Deutsches Reich.
Berlin, 30. Nov. Der Kaiser nahm heute vormittag den Vortrag des Geh. Kabinettsrates von Mmowski entgegen, machte dann eine Spazierfahrt und empfing nach seiner Rückkehr den Minister von Puttkamer, sowie später den Staatssekretär Grasen Herbert Bismarck. Die Kaiserin empfing heute nachmittag den Prinzen und die Prinzessin Wilhelm. Für heute abend ist der Erbprinz von Meiningen mit seiner Gemahlin zum Thee bei dem kaiserlichen Paar geladen. — Die in konservativen Blättern und parlamentarischen Kreisen ausgesprochenen Vermutungen über den Inhalt der in der Thronrede angekündigten Heeresvorlage scheinen sich zu bestätigen. Es soll sich dem Vernehmen nach um Einteilung der Landwehr und des Landsturms in verschiedene Aufgebote handeln, außerdem soll die Grenze des wehrpflichtigen Alters hinausgeschoben werden. Was über Aenderung des Einberufungsmodus in den Blättern berichtet worden ist, dürste auch teilweise zutreffen; es soll den Korpskommandeuren die Befugnis verliehen werden, das jüngere Aufgebot des Landsturms selbstständig einzuberufen. So verlautet in unterrichteten parlamentarischen Kreisen. — Ein Petersburger Telegramm des „Berliner Tagebl." meldet, ein Zirkular der Oberpreßverwaltung verbietet sämtlichen russischen Zeitungen, Artikel zum Abdruck zu bringen, deren Tendenz gegen Deutschland gerichtet ist. — In hiesigen, sowie in Wiener und Londoner angesehenen ärztlichen Kreisen macht sich seit einiger Zeit die auf gewisse Jnforniationen gestützte Ansicht geltend, daß die Krankheit des Kronprinzen doch nicht in einem Krebs, sondern in einem anderen, einer medikamentösen Behandlung zugängigen Leiden bestehe. — In den Fraktionsberatungen der Nationalliberalen hat sich herausgestellt, daß ein erheblich größerer Teil der Partei, als man bisher annahm, für die Getreidezollvorlage ist. — Auch heute noch bestehen Zweifel, ob die morgen beginnende erste Lesung der Getreidezollvorlage mit einer kommissarischen Beratung derselben enden wird oder, was mit der unveränderten Annahme so ziemlich gleichbedeutend wäre, ob die zweite Lesung im Plenum stattfindet. Die Konservativen wollen das Letztere durchsetzen ; die Reichspartei dürfte ihnen beistimmen; vielleicht auch, und deshalb ist die Entscheidung noch fraglich, ein Teil der Nationalliberalen und des Zentrums. Chancen der Annahme der Vorlage stellen sich nach der in parlamentarischen Kreisen umlausenden Schätzung immer günstiger.
Der Marktplatz la Marburg.
Auf der Nordseite deS Rathauses breitet sich der an einem gelinden Abhange des Schloßberges liegende Marktplatz aus, auf welchem die Kram- und Wochenmärkte abgehalten werden. Ehedem wurde an einem jeden dieser Tage ein gemaltes Banner in den Stadt färben — blau, weiß, rot — am Ralhause ausgesteckt. Er wird in den unteren und oberen geteilt; der untere ist der weitläuferige oder eigentliche Marktplatz, während der obere sich nach und nach zusammenzteht und das Ansehen einer geräumigen Straße hat; in Urkuuden aus dem 14. Jahrhundert kommt er unter dem Namen „Salzmarkt vor.*)
Marburg hatte bis zum Jahre 1581 jährlich nur 3 Krammärkte, nämlich den WalpurgiSmarkt am 1. Mai, de» Barfüßcr-Ablaß oder Michaelsmarkt Soun-
*) Anmerkung. Der Korumarkt lag zwischen der kurzen Gasse und der Barfüßerstraße; eS ist dieses der jetzige Heumarkt. Als Landgraf Philipp von Hesien im Jahre 1536 der Stadt den Totenhos der Dominikanermönche auf der Nordseite der reformierten Kirche schenkte, wurde der Kornmarkt dahin verlegt. Der Holzmarkt lag zwischen der Reit- und Wettergasse. Den Viehmarkt finde ich zuerst erwähnt tu einer Urkunde vom Jahre 1389. Nach derselben verkauft Hermann Bückiug, Bürger in Marburg, eine Rente von einem Hause „unter dem Fehewerte zwischen der Swtndeleuften und Henne BudenbenderS Hnse“ gelegen, der Witwe HappelS von RetmerShansen für 25 Schilling Marburger Währung (Urkunde im Privatbesitz). Aus späteren Urkunden geht hervor, daß der Vtehmarkt auf der Hofstatt lag. Als die Schuhmacherznnft im Jahre 1535 den Chor der Si- lianSkirche gegen einen emsprecheudeu ZinS von der Statt in Miete nahm und ihre Zunflstube da hinein »erlegte, wurde der Kilianstotenhof Schuhma kt, auf dem gegenwärtig hiesige und fremde Töpfer an Wochen- «nd Jahrmärkten ihre Waren feil halten.
