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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sountagsblatt.

Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Lug. Loch.

M 276.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/4 Mk., bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exll. Bestellgeld!. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marb«rg,

Freitag, 25. November 1887.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII. Mraana. Blosse in Frankfurta. M.,Berlin,Münchenu. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. Baris.

ür den Monat Dezember nehmen alle

Po st an st alten (auf dem Lande die Landpostboten), in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt), sowie für Marburg und nächste Umgegend unsere Expedition (letztere auch Wochen-Abonncments 20 Pfg.) BestellungenZ auf die „Ober- esfisch<Zeit««g" jnit ihren Beiblättern entgegen.

Deutschland und Frankreich.____

Während in Deutschland, Dank den festen In­stitutionen der erblichen Monarchie, das Staats- und Volksleben trotz Bedrohung von außen und innen in ruhiger stetiger Entwickelung fortschreitet und 'staat­liche Aufgaben von dem Umfang und der Bedeutung, wie die Sozialresorm auf der Grundlage des prak- tiichen Christentums ihrem Abschluß entgegengeführt werden können, bietet das republikanische Frankreich das Schauspiel innerer steigender Wirren. Welche Richtung auch unter den Republikanern mit den Ministerportefeuilles in den Besitz der Staatsmacht gelangt, stets wiederholt sich das Schauspiel, daß alsbald die nicht im Besitz befindlichen Gruppen der Republikaner alles aufbieten, um jene zu stürzen, und dabei stets nur zu willige Unterstützung bei den Monarchisten finden, welche nicht mit Unrecht von der Zwietracht der Republikaner und deren Kampfe um die augenblickliche Macht eine Stärkung der Aus­sicht auf Wiederherstellung des monarchischen Re­gierungssystems erwarten. In immer kürzeren Pausen wiederholen sich die Mimsterkrisen, und immer schwieriger wird es, neue Zusammensetzungen des Ministeriums zu finden, welche auch nur auf Wochen Tauer versprechen. Bisher konnte in der Flucht der ministeriellen Erscheinungen der Präsident Grevy bis zu einem gewissen Grade als fester Pol gelten. Obwohl von geringer Initiative und geringer Neigung, energisch in die Regierung einzugreifen, hatte er bisher sich über den Parteikämpfen zu er­halten gewußt, und der Ehrgeiz und die Eitelkeit der Parteihäupter hatten vor dem Präsidentenstuhl.Halt gemacht. Jetzt ist auch dieser ins Wanken gekommen; der Sturm richtet sich sogar in der Hauptsache gegen denselben. Mag der Sturm aber auch diesesmal noch beschworen werden, so ist einmal das Signal gegeben, die Stellung des Präsidenten in den Kamps der Parteien zu ziehen, und das bisher allein vor-

Lin Geschäft.

lSkizzen aus Nordamerika.)

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Jonathan war etwas blaß geworden, faßte sich aber schnell wieder. „Eure fünfhundert Dolla:s wögt Ihr haben, Harris," sagte er, und als Ent­schädigung noch fünfhundert dazu. Dann find wir qvitt, hier ist das Geld und nun trollt Euch." Harris faßte gierig nach den Scheinen. „Das ist eine Ab, schlagszahlung, aber nun die weiteten viertausend!"

„Die habt Ihr nicht zu verlangen und ich gebe sie nicht." war die Antwort.

„Was, D» willst nicht, Du Spitzbube," brüllte Harris. „Das wollen wir doch sehen l" Damit riß « aus seinem Stiefelschaft ein langes Messer; aber ebenso schnell hatte der Bedrohte auch seinen Re- dolver gehoben, ein Schuß krachte, und Harris stürzte, durch die Stirn getroffen, tot zu Boden. Es gab kine große Untersuchung; eS lag auf der Hand, daß Thomson in Notwehr gehandelt, und damit war die Sache zu Ende. Aber Harris hinterließ eine Tochter, st» hübsches, stilles und bescheidenes junges Mädchen. Jonathan sah fie und meinte, das sei die richtige Frau für ihn. DaS Mädchen weigerte sich lange, die Hand dessen, der ihren Vater erschossen, anzu- Uehmeu, allein sie stand vor dem Elend, Jedermann ^dete ihr zu, und so ward denn Ma> y Harris Frau Thomson. Die Beiden lebten still und friedlich nebeneinander, dock konnte die junge Frau das Vor- Afallene nicht vergessen. Sie kränkelte und nach der Geburt ihrer ToLter starb fie; ein Ereignis trug dazu bei, ihren Tod zu beschleunigen.

