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Illustriertes Sonntagsblatt.

M 269

Wöchentliche Beilagen: «reis-Blatt für die Kreise Marburg 1UÜ) Kirchhain

Erprditiou Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Anzeigen nimmt entgegen di- Sxpeditmn d. Blatte-,

Feintagen -Quartal.«b°nnementS.PreiS bei der Expe- ^VVUTVUTU, s°Me d. Annoncen-Bureaur von Haasenstem und Vogler

bition2V.Mk. bei den Postämtern 2 Mk SO Pfg. (exkl. _ ~ ,n Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XaIL ^(Mrflllttll

Bestellgeld! Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile DvNNerstag, 17. NoVeMer 1887. Moste in Iranlsurta. M Berlin, Münchenu. Köln; G- L. B B

10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. Daube u. Co. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover. PanS.

Vier Anarchisten

haben in Chicago den Tod durch Henkershand ge­sunden, nachdem ein fünfter sich der irdischen Gerechtig­keit durch Selbstmord entzogen hatte. Zwei andere sind zu lebenslänglicher Strafarbeit begnadigt. So ist der verbrecherische Versuch, mit Mord und Brand die bestehenden Rechts-, Staats- und Eigentumsver­hältnisse umzustürzen, und das bei dem Dynamit­attentat freventlich vergossene Blut gesühnt. Die Amerikaner, welche, so lange die verbrecherischen Be­strebungen der Anarchisten, wie die ähnlichen der Nihilisten und irischen Mondscheinler, sich lediglich auf Europa bezogen, denselben in ihrem Lande ein sicheres Asyl gewährten, haben zu ihrem Schaden die Wirkungen der verbrecherischen Lehren an sich em­pfunden, welche Most und Genoffen unter dem Schutze des Asylrechts ausgesäet, sie haben aber alsdann sich weder durch Drohungen noch durch Bitten von der Fällung und Vollstreckung des Todesurteils abhalten lasten, und es unterliegt keinem Zweifel, daß einem etwaigen neuen Gewaltstreiche der Anarchisten mit der größten Energie und Rücksichtslosigkeit begegnet werden würde. Auch ist zu hoffen, daß, nachdem die Amerikaner einmal an sich selbst die Gefährlichkeit dieser Bestrebungen erprobt haben, die Vereinigten Staaten aufhören werden, der sichere Zufluchtsort für alle Elemente dieser Art, denen der Boden in Europa zu heiß geworden ist, und der Herd neuer ver­brecherischer Bestrebungen gegen die Staats- und Rechtsordnung Europas zu sein.

Auch in Deutschland hat die Veranstalter des Niederwaldattentats und den Mörder des Polizeirats Rumpf das verdiente Schicksal erreicht. Gegen ver­brecherische Bestrebungen dieser Art ist in der That die volle Strenge des Gesetzes nichts anderes als ein Akt der Notwehr. Gerade dieser von keinem höheren Gedanken getragenen, aber vor keinem Ver­brechen aus Gründen des Gewissens zurückschreckenden Rotte gegenüber gilt es ein warnendes Exempel zu statuieren. Ohne Zweifel wird in dieser Hinsicht, wie die rasche Aburteilung der in Deutschland be­gangenen Verbrechen, die in Chicago vollzogene Hin­richtung ihre Wirkung üben. Nur bei Bewegungen von sittlichem Gehalt giebt es Märtyrer, und nur solche schöpfen aus dem Blute ihrer Anhänger neue Kraft. Wo aber, wie bei den Anarchisten, jeder sittliche Hintergrund fehlt und nichts als eine an Wahnsinn grenzende verbrecherische Lust obwaltet, da wird das unerbittliche Walten der irdischen Gerechtigkeit dem Weiterwuchern der geistigen Krankheit einen

Böses Gewissen.

Original-Roman von Tr. Rindl-r.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Ich verstehe Dich nicht, Hortense."

Ich will mich Dir sogleich verständlich machen und bitte nur, daß Dn mich gütigst nicht unterbrichst.