Ausland.
San Remo, 30. Nov. Der Kronprinz machte heute Vormittag einen einstündigen Spaziergang und kehrte im Wagen zurück, da Regen eingetreten war.
Paris, 30. Nov. Seit gestern macht sich ein riesiger Umschwung in der äußersten Linken geltend, die jetzt Grevy retten möchte aus Furcht vor Ferrys Nachfolge im Elysse. Die Lanterne, die in der Beschimpfung Grevys das Unmögliche geleistet hat, erklärt heute: Grevy soll und muß bleiben, um Ferrys Wahl zu verhindern und Frankreich vor einer Katastrophe zu bewahren! Mehrere radikale Deputierte wie Grauet, Laisant, Turquet und Laguerre waren gestern Abend im Elysöe und bestürmten Grevy, daß er bleiben möge. Auch Teroulöde hatte sich im Elysse eingefunden, um sich wegen seiner vorgestern gehaltenen Rede zu entschuldigen und den Präsidenten der Republik zu bitten, auf seinem Posten zu bleiben: „angesichts des in Gefahr schwebenden Vaterlandes!" Auch Rochefort hat sich plötzlich bekehrt, auch er wünscht, daß Grevy bleibe. — Die Republique Frantzaise bespricht die Möglichkeit, daß Grevy im Amte bleiben werde, und sagt, Grauet und Laguerre hatten sich gestern Abend ms Elysse begeben, um Grevy zu bitten, ein neues Ministerium, dem Clemenceau, Freycinet, Goblet und Flouquet angehören sollten, zu bilden und dann im Amte zu bleiben. Grevy erwiderte, er könne unter den gegebenen Umständen sich nicht zu diesem Schritte entschließen; wenn die genannten vier politischen Persönlichkeiten gesonnen seien, ihn in dieser Weise zu unterstützen, so möchten sie selber ihn hiervon in Kenntnis setzen; dann werde er überlegen, was zu thun sei. Floquet und Freycinet, die um ihre Meinung befragt wurden, haben ihre Zustimmung verweigert; auch Clemenceau erklärte, er könne ebensowenig darauf eingehen, wenn Floquet und Freycinet sich weigerten, in das neue Kabinet einzutreten. Als Granet und Laguerre sich schließlich an Goblet wandten, erhielten sie von diesem gleichfalls eine abschlägige Antwort. Am späten Abend war es offenkundig, daß alle Bemühungen, Grevy zu stützen, gescheitert sind; auch scheint man neue Versuche, in der angegebenen Weise vorzugehen, nicht machen zu wollen. Die Botschaft des Präsidenten wird morgen Donnerstag verlesen werden. Die Bekanntmachung, daß das Ministerium Rouvicr sein Entlaffungsgesuch zurückgenommen habe, erscheint erst morgen im Amtsblatt. — Charles Ferry wird gegen den Jntransigeant eine Klage wegen Verleumdung erheben.