Die Stadt war in den fünfzehn Jahren, in welchen Thomson dort wohnte, kolossal angewachsen, Und mit den Landspekulationen hatte er ein schönes Sümmchen verdient. Das Geldverdieneu war ihm i®1 Leidenschaft geworden, und um zu seinen Ztlcn i“ gelangen, ging er gerade und krumme Weg'-, wie

Händen feste Element der republikanischen Institution ins Wanken gebracht.j.-WM

Diese Lage der Dinge berührt die Gesamtheit des Staatslebens Frankreichs auf das empfindlichste. Der stete Wechsel der leitenden Personen und Gesichts­punkte vermindert das Ansehen nach Außen und ver­wirrt die innere Verwaltung. Von einer planmäßigen Fortentwickelung ist selbst auf dem Gebiete des Heer­wesens keine Rede mehr, nur die Ausgaben und Schulden wachsen stetig. Zugleich wirkt die Unsicher­heit und Unstetigkeit in den regierenden Regionen lähmend auf die wirtschaftliche Entwickelung des Landes. Das Vertrauen zu den bestehenden Zu­ständen, die unerläßliche Voraussetzung des Aufblühens von Handel und Wandel fehlt: dazu tritt anscheinend die Besorgnis, daß die inneren Wirren schließlich so zu dem Versuche einer tragischen Lösung führen. Der Vergleich mit unserm Nachbarn im Westen lehrt uns den Wert unseres festen und starken Königtums voll erkennen.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Nov. Der Kaiser stand heute nach 10 Uhr auf, nahm dann die Vorträge des Oberhof- unb Hausmarschalls Grafen v. Perponcher und des Geheimen Kabinetsrates v. Wilmowski entgegen und empfing später den General der Infanterie v. Dannen­berg. — Die „Rordd. Allgem. Zeitg." veröffentlicht folgendes Schreiben des Hofmarschalls des Kron­prinzen, Grafen Radolinski, aus San Remo, 21. Nov.: „Die vielen aus allen Teilen des deutschen Reichs und aus dem Auslande kommenden Beweise von Teilnahme und die zahlreichen Einsendungen wohl­gemeinter Ratschläge zur Hebung des Leidens Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen haben Höchstdenselben aufs tiefste gerührt und innig gefreut. Da bei der überaus großen Zahl der ein­gehenden Briefe und Telegramme die Beantwortung der einzelnen unmöglich ist, bin ich Höchsten Orts beauftragt worden, den wärmsten Dank des Kronprinzen auf diesem Wege zum Ausdrucke zu bringen." — Daß eine gewisse Diplomatie unserer Tage ganz andere Mittel anwendet, als die der Gradheit und Offenheit, mit denen Bismarck so große Erfolge er­zielt hat und die neulich Francesco Crispi als die einzigen nicht veralteten feierte, hat gerade Fürst Bismarck gelegentlich der Anwesenheit des Zaren in Berlin erfahren müssen. Auch heute noch werden die Kniffe angewandt, die man im Weltsprachegebrauch als jesuitische bezeichnet, heute noch werden Gesandt- schaftsberichie und diplomatische Depeschen gefälscht,

es ebenstem. Andere mochten es nicht bester. Die ©labt zählte bereits über dreißigtauseud Einwohner, und gerade in ihrem wertvollsten Teil lagen Thom- sons Institute. DaS Theater, das Hot>l und die anderen Einrichtungen waren wohl ausgebaut, aber zeitgemäß waren sie bei weitem nicht mehr, es mußte alles ntebergertffen und tu neuer Form wieder erbaut werden. Jonathan war dazu längst entschlossen, aber das kostete ein Stück Geld, und wozu das ausgeben, wenn in anderer Weise Rat geschafft werden konnte? Um bas „Wie?" war tt nicht lange verlegen. Wenn ihm ein Brand zu Hilfe käme, das alte Gerümpel einäscherte, so bekam er eine Versicherungssumme von einer halben Million ansgezahlt. Dafür ließ sich schon etwas aufbauen, und die Sache kostete ihn keinen Pfennig. Es brannte oft in der Stadt, aber zum Theater wollte das Feuer nie kommen, und Jo nathan beschloß daher, auf feine Weise die Auge- leg-nheit zu betreiben.