Ich verspreche, Dir die 10,000 Mark, deren ich eben erwähnte, in dem Augenblicke, in welchem Du mir versprichst, auszuwandern, bis auf tnn letzten Heller einzuhändigen und verpflichte mich zugleich, Dir nach Arlaus eines Monats eine gleiche Summe nach Amerika oder Australien, wohin Du willst, zu senden, wenn Du dagegen etnwilligst, in den nächsten 15 Jahren europäischen Boden nicht wieder zu betteten."

Eine allerliebste Zumuthnng das," ries Felix, und eS ist erlaubt, nach den Gründen Deiner Pro- Position zu fragen?"

Str nickte.Die find sehr einfach. Ich habe mich am Tage nach meiner Ankunst hier mit Fritz Klausner verlobt, und in aller kürzester Zeit wird unsere Hochzeit sein. Dn begreifst, daß mir da die leider zu nahe Verwandtschaft mit Dir leicht unbequem werden könnte: nun, und um nun diese Unbequemlichkeit zu vermeiden, möchte ich ein Wellenmeer zwischen uns gelegt sehen."

Felix war erregt aufgesprungen und hatte mit großen Schritten daS Zimmer durchmessen. Jetzt blieb er vor Hortense stehen, schlug sich vor die Stirn und sagte:Mädchm, hast Du denn den Verstand verloren? Ist mir denn schon jemals eine kolossalere Dummheit vorgekommen? Eine Schönheit wie Du! Und weiß er denn, wer Du .bist? Kennt er Dein L.ben, Deine Vergangenheit?"

Noch nicht, und wozu auch," warf sie ein.

Bist Du denn aber sicher, daß irgend ein Um­stand sie ihm nicht verrät?"

Nun und wenn dies geschieht?" entgegnete sie

heilsamen Damm ziehen. Wir in Deutschland können mit einer großen Genugthuung darauf Hinblicken, daß Dank der Energie, welche die Staatsgewalt von Anfang an bewiesen hat, nur Verbrechen völlig ver­einzelter Natur vorgekommen sind und jede Ansteckung weiterer Kreise vermieden worden ist.

Die feste Haltung indeffen, welche die ameri­kanischen Behörden in der Vollstreckung des gegen die Anarchisten von Chicago gefällten Todesurteils, unbekümmert um alles terroristische Geschrei, beobachtet haben, verdient Anerkennung. Aus dem Bericht über den traurigen Akt der Hinrichtung selbst ist erwähnens­wert, daß die vier Verurteilten, obwohl totenbleich und zum Teil mit Angstschweiß bedeckt, doch einige heuchlerische Prahlereien angesichts des Schaffots nicht unterlassen konnten. So erklärte der eine, Fischer, den Augenblick, wo ihm die Schlinge um den Hals gelegt wurde, für den glücklichsten seines Lebens! Solche eitlen Renommistereien, zu denen die letzte Kraft zusammengerafft wird, sind eine widerwärtige Komödie, die niemanden über das Elend, welches die Seele eines Mannes erfüllen muß, der am Ende seines Lebens auf keine andere Frucht desselben als Haß, Gift und Zerstörungswut zurückblicken kann, zu täuschen vermag. Für uns ist weiter von beson­derem Interesse, daß auch die deutschen Sozialisten Bebel, Liebknecht, Singer und Grillenberger tele­graphischim Namen der Menschlichkeit" undob­wohl erklärte Gegner des Anarchismus" an den Gouverneur von Illinois die Bitte gerichtet haben, das Leben der Verurteilten zu schonen. Diese An­rufung der Menschlichkeit zu gunften von Mordbuben, die eben noch unter Anwendung von Dynamitbomben sich über Blut und Leichen den Weg in die Freiheit bahnen wollen und, wenn begnadigt, ihr anarchistisches Handwerk ohne Schonung von Leib und Leben un­schuldiger Bürger sofort wieder ausgenommen hätten, ist an sich ein wahrer Hohn auf den gesunden Menschenverstand. Aber wie kommt es denn, daß Bebel, Sinqer und Genossen, obwohl nach ihrer Versicherungerklärte Gegner der Anarchisten", doch nur für diese, und nicht für jeden beliebigen anderen Mörder sich in so warmer Weise interessieren und alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre Begnadigung zu erzielen? Auf diese Frage giebt es doch nur eine Antwort, nach welcher die Phrase von der Gegner­schaft unserer Sozialdemokratie gegen den anarchi­stischen Bruder als eine durchsichtige Heuchelei er­scheint und welche diesen Fürsprechern für den be­drängten Anarchismus im Deutschen Reichstag nicht vorenthalten werden wird.

kalt,so werde ich eine Generalbeichte ablegen, und er wird mich dann mehr lieben als vorher."

