Wöchentliche Beilagen: Lreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Lng. Koch.
Illustriertes Ssnntagsblatt.
M 870.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2*/4 Mk-, bei den Postämtern 2 Mk 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserti"nsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Freitag, 18. November 1887.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G- L. Daube u. Co. in Frankfutt a. M-, Berlin, Hannover. Paris.
XXII. Jahrgang.
Der vielbestnttene Besuch
der russischen Kaisersnmilie in Berlin steht nun unmittelbar bevor; wahrscheinlich am Freitag Vormittag wird der Zar an der Spree eintreffen und bis zum Abend des genannten Tages dort verbleiben. Vermeiden ließ sich der Besuch unter den obwaltenden Verhältnissen nicht mehr. Alexander III. ist und bleibt nun einmal der Enkel von Kaiser Wilhelms Schwester, und in diesem Moment, wo so traurige Nachrichten über das Befinden des Kronprinzen aus Sau Remo eingetroffen sind, ist es nur selbswer- ständlich, daß der Zar seinem greisen Oheim seine Teilnahme ausspricht. Und wir zweifeln nicht daran, daß er gern sich dieser persönlichen Pflicht unterzieht. Mag er auch noch so sehr Nationalrusie sein und von dem Deutschtum wenig wissen wollen, so hegt er doch, gerade wie sein ermordeter Vater, eine tiefe Ehrfurcht vor dem Deutschen Kaiser, und er wäre wohl längst einmal zur Erwiderung des Besuches von Skierniewice nach Berlin gekommen, wenn es die leidige Politik zugelassen hätte. Naturgemäß wird von rauschenden Festlichkeiten abgesehen werden. Am Berliner Hofe ist wohl niemand in der Stimmung, solche mitzumachen, wenngleich sich der erste Schmerz gelegt hat, und es nunmehr seststeht, daß uns der Kronprinz noch eine Reche von Jahren erhalten bleiben wird. Frellich ist es kein ungetrübtes, sorgenfreies Leben mehr, aber es ist doch Leben, ein Deutschland sehr teures und kostbares Leben. Demgemäß werden sich die Festlichkeiten, für die übrigens auch der Zar wenig persönliche Neigung empfindet, sich auf den solennen Empfang, Diner und Besuch der Oper beschränken. Der Charakterzug eines Familienbesuches wird der bevorstehende sein, die politische Seite kommt erst in zweiter Reihe, »venu auch Fürst Bismarck und möglicherweise auch der russische Minister des Auswärtigen, Herr von Giers, der Begegnung beiwohnen würden.
In Paris ist man, trotzdem es doch auf der Hand liegt, daß bei dieser Gelegenheit keine politischen Tagessragen gelöst werben dürsten, mit dem Zarenbesuch in Berlin doch wenig einverstanden. Die ftanzösische Affenliebe erstreckt sich ganz speziell aus den russischen Selbstherrscher, der einmal der Bundesgenosse im großen Revanchekriege werden soll und thut dieser einen Schritt, der mit diesen Wünschen nicht übereinstimmt, dann giebt es an der Seine für ein paar Tage ein sanftes Schmollen. So auch jetzt wieder! Nach französischer Auffassung hat der Kaiser absosut nichts in Berlin zu suchen, selbst den
Die goldene Rose.
(Nachdruck verboten.)
Weit, weit von uns, tief im Innern Afghanistans wohnt der kriegerische Stamm der Ghilzais, eine stolze Sippe, die wenig nach dem Emir fragt, der in Kabul residiert. Er liefert ihm aus feinem lieber- schuß an jungen Leuten wohl Soldaten, aber auch diese Soldaten stellen ihre Stammesverwaudtschaft in die erste Reihe, und der Emir ist von ihnen nicht geliebt, wie der Oberhäuplling zu Hause, dem alle Achtung und Gehorsam zollen. Emir Abdurrahman wußte das und er trug diesen Verhältnissen lange Rechnung. Die Ghilzais waren mit ihm zuftiedeu, die Steuern mehr eine freiwillige Leistung als ein Tribut, und die Ghilzaiosfiziere im Heere wurden besonders geehrt. Dann aber schlug die böse Stunde, die allcS total veränderte und eine düstere Katastrophe hervonief.