Er kannte einen rohen, zu allem fähigen Patron im Orte, den beschied er zu sich und machte ihm ver- steckte Andeutungen, den alten Kasten, wie er bas Theater nannte, in Branb zu stecken. Der Manu ging sehr schnell barauf ein nnb versprach seine Sacke so zu machen, baß niemanb etwas ahnen sollte. Als Lohn versprach ihm der ehrenwerte Jonathan zehn- taufenb Dollars, die auf ein Bankhaus in dem ent» gegengesetzten Teil der Vereinigten Staaten ange­wiesen waren. Und Tom Mallophan' machte feine Sache gut, zu gut. Er verunglückte bei seiner Brand­stiftung und wurde total verkohlt aufgefunben. Jo- nathan Thomson sah aber seinen ganzen Besitz in Flammen aufgehen, und einige hunbert Holzhäuser, bie von ärmeren Leuten bewohnt würben, brannten mit nüber. An die Spitze der Sammlungen für die Abgebrannten stand Thomson, er spendete zehntausend Dolla's, und olles pries laut seinen Edelmut. Der tote Tom Mallophan, von dem man annahm, er habe iu einem Winkel des Theaters seinen Rausch ausschlaf en wollen, hinterließ einen Sohn, und der

um politischer Zwecke willen. Jrn vorliegenden Falle ist es der Gradheit des Fürsten Bismarck und der Offenheit des Zaren zu danken, daß die Fälschungen ans Licht kamen. Man mag sich das Erstaunen des Fürsten Bismarck denken, als der Zar ihm aufgrund von Noten, die er — Bismarck — an deutsche Bot­schafter und Gesandten geschickt haben solle, seine russenseindliche Politik beweisen wollte und die Ver­wunderung des Zaren, als Bismarck ihm ruhig er­widerte: „Majestät, wenn man Ihnen solche Noten als von mir herrührend vorgelegt hat, so hat man Sie betrogen ; ich habe dergleichen nie geschrieben und ähnliches hat mir auch mein Botschafter nie berichtet." Nachdem einmal diese im ersten Augen­blick für beide Teile verblüffende Aufklärung geschehen war, wurde es leicht, der Sache näher zu rücken, und dabei stellte sich alsbald schon so viel heraus, daß .nindestens die Leitung, welche die gefälschten diplomatischen Korrespondenzen zum Zaren nahmen, in orleanistischen Händen lag. Ob auch Orleanisten die Feder geführt haben, wird in wenig Tagen aufgeklärt fein, da hierzu der Zar als Ehrenmann und Freund der Wahrheit in entgegenkommendster Weise seine Hülfe angeboten hat. Einflußreiche Verbindungen des Blutes haben die Orleans an fast allen europäischen Höfen; von Paris abgesehen namentlich in Wien, Brüssel und Kopenhagen, und die Vermutung liegt nahe, daß man die häufige und langdauernde An­wesenheit des Kaisers Alexander in Kopenhagen als besonders günstig erachtet habe, ihm Fälschungen von angeblichen Aktenstücken der deutschen Diplomatie zuzustellen. Diese Fälschungen scheinen zum Zweck gehabt zu haben, den Zaren zu überzeugen, daß Bismarck Rußland im Orient verrate und aus allem Einfluß verdrängen wolle. Ob dadurch das russisch- französische Kriegsbündnis beschleunigt oder nur der Zar eingeschüchtert und abgehalten werden sollte, etwas gegen den Prinzen Ferdinand zu unternehmen, läßt sich nicht entscheiden, wahrscheinlich ist es, und dann käme neben dem orleanistischen das coburgische Interesse in Betracht. Wie nahe uns dieses frevel­hafte Unterfangen dem Weltkrieg gebracht hat, ist bekannt. Das französisch-rufsische Bündnis ist, wenn es nicht zustande kam, nur an der Unsicherheit und Unverläßigkeit des einen Teils gescheitert. Neben dieser orleanistischen Schleicherei und Täuschung ging eine andere von gewissen dem deuffchen Hose nahe­stehender Personen, die den Zaren in den Glauben brachten, Bismarck treibe eine Politik gegen die eigent­lichen Wünsche seines kaiserlichen Herrn, der gleich­wohl den verdienten Kanzler gewähren lasse, aber edelmütige Jonathan ließ auch diesen erziehen. Er konnte eS ja, denn drei Monate nach dem Brande zahlten ihm die beteiligten Versicherungsgesellschaften 500 000 Dollars auf den Tisch. Das war das beste „Geschäft", das er bisher gemacht. An den Unglück lichen Tom dachte er nicht mehr. Warum war der Kerl nicht vorsichtiger gewesen? Und sein Sohn war ja versorgt. Die Aufregung, in welche fie über den Brand geraten war, beschleunigte aber den Tob der Frau Mary Thomson. Und auch sie wurde iu den langen Jahren vergessen.

