Einzelbild herunterladen
 

.Wöchentliche Beilagen: «reis-Blatt für die Kreise Marburg Mld Kirchhain. - Illustriertes

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck mtb Verlag von Joh. Sag. Koch.

M 285.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. - Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expe­dition 21/» Mi., bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

DieiMag, 6. Dezember 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G- L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Paris.

XXII. Jahrgang.

Frankreichs Vriili-entenwaki hat sich rascher und friedlicher vollzogen, als allge­mein anzuuehmen war. Die Kandidaten ersten und zweiten Ranges kamen schließlich nicht zur Geltung und der dis dahin am wenigsten oder gar nicht ge­nannte Kandidat Sadi Gernot wurde gewählt und zwar mit einer größere« Majorität als weiland Grevy, der es bei seiner aw 28. Dezember 1885 stattgehabteu Wiederwahl nur .auf 457 von 589 Stimmen brachte. Nach einer nahezu 9 jährigen Amtsthätigkeit in der höchsten Würde Frankreichs hat Grevy nun das Elysöe geräumt und seinem Nach­folger Sadi Garnot, den 616 Stimmen auf diesen Ehrenposten beriefen, die Pforlen zum Eingang geöffnet.

Der neue Präsident M arie Frantzois Sadi Earnot ist der Enkel des Grafen Carnot, des be­rühmten Staatsmanns, Generals und Kriegsministers der großen Revolution, der nach der Rückkehr der Bourbonen verbannt wurde, nach Magdeburg sich begab und dort im Jahre 1823 starb. Dessen Sohn Hipolyte Lazare, geboren 1801, lebte sieben Jahre mit dem Vater in Magdeburg, studierte daselbst deutsche Sprache und Litteratur und kehrte 1823 nach dem Tode seines Vaters in die Heimat zurück, wo er als Advokat und Journalist wirkte und als Republikaner mit stark sozialistischer Färbung ins Leben eintrat. Er war wiederholt Deputierter und wurde nach der Februar - Revolution Minister des öffentlichen Unterrichts und des Kultus, verdarb es aber bald mit der Nationalversammlung. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 wurde er in den gesetzgebenden Körper gewählt, aber nicht zuge- laffen, weil er, wie Cavignac, den vorgeschriebenen Eid der Treue gegen den Kaiser verweigerte. Wieder­holt gewählt, bequemte er sich erst 1864 zu dem Eide, trat in den gesetzgebenden Körper und gehörte dort der Opposition an, die den liberalen, parlamen­tarischen und republikanischen Gedanken aufrecht er­hielt. Nach dem Sturz des Kaiserreiches wurde er Mitglied der Nationalversammlung und 1876 Senator. Er lebt, ein 86jahriger Greis, jetzt noch. Der neue Präsident der französischen Republik ist sein Sohn, der also sozusagen aus altrepublikauischem Adel ist. Er wurde am 11. August 1837 zu Limoges geboren, ist also jetzt gerade 50 Jahre alt. Trotz dieser ver­hältnismäßigen Jugend hat Sadi Garnot schon eine beträchtliche Strecke politischer und staatsmännischer Laufbahn hinter sich. Er ist von Beruf Ingenieur. Er trat 1857 in die polytechnische Schule ein, be-

Lmpor m Gott.

Eine Weihnachtsgeschichte von

P. K. Rosegger.*)

Zur Weihnachtszeit, wenn der tiefe Winter liegt im Gebirge, und die wenigen Häuser, die auf den Höhen oder in den Schluckten stehen, eingemauert find in Schnee und Einsamkeit und hoch darüber die nebelumzogenen Wände aurrogen, da fällt mir die Geschichte von jenem jungen Priester ein.

