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Wöchentliche Beilagen: Kreis - Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. - Illustriertes Soimtagsblatt.

Expedition. Marit 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Loch.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Eonn» und . .. „ Feiertagen. — Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Sxpe-

M 286. dition 21/. Mk-, bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl- Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Mittwoch, 7. Dezember 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Men; Rudolf XXII. Z-abraana. Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; @. 2.

Daube u. Co. in Frankfurt o. 0t., Berlin, Hannover. Baris.

Der Pariser parlamentarische Staatsstreich,

durch welchen Präsident Grevy von seinem Amte beseitigt wurde, hat eine außerordentlich große Be­deutung. Die Deputiertenkammer hat Grevy zum Rücktritt nicht nur aufgefordert, sie hat auch die be­stimmte Erwartung ausgesprochen, daß er gehen werde. Tas ist nicht mehr und nicht weniger, als eine ver­blümte Absetzung, und dazu hatte die Kammer, so begreiflich auch ihr Vorgehen gegen den zuletzt eigen­sinnigen Grevy ist, kein Recht. Des Präsidenten Stellung war wegen der Wilson-Affaire unhaltbar; aber eben dieser Präsident war verfassungsniäßig auf sieben Jahre zum Oberhaupte der französischen Repu­blik gewählt, und während dieser Zeit unabsetzbar. Der Beschluß der Deputiertenkammer ist deshalb im Grunde genommen ein Bruch der Verfassung, ein Staatsstreich, der in dieser Form zum ersten Mal zum Ausdruck gebracht ist. Die Kammer hat sich als höchste Gewalt hingestellt in Frankreich, als eine Gewalt, vor der sich alles zu beugen hat, gegen deren Ausspruch es keine Reklamation gicbt. Darin liegt das Bedenkliche des Ausganges der letzten Präsidenten- Krisis. Im Interesse der Würde des Staates war es notwendig, daß Grevy ging, aber die Wahrung dieses Interesses gab doch noch keinen Anlaß zum Bruch der Verfassung. Die Deputiertenkammer hat, wie die Ereignisie der letzten Jahre lehren, mit den Ministerien oft ungemein kurzen Prozeß gemacht; geradezu leichtsinnig sind von einzelnen böswilligen Parteiführern Ministerkrifen heraufbeschworen worden, deren Hereinbrechen durch die eigenartige Zusammen­setzung der Kammer gefördert wurde. Die gesetz­gebenden Körperschaften sollen leidenschaftslos und fern von persönlichem Haß sein, und nur das Ganze ins Auge fassen. Davon ist, aber nirgends weniger zu bemerken, als im Pariser Parlament. Jntriguen schaffen dort oft den Erfolg, und das ist bedenklich.

Wie man einen Präsidenten der Republik trotz aller Verfassungsbestimmungen aus dem Elyseepalaste entfernt, das weiß man nun. Wer garantiert dafür, daß dieser Versuch nicht früher oder später einen Nackfolger findet? Die Monarchisten sind mit allem einverstanden, was geeignet ist, das Ansehen der republikanischen Staatsform im Lande zu untergraben und nichts thäte dies mehr, als wenn zu den häufigen Ministerkrisen nun auch noch Präsidentenkrisen hin- zutrcten würden. Die Radikalen dürften ihrerseits darnach streben an die Gewalt zu kommen, und zur Er­reichung dieses Zweckes ist jedes Mittel ihnen recht.

Empor nt Gott.

Eine Weihnachtsgeschichte een

P. R. Rosegger.

(Fortsetzung)

Der Weg, öfter von den Spuren der Rehe und Hirsche und anderen Wildes durchkreuzt, ging stets sachte aufwärts und immer tiefer in die Falten der Wälder und Felsen. In die Klarau sah man nicht mehr hinab. Der Schlittfpad war auch zurückgeblieben, und selbst der schmale Fußpfad im gefrorenen Schnee wurde rauher und holperiger, je öfter er sich zweigte. Bon einem solchen Zweigpfad kam ein Mädchen herab, ein blühendes Kind, das übrigens der Bote tüchtig arisch, llen mußte, bis es begriff, daß es hier zum Niederknicn sei. Sie kniete iu den Schnee hinein, faltete die Hände und schaute dem P.iester so fiomm und treuherzig ins Gesicht, als ob er der wäre, vor dem sie knice. Der Kaplan blickte sie auch an, dann hob er das Heiligtum ein wenig vor seiner Brust und segnete sie.

