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Illustriertes SomitagSblatt

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Der Marktplatz in Marburg.

i Exekutionen waren jederzeit Kirchenstande der Männer auS den Siechenhöfen; diese Gleichviel ob die Deliquenteu hatten daS Amt die Hunde damit hinaus zu peitschen'

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Nach einem Eintrag im Ratsprotokoll vom 26. Oktober 1630 waren die zünftigen Leinweber in Mar­burg und aus dem Lande um die Stadt herum und die Zimmerleute und Maurer altem Herkommen nach verpflichtet, den Galgen oder .das hohe Gericht" auf dem Kaff zu heben. AlS ihnen dies in jener Zeit besohlen wurde, stellte« sich nur die Werkleute vom Lande ein, während die Marburger nicht erschienen. Erstere folgten dem Trommclschlag und hoben das Werk, letztere dagegen wurden um ihres Umg-horsams willen mit Gefängnis bestraft und jeder einzelne noch in 10 Gulden Strafe und in die Unkosten verurteilt. Die Stadt stellte den Werkleuteu anstatt des üblichen Weins zwei OhmBatzmbier", welches sie in der Weinstube tranken; außerdem war die Stadt noch verpflichtet, das Gerüste zum Galgen machen zu lassen und Dielen und Leitern an Ort und Stelle zu schaffen.

Mit den p inlichen Exekutionen waren jederzeit Ausgaben verbunden. <*"' ' ~

fiziert. Der Anatom Professor Dr. MajuS ließ sich den Körper derselben auf die in die Nähe seiner Wohnung er war Eigentümer des Hauses Nr. 1 an der Schloßtreppe gelegene Wolfsburg bringen, um ihn daselbst einer Sektion zu unterwerfen. Nach derselben beauftragte die fürstliche Regierung den Oberschultheißen Leute zu beschaffen, welche den Leichnam aus den Kirchhof trügen. Weil sich aber

von Marburg oder von auderwärts her waren, mußten die dabei Beteiligten, als Schultheiß, Prädikanten, Stadtdiener, Bau- und Werkmeister samt deren Ge­hilfen auf Rechnung der hefigen Stattkasse mit Wein regalirrt werden.

Nach Ausweis der Stadtrechnungeu aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, in welchem zu­erst des Schasrichters als eines Ansässigen am hie­sigen Orte Erwähnung geschieht, erhielt er jährlich von der Stadt den Hauszins, 7 Ellen Tuch zu einem Rocke, 3 Pfd. Geld für die Hinrichtung eines V r- urteilten aus der Stadt, ein paar Handschuhe bei einer jeden Exekution samt den dazu erforderlichen Gegenständen, als Seile, Stricke, Ketten, Stütze!, Leimntuch zu Säcke» für die tu der Lahn zu Er­tränkenden u. a. m. Auch war es ihm gestattet mit s iner Hausfrau auf Hochzeiten zu erscheinen und Essen zu fordern. Als im Jahre 1555 der zeitige Scharfrichter seine Befugnis überschritt und nicht nur von einer jeden Hochzeitssp^ise seinen Anteil sondern auch »och ei» Viertel Wei» verlangt, wird er vor den Magistrat geladen, welcher ihn bedeutet, von einer solchen Neuerung abzust-heu, da diese wider Alther­kommen und Gewohnheit gemeiner Bürgerschaft sei, worauf der Scharfrichter erwiderte, .damit man sehe, daß er keine Neuerung zu machen bedacht, wolle er sich verpflichten, hinfürter kein Essen auf Hochzeiten mehr zu holen, bäte aber, ih» mit bqm gefallenen Vieh unbedrängt zu lassen," welches ihm um befferen Nutzens der Stadt willen seitens des Magistrates zugesogt wurde, (cfr. Stadtprotokoll vom Donnerstag nach Burghardt 1555.)

