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Wöchentliche Beilagen: «reis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. L»g. Loch.

- Illustriertest Sonntagsblatt.

Jti. 391.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal-AbonnemeutS-PreiS bei der Sxpe- bition2*/tSRI-, bei den Postämtern SM- fO Pfg. (exkl- Bestellgeld). Jnserti»nSgebühr für die gelpalt'ne Zeile 1» Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 13. Dezember 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasensteiu und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moste in Frankfurta. Berlin,München u. Köln; G-L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

XXII. Jahrgang.

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Die Wehrpflicht

außer dem stehenden Heere zerfällt nach dem neuen Gesetzentwurf in Landwehr und Landsturm und zwar in je zwei Aufgebote. Die Dienstzeit der Landlvehr des zweiten Aufgebots dauert bis zum vollendeten 39. Lebensjahre. Der Landsturm des ersten Aufgebots umfaßt alle nichtgedienten Personen bis zum 39. Lebensjahre, der Landsturm des zweiten Aufgebotes alle bereits gedienten von dem 39. bis zum 45. Lebensjahre. Die Landwehr des zweiten Aufgebotes und der Landsturm haben keine Übungen und Kontrollversammlungen. Der Gesetzentwurf be­stimmt noch, daß der Eintritt in das neue Aufgebot der Landwehr nach abgeleisteter Dienstzeit im stehenden Heere, in das zweite Aufgebot nach abgeleisteter Dienstpflicht im ersten Landwehraufgebot und für die Ersatzreservisten, welche geübt haben, nach abgeleisteter Ersatzreservepflicht erfolgt. Der Ersatzreserve werden alljährlich so viel Mannschaften überwiesen, daß mit sieben Jahresklassen der erste Bedarf für die Mobil­machung gedeckt wird, und zwar werden zunächst die wegen hoher Losnummer nicht eingestellten Dienst­tauglichen überwiesen, dann die wegen häuslicher Ver­hältnisse von der aktiven Dienstleistung befreiten Dienst­tauglichen, sodann die wegen geringer körperlicher Fehler Befteiten, endlich die wegen zeitiger Dienst­untauglichkeit Befreiten. Die Ersatzreservisten werden nach dem 23. Lebensjahre nicht mehr zu Hebungen herangezogen. Die bisherige Einteilung in Ersatz- Reservisten 1. und 2. Klasse werden aufgehoben, letztere werden fortan dem ersten Landsturm-Auf­gebote zugeteilt. Der Landsturm besteht aus allen Wehrpflichtigen vom 17. bis zum vollendeten 45. Lebensjahre, welche dem Heere und der Marine nicht angehören. Das erste Aufgebot des Landsturmes umfaßt alle Landsturmpflichtigen bis zum am 31. März vollendeten 39. Lebensjahre, das zweite Auf­gebot alle Landsturmpflichtigen bis zum Ablaufe der Landsturmpflicht. Der Aufruf des ersten Aufgebotes des Landsturms erfolgt durch die kommandierenden Generäle, bei unmittelbarer Kriegsgefahr auch durch die Gouverneure oder Kommandanten der Festungen; der Aufruf des zweiten Aufgebotes des Landsturmes durch kaiserliche Verordnung, bei unmittelbarer Kriegs­gefahr auch durch die kommandierenden Generäle, die Gouverneure oder Kommandanten der Festungen. Der Aufruf des Landsturms erfolgt nach Jahresklassen mit der jüngsten beginnend, soweit die militärischen Interessen dies gestatten. Der Landsturm ist in für jede militärische Verwendung geeigneter Weise zu

Ritter -er Maske.

Novelle von Antonie Haupt.

lNachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sei« Gedankeugaug wird hier unterhrochen durch einen Diener, der meldet, daß der Schlitten vorge­fahren sei, und ohne Zögern vertraut sich Heiniich dem mit Windeseile dahingleilenden Fahrzeug au, das ihn zu dem Sammelplatz deS karnevalistischen Lebens und Treibens bringt.

Das zum Kasino umgewandelte, noch in kurfürst- licher Zeit erbaute Schloß, das an diesem Abend die muntere Jugend in sich vereinigen sollte, warf glänzenden Schein aus seinen hellerleuchteten Frustern in die Nacht hinaus.

