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er sich selten so wohl gefühlt habe, wie nach den Ausfahrten der letzten Tage. Ein hocherfreulicher Ausspruch, den sein heutiges Aussehen durchaus be­stätigt. Er fuhr heute früh mit dem Prinzen Heinrich und dem Major v. Rabe aus, während die Kron­prinzessin mit den Töchtern dem Gottesdienste in der deutschen evangelischen Kirche beiwohnte. Das Wetter ist herrlich. Heute nachmittag ging der Kronprinz länger als eine Stunde in seinem Garten spazieren. Das letzte offizielle Bulletin über das Befinden des Kronprinzen war gerade in seiner überaus vor­sichtigen und sorgsam abgewogenen Fassung nur ge­eignet, auch die letzten Zweifel über den ganzen Ernst der gegenwärtigen Lage zu zerstreuen. Namentlich die Bemerkung, daßaugenblicklich" keine Atemnot mehr vorhanden sei, bestätigt leider in unzweideutiger Weise das bisherige Vorhandensein derselben, und man weiß hier nur zu gut, daß dieselbe in der letzten Zeit häufig bis zu ernsten Erstickungsanfällen sich steigerte. Daß überhaupt in den letzten Tagen eine Verschlimmerung des Zustandes eingetreten war, ist nicht wohl zu bezweifeln und geht schon daraus hervor, daß dem Kronprinzen bisher trotz des warmen und schönen Wetters jeder Ausgang ins Freie versagt war. Er selbst hatte vorgestern nachmittag die Absicht geäußert, mit seiner Familie einen Ausflug zu unter­nehmen, die Wagen waren schon bestellt aber noch im letzten Augenblick mußte auf den dringenden Wunsch der Aerzte die Ausfahrt aufgegeben werden. Erst morgen soll, falls wir einen sonnigen, windstillen Tag bekommen, der erste Versuch einer Ausfahrt gewagt werden, aber auch dieser Beschluß der Aerzte ist mit so viel Wenns und Abers verklausuliert, daß die Ausführung mindestens noch als zweifelhaft erscheinen muß. (Inzwischen sind bekanntlich wiederholt Aus­fahrten erfolgt.) So ist also der Kronprinz, den man in der ersten Zeit seines Hierseins fast täglich auf der Promenade zu sehen gewohnt war, schon seit vierzehn Tagen niemandem mehr außerhalb seines Hauses sichtbar geworden eine Thatsache, die die ernsten Sorgen wohl zu vermehren geeignet ist. Die durch verschiedene Zeitungen gegangene Mitteilung übrigens, daß Dr. Bramann bereits vom Kronprinzen empfangen worden sei, wird mir von glaubwürdiger Seite als nicht zuttefiend bezeichnet; vielmehr habe Dr. Bramann bisher noch keine Gelegenheit gehabt, den hohen Kranken zu sehen, geschweige denn zu untersuchen. Er erhält seine Informationen lediglich durch Dr. Krause, der ihm jeden morgen nach der Konsultation das Ergebnis derselben mitteilt.

Rom, 28. Nov. Einer von demPopolo romano" unter Vorbehalt veröffentlichten Depesche aus Aden zufolge erhielt der französische Konsul die Nachricht, Ras Alula hindere die englische Gesandtschaft an der Fortsetzung der Reise nach Adua, er willige jedoch ein, das Schreiben der Königin durch einen Spezial­boten an den Negus abzusenden. Da bis zum Ein­treffen der Antwort längere Zeit erforderlich ist, so halte man den Zweck der Mission für verfehlt und fürchte, Ras Alula könnte die Mitglieder der Mission als Geiseln zurückbehalten. DieAgenzia Stefani" meldet aus Maffauah vom 27. Nov.: Man glaubt, der Negus habe sich nach Adua begeben, um dort mit der englischen Mission zusammenzutreffen, welche fett dem 19. Nov. von Asmara dahin unterwegs ist.