Emir Abdurrahman saß auf der Terrasse seines Sommerschlosses bei Kabul im Gespräch mit seinen Günstlingen, die alles aufboten, dem mißtrauischen und launischen Despoten die Zeit so angenehm wie nur möglich zu vertreiben. Ungern dachte der Emir daran, daß die Russe» j.tzt dicht an seinen Grenzen standen und wohl in der Lage waren, ihm mit leichter Mühe Land und Leute abzunehmen. „Aber wir werden sie besiegen,* rief er, »wenn sie es wagen sollten, nnser Land wirklich zu betreten!" Die Häuptlinge antworteten zvstimmend. Sie alle beteuerten, die Afghanen würden treu zu ihrem Herrscher stehen, und die Moskowiter die Gewalt ihrer Waffen suhlen lasse». Das heiterte de» Emir auf uuv lachend de- stimmte er, ans welches Thor der Kopf deS ersten getöteten russische» Offiziers ausgestellt werden sollte. Nur einer der Anwesenden hatte sich weniger an dem Gespräch beteiligt. ES war ein junger Mann, der Oberstenrang bereits in der Armee deS Emir bekleidete. Oberst Achmed war ein besonderer Günstling AbdurrahmanS. Man konnte nicht sagen, daß
schlichten Verwandtenbesuch sieht man nicht gern. Fürstliche Verwandtschaften haben heute ja freilich wenig Wert. Der Kronprinz von England ist Schwager des russischen Kaisers und die Schwester des letzteren Gemahlin eines britischen Prinzen, um nur ein Beispiel anzuführen; aber deshalb standen vor zwei Jahren beide Länder doch dicht vor einem Kriege. Im russisch-deutschen Falle liegt aber die Sache nun doch etwas anders: Enge Freundschaft zweier Staatsoberhäupter hat ein besonderes Gewicht. An eine Aussöhnung des Zaren mit dem Deutschtum und an eine Wendung seiner Politik im deutschfreundlichen Sinne ist vor der Hand nicht zu denken, darüber wollen wir uns nun keinen Illusionen hingeben, aber die engen Beziehungen zum Kaiserhause haben doch das Gute, daß Rußland nicht so leicht ein Verbündeter Frankreichs wird. Und hierin ist auch die eigentliche und Haupt-Bedeutung dieses „Familienbesuches" zu suchen.
Was sollen Fürst Bismarck und Herr von Giers auch groß miteinander abmachen? In Erinnerungen an bessere Zeiten zu schwelgen, hat keinen Zweck; die beiden Diplomaten sind auch einigermaßen über das schwärmerische Alter hinaus. Die Lösung der Orient- Frage in die Hand nehmen? O ja, es lohnte sich schon, den bulgarischen Wirrwarr aus der Welt zu bringen; aber nie und nimmer wird Fürst Bismarck sich dazu verstehen, dies auf Kosten seines Bundesfreundes Oesterreich und gegen die Interessen des eng liierten Italien zu thun, wie man von Petersburg aus dies fordert. Rußland muß seine Wünsche reduzieren, sehr reduzieren, bann läßt sich etwas erreichen, sonst nicht. Unb glaubt man, eine solche Lösung wäre in ein paar Stunden zu erzielen? Bei gegenseitigem gutem Willen wohl, aber daran hapert es eben. Und endlich, was die gegenseitige wirtschaftliche Schrauberei anbetrifft, ist da etwas zu erlangen? Zu wünschen wäre es sicher, und es ist ja öfter fchou bageroefen, baß nach heftigem Kampfe Waffenstillstanb folgte. Die Dinge hatten sich recht zugefpitzt, bas zeigt der aus den letzten Tagen stammende Erlaß der Reichsbank gegen die Beleihung der russischen Werte, und deshalb wäre es gut, wenn ein Waffenstillstand folgte, da an eine wirtschaftliche Aussöhnung für jetzt genau ebensowenig, als an eine politische zu denken ist. So liegen die Dinge klar und einfach. Die Kaiserbegegnung können wir als angenehme Gewähr für weitere Erhaltung des Weltfriedens freudig aufnehmen, im übrigen aber haben wir nicht allzuviel zu erwarten. An freundschaftlichen Worten wird es nicht fehlen; aber damit werfen die Diplomaten dann
er bereits große Schlachte» geschlage» unb viele Siege errungen, aber er war ein Meister in der Schmeichelei unb deshalb beständig am Hofe zu Kabul.