Das Mädchen schlug über sein Gefichtlein ein Kreuz, dann stand es auf und hüpfte den Weg weiter abwärts. Hiron hätte es vielleicht gefragt, von wannen es komme, wie der Weg gehe, wie weit es noch sei bis hinauf iu die Scheiben, endlich wohl auch, wie es heiße, und ob es zur Christmette gehe, aber bei einer heiligen Handlung — und eine solche ist der Versehgang — schickt es sich nicht, daß der Priester mit jemand Worte wechsle, die nicht nötig sind. So sah er nun nur noch die Spur»n ihrer Kuie im Schnee, daun drückte er den Heiland ans Herz und ging dem Blasel nach. Dieser war in den Steig ein­gebogen, den das Mädchen gekommen. Der Hochwald hatte sich verloren, jetzt erschien das halbeingeschneite Buschwerk des Alpenrosenstrauches und der Zerben. Die freie weite Aussicht war längst wieder vergangen, es war eine Karmulde, die von einer schreckbar hohen, scheinbar überhängenden Felswand niederging. Geg-n- über waren kahle Lehnen, mit Felswänden gesprenkelt,

Wer weiß, ob sie nicht schließlich einen Präsidenten, der gemäßigte Männer als Minister vorzieht, zum Fall bringen werden, um ein Staatsoberhaupt nach ihrem Sinne durchzusetzen? Der neue Präsident der Republik kennt zur Genüge die Gefahr, welche ihm von dieser Seite her droht und wird ihr zu begegnen wissen muffen. Carnot ist ein ruhiger Mann, dem nichts ferner liegt, als sich in excentrische Abenteuer zu stürzen, in welche gewisse Leute Frankreich gern drängen möchten. Die Partei der Radikalen kann ebenso wenig die (einige sein, wie die der Boulangisten. Der Präsident hat die redliche Absicht, die Parteien zu versöhnen, und er wird zu dem Zwecke mit allen hervorragenden Parteichefs Be­sprechungen halten. Aber zu seinem Ziele kommen wird er schwerlich. Ja, es mag ihm gelingen, für ein paar Monate die Ruhe in der Kammer herzu­stellen, aber dann wird auch der Kampf um die Macht mit vermehrter Heftigkeit beginnen, denn dieser ist der Kernpunkt aller parlamentarischen Streitereien in Paris. Deutschland wird bei alledem als ruhiger Zuschauer stehen; für uns kommt ein direktes Inte­resse erst dann in Anbetracht, wenn in Paris ver­sucht werden sollte, den inneren Wirrwarr durch den auswärtigen zu beseitigen und das geht denn doch nicht so schnell.

Aentschrs Reich.

Berlin, 5. Dezbr. Der Kaiser arbeitete heute vormittag mit dem Geh. Kabinettsrat von Wilmowski und empfängt heute nachmittag um 4 Uhr den Staats­sekretär Grafen Herbert Bismarck. — Der Volks­wirtschaftsrat wurde heute durch den Staatsminister von Bötticher eröffnet, welcher die Versammlung namens der Regierung begrüßte und auf die hohe Bedeutung der Vorlage, betr. die Invaliden- und Altersversorgung, hinwies. Der Minister schlug vor, die Vorlage bei dem umfassenden Stoff nur generell im Plenum durchzuberaten und sie sodann im einzelnen durch einen aus 25 Mitgliedern bestehenden Ausschuß vorberaten zu lassen, wozu die Sektionen für den Handel, die Industrie und die Landwirtschaft je fünf Mitglieder wählen sollen. Die Versammlung stimmte dem Vorschläge zu. Alsdann begann die General­debatte. — Herr Dr. Krause aus San Remo erläßt am heutigen Vormittag folgende Erklärung; „Der neuliche Artikel der „Freisinnigen Zeitung" enthält nur Unwahrheiten; weder bin ich pessimistisch, noch habe ich irgend einer Zeitung unrichtige Nachrichten mitgeteilt, noch auch sind die Angaben über Empfeh­lung oder Ablehnung von Jodkali richtig. — Die und d,r Schnee an denselben und auf den Kuppen dämmerte schon im kalten Blau des abends, lieber den Himmel zogen sich leicht gewölkte Streifen, die noch im rosigen Scheine waren.