Das war einer der Wenigen, die aus wirklicher Achtung und Neigung den geistlichen Stand erwählen; er suchte in diesem Stande weder Versorgung noch Ehre, das hätte er bequemer haben können, denn er war eines reichen Mannes Kind. Er hatte im Hanse seiner Eltern eine sehr katholische Erziehung genosien, denn so ist eS der Brauch bei vornehmen Leuten, und auf solchem System beruht die Macht so manch altadeliger Familie. Aber der junge Hiron halte unrecht verstanden, er dachte nicht au Brauch und Mart, seine Sinne hatten sich von dem berückenden Wesen des Katholicismus durchdringen lassen, er hatte den Glauben und dir Religion wahrhaft und tief in sein Herz geschlossen. Er erwählte den priester­lichen Stand nicht, um Bischof zu werde» oder Kar­dinal oder »noch was Aergeres", wie sich sich bei uns die Bauern ausdrücken, wenn sie .noch was Größeres" sagen wollen. Nein, Hiron wollte Priester werden, um in Demut seinem Gott zu dienen. Die Andacht, das Sichversenken in Gott, der in irgend einer körpenlrcheu Wesenheit den Sinnen nahegerückt wird, ist ein Genuß, den nur Wenige kennen. Nicht eine Aufopferung, sondern ein Genuß. Die Neigung hi-lt während Hirons Studier; it an und war nock in ihrer vollen Lebendigkeit da, »als er zum Priester tzeweiht wurde. Er trachtete nicht den Höhen der

*> Aus P. R. Roseggers Schriften. Mit Erlaubnis von A. Hartlebens Verlag in Wien. Nachdruck strengstens untersagt.

suchte später dieEcole .des ponts et chaussets", ward Sekretär desConseil des ponts et chausseee" und wurde später zum Staats- Ingenieur in Annecy ernannt. Nach dem Sturz des Kaiserreichs stellte er sich der Nationalverteidigung zur Verfügung; Gambetta ernannte ihn zum Prä- retten des Departements Seine - inferieure und über­trug ihm die Organisation der nationalen Verteidigung in der Normandie. Am 8. Februar 1871 wurde er vom Departement Gote d'Or in die Nationalver­sammlung gewählt, in der er sich der republikanischen Linken anschloß. Nach Auflösung der Nationalver­sammlung wurde er in die Kammer gewählt, deren Mitglied er bisher gewesen ist; er gehörte dem Büreau der Kammer als Sekretär an und war mehrere male Mitglied und Berichterstatter der Budgetkom­mission. Als Grevy am 30. Januar 1879 Präsi­dent wurde und das Ministerium Waddington bildete, wurde Sadi Garnot Unterstaatssekretär des Ministers der öffentlichen Arbeiten Freycinet, und behielt diese Stelle auch, als Freycinet im Dezember 1879 Premier­minister wurde und das Ministerium der öffentlichen Arbeiten an Varroy abgab. Nach dem Sturz des ersten Ministeriums Freycinet im September 1880 übernahm Sadi Garnot im ersten Ministerium Ferry das Ministerium der öffentlichen Arbeiten und trat im November 1881, nach den allgemeinen Wahlen, mit seinen Kollegen zurück, um dem sogenannten Großen Ministerium" Gambettas Platz zu machen. Er machte sich als Arbettsminister namentlich um die Durchführung des großen Freycinetschen Bautenplanes verdient. Nach dem Sturze des zweiten Ministeriums Ferry trat Sadi Garnot wieder als Arbeitsminister in das am 6. April 1885 gebildete Ministerium Brisson - Freycinet, gab es aber bald an Dantresme ab und übernahm an des unfähigen Gtamageran Stelle die Finanzen. Auch unter dem folgenden Ministerium, dem dritten Freycinetschen, war er Finanzminister. Als solcher war er nicht auf Rosen gebettet; die fetten Jahre waren vorbei, die Anfor­derungen wuchsen, die Kammer dekretierte immer neue Ausgaben und nun sollte der Finanzminister das Kunststück machen, bei beschränkteren Einnahmen ohne Anleihe und ohne neue Steuern auszukommen. Am 3. Dezember, dem Wahltage, ist es gerade ein Jahr, daß das dritte Ministerium Freycinet abdankte und Sadi Garnot in Dauphin einen Nachfolger er­hielt, der freilich nicht glücklicher war als er. Aber ein Verdienst Sadi Garnots überlebte seinen Rücktritt vom Finanzministerium: Er hielt die Hand fest am Staatssäckel und zeigte sich den Beeinflussungen der

Gesellschaft, sondern den Tiefen des Ledens zu, und so wurde er von Einigen zwar bewundert, von bin Sämigen aber schier wie ein mißratenes Kind be­trautet. Das hochwürdigcKonststorium wandte übrigens ein wirksames Mittel an, dem jungen Manne die Passion bestens zu verleiden; es bestallte ihn mit mit einem Kaplansposten weit draußen in einem Ge­birgsdorfe, genannt die Klara«, bei Kleinbauern mtb armen Waldleuten.

