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Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

M 295.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2*/t Mi , bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg-, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 17. Dezember 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Caffel, -Magdeburg u. Wien: Rudolf XXII 'Moffe in Frankfurt». M.,Berlin,Münchenu. Köln; G L. AA11 Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

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Berlin, 15. Dez. Der Kaiser empfing heute -en Vortrag des Chefs des Militärkabmctks, Gene­rals von Albedyll, und machte nachmittags eine Spaziersahrt. Die badischen Herrschaften beabsichtigen, morgen nach Karlsruhe zurückzureisen. Der9?at.= Ztg " zufolge wurde gestern abend in hiesigen Kreisen, welche direkte Beziehungen zu dem kronprinzlichen Hofe haben, versichert, daß keine ungünstigen Nach­richten aus San Remo eingetroffen sind. Der Reichs-Anz." bringt folgendes Bulletin der Ärzte Doktoren Schrader, ©raufe und Mc. Howell aus San Remo vom 15. Dezember früh:In den letzten Wochen haben sich die entzündlichen Erscheinungen im Kehlkopfe des Kronprinzen völlig zurückgebildet, die Geschwulst selbst zeigt sich an der Oberfläche teils benarbt, teils mit flachen, ein wenig zur Ausbreitung neigenden Wucherungen bedeckt. Das Allgemeinbe­finden des Kronprinzen ist ungestört." Der Bundes­rat hat in seiner heutigen Plenarsitzung den AuS- schußanträgen betreffend die Verlängerung der Gil- ügkeit des Sozialisten - Gesetzes, sowie betreffend den Entwurf eines Gesetzes über den Erlaß der Witwen- und Waisengeld-Beiträge von Angehörigen der Zivil- perwattung, des Reichsheeres und der Marine seine Zustimmung erteilt.

Wie vor fünf Jahren, so fft Sr. Majestät dem Kaiser und Könige auch jetzt von dem Justiz­minister ein Bericht über die Justizverwaltung und Rechtspflege in Preußen erstattet worden, welcher sich über die Jahre 1882 bis 1887 erstreckt. Am Grund dieses Berichts ist an den Herrn Justizminister folgende Allerhöchste Kabinetsordre ergangen:Der Bericht, welcher Mir von Ihnen unterm 27. v. M. über den Zustand der Justizverwaltung und der Rechts­pflege in Meinen Landen während der letzten fünf Jahre erstattet worden ist, hat Mein Interesse in hohem Maße in Anspruch genommen. Das umfassende Material hat Mir reichen Anlaß zu Meiner Befrie­digung gegeben; Ich beschränke Mich darauf, folgende Angelegenheiten, welche Meine Aufmerksamkeit gefesselt haben, hervorzuheben. Mit besonderer Freude habe Ich ersehen, daß die durch die Regierungsgesetzgebung hervorgeruseue Justizorganisation sich im Volke ein­lebt und iw Großen und Ganzen sich bewährt. Ein­zelne Mängel, wie dergleichen namentlich bei dem Verfahren sich fühlbar machen, werden, wie Ich vertraue, an der Hand längerer Erfahrung zweckent­sprechend gehoben werden. Angenehm hat Mich die Mitteilung über die günstige Wirkung berührt,

Ritter -er Maske.

Novelle von Antonie Haupt.

(Nachdruck verboten.) lFortsetzung.)

Der Herr Professor zu sprechens"

Der Herr Professor ist auf unbestimmte Zeit verreist," war die wenig tröstliche Antwort.

Könnte ich von Ihnen vielleicht seine Adresse erfahrens"

Bcdaure, damit nicht dienen zu können. Wenn der Herr aber wünscht, so will ich ihn dem Fräulein melde«, das ihm darüber Auskunft geben kann."

Ein kalter Schauer durchrieselte Heinrich, doch Mst dem Mot der Verzweiflung überreichte er seine Karte:So melden Sie mich Fräulein Werner."

Der freundliche alte Mann öffnete ihm hierauf ein reich ausgestattetes Empfangszimmer, bat ihn bann, Platz zu nehmen und entfernte sich.