Und Du glaubst wirklich, daß ein sogenannter Mann von Ehre Dich heiraten würde, statt Dich den Gerichten zu überliefern? Dich, die Schwester eines Hochstablers, eines Falschspielers, die selbst in diesen Künsten nicht ungeübt ist, die ihre Erpressungen nach Dutzenden zählt?"

Pfui!" fuhr sie auf.

^as klingt nicht schön, nicht wahr? Aber ist es meine Schuld, sorellina daß die Juristen solch häßlich- Bezeichnungen für unser Kunsthandwerk ge­wählt haben?"

Was habe ich denn gethan", rief sie erregt. Ich habe Geschenke, die mir gemacht wurden, nicht zurückgewieftn; das ist alles."

Aber die Art, stella mia, auf welche Du diese Geschenkeerschwindelt", würden wieder diese nu- höflichen Juristen sagen"

Schweig herrschte fie ihm zu.

Nun, nun, so laß uns doch, einmal wie ver- nünftlge Leute mit einander reden. Wir wollen einfach jedes Für und jedes Wider erwägen, und, glaube mir, ich werde Deinem Vortell sicher nicht im Wege stehen, wenn ich auch meine Rechnung dabei finde. Also: Gesetzt, Deine gewiß rühmliche Vergangenheit ließe sich völlig verschweigen, ebenso wie jedes verwandtschaftliche Verhältnis zwischen uns, und Du heiratetest nun wirklich dielen verliebten Narren, welches LooS stände Dir bevor und welchen Vorzug gegen Dein jetziges Leden hättest Du dadurch errung-n? Du wärst die Fran eines bürgerlichen EbrenmanneS, der allerdings, wie ich mich genau erkundigt habe, durch seine in letzterer Zeit außer­ordentliche Verschwendung sein ursprünglich recht hübsches Vermögen arg geschmälert hat, so daß Euch vielleicht noch eine jährliche Rente von etwa 2000 Thalern bleibt. Da» ist, wenn man gewöhnt ist, ein Leden zu führen, wie Du, sorellina, so gut wie nichts denn Equipage und Kammermädchen allein kosten

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Nov. Der Kaiser, der sich gestern abend 9^4 Uhr zur Ruhe begab, hat die Nacht über recht gut geschlafen und stand heute um 11 Uhr auf, nahm darauf die Vorttäge des Oberhofmarschalls Grafen von Perponcher und des Chefs des Militär- abinets Generals von Albedyll entgegen. Prinz Wilhelm wird dem Kaiser von Rußland dis zur Grenze nach Wittenberge entgegenfahren. Der Reichsanz." meldet: Dr. Moritz Schmidt hat Sr. Majestät dem Kaiser und Könige über die Kon- ültation am 11. November 1887 Nachstehendes be­richtet : Bei der Untersuchung des Kehlkopfes des Kronprinzen haben die versammelten Aerzte fest- tellen können, daß das Leiden durch das Vorhanden- ein einer bösartigen Neubildung bedingt ist; dieselbe ätzt vorwiegend unter dem linken Stimmbande und an der Hinterwand des Kehlkopfes, kleine Anfänge zeigen sich auch auf der rechten Seite. Das Uebel ist bis jetzt ein örtliches'und hat das Allgemeinbe- rinben nicht beeinträchtigt; die Gefahr der Neubildung liegt in deren allmähliger Zunahme. Nachdem Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit sich nicht für Heraus- nehmen des ganzen Kehlkopfes entschieden, wird in einer längeren oder kürzeren Zeit durch Auftreten von Athemnot der Lufttöhrenschnitt vermutlich not­wendig werden. Die versammelten Aerzte haben Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit empfohlen, den Winter im Süden zuzubringen, weil der Auf­enthalt daselbst es eher ermöglichen wird, die Körper­kräfte auf dem jetzigen Stande zu erhalten. Mit Vorstehendem stimmt der von dem stellverttetenden Leibarzt Dr. Schrader hierher gelangte Bericht durch­aus überein. Es ist Vorsorge getroffen, daß für den Fall des Bedürfniffes eine bewährte chirurgische Kraft in Sau Remo zur Stelle ist. Mit Rücksicht darauf, daß der Kronprinz über kurz ober lang sich einer Luftröhrenöffnung wirb unterziehen müfien, von ber man freilich auch nicht anuähernb voruus- iagen kann, wann sie notroenbig werben wirb, hat ber Kaiser nach Rücksprache mit ben hiesigen Aerzten angeorbnet, daß der erste Assistent an der hiesigen Universitätsklinik für Chirurgie, Dr. Bramanu, sich unverzüglich nach San Remo begiebt und in der Umgebung des Kronprinzen bleibt, um diese Operation, die an sich nicht lebensgefährlich ist und zur Verlängerung des Lebens des Kronprinzen wesent­lich beitragen wird, vorzunehmen, sobald sie erfor­derlich werden sollte. Dr. Bramcmn, der noch in einem ziemlich jugendlichen Alter steht, gilt hier als