Jonathan Thomson machte Geschäft auf Geschäft, er war als der Schlauste der Schlauen bekannt, aber auch als würdiger, ehrenwerter Manu. Da war niemand, der ihm Böses nacksagen konnte. Unb als er nun bemerkte, wie sein Sohn sich iu die Tochter eines enorm reichen Maschinenfabrikanten verliebte, ba war ihm auch bas ein gut-s Geschäft und er gab sofort seine Einwilligung zur Heirat. Jetzt blieb nur noch die stolze Grace übrig, die niemanb für gut genug fand, um ihn mit ihrer Hand zu beglücken. Um diese Z-it kehrte der junge Robe t Mallophan, den Thomson zum Techniker hatte ausbildeu lassen, iu das Haus feines Pflegevaters zurück. Er war achtundzwanzig Jahre alt, kenntnisreicher, stattlicher Mann, mit eiwrn seltsam ernsten Gesichtsausdruck, wie er bei jungen Leuten seines Alters ungewöhnlich ist. Die stolze Grace empfing den Jugendgespielen mit großer Herzlichkeit, und Vater Jonathan fand nichts einzuwenden. Daß seine Tochter sich in diesen armen Schlucker vergaffen könnte, erschien ihm nn- benbar, unb so ließ er fie gewähren. Aber Unglück schläft nicht, Grace verliebte sich bis über betbe Ohren in den jungen Techniker, unb dieser wies fie uatür» lich nicht zurück. Hatte er fie doch schon lange ge­liebt unb nur gesucht, ihre Gegenliebe zu erringen. Nu« war aber noch die Einwilligung des alten zu erlangen.

Graces Vater saß in seinem Arbeitszimmer und dachte über ein neues lohnendes Geschäft nach, als

unter dieser Duldung schwer leide. Hier wird der Zar leicht eines besseren belehrt werden. Wenn sich bie thättge Mitwirkung deutscher Angestellten bei ben beispiellos frechen Betrügereien erweisen sollte, so wirb man bieselben nicht einfach entfernen, fonbern wahrscheinlich bem Strafrichter überweisen.— Die „Krz.- Zig." bemerkt: „In Berlin besteht am Hofe eine einflnß- retchePartei, welche mit einer internationalen Kriegspartei gemeinsame Sache macht unb sich zur Erreichung ihrer Ziele gefälschter Briefe unb Aktenstücke bebient in bet Absicht, ben Kaiser von Rußland gegen bie vom Fürsten Bismarck geleitete auswärtige Politik Deutsch­lands, b. h. gegen das deutsche Reich selbst aufzu­bringen, beziehentlich unter Benutzung orleanistischer Verbindungen einen Krieg des mit Frankreich ver­bündeten Rußlands gegen Deutschland hervorzurufen. Die „Köln. Ztg." wird sich der vollen Bedeutung und Tragweite dieser ungeheuerlichen Beschuldigung unzweifelhaft ebenso wie der Verpflichtung bewußt fein, welche sie mit der Veröffentlichung derselben in den Augen jedes anständigen Menschen übernommen hat: den Beweis für die Wahrheit ihrer Behauptungen unverzüglich zu erbringen." — Dem Vernehmen nach tritt der deutsche Volkswirtschaftsrat am 5. Dezember zusammen. — Der geschästssührende Ausschuß des Verbandes der deutschen Berufsgenossenschaften er­klärte sich mit den prinzipiell wichtigen Punkten unb Grunbzügen ber Alters- unb Invalidenversicherung für Arbeiter, insbesonbere mit bem Regierungsvor­schlag, bie Brufsgenossenschaft zu Trägern ber Ver­sicherung zu machen, einverstanben unb beschloß, einen außerorbentlichen Berufsgen ossenschaftstag auf ben 16. Dezember b. I. nach Berlin einzuberufen.