Paris, 28. Nov. Dem Vernehmen nach wird dasJournal offiziel" die Zurückziehung der De­mission des Ministeriums erst am Donnerstag ver­zeichnen. Der Kongreß wird am Freitag zusammen­treten. Es heißt, die Botschaft würde nur kurz sein und Grevy würde barm die Verantwortlichkeit hin­sichtlich der Folgen seines Abganges von sich ab­lehnen. In einem Schreiben lehnt Anatole de la Forge formell die Kandidatur für die Präsidentschaft

,£) Gott, o Gott, Oukel Berger, der beim Oberst Kutscher gewesen, hat den Weihnachtsbaum, der dort in der Kapelle brennt, mit einem Sprengstoff gefüllt, der sich bald entzünden und die ganze Kapelle in die Luft fprengen soll. Der Oberst hat ihn nämlich entlassen und Onkel muß nun mit Tante, Maria und Anna fortzieheu. Onkel wollte sich jetzt rächen, hat man erzählt. Helfen Sie, lieber Herr, holen Sie doch die Herrschaften heraus!"

Während das Kind noch immer weinte und flehte, war der Graf bereits in die Kapelle gelaufen.

Fliehe, fliehe Veronika," lief er ihr zu, während er ste gewaltsam aus der Kapelle führte.Ich bitte Sie, Herr Oberst," wandte er sich jetzt an diesen, verlassen Sie sofort die Kapelle! Ein schreckliches Verbrechen ist hier geplant worden. Der Baum ent­hält Dynamit."

Dec Oberst rührte sich aber nicht von der Stelle; ungläubig oder vielmehr zornig sah er aus den Grafen der nach seiner Meinung nur eineinfame Störung" hier verursachen wollte.

Der Weihnachlsbaum birgt Dynamit," tief auch der herbeigeeilte Doktor.Es ist eine fürchterliche Rache Ihres entlassenen Kutschers!"

J.tzt erst erfaßte der alte Herr die Situation und verließ sofort die Kapelle. Die ganze Gesell­schaft entfernte sich nun eilig, während Graf Bruno noch einmal zurücklief, um schnell die Lichter zu löschen. Kaum aber hatte er damit begonnen, als die befürchtete Explosion erfolgte. Man vernahm einen ungeheuren Krach und das Klirren der herabfallenden Fenster­scheiben; alle Lichter in der Kapelle waren in einem Nu erloschen und der mutige Graf lag anscheinend leblos vor der Thür.

Mit einem Schrei des Entsetzens eilte sein Freund auf ihn zu und bemühte sich, ibn aufzurichten, allein dieser regte sich nicht. Der Oberst war vollständig «mgewandelt und für das Leben des jungen ManneS äußerst besorgt.

O Gott» er wird doch nicht sterben!" jammerte

ab. In zwei sozialistischen Versammlungen in Paris griffen alle Redner den Präsidenten Grevy, die Kammern und besonders Ferry heftig an. Eine ent­sprechende Tagesordnung wurde angenommen. In der Deputiertenkammer wurde von Guyot der Generalbericht des Budgets eingebracht. Minister Rouvier ersuchte die Kammer, sich auf Donnerstag zu vertagen, wo die Regierung ihr eine Mitteilung machen werde. Die Kammer vertagte sich dement­sprechend. Grevy hatden Gedanken noch nicht aufgegeben, ein neues Ministerium zu bilden." So meldet dieKorr. Havas;" ist dies richtig, so denkt er auch noch nicht an seinen Rückzug und hofft von den Reibereien unter den republikanischen Führern und Blättern das Beste für sich, etwa wie Ernst August von Hannover sagte:Diese Demokraten haben mich viel genützt." Mit Döroulöde und Ge­noffen würde er im Ernstfälle, trotz der von Rochefort ihm vsrgeworfenen Fettsucht, die ihm nicht erlaube, zu Pferde zu steigen, leichter fertig werden, wie diese Leute mit der Vernichtung des Frankfurter Friedens. Töroulöde spielt den Inhaber der Geschicke Frank­reichs als Hanswurst, wenn er Grevy zuruft:Ziehen Sie aus!" und Ferry:Die beglaubigten Vertreter Bismarcks kommen nicht ins Elysse!" Uebrigens findet Saussiers Entsagungsschreiben Nachahmer: der Deputierte Anatole de la Forge, weiland Präsident der Patriotenliga und Offizier der Ehrenlegion, Mit­glied der äußersten Linken, ein braves Pariser Kind, etwas Streber, etwas Skarr, fühlt gleichfalls den Drang,bestimmtestens eine Kandidatur für die Präsidentschaft der Republik abzulehnen". Ernstliche Aussichten für den Sorgenstuhl int Elysse scheint Freycinet zu haben, den Vater Grevy bereits seit Jahr und Tag als seinen Nachfolger behandelt hat. Ferry zeigt bei seiner Mißliebigkeit als Tongkinese viel Mut, wenn er wirklich nach den 600 000 Franken Jahrgehalt die Arme ausreckt. Die Radikalen richten ihre ganze Wahlagitation gegen ihn, wobei sie die Hinterlist anwenden, ihn als ein Werkzeug der Orleans und Bismarcks hin ustellen. Rochefort hält den Opportunisten, die diesenVerfluchten" begünstigen, ihrenreaktionären Cynismus" vor:Nach Jules Grevy Jules Ferry, der keine Ordenskreuze an die Limouzin, sondern Frankreich an Bismarck verkauft hat!"

