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t * Wöchentliche Beilagen: Ureis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes-> Sonntagsblatt.
1Iltcr^ Ervedition Marit 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Marburg,
Freitag, 16. Dezember 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a- M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII Messe in Frankfurta. M., Berlin, München u. Köln; G- L. AAli" Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
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Aentsches Reich.
Berlin, 14. Dez. Der Kaiser nahm heute den Vortrag des Geh. Kabinettrats von Wilmowski entgegen und machte nachmittags eine Spazierfahrt. — Ter „Kreuzztg." zufolge würde Graf Brühl, Mitglied des Herrenhauses, einen eigenhändigen Bries des Kaisers an den Papst zu dessen Priesterjubiläum überbringen. — Der preußische Volkswirtschaftsrat trat gestern wieder zu einer Plenarsitzung zusammen, welcher der Ausschuß die von ihm beschlossenen Abänderungen der Grundzüge für die Alters- und Invalidenversicherung zur Annahme unterbreitete. Mit dem Punkt 1 der Grundzüge kam zunächst die Frage des Versicherungsumsanges zur Erörterung, und wurde dabei die im Ausschuß beschlossene Ausdehnung der Versicherungspflicht auf diejenigen Arbeitgeber, welche regelmäßig nur einen Arbeiter beschäftigen, ■ angenommen. Auch hier wurde der Antrag auf Ausschluß der Handlungsgehülsen unv Lehrlinge in Apotheken gestellt, indessen abgelchnt. — Die folgenden Punkte wurden nach den Ausschußbeschlüssen angenommen, jedoch die Regierungsvorlage insofern wiederhergestellt, als die in einem Beitragsjahr von 280 ■ Kalcnderarbeitstagen mehr geleisteten Arbeitstage auf das nächstfolgende Arbeitsjahr in Anrechnung gebracht werden sollen. Sodann gelangte die Frage der Aufbringungsmethode der Mittel zur Diskussion. Der Ausschuß hatte bekanntlich beschlossen, die nächsten 6 Jahre hindurch auf dem Wege der Prämie von jedem Versicherten 4 Mark Jahresbeitrag zu erheben und sodann die jährlich notwendig gewordenen Ausgaben durch Umlage, über den Jahresbedarf hinaus i jedoch noch jährlich 10 pCt zu erheben. Nachdem dieser Beschluß von dem Referenten und Korreferenten : des Ausschusses empfohlen war und sowohl die Vertreter der Industrie, als auch der Arbeiter denselben aufs Wärmste befürwortet hatten, nahm das Plenum m namentlicher Abstimmung mit 41 gegen 16 Stimmen einen Antrag an, wonach die Regrerungs- [ Vorlage in dieser Beziehung wieder hergestellt und somit das Kapitaldeckungsverfahren gewählt wird. — Die heute hier eingetroffenen Nachrichten über eine i Verschlimmerung im Befinden des Kronprinzen, die ihren Ausdruck anch in der beschleunigten Abreise Mackenzie's nach San Remo finden, haben die in I den letzten Tagen hoffnungsvoller gewordene Stimmung wieder stark beunruhigt. Dem „B. T." wird aus San Remo gemeldet: „Die günstigeren Symptome während der letzten Wochen scheinen trügerische gewesen zu sein, insofern sie zu der Annahme oder
Ritter -er Maske.
Novelle von Antonie Haupt.
tNachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Heinrich erzählte ihm daS allerliebste Abenteuer mit der kleine» Frau, wobei er nicht unterlassen konnte, ihn um das freundliche Weibchen zu beneiden.
Freund Berns erhöhte Stimmung wurde jedoch durch Rinaldos Mitteiluvg um ein merkliches herabgedrückt. Ziemlich kleinlaut erklärte er, daß er sich ungemein nach seinem herzigen Franchen sehne, und bat den Räuber, ihm möglichst genau die Richtung anzugeben, wohin es sich gewandt.
Als Tannhausen sich seiner freie» Selbstbestimmung wiedergegeben sah, litt es ihn nicht mehr länger im großen Saale; es drängte ihn zu dem einsamen Kadinet hin, wo er ja bald seine Proservioa erwarten durfte.