Im 15. und 16. Jahrhundert gad es viele Hunde in Marburg. Zeitweise mußte auf Befett des Magistrates der Schaisiichter in den HundStageu in der Stadt um- gehen, um die frei herum laufenden Hunde totschlageu, wofür er aus der Stadtkasse entschädigt wurde. Für die Eindringlinge in die Pfarrkirche hing eine Peitsche am

Die Thätigkeit des hiesigen Scharfrichters war zwischen den Jahren 1570 und 1589 eine ganz außer- geu öhnliche, da nach Ausweis der Stadtrechnungen 58 peinliche Exekutionen au Mördern, Dieben, Falsch­münzern und anderen Verbrechern vorgekommen sind, -ie Dcliquenten waren teils dem Schwerte teil» dem Strauge verfallen, eine Frau wurde von der Weiden- Häuser Brücke aus in der Lahn ertränkt, einer gerad- breckt und zwei gevie:teilt. Die Teile des einen wurden an 4 Straßenecken und die des andern an 4 Stößeln oufgehangen. In der Stadtrechnung von 1571 findet sich noch angemeikt, daß ein dem Strange verfallener Pferdedieb nach geschehener Ex.kution .anatomiert" worden sei; der Name des Anatomen ist dabei nicht genannt.

Am 24. August 1648 wurde einer, der seine Frau erschlagen hatte, mit dem Rade von oben nach unten vom Leben zum Tode gebracht. In Anbetracht, daß seine Frau sich nicht gut gegen ihn verhalten und ihn zum Zorne gereiz habe, wurde das Todesurteil gemildert, sonst sollte er auf dem Markte und in Wcidenhause» mit glühenden Zangen zu dem Zw<cke war jederzeit eine Pfanne mit glührnden Kohlen zur Hand gepetzt »nd dann zum Richt­platz hinausgcschleift werden. Bei dieser Sx-kution verlangte der Scharfrichter vom Magistrate ein Viertel Wein, wurde aber damit abgewieseu, weil ihm seine Mahlzeit nebst einem Viertel Wem vom Schloß gebühre und jederzeit von der laudgräflichen Renterei gegeben worden sei.

Am 21. Februar 1679 wurde vom hiesigen Scharf­richter Christoph Döring*) eine Kindesmörderin justi-

*) Wie bekannt, war das Amt eines Scharfrichters in alten Zeiten ein unehrliches. Als der oben ge­nannte Scharfrichter Christoph Döring gebürtig aus Homberg, der jenes Amt eine Reihe von Jahren in Marburg begleitet und mancher als Hexe beschul­digten, peinlich beklagten Person, um ihr ein Gc- ständuis abzulocken, Daumschrauben und andere Folter.

Werkzeuge hatte ausetzeu muffen, im Jahre 1682 ver­starb, wurde der hiesigen Lohgerberzunst aufgegeben, derselben zu Grabe zu tragen. Sie weigerte sich aber dessen und supplicierte an den Landgrafen Carl von Hessen folgendermaßen:

Durchlauchtigster Fürst, gnädigster Fürst und Herr!

Ew. Hochfürstliche Durchlaucht thuu wir in höchster Demut höchfiflehentlich ersuchen, nachdem wir befehligt worden, den verstorbenen Schalsrichter zu Grabe zu tragen. Weil nun unsere Kindeskinder hierüber zu keinem Ehrenstand und Amt nimmermehr zu gelangen noch zu gehoffen, ja unsere Kinder werden in keiner ehrlichen Freundschaft hetraten können, sondern wir werden uns vor allen unfern Anverwandten und Nachbarn schämen müssen, und wird kein Handwerks- gesell ins künftige bei uns arbeiten, und werden uns die Lchrjungen aus den Lehrjahren gehen; wann wir unsere Kinder werden ausschicken an andere Orte etwas zu lernen, so werden sie »ns wieder zu Hanse geschickt; ist dergleichen im Lande zu Hessen auch uoch nicht wehr ceschehen, daß wir samt all den Unsrigen höchst gemüßiget werden. Ew. Hochfürst­liche Durchlaucht in tiefster Unterthänigkeit zu er­suchen, die oben angesührte Motive gnädigst er­wägen, und in Betracht aus sonderbarer Gnade uns solches Befehls gnädigst erlassen. Wir getieften uns samt unser Weib und Kinder Ew. Hoch fürstlichen Durchlaucht große Gnade.

