Postbestellungen aus die
O-erheffische Zeitung
mit bereit Beiblättern
Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhai« und
Illustriertes Sonntagsblatt
Wir machen noch darauf aufmerksam, daß mit der Nummer 1 des künftigen Jahres ein schön gedruckter doppelseitiger
Wand- und Schreibkaleuder
für das Jahr 1888
mit mannigfachen Notizen gratis ausgegeben wird. Damit diese Nummer allen Abonnenten rechtzeitig zugeht, beliebe man vor dem 28. Dezember die Bestellung zu machen.
Zn hiesiger Stadt bei unserer Expedition, wie bei unserer Agentur in Kirchhain Kinn auch monatlich abonniert werden.
manchmal Nelly, bet schöne» Tochter des allen Mathias. Das junge Mädchen, welche» wohl wußte, daß der junge Mann bet Sohn beS Schloßhettn sei, grüßte bet jeher Begegnung ihn höflich; aber bet arme Ernst wagte kaum, btefen Gruß zu ertoibern und raunte scheu baten.
„O, dieser junge Mensch,* dachte Nelly bet sich, indem sie ihm uachsah, »sieht a»8, als ob er ein Verbrechen begangen, ober recht unglücklich wäre — ja, unglücklich muß er fein, bas istS —* unb ihre große» bunten Augen umwölkten sich — „er stehl so sanft auS, so traurig! Ich glaube gewiß, daß er mit niemand spricht, weil er einen großen Kummer hat, ben er nientanb sehen lassen will.'
Eine» Abenb jedoch sah sich Ernst genötigt, Nelly anzureden. Diese hatte sich beim Spazierengehen am MeereSnfer ben Fuß vertreten, konnte vor Schmerz keinen einzigen Schritt gehen unb hatte fich bei herein- brechender Nacht weinend ans einen Sandhügel gesetzt mit Wehmut des guten Großvaters gedenkend, ber fie heute Abenb umsonst erwarten würde.
Auf einmal ward Nelly etwa zwanzig Schritte seitwärts von ihrem Sitze den jungen Schloßherm gewahr, ben fein Spaziergang in diese Gegend geführt hatte, und Nelly beschloß, den jungen Mann um Hilfe anzngehen.
„Herr von Rottwann," rief fie schüchtern.
„Wer ruft mich?* antwortete erschrocken der junge Man».
„Ich, gnädiger Herr, Nelly, die Enkelin deS alten Mathias, die fich den Fuß vertreten hat und Sie nun bitten möchte, fie nach Hanse zu führe», da fie nicht allein gehen kann."
Ernst war in der letzten Zeit von seinem Vater zn so steter Unthätigkett verurteilt, er war so sehr gewohnt, nur eine Null in seiner Umgebung zu fein daß er fich ganz stolz fühtte, vou Jemanden um einen Dienst angesprochen zu sein. Er näherte fich dem jungen Mädchen, daS bei seinem Nahen aufgestanden war und bot ihr schüchtern mit niedergeschlagenen
ässe.
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3 Unfall.
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die WethnachlSbescheerung statt, am Sonntag Vormittag hielt ber Oberhofprediger Dr. Kögel Gottesdienst. Nachmittags war Famtlienlafel. Am Montag erschienen die Zöglinge des Kaiserin - Augusta - Instituts wie alljährlich im Palais, wo die Kaiserin ihnen eine Weihnachtsbescheerung bereitete. Der Kaiser empfing in den Festtagen u. a. den Feldmarschall Gras Moltke.