— Der in gestriger Nummer im Auszug mitge­teilte Artikel ber „Köln. Ztg." hat folgenben Wort­laut: Die einftünbige Unterredung, welche Fürst Bismarck mit bem Kaiser von Rußlanb gehabt hat, steht noch immer im Mittelpunkt ber politischen Unter­haltung. Es ist selbftverstänblich, baß bieselbe zu keinerlei Abmachungen ober gar Bünbnisabschlüsien geführt hat. Immerhin hat fie in einem wesentlichen Punkte zu einer sehr erwünschten Aufklärung geführt. Wie von unbebingt zuverlässiger Seite mitgeteilt wirb, ist im Laufe biefer Unterrebung festgestellt worben, baß bem Zaren eine ganze Reihe von Briefen unb Depeschen über bie Haltung bes Fürsten Bismarck in ber bulgarischen Frage vorgelegt worben sinb, bie von Anfang bis zu Enbe gefälscht waren unb bie, wenn sie ächt gewesen wären, in ber That bem Zaren allen Grund gegeben haben würden, erzürnt zu sein, der Politik des Fürsten Bismarck zu miß-

sich Robert Mallophan in „Geschäftsangelegenheiteu" anmelden ließ. Und nun kam wohl bie einzige Stunde in seinem Leben, in welcher ber findige Jonathan ratlos war. Denn Robert Mallophan teilte ihm mit dürren Worten mit, fein Vater habe ihm vor seinem Tode gesagt, was er vorhabe. Sein frevel­haftes Unteinehmen habe er mit seinem Leben ge­büßt; aber daS Geschäft zwischen ihm und Herrn Jonathan sei damals nicht zum Abschluß gekommen. Nun sei die Stunde deS Zohlens da, und der Preis sei Grace und ihre Hand. Was half da alles Be­sinnen, Vater Jonathan mußte wohl oder übel „Ja" sagen. Seitdem hot er aber die Lust an Geschäften verloren und seinem Schwiegersohn die Leitung ber großen Unternehmungen übertragen. Auch für seine Kandidatur als Senator ist ihm der Mut verloren und die Leute in der Stadt wundern sich, welchen ungeheuren Einfluß das junge Paar auf ben schlauen Jonathan anSübt.

Getrennt und wieder vereint.

(Nachdruck verboten.)

Es war an einem freundlichen Oktoberworgen, als Margarethe Rohden in ihrem prächtig eingerichteten Schlafgemach erwachte nnb sich bem Fenster näherte. Sie war eine reizenbe Blonbine im Alter von neun­zehn Jahren.

„Nur noch wenige Stonben, unb mein Geliebtrr kommt, um mich zum Traualtar zu führen!" rief sie entzückt vor sich hin.

Durch besondere Umstände herbeigeführt, befand sie sich bereits in ihrer für bie Zukunft eingerichteten Wohnung — in einem ber vornehmeren Viertel ber freien Stobt Homburg.

Mübe Sonnenstrahlen fielen t nrch bie Fensterscheiben auf bas blenbenb weiße Hockzeitskleib unb erhöhte seinen Glanz — doch kleine Wölkchen trübten zuweilen bie Stirn ber holben Braut.

„Was war das für ein entsetzlicher Traum I" sprach