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Illustriertes Sonntagsblatt.

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wandte sich plötzlich von uns weg; denn über seine Wangen rollten heiße Thräuen.

Zwei Monate nach unserer Verlobung hatten wir in schönstem Glück und ungetrübter Freude verlebt, und bereits am zweiten Tage in der drittnächsteu Woche sollte unsere Hochzeit gefeiert werden, als meine Hoffnungen ganz plötzlich zerstört wurden. Während ich nämlich an einem Morgen beim Lesen der soeben gebrachten Zeitung den Kaffee trank, überreichte mir mein Diener einen Brief. Ich ließ mich aber bei meiner Lektüre nicht weiter stören, sondern las den Leitartikel zu Ende, sowie die neuesten Telegramme, und sah nun erst, daß der Brief die Schriftzüge meiner Ottilie trug. Mit einer schlimmen wenn auch vollständig unerklärlichen Ahnung riß ich das Couvert auf, entfaltete in der größten Hast den Briefbogen und las Folgendes:

Mein teurer Freund!

Du hast wohl schon von dem höchst traurigen Ereignis gehört, welches uns plötzlich zu Waisen ge­macht und den Namen unseres guten Vaters vor der Welt mit Schmach bedeckt hat.

Gestern Abend, nachdem Du uns verlassen, waren wir noch eine Weile beisammen. Daraus vüoschten wir unserem Vater eine gute Nacht, und Jeder ganz in der alten Weise ging auf sein Zimmer zur Ruhe. Auch hatten wir an ihm nichts Auffallendes wahrgenommen. Alle« trug sich eben wie gewöhnlich zu. Etwa zwei Stunden konnten veigangen sein, als ich durch einen dumpfen Knall aus einem bereits festen Schlafe erweckt wurde. Ich stand sofort auf und begab wich nach dem Schlafzimmer des Vaters. Mein Bruder Gustav war schon vor mir da und versuchte den Kopf des Vaters errporzurichten; allein wir erkannten beide, daß er bereits tot war. Das neben ihm liegende, soeben entladene Gewehr sagte uns alles! Auf dem Tische lagen zwei Bilder und eine große Anzahl Briete unserer Mutter, welche sic als Braut an ibn geschrieben hatte. Der Beweg­grund zu dem so bedauerlichen Schritt ist uns sehr

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'in Paris steht nahe bevor, dem Ministerium Rouvier wird auch Herr Grövy bald folgen. Wilson, der prasidentliche Schwiegersohn, ist der Totengräber beider. Grövy ist persönlich der achtenswerteste Mensch von der Welt, aber die fatalen Geschichten seines Schwiegersohnes sind nun einmal passiert, und der Herr Schwiegervater ist ganz außer Stande, sie wieder aus der Welt zu schaffen. Grtzvy sagt, er werde sich in keinem Falle zum Rücktritt zwingen lassen; Las klingt sehr fest, aber diese Energie wird bei den obwaltenden Umständen bald genug ihr Ende er­reichen. Es besteht trotz aller Bemäntelungen kein Zweifel mehr, daß die Stellung des jetzigen Ober­hauptes der französischen Republik total untergraben ist, und wenn nicht in einer Woche, so wird sie in zweien sicher zusammenkrachen. Der Ministerkrach war der Sturmnagel für den folgenden Präsidenten­krach. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, wenn in Paris mit sehr großem Ernste die Kandi­daturen für die nächste Präsidentenwahl erörtert werden. Die Wahl wird nicht so leicht, wie bei Grevy, sein, denn kein Kandidat verfügt von vorn­herein über eine absolute Mehrheit in dem aus den beiden Kammern zusammengesetzten Kongreß, welcher in Versailles die Präsidentenwahl vorzunehmen hat.

