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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md

Expeditione Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Sag. «och.

Illustriertes Somitagsblatt.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe- /(M, dition21/,Mk., bei den Postämtern 2Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Rellamen für die Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 29. November 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M-, Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Haüraana. Moffe in Frankfutta.M.,Berlin,Münchenu. Köln; ®.L. ^uyiguuy.

Daube u. Co. in Frankfutt a. SR., Berlin, Hannover. Paris.

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^ür den Monat Dezember nehmen alle ö Postanstalten (auf dem Lande die Landpostboten), in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt), sowie für Marburg und nächste Umgegend unsere Expedition (letztere auch Wochen-Abonnements z 20 Pfg.) Bestellungen auf dieOber­hessische Zeitxvg" mit ihren Beiblättern entgegen.

Anfang Dezember beginnt im Feuilleton die höchst spannende Weihnachts - Erzählung

Empor zu Gott

von dem hervorragenden österreichischen Dichter K. Rosegger.

Das nach einem der neuesten Photo­graphien angefertigte Bild Sr. Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen wird als Extra­beilage in den ersten Tagen des Dezember mit ausgegeben werden.

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Eine weitere verstarknng

der deutschen Wehrkraft wird in der Thronrede zur Eröffnung des Reichstages angekündigt. Dieselbe soll durch ein die Landwehr und den Landsturm be- ttcffendes Gesetz herbeigesührt werden. Dieses Gesetz

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ist das einzige von den in der Thronrede genannten, welches vorher nicht bekannt war, und es ist des- halb erklärlich, daß sich hierauf die besondere Auf­merksamkeit richtet. Die deutsche Militärorganisation

tt pn ist peinlich genau und sicher, und man nahm deshalb Aartot an, es werde von einer besonderen Organisation des

irt - - Landsturmes, wie dieselben vor zwei Jahren in

g 3,5 Oesterreich-Ungarn beschlossen wurde, und die auch Mea unter anderem Namen in Frankreich besteht, bei uns

- Jll» Abstand genommen werden. Dem ist nicht so! Mar! Schon durch die jetzige Militärverfaffung ist der o Baiü Landsturm im Allgemeinen geregelt; kommt noch ein

deute aber auch Veranlassung genug, mit seiner Fa-

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Tod.

nommen werden. Daraus dürfte sich auch die plötz­liche, energische Vermehrung der Gewehrfabrikation «klären. Die älteren Gewehre werden sammt und

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Richt nur die Haupt-, Quer- und Seitenstraßen der Residenz waren durch angezündete Weihnachtsdäume illuminiert auch zwischen den Villen des reizenden

Lichtmeer, und ganz besonders zeichnete fich hier das Palais des Grafen von Axion aus. Derselbe hatte

neues Gesetz, so bedarf es also keines besonderen : Scharfsinnes, um zu erraten, daß diese allgemeine

Organisation schon im Frieden ein festes Gefüge er-

Kktttto 8raf vo« Ariorr

Von Adolf Reiter.

(Nachdruck verboten.)

ES war am Abend deS 24. Dezember 18 . .

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Kucke! Vorortes S. zeigte fich den Paffanten ein wahres

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, halten soll: es werden also namentliche Landsturm- rdlunz listen angelegt und die ganze Bewaffnung dieses letzten Aufgebotes wird wahrscheinlich in Aussicht ge-

Htilie ein doppelt schön-S und frohe» Fest zu feiern.

Die große stattliche Villa, oder eigentlich richtiger bezeichnet, das stolze Palais des Grafen, lag in einem Park, und es führte hier von der Straße bis zu dem HerrschaflShause eine dichte Lärchen«Allee, in welcher eine Unzahl von Lampions in den verschie­densten Farben leuchteten.

mach4 Die hohen Ehreupforteu, welche durch reiche Guir- -landen mit einander verbunden waren, konnte man ^her trotz der eivgetreteven Dunkelheit noch erkennen; die Fluren rund herum waren vo» dünnem Schnee , bedeckt die stille Umgebung zeigte fich als ein Bild freu« des Friedens.