DaS mit tropischen Pflanzen fast zu einem Garten umgewandelte Gemach warum diese Zeit ganz Menschen, leer und in seiner milden, magischen Beleuchtung wie geschaffen zu einem Feenmärcheu. Es bildete ein längliches Viereck, das auf einer Seite durch eine tiefe, halbrund überwölbte Nische geschloffen ward, in der unter hohen Palmen ei» zum Ruhen einladendes Sopha winkte. I» der Mitte des Zimmers war ein von grünen Gewächsen umrahmtes Baffin, dem aus einer riesigen Muschel ein feiner Wasserstrahl eatzieg, das traumhafte des reizenden Plätzchens noch erhöhend.
Heinrich lehnte sich in die schwellenden Kiffen des Ruhebettes zurück und ließ mit halbgeschlossenen Augen die Ereignisse des Abends au sich vorüberziehen. Lei der reizenden Lichtgestalt der geheimnisvollen Zauberin weilten seine Gedanken, als leise sich die Thür öffnete und die erhabene Göttin selbst her- eiuschwebte.
Ein silberschimmernden, zartblaues AtlaSgewaud, »on einem juweleuflimmernden Gürtel gehalten, um-
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Hoffnung Anlaß gaben, das Leiden des Kronprinzen könne doch etwas anderes sein als der Krebs." Die gleichzeitige, offenbar von betheiligter ärztlicher Seite herrührende Meldung, daß plötzlich die Wucherung im Kehlkopf sehr rapide und beträchtlich zu wachsen begonnen habe, spricht allerdings nicht gerade für den krebsartigen Charakter dieser Wucherung, denn der Krebs wächst nicht plötzlich und rapide. Wahrscheinlich handelt es sich wieder um das Auftreten eines neuen Oedems.
Leipzig, 14. Dez. In dem Prozesse Cabannes wurde die Beweisaufnahme fortgesetzt. Es gelangen zur Verlesung die Gutachten des preußischen Kriegsministeriums und des Ministeriums in Straßburg über die von dem Angeklagten an die französische Regierung gelieferten Verwaltungsberichte, ebenso werden hierüber vernommen die Sachverständigen Oberst von Goßler, Major Flist und Geheimrat Harff. Danach gewähren die Berichte ein authentisches Bild über den Stand der Ernte, den Stand des Handels und der Industrie, über die Gesundheitsverhältnisse, die Militärverhältniffe, die Rekrutenaushebung, die Hochbauten, Wasserbauten, Straßenbauten, die Herstellung und Befestigung von Brücken, die Kanalbauten. die Anlegung neuer Eisenbahnen und Straßenbahnen, die Vermehrung der Geleise und die öffentliche Stimmung der Bevölkerung. Die Berichte verschafften der französischen Regierung ein wertvolles Material für die zukünftigen Kriegsvorbereitungen, indem sie dadurch ein vorzügliches Orientierungsmittel über die gesamten in Elsaß-Lothringen vorhandenen Hilfsmittel erhielt. Die Berichte mußten deshalb zum Wohle des Deutschen Reiches geheim gehalten werden, auch ein Laie konnte darüber nicht nn Zweisel sein. Der Sachverständige Harff betonte namentlich die absolute objektive Zuverlässigkeit der Berichte, die ihnen einen besonderen Wert verleihen. Der Angeklagte bemerkt, er habe auf die Berichte keinen Wert gelegt.
München, 14. Dez. Die Kammer der Abgeordneten genehmigte in zweiter Lesung definitiv die Abänderungen des Armen-Krankengesetzes, ebenso den Bahnbau Hergatz - Wangen zum Anschluß an die württembergische Staatsbahn.
Anstand.