An der Spitze der Kandidatenliste stehen Ferry und Freycinet, beide zweifellos die begabtesten Staats­männer, welche Frankreich gegenwärtig besitzt. Beide sind schon mehrere Male Ministerpräsidenten gewesen und haben alle Lust und alles Leid eines leitenden Staatsmannes Frankreichs in reichen Zügen genossen. Trotz ihres gemäßigten Auftretens sind sie in der Kammer in der unbarmherzigsten Weise herunter- gemacht worden und ihre Rücktritte sind von den Radikalen gewaltsam herbeigeführt worden. Ferry, dem man heute noch auf radikaler Seite die Schuld an der französischen Schlappe von Langson und Ton- king beilegt, und der deshalb in der Presse unter

General Saussier. Es ist bekannt, daß die Armee viel lieber einen ihr Angehörigen als Staatsoberhaupt sähe, als einen Zivilisten, aber die Kammern wollen keinen Soldaten, und so ist auch daran nicht zu denken. Es ist, wie die Dinge liegen, sehr leicht möglich, daß eine Größe zweiten Ranges zum Staats­oberhaupt gewählt wird, denn das eine steht fest: Die Tage Grevy's sind gezählt. Lange dauert es nicht mehr.

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. - Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2*/t Ml-, bei den Postämtern 2 Alk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile m Pia-, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Äür den Monat Dezember nehmen alle V Postanstalten (auf dem Lande die Landpostboten), in Kirchhain unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt), sowie für Marburg und nächste Umgegend unsere Expedition (letztere auch Wochen-Abonnements ä 20 Pfg.) Bestellungen auf dieOber- hesfische Zeitung" mit ihren Beiblättern entgegen.

Ottiliens Opfer.

Von Adolf Reiter.

(Nachdruck verboten.)

Es war heute genau vor füufunddreißig Jahren, als mir Ottilie Waldmann versprach, mein Weib zu werden; ich war der glücklichste Mensch! An ihren Fingern hatte ich den Ring gesteckt, durch welchen sie mit mir auch vor der Welt verbunden fein sollte. Die schönsten Hoffnungen Hegteich; ich war stolz auf die Wahl meines Herzens!

Ihr Vater, von vornehmer Herkunft, war fein hochangesehener Geschäslsmanu. Während er sich gegen Fremde zurückhaltend und küdl zeigte, war er doch sehr freundlich und wohlwollend seine» Freunden aud Bekannten gegenüber.

Zwei Jahre vor unserer Verlobung war ihm seine «attin gestorben. In der ganzen Gegend hatte fie als eine edle und wohlthätige Frau gegolten. Der »lte hatte mit ihr sehr glücklich gelebt, und sein Schmerz über den Verlust des so früh dahingeschiedenen Beliebten Weibes war daher ganz unbeschreiblich.

Mit den hinterbliebknen vier Kindern führte er »mi ein zurückgezogenes und stilles Leben. Das älteste war ein Sohn, der bereits die Besorgung der vernfsgeschäfte des VaterS hatte übernehmen müssen. Dann folgte weine Ottilie, nach ihr ein Bruder und dann wieder eine Schwester.

Also heute vor fünfunddreißig Jahren bat ich den Fabrtkdefitzer und Kaufmann Herrn Waldmann die Hand seiner älteste» Tochter. Ohne lange & zögern, willigte er ein. Er legte meine rechte Hand in die ihrige und sagte in feierlichem Tone: Ottilie! Sei Deinem künftigen Manne zugethan im Wohlstände, sowie auch in der Nol! Set ihm treu ,a Freud und Leid in allen Lagen des LcbenS, wie auch Deine selige Mutter es stets gewesen ist! Der Himmel aber beschütze Euch, meine Kinder!"

Er schmieg, fiel in ein tiefeS Nachdenken und

So mußt Du nicht sprechen, meine Teure! Die uuerforschliche Vorsehung hat unS in tiefe Trauer versetzt, daß wir uns aber in Folge dessen verlassen sollen, will der Himmel gewiß nicht haben."

Du magst im Recht fein, lieber Leo," antwortete fie.Allein ich habe noch eine höhere Verpflichtung, welche mich an der Verheiratung mit Dir hindert. Glaube mir, daß ich bet der Verletzung dieser Pflicht mich doch nie glücklich fübleu könnte. Die Ge­schwister bedürfen meiner jetzt mehr denn je, und als Deine Frau könnte ich mich ihrer nicht in der Weise annehmen, wie es wohl sein müßte."