Im Spätherbst, da die kalten Winde niederstrichen von den hohen Bergen und aus dem grauen Nebel schon Schneeflocken tanzten, zog der junge Kaplan in das Dorf ein, wo ihm der alte halbbltnde Pfarrei ein etwas kahles Stübchen einräumeu liefe, an dem der gute grüne Kachelofen das Beste war. Hiron fühlte sich nickt enttäuscht, er hatte sich die armen Leute noch ärmer und verkommener gedacht, als sie ihm in diesem atbeitfamen Bauerndorf mit einer ge­wissen leutseligen Ueberlegenheit entgegentraten. Er hatte sich die Berge viel höher gedacht, aber nicht so unendlich großartig und unerschöpflich an Herrlichkeit und Gewalt. All das erhöhte noch seine fromme Stimmung und er freute sich dem Weihuachisfeste entgegen, dem Gottesdienste in der Christnacht, den er in der schlichten Dorfkirche mit aller Weihe und Herzensfeligkeit zu begehen gedachte. -ie letzten Wochen des Advents, da der Winter trübe und schwer über die Gegend oiedergesunken war, verlebte er, wie einst die Propheten, in stiller Erwartung des Er- lösers. Bald werden die mächtigen Glocken klingen und die Menschen zusammemufen aus Berg und Thal, daß sie vor kem Herrn in Brotesgestalt knien, wie einst die Hirten vor der Krippe.

Das Weihnachtsfest kam, und der junge Priester hat es auch gefeiert, aber ganz anders, als et er­wartet hatte, ganz anders.

Der Heilige Abend war ein heiterer Tag; ein reiner Himmel lag still über der stillen Schneeland­schaft; um die Mittagszeit troffen die Dächer des Pfarrhofes, und als die scharfen Schatten des

Kompagnie Grevy-Wilson unzugänglich. Den An­spruch des Gevyschen Klienten Dreifus auf Erstattung von 150 000 Francs Sporteln hat er abgewicsen. Als Rouvier diese Thatsache vor drei Wochen in der Kammer erwähnte, erhielt Sadi Garnot von der ge­samten Kammer eine stürmische Ovation. Das lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn, und gegen­über dem schmählichen Handel, der überall mit Staatsgeldern und Staatseinfluß getrieben wurde, erschien er, der sparsame und unbeugsame Finanz­minister, wie eine Zuflucht der beleidigten Moral, wie ein Retter aus der Not des Skandals. Dieser Umstand, der ihn, und nicht mit Unrecht, zum Gegen­bild des Wilson-Grevyschen Paares machte, hat offen­bar viel dazu beigetragen, ihn auf den höchsten Posten der Republik zu bringen.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Dez. Der Kaiser arbeitete heute vor­mittag mit dem Ghef des Militärkabinets General von Albedyll, empfing um 1 Uhr den General von Winterfeld und machte darauf eine Spazierfahrt. Morgen vormittag findet im kaiserlichen Palais für die Majestäten und ihre Gefolge Gottesdienst durch den Hofprediger Dr. Kögel statt. Die Kommission des Reichstages zur Vorberatung der Getreidezollvor­lage besteht aus den AbgeorWeten von Landsberg- Steinfurt als Vorsitzendem, Hammacher als stellver­tretendem Vorsitzenden, Lucius, (Seibel und Hoffmann als Schriftführern, sowie den Abgg. Windhorst, Reichensperger, Beckmann, Braubach, Mooren, von Pfetten, Broemel, Rickert, Maager, Pfähler, v. Hell- dorff, v. Mirbach, v. Wedell-Malchow, v. Puttkamer- Plauth, Delius, Fischer, Seemann, v. Kardorff, Lohren, v. Ow, Hoffmann (Sachsen) und Diffenä. Die Wahl des Frhrn. v. Landsberg zum Vorsitzenden deutet an, daß für die Annahme in der Kommission die Majorität gesichert ist. DieKreuzztg." warnt heute dringend, daß man die Verhandlung der Kom­mission mit Fragen beschwere, die zur Verschleppung, wenn nicht gar zur Gefährdung der Vorlage führen können. Sie meint damit die Frage der Doppel­währung und des Identitätsnachweises. DieNordd. Allg. Ztg." ermahnt an leitender Stelle die Kom­mission zu schneller Arbeit und bedauert, daß über­haupt eine Kommissionsberatung beschlossen worden ist. Sie macht deswegen den Nationalliberalen und Freikonservativen Vorwürfe, indem sie schreibt:Die Gründe, weßhalb nun doch anstatt eines der Sach­lage mehr entsprechenden Resultats ein Umweg zur Erreichung des Zieles gewählt wurde, liegen haupt-