— Die wahrhaft erfreulichen Nachrichten, die zum Weihnachtsfeste eingelaufen sind, kamen aus San Remo und besagen, daß die seltene körperliche Kraft in Verbindung mit der heitern Ruhe des Gemütes, wie nur die edelste Seelengröße sie verleiht, unfern teuren Kronprinzen zur Zeit völlig Herr über seine Krankheit haben werden lassen. Das gibt Be- rechttgung, zu hoffen, daß die Tage des geliebten Mannes noch ungezählt sind, unb baß seinem Wunsche entsprechenb ihm noch reichlich Gelegenheit unb Kraft Vorbehalten ist, zu zeigen, wie würdig er des unbeschränkten Vertrauens ist, welches in frohen tote in schweren Tagen das deutsche Volk auf ihn gesetzt hat und worin es unentwegt beharrt. — Am Sonnabend machte der Kronprinz wieder einen Spaziergang. — Gelegentlich einer von der großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland erbetenen Entscheidung hat der Kronprinz an die große Landesloge nachstehendes eigenhändiges Schreiben gerichtet: „Gleichzeitig spreche ich Ihnen, dem Landes-Großmeister, den übrigen Unterzeichneten, sowie den Brüdern meinen aufrichtigen Dank für die mir ausgesprochene Teilnahme an meiner Erkrankung, ebenso aber auch für die freubige Kundgebung angesichts der eingetretenen günstigen Wendung in meinem Befinden hiermit aus." — Aus Karlsruhe wird gemeldet: Den Kammermitgliedern ging durch den Staatsminister ein Handschreiben des Großherzogs zu, worin er anzeigt, baß er dem Kronprinzen ben Ausdruck der Teilnahme des Landtages übermittelt habe. Die Kundgebung habe den Kronprinzen tief gerührt. Bei ber zur Zeit fühlbaren Besserung glaubte ber Kronprinz hoffen zu dürfen, mit Gottes Hülfe dereinst noch die Kraft wieder zu finden, um seine Pflichten dem Vaterlande gegenüber erfüllen zu können. Dann heißt es in bem Schreiben des Kronprinzen: „Ich setze mein Vertrauen auf Den, ber unsere Geschicke in Hänbeu hält, ber sich uns sv häufig gnädig erwies, wenn wir uns von Gefahren umgeben wußten. Wenn aber etwas Irdisches im Stande ist mich aufzurichten und mir wohlzuthun, so ist es die allgemeine Teilnahme, welche mit bas gesamte Vaterland zu erkennen gab. Nie werde ich dies vergessen. Mir ist zu Mute, als
Aesang- s Hotel
WöchentlichkBeilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg Md Kirchhain
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck nnd »erlag von Joh. Ang. Koch.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M-, Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXll. Iahraana. Moffe in Frankfurt a.M , Berlin, München n. Köln; G-L. Umgang,
Daube u. Go. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Bari«.
„Nordd. Allg. Ztg." übernimmt dagegen das Dementi des Wiener „Fremdenblatt" gegen die Nachricht der „Times", daß eine Note des Fürsten Bismarck die Kriegsunruhe in Wien hervorgerufen habe. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt im übrigen heute nur: „Zur politischen Gesamtlage finden sich in den Wiener Journalen unb Meldungen weiter keine belangreichen Momente. Was namentlich polnische Blätter, insonderheit des „Czas", über eine angeblich beabsichtigte Mission des Erzherzogs Karl Ludwig zu erzählen wissen, ist ebenso, wie anberroeite Angaben über eine Vermittlung, welche ein anderes Mitglied des Kaiserhauses auf sich genommen haben soll, zu sehr ber Bestätigung bebürftig, um näher gewürdigt zu werben." Ans Petersburg wird ber „Voss. Ztg." unterm 21. b. Mts. geschrieben: „Welche Absichten auch das Ausland der russischen Regierung zuschreiben mag, wir bleiben ber Meinung, daß der Zar an einen Angriffskrieg nicht denkt unb webet durch Chauvinisten noch Panslavisten sich zu thm wird drängen lasten. Aus diesem Grunde wirb ber Zat sich wahrscheinlich mit ber Verjagung des Koburgers zufrieden geben unb in etwaige annehmbare Vorschläge Oesterreichs willigen, ohne bie verwickelte politische Sachlage butch eine Forderung betreffs Bosniens unb ber Herzegowina abermals zu erschweren." Dan» wirb in ber Korrespondenz auseinandergesetzt, baß angesichts des wachsenden russischen Nattonalgefühls die Zukunft allerdings dunkel sei. „Das zunehmende nationale Bewußtsein der russischen Gesellschaft läßt es fraglich erscheinen, ob Rußland sich je mit ben Ergebnissen bes Berliner Vertrags versöhnt unb zwar zu ber thatsächlich schon erfolgten Einschmelzung Bosniens unb ber Herzegowina seine Zustimmung giebt. Heute kann Rußland an einen Angriff nicht denken. Es muß noch geraume Zeit rüsten, es braucht Geld und Ruhe im Innern." — Die Reise Lord Churchills soll jetzt plötzlich doch einen politischen Zweck haben. Die „Post" läßt sich nämlich aus London depeschieren: „Lord Randolph Churchill bringt nach Petersburg einen politischen Auftrag des Lord Salisbury, Lord Churchill ein privates Schreiben ber Prinzessin von Wales an bie Kaiserin von Rußland." Die Bestätigung dieser Mitteilung bleibt wohl abzuwarten.
— 26. Dez. Der Kaiser und dieKaiserin erschienen in den letzten Tagen wiederholt gemeinsam am Palaisfenster unb wurden mit stürmischem Jubel begrüßt. Bei dem herrschenden trockenen Wetter unternahmen beide Majestäten tägliche Ausfahrten. Am Sonnabend abenb fanb im kaiserlichen Palais
Erscheint täglich außer an Werttagen nach Eonn» und Feiertagen. — Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 2% Mk., bei den Postämtern 2 Mk- 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebüdr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
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