London, 28. Nov. Der Bischof von Ripon ordnete für seine Diözese eine Fürbitte für den deutschen Kronprinzen, dessen Familie und Anver­wandte an. Nachrichten aus Limerick zufolge fanden daselbst an einem der letzten Tage Ruhestörungen 'tatt. Die Polizei suchte anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung der Fenier Allen und Larkin die für O'Brien geplante, aber durch die Behörden verbotene Kundgebung auf dem Friedhöfe zu verhindern. Die Volksmenge zerschlug die Fenster der Polizeikaserne, die Polizisten säuberten die Straßen mit den Waffen. Es tarnen viele Verwundungen vor.

ITctt - Hofifßtt.

Marburg, 28. Nov. Heute mittag 12 Uhr durchfuhr Ihre Majestät die Kaiserin auf der Rück­reise von Coblenz nach Berlin begriffen die hiesige Station mittelst Exttazug.

Marburg, 29. Nov. Das nächtliche Lärmen und Toben auf den Straßen unserer Stadt hat in neuerer Zeit wieder in erschrecklicher Weise zuge­nommen. Die Einwohnerschaft ist es zwar gewohnt geworden, durch einzelne Nachtwandler in der Ruhe gestört zu werden, man findet darin nichts Außer­gewöhnliches mehr und nimmt diese kleinen Unan­nehmlichkeiten ruhig hin. Wenn sich aber, wie in der letzten Sonntag Nacht gegen 2 Uhrdurch Zu- all" ca. 50 Studenten auf dem Marktplätze am amnteln und hier einen derartigen Heidenlärm ver-

Verouika.Baler, einziger Vater, hilf: Ich liebe ihn o innig!"

Mit wenigen aber eindringlichen Worten erzählte nun der Doktor, welcher tnieenb sich über ben Ver­unglückten geneigt hatte unb Lebenszeichen suchte, ben ganzen Hergang.

»Er soll, er bars nicht sterben!" rief ber Alte mit bewegter Stimme.Ist ber Diener nicht hier? Jo­hann!" Derselbe war bereits zugegen nur hatte ihn ber Oberst in ber Aufregung nicht gesehen.

»Eile sofort nach der Stadt zum Geheimrat Lenz, und solltest Du ihn nicht antreffen bann bitte ben Herrn Professor Garic! Auf alle Fälle muß sofort ein Arzt hei kommen! Serftanben?!"

Zu Befehl, Euer Gnaden!"

Durch Leute, die inzwischen herbeigekommen waren, wurde der noch immer Besinnungslose in die Villa getragen und auf das Bett des Oberst gelegt.

Mein Name ist Dr. Philipp," wandte sich jetzt der Doktor an den Oberst.Ich bin ein Freund des Verunglückten, und cS ist daher meine heiligste Vflicht, von di'fern schrecklichen Vorfall seine Eltern osort in Kenntnis zu setzen. Darf ich fi- berufen, oder soll der Verunglückte zu ihnen hingeschafft werden ?"

Bevor der Arzt es gestattet, darf ber Verletzte nicht weggetragen werden," antwortete der Oberst. Aber ach, feine Eltern würden am Ende nicht Her­kommen!"

Philipp entfernte sich jedoch sofort, lief durch den Vark nach dem gräflichen Palais zurück und drängte ich, vollständig bleich, mit blutbefleckten Händen und Kleidern eiligst zwischen die Gäste hindurch zum Vater seines Freundes hin.

Doktor, was ist geschehen?" rief ihm der Haus­herr entgegen.Wie sehen Ste aus?"

Philipp bedurfte einer Pause zur Erholung.

