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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marbnrg uni) Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition- Markt 21. — Reaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Koch.
287.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Eonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Prei- bei der Expedition 21/. Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 8. Dezember 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a- M-, Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a.M., Berlin, München u. Köln; S-L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.
XXII. Jahrgang.
Dentsches Reich.
Berlin, 6. Dez. Der Kaiser nahm heute vormittag nach einer Reihe militärischer Meldungen den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts Generals von Albedyll entgegen und machte nachmittags eine Spazierfahrt. — In der Berichterstattung der Presse über das Befinden des K r o n p r i n z e n herrfcht abermals Anarchie, die diesmal nicht das Tagesbefinden, sondern die Natur und Behandlung des Leidens betrefft- Nicht nur daß die Zweifel an der Krebsartigkeit des Leidens öfter und unverhohlener ausgesprochen werden, daß in der „Freis. Zeitung- ein .Sachverständiger", unter dem man Virchow vermutet, erklärt, er könne sich kein Bild machen, daß man sogar den Professoren Kußmaul und Nußbaum bereits Widersprüche gegen die Diagnose der deutschen Aerzte unterschiebt, auch über die spezielle Form der Behandlung werden immer weitere Details vorgebracht, die der Fernorstehende bei dem Schweigen der amtlichen Presse nicht kontrollieren kann. Wiener Blätter bleiben dabei, es würde jetzt ein neues Heilverfahren angewandt, das von dem Wiener Arzt Dr. Freund erfunden sei und, wie gemeldet, in der vollständigen Entziehung aller zuckerbildenden Stoffe besteht, da nach Freunds Forschungen Zucker einen wesentlichen Bestandteil der Krebszellen bildet. Eine dem deutschen Hofe nahestehende ärztliche Persönlichkeit soll sich Mitte November an Freund um Aufschluß über das neue Heilverfahren gewandt haben. Freund kam dem Wunsche nach und seit dem 20. Nov. wird dasselbe mit bestem Erfolg angewendet. Das örtliche Leiden zeige seitdem forüauernde Befferung. Obwohl es ja nichi ausgeschlossen ist, daß man für alle Fälle diese Antizuckerdiät, welche ja etwas durchaus harmloses und auf keinen Fall etwas schädliches ist, angewendet, wird man in dem Glauben wieder wankend, wenn man in der „Köln. Ztg." liest: „Die zur Zeit durch die Blätter laufende Angabe, daß in der ärztlichen Behandlung des Kronprinzen Aende- mngen eingetreten seien, ist unrichtig. Wahrscheinlich bezieht sich diese Zeitungsnotiz auf die Anwendung von Jodkali, die angeblich schon vor einigen Wochen empfohlen, aber von den den Kronprinzen behandelnden Aerzten abgelehnt worden sein sollte. That- sächlich wird der Kronprinz schon seit dem 11. November, und zwar auf den Rat der auch jetzt bei ihm befindlichen Ärzte, mit Jodkali behandelt. Ob das gute Aussehen auch des örtlichen Leidens hierauf oder auf andere Gründe zurückzuführen ist, dürfte schwerlich festgestellt werden können." — Das „Berl.
Empor m Gott.
Eine Weihnachtsgeschichte von
P. Ä. Rosegger. (Fortsetzung)
In der Felsenkluft, bte vor Wind und Wetter zum Teil geschützt war, gelang eS, das verloschene Licht wieder zu beleben. Die Kluft ging tief in den Berg; doch als sie Hirou mit der Laterne verfolgen wollte, erhob sich in der finsteren Tiefe ein Geräusch, alS ob allerlei Gezücht aufgeschreckl herumflatterte, au die Wände stoße; eines der Ungetüme schwirrte über Htrons Haupte iuS Freie.
Es graute ihm, und doch mußte er daran gehen, sich in dieser Felseuspalte wohnlich einzurichten, denn an ein Weiterkommeu war in der brausenden Sturm- uachi nicht zu denken. Er brach dürre Zweige der Zerben, die am Hange der Mündung standen, und Machte sich damit mühevoll ein Feuer an. Der Blasel kauerte in einer Ecke, kraute mit stumpfer Miene den Schnee aus den Falten seines Lodengewandes, und bald darauf war er etugeschlafen.