Ew. Hochfürstliche» Durchlaucht uvterthäuigst getreue sämtliche Löwerzuuft zu Marburg.

vermeiden wollte, dürfte es daher geboten sein, endlich einmal den richtigen Sachverhalt dazulegen, der besser wie alles andere zeigen wird, wie versöhnlich Fürst Bismarck bezüglich unserer Beziehungen zu Rußland gesonnen ist, und wie unendlich fern es demselben lag, dem Zaren überhauptaus dem Wege gehen zu wollen." Völlig verbürgt kann nunmehr mitgeteilt werden, daß Fürst Bismarck in einem Schreiben an den hiesigen russischen Botschafter, Grafen Schuwaloff, i eine Audienz bei dem Kaiser Alexander III. nachge­sucht hat, und daß der Zar demzufolge am 18. d. M. den Botschaftsrat Grafen Murawiew zum Reichs­kanzler mit dem Auftrage sandte, demselben mitzu­teilen, daß er bereit sei, den Fürsten Bismarck in besonderer Audienz nachmittags 31/, Uhr zu em­pfangen. Was die Blätter von einer Sendung des russischen Generals Tscherewin zum Fürsten Bismarck, f welcher letzteren zu der Unterredung mit dem Zaren hätte auffordern sollen, zu berichten wußten, ist un­richtig. Der Besuch des genannten russischen Generals galt dem Staatssekretär Grafen Herbert Bismarck,

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welcher mit demselben früher in Petersburg bekannt geworden war. General Tscherewin hatte sich bei

der Kronprinz seit dem Februar weit gebracht; diese Kunst ist auch für ihn das Mittel gewesen, sich geistig frisch zu erhalten und seiner Umgebung die Pflege außerordentlich zu erleichtern. Die Korrespon­denz mit seinem Lehrer Curtius und anderen aus­gezeichneten Männern weift aus die Art der Be­schäftigung während der unfreiwilligen Muße hm: besonders sind es Geschichtsstudien, die den hohen Patienten fesseln, neben Cnrtius' griechischer Geschichte die Sachen von Droysen, Max Duncker, Sybel und Mommsen. Der Kronprinz bleibt auch der Ver­pflichtung eingedenk, die er als Protektor des umfang­reichen Werkes über die Geschichte des Großen Kur­fürsten übernommen hat. Daneben verfolgt er mit regem Interesse die gesetzgeberischen Arbeiten des Reichstages. Die Ärzte hatten für möglich gehalten, es möchten bald nach der letzten Absonderung neue Bildungen auftreten, die mit Schmerzen verbunden sein möchten; allein die Besorgnis hat sich, dank der vorzüglichen Behandlung, als unbegründet erwiesen.

Karlsruhe, 1. Dez. Die zweite Kammer be­gann die Beratung einer Adresse an den Großherzog. Dieselbe spricht die tiefe Bewegung der Vertreter des Volkes über die schwere Sorge ans, die alle deutschen Gemüter erfülle; vereint mit dem Großherzoge richten sich die bangen Blicke aller auf den Kronprinzen. Durchdrungen von dem innigsten Mitgefühle erhebe die Kammer in dieser Zeit der Prüfung bittend und hoffend ihre Gedanken zum allmächtigen Lenker der Geschicke der Herrscher und Völker. Unter Wahrung der freisinnigen Grundlagen der kirchlichen Gesetz­gebung werde die Kammer jeden Vorschlag einer Aenderung auf diesem Gebiete einer zugleich wohl­wollenden und sorgsamen Prüfung unterziehen. Die übrigen in der Thronrede angekündigten Entwürfe werden zustimmend kommentiert.

Ausland.

Genua, 30. Nov. Der neue chinesische Gesandte bei den Höfen von Berlin, St. Petersburg, Wien und dem Haag, Hung- Sven » ist auf dem deutschen ReichspostdampferSachsen" mit Gefolge, den neuen Gesandtschaftsmitgliedern und Dienerschaft, zusammen 17 I. Kl.- und 14 II. Kl. - Passagiere, gestern abend aus China hier angelangt. Die Gesellschaft tritt morgen von hier die Weiterreise nach Berlin an.

Paris, 1. Dez. DasJournal officiel" be­stätigt, daß das Ministerium auf Ersuchen des Präsi­denten Grevy seine Demission zurückgezogen hat. Kriegsminister Ferron wurde zum Großosfizier der Ehrenlegion ernannt. Die äußerste Linke wird im

Hesse«-Nassau.