Tannhausen kam sich vor wie der Märchenprinz im verzauberten Schlosse; eS war ihm, als muffe er etwas ganz besonderes in dem alten Hause erleben. 6t hatte Muße genug, seiner Phantasie freien Laus in lassen, denn es verstrich eine gute Viertelstuode, vhne daß die Totenstille, die ihn nmgab, durch irgend kür Geräusch unterbrochen worden wäre. Endlich vernahm er wieder die schlürfenden Schritte.

Das Fränleiu läßt bsttev, sich zu ihr herauf in He Bibliothek zu bemühen, wo sie gerade beschäftigt m." meldete der Bediente; dabei zuckte es so eigen­tümlich in seinen Mundwinkeln, als ob er nur mit Mühe einen Ausbruch der Hesterkeit bekämpfe.

Heinrich folgte dem alten Manne die bretie veinerne Treppe hinauf, an deren Fuß zwei gehar- ürschte Ritter aus der Zopfzeit ihn höhnisch angriusten.

Oben öffnete sich eine Reihe von Sälen vor ihm, bereu reicher Inhalt den jungen Gelehrten erst staunend tirige Momente auf die Schwelle bannte. Der Kunst- wrn und gute Geschmack des alten Herr» hatten hier ie auserlesenste Antikensawmlung vereinigt. Kostbare

welche die neuere Gesetzgebung auf die Unter­stützung der wirtschaftlichen Bedürfnisse, insbesondere im Immobilien - Subhastations- und Konkurswesen gehabt hat, wie Ich denn auch mit Genugthuung das Bestreben begrüßt habe, dem Realkredit im Gebiete des rheinischen Rechts unter Beachtung der guten alt-preußischen Grundlage eine zuverlässige Sicherheit zu gewähren. Ohne Zweifel hat die Einrichtung, daß die Kassenoerwaltung den Steuerbehörden abge- nommen und wiederum den Gerichten übertragen worden, einem in der Praxis schwer empfundenen Ucbelstande wirksam abgeholfen und bei allen Be­teiligten Zufriedenheit hervorgerufen. Der bessernden Gestaltung des Gefängniswesens kann Ich Meinen Beisall nicht versagen. Es hat Mich mit dankender Befriedigung erfüllt, daß in allen Zweigen Ihres Ressorts ein nachhaltiges Fortschreiten, den Zielen der Justizverwaltung gerecht zu werden, bemerkbar ist. Die günstigen Ergebnisse, von denen Ihr Bericht Zeugnis giebt, hat nur durch die pflichttreue uner­müdliche Diensterfüllung des gesamten zur Verwal­tung wie zur Rechtspflege berufenen Personals er­reicht werden können. Mir selbst gewährt es die größte Freude, Meine Anerkennung hierüber auszu- sprechen. Im Uebrigen will es mir wünschenswert erscheinen, daß, wie der Bericht vom 31. Januar 1882, so auch der vorliegende durch Veröffentlichung zur Kenntnis aller gebrachtwerde, welche für unser Justizwesen Teilnahme hegen. Ich will Ihnen in dieser Beziehung das Weitere überlassen, (gez.) Wilhelm.

Braunschweig, 15. Dez. Der Prinzregent hat heute die Landesversammlnng mit einer Thronrede eröffnet, welche in erster Stelle des Ernstes der Zeit und namentlich des Leidens Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit des Kronprinzen gedenkt. Die finanzielle Lage des Herzogtums sei trotz der namentlich für das höhere Schulwesen gesteigerten Ausgaben eine günstige. Än Stelle der bisherigen dreijährigen Finanzperioden sollen künftig zweijährige Finanzperioden eingeführt werden.

Leipzig, 15. Dez. In dem Hochverratsprozesse Cabannes beantragte Reichsanwalt Galle gegen den Angeklagten wegen Bestechung, Landesverrats und Beseitigung amtlicher Urkunden, letztere in idealem Zusammenhänge mit Diebstahl, eine zwölfjährige Zucht­hausstrafe, eintausend Mark Geldstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren.

Karlsruhe, 15. Dez. Die kirchenpolitische Kommission der zweiten Kammer hat sich nach kurzer, vorläufiger Beratung bis zum 16. Januar vertagt.