mehr. Dafür hast Du nun aber einen Mann, der verpflichtet ist, für Dich zu sorgen und der dies gern thut, weil er Dich lieb bat. Er arbeitet also um G-ld zu verdienen. Wenn Du aufgelegt bist, ein wenig mit ihm zu plaudern, mit ihm spazieren zu fahren wünschtest, Gäste empfängst: niemals hat er Zeit. Nun, bas ließe sich noch ertragen, wenn er nicht außerbem eifersüchtig wäre, wie ein Othello, ber Dir den Umgang mit anbein Männern nicht gestattet. Dich überall mißtrauisch beobachtet unb von besten Leidenschaftlichkeit Du bet einem kleinen Ver­gehen das ärgste zu fürchten hast. So viel er sich Dann auch mühen mag, er wird Dir nie im Leben bieten können, wie Du es jetzt führst. Und Sparen und entbehren werden dann die Worte fein, deren Bedeutung Du am gründlichsten wirst kennen lernen. Drum, mein Rat wäre, nimm, was Du bekommst, und laß ihn laufen."

Hortense war in tiefe Gedanken versunken. Sie war noch nie darauf gekommen, daß Fritz Verwögen nicht unerschöpflich sei und daß Ausgaben, wie er jetzt fie täglich machte, vielleicht fein Können über­stiegen. Sie liebte ihn, das sagte fie fich täglich. Aber bei ihr hatte dies Wort nicht die Be­deutung, die ihm eigentlich inne wohnt, die Deutung der Fähigkeit, sich für den Geliebten aufzuopfern, wenn bas Schicksal eS verlangte, in völliger Selbst- Vergeffeuheit aßt3 hingebcn, alles erdulden zu können für ihn. Hortense liebte nur, von Fritz bemnnbert und umschmeichelt zu werden. Daß an seiner Seite sie vielleicht Entbehrungen unb Sorgen erwarten könnten, daran hatte sie nie gedacht. Und dieser Gedanke schreckte fie zurück.

Als jetzt Felix zu ihr trat und ihr Gesicht emporhob um ihr in die Augen sehen zu können, sagte sie des­halb:Du hast wieder einmal Recht, Fei x; ich bin ein recht tätigte» Kind gewesen."

Du bist also überzeugt?" Er streichelte ihr fast zärtlich die Wangen, indem er fich auf dir Lehne des Stuhles stützte,Deine goldene Freiheit ist

der hervorragendste Gehülse des Geh. Rates von Bergmann. Geheimrat von Bergmann hat in seiner gestrigen klinischen Vorlesung die Operation der Halb­eitigen Kehlkopf-Resektion wegen Krebserkrankung an einem 50jährigen Patienten ausgeführt. Die Operation verlief glücklich und Profeffor v. Bergmann verbrei­tete sich ausführlich über die Bedingungen, welche diese Operation notwendig machen, über die Art der Ausführung und über die Aussichten auf Erfolg. Ein mehrere Hunderte von Zuschauern umfassendes Auditorium folgte mit Teilnahme und gespannter Aufmerksamkeit dem Vortrage des glänzenden Opera­teurs und verglich im stillen die Vorteile einer früh­zeitigen Operation mit dem jetzigen tragischen Schicksal unseres Kronprinzen. Der Operation wohnten Dr. Moritz Schmidt und Professor B. Fränkel bei; letzterer hatte dem Patienten aus seiner Praxis Herrn von Bergmann vorgeführt. Der Bundesrat, der Ans­chuß desselben für Rechnungswesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Rech­nungswesen, sowie die vereinigten Ausschüffe für das Landheer und die Festungen, für das Seewesen und ür Handel und Verkehr hielten heute Sitzungen.