Marburg, 2. Dez. Am vergangenen Freitag versammelte sich der Geschichtsverein znm erftenmale in den stattlichen Räumen des neuen Museums. Die Museumsgesellschaft hat in dankenswerter Weise für die Sitzungen wiederum ein Zimmer zur Verfügung gestellt, das hoffentlich stets so zahlreich besetzt sein wird, wie am 25. November. Der neue Raum wurde durch zwei Abhandlungen unseres verdienten städtifchen Geschichtsschreiber, des Herrn Bücking, eingeweiht, von denen namentlich die erste über den Marktplatz

Deutsches Neich.

Berlin, 1. Dez. Der Kaiser nahm heute vor­mittag die Vorträge des Kriegsministers Bronsart von Schellendorf und dcs Chefs des Militärkabinetts Generals von Albedyll entgegen, und machte nach­mittags eine Spazierfahrt. Der Kaiser und die Kaiserin empfingen mittags den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern, die Kaiserin empfing später die hier anwesenden Mitglieder des königlichen Hauses und andere Fürstlichkeiten. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Einer Provinzial-Zeitnng entnehmen wir den nachstehenden Bericht über die Unterredung des Kaisers Alexander III. mit dem Fürsten Bismarck: Bezüglich der am 18. November nachmittags in dem hiesigen kaiserlich russischen Botfchaftspalais stattge­habten sünfviectelstündigen Unterredung zwischen Kaiser Alexander III. von Rußland und dem deutschen Reichskanzler Fürsten Bismarck, ist bisher stets be­richtet und von der WienerPolit. Korresp." sogar noch besonders betont worden, daß dieselbe auf speziellen Wunsch des Zaren zu Stande gekommen sei, Fürst Bismarck aber keineswegs den Impuls dazu gegeben habe. Im Interesse der Wahrheitsliebe, und um zu zeigen, daß der leitende Staatsmann des Teutschen Reichs nicht, wie man nach den bisherigen Meldungen leicht annehmen könnte, in auffälliger Weise eine Begegnung mit dem Kaiser Alexander

Laufe des Vormittags eine Abordnung, zu der auch Clemenceau gehört, zu Floquet entsenden, um eine Einigung über die Präsidentschaftskandidaten herbeizu­führen. Es scheint sicher, daß die Reckte für keinen republikanischen Kandidaten stimmt. DasJournal des Debats" empfiehlt die Kandidatur Ferrys. Gestern fand im Saale Favil eine Volksversammlung statt, wobei Reden gehalten wurden, worin zu Kundge­bungen vor dem Palais Bourbon aufgesordert wird. Eine Resolution wurde nicht gefaßt. Die Minister hielten heute vormittag unter dem Vorsitze Grevys im Elysse eine Sitzung ab. Grevy teilte mit, er werde, da sich die Sage verändert habe, den Kummern heute keinerlei Mitteilung zugehen lassen. Rouvier wird den Entschluß Grevys und daß das Kabinett erneut demissionierte, den Kammern anzeigen. Es verlautet, Grevy werde sich sofort um die Bildung eines neuen Kabinetts bemühen. Rouvier teilte in der Kammer mit, Grevy habe die Absicht gehabt, eine Botschaft an die Kammer zu richten, er sei indessen von dieser Absicht zurückgekommen. Bei dieser Sachlage gebe das Ministerium erneut seine Demission. Wiederholter Beifall auf allen Bänken der Linken. Ricard, Präsident der Union der Linken, beantragte, die Sitzung zu unterbrechen. Cuneo d'Ornano (Rechte) rief:Besser wäre es, die Kammer aufznlösen." Die Sitzung wird fortgesetzt. Der Senat empfing die gleiche Mitteilung und setzte seine Sitzung bis 4 Uhr nachmittags aus.

London, 1. Dez. Heute früh hat eine heftige Erderschütterung unter starkem Getöse in der Stadt Chorley (Lancashire) stattgefunden, wodurch die Häuser ins Schwanken gerieten. Die Einwohner flüchteten ins Freie. Der Schaden ist nicht erheblich.