Wien, 14. Dez. Das „Fremdenblatt" schreibt: „Die diplomatischen Beziehungen zu Rußland sind andauernd freundlicher Natur, die militärische Situation hat sich in nichts geändert, in nichts gebessert. Zweifelsohne ist eine militärische Machtverschiebung an der floß ihre schlanken und doch so kraftvollen Formen: die marmoiweißen Arme umschlossen silberne Spangen und an der Brust trug sie eine kostbare Narcisse. Mit anmutiger Bewegung schlug sie den Schleier zurück, um ein Antlitz enthülle», in das Heinrich mit sprachlosem Entzücken blickte. Unter der hohm geistvollen Stirn leuchteten ihm ein paar sinnig-, tiefblaue Augen entgegen; eine feine, griechische Nase und schwellende rote Lippen vollendeten den Reiz ihrer klassisch schönen Züge. Dunkelblondes Haar umgab in kleinen Löckchen ihre Alabasterstirne und war nach hinten in kunstvollem griechischen Knoten aufgesteckt. Ja, sie war eS, — es war Proserpina, viel schöner und entzückender, als seine glühendste Einbildungskraft sie geschaffen.
»Meine angebetete Göttin!" rief der junge Mann feurig, ließ 'sich vor ihr auf ein Knie nieder und umfaßte ihre schlanke Gestalt. »Wie schön Du bist, meine Proserpina!"
Sie entwand sich, tief errötend, mit zürnendem Blick seinen Armen.
»Fast bereue ich e8, mich Dir nochmals gezeigt z» haben,' sagte sie grollend.
,O, Proserpina, Du bist entsetzlich grausam. Komm, setze Dich nur eine einzige halbe Stunde an meine Seite und laß uns plaudern, wie wir es einst gethan, als tiefe Nacht mir »och Dein reizvolles Bild verhüllte.'
Das ((fröne Mädchen gab halb lächelnd, halb schmollend feinen ungestüme» Bitte» nach und ließ sich von ihm zu dem Divan geleiten.
Hier beraubte sich Heinrich, feine Göttin auf das Liebenswürdigste zu unterhalten. Ja, er faßte sogar ihre Hand, die sie ihm nicht entzog, wodurch sie vielleicht die Veranlassung gab, daß keine gleichgiltrge, harwsose Plauderei zu Stande kam. Der junge Ge lehrte konnte kein Auge von seiner reizenden Nachbarin abwenden, ihr Anblick berauschte ihn förmlich.
,O, meine süße, meine inniggeliebte Proserpina," flüsterte er, »ich bin unendlich glücklich."
Grenze im Zuge, welche, wenn sie fortgesetzt wird, eine successive Erhöhung unserer Grenzstreitmacht erheischen würde. Die Regierung wird alles aufbieten, um ein günstiges politisches Verhältnis zu Rußland zu erhalten, jedoch stets aus das sorgsamste darüber wachen, daß im Falle des Scheiterns der Bemühungen die militärische Situation nicht von vornherein ungünstiger geworden ist. Aeußerungen in den Verttetungskörpern berechtigen zu der Zuversicht, daß die gesamte Bevölkerung bei aller Friedensliebe und bei allem Friedensbedürfnisse jederzeit bereit ist, für die Sicherheit des Reichs mit ganzer, voller Kraft einzutteten."
Paris, 14. Dez. Im Ministerrat im Elysse wurde gestern abend endgültig beschlossen, die ministerielle Erklärung an die Kammern morgen zu erlassen, obgleich die Botschaft bereits die Grundzüge der Politik des Kabinetts Tirard angebe. — Die äußerste Linke hielt gestern abend nach der Kammersitzung eine Versammlung, in der Achard vorschlug, die Minister bei den geheimen Fonds zu fassen, und zwar so, daß von den Zwölfteln die Summe für die geheimen Fonds abgezogen werde. Die Zwölftel würden dadurch bewilligt und doch dem Ministerium ein Miß- ttauensvotum gegeben. Die äußerste Linke beschloß, zuvor mit der radikalen Linken zu einer Volksversammlung zusammenzutteten und den Feldzug gegen das Ministerium zu verabreden. Einstweilen lassen die radikalen Blätter ihren Zorn an der Botschaft aus. Die Justice wirft Carnot vor, daß, wie er die Radikalen aus dem Kabinett ausgeschlossen, er auch ihr Programm umgestalten wolle. Die „Lan- terne" ruft: „Carnot treibt persönliche Politik: das Ministerium muß unverzüglich gestürzt werden, selbst auf die Gefahr hin, daß Carnot seine Drohung ausführen sollte, seinen Abschied zu nehmen, wenn sein Kabinett gestürzt werde." Die Opportunisten sind mit der Botschaft zufrieden, die gemäßigten Blätter kühl; das „Journal des Tebats" meint, man könne sich in eine akademische Versammlung versetzt finden, wenn die Lobrede auf den Vorgänger in der Botschaft nicht fehlte. — Die Boffchaft macht, mit Ausnahme bei den Radikalen, geringen Eindruck und begegnet nahezu der Gleichgültigkeit. Auch die Einstellung des Verfahrens gegen Wilson wird ruhig ausgenommen, selbst von Wilsons Feinden, die sich mit Grövys Sturz und damit zu begnügen scheinen, daß die An- ttagekammer die Schuld Gragnons und Wilsons an der Unterschiebung der Briefe feststellt und das Verhalten beider als höchst verwerflich, aber nicht zu strafrechtlicher Verfolgung Anlaß gebend bezeichnet.