Hirons erste Sorge war nun, das Heiligtum au einem geschützten Platz zu bergen. Er entdeckte in der Wand eine Nische, er richtete sie zum Tabernakel und stellte das Gefäß mit der Hostie hinein, «or diesem Altar knisterte das Feuer wie eine Opfer- flamme, und daneben kniete nun der Priester und betete Den an, den er aus der Kirche im Thal auf diesen hohen Berg getragen, voll deS Glaubens und doll der Liebe, und der ihn hier verlassen wollte. Denn wie war ein Entkommen möglich, da die Winter- stüime nur selten rasch vorüberziehende find, sondern Skwöhnlich tage« und wochenlang währen! Der Sterbende im HauS auf der Scheiben sehnt sich vergebens Nach hem Heiland: sind denn dessen Sünden so groß, daß sich der Herr vor ihnen in die Felswildnis flüchtet, tote er einst vor dem König Herodes nach «exypten g> flohen ist? — Einst, o Du süßes «ött- uches Kind, warst Du auch verlassen in dieser Nacht
Tagedl.", dos noch vorgestern berichlete, daß Mackenzie wegen „befriedigenden" Nachrichten nicht nach San Remo komme, erzählt jetzt selbst, daß die behandelnden Ärzte demselben angeraten haben, seinen Besuch zu „verschieben". Wenn man in gewissen Blättern jetzt wieder durchblicken läßt, wie recht doch eigentlich Mackenzie mit seiner Gegnerschaft gegen eine Operation gehabt habe, so vergißt man dabei ganz, daß der englische Arzt selbst unaufhörlich operiert hat, wenn auch vom Munde aus. Daß man dem kranken Organ jetzt Ruhe vor diesen Eingriffen gönnt, dürste entschieden zum augenblicklichen relativen Wohlsein desselben beitragen. — Amtliche Mitteilungen in „Staatsanzeiger" wären gewiß allseitig erwünscht. — Die Verhandlungen der Kommission für die Getreidezoll - Vorlage haben vorläufig das Resultat gehabt, das von verschiedenen Seiten als wahrscheinlich bezeichnet worden ist. Es sind heute bei der Abstimmung über Weizen, Roggen und Hafer sowohl die von der Regierung vorgeschlagenen Zollsätze, wie auch alle übrigen aus der Kommission heraus vorgeschlagenen abgelehnt worden. Dieses negative Resultat ist dadurch zu Stande gekommen, daß die Konservativen, nachdem der Zollsatz vom 6 Mark gefallen war, gegen bte Vermittelungs- Vorschläge stimmten und so den Gegnern jeder Zollerhöhung zur Majorität verhalfen. Es stimmten für den Weizenzoll von 6 Mark nur 11 von den 28 Mitgliedern der Kommission, nämlich die sechs Konservativen, die Nationalliberalen von Fischer und Seemann, die Ultramontanen von Pfetten und von Landsberg und der Abgeordnete von Kardorff. Der Weizenzoll von 5 Mark erhielt nur 6 Stimmen, nämlich von Fischer, Seemann, von Kardorff, von Landsberg und Lohren. Der Weizenzoll von 4,50 Mark fiel auch mit 6 Stimmen, nämlich 5 vom Zentrum und Lohren. In ähnlicher Weise wurden die verschiedenen Zollsätze für Roggen und Hafer abgelehnt. Die Kommission hat noch eine zweite Lesung vor sich und es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn nicht in dieser, so doch im Plenum die heutigen Beschlüsse geändert werden. Die Kommission fährt morgen in der ersten Lesung fort; es stehen noch die übrigen Positionen für Mais, Gerste, Hülsenfrüchte, Mehl re., sodann der § 2 betreffend die rückwirkende Kraft zur Beratung.
München, 6. Dez. Zu Beginn der heutigen Kammersitzung hält Präsident von Ow folgende Ansprache: „Da heute beide Kammern gleichzeitig eine Sitzung halten, ist es heute möglich, daß die Gesamtheit der bayerischen Volksvertretung den Gefühlen
und mußtest Zuflucht nehmen in einer FelSgrotte bei Bethlehem, und Keiner im weilen Land ist heute erkoren zu solcher Hirt nandacht, als ich es bin. —
So dachte Hiion und bann betete er für ben Kranken im Schetbenhanse, zu dem er ben Weg nicht hatte finben können.