Die Ehrenpforten zn dem gräflichen Palais galten ditsmal dem heiwgekehrtrn einzigen Sohne, dem drei- ttnzwanzigjährigen Grafen Bruno. Er war nach un­gefähr zweijährigem Aufenthalt in fernen Weltteilen gerade znm Weihnachtsfeste in Begleitung seines Caß treuen FrenudeS, eines jungen Naturforschers, Dr. 188 Philipp, angekommen. Bon dem sonst so verschlossenen mb stolzen alten Grasen waren die Familien einiger ' seiner intimsten Freunde auS der Nähe eingeladen;

11 denn die Freude sollte eine recht große nnb allge­

meine fein. Somit hatten sich lustige Gäste, Alt und Jung, hier, in ben großen, schmucken Räumen ver­sammelt; aber gerade auS dem nächsten Nachbarhause, welches von dem Palais nur durch einen Park ge­trennt »ar von der Familie des Oberst Freiherrn

sonders für die Ausrüstung des Landsturmes bestimmt werden, und deshalb wird eine Fabrikation neuer Repetiergewehre nötig. Was mit der Landwehr, die ja jetzt bereits zu Hebungen eingezogen wird, ge­schehen soll, bleibt abzuwarten. Natürlich bringen solche Maßregeln, wie wir sie angebeutet, eine be­deutende Verstärkung der Heereskraft mit sich; denn sie ermöglichen, daß im Kriegsfälle alle Kontingente, die jemals praktischen Dienst gethan, sofort aus- marfchieren können, und wie wesentlich das ist, zeigte der letzte Feldzug.

Es fehlt nicht an Stimmen, welche infolge dieser neuen Rüstungsankündigungen sich recht resigniert, selbst trüb aussprechen. Daß wir überhaupt nie wieder einen Krieg in Europa bekommen werden, daran glaubt ja kein Mensch. Allgemein sagt das Empfinden, ein großer, gewaltiger Krieg wird einst kommen und muß einst kommen, denn schließlich werden die Völker nicht mehr int Stande fein, die ungeheuer ausgedehnten Rüstungen zu tragen, während zugleich Handel, Wandel und Geschäftsverkehr infolge der allgemeinen Unsicherheit leiden. Aber davon, daß dieser Krieg nun plötzlich näher oder ganz nahe ge­rückt sein soll, davon steht in der Thronrede nichts. Ja, die Thronrede sieht immer noch Kriegsgefahren in der Zukunft, sie gießt aber auch die Gewißheit, daß das große Friedensbündnis in ungeschwächter Kraft besteht, daß es eine gemeinsame Verteidigung gegen fremde Angriffe sichert. Und die Gemeinsamkeit dieser Verteidigung ist, wie die Dinge heute thatsächlich liegen, selbstverständlich. Wir glauben nicht, daß Alexander III. heute einen Krieg mit Deutschland wünscht; denn, das muß man dem Zaren lassen, er ist ein ehrlicher Mann und mit Kriegsgedanken im Herzen wäre er auf keinen Fall nach Berlin ge­kommen. So leicht wird ihn die russische Kriegs­partei also nicht in ihr Fahrwasser bekommen. Frank­reich würde, bestände eine französisch-russische Allianz, bekanntermaßen feinen Augenblick zögern, auf uns loszuschlagen, aber in demselben Augenblick würden auch Oesterreich und Italien eingreifen. Das Gleiche gilt für Deutschland und Oesterreich, wenn Italien von Frankreich überwältigt werden sollte, und für Italien und Deutschland, wenn die Kosacken sich zum Zuge nach Wien anschickten. Und man kann ja sagen, daß ein russisch-österreichischer Krieg um die Balkan- Halbinsel in fernen Zeiten genau ebenso sicher ist, wie ein russisch-englischer Krieg um Asien. Da kann kein Zweifel bestehen.

Für jetzt ist uns die Hauptsache, daß die Thron­rede mit vollem äußerst gewichtigem Nachdruck die

vou Haufen war niemand erschienen, denn eine alte, tiefe Feindschaft hielt diese beiden Familien von einander getrennt.