DieBerk. Polit. Nachr." die bekanntlich zuweilen von Herrn Finanzminister v. Scholz mit Informa­tionen versehen werden, wollen wissen, die politischen Motive für die gegen die russischen Werte gerichtete Maßregel seien zum guten Teil auch aufdie russischer­seits getroffenen militärischen Vorbereitungen zurück­zuführen, welche sich jetzt in dem Vorschieben neuer großer Kavalleriedivisionen an die deutschen unb österreichischen Grenzen, sowie in ber Beschleunigung aller militärischen Bauten unb Vorbereitungsarbeiten jenseits ber russischen Grenze dokumentieren und in politischen wie in wohlorientierten finanziellen Kreisen lebhafte Beunruhigung verbreitet haben. Auch die neuerdings auf den Rücktritt des Herrn v. Giers Bezug nehmenden Gerüchte mußten diese Anschauung der öffentlichen Meinung in Deutschland noch verstärken." In dem dem Bundesrat wieder zugegangenen Gesetzentwurf betteffend die unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen ist den Beschlüssen der früheren Reichstags - Kommission überall thunlichst Rechnung getragen worden. Die Hauptabweichung trifft das Verbot der Veröffent­lichung der Preßberichte, indem dasselbe nur für diejenigen Fälle ausgesprochen wird, wo das Gericht die Öffentlichkeit aus Gründen der Staatssicherheit ausschließt.

Die reichsgesetzliche Regelung des Schutzes der nützlichen Vögel ist schon öfter Gegenstand der Er- aßetnal besser, al8 der enge Käfig des sogenannten glücklichen Familienlebens."

Sie nickte ihm zu, unb er küßte sie in sehr un­gewohnter Zärtlichkeit auf die Stirn.

Was war bar?" sagten fie im nächsten Moment beibeunb lauschten hinan»; aber es blieb alles ruhig.

Es war ein Irrtum," sagte Hortense;aber es wirb boch gut sein, wenn Du Dich jetzt zurückziehst."

Er rteb sich bie Stirn.

Ja, und zwar habe ich Eile. Vor allen Dingen merke Dir: Graf Dammark existirt nicht mehr: mein Name ist Baron Schaltern!'' Und habet verneigte er sich vorftellend.Graf Dammark hat in Leipzig ein sols kleines, unliebsames Renkontre gehabt, tm Jeu, Du weißt und da möchte ich am liebsten noch heut Abend nach der Schweiz abdampfen; die Polizei hat hier eine unangenehm feine Nase. Wie stehis, begleitest Du mich? Wie scheint Dir ein kleiner Aufenthalt in Monaco?"

Hortense überlegte einen Augenblick: Morgen sollte ihre Verlobung veröffentlich werde»; eS war vielleicht am besten so.

Wann geht der Zug?" fragte fie.

In einer Stunde.

Gut, ich werde zur Zeit auf dem Bahnhof fein." Noch ein Händedruck dann trennten sie fich.

Im dem Augenblick, *al8 Felix seine Schwester geküßt, war der Lauscher, der lauge schon vor dem Schlüsselloch kniete, zusammengezuckt und hatte dabei an ein Möbel in der Nähe gestoßen. In der Furcht, auf feinem Posten entdeckt zu werden, war er bann fortgeschlichen in fein Zimmer. Joseph war noch nicht zurück. Er ließ fich auf einen Stuhl nieder, unb boch wußte er kaum, was er hier wollte. Da fiel sein Blick auf ben Pistolenkasteu in bem geöffneten Koffer, er bückte fich unb ließ eine der kunstvollen Waffen in feine Rocktasche gleiten. Dann stand er auf, schlich leise und vorsichtig wie ein Verbrecher die Treppen hinab, zum Hause hinaus. Sobald er