tags vor dem 29. September und den Elisabethmarkt am 19. November. Für die beiden Jahrmärkte 1. Mai und 19. November bestand eine von Landgraf Heinrich II. dem Eisernen von Hesien (f den 8. Juni 1376) für Verkäufer gegebene Freiheit, daß an diesen beiden „Elisabcthtagen“ und 8 Tage vorher und 8 Tage nachher von den von ihnen zu Markte gebrachten Waren niemand Zoll noch sonstige Abgaben nehmen durfte. Noch im 16. Jahrhundert herrschte der Gebrauch, daß am Walpmgismarkte Bürger aus- geboten wurden, welche zur Sicherheit der Stadt Deren Pforten, den Pfarrkirchhof und den Dammels- berg besetzten. Im Jahre 1581 beschenkte Landgraf Ludwig Hl. von Oberhesien die Stadt mit noch zwei weiteren Jahrmärkten, nämlich auf Mariä Lichtmeß, 2. Februar und anf LaurentiuStag, 10. August. Land, graf Georg n. von Hessen - Darmstadt verlegte im Jahre 1633 die auf den Sonntag fallenden Jahrmärkte auf den darauf folgenden Mittwoch. Landgraf Friedrich II. von Hesien beschenkte die Stadt mit dem 6. Jahrmarkt, nämlich den auf den 2. Juli fallenden sogenannten Kirschenmarkt. Später wurde der Laurentiusmarkt auf den 25. März, Mariä Ver. kündigung, verlegt. Der Krawmarkt am 19. Novern- der wurde in alten Zeiten nach einer Notiz im Stadtprotokoll vom Donnerstag nach Martini 1538 im 3. L ladt quartier adgehalien. Es heißt da: „Die Nachbarn uf der Ketzer buch und Steinweg hcchen von Be- schwerung angezeigt des Marktes halben uf St. Elisa- bethtag, Haden fie über 200 Jahre herbracht, werde ihnen genommen.' An dieses alte Marktverhältnis erinnerte noch bis zum Jahre 1820 die an der alten Tdür zu St. Michaelskapelle angebracht gewesene Elle. Hier hatten die Leinweber ihre Waren feil gehalten, von wo fie in die Stadtwage verwiesen wurden, (cfr. Stadtprotokoll vom 20. November 1651.) Die Krammärkte pflegten in alten Zeiten eingeläutet zu werden. ES geht dieses hervor aus einer Notiz im Stadtprotokoll vom 8. November 1655, wo es heißt: „Dieweil auch der Elisabethermarktag auf einen
Dublin, 30. Nov. Der Parlamentsdeputierte Shechy ist wegen seiner jüngst gehaltenen aufrührerischen Rede beute früh unweit Limerick verhaftet worden. — Lord Hartington und der Schatzkanzler Goschen wohnten gestern abend in der Leinsterhall einer unionistischen Kundgebung bei, zu welcher sich zahlreiche Vertreter des Advokatenstandes Irlands sowie Bankiers, Dozenten der Universitäten und Industrielle vereinigt hatten. Hartington und Goschen wurden enthusiastisch empfangen und sprachen in längeren Reden für die Aufrechterhaltung der Union. Die Versammlung beweise, daß in Irland eine starke, den gebildeten Klassen angehörige Minorität der Home- Rule-Vartei entschlossen gegenüberstehe.
Athen, 30. Nov. Die Deputierlenkammer erteilte mit 75 gegen 52 Stimmen der Regierung ein Vertrauensvotum.
Newyork, 30. Nov. Most wurde schuldig gesprochen. Das Urteil wird Montag verkündigt werden.
Hessen-Naßan.
Marburg, 1. Dez. In der am 28. d. Mts. stattgehabten Versammlung des Nordvereins bildete den hauptsächlisten Teil der Besprechung die Notwendigkeit der Beschaffung zweier Schulzimmer für die 6- und 7jährigen Kinder des nördlichen Stadtteils. Ein kurzer geschichtlicher Rückblick zeigte, daß bis zum Jahre 1871 eine besondere Schule für die kleinen Schüler in dem Sälzerschen Hause am Eingang von Zwischenhausen bestanden habe. Damals habe die Stadt nur bis zur Lötzschen Mühle und dem Ende der Ketzerbach gereicht. Seitdem habe sie sich erheblich nach Norden und Westen erweitert bis zum Eingang in die Knuzbach und bis in die Nähe des Dorfes Marbach, und die Zahl der schulpflichtigen Kinder von 6 und 7 Jahren sei auf ca. 100 gewachsen. In eben dem Maße aber, wie sich der nördliche Stadtteil nach Norden und Westen ausgedehnt habe, seien die städtischen Schulen weiter nach Süden verlegt worden, sodaß viele Kinder einen mehr als halbstündigen Weg znrückzulegen hätten. Wenn nun auch eine solche (Entfernung für größere Schüler nicht zu viel zu bedeuten habe, so sei es jedoch inhuman, 6jährigen Kindern täglich viermal einen solchen Weg bei Wind und Wetter zuzumuten. Um diesem Uebelstande abzuhelfen seien von den Interessenten wiederholt mit sehr zahlreichen Unterschriften versehene Eingaben an die städtischen Behörden gerichtet worden, die jedoch teils ad acta gelegt, teils ablehnend beantwortet worden seien. Die in dem letzten ablehnenden Bescheide vom lv. Juni 1886 vorgebrachten
Montag fällt, da denn den 9. Tag zuvor die Freiheit pflegt eingeläutet zu werden, weil aber dieser auf einen Sonntag fällt, da sich solches einläuten übel schicken will, als soll den Sonnabend zuvor solches verrichtkt werden.'