Hiron fragte nun den Blafll, ob sie denn nicht schon bald auf die Scheiben kämen? Er mußte mehr­mals recht laut fragen, dis jener eine halbe Antwort gab und nach vorn deutete. Sie schritten fürbaß, und wenn sie an einem aufragenden Baumstrurik vor- überkameu, wie hier der Sturm oder der Blitz die einzeln dastehenden Stämme auf Manneshöhe ge- krochen hatte, so läutete der Blase! mit aller Macht seines Armes das Glöcklein, als sollten auch die Strünke niederkaten, wenn das Sacrament kommt. Der arme Bursche schien sich bisweilen ordentlich ge­hoben zu fühlen von dem Amt, das er heute trug oder besser, das ihn trug, und der Priester betete zu seinem Gott, er möchte dem armen Wesen so viel Licht und Gebrauch der Sinne zuwenden, als jeder Mensch htenieden nötig hat, um Gott zu erkennen und der ewigen Seligkeit zuzustreben. Er wußte wohl, was der Volkswuud sagt: Die Trottel (Cretins) kommen nqch ihrem Tode an einen Ort, wo keine Freude und kein Leid ist. Also beraubt der An­schauung Gottes! Das bedauerte der Priester noch am meisten, wenn er den Blase! betrachtete, der bte längste Zeit wie müde und halb verloren vor ihm herwavkte. Nun kamen sie empor zu einer Berx- scharte, hinter welcher Hiron das HauS auf der Scheiben zu erblicken hoffte. Aber dort peitschte ein schneidiger Wind Nebelmassen von den Bergriesen her, welch letztere in ihren düster-blauen Schatten auf» ragten, und deren Zinnen sich im Nebel verloren. Es war eine ganz fremde Gegend, und der Blasel ging über rauhen Steinboden, von dem der Wind den Schnee weggefegt hatte, thalwärts. Aus dem Nebel, der sich immer tiefer herabseukte, begannen scharfe Eisnadeln zu fallen, die an den Wangen brannten, und endlich auch Schneeflocken.

Es war schon ganz dunkel geworden. Der Pfad

Aeußerungen sämtlicher Blätter ohne Unterschied der Partei lassen erkennen, daß man hier die Wahl Sadi Carnots zum Präsidenten der französischen Republik als eine unter den obwaltenden Verhältnissen glück­liche Lösung der Krisis ansieht. Dasselbe dürfte auch ungefähr die Auffassung des hiesigen Auswärtigen Amtes sein. Die Ruhe und Ordnung, mit der sich die Präsidentenwahl vollzog, hat hier sogar einiger­maßen überrascht. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." ergreift nochmals die Gelegenheit, um kundzugeben, daß Fürst Bismarck von seiner Unterredung mit dem Zaren befriedigt war. Sie bestreitet nämlich, daß Fürst Bismarck nach der Unterredung das Zimmer in „lebhafter Erregung" verlassen habe und eignet sich den Bericht eines Hamburger Blattes an, in welchem es heißt: „Als an jenem Tage der Reichs­kanzler nach beendigter Audienz aus den vom Zaren bewohnten Gemächern der russischen Botschaft heraus­trat, kam ihm Graf Schuwaloff entgegen und fragte ihn, wie die Audienz verlaufen wäre. Der Fürst erwiderte darauf: „otschen charascho“ (sehr gut). Der Botschafter schien darüber lebhaft befriedigt, daß er bei dem Fürsten Bismarck eine „tiefe Erregung" bemerkt haben sollte, davon hat nichts verlautet. — Die Nachricht einzelner Blätter, daß Graf Herbert Bismarck, der Sonnabend nach Friedrichsrnh gereift ist, sich in einer Spezialmission nach Petersburg begeben werde, scheint sich bis jetzt wenigstens nicht zu bestätigen.

Gotha, 5. Dez. Es heißt, an Stelle des sich zurückzichenden StaatSministers von Seebach mürbe der preußische Geheime Finanzrat Dr. von Bonin treten.

Ausland.