Originalgemälde alter Meister schmückten die Wände wahrend ganz« Btldaltäre, Skulpturen, Mosaiken, Säulen und Grabsteine geschmackvoll geordnet umher« standen und lagen. Der zweite Saal umschloß eine wertvolle Münz- und Waffenzusammenstellung, die iu nächtigen, altertümlichen Glasschränken sorgsam auf« rewahrt war. Von hier aus gelangte mau in das Heiligtum deS Professors, in fdtte Bibliothek, eine reichhaltige und wertvolleSammlnng vonBücherschätzen. Den Schluß bildete ein Gemach mit bibliographischen Seltenheiten, Handschriften und altcnKunstgegenständen verschiedener Art.

Heinrich fühlte sich in diesen Räumen so heimisch angeweht, so ganz am richtigen Platze, es war ihm, als ob alte Freunde ihm von allen Seiten entgegen«: nickten, und nur zögernd folgte er dem voranschreitenden Diener, während sein Auge an den ausgestellten Herrlichkeiten hing.

Im dem letzten Gemach trat ihm eine Erscheinung entgegen, die an einem anderen Orte seine Lachlust vielleicht nicht wenig gereizt hätte; hier aber paßte sie so ganz in den eigentümlichen Rahmen, der sie umgab, daß Heinrich sich nicht einmal über ihr aller, divgs sehr sonderbares Aeußere wunderte. ES war eine Dame mittlerer Größe, von oben bis unten von einem faltenreichen, grauschwarzen Kaftan umgeben der, nicht einmal in der Taste beschlossen, ihre Gestalt vollständig Verba-g. Ob sie alt oder jung war, ließ ich kaum unterscheiden, denn ihr Haar wurde fast gänzlich verborgen durch ein dichtes, schwarzes Netz, das bis auf die Stirne fiel. Große blaue Brillen­gläser verdeckten die Augen und warfen einen kränklichen bleichen Schimmer ans die Wangen, deren eine mit gewaltiger Tintenschmarre geziert war, während die Nase durch ein abscheuliches schwarz s Piaster ver­unstaltet wurde; das einzighübsch" zu nennende war noch der kleine rote Mund.

(Fortsetzung folgt.)

Ausland.

Bern, 15. Dez. Im Nationalrate wurde von Berger-Bern ein Antrag auf Anbahnung eines mittel­europäischen Zollverbandes eingebracht. Nachdem der Bundespräsident Droz auf die in dieier Hinsicht be­stehenden Schwierigkeiten hingewiesen hatte, wurde der Antrag zurückgezogen.

Paris, 15. Dez. In dem Prozesse wegen der Feuersbrunst in der Komischen Oper wurde Direktor Carvalho zu dreimonatlichem Gesängnis und 200 Franks Geldbuße, der Pompier Andrs zu ein­monatlichem Gefängnis verurteilt, alle andern Ange­klagten wurden freigesprochen.

Petersburg, 15. Dez. DerRegierungsbote" meldet: Am 12. Dez. erfolgte die temporäre Sistierung der Vorlesungen an der Moskauer Universität. Die Maßregel erfolgt, weil ein Student den Inspektor der Studenten thätlich beleidigte, ein Teil der Studenten die Partei des Beleidigers nahm und eine unerlaubte Versammlung abhalten wollte, weil sämtliche Studenten den Kollegienbesuch einstellten und den Gehorsam versagten. DerRussische Invalide" führt aus, nicht Rußlands militärische Stellung an der Grenze sei eine aggressive, viel eher könne diejenige Oestereich-Ungarns und Deutschlands als eine solche angesehen werden. (!!)

Htsskii - Nassau.

Marburg, 16. Dez. Ueber das neu geplante Projekt einer Abführung der Fäkalstoffe aus hiesiger Stadt als dieses seither durch die Kanäle geschah, sind uns mehrere, sich sämtlich gegen das Tonnen­system aussprechende Artikel zugegangen, die wir wegen Raummangel nicht alle mitteilen können und beschränken uns daher zunächst aus einen aus sachkundiger Feder, mit dessen Abdruck wir im heutigen Blatt beginnen. Aus anderen Artikeln sei nur noch hervorgehoben, daß das Abfuhrsystem jährlich mindestens M. 50 000 kosten würde, abgesehen von der großen Belästigung der Einwohner. Ferner, daß in Städten wie in Wetzlar, Weilburg und anderen an der Lahn gelegenen, die Kanäle nach wie vor in dieselbe münden, und es deshalb schwer erfindlich sei, warum gerade Marburg mit einer noch von niemand für vorteilhaft und zweckmäßiger gehaltenen Einrichtung bedacht werden soll. Es wird darum mit aller Bestimmtheit allseitig darauf gerechnet, daß die städtischen Behörden sich ablehnend gegen diese vermeintliche Verbesserung aussprechen.