Links n:ben der Einfahrt vom Marktplatze aus in die zur lutherischen Pfarrkirche führende Nikolai- straße — ehedem hieß die Gegend am „SnyderS. berge“ — begann eine Mauer, Äaüat genannt, welche so doch war, daß im Jahre 1578 eine öffentliche Garküche ihre Wiederlage und Befestigung daran finden konnte. Diese Mauer setzte sich unter dem Namen „Grat' in der Barfüßerstraße fort, lief vor der nördlichen Häuserreihe hin und war wegen des daselbst mangelnden oder schlechten Straßenpflasters für Fußgänger bestimmt. Behufs Straßenerweiterung wurde im Jahre 1581 der Grat zum größten Teil beseitigt — der letzte Rest, bestehend in einem Keller- Halse vor dem ehemaligen Gasthause „zum Bären“ daselbst, jetzt Nr. 48, wurde 1886 entfernt — und der Rabat erniedrigt, von dem aber gegenwärtig keine Spur mehr vorhanden ist. Vor 40 Jahren sah man noch täglich zwei Höckerinnen mit gefüllten Körben vor dem Rabat sitzen, welche Obst feil hielten.
Auf dem Marktplatze standen ehedem mehrere Strafjustizmittel, als Pranger, Schnappgalgen. Tröller, ein hölzernes Pferd und ein mit Blech beschlagener hölzerner Esel, welche sämtlich in den Stadtrechnungen erwähnt werden. Die 3 zuerst genannten werden von Zimwermeisteru erneuert und aufgerichtet. Am 26. Juli 1737 geschah es im Beisein bon Musikanten und bieler Zuschauer. An dem Pranger, Gak ober Schandpfahl wurden Feld- und Gartendiebe und sonst allerlei strafwürdiges Gefindel zur Züchtigung und zum Exempel anderer bom Schafrichter angeschlosien, ausgepeitscht und gebrandmarkt. Am Schnappgalgen wurden die Verurteilten in die Höhe gezogen und schnell wieder Heruntergelaffen; auch wurden bis zum 7 jährigen Rrtege Bleche mit den Namen der Deser, teure von hiesiger Garnison daran befestigt, daher
Gründe seien unhaltbar. Zunächst sei die zentrale Lage der jetzigen Schulstraße betont worden. Ohne an dieser sehr gewagten Bezeichnung mäkeln zu wollen sei dagegen zu bemerken, daß es sich hier nicht um die zentrale Lage des Schulhauses, sondern nur darum handle, ob der Weg bis zu diesem Zentrum täglich viermal für die 6jährigen Kinder auf der Nordseite zu weit sei oder nicht. Daß die Kinder der „besser situierten" Eltern denselben Weg nach der Töchterschule und dem Progymnasium zu machen hätten, könne auch nicht als Grund gelten. Dieselben seien wärmer gekleidet und könnten, wenn es nötig wäre, in die Schule gebracht werden; die Kinder der weniger gut situierten Eltern dagegen, und das sei doch die Mehrzahl, müßten dürftiger gekleidet ihren Weg bei jedem Wetter allein finden. Wenn die 6jährigen Kinder der Freischule einen so weiten Weg machen müßten, so sei das zu bedauern, könne aber nicht als Vorbild gelten. Daß alle diese Kinder den weiten Weg ohne Nachteil für ihre Gesundheit zurücklegten, sei eine unbewiesene Behauptung gleich der anderen, daß die Unbequemlichkeit des weiteren Weges durch vielerlei pädagogische Vorteile aufgewogen würden. Ein Bauplatz für ein kleines Schulhaus von ca. 9 Meter Breite sei auf der Nordseite wohl zu finden, man müsse sich nur ernstlich danach umsehen. Das Versprechen, man werde, wenn eine umfassende Lahnregulierung vorgenommen werden sollte, einen geeigneten Platz für eine vollstän- dige Schule auf der Nordseite zu erlangen suchen, sei schwer verständlich gegenüber der bescheidenen Bitte um zwei Räume für die 6- und 7jährigen Kinder. Um eine vollständige Schule habe man gar nicht petitioniert. Nach einigen weiteren Erörterungen wurde beschlossen, der Vorstand des Nordvereins möge in einer neuen Eingabe an die städtische Behörde die Bitte der Interessenten um Beschaffung zweier Schulräume für die 6- und 7jährigen Kinder der Nord- seite unterstützen.