San Remo, 4. Dez. Der Kronprinz machte heute eine Fußtour und promenierte leichten Schrittes durch die Hauptstraße; fein Aussehen war das beste. — Die Krankheitsgeschichte des Kronprinzen nimmt eine Wendung, die so überraschend ist, daß man Mühe hat, dem plötzlichen Umschwünge zu folgen. Augen­scheinlich ist es Virchow persönlich, der in der „ Freis. Ztg." die merkwürdigsten Mitteilungen über die Kon­sultation von San Remo und was darauf folgte, macht. Danach haben die Aerzte, wie man annehmen muß, der Oeffentlichkeit nicht alles gesagt, was sie wußten. Auch Profeffor Virchow ist von ihnen nicht in das Geheimnis gezogen worden. Was haben nun wohl die Aerzte gefunden? Und welche mögliche andere Krankheitsform kann ihnen vorgeschwebt haben ? Kein Vernünftiger wird verlangen, daß die Frage

hatte sich verloren, der Abstieg Über das Gestein wurde so steil, daß sie klettern mußt n; der Blasel, stets mit dem schellenden Glöcklein am R'emen, kletterte schier besser, als er auf dem glitten Boden ging; er schien mehr zum Vierfüßler eingerichtet als zum auf­rechten Gang. Er that dabei so munter, daß Hiron schloß, dieser Weg müff: ihm wohlbekannt sein, sie mußten nahe dem Ziele sein. Die Laterne mit der brennenden Kerze hatte Hiron schon früher an sich genommen und sie mit dem Drahlhenkel an seinen Arm gehangen, das Gefäß des Heiligtums hatte er mit der Stola fest an die Brust gebunden, so daß er sich mit beiden Händen des Stockes bedienen konnte, und nun kletterte er nach, so gut es ging.

Endlich standen sie in einer Engschlucht, wo man nicht mehr weiter konnte.

Der Blasel staud da wie ein Nachtwandler. Der Priester fragte ihn:

„Wo sind wir? Wo ist der Weg?"

Der Bursche glotzte ihn an, fast verwundert, wieso der Geistliche zu solcher Frage käme.

Hiron rüttelte ihn am Riemen des Ranzen: ,Un- glücklicher Mensch! Tier! Du hast den Weg verloren!"

Der Blasel war zusammengezuckt und stöhnte. „Wo ist daS Haus in der Scheiben?" rief Hiron. „Wo ist daS Haus iu der Scheiben?" flehte er mit gerungenen Händen.

Der Bu sche deutete mit einer trägen Geberde, er wisse es nicht.

J-tzt erst sah der Kaplan, woran er war: verirrt, auf sich selbst angewiesen im hohen Gebirg, in der stürmischen Winternacht. Er begann wieder ewpor- zuklettern dort, wo sie niedergestllgen; dann rief er den Blasel, daß er ihm folge, und mußte wied-r um- kehren, nm den zwischen zwei FelSklötzen hockenden Halbmenschen aufzurütteln und mit sich zu führen.

So begannen sie nun herumzuirren, denn die Richtung von der sie gekommen, fand Hiron nicht mehr. Er wand sich durch sprödes Zerdengestrüpp, er hm durch steile Stare, über Schuttreisen, iu wüstes