Die beiden riesenhaften Sphinxe, die vor dem Vestibüle au dem Eingänge Wache hielten, bemühten sich in dem flackernden Lichte der P-chpfanuen der Weft auch eiemal ein freundliches Gesicht zu zeigen, vnd die wappentragendeu Löwen über dem Pönale suchten sie, wie cs schien, auch darin zu übertreffen, denn sie grinsten förmlich mit ihren breiten Mäulern auf die bunte, phantastische Menschenmenge hernieder, die immer aufs neue einer Reihe von Wagen entstieg und sich dann lachend und plaudernd durch den Eingang schob.

Auch unser junger Freund folgte dem drängenden Strom, und bald lag der unermeßliche, feenhaft be­leuchtete Saal vor seinen staunende» Blicken.

Ein buntes Gewühl von scherzenden, lärmenden Masken wogte durcheinander, und über dem allen toste die Musik in den heitersten, berauschendsten W-isen.

Gern hätte Heinrich das tolle Karnevalleben, das sich hier entfaltete, beobachtend ans der Ferne an­gesehen, doch ehe er wußte, wie, war er schon mitten in den Strudel gerissen und-bald von einem Kreise fröhlicher Masken umgeben, von denen eine ihm Komplimente wachte über seinen geschmackvollen An. zug und eine andere ihn schelmisch frug, auf wessen Raub er eS denn eigentlich abgesehen habe.

bewaffnen, auszurüsten und zu bekleiden. Die Aus­lösung des Landsturmes ordnet der Kaiser an. Das Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündigung, in Kraft.

In der Begründung des Gesetzes heißt es: Das deutsche Heer setzt sich aus 12 Jahresklassen zusammen, dagegen das russische aus 15, das französische aus 20: hierzu kommt, daß Deutschland geographisch einem gleichzeitigen Angriffe starker Heere auf zwei Fronten ausgesetzt ist. Dieser Bedrohung gegenüber fehlt ein festes Fundament für die Existenz der Fortentwickelung Deutschlands. Seine Sicherheit hängt von seiner Stärke ab. Diese muß größer sein, als sie derzeit ist. Solchen unhaltbaren Zuständen, heißt es weiter, muffe ein Ende gemacht werden. Für die Verwirklichung des vorliegenden Gesetzentwurfs bedürfe es wohl nur eines Appells an den Patrio­tismus des deutschen Volkes, welches das Vaterland, nachdem dasselbe geeint fei, auch ungeschmälert er­halten roifien wolle. Durch das Gesetz werden sechs bisher bem Landstürme angehörige Jahrgänge für die Zeit großer Gefahr sofort bereit gestellt. Die lausenden Verausgabungen und die durch Vermehrung des Kontrollbestandes erhöhten Bureaufonds werden einschließlich Bayerns voraussichtlich 150 000 Mark nicht übersteigen; die einmaligen Kosten der Neube­schaffung, Ergänzung und Abänderung der Militär­papiere werden inklusive Bayerns und der Marine auf 250 000 Mk. veranschlagt; wegen der Kosten der Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung wird weiteres Vorbehalten.

Aentsches Reich.

Berlin, 10. Dez. Der Kaiser nahm vor­mittags den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts Generals von Albedyll entgegen, empfing dann den aus San Remo eingetroffenen Kapitän zur See von Seckendorf und machte nachmittags eine Ausfahrt. Auch die Kaiserin, sowie der Großherzog und die Großherzogin von Baden machten Spazierfahrten. Tie Getreidezollkommission nahm den § 2 (Sperre betreffend) mit dem gestrigen, den Antrag des Abg. Windthorst modifizierenden Antrag der Abgg. Diffens und Geibel an, diesem Paragraphen als dritten Absatz hinzuzusügen:Die betreffenden Ansprüche sind innerhalb vier Wochen nach der Publikation des Gesetzes geltend zu machen." Die Kommission hat auch in zweiter Lesung den § 1 der Regierungs­vorlage, betreffend die Erhöhung der Getreidezölle, abgelehnt. Aus Grund der aus den verschied men Hauptstädten vorliegenden Meldungen beruhigt sich

Nimm Dich in Acht, Rinaldo,* lachte eine zier­liche Gärtnerin, .daß Du selbst hier nicht geraubt wirst 1"

WaS so schlimm gar nicht wäre,* meinte eine anmutige Italienerin, mit unter der MaSke blitzenden schwarzen Augen.Reiche mir Deinen Arm, kühner Räuber, und geleite Deine Landsmännin ein wenig durch den Saal.* Damit legte sie ihren Arm in den seinen und zog ihn mit sich fort.