Marburg, 1. Dez. Wie uns mitgeteilt wurde, ist die Saufängermeute in Spangenberg infolge höherer Anordnung aufgelöst worden. Von den vorhanden gewesenen Saufinder-Hunden sind unter anderen vier Stück der Oberförsterei Oberrosphe und zwei Stück der Oberförsterei Treisbach, diesseitigen Bezirks, überwiesen worden.
Marburg, 1. Dez. (Strafkammer.) Gegenüber einer Anllage betreffend Körpermißhandlung hatte sich der Ackermann Heinrich Fischer zu Schröck und dessen Sohn Johannes Joseph zu verantworten. Dieselben sind Grundstücksnachbarn des ebenfalls zu
auch der Name Soldatengalgen. Nach einer handschriftlichen Aufzeichnung wurden am 15. April 1761 drei Grenadiere bom irländischen Regiment Ogylvin wegen begangenen Diebstahls an einem neu dazu erbauten Galgen aufgehäugt. In den Tröller, Trillerhäuschen, wurden Frevler geringen GradeS eingesperrt, herumgedreht und der öffentlichen Verspottung preis- gegeben. DaS hölzerne Pferd diente zur Bestrafung der Soldaten und mit dem hölzernen Esel wird eS eine ähnliche Bewandtnis gehabt haben.
Bis in die westfälische Zeit hinein führte die Haupt- ober Poststraße bon Cassel nach Frankfurt durch bie Stadt über den Marktplatz am Rabat vorüber. In der Nähe deS letzteren stand der Schandpfahl und der Schnapp- ober golbatengalgen. Als im Jahre 1774 mit einer neuen Pflasterung ber Stadt der Anfang gewacht wurde, fing beim Aufbruch deS alten Straßenpflasters auf dem Marktplatze jener burch bie Länge der Zeit in feinem unteren Teile morsch geworbene Galgen an sich zu senken. Ilm Unglück zu verhüten, weil man jeden Augenblick den Umsturz desselben befürchtete, wurde er auf Befehl deS hiesigen Stadtkommandanten Generalleutnants von Dittfurt durch die Rnechte der Wasenmeisterei niedergelegt, und die daran befestigt gewesenen 19 Stück Bleche wurden bom SBafenmetfter in Verwahrung genommen. Der Rat und advocatus find Knacke! berichtet unter dem 9. Juli 1774 den Sachberhalt an Landgraf Friedrich II. bon Hesien mit der Bitte, .die Stadt von der Wiederaufrichtung eines solches Galgen» zu dispensieren, da der Marktplatz nicht so angelegt, daß er an einem anderen Orte passend an- «ubringen wäre, und da, wo er gestanden, nicht wieder hinkommen könnte, weil er wegen veränderter Pflasteranlage alsdann zu weit in die Straße käme, über- Haupt aber würde es zur Verschönerung des Marktplatzes gereichen, wenn der Galgen toegbletben dürfte.“ Die Resolution bom 16. Juli 1774 lautet: „Der Galgen soll nicht wieder aufgebaut werden.'
Zur Vergrößerung des Marktplatzes ließ der
MOM 3filuiU|.
Wöchentliche Beilagen: Kreis - Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition Markt 21. — Reaktion, Druck und Brrlag von Joh. Ang. Koch.
JS. 282.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expedition 2‘/* Ml.» bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertiensgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Freitag, 2. Dezember 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. SR., Berlin, Hannover. Paris.
XXII. Jahrgang.