nunmehr in voller Oeffentlichkeit breit getreten werde, aber das Publikum würde sich schon beruhigen, wenn es die Ueberzeugung gewänne, daß unter den ärzt­lichen Autoritäten Einverständnis über die Natur des Leidens und über die Behandlungsmethode herrscht. Virchow bestätigt in seinen Mitteilungen an die „Freis. Ztg.", daß er in dem eingesendeten Eiter­erguß teilte Krebszellen gefunden habe, er sagt uns aber nicht, was sonst darin enthalten war. Bloß aus Speiseresten werden die „braunrötlichen Flocken" ja wohl nicht bestanden haben. Das Wichtigste an der Virchowschen Zuschrift ist, daß sie die Zurück­rückbildung einer wirklich krebsartigen Geschwulst für ebenso unmöglich erklärt, wie daß ein Baum in sich zusammenschrumpfen soll. Die Zurückbildung ist in­dessen nach den zweifellosen Wahrnehmungen der behandelnden Aerzte erfreulicher Weife vorhanden. Noch einmal also: Woran leidet der Kronprinz? Noch muß bemerkt werden, daß andere Krankheitserschei­nungen mit eiterigen Absonderungen, wie sie hier vor­gekommen sind, gerade am Kehlkopfe zu den aller­größten Seltenheiten gehören, von denen die medi­zinische Wissenschaft kaum ein Dutzend Fälle kennt. Etwaige Verwechselungen mit Carcinom würden also auch den größten Klinikern begegnen können. Daß die zur Konsultation berufenen Aerzte gleichwohl nicht abschließend geurteilt haben, geht sowohl aus der Zurückhaltung Schrötters, wie aus Andeutungen hervor, welche Dr. Moritz Schmidt in Berlin gemacht hat. — Die „Berichterstattung" über den Aufenthalt des Kronprinzen in San Remo hat verschiedenen Blättern Anlaß zu offenbaren Schwindeleien gegeben. Die „Neuesten Nachrichten" behaupten, ein Hotel- Portier in San Remo sei von vier deutschen Zeitungen um Depeschen angegangen worden. Der Portier habe ein aus Berlin an ihn gerichtetes Telegramm aus der Tasche gezogen, des Inhalts: „Senden Sie uns mit möglichster Wortersparnis zuverlässige Telegramme über den Kronprinzen." Als Unterschrift figurierte der Name eines Berliner Blattes. Hierzu bemerkt die „Magdeb. Ztg.": „Gewiß würden sich die „Neuesten Nachrichten" den vielseitigsten Dank er­werben, wenn sie die „vier großen deutschen Zei­tungen" namhaft machen wollte, welche sich den „Hotelportier" als „Spezialkorrespondenten" bestellt haben!" Die „Magdeb. Ztg." berichtet dann noch, daß ihr von ihrem Korrespondenten in San Remo schon vor etwa 8 Tagen mitgeteilt sei, ein „altes Berliner Blatt" habe sich an einen Portier telegra­phisch um Nachrichten gewendet, und fügt hinzu, daß. der Korrespondent das Telegramm selbst gelesen habe.

Gestein. Das heftige Schneegestöber schnitt rauh iu sein Gesicht und bedeckte die kahlen Steine rasch mit Weiß, auf welchem der rote Schein der Laterne trr- ltcdtarttg hin- und herzuckte. Mit jedem Schritt konnte Hiron in den Abgrund stüizen, mehrmals glitt er aus, einmal rollte er schon gegen ein Bodenloser hinab, daß er dachte: Leb wohl, o Welt, jetzt fahre ich in die Ewigkeit! Da blieb er mit der Schnur des Heiligtums an einem Zerbcnast hängen.

Nun sagte der Priester: „Fast härte ich vergessen^ bist ja Dn bei mir, mein Gott! Dein starker Arm hat mich gerettet, Du hast die Israelit n aus der Wüste geführt, Du wirst auch mich. Du hast die Jünger auf stürmischem Meere gerettet. Du wirst auch mich. Diäuet ihr Berge, brauset ihr Stürme da oben in den Wänden, bei mir ist der Allmächtige!"'

Der Glaube gab ihm Kraft, er raffte sich wieder­auf, wand sich fort, immer aufwärts, steil aufwärts, denn das Niedersteigen oder Klettern quer an den Hängen hin war zu gefährlich. Das Licht in der Laterne war ve> loschen; Feuerzeug war im Ranzen, aber wo war der Ranzen und sein Träger? Hiron rief im Tosen des sich immer heftiger entfachenden Sturmes vergebens nach seinem armseligen Gefährten; er suchte ihn und stolperte endlich darüber. Der Bursche hatte sich iu einer Felsrtnoe hiugelegt zum Schlafen. Der Schnee beeilte sich, darüber eine Decke zu weben; es wäre aus gewesen, ohne eine einzige Klage und ohne Schmerz, es wäre ein segenloses Leben vorbei gewesen. Aber Hiron hob ihn auf, stäikte ibn mit Branntwein, schleppte ihn hinan in die Kluft eines Felsens. Wie kam c8, daß diese abgehärtete, an die Herbheit des L-beus und des Gebirges gewohnte Natur mit ihrer Kraft schon zu Ende war, während Hiron kaum eine Ermüdung kühlte, obwohl seine Glieder zitterten? Mit dem Burschen war eben nichts, was das Tierische auf­gestachelt hätte: mit Hiron war die Angst und der Glaube.

(Fortsetzung folgt.)