Ihre zärtlichen blauen Augen strahlten ebenfalls mit einem solchen Ausdruck von Glück zu ihm herüber, daß et ermutigt foitfuhr:
»Langes Werben ist so schwer, wo eine glühende Leidenschaft sich das Glück im Sturm erobern möchte. Laß mich Dir es fitzt gestehe», meine Heißgeliebte, wie über alles teuer Du mir bist, wie ia) aufgehört habe, ich selbst zu fein, seit ich Dich kenne, wie ich seit Monaten nur mehr einen Gedanken habt, und bet bist D».'
Sie sah ihm einen Moment mit unsagbarer Glut und Zärtlichkett in die erregten Züge. Dann sagte sie ernst:
»Du bist ein Kind, Rinaldo, und wie ein Kind unvorsichtig. Wer verbürgt Dir, daß Du Deine Worte nicht bereust, wenn Du mich nähet kennen lernst, wenn Du meinen Namen erfährst?"
»Ich werde nie aushören, Dich zu lieben, Du bist ja meine Göttin!" Bei diesen Worte» kniete er vor sie hi» und sah mit leidenschaftlichem Ausdruck zu ihr empor. »Und Deinen Namen willst Du mit nicht vertraue» ?'
Proserpinas Augen hatten einen feuchten Glanz, als sie innig auf ihn niederblickte.
»Du verlangst zu viel von mir,' sagte sie leise.
»Und ich soll Dich jetzt wieder von mir lassen, ohne Deine» Namen zu kennen, ohne zu wiffeu, ob und wann ich Dich wiedersehe? Grausame Götti», habe Mitleid mit mir!*
„SBer ich bi», darf ich Dir nicht verrate»," entgegnete sie mit mildem Ernst, „noch darf ich jemals wieder Dir erscheine». Ob wir »nS Wiedersehen, hängt von Dir allein ab, vielleicht auch vom Zufall."
„Welch ein hartes, unbarmherziges Wort! Einen besseren Trost weißt Dn mir beim Scheiden nicht zu geben?" 0
„Keinen," sagte sie, sich erhebend. „Lebe wohl!" Heinrich umfaßte die Geliebte und hielt sie sanft zurück. „O, meine Proserpina," flehte er, „laß mich »och ein^ einziges Mal in Deine schönen Augen sehen.
Belgrad, 14. Dez. Die Skuptschina nahm einstimmig die Eisenbahnkonvention mit der Türkei betreffs des Anschlusses bei Branja an.
Hrsten=Uallutt.