Oberst Achmed war ein gewaltiger, jähzorniger Mann. Er konnte darüber Geschichte» erzählen. Die bekannteste war diese. Achmed hatte einst ein Re. gtment kommandiert, einen Haufen von ein paar hundert Manu. Er hatte ein strenges Kommando geführt, und die Soldaten hatten viel von ihm zu leiben. Ein rachsüchtiger Kerl hatte eines Tages auf ben Oberst geschossen, der leicht verwnnbet wurde, Der Thäter sollte ein junger Soldat, namens Sidi, aus dem Ghilzaistamme sein. Die Folter konnte den Burschen nicht zum Geständnis bringen; er be. ftütt seine Schuld, gab aber zu, daß er den Thäter kenne. Er werde ihn aber nicht nennen, da derselbe sein Stammesgenoffe sei. Der Zorn deS Obersten, daß ihm her wirklich Schuldige entwischen sollte, kannte keine Grenzen; er befahl, Sidi zum Tode zu martern. Da trat ein Ghilzai - Offizier, Azim, dazwischen und sprach für seinen entsetzlich gequälten Landsmann. Achmed zückte den Säbel auf den voreiligen Sprecher, dieser riß seine Waffe heraus unb in dem folgende» kurze» Kampfe mnrbe der Oberst schwer verw»»det. Azim wurde durch Spruch deS Emir zu lebenslänglicher Sklavenarbeit verurteilt. Seinen Tob, den Achmed forderte, 'erhielt er nicht «»gesprochen. Er sollte aber »och mehr von ben Ghilzais leiben. Seit biefer blutigen Grausamkeit würben mehrfache Mordversuche auf ben Günstling beS Emir gemacht, benen derselbe rnt mit genauer Not entrann. Stets waren die Attentäter Gbilzais, Und daher schrieb sich der fünft rliche Haß Oberst Achmeds gegen diesen Mordstamm, wie er ihn nannte.
Jetzt glaubte erbte guteG legeuheit sei gekommen, dem ganzen Stamme die angesummte Schuld zurückzuzahlen. mit Zinsen, reichliche» Zinsen. Mit sorge», voller Stimme Hub er an: „Sicher werden alle Afghanen Deinem Rufe folgen, o Herr, wenn Du die grüne Fahne zum Kampfe gegen die Moskowiter
bekanntlich am meisten um sich, wenn von Thaten keine Rede!
Deutsches Deich.
Berlin, 16. Nov. Der Kaiser, welcher sich gestern um 9 Uhr zur Ruhe begab, hat die Nacht über recht gut geschlafen und stand heute um IO1/« Uhr auf, nahm die Vorträge des Oberhofmarfchalls Grafen Perponcher und des Geheimen Kabinettsrates von Wilmowski entgegen, empfing den rufsischen General Kutosow und machte darauf die erste Ausfahrt nach feiner letzten Erkrankung. Um 4 Uhr erscheint Fürst Bismarck zum Vortrage. — Der Aufenthalt der Kaiserin in Coblenz hat sich bisher insofern günstig gezeigt, als der leidende Zustand der Kaiserin nicht schlimmer geworden ist. Die Kaiserin geht jeden nachmittag im Schloßgarten zu Coblenz eine halbe Stunde spazieren, selbst im Regen, dann pflegt sie noch im Wagen eine Ausfahrt zu machen.' Selbst ihre gesellschaftlichen Gewohnheiten erleiden keine Unterbrechung. Sie hat zu den Diners Gäste, und wenn sie auch nicht an der Tafel erscheint, so sieht sie dieselben doch im Gerde beim Kaffee. Die Abende beim Thee pflegt die hohe Fran in Gesellschaft der Personen ihrer Umgebung zn sein. Voraussichtlich dürfte die Rückkunft der Kaiserin nach Berlin in diesem Jahre früher als fonst geschehen. — Fürst Bismarck wird voraussichtlich dauernd hier bleiben. Es stehen dem Vernehmen nach wichtige staatsrechtliche Erwägungen unb Entschließungen bevor, bie burch den nunmehr konstatierten Zustanb bes Kronprinzen veranlaßt werben. — Der Bundesrat genehmigte in einer gestern unter bei» Vorsitz bes Staatsminrsters, Staatssekretärs bes Innern von Bötticher adgchaltenen Plenarsitzung bie nachstehenden Etatsentwürfe für 1888/89, betreffend bie Einnahmen des Deutschen Reiches an Zöllen, Verbrauchssteuern und Aversen, die Einnahmen an Stempelabgaben für die Verwaltung der Eisenbahnen, die Reichs - Justizverwaltung, den Reichskanzler und die Reichskanzlei, das Reichs - Eisenbahnamt, den Rechnungshof des Deutschen Reiches und für das Reichsamt des Innern. Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Schutz von Vögeln, und der Gesetzentwurf über die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen wurden, ersterer den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Justizwesen, letzterer dem Ausschuß für Justizwesen zur Vorberatung überwiesen. Außerdem wurde über die Berechnung des Ruhegehalts mehrerer Reichsbeamten, sowie über die Zollbehandlung verschiedener Gegenstände Beschluß
entfaltest, nur bitte ich Dich, einem Stamme nicht allzusehr z» trauen, denn schon lange sagt man, daß fremdes Gold heimlich in feine Thäler gelange !"