Aber daS ist doch kein Grund für unsere Tren­nung, meine Ottilie!" entgegnete ich.Können denn die Geschwister nicht in unser Haus kommen? Teurer, guter Engel, ich k«nn Dich nicht mehr aufgeben!"

Leo, Du mußt eS nun eben thnn! Halte mich nicht von dem Wege zurück, den ich nun zu wandeln habe. Du würdest dadurch nur noch unfern Schmerz vergrößern. Wir vier Geschwister ziehen jetzt west hinaus tu eine sehr ferne neue Heimat, und dort wird mir bei der Ausübung meiner schwesterlichen Pflicht nichts wehr im Wege stehen. Gustav ist kränklich und schwach, wie Du weißt. Er überträgt daher die Verwaltung unserer Befitznngeu einem seiner Freunde und wird mit uns zn seiner vollständigen Herstellung auch auS Achtung vor unserem guten Vater, der ihm den Rat dazu gegeben nach Süd- derktschland ans die Dauer übersiedeln. Du weißt, daß ich Dich lieb habe, und doch kann ans einer Ver­mählung mit Dir nichts werden. Glaube mir, ich kann nicht anders ich darf Dir jetzt auch nicht alles offenbaren . . . frage wich nicht . . .'

Sie begann'zu schluchzen und konnte nicht weiter sprechen.

O, Geliebte, muß es denn in der That sein?" rief ich verzweifelt aus. Ich sah nun aber deutlich genug, daß ich auf ihren Besitz Verzicht zu leisten habe. Sie litt, und ich konnte eS auch nicht passend

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dem Spottnamen desTonkingesen" figuriert, ist Führer der Gambettisten, derselben Partei, welcher das jetzt gestürzte Ministerium Rouvier angehört, und als solcher der heftigste Gegner der Radikalen, die ihn alfo sicher nicht wählen. Ähnlich steht die Sache bei Freycinet. Derselbe gehörte anfänglich ebenfalls zu den Gambettisten, erzürnte sich dann mit Ferry und ging zu den Radikalen über. Dort dauerte das Einvernehmen auch nicht lange, denn Freycinet hatte keine Lust, nach Clemenceaus Pfeife zu tanzen. Dazu bereitete ihm der radikale Bou- langer weiblichen Ärger, und so schwenkte er denn abermals um und vertrug sich wieder mit Ferry. Beide sind, wie schon gesagt, ruhige, maßvolle Leute, die sich nach Kräften bemüht haben, zu Deutschland leidliche Beziehungen zu unterhalten.

Neben diesen Kandidaturen ersten Ranges laufen noch eine Anzahl früher zweiten Ranges. An der Spitze der letzteren steht der Senatspräsident Le Royer, ein guter, alter, aber leider sehr schwacher Mann, der in das Parteigetriebe, wie es zur Zeit in Paris herrscht, wenig hineinpaßt, und außer Stande ist, seine Autorität zu wahren. Schneidiger als der alte Le Royer ist der frühere Finanzminister Leon Say, dazu ein ganz gewiegter Geschäftsmann. Er ist aber mit der hohen Finanzwelt zu intim und das paßt wieder Vielen nicht. Freycinet, Le Royer und Leon Say sind übrigens Protestanten. Letztere beiden gehören dem Senat an. Aus der Deputirtenkammer werden ebenfalls eine Reihe von Kandidaturen ge­nannt. Zuerst ist da Floquet, der Kammerpräsident undVive la kvlvMS"-Rufer. Hinderte ihn dies Ereigniß aus seinem Leben aber schon, Minister­präsident zu werden, so wird es ihn noch mehr hindern, den Sessel der Republik zu ersteigen. Ein weiterer Kandidat ist der frühere, sehr sparsame Finanzminister Sadi Carnot, für den sich viele Stimmen erheben. Die meisten Chancen von diesen Herren scheint Anatole de la Forge aber zu haben, ein sehr liebenswürdiger radikaler Pariser Abgeordne ter. Auch er gebrauchte zu seiner Wahl indessen die Zu­stimmung der Gambettisten, da seine radikalen Freunde nicht die absolute Mehrheit im Kongreß haben.