Kurz und in schoneudster Weise machte er feine Mitteilungen, die indeß ben alten Grafen von Axion unb seine Gattin in bie höchste Aufregung versetzen trußtin.

anftalten, daß man sich in die Nähe eines Hagenbeckschen Instituts versetzt glaubt, so ist dies jedenfalls des Guten zu viel gethan und dürfte man billigerweise ein energisches Einschreiten unserer Sicherheitsbehörd'en verlangen. Daß diese Nachtskandale nicht alle harmlos verlaufen, zeigen zwei aus der Nacht vom Sonntag zum Montag bekannt gewordene Fälle. In dem einen wurde ein studierender von einem anderen jungen Manne in der Wettergaffe durch einen Stockhieb zu Boden ge- ftteckt, während im anderen Falle ebenfalls ein Student in dem nahen Dorfe Marbach bei einem Renkontre lebensgefährliche Kopfverletzungen davontrug.

Marburg, 28. Nov. Von einem Neubau am Wehrdaerweg stürzte am Sonnabend ein Zimmer­lehrling herab. , Derselbe verletzte sich hierbei derart am Kopse daß seine Aufnahme in die Klinik erfolgen mußte.

Marburg, 28. Nov. Am Sonnabend entsprang ein auf der Außenarbeit beschäftigter Gefangener des hiesigen Amtsgerichtsgefängniffes, welcher in demselben eine längere Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte. Der­selbe wurde jedoch alsbald in seinem Heimatsorte Schröck, wo er sich versteckt hielt, wieder aufgegriffen und in sicheres Gewahrsam zurückgebracht.

Kirchhain, 28. Nov. Gestern abend eröffnete der hiesige Turnverein die Reihe seiner diesjährigen Wintervergnügen durch Aufführung mehrerer Theater­stücke mit darauffolgendem Tanz im Ruhlandschen Bahnhofshotel. Nach dem Vortrage eines Prologs gelangte zur Darstellung: 1.Eine lustige Turnfahrt", 2.Der verspätete Urlauber" und 3.Der in Gedanken stehen gebliebene Regenschirm". Sämtliche Stücke wurden recht beifällig aufgenommen und versetzten das zahlreich erschienene Publikum in die heiterste Stimmung. Ebenso trefflich und in ungestörter Fröh­lichkeit verlief das später arrangierte Tänzchen und und wäre nur zu wünschen, daß uns genannter Verein noch oft im kommenden Winter mit derattigen genuß­reichen Abenden erfreuen würde.

Ettffel, 29. Nov. Die neu angeschaffte Straßen- dampfwalze ist jetzt eingetroffen und wird heute der Benutzung übergeben.

Fritzlar, 27. Novbr. Ein Geschäftmann aus Volkmarsen, welcher sich bei einer hiesigen Familie aufhielt, nahm ein in einem Zimmer stehendes Ge­wehr, um im Garten Spatzen zu schießen. Durch einen unvorsichtigen Griff entlud sich die Waffe und traf den bedauernswerten Schützen derart, daß er am 25. b. M. verschied. Der traurige Vorfall er­regte hier große Teilnahme, da der junge Mann die Stütze seiner 70 Jahre alten Mutter war. Die Leiche wurde Sonnabend zur Beisetzung nach Volk­marsen übergeführt.

Fulda, 28. Nov. Wie aus Rom berichtet wird, wurden int Konsistorium vom letzten Freitag, den 25. ds., die Herren Prälaten Weyland als Bischof von Fulda und Domkapitular Feiten als Weihbischof von Trier präkonisiert. Der Jnformativprozeß über den neuen Bischof, welcher in höherem Auftrage der hochw. Herr Btfchof von Limburg, Dr. Klein, führte, war zu diesem Zwecke sehr beschleunigt worden. Es wird nun demnächst in hiesiger Stadt ein Komitee zasammentreten, um das Arrangement der Einzngs- eierlichkeiten zu übernehmen. Die Initiative geht wie bei dem vorigen Bischosseinznge von der ftädti- chen Behörde ans. Aus dem Stadtrat wurden be­reits die Herren Th. Arnd, Aug. Müller und Robert Kircher deputiert. In der heutigen Sitzung des städtischen Ausschusses sollen ebenfalls drei Mitglieder .zum Komitee gewählt werden, welches sich bann burch Mitglieder ber verschiedenen Vereine zc. verstärken wird. Eine aus Vertretern ber Stadt Fulda gebildete Deputation begiebt sich dieser Tage (wahrscheinlich

Eine edle Tyat!"Das Leben um die Fa­milie des Feindes hingegeben!" und ähnliche Be­merkungen wurden hie und da laut aipgerufen.