Große Lust verspürte Tannhausen nun gerade nicht, den Ritter der allerdings recht artigen Ita­lienerin zu machen, er hätte am liebsten nugestört sich seinen Beobachtungen hingegeben. Wenn sie nur nicht so redselig gewesen wäre und ihn dadurch ge­zwungen hätte, ihr seine ganze Aufmerksamkeit zuzu­wenden und ihre freundlichen Worte zu erwidern.

Tu scheinst merkwürdig zerstreut,* sagte die Kleine kopfschüttelnd.Wo hall Du nur Deine Ge- danke»? Etwa bei der schmucken Jägerin dort drüben ?'

Der junge Doktor folgte der Richtung ihrer Blicke und fand, daß die ebenbezeichncte Dame wirklich eine allerliebste Erscheinung sei, vom zierlichen, grünseidenen Atlasstiefel an bis zu dem federngefchmückteu kleinen Barett, das ste so kokett wie möglich auf ihr blondes Titusköpichen gedrückt, und das sie zum Ueberfluß auch noch mit einer Gott warS möglich I mit einer Narcisie geziert hatte. >

Du Hafts erraten, schönes Kind," gab er darum rasch zur Antwort,mit der Jägerin habe ich sehr wichtiges zu verbandeln; ich überlasse Dich daher auf einige Augenblicke diesem biederen Muselmann."

Mit einer hastigen Verbeugung ließ er seine ver­blüffte Landsmännin zurück und stürzte sich in das Gewühl der Gegend zu, wo er das grüne Sammet- darett hatte verschwinden sehen. Doch vergebens wand er sich durch die Menge, vergebens stieß er alles, was ihm im Wege war, zur Seite, die Jägerin war und blieb verschwunden. Mißmutig, und ermüdet warf er sich endlich auf ein Ruheplätzchen in einer

die Stimmung über das zur Zeit zwischen Rußland und Oesterreich obwaltende Verhältnis immer mehr. Petersburger Korrespondenten, die als zuverlässig bekannt sind, äußern ernstliche Zweifel, ob die russischen Truppendislokationen nach der galizischen Grenze, deren Umfang auch durchaus nicht feststeht und stark übertrieben zu fein scheint, als kriegerische Vorbe­reitungen oder nicht vielmehr als organisatorische Maßregel zu bettachlen sind. Zugleich wird ver- ichert, daß in Petersburg kriegerische Absichten außer in den Redaktionen einiger Zeitungen nicht bestehen. Auch die besonders herzliche Art, in der gestern beim Georgsfest der Toast auf den deutschen Kaiser ausge­bracht und ausgenommen worden ist, kann als ein günstiges Sympton gedeutet werden, als welches das Verbleiben Kalnoky's auf feinem Posten ganz sicher zu bettachten ist. DieKreuzzig." tritt in einem Tone, der auf Informationen schließen läßt, dafür ein, daß der Zar nicht nur gegen Deutschland friedlich gesinnt fei, sondern auch einer kriegerischen Lösung der bulgarischen Frage sich nicht geneigt zeige, daß aber in seiner Umgebung eine starke Kriegspartei existiere, der die Friedenspartei allerdings bis jetzt die Wage hält; es sei nicht ausgeschloffen, daß der Zar plötzlich allen bedrohlichen Unternehmungen Halt gebiete und sich für die Fortdauer des Weltfriedens entscheide.

Jastrow, 10. Dez. Bei der heutigen Ersatz­wahl eines Landtags-Abgeordneten für den 8. Wahl­kreis Marienwerder wurde Landrat v. Flatow (konser­vativ) gewählt. Gegenkandidat war der Ritterguts­besitzer Pradtzynski (Pole.)

München, 10. Dez. Das Abgeordnetenhaus beendigte die Beratung des gesamten inneren Etats, genehmigte denselben und bewilligte 100 000 Mark Staatszuschuß zu der nationalen Kunstgewerbeaus­stellung in München.