Marburg, 16. Dez. In Dilschhausen (Kreis

Weihrrachtsfre«-eit.

Eine Humoreske

(Nachdruck verboten.) £ _ (Schluß.)

3a, Herr Graumarm hatte seine Karoline ja auch geliebt, als er in Züchten und Ehren um sie gefreit, aber altes Holz, wenn es einmal Feuer gefangen, brennt ganz anders und giebt vor allem ganz andere Glut als grüne Zweige. Und schließlich:Vor Liebe und Hagelwetter schützt kein Regenschirm!" Daß das Mädchen im herzensgut war, war ganz außer Frage, warum hätte sie sonst alle Heiratsanträge beharrlich abgelehnt. Und wenn er sich ihr ganzes Verhalten hm gegenüber vergegenwärtigte, wie sie fröhlich aus- chante, wenn er mit ihr sprach, über und über er- fitete, wenn er ihr bei einer kleinen Reise einen Ab- chiedsknß gab oder zwei, ja, was sollte das anders ein, als Gegenliebe? Und war er nicht noch ein sehr tattlicher Mann für feine Jahre, kaum ein weiffs Härchen war zu sehen, und ließ es sich sehen, so konnte eS noch durch Auszupfen beseitigt werden. Warum also sollte Feta ihn nicht lieben? Freilich, am Spott der Leute würde eS nicht fehlen, aber die potteten jetzt schon über seine Zerstreutheit, die wohl noch viel schlimmeres angerichtet haben wurde, wenn Feta und Fritz, der tüchtige Obergescll, nicht gewesen waren. Daher also der Entschluß: Fort mit dem Geschäft, in denRuhestand" getreten und dann Feta geheiratet! Und als der Obergesell Fritz, der be- mrttelte Eltern hatte, das hörte, bot er sich als Käufer an, und Ferdinand Graumann sagte mit tausend Freuden ja, und zog mit Feta in den Oberstock seines Hauses. Die Zerstreutheit blieb freilich noch, weil die Sache mit dem Mädchen noch immer nicht ent­schieden war. Zehnmal hatte Herr Ferdinand ihr einen Anttag machen wollen nnd zehnmal hatte ers unterlassen. Darüber war wieder ein Jahr ziemlich hingegangen, und eines schönen Tages entdeckte der verliebte Herr auf feinem würdigen Haupte die ersten

Marburg) wurde dieser Tage durch den dortigen Trichinenbeschauer bei der Untersuchung eines ge­schlachteten Schweines Trichinen entdeckt. Das Fleisch des infizierten Tieres wurde sofort vernichtet.

sPers. - Chron.j Ernannt: der Rechts­kandidat Wolff zum Referendar, der Hauptmann a. D. Müldner v. Mülnheim zu Spangenberg zum Amts­anwalt bei dem Königlichen Amtsgerichte daselbst, ber_ seitherige Schloß diener Vogler im Königlichen Residenz-Palais zu Cassel zum Saalwärter, die Post­praktikanten Skrodzki und Klug in Cassel zu Post- sekretären, der Postassistent Ricke in Niederhone zum Postverwalter. Niedergelassen: die praktischen Aerzte Dr. Niggemann in Somborn und Dr. Kuhn in Steinbach-Hallenberg. Versetzt: der Postsekretär Krug von Erfurt nach Treysa (Bez. Cassel), der Stationsvorsteher L Klasse Jean Heydt in Frank­furt a. M. in gleicher Eigenschaft nach Gießen. Ausgeschieden aus dem Bezirk des Oberlandesgerichts: der Gerichtsassessor Stelling infolge seiner Bestellung zum ständigen Hülfsarbeiter bei der Staalsanwalt- schaft zu Hannover. Entlassen auf Antrag: der Gerichtsassessor Israel behufs Uebertritts zur Kom- mun ilverwaltung, der Gerichtsassessor Ritter behufs Uebertritts zur Staatseisenbahnverwaltung aus dem Justizdienste, der Schutzmann Stuckard in Caffel behufs Uebertritts in die Eisenbahnverwaltung. Pensioniert: der Gerichtsschreiber, Sekretär Gieße bei dem Amtsgerichte zu Witzenhausen, der Wegebau- Aufseher Weber zu Weibeck. Gestorben: der Wege­bau-Aufseher König zu Rolfshagen. Gestattet: Allerhöchst dem Geheimen Regierungsrat Zeidler in Cassel die Anlegung des ihm von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Hessen verliehenen Ritterkreuzes I. Klasse des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmüttgen.