In dritter Reihe werden der frühere Kammer- und Ministerpräsident Brisson und der jetzige Minister des Auswärtigen Flonrens genannt. Brisson hat sich indessen als Minister zu unfähig gezeigt, als daß ernstlich von ihm die Rede sein könnte, und Flourens traut man nicht so recht. Endlich kommt auch noch ein Militär in Frage, aber nicht General Boulanger, sondern der jetzige Generalgouverneur von Paris,

Marburg,

Mittwoch, 23. November 1887.

desselben der königlich bayerische Gesandte Graf von Lerchenfeld-Köfering. Die neueste Nummer des Marine-Verordnungsblattes bestätigt die Nachricht, daß nach Mitteilung des Auswärtigen Amtes vom 12. d. M. der Landeshauptmann der Neu-Guinea- Kompagnie, Freiherr von Schleinitz, demnächst einen längeren Urlaub antreten und an feiner Stelle der Geheime Ober - Postrat Kraetke die kommissarische Verwaltung des Postens übernehmen soll. Bis zum Eintreffen des letzteren in Finschhafen ist der Graf Joachim von Pfeil, welcher voraus­sichtlich im Dezember dss. Js. in Neu-Guinea ankommen wird, provisorisch zur Vertretung des Landeshauptmanns ermächtigt. Was die Gerüchte über gewaltsame Ereignisse in Kaiser Wilhelms-Land betrifft, so liegen darüber der Neu-Guinea-Kompagnie Berichte des Landeshauptmanns vor, welche in dem nächsten Mitteilungsheste der Kompagnie veröffentlicht werden sollen. Die thatsächliche Grundlage bildet ein Angriff der Eingeborenen Papuas auf die bei den Landkulturen in der Nähe von Hatzfeldhafen be­schäftigten Malayen. Erstere, offenbar die dauernde Niederlassung der Malayen befürchtend, sammelten sich in großer Zahl und beschossen letztere mit Pfeilen, verwundeten auch mehrere derselben. Infolge hiervon und zur Abwehr der fortgesetzten Bedrohung der Station und ihrer Bewohner bewaffnete der Stations­vorsteher seine Leute und drang mit denselben in die Dörfer, welche den Wohnsitz der angreifenden Papuas bildeten. Glücklicherweise trafen bald nach dem erwähnten Angriffe auf die Malayen zwei der Neu - Guinea - Kompagnie gehörige Dampfschiffe in Hatzfeldhafen ein. Die Mannschaften derselben schlossen sich der Exekution durch die auf der Station wohnenden Landsleute an und es wurden die feind­seligen Papuas vertrieben und deren Dörfer verbrannt. Dies energische Vorgehen mit der gleichzeitig in den benachbarten Dörfern verbreiteten Nachricht, daß die Weißen" keinem Eingeborenen, der sich friedlich verhalte, etwas zu Leide thuu würden, hat auf die Stimmung und das zukünftige Verhalten der Papuas einen günstigen Einfluß geübt. Anläßlich des Zwischenfalls, welcher sich bei der Ankunft des Kaisers Alexanders III. ereignete, daß nämlich an zwei ver­schiedenen Stellen (am Königsplatz und Unter den Linden) hier weilende russische Unterthanen sich dem kaiserlichen Wagen näherten, um dem Zaren eine Bittschrift zu überreichen, resp. zuzuwerfen, werden wir von zuständiger Seite darauf aufmerksam gemacht, daß es in Rußland selbst nichts ungewöhnliches ist, dem Landesherrn direkt bei seinen Ausfahrten Bitt-

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Wöchentliche Beilagen: kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Expedition Martt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch.

Aentsches Reich.