Ausland.

Wien, 10. Dez. DerPresse" wird von be­stimmt informierter Seite gemeldet, das Gerücht von der Demis fion Kalnokys sei total erfunden. Die von dem Grafen Kalnoky befolgte Politik bleibt aufrecht erhalten, jede vorzeitige Aktion wird abgelehnt.

San Remo, 10. Dez. Nicht der Großherzog von Baden, fonbern der von Hessen nebst Tochter kommt hierher; Prinz Heinrich bleibt über Weihnacht. In der Adjutantur wird Major Raabe durch Major v. Kessel, Kapitän v. Seckendorff durch Major v. Usedom abgelöst. Gras Radolinski ist von seiner Augenerkrankung genesen und hat seine Geschäfte

blumengeschmückten Grotte, wo er ohne selbst gesehen zu werden, einen llcberblick über daS ganze hatte.

Nicht lange saß er da, als er dicht neben sich seinen Namen zu hören glaubte.

Heinrich klang cS in den weichsten Tönen.

Ueberrascht wandte er sich um und erblickte einen schlanken Pagen, der in seinen weichen Linien und in seinen anmutigen Bewegungen, mit denen er jetzt näher kam und an seiner Seite Platz »ahm, unver­kennbar eine schön gewachsene Dame verriet.

So hat meine Ahnung wich nicht betrogen, die mir sagte, daß der stolze Räuber in seiner vornehmen Zurückgezogenheit Herr Doktor Heinrich Tannhausen sei,* flüsterte sie.Laß mich diese kostbaren Minuten ungestörten Beisammenseins benutzen, mein Heinrich," fuhr sie in leidenschaftlich erregtem Tone fort,um Dir auSzusprcchen, wie sehr wie grenz-»los ich Dich liebe, wie mein ganzes Sei», all mein Em, pfindeu aufgeht in Dir, wie namenlos glücklich cs mich macht, in Deine strahlenden blaue» Augen zu sehen, wie Du mein alles bist auf dieser Welt, alles, alles was ich liebel* Sie hatte sich mit diesen Worten fest au ihn geschmiegt vnd sah empor zu ihm mit Flammenblicken. Heinrich fühlte das Beben ihrer zarten Gestalt, er fühlte ihren heißen At<m, das stürmische Pochen ihres Herzen?; es ward ihm dabei so seltsam, so beklommen zu Mute. Sanft suchte er seine Hand ans der ihrigen zn befreien, doch gelang es ihm nicht, mit unwiderstehlicher Ge­walt preßte sie dieselbe an ihre Brust.

Kannst Du mich fitzt verlassen, mein Heinrich?* rief sie in flehenden Tönen;jetzt, nachdem ich zu Dir gesprochen, wie meine Seele mich drängte, nachdem ich mich so unbegreiflich tief vor Dir er­niedrigt? Sprich zu mir ein einziges freundliches Wort; wenn Du mir nicht sagen kannst, daß Du mich liebst, so gieb mir den Trost, daß Du mir nicht zürnst.*

Damit riß sie in wildester Aufregung die Larve ab und zeigte ihm ihr schönes, von Liebe glühendes Gesicht.

wieder aufgenommen. Freiherr v. Roggenbach ist abgereift. Dr. Dettweiler v. Falkenstein (im Taunus) und der junge Graf Münster waren gestern zur Tafel gezogen. Heute machte der Kronprinz einen Spaziergang mit Dr. Krause. Der Marineminister ljat eme kleine Dampfbareaffe zur Verfügung gestellt. Neueste Nachricht vom 11. Dez.: DasBerl. Tagebl." erfährt von autoritativer Seite aus San Remo, daß nach den jüngsten ärztlichen Hntersuchungen zweifellos Anzeichen eines Heilungsprozeffes im Kehl­kopf des Kronprinzen vorhanden sind.