Sansibar, 2. Dez. Die dem Oberrichter Mahomed Bensoli gehörige, eine Stunde von der Stadt Sansibar günstig am Meere gelegene Plantage Kibucui ist durch Ankauf in den Besitz der Deutschafrikanifchen Plantagen­gesellschaft übergegangen.

einem Besuche keines Aufrags feines Souveräns zu entledigen und dieser Besuch trug lediglich einen per­sönlichen Charakter. Diese Darstellung entspricht dem Sachverhalt vollständig; auch wird es jedem mit den einschlagenden Verhältnissen Vertrauten klar sein, daß der Vorgang in allem wesentlichen kein anderer sein konnte. Der Reichskanzler würde sich geradezu eine Unhöflichkeit haben zu Schulden kommen lassen, wenn er es unterlassen hätte, bei dem erlauchten Gaste seines Kaisers in der üblichen Form eine Audienz nachzu­suchen. Er befand sich in dem vorliegenden Falle gegenüber einer ehrenvollen Verpflichtung; während es dem freien Ermessen Sr. Majestät des Kaisers von Rußland überlassen blieb, die nachgesuchte Audienz zu gewähren oder aus irgend einem Grunde abzu- lehneu. Der Antrag, die Legislatur-Periode des Reichstags auf fünf Jahre zu verlängern, und dieses Gesetz mit Ablauf der gegenwärtigen Legislatur-Periode in Kraft treten zu lassen, ist heute abend von den drei Kartellparteien eingebracht worden. Als Antrag­steller fungieren Graf v. Behr, v. Bennigsen und v. Helldorf. Unterstützt ist der Antrag von Acker­mann, v. Helldorf, Dr. Buhl, Dr. v. Cuny, Dr. Hammacher, Hobrecht, v. Kardorff, Graf v. Kleist- Schmenzin, Dr. Marquardsen, Ochelhäuser, Herzog v. Ratibor, Staelin und Wichmann.

DerReichs - Anz." veröffentlicht heute fol­gendes Bulletin der Aerzte des Kronprinzen aus San Remo vom 30. November: Das örttiche Leiden des Kronprinzen zeigt augenblicklich keinerlei Symptome nmsichgreifender Ausdehnung; Beschwerden irgendwelcher Art sind nicht vorhanden; die allge­meinen Körperfunktionen sind andauernd sehr gut. Der Kronprinz unternimmt täglich bei günstigem Wetter Spaziergänge und Ausfahrten. Das deutsche Mittelmeergeschwader passiert heute mittag San Remo und giebt einen Ehrensalut ab. Das Wetter ist schön. Der Kronprinz fährt im offenen Wagen aus. Gestern mittag wurde an genau unterrichteter Stelle mitgeteilt, die heute früh von San Remo eingetroffenen Nachrichten über das Allgemeinbefinden des Kron­prinzen ließen nichts zu wünschen übrig. Der hohe Patient, körperlich wohl und deshalb bei festem, un­unterbrochenem Schlafe, wie bei gutem Appetit, kann seiner Neigung, geistig thätig zu sein, ungestört nach­gehen. Der Kronprinz liebt es nicht, über seinen Zustand zu sprechen, und deshalb werden nach den regelmäßigen Untersuchungen, die im Laufe des Tages zweimal stattfinden, Gespräche geführt, die ihn seine Leiden vergessen machen. In der Kunst des Ab­strahierens von allem Ungemach des Lebens hat es

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Wöchentliche Beilagen: Sreis-Blatt fiir die Kreise Marburg und Kirchhain

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie b. Annoncen-Bureaux von Haasenfteiu und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Mraana. Mosse in Franlfurta. M.,Berlin,München u. Köln; G. L. 'M ) d d

Daube u. Co. in Frankfurt a.., Berlin, Hannover. Varis.

(Schluß.)

Der Galgen stand am westlichen Abhänge OltenbergeS ober halb der oberen Sieche. Ein selbst ins Auge fallender Hügel bezeichnet genau dessen ehemalige Stelle. Ein daran voiüberführender Fußpfad heißt heute noch deralte Galgenweg" und ein zum Hügel führendes von Norden her kommendes Gäßchen dasDiebsgäßchen." Im Jahre 1591 wurde der Galgen vom Ortenberg auf das Kaff in die Nähe des Rabensteines, in der Richtung nach dem Hanseu- hause zu, verlegt, wo er bis zur westfälische» Zeit stand, dann wurde er seitens der westfälischen Re­gierung beseitigt, weil man während dieser Periode nur vom Schaffst Gebrauch machte. Die halbrunden Galgensteine hatte der Besitzer diS dermaligen Bopp« fchen Gartens am Pilgrimstein käuflich an sich ge. bracht und dieselbe» zur Erhöhung der Umfassungs­mauer jenes Gartens verwandt, wo sie vor 30 Jahren

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