HauseS und der Kirche sich weit hinausdehuteu auf die glatte, säst glänzende Schneefläche der Wiese, wuchsen an den Dachi ändern die Eiszäpflein.

Um dieselbe Zeit wars, daß im Pfarrhofe ein Wesen erschien, eines von jener Art, wegen welcher der Gottschöpfer schon manchen Vorwurf hat einstecken müssen. DaS Wesen stand anfangs eine Weile im Vorhause, jetzt ängstlich lauernd, ob hinter einer der Thüren nicht etwas zu vernehmen wäre, dann wieder stumpf vor sich hinstterend, die längste Weile aber der Katze zuschauend, die auf einer der Bodenstiege­stufen hockte und d u Eindringling nicht ohne Miß­fallen betrachtete.

Endlich hatte die Haushälterin den Halbcretin so einer war eS bemerkt und fragte mit sehr ver­nehmlicher Stimme zur Küchenthür heraus, was man wolle!

Der Wartende war über den plötzlichen Anfall so sehr erschrocken, daß er fürs erste gar nicht wußte, wo er war, und fürs zweite noch weniger, was er wollte. Er war höckerig, hatten einen sehr dicken Hals, ein glattes blasses Gesicht und sah aus wie ein verkommener Junge von zwölf Jahren, während er mindestens über das zwanzigste hinaus war. Er schien sich nun zu besinnen, machte in seiner ze: flickten, schlappen Lodenkleidung ein paar schleifende Schritte gegen die Fragerin und sagte mit lallender Stimme twas vom .absterben" und machte mit dem Arm eine Bewegung wie der Ministrant, wenn er das Glöcklein schwingt. Die Haushälterin ward daraus nickt klug, und erst als das ganze Gesinde um den Jungen herumstand und ihn begaffte und befragte und seine Späße über ihn machte, zog er mit um säglichen Umständen ans einem Rocksack ein znsammeu- geknittertes Papier. Nun sahen sie es: Das gehört dem Herrn Pfarrer.

Auf dem Papiere standen in mühevollen Zügen folgende Worte:

»Hochwürden Herr Pfarrer!

Mein Manu, der Hans in der Scheiben, ist so

sächlich in der Unentschiedenheit verschiedener mittel­parteilicher Elemente, welche, obwohl sie an sich von der Notwendigkeit, daß etwas geschehen muffe, über« engt sind, aus zwar nicht ausgesprochenen, aber gefühlten Ursachen hinter einer Kommissionsberatung. Deckung für ihre Voten suchen zu müssen glauben." Die Budgetkommission des Reichstags hat heute ihre Thätigkcit begonnen. Bei Beginn der Diskussion wurde auf Anregung des Abgeordneten Baumbach unter Zustimmung des Chefs der Admiralität konstatiert, daß die Denkschrift zum vorjährigen Etat, welche den Plan für die Vermehrung der Flotte enthält, eben­sowenig wie die Zustimmung der Budgetkommission und des Reichstags zu diesem Plan die jährliche budgetmäßige Prüf^jig und die Bewilligung bestimmter Summen für bestimmte Schiffe entbehrlich mache. Hierauf trat die Kommission in die Beratung der ihr überwiesenen Teile des Marineetats und bewilligte sämmtliche Forderungen bis auf eine. Es wurde nämlich auf Antrag Bennigsen's die Erbauung eines Marine-Lazaretts tn Lehe abgelehnt, weil die Bau­kosten verhältnismäßig hoch schienen. Dem Sekretär der Kgl. Akademie der Wissenschaften, Prof. Mommsen, ist die große goldene Medaille für Wissenschaft ver­liehen worden. Wie derReichsanzeiger" meldet, sind der Kommerzienrat Frentzel (Berlin) und die Rittergutsbesitzer von Langermann-Erlencamp (Lubin), von Tettenborn und Wolff (Reichenberg) zu Mit­gliedern des Volkswirtschaftsrates ernannt worden. DieKreuzztg." erklärt, daß die Nachricht, der Präsident des Reichstages Herr von Wedell sei zum Ober-Präsidenten der Provinz Sachsen ernannt worden, auf Erfindung beruht. Andere Blätter halten sie nur für verfrüht.