Berlin, 21. Nov. Der Kaiser nahm heute vor­mittags den Vortrag des Geh. Kabinettsrats von Wilmowski entgegen, empfing nachmittags 2 Uhr int Beisein des Grafen Herbert Bismarck und des Zere­monienmeisters Grafen Romberg den neuernannten siamesischen Gesandten Phya Donnrong Raga Bolak- hanth und später den neuernannten württembergischen Gesandten Oberst Zeppelin, sowie um 4 Uhr den Vortrag des Finanzministers v. Scholz. Die Rück­kehr der Kaiserin nach Berlin ist nach nunmehrigen Dispositionen gegen Ende dieses Monats zu erwarten. In der am 19. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrates wurden festgestellt: die Etatsent­würfe für 1888/89 für die Verwaltung des Reichs­heeres, über den Reichs-Jnvalidenfonds, der Reichs­schuld, für das Auswärtige Amt und für das Reichs­schatzamt, ferner der Entwurf zum Besoldungs- und Pensionsetat der Reichsbankbeamten mit Ausnahme der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums für das Jahr 1888. Die Zustimmung wurde erteilt: den Gesetzentwürfen über die Heimschaffung der Hmter- bliebenen im Auslande ungeteilter Reichsbeamten, sowie wegen Unterstützung von Familien in den Heeresdienst eingetretener Mannschaften und dem An­frage, betreffenb die Ergänzung des Formulars für das den Seeleuten bei der ersten Anmusterung zu übergebenden Seesahrbuchs. Der Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung des Reichshaushaltsetats für 1888/89, der Gesetzentwurf, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine u. f. w., der Antrag Württembergs wegen Abänderung des Betriebsregle­ments für die Eisenbahnen Deutschlands und die Vorlage, betreffend die Bildung einer Berufsgenossen­schaft der Unternehmer land- und forstwirtschaftlicher Betriebe für das Gebiet des Herzogtums Sachsen- Altenburg, wurden dm zuständigen Ausschüssen zur Vorberatung überwiesen. Den Vorsitz führte zunächst der Staatsminister, Staatssekretär des Innern von Bötticher, sodann nach eingetretener Behinderung

gut bekannt; der atme Vater hat ohne seine dahin­geschiedene Frau nickt länger leben können! Ich kann mich auch nur noch damit höfteu, daß beide jetzt wieder vereint sind.

Und nun, mein lieber Leo, bitte ich Dich, unser Verhältnis aufzugeben. Du darfst Dich nicht mit der Tochter einesSelbstmörders" verheiraten, wenn­gleich er nur aus reiner, inniger Liebe zu feiner leider zu früh dahiugeschiedeneu Frau derselben frei­willig gefolgt ist. Vergiß mich also I Du wirst ge­wiß noch einmal recht glücklich werde».

Möge der Himmel Dich beschützen!

Dies wird stets der innige Wunsch sein

Deiner tteibetrübten Freundin Ottilie Waldmann."

Aufs Aeußerste erschrocken, nahm ich Ueberzieher und Hut und lief eiligst nach dem Trauerhanse hin, wo ich mich von dem erschütternden Vorfall nun selbst überzeugte.

Mit kurzen Worten wies ich meiner Geliebten die Zumutung, welche sie an mich brieflich gestellt hatte, zurück. Sie blieb still und war kühl, was mich aber bei de» obwaltenden Umstände» nicht weiter be­unruhigte.

Nach zwei Wochen tiefer Trauer sah ich mich ge­nötigt, dem armen Mädchen von neuem meine innige Liebe, die durch nichts mehr in der Welt hätte ge­schwächt werden können, zu beteuern. Wiederum aut. wortete sie hierauf mit keiner Silbe.

@ieb mir nun doch eine Erklärung, liebe Ottilie," Hub ich noch einmal an, indem ich ihre Hände er­griff.Ich kann nicht leben ohne Dich Befreie mich aus der schrecklichen Ungewißheit fie ist mir unerträglich!'

Ottilie zog ihre Hände aus den meinige» ängst- lich zurück und sagte kalt und ruhig:

Leo, Du bist gut und freundlich, allein wir müssen uns trennen ? Ich werde mich überhaupt nicht verheiraten nie, niemals!"

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXII ^rtflTUOttiT Moffe in Frankfurta. M.,Berlin,Münchenn. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. SW., Berlin, Hannover. Paris.

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