Die höchst bekümmerten Eltern machten sich in Philipps Begleitung nach der Villa der bis in den Tod Derfeinbeten Familie auf, wo sie bereits den Arzt anS ber nächsten Nachbarschaft ein anderer war an diesem Abende in kurzer Zeit ni»t zu finden gewesen bei dem noch immer in Todesgefahr chwebenden Sohne vorfanden.

Mein lieber, lt. ber Sohn seufzte die unglückliche Mutter;Gott weiß, ich könnte für Dich sterben!"

«Nein, er darf nicht sterben, gnädige Fran," wandte ich Veronika schluchzend an die Gräfin.

Die Angeceb.< schaute verlegen auf. Veronika, komm," sagte der Oderst verletzt, indem er auf seine Tochter zuschritt.Du vergißt"...

Ja, ich vergesse j.tzt alles, sogar meine Furcht vor Dir, Vater," antwortete ste, ihn vorwurssvoll auschauend.Ich denke nur daran, daß er mich liebte unb sein edles Leben"... ste schluchzte und konnte nicht weiter sprechen.

Die beiden alten verfeindeten Nachbarn sahen ich bedeutungsvoll an.W-nn wir den braven jungen Mann nur raten könnten!" sagte zu wiederholten Malen der Oberst mit augenscheinlicher Resignation auf- und abgehend.

Ich würde alles gern nach seinen Wünschen einrichien," sprach ber alte Graf von Axion wie geistesabwesend vor sich hin.Soll ich nun wirklich kinderlos ins Grab steigen? Muß ich in der That voranSsehen, daß meine Güter in fremde Hände übergehen?!"

Verlasse uns doch nicht, mein lieber, guter Bruno!" eufjte die alte «räfia nochmals zu ihrem Sohne, eS fcll Dir, mein armes Kind, alles gewährt werden!"

Der Arzt konnte über den Zustand des jungen Grasen noch immer nichts Bestimmtes angeben und ordnete j.tzt seine Ueberführung nach dem elterlichen Valais an, wo er ihn genauer untersuchen wollte.

morgen) zur Begrüßung unseres neuen Oberhirteu nach Wiesbaden. (F. Ztg.)

Telegraphische Depesche«.

Berlin, 28. Nov. Die ,Berl. Pol. Nachr.« führen aus, daß bei den Enthüllungen derKöln. Zig." drei Gesichtspunkte auseinander zu halten wären. Bei der Unterredung des Kaisers Alexander mit dem Reichskanzler galt es erstens Aufklärung zu verschaffen über eine der letzten Phasen der deutsch-russischen Beziehungen, wobei die gefälschten Aktenstücke zur Sprache kamen. Der zweite Punkt betraf die Be­ziehungen Deutschlands zu Oesterreich; es mag dahin­gestellt bleiben, ob der Reichskanzler den Ausdruck casus foederis gebrauchte ober nicht; sicher dürfte sein, daß Fürst Bismarck den Anlaß dazu benutzte, dem Zaren reinen Wein über die Intimität dieser Beziehungen, sowie über die Festigkeit des mittel­europäischen Bündniffes einzuschenken. Diese zwei Punkte tarnen zweifelsohne zur Sprache, dagegen ist der dritte Punkt über die gewissen Hofkreisen zuge­schriebene Rolle in der Unterredung nicht berührt worden; die Vertretung dieser Mitteilung ist dem genannten Blatte unb deren Gewährsmann allein zu überlassen. Die heute hier verbreiteten beunruhi­genden Gerüchte über die Gesundheit des Reichs­kanzlers sind nach zuverlässigsten Informationen völlig unbegründet.

Leipzig, 28. Nov. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts hob das Urteil des Landgerichts Trier auf, welches einen Rudolstädter Fabrikanten wegen Verkaufs von Geheimmitteln im Gebiete des rheinischen Rechts auf Grund des französischen Gesetzes vom 21. Germinal XL verurteilte und erklärte dieses Gesetz als veraltet.