Marburg, 15. Dez. Der hiesige Bürgerausschuß hielt gestern nachmittag eine Sitzung im Rathaussaale ab. In Erledigung der 8 Nummern umfassenden Tagesordnung wurden demselben zunächst die Kassenabschlüsse pro November der Kämmerei- und Sparkasse, sowie der Leihbank zur Kenntnisnahme unterbreitet. Nachdem hiernach einem Stadtratsbeschluß betreffend die anderweite Regelung der Pachtverhältnisse der Sandgruben auf dem Kaff die Zustimmung versagt, genannter Behörde dagegen die Annahme eines vom Ausschüsse in Vorschlag gebrachten Abänderungs-Antrages zur Annahme empfohlen war und ferner der Verpachtung zweier Räume im Kilian an Herrn Buchhändler Braun für einen jährlichen Pachtzins von 40 Mk., sowie eines- Schulzimmers an den Männer - Gesangverein „Liedertafel" zum Jahresmietpreise von 20 Mk. die Genehmigung erteilt worden, folgte die Vorlage und Beratung des wichtigsten Gegenstandes der heutigen Tagesordnung, der Kanalisationsprojekte. Herr Ausschußvorsteher Bücking gab einleitend einige Aufklärung über die seitherige Entwickelung dieser Frage, deren Enffiehung in einem am 17. Mai v. I. hier eingegangenen Reskripte der Königl. Regierung zu finden, in welchem ausgeführt worden sei, daß die in Verbindung mit dem Bau der neuen Straßen hergestellten Kanalisationsanlagen im südlichen Stadtteile eine systematische Entwässerung desselben bezwecke und in diesem Falle eine ministerielle Genehmigung erforderlich sei, um deren nachträgliche Einholung unter genauer Darlegung der einschlägigen Verhältnisse ersucht wurde. Die Stadtbehörde antwortete hieraus, man habe, da das zur Anwendung gekommene System m der Altstadt bereits seit einer langen Reihe von Jahren besteht und die Vorlage des Straßenbau- und Kanalisationsprojektes von der Regierung in Cassel nicht beanstandet wurde, im Einverständnisse mit der hiesigen Polizeibehörde geglaubt, einer derartigen ministeriellen Genehmigung nicht zu bedürfen und zudem seien die Arbeiten der ganzen Kanalisationsanlage im südlichen Stadtteile bis auf die Herstellung eines Sammelbassins am Kämpfrasen bereits fertig gestellt. Die Regierung gab sich hiermit jedoch nicht zufriedm, verfügte die Einstellung des Weiterbaues und untersagte die Benutzung der neuen Kanalanlage zur Abführung von Fäkalstoffen. Ira weiteren Verlaufe der Verhandlungen zwischen Stadt-
Sage mir, daß Du mich liebst, daß Du mich nicht vergessen willst."
Ste legte ihre Hand auf seinen lockige» Scheitel und sah einige Sekunden mit liebetoarmem Blick in seine Augen.
„Ja, mein Heinrich, ich liebe Dich und werde Dich nie vergessen," hauchte sie.
Er zog das erglühende Mädchen au seine Brust, und seine Lippen suchten die ihrigen. Sie, anfangs sauft entgegenstrebend, schlang plötzlich ihre Arme um seinen Hals und küßte ihn wiederholt mit heißer Glut. Dan» riß sie sich los.
„Scheide nicht von mir, meine Proserpina! Wie kannst Du mich lieben und doch verlasse» wollen?" rief er wie außer sich.
„Hoffen wir auf ein Wiedersehen," hauchte die Göttin, bann entschlüpfte sie, und die Thür fiel hinter ihr zu.
Heinrich blieb in einem nie gekannten Zustande zurück. Wild kreiste das Blut in feinen Adern, und laut pochte sein Herz in ungestümen Schlägen. Nur ein einziges, in verschiedenen Gestalten wiederkehrendes Bild erfüllte seine Seele.
Tief anfatmenb verließ er das Gemach und stürzte hinaus in die wohlthuende kalte Nachtluft.
3.
Ein Vierteljahr später finden wir den Helden unserer Geschichte im Begriff, einen Besuch bei Pro- ftffor Werner abzustatten, um dessen Urteil in einer Sache zu Rate zu ziehen, die für ihn von großer Wichtigkeit war. Seine Berufsarbeiten hatten ihn in der letzten Zeit häufig mit dem Professor zusararaen- geführt, und der berühmte Gelehrte entsprach ganz dem Bilde, das Heinrich fich von ihm gemacht. Der hohe Greis mit den wilden, dunklen Augen, den spärlichen grauen Locken und dem langen Silberbart erweckte in ihm mit feiner ruhigen, entschiedenen Weise eine unbegrenzte Verehrung, und mit großem Juterefle lauschte er häufig dessen belehrenden Worten. Ein Gefühl von Scham hatte ihn jedoch bis jetzt