Während die Gäste die höchst seltsamen Gegen, stände, Reichtümer an edlen Steinen und Peilen, Schmncksachen fremder Völker und andere Kuriositäten, welche von den beiden jungen Männern in schweren Koffern mitgebracht mären, noch immer und immer wieder mit großem Jittereffe betrachteten, wurde be­reits von Diesem nnb Jemm bte Frage laut, wo denn der so langersehnte Sohn bleibe, und als auch die glückliche Frau des Hansis über das Fernbleiben ihres einzigen Lieblings fich wunderte, bemerkte der alte Graf beschwichtigend, daß die von weiter R ise augekommenen jungen Leute wohl noch ein Stündchen der Erholung bedürften.

* * *

Wenden wir nun unsere Blicke nach dem nm» liegenden Park, nnb zwar ans die Hiuterseite des gräflichen Palais.

Hier keilt verstohlen der junge Gras Bruno auf einer Freitreppe herunter, und fein Freund folgt ihm. Eine Strecke leise und doch eilig fortgeschritten, sagte ter Doktor, durch das Benehmen seines FrenudeS be» umuhigt:

«Aber was soll daS heißen, lieber Graf? Die Gäste warten auf Dein Erscheinen, Du aber bist so gleichgültig, fo wenig dankbar gegen Deine Eltern, die Dir doch ein überaus ehrendes Willkommen be* r.itet Laben I Was fehlt Dir eigentlich?

»Philipp, mein lieber Freund, kannst Du an jedem meiner Geschicke in der Thal so aufrichtig Anteil nehmen?"

»Von ganzem Herzen, und Dein heutiges so eigen­tümliches Benehmen schneidet mir tief iuS Herz, während Du Dich doch recht glücklich fühlen müßtest, so baß ich Dich beneiden könnte."

»Hast Du denn schon gehört, baß fich auch ein Toter beneidet finden kann? Es muß mir jetzt altS gleichgültig erscheinen, weil mein Inneres, meine

Entschlossenheit der Friedensmächte betont, gemeinsam den Frieden zu erhalten, gemeinsam den Frieden zu schützen. Jeder Friedensbrecher weiß, was ihm im Falle eines Krieges und einer Niederlage bevorstehen würde. Ein künftiger Krieg würde kein Streit um ein paar Quadratmeilen Land und ein paar Milliönchen werden, der Friedensbrecher würde seine fürchterliche Strafe empfangen und die seit Jahren schon dauernden Rüstungslasten würden ihm unerbittlich zugeschoben werden. Mit einem Wort, die Existenz des im nächsten Kriege unterliegenden Staates würde und müßte im Interesse zukünftiger Sicherheit und Ruhe Europas vernichtet werden. Ein hartes Wort, dessen Ausführung aber die Notwendigkeit diktieren würde. So liegen die Dinge; zur Angst ist kein Anlaß vor­handen, denn kommt wirklich die schwere Zeit, der Friedensbund ist fertig zum Kampf.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Nov. Der Kaiser hörte vormittags eine Reihe militärischer Meldungen, empfing darauf den Feldmarschall Grafen Moltke, ben General Grafen Waldersee und ben Chef des Militärkabinets Albedyll zum Vottrage und .nachte um zwei Uhr eine Spazier­fahrt. Nach derselben wird der aus San Remo zurückgekehrte General Winterfeldt dem Kaiser über das Befinden des Kronprinzen berichten. Um vier Uhr erscheint Graf Bismarck zum Vortrage. Morgen empfängt der Kaiser das Präsidium des Reichstags. Heber unser Verhältnis zu Rußland beginnt die Kreuzz tg." eine Artikel - Serie, in der sie haupt­sächlich vom- agrarischen Standpunkte aus die wirt­schaftlichen Beziehungen bespricht und die politischen möglichst pessimistisch darstellt. Sie schreibt u. A.: Aber die vielbesprochene Ankunft des Zaren in Berlin, selbst die überaus herzliche und sorgliche Aufnahme desselben seitens unseres kaiserlichen Hofes, die lange Unterredung Rußlands d. L des Zaren mit dem Fürsten Bismarck, die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den Grafen Schuwalow, die Enthüllungen derKöln. Zeitung" über jene Unterredung, das zusammen hat den russischen Werten ein Lustre verliehen, auf das sie nach konkreter Lage der Dinge ebenso wenig Anspruch haben, als den Enthüllungen derKöln. Ztg." große Tragweite bei- zumeffen sein wird." DieN. Pr. Zig." hat ja d 'im Recht, daß man die Folgen des Zarenbesuches und der Enthüllungen erst abwarten muß, aber weil man das erst muß, sollte man ihnen nicht jetzt schon allen Wert bestreiten. Es ist eine Thatsache, die wir aus absolut sicherer Quelle erfahren, daß nicht