Paris, 10. Dez. Gutem Vernehmen nach haben in dem neuen, von FaMres unter Beibehaltung von Nouvier und Flourens, gebildeten Kabinet Saniert die Justiz, Farjö die öffentlichen Arbeiten, Lockroy den Hntenicht, Barbey die Marine und Viette den Ackerbau übernommen. Unbesetzt sind noch die Posten des Kriegs- und Händelsmimsters. Falliöres hofft, das Kabinet noch heute vollständig bilden zu können. Deputiertenkammer und Senat haben sich heute nach kurzen Sitzungen bis Montag vertagt. Heute nachmittag ließ ein Mann, namens Aubertin, Ferry und Goblet in das Sprechzimmer des Kammerge­bäudes rufen. Goblet folgte der Aufforderung nicht, Ferry aber, der sich in das Zimmer begeben hatte, wurde von Aubertin alsbald mit mehreren Revolver- chüffen empfangen. Ferry erlitt nur ganz leichte Verletzungen, die Kraft der Kugeln wurde durch die Kleider abgeschwächt, die Kugeln streiften nur die Haut. Der Thäter wurde sofort verhaftet. Aubertin schoß 3 Kugeln gegen Ferry ab, die eine drang in die Oberfläche des Brustmuskelfleisches ein, eine zweite verletzte Ferry am Oberschenkel, mit der dritten Kugel fehlte Aubertin. Wie dieAgenee Havas" meldet, heißt das Individuum, welches den Anfall auf Ferry machte, nicht Aubertin, fonbern Berckheim. Derselbe hätte erklärt, er gehöre zu einer Gesellschaft von etwa 20 Personen, welche zu handeln entschlossen seien, wie er. Das Los habe ihn dazu bestimmt, die erste That auszuführen.

Loudon, 10. Dez. Hooper, Deputierter für Cork, wurde wegen Veröffentlichung von Berichten über Versammlungen der Nationalliga in seiner ZeitungCork Herald" heute abend in Cork verhaftet.

Petersburg, 10. Dez. DerRegierungs-Anz." meldet, daß der Kaiser beim St. Georgsfeste auf den ältesten Georgsritter, den deutschen Kaiser, einen Toast ausbrachte, welcher mit brausendem Hurra ausgenommen wurde. Darauf wurde die preußische Nationalhymne intoniert, welche alle stehend anhörten.

Moskau, 7. Dez. Vorgestern, angeblich während

Erschreckt fuhr Tannhausen zurück. Das war ja Rosa Peretti, die Verlobte eines feiner liebsten Freunde, der er, von ihrem freundlichen, zuvorkommenden Wese» angezogen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt hatte, als den übrigen Damen. Jetzt erinnerte er sich auch, daß Ferdinand Bülau sich in der letzten Zeit öfter über die Kälte feiner Braut beklagt hatte, und ihm, dem Fremden, erschloß sie nun so plötzlich eine glühende Leidenschaft.

Mein Gott, Fräulein Rosa," sagte Tannhausen, mühsam nach Fassung ringend, wie könnte ich Ihnen zürnen für Ihre innigen Worte, die ich gar nicht verdiene und nicht einmal vergelten kann! Ich bitte Sie, liebe, teure Freundin, erwägen Sie selbst, welch furchtbare Aufgabe Sie mir gestellt, in dem Sie mich zwingen, entweder zum Verräter an meinem Freunde zu werden oder Ihre Liebe zurückzuweisen, die ich weder erwiederu kann, noch darf."

Das schöne Mädchen war anfgesprungen, ihr dunkles Auge mit dem Ausdruck unsägliche» Schmerzes auf ihn geheftet, und stand nun, mühsam atmend, vor ihm.

ES ist genug, Herr Doktors sagte sie mit be- beuder Stimme.Sie haben mich mit kalter Ruhe an die Feffeln erinnert, deren Druck mir erst fühlbar wurde, seit unsere Wege sich gekreuzt. Ich verdiene Ihre kühle Zurechtweisung, ich fühle, daß in dieser Stunde auch das letzte, worauf ich bei Ihnen An­spruch machen durste Ihre Achtung verloren habe. Vergeffeu Sie, was die Verblendung der Leidenschaft mich Ihnen offenbaren ließ."

Sie wandte sich, um zu gehen; doch Heinrich faßte ihre Hand und zog sie mit fanfter Gewalt wieder auf das Sopha zurück.

Theure Rosa," begann er in herzlichem Tone, lassen Sie uns gegenseitig die freundschaftliche Ge- sinnnug bewahren, die in diesem Falle das einzige Baud ist, daS uns verbinde» kann.

(Fortsetzung folgt.)