Breslau, 3. Dez. Der Kaiser hat auf die von der Schlesischen Provinzialsynode ihm zugegangene Adresse unter dem 2. d. M. folgendes erwidert: Die Mitglieder der Schlesischen Provinzialsynode haben in anhänglicher Treue ihre Teilnahme an dem tiefen Kummer, von welchem mit dem Vaterlande Mein Haus durch die Heimsuchung Meines Sohnes niedergebeugt ist, in so warmen Worten kundgethan, daß Ich für Mich wie im Namen Meiner Gemahlin herzlichen Dank dafür ausspreche. Zugleich hat Mich mit Befriedigung erfüllt, tn Ihrer Zuschrift das Gefühl des ernsten kirchlichen Jntereffes ausgeprägt zu finden, mit welchem die Synode ihre Arbeiten aufnimmt.

München, 3. Dez. Kammer der Abgeordneten. Bei Beratung des Etats des Innern erklärte der Minister des Innern gegenüber den Beschwerden des

viel krank worden und laßt tausendmal bitten um einen Geistliche!!, weils zum Sterben sein wird. Zum Schicken baden wir halt keinen wie den Halterbuben, unfern Blasel, was ein armes Geschöpf ist und ntt redcn kann, und ich cs ihm aufschreibe. Aber den Weg weiß er und bitten um Gotteswilleu um baldige Tiöstuug, suust muß er so fort.

Die Hansin tn der Scheiben."

Also ein Versehgang hinein ins Gebirge. Die Scheiben liegt oben auf dem Gscheid, wo man zwischen dem großen Nockstein und der Karwand hinübergeht ins Eisthal. Wer gut bei Fuß ist, der gehts in zwei Stunden hinauf. Der Pfarrer ist alt und müh­selig, wen wirds treffen?

»Ich gehe ja gern, sehr gern,* sagte der junge Kaplan, »zum Abend bin ich leicht wieder hier."

So möchte er eine zweite Kerze in die Laterne thun, riet die Wirtschafterin, daß er auch auf dem Rückweg Licht hätte, der Mond gehe erst gegen Mitter­nacht auf.

Auch that das fürsorgliche Weibchen zu andern Dingen und kirchlichen Geräten ein Fläschlein Brannt­wein in den Ranzen, den sie dem armseligen Boten um den Hals hingen. Der Caplan wehrte sich gegen den Branntwein: ob man denn glaube, daß er

»Nur drinnen lassen!" sagte der Pfarrer und zog die Hand Hirons von dem Ranzen zurück, »Sie kennen das Gebirge noch nicht. Es steht Ihnen gatj frei, bei Predigten und Christenlehren g-gm den Brannt­wein zu Felde zu ziehen, so scharf Sie wollen, es wild sehr gut fein, wenn Stes thun, aber wenn Sie zur Winterszeit ins Gebirge gehen, so vergessen Sie den Schnapsplutzer nickt; ists kein großer, so feis ein kleiner! Ich rate Ihnen gut."

In Winter stiefeln und Pelzhaube, im Chorhemd und in der Stola, halbmäßig, halb priesterlich, so machte sich nun der Caplan auf den Weg. Mit der reckten Hand hielt er das Ciborium, als da ist das Gefäß der Hostie, das ein goldgesticktes Mäntlrin um hatte und mit einer roten Schnur am Halse des