Seele gestorben ist! Allerdings, die Eltern über, schütten mich mit Freuden, und ich bin ihr Stolz, aber mein Herz ist und bleibt gebrochen l Komm nun noch weiter. Dort, in der freundlichen Villa wohnt die Familie des Oberst Freiherrn von Hausen. Ich werde Dir sogleich mein stilles Leid, welches Deute von neuem ganz entsetzlich erwacht ist, ver- trauenvoll offenbaren."

Der junge Graf ergriff den Arm seines Freundes und Beide gingen die immer dunkler werdende Allee hinunter, bis sie einen kleinen kreisförmigen Platz erreichten, der von dichten Sträuchern umgeben war.

»Hier ist neutraler Boden, fuhr Graf Bruno fort. »Hier pflegten wir uns zu treffen, und wie beglückt, u mich ehre klaren, treuen Augen, wenn ich ihr an dieser verborgenen Stelle einen Reinen Blumen- strauß überreichte l"

»Ach fo! Um eine junge Dame handelt es fich? Dachte ichs mir doch gleich!'

Seine Linke lag noch immer in der Rechten des Grafen, und er fühlte deutlich genug die fieberhafte Erregung seines teuren Freundes.

»Wir gehen weiter," Hub der Graf an, »nnb be­treten feindliches Gebiet. Dieser Teil des ParkS gehört also der Oberst Freiherr vou Hausenschen Familie. Vor uns sehen wir ihre Vella und daneben eine Kapelle, aus deren bunten Fenstern sich daS helle und farbige Licht verbreitet."

Still und behutsam nShetten fie sich der Kapelle, bis sie an einen dichten Tannenbusch kamen und von hier ans unbemerkt genaue Beobachtungen anstelleu konnten.

Die beiden Flügelthüren der Kapelle waren ge. öffnet, und diese» gegenüber sahen sie einen schönen Altar, vor dessen Stufen auf einem Podium ein großer angezündeter Weihnachtsbaum stand. DaS Innere der Kop-lle war mit frischem Grün reich und schön geschmückt; harmonisch und ergreifend erschien au diesem Orte der Andacht noch daS vom Mond- mild beleuchtete Weiß deS winterlichen Kleides in

nur Fürst Bismarck, sondern auch der Zar über ihr Unterredung, sehr befriedigt waren und dieses Gefühl offen zur Schau getragen haben. Der Zar hat sogar bei der Abreise den Grafen Schuwalow, der hauptsächlich die Unterredung zu Stande gebracht hat, wiederholt umarmt und geküßt und die Ver­leihung deS Schwarzen Adlerordens ist, wie man auch sonst über die Verleihung von Orden denken mag, in der Form, wie sie erfolgt ist, ein sehr be­merkenswertes Symptom. Es verlautet, daß der Zar in der Angelegenheit der gefälschten Noten dem Wunsch Bismarcks nach eingehender Untersuchung ge­willfahrt und einen Bericht hieher gesandt habe, der genaueste Mitteilungen enthält. Diesem schon vor­gestern hier eingetroffenen Bericht sollen die bewußten gefälschten Aktenstücke in Abschrift ober, wie von anderer Seite behauptet wird, im Original beigegeben fein. Vor einigen Tagen gmg die Nachricht durch die Blätter, der neue Feldpropst der preußischen Armee habe in einer Konferenz von Militärgeistlichen die Mitteilung gemacht, diemilitärfreien" Theologen sollten demnächst als Lazarettgehilfen ausgebildet und imfalle eines Krieges zur Aushilfe in der Militär- feelforge mit verwendet werden. Die Nachricht er­regte Aufsehen, weil vonmilitärfreien Leuten die Rede war, die bisher zu keiner Art von Dienstleistung herangezogen werden konnten. In Wirklichkeit handelt es sich denn auch gerade ummilitärpflichtige Theo­logen , die bisher ein ganzes Jahr mit der Waffe dienen mußten, in Zukunft aoer wenigstens einen Teil dieser Zeit in den Lazaretten mit der Kranken­pflege beschäftigt und im Kriegsfälle gänzlich vom Dienste mit der Waffe entbunden werden sollen. Wie derNordd. Allg. Ztg. von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat der Schah von Persien den Plan einer Reise nach Europa für das nächste Jahr aufgegeben.