„Von wem sprichst Dn?" rief der Emir. „Seim Sorte deS Propheten, sind Deine Worte wahr, so sollen die Schuldigen meinen Zorn fühlen l*
„Von den Ghilzais spreche ich," rief der Oberst, ans die Kniee fallend. „ES ist fest Langern kein Geheimnis mehr, daß sie gern daS Gold des Mos- kowsten in ihren Häusern bergen. Und wer auf die Worte Deiner Feinde hört, Herr, der ist Dein Freund nicht mehr."
Der Emir warf einen forschenden Slick im Kreise umher. „Redet Ihr," sagte er kurz. Da konnte denn allerdings keiner mit voller Gewißheit die Anklage» Achmeds erhärte», aber niemand sprach zu Gnnste» des stolzen Stammes, der sich bisher aller habsüchtige» Unterbrüdungen ber Statthalter unb Seamten des Emir erwehrt hatte. Immer finsterer wurde das Gesicht AbdurrahmanS, und daun folgte eine lange Pause.
„Eure Worte unb Anklagen habe ich vernommen," sagte er endlich, „ich werde die GhllzaiS prüfen lassen. Die Steuer», die meine Gutmütigkeit und Nachsicht ihnen fast schenkte, werde» jetzt genau erhoben. Daran will ich erkenne», ob sie als ihre» Herren mich ehren, wie eS sich gebührt. Traget Sorge, daß mein Wille genau anSgsführt werde." Und eS wurde nur zu gut dafür gesorgt.
Akbar, der Kluge, war der Vorsteher eines großen GhilzaidorfeS im Gebirge. ES war der Vater AzimS, der tu Kabul in Kette» schmachtete, unb bet schönen Farrah, bie man weit nnb breit bie goldene Rose nannte. Sie war eine Rose nnb wertvolles Kleinod, bie Schönste aller Ghilzaistämmen. Schon lange hatten die Statthalter beS Emir von ber wunderbaren Schönheit des Mädchens gehört, aber alle Versuche, sie auS dem Hause des Vaters zu entführen, scheiterten an der Wachsamkeit beS alten Akbar. Von früher Jngenb auf wat sie Sudscha, bem jungen
gefaßt. — Gemäß einer zwischen dem Finanzministerium unb dem Präsidenten der Reichsbank erfolgten Vereinbarung kann von der Rerchsbank auf den unter der Aufsicht der Steuerämter lagernden Branntwein dem Brenner und Eigentümer ein Vorschuß bis zu zwei Dritteln des unbelasteten Wertes des Branntweins gewährt werden. — Im Reichsjustizamt trat gestern die Kommission zur Begutachtung des Entwurfs betreffend die Revision des Genossenschafts- Gesetzes zusammen. Die Kommission besteht aus 21 Mitgliedern. Den Vorsitz führt der Staatssekretär von Schelling; außer ihm sind noch drei Mitglieder ans dem Reichsjustizamt in die Kommission delegiert, darunter der Direktor Hanauer. — Die durch verschiedene Blätter gegangene Nachricht, daß zwei neue Eisenbahnbataillone errichtet werden sollen, wird von ber „Kreuz-Ztg." bestritten. Es sei für jetzt eine Verstärkung jener Truppengattung nicht in Aussicht genommen.