Caffel, 15. Dez. Die heutige Sitzung des Provinziallandtags wurde vormittags 10 Uhr durch den Präsident desselben, Herrn v. Milchling, eröffnet. Nach Verlesung des Protokolls voriger Sitzung und verschiedener Eingänge schritt man zur Tagesordnung über, welche die Ausschußanträge zu dem Statut für den Provinzialverband der Provinz Hessen-Nassau zur Ausführung der- §§ 44, 45, 64 und 66 der Provinzial-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 8. Juni 1885 enthält. Referent Abg. Justizrat Rath. Abg. Renner spricht sich gegen die Vorlage aus, betr. Spezial-Diskussion des Anttags zu § 4 der Provinzial - Ordnung und ersucht um Eiuzelbe- ratung der 4 Paragraphen und dann zur General­diskussion zu schreiten, welchem auch entsprochen wird.

ersten Spuren einer werdenden.... Glatze. Nun war es also hohe Zeit, und nun war et auch zu den verhängnisvollen Worten entschlossen, in acht Tagen war Weihnachten, und am Christabend sollte die Entscheidung fallen. Ferdinand Graumann war siegesgewiß, aber fein Herz klopfte gewaltig und zu­weilen wollte ihm die Sprache fast versagen. So gehts übrigens auch jungen Leuten mitunter, die einen Heiratsanti ag machen wollen. Wenn man damit durch ist, ist die Sache wunderschön, aber vorher... Wenn die Erde nicht so hart wäre, mancher Heirats- anbibat würbe ob der auf seinem Herzen lagernden chweren Last hineinsinken.

Am Mittag des Christabends war es. Herr Graumann und feine Pflegetochter faßen zu Tische. Beide wortkarg, Beide mit niedergeschlagenen Augen. -Nun, Feta," hüstelte Herr Ferdinand,Du hast wohl heute eine besondere Ueberrafdjung für mich weil Du gar so still bist. Ich habe übrigens auch eine recht große und erfreuliche für Dich!"

.Lieber Papa", begann Feta sie wurde unter« drochev. Ferdinand Graumann zupfte unwillig an seiner Serviette.Aber, Kind, sage doch nicht immer .Papa" zu mir, ich bin es ja doch gar nicht." Jetzt, wo er bald ihr Bräutigam zu sein hoffte, war es ihm doppelt unangenehm,Papa" genannt zu werden. Ein solches Wort muß ja alle Bräutigamillusionen im Nu zerstören. Feta zeigte ein betrübtes Gesichtchen: .Aber weshalb soll ich nicht Vater sagen?" fragte re. .Einen besseren, liebevolleren Vater kann es doch in der ganzen Welt nicht geben. Und Deine Güte und Liebe giebt mir auch nur den Mut, Dich heute Abend so zu überraschen, wie mir im Sinne liegt. Sonst würde ich es gewiß nicht wagen. Bist Du mir bös?" Damit trat sie, da inzwischen das Mahl beendet war, an ihn heran und legte ihre weiche Wange an feinen Kops.Wie kann ich Dir bös fein, Feta," antwortete er, sich gewaltsam zu- ammennehmend, damit feine Ueberrafdjung nicht jetzt schon zu Tage trete,Du hast mir ja nichts gethan.