Paris, 28. Nov. Clemenceau hatte heute abend eine Unterredung mit dem Kammerpräsidenten Floquet über dessen Absichten bezüglich der Präsidentschafts- Kandidatur und machte hierbei darauf aufmerksam, daß eine Zersplitterung der Stimmen der Radikalen bei ber Wahl zwischen ihm unb Freycinet eintreten werde. Floquet erwiderte, baß er nicht als Kandidat aufgetreten fei, demnach auch nicht von der Kandidatur zurücktreten könne; er müsse seinen Freunden jede Verantwortlichkeit für ihre Haltung überlassen.

Paris, 28. Nov. Die Gruppen ber Linken in der Kammer und im Senat haben sich bisher noch nicht über die beabsichtigte Plenarversammlung einigen können. Die Rechte vertagte die Beratung über ihre Haltung beim Kongreß auf Mittwoch. Bisher er­scheinen Freycinet, Ferry und Floquet als bie ein­zigen ernsthaft zu nehmenden Kandidaten.

London, 28. Nov. In ber heutigen Sitzung ber Zuckerkonferenz hielt Worms eine längere An­sprache an bie Delegierten. An ber Generaldebatte nahmen vornehmlich bie Delegierten Belgiens untw Oesterreichs teil. Man glaubt, England werde kerne Ausgleichszölle Vorschlägen. Belgien ist gegen die Zuckerprämien, während Oesterreich dieselben billigt. Die nächste Sitzung findet am Mittwoch statt.

London, 28. Nov. Thomas Callan und Michael Harkins aus Philadelphia, angeklagt sich behufs Her­beiführung einer Dynamit - Explosion verschworen zu haben, erschienen heute vor Gericht. Nach der Zeugen­vernehmung wurde die Verhandlung auf acht Tage vertagt.

Vermischtes.

Auf dem Bahnhose von Valenzienas in Belgien ist ein Poftbcebstahl von 30 000 Franken verübt worden. Auf dem Platze von Anzin fand man ein Packet mit Wechseln in Höhe von 80 000 Franken, bie aus biesem Diebstahl herrührten. Von den Thätern fehlt jede Spur.

Der Verletzte wurde in dem Bette vorsichtig ge­tragen; die Familie des Oberst folgte zum ersten Male traten diese heute tu das Palais ihres nächsten Nachbarn.

Der Patient wurde schnell entkleidet, damit die innere Verletzung, welche bereits mit Bestimmtheit vorausgesetzt wurde, festgestellt werden konnte, unb, welch eine Freude! Der Vielbeweinte schlug bie Augen auf, erkannte auch bie Umstehenden unb klagte nur über große Mattigkeit. Und da er in dem Innern seines Körpers nicht den gerinaften Schmerz empfand, konnte man eine innerliche Verletzung für gänzlich ausgeschlossen halten unb bie wahrgenommenen Symptome lebiglich als Folgen einer gewaltigen Nervenerschütterung arruehmen. Der Zustand bes Patienten besserte sich von Minute zu Minute. Man reichte ihm etwas Wein, unb er begann zu sprechen.

Inzwischen ertönte von draußen her baS schöne Weihnachtslieb:O, bu fröhliche, o bu selige, gnaben- brhtgenbe Weihnachtszeit."

Es hatten sich nämlich die Zöglinge der vor­trefflichen Knabenschule in S., deren Patton der Graf ebenfalls war, bereits vor einer längerer Weile auf der Terrasse am Palais eingefunbeu, um, wie eit vielen Jahren, aus Dankbarkeit ihre schönsten Weihnachtslieber ben hohen Herrschaften vorzutragen. Heute hatten sie wegen bes traurigen Vorfalls warten müssen, bis ihnen bas Singen gestattet werden konnte.

Nun fangen sie aber auch um so freudiger von dem Frieden, der mit dem Heilande bei bet Mensch­heit ringekehrt ist. Eine wahrhaft erhebende Stimmung bemächtigte sich jetzt aller Anwesenden. Die Augen erglänzten, und Thränen aufrichtiger Versöhnung rollten wie Perlen übet die Wangen.

Ein holder Frieden hielt hier Einkehr, und noch an demselben Weihnachtsfeste feierte man die Verlobung des schönen jungen Grafen Bruno von Axion mit der reizenden Freiin Veronika von Hausen. Die alte Fehde ber beiden Familien war beendet.

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