— Einer Privatmelbung aus San Remo zufolge erfolgte in ber gestrigen Nacht ein Ausfluß einer gelblich schleimigen Masse (wahrscheinlich Eiter) aus bem Kehlkopfe bes Kronprinzen; nach dein Ausflüsse trat ein Abfallen ber Geschwulst ein, ber Kronprinz fühlte sich wesentlich erleichtet. Das Allgernein- befinben des Kronprinzen ist fortgesetzt ein vorzügliches. Der „Nationalzeitung" zufolge hanbelt es sich wahrscheinlich um einen infolge des Oederns unb der Knorpelentzündung gebildeten Abzeß. Ein Präparat aus der Masse soll dem Geheimrat Virchow zur Untersuchung übersandt werden. — Nachrichten aus Odessa besagen, daß Professor Skarewski daselbst an die deutsche Kronprinzessin telegraphierte, um seinen Kollegen in San Remo die Anwendung von Terpentin von Chios bei bem beutschen Kronprinzen innerlich unb als Dampfinhalation zu empfehlen. Der Sultan hat bem Kaiser Wilhelm wegen bes Zustanbes des Kronprinzen telegraphisch sein Bedauern ausgebrückt. — lieber bie Zeitungs-Berichterstatter unb den Telegraphenverkehr in San Remo berichtet ber „Osservatore Gattolico": „Es beftnben sich in San Remo seit mehreren Tagen übet 30 Berichterstatter großer ausländischer Zeitungen, um über den Verlauf dieser für die Weltgeschichte so eilischneidenden Krankheit aus erster Hand unterrichtet zu sein. Das Gros der Reporter liefert die englische Presse. Das Telegraphenpersonal in San Remo mußte verdoppelt werden, um die zahllosen Telegramme befördern zu können. Unter anderem findet ein regelmäßiger chiffrierter Depeschenwechsel des englischen Konsuls mit dem Kabinett von St. James statt. Diese Depeschen sind
Häuptling, zur Fra» versprochen, so sagte es das Wort des Vaters, nnb das hielt Farrah in Ehren. In einem Jahre sollte die Hochzeit stattfinden, die goldene Rose die Gattin beS tapferen Kriegers werden. Akbar hatte die Kunde von der Verurteilung seines Sohnes mit finsterem Gesicht ausgenommen, schwer traf ihn dieser Schlag, aber er beugte sich vor dem Mächtigen und wartete in Geduld auf bessere Tage.
In AkbarS Haus erschien mit starkem bewaffnetem Gefolge der Steuererheber des Statthalters. Längst lag die pflichtige Abgabe bereit. Aber welche Angen machte der Alte, als er hörte, die Steuer sei plötzlich verdreifacht. „So will eS unser Herr, der Emir," sagte der Beamte kurz, „daran will er erkennen, ob Ihr seine treuen Untertanen ober Freunde beS Moskowiters seid!"
„Wir bienen nnfertn Herrn, bem Emir, treu," beteuerte Akbar» „unb deshalb wird er uns auch unser gutes Recht lassen. Siehe, alles liegt bereit, wie eS bisher stets war!"
„Nichts da," lachte der Beamte, „Du wirst bie Summe und bie Feldfrüchte verdreifachen, ober ich zeige Dich beim Khan als Rebellen an." — „Das wirst Du nicht thun, benn bann würdest Du nicht die Wabrheit sagen." — „Unb ich werde eS doch thun," schrie der Beamte, „wenn Du nicht zahlst."
„Ich kann nicht mehr zahlen," antwortete Akbar immer noch ruhig. „Weißt Du selbst eS doch am besten, daß baS Jahr kein gesegnetes war, daß wir sorgfältig sparen müssen, um nicht Not zu leiden!"
„WaS g-ht das mich an?" antwortete der Steuererheber. „Höre ben Willen deS Khan: Du wirst die Summe zahlen, oder ich nehme Deine Tochter Farrah als Pfand mit. Haltet Euch bereit, Soldaten!"
Der Alte stand lange Zett gebeugt da. Da fügte er: „Ich werde zahlen, aber ich bin ein armer Mann."
(Schluß folgt.)