Seitens der freisinnigen Partei des Reichs­tags wird ein Antrag angekündigt, in welchem der Herr Reichskanzler ersucht werden soll, dahin zu wirken, daß dem Reichstage eine Gesetzesvorlage ge­macht werde, wonach verabschiedete Offiziere der Mili­tärgerichtsbarkeit fernerhin nicht unterworfen sind. Der wesentliche Paragraph des Antrags Munckel be­züglich Verweisung der politischen und Pießprozeffe vor die Schwurgerichte, lautet wie folgt: Der § 80 des Gerichtsverfassungsgesetzes wird wie folgt abge­ändert :Die Schwurgerichte sind zuständig für die Verbrechen, welche nicht zur Zuständigkeit der Straf­kammern ober bes Reichsgerichts gehören, besgleichen für bie Vergehen gegen bie §§ 95, 97, 99, 101

bet stille» Umgebung! Dr. Philipp erstaunte, er­schrak aber, als er daS Gesicht bes Grase» voll­ständig tobenbleich sanb. Wie geistesabwesenb starrte dieser nach der Kapelle unverwandt hin und sagte leise und wiederholt:

Ob fie nicht bald kommen wird? Oder, soll ich fie heute noch sehen? Ach nein, es ist Weihnachts­abend fie muß ja erscheinen!"--

»Mut, nur Mut, lieber Gras! Ich wette darauf, daß Du fie Dir noch in diesem Jahre erwirbst."

ES ist hoffnungslos," erwiderte jener seufzend. Sagte ich Dir nicht schon, daß wir nnS hier auf feindlichem Gebiet befinden? Sie ist die Tochter des Mannes, der mit meinen Eltern bei feinbet ist, ja beffen Vorfahren mit ben meinigen beinahe feit einem Jahrhnnbert in offener Fehbe gestanben haben. Meine stolzen Eltern sind gegen ben Oberst und feine Familie hart nnb falt wie Eisen, jener wieder so unbeweglich wie bet Montblanc, währenb ich feine Tochter mehr liebe als mein Leben!"

Oho! Nur Gebuld mein Freund! Wir müssen bie Parteien nick einander anssöhnen, fie zur Vernunft dringen, unb bie Aussicht dazu ist insofern sehr günstig als Deine Eltern aus Liede Dich wahrhaft anbeten."

Ach, Du kannst und verstehst fie noch nicht. Sie lieben mich allersdingS in reichem Maße, aber ihr Stolz geht noch über diese Liebe hinaus. Die Feindschaft hat ben alten Oberst sogar noch vor wenigen Jahren veranlaßt, neben seiner Villa bleie kleine Kapelle hier zu erbauen, um die Andachten nicht gemeinschaftlich mit meinen Eltern in bei Pfarr­kirche meines Vaters, zu beten Gemeinde der Oberst gehört, abhalten zn müssen. Wenn ich schon als Knabe von der kleinen schönen und lieblichen Veronika erzählte, erhielt ich vou .den Eltern die fürchterlichsten Vorwürfe und die strikteÄuffordernag, von dem Mädchen nicht mehr zu sprechen. Damals gehorchte ich bald. AIS ich ober sieben Jahre später in der Refidenz stndirte, fand ich auf einmal Ge, legenhett, mit dem zur blühenden Jungfrau^heran

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