Plötzlich Hub es über dem Haupte des Priesters an zu ichuirreu und zu flattern, struppiges Gevögel schoß umher, stieß an die Wände, an die Decke, tau» melte auf die Erde nieder, zuckte zur Spalte hinaus und pfiff und kreischte, daß dem Priester vor Grauen die Haare zu Berge standen. Es waren Falken und Geier, die im Felsen ihre Nester hatten und nun durch ben Ranch beunruhigt worden waren. Einer der grauen, zu solcher Zeit halbblinden Habichte stürzte gerade ins Feuer nieder, daß die Funken auseinander stoben und das Tier lebendig für Hiion zum Christmahle gebraten worden wäre, wenn es dieser nickt hastig mit dem Stocke aus ben Flammen ge> schleudert hätte.
Aber die Vögel kamen allmälig wieder zur Ruhe. Das Feuer war in ein zuckendes Glimmen zusammengeschwunden; vom Winde, der ununterbrochen um btt Wanb pfiff, konnte es nicht erreicht werben, nur daß sich bisweilen eine Schneeflocke herein verirrte, nm im roten Schein sofort zu vergehen. Nun kam über Hirou die Erschöpfung; er stärkte sich mit Branntwein, unb um sich vor dem Schlafe zu bewahren, in ben ber arme Genosse so ahnungslos versunken war, unb ber in solcher Sage so gefährlich werben kann, begann er vorn Boden platte Steine loszulösen, um damit vor dem Heiligtum einen Altar zu bauen. Es naht das Christfest, ber Tag, an welchem jeder katholische Priester drei Meffen lesen soll, die erste davon schon in ber heiligen Nacht, zur Feier ber Geburt. Unten werden sie bald herankommen, ans den Häusern, ben nahen und den fernen, mit Fackeln ober Laternen ber Kirche zu, auf bereu Turm freuben» reich bie Glocken klingen unb wiederhallen in ben nächtigen Wäldern. Das Gotteshaus ist hell er-
Ausdruck geben tarnt, welche die Gemüter Alldeutschlands und darüber hinaus aufs ernsteste bewegen. Wir bewundern bte Seelenstärke, womit der deutsche Kronprinz ber schweren Erkrankung gegenüber steht. Diese Seelengröße berechtigt mit zu der Hoffnung auf eine bessere Wendung unb auf Wtedergenesung. Fortdauernd nehmen wir innigsten Anteil an dem Schmerze des Kaisers mit ber Hoffnung, daß es Ihm beschieden sein möge, noch bie Freude ber Genesung seines Sohnes zu erleben. Ich bitte Sie, sich von den Sitzen zu erheben unb sich in dem Wunsche zu einigen: Gott schütze den Kaiser und Kronprinzen!" — Die Kammer der Reichsräte eröffnete Präsident Frhr. v. Franckenstein ebenfalls mit einer Ansprache, worin er der Erkrankung des Kronprinzen gedachte, an bie hohen Verdienste des Erben ber Kaiserkrone erinnerte unb namens der Kammer der Reichsräte den Wunsch aussprach, daß der Kronprinz bald wieder genesen möge. Die Mitglieder hatten sich von ihren Sitzen erhoben.
Karlsruhe, 6. Dez. Die erste Kammer nahm eine Adresse an ben Großherzog an, in welcher an erster Stelle der Krankheit Sr. K. u. K. Hoheit des Kronprinzen gedacht wird. In derselben heißt es: Mehr noch als der Heldengeist des siegreichen Feldherrn auf dem Schlachtfeld bewundern wir den männlichen Mut und bie christliche Ergebenheit, mit welcher ber hohe Herr sein Geschick trägt Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß eine höhere Hand Hilfe gewähren kann und bereinigen unsere Wünsche und Gebete mit denen des ganzen deutschen Volkes für die Erhaltung des heißgeliebten Kronprinzen. Die Adresse spricht sich zustimmend zu ben in ber Thronrebe angekündigten Gesetzvorlagen aus.
Aaslaad.
Wien, 6. Dez. Das „Fremdenblatt" verzeichnet die verschiedenen vorliegenden Meldungen über bie russischen militärischen Maßnahmen an der österreichisch- ungarischen Grenze und meint, die Meldungen stünden zu der allseitig betonten Friedensliebe unb zu ben Hoffnungen auf eine beruhigende Rückwirkung ber jüngsten Berliner Begegnung im Gegensätze. Zunächst wäre abzuwarten, inwieweit bie Begegnung auf die Maßnahmen einwirken werde, welche möglicherweise unter anderen Voraussetzungen getroffen worben seien. Für Oesterreich-Ungarn gelte in vollem Maße ber Ausspruch in der letzten deutschen Thronrede über die entschiedene Abneigung, den Frieden der Nachbarn zu stören. Weitergehende Truppenansammlungen an der österreichisch-ungarischen Grenze würden Oesterreich
leuchtet, und beim festlichen Tönen der Orgel, bei den alten Hirtengesängen des Volkes wird ein Hochamt gehalten um Mitternacht, so heilig und herzbewegend, rote keines sonst im ganzen Jahr.
Ein mächtiges Sehn-u erfaßte den Priester nach der festlichen Gemeinde, er schaute hinaus in die schwarze, brüllende Nacht, dann ging er wieder zu seiner Arbeit und legte Stein auf Stein, bis ber Tisch fertig war. Auf btefen rauhen Tisch stellte er nun das Ciborium, worin die Hostie lag.
Der Blasel schlief und regte sich kaum, Hiron hatte schon früher ben Mantel ans bem Ranzen gezogen unb ben Schläfer bamtt zugedeckt. Es fiel ihm ein: »Was ihr dem Aermsten meiner Brüber thut, bas thnt ihr mir!" So kannS ja wohl auch das Christkind sein, das in diesem armen Menscheu- wesen schlummert auf kalttm Stein! Je länger er den Schläfer betrachtete, desto wärmer wurde fein Herz, desto lebhafter der Wunsch, diesem geringen, Don aller Welt mißachteten Menschen, der schuldlos war und doch wie ein Verwunschener dahinatmen mußte in Dämmerung, was Gutes thnn zu können.
Und so vollzog sich das Wunder, daß sich Hirons Siebe zum kirchlichen Socrament auf das atme Menschenweseu übertrug.
Dann sank er hin vor den Altar und weinte vor Freuden. Er hatte den Heiland gefunden. Es war plötzlich etwas in ihm, das er früher nicht gekannt hatte: eine Ahnung als fei fein Heiligtum in der Brotgestalt wohl das Symbol deS Höchsten im Himmel und auf Erden, aber nicht das Höchste selbst. Empfinden und Denken, daS sich sonst einzig nur der Hostie zu- gewendet hatte, ging nun über auf ben Aermsten seiner Brüber. Die Angst unb Not hatte fein Herz geöffnet, und anS dem Priester war ein Mensch ge« worden.
(Fortsetzung folgt.)
Ungarn indessen zu entsprechenden Vorkehrungen, zwingen, um gegenüber ben ganz unprovozierten bedrohlichen Vorbereitungen des Nachbars nicht, zurückzubleiben.
Paris, 6. Dez. Die Kammer und der Senat vertagten sich nach unerheblichen Sitzungen bis zum Sonnabend. In der gestrigen Unterredung mit Clömeneeau hob Sadi-Carnot die Notwendigkeit einer Bereinigung aller Republikaner hervor, einmal, um dem Auslande zu zeigen, daß die Republikaner sich zu verständigen wüßten, sodann, um ein klares, ehrliches Budget aufzustellen. Clsmeneeau stimmte den allgemeinen Ansichten des Präsidenten zu, welcher heute Ribot und andere empfing. — „Figaro" macht sich den Buchstabenscherz, aus der Liste der Mitbewerber Sadi - Caruots um die Präsidentschaft den Namen des Letzteren zusammenzustellen und daraus die providentielle Eigenschaft Carnots als neues Staatsoberhaupt abzuleiten.
Madrid, 6. Dez. Ein Anttag, die Einfuhrzölle auf Cerealien zu erhöhen, ist beim Senate und bei der Kammer eingebracht. Das Ministerium ist entschlossen, die Vertrauensfrage gegenüber jedem protektionistischen Anträge zu stellen, da ein solcher den bestehenden Verträgen zuwiderlaufen würde.
Petersburg, 6. Dez. Das „Journal de St. Petersbourg" beglückwünscht Frankreich zur Wahl des gemäßigten, durchaus nicht bei den letzten Streitigkeiten kompromitierten Staatsmannes, sowie zu der schnellen Erledigung der gefährlichen Krisis durch den Kongreß. Es sei zu wünschen, daß Frankreich in langer Zeit nicht der Schauplatz von Agitationen werde, wodurch nur ungesunde Elemente an die Oberfläche gehoben würden, die, wenn auch mehr lärmend als gefahrvoll, immerhin der nationalen Würde Eintrag thun. Gewisse Zügellosigkeiten seien in den Beziehungen zu den fremden Staaten vollständig unzulässig. Gewisse Volksredner, sowie die „Agence Libre" hätten ben Namen Rußlands gebraucht, um bei ber Wahl Propaganda zu machen und die Parteien zu erregen. „Wir tadeln auf das schärfste einen derartigen Mißbrauch. Wir wollen das französische Publikum gegen die Folgen einer falschen Auffassung des Gefühles ber Teilnahme sichern, womit bas russische Publikum die französische Krisis verfolgt hat." Dieses Gefühl, schreibt das „Journal- weiter, sei herzlich, aber noch strikte beschränkt auf den aufrichtigen Wunsch, Frankreich aus der Krisis, bei der es sich um Erhaltung des Friedens und der Ordnung handele, glücklich hervorgehen zu sehen, pudern es keinerlei fremde Einmischung in seine
Ritter -er Maske.
Novelle von Antonie Haupt.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Da nun durch die eigentümlichen Witterungsveihält- nisse eine Verspätung dieses Ungetüms von Wagen einge- treten war, so drang nach A. bte Mythe, daß es in einem schrecklichen Zustande unbrauchbar irgendwo liegen geblieben sei und heute gar nicht erscheinen weide. Nach dieser Kunde setzte Tantchen sich wieder n ihre eigene ländliche Equipage und fuhr der Heimat zu, wo wir, ohne zu wissen, rote, an einander vorbei kutsckierten. Die wird tu schöner Sorge um mich ein!“ schloß sie lachend ihre Eizählung.
Mit wachsendem Interesse lauschte der junge Mann dem anmutigen Tonfall der klangvollen Stimme. Wiffen möchte ich doch, dachte er, ob die Dame so ung und hübsch ist, wie ihre Stimme vermuten läßt. Sie mußte wohl jung sein, nach ihrem Gc plauder zu schließen.
„Mein Fräulein, ich bedaure aufrichtig Ihr Mißgeschick," versicherte er, „dock würde ich mich unendlich glücklich sckötzen, wenn ich Ihnen auf der Reise nach einem gemeinsamen Ziel als Beschützer dienen dürste. Mein Name ist Doktor Heinrich Tannhausen, seit einigen Tagen Museumsdirektor und Bibl-othekar in X."
„Ah! — der neue Herr Museumsdirektor I" sagte die Dame. „Gut denn, Herr Doktor, ich verttaue mich Jbrcm Schutze an."
»Ich darf mir also erlauben, Ihr Ritter zu sein. Und nun, meine unsichtbare Schutzbefohlene, heben Sie, bitte, ben Schleier, ber wir Ihren Namen verhüllt.'
„Gewichtiger, mein Sohu, als Du es meinst, ist tiefer bünue Flor," zitierte bte Stimme heiter. „Ich Ürchte immer noch ein wenig, als allein reisende unge Dame von meinem Begleiter für eine Abenteurerin gehalten zu werben; gestatten Sie mir daher, den Schleier der Rocht, der Ihnen meine Gestatt verbirgt, auch auf meinem